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23.7.1917 Erstes Blatt
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M. Jahrgang

- llr. *70

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Montag, 23. Juli l 3Xi

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MHug der LHeK <mf elfter K'M VM PO Kilometern l

Lloyd Georges IniVori m Michaelis.

<WTB.) Grobes Hauptquartier, 21. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Ru pp recht.

In Fla n dern tobte auch gestern der Feuerkampf in mrr zeitweilig nachlassender Heftigkeit.

Im Artois steigerte sich die Artillerietätigknt vormit­tags zwischen dem La Bassoe-Kanal und Lens, nachmittags auch auf beiden Ufern der Scarpc.

Wie in den Vortagen, blieben Vorstöhe starker Ertun- dungsabteilungen gegen mehrere Stellen unserer Front für den Feind ergebnislos.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Mrr im mittleren Teile des Cbemin des DLmes war die Feuertätigkeit stark. Französische Angriffe sind bis­her nicht erfolgt.

Dagegen drangen abends Teile eines westfälischen Regi­ments in die feindlichen Stellungen ein. überwältigten die Besatzung rmd kehrten {jfciitc früh mit 100 Franzosen von dem kühnen Handstreiche vollzählig wieder in unsere Stellung zurück.

Auch bei Kort de la Pompelle südöstlich von Reims und auf beider: Maasuferu brachten Erkundungen durch frisches Dranfgchen eine gröbere Zahl von Gefangenen ein. Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Kerne besonderen Ereignisse.

O e st l i ch c r Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Pr inzLeopoldvon Bayern.

Unsere AngriffSbcweguug in Ostgalizien hat den beabsichtigten Verlauf gerwnnnen. Hinter den eiligst tlrnckqehcnden russischen Kräften, von denen nur ein Teil sich bisher zum Natzkampf stellte, haben u itsere Truppe n in ungestümem Nachdrängen in 4 0 Kilo met er Breite d i e Straße Zlo: zow Tarnopol bei­derseits von Jezierna überschritten. Wo der Feind standhielt, ist er in raschem Ansturm geworfen. Wie in scheren Jahren, zeigen brennende Ortschaften und große Zerstörungen den Weg. den die Russen genommen kMrn. Weitere Kämpfe werden erwartet.

Nördlich von Brzezany nahmen österreichisch-ungarische Truppen die am 1. Juli verlorene Stellung nach hartnäcki­gem Kämpft zurück.

Nördlich des Dnjestr scheiterten Vorstöße der Drssen vor unseren Linien.

Südlich des Flusses wurde der Feind aus Dab in ge­worfen: bei Nowica stürmten deutsche und österreichisch- ungarische Regimenter die russische Höhensteliuug trotz hart­näckiger Gegenwehr.

Vom Stor^id bis zur Ostsee steigerte sich vielfach die Feuertatigkcit. Besondere Stärke erreichte sie zwischen Krewo und Smorgon und bei Dünaburg.

Front des Generalobersten Erzherzog Josef.

Im nördlichen Teile der Waldkarpathen hat das t^- bafte Feuer angehalten.

Heeresgruppe des Generalfekdmarschalls von M a ck e n s e n.

Am unteren Sereth sind die Russen und Rumänen tätiger als sonst.

Ein eigener Vorstoh an der Rimnienl-Mündung brachte uns 80 Rumänen und mehrere Maschinengewehre ein.

An der

Mazedonischen Front ist die Lage unverändert.

Der Erste Generalguartiermepter Ludendorsf.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 22. Juki. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronp rinz Rnpp recht.

Die Kampftätigktit des Feineds war gestern geringer als iu den Vortagen urw nur in einzelnen Abschnitten der flandrischen Schlachtfwnt stark. Sie hat sich heute gllgemein wieder gesteigert.

Im Artois dauert lebhaftes Feuer vom La Bassee- Karmt bis südlich von Lens an.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Am Ehemin des Dames waren bei Braye und Cerny Einbrüche in die französischen Stellungen von vollem Erfolg. Bewährte westfälische und ostpreußiM Kampftruppen holten dort bei Erkundungen und Verbesse­rung der eigenen Linie zahlreiche Gefangene aus den feind­lichen Gräber: und wehrten heftige Gegenstöße ab Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Erkundungsgefechte im Sundgair brachten Gewinn an Gesungenen und- Beute.

Ocstlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Prinz Leppold von Bayern.

Heeresgruppe des Generalobersten von Böhm-Ermoli.

Der am 10. Juli begonnene (Gegenangriff in O st - galizien hat sich zu einem großen Erfolg der deut­schen imd verbündeten Waffen ausgewachsen.

D e r H a u p t t e i l d e r russischen 11. Armee ist geschlagen. Trotz schlechtester Wegeverlchltnisse dringen unsere braven Truppen unermüdlich vorwärts. In öicifrtcfj erbitterten Känrpfen tyahen sie die sich von neuen: stellenden russischen Kräfte überall geworfen.

Die Gegend westlich von Tarnopol und die Bahn Brzezany Tarnopol ist an mehreren Stellen erreicht.

Bei Brzezany beginnt nunmehr auch die russische 7. Armee unter dem sich verstärkenden Druck auf ihre Flanke zu weichen.

Die Gefangenen- und Beutezahl ist groß. In Jezierna fielen reiche Vorräte an Verpflegmrg, Schieß­bedarf und Kriegsgerüt in unsere Hand.

Bei der

Heeresgrrrppe des Generalobersten von Woyrsch

war der Feuerkampf au der Schtschara und Serwetsch lebhaft. Der Nordslügel ist in den bei der

Heeresgruppe des Generalobersten von Eichhorn

beginnenden Kämpfen beteiligt. Zwischen Krewo und S.morgon griffen die Russen nach tagelanger starker Ar- titleriewirkung seit gestern abend mit starken Mästen an. Ihr Ansturm brach an der Front deutscher Truppen ver­lustreich zusammen. Nach unruhiger Nacht sind heute nuirgen dort neue Kämpfe entbrannt.

Nordwärts bis zum Narocz-See sowie zwischen Drys- wiaty-See und Dünaburg hat die gesteigerte Feuertatigkeit angehalten. Mehrfach wurden russische Erkundungsstötze zum Scheitern gebracht.

Front des Generalobersten Erzherzog Josef.

Außer lebhaftem Feuer in den Nordkarpathen und er­folgreichen Vorfeldgefechten zwischen Casinu- .und Susita- Tal auch bei der

Heeresgruppe des Gcneralfeldmarschalls von Mackensen. .) keine größeren Kampfhandlungen.

Mazedonische Front

Die Lage ist unverändert.

Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.

- *

Die Abendberichte.

Berlin, 21. Juli, abends. (WTB. Amtlich.) Unsere Truppen stehen vor T a r n o p o l.

Berlin. 22. Juli, abends. (WTB. Amtlich.) In Flauderr«. Artilleriekampf.

Südlich von Smorgon sind starke Angriffe der Russen gescheitert: an begrenzten Einbruchstellen wird noch gekämpft.

Erzwungen durch unseren Angriffsstoß am Sereth, weicht die ganze russische Front von derZlota L i p a b i s h a r t a n d e n D n j e st r.

Wir Haber: nt Ostg-alizien einen großen Sieg erkämpft! Die russische elfte Armee ist entscheidend geschlagen und befindet sich auf der Flucht, während Unsere tapferer: Korps schneidig verfolgen, und den Feind vom ostgalizischen Boden mehr und mehr vertreiben. Der Durchstoß der russischen Front erfolgte sildlich von Brody, an der Stelle, wo sich die Frontlinie mit der russischen Grenze nahezu berührt. Wie erfolgreich und vollständig der Durchbruch war, ergibt sich daraus, daß unsere Sieger vor den: brennenden Tcrrno- Pol stehen! Der. Feind zündet, genau nach der früheren Methode der Zarenheere, im Rückzug alle Städte und Dörfer an. Dasrevolutionäre Hoerth wie es in den Aus­rufen der jetzigen, russischen Gewalthaber so oft genannt wird, hat noch seine eignen Begriffe von derwohl­tätigen" Macht des Feuers, der Hinrmelskraft, der wir so vieles Bilden und Schaffen der Kultur zu. verdanken haben sollen!

Aber auch südlich von Tarnopol haben sich Auswirkun­gen des deutschen Sieges eingestellt; der letzte Abendbericht meldet, daß die ganze russische Front zwischen Slota Lipa und Dnjestr im Weichen ist. Brrrssilows letzte Angriffs'- ersolge f üib gänzlich, zerschmolzen und seine bis Kalusz vorgeschobene Spitze ist wieder stumpf und nachgiebig ge­worden. Bezeichnend für die Moral der russischen Truppen ist der anitliche Petersburger Bericht, wonach ein Regi- ment zuerst den 5bampf ausgab und die übrigen Truppen­teile in den Riickzug imd die Flucht mit sortzog. S-eltsmn, daß gerade nt dieser Stunde brr bisherige Kriegsnrinister Kerensti an die Stelle des Fürsten Lwow, des Minister­präsidenten, gerückt ist! Bedeutet das, daß die kriegerische Episode jetzt in eine politische übergehen soll, daß Ke- renski, der bisher das Schwert geschärft hat, jetzt zur Förde­rung des Friedens die Feder bevorzugen lvird?

Es ist eine schwierige, nicht leicht zu beantwortende Frage, ob Mrßlands Wort inr Räte seiner Verbündeten, heute eine größere Wirkung haben ivürde als. vordent. Die bloße Tatsache, daß Rußland jetzt ivieder geschlagen worden ist, rechtfertigt da keine urrbedingte und entscheidende Folgerung. Anderes spricht gewaltig mit: die Stärke oder Schwäche seiner Regierung, das Maß, nt dem es zum Spielball bei der Entente werden konnte. Englands Harrd ruht noch fest -auf der Leitstange. Lloyd George singt in senter neuesten Antwortrede auf des deutschen Reichs­kanzlers Erklärungen dein jungen, tatkräftigen Staats- manne, der jetzt russischer Ministerpräsident geworden ist, eitt kräftiges, herzhaftes Lob. Das bedeutet, daß er Ke­renski einiger ntaßen beherrscht. Er hält uns Deutschen zu­gleich nicht ungeschickt vor, lvir könnten jetzt nicht mehr die Parole entfalten, daß unser Kainpf einer Autokratie im Osten gelte. Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mit­teln sucht Lloyd George dem deutschen Reichsadler das

Gefieder zu lichten, um ihn ftügellcchm, entnürtigt, hoff- mntgslos zu inachetr. Es ist interessant, daß der Leiter der englischen Politik nicht etwa einfach fest stell t, daß er die letzten Vorgänge m Deutschland als Zeugnisse frer Schwache betrachte. Im Gegentell, in Gesellschaft ähnlich operierender Zeitungett ironisiert er die neue deutsche Kanzlervede als eine Offenbarung ntilitärischer Auffassung! Mit der einen Hand setzt er den Absichten unserer Reichs regierung die Krone des Antokratentums auf, mit der an­dern unterwühlt und unterhöhlt kr weiterhin die nationale und monarchische Grundlage, auf der wir noch stehen. Sieht nicht jetzt auch der Halb blinde das Bild, wie der ftitrdliche Führer unsere Reformeiferer, unsere radikale Linke, zu treuem Vorgehen aneisert? Wünscht Lloyd George eine deuffchcVollsregierung", um Deutschland einen g ü n st i gen Frieden zu geben? Niemals und nirgends ist so deu! lich zum Ausdruck gekommen, daß England es auf die Zer stückelung Deutschlands abgesehen hat, als in dieser ironi schen, selbstsicheren Rede des Herrn Lloyd George! Unser Wille zu einem Frieden der Sicherung unserer Grenzet! wird verhöhnt, zurückgewiesep. Wir sollen nicht mehr in das Maß der Macht mrd Unabhärtgigkeit znnückkehren, dar wir vor dem Kriege besessen haben. Mit erkennbarer Absicht hat der Etlgländer diesmal der Erörterung der b c l g i s ch e n Frage ein großes Feld eingeräumt. Er bohrt hinter dem Anstich derjenigen her, die in Deutschland in den letzten Ta ­gen ihm die Vorarbeit geleistet haben, indem sie unserer Re­gierung zuriefen, sie müsse jetzt über Belgien offen sprechen. Deutschland soll Zug um Zug verzichten, bis ihm dann von seinen Gegnern bas Maß staatlicher Entfaltung zu gewiesen wird, das sie uns gönnen.Mit einem von der Autokratie beherrschten Deutschland können wrr unter gar keiner Be­dingung Frieden schließen", so erklärt Lloyd George. Zwischen den Zeilen dieser englischen Ministerrede erhebt sich uns dräuend das Gefahrenbild, das auch die Geg­ner desAnnexionismus" und die Befürworter einer halben Verzichtftiedens nicht wehr von sich weisen tönnert: Der äußere Feind und der innere

Feind! Sie sind auf demsellien Wege, Deutschland zu de­mütigen und zu verkleinern. Sorgen wir dafür, daß es ihnen tricht gelingt!

Es ist klar, daß die Großsprechereien Lloyd Georges über die Aussichten des U-Boot-Krieges, über die Teilnahme Amerikas anr Kampfe, nicht als Wahrheiten, sondern eben­falls als Mittel bewertet werden müssen, uns angst und bange zu machen. Auch hier wie­der drängt sich der Feind in die Bresche, die unsere Flairmacher, zuletzt besonders Herr Erzberger und feilte Gefolgschaft, ht den deutschen Siogeswillen ge­legt haben. Es muß sich j>etzt unter dem neuen Kanzler zeigen, ob wir endlich denjenigen Kurs einer 'Friedens­politik einschlagen werdett, der Aussicht aus Erfolg und Verwirklichung hat. Aus der schiefen Bahn der Zerklüftung imb Zersetzung dürfen wir wahrlich nicht mehr weiter- ruffchen!

Die vfterreichisch-nngarischen Tagesberichte.

Wien, 21. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verluutdart:

Ocstlicher Kriegsschauplatz.

Bei No w i e a , südlich von K-alusz, bauten österreichisch- ungarische und deretfche TrAppen ihre ftirzlich erkämpften Erftlge durch Erobenurg einer weiteren Höhenstellung aus. Bei Dabin wurden feindliche Abteilungen über die untere Lomnica zurückgeworfen. Unmittelbar mirdlich des.Dnjestr- scheiterten russische Teilvorstötze. Die beiderseits der Bahn LembergTamropol unter dem Befchl des Generalftld- marschalls Prinz Leopold von Bayern geführten G e g e n a n g r i f f e schreiten erfolgreich vorwärts. Oesterreichifch-uirgarische Regimenter gewannen nordöstlich von Brzezany die anfangs Juli verlorene erste Linie zurrick Die bei Augustowka, Jezierna und Nesterowka vorgehender deutschen und österreichisch-ungarischen Streitkrüfte habe: diese Orte überschritten. Die Russen setzten dem Vordringen der Verbündeter: stellenweise heftiger: WidersUmd entgegen, der durch scharfes Zugreifen gebrochen werden mutzte.

Gegerülber Italien und iit Albanien keine besonderer Ereignisse.

Der Etzef des Generalstabes.

Wien, 22. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

O e st l i ch e r K: i e g s s ch a r: p l a tz.

Die Kämpfe in Ostgalizien reifen zu einem ge­waltigen Schlag gegen die russischen Armeen aus. Gestern nachmittag stießen unsere Verbündeten bis an den SeretWrückenkopf von Tarnopol vor. In der Nacht wurde au mehreren Stellen die von Kozowa und Tarnopol füh- rer:de Bahn gewonnen. Auch die russischen Massen südöstlich von Brzezany lösen sich. Die Verfolgung auf Kozowa wurde ausgenommen. Die Stadt Tarnopol und zahlreiche Ortschas ten östlich des Sereth stehen in Flammen. In Jezierna wurde viel Gerät erbeutet. Die Zalst der Gefangenen konnte noch nicht schätzlmgsweisc festgestellt werden. An der un teren Narajowka hob sich gestern der Geschützkampf in bc trachtluher Starke. In den .Karpathen kam es stellentveiie zu Geplänkel.

Italienischer und s ü d ö st l i ch e r Kriegsschauplatz.

dtichts von Belang zu melden.

Der Chef des Genera lstnbS.