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7.7.1917 Erstes Blatt
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Dnrn ftolg-te ftr* herzlichste Bosrühwng brr Majestäten durch Küß und innigen Häichedruck. Tie Mmestäden waren gleich in an- gevogtestem Gespviich. Indessen stieg das Gefolge des deut-i üben ÄLisevS anS dem Zuge, darunter die GeneralLdnckantn4 Generaloberst von Messen, General der Infanterie Freiherr van Lpncker, Admiral v. Müller, FIügeladiuprnt und Korvetten-Kapitän Burggraf und Gra? $u Dolmo-Lchlodien sowie der k. und k. M8ÄLrbevottmächt.igte Generalmajor Freiherr von Klepsch-K'lvth nnd Flügeladrurant Oberst Freiherr van Bieuerth. Nach der üfoeiwu* innigen Begrünung stellten die Monarchen einander ihr Gefolge vor. Kaiser .Karl und Kaiserin Zita geleiteten dos deutsche Kaiservaar vor den Bahnhof. Unter l-erzlichster Begrüßung sei­tens der Bevölkerung, unter .Hochrufen, Winken mit Tüchern! nnd Blumengrüßen traten die dTLajestäten die Fahrt Aum Schlosse an. Im Schlosse wurden die beider Majestäten vorn Ersten Ober- Hofmeister Prinzen zu Hohenlvbc willkonrmen geheißen. Nach der Begrüßung im Schloß fuhr das deutsche Kaiserpaar in daS ^lb- steigeouartier im alten, schloß, wohin es von unserem .Kaiser­paar geleitet wurde.

Bald danach hat Kaiser Wilhelm in Audienz empfangen: den Minister des Aeußern Grafen Czernrn, den österreichischen Ministerpräsidenten Tr. Ritter v. Seidler, den ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Ester da zp, den Vizepräsidenten des Herrenhauses Max Egon Fürst zu Fürstenberg und den <Hrafen Ja dann Wcktseec ^sen.). Die Audienz mährte von 10 bis 1 / 4 12 Uhr. Um 1 / 4 12 Uhr holte Kaiser Karl den deutschen Kaiser ab. Beide Majestäten traten die Fahrt zum Sitz des Arme-eoberkom man dos an, wo sic ^ bis zur Mittags­stunde verweilten. Sodann kehrten beide Kaiser ins Schloß zu­rück. Ans dem Wege zum und vom Armeeoberkommando waren sie Gegenstand herzlicherer Kundgebungen. Uni Vs12 Uhr nahmen Kaiser Wilhelm und die .Kaiserin Auguste Viktoria mit Kaiser Karl und der Kaiserin Zita in den Gemächern des ersten Stockes im blauen Hose das Frühstück ein,

Wien 7. Juli. Nack dem Tee unternahm gestern das deut­sche Kaiservaar mir seinen hohen Gastgebern eine Spazier­fahrt im Sckl aßpark. Um 8 Uhr fand im Parterresaale des Schlosses eine Allerhöchste Tafel statt. Um 9 3 / # Uhr abends erfolgte bamt die Abreise des deutschen Kaiservaar cs. Kaiser Karl und Nafferrn Zita gaben ihren j?ohen Gästen das Geleit z-mn. Bahnhof, mo die Verabschiedung irr allerherzlichster Werse vor sich ging.

Seekrieg.

Neue U-Boot-Erfolgc.

Berlin, 6. Juli. Neue U-Boots-Erfolge vor und imenglischenKanal und in der N 0 r d s e e : Sechs Dampfer, 4 Segler, 11 Fischerfahrzeuge. Darunter befanden sich die bewaffneten englischen Dampfer Saxon Monarch (4828 Tonnen) mit 7000 Tonnen Weizen von Carachi nach London, Clan Davidson (6486 Tonnen) mit Stückgut von Sydney nach London, italienischer Dampfer Schema (2727 Tonnen) mit Kohlen von Cardiff nach Genua, ein tiefbelade­ner chnttelgroßer Dampfer, der aus einem Geleitszug heraus- gefchvssen wurde. Die Ladungen der übrigen versenkten Fahrzeuge bestanden, soweit sie sestgestellt werden konnten, aus Lebensmitteln, Oel und Grubenholz.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

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Kopenhagen, 7. Juli. Berl. Tid. meldet aus Rot­terdam' Der holländische Dampfer Bester wurde auf der Reffe London-Rotterdam torpediert. Der Kapitän und acht Mann der Besatzung werdet! vermißt.

Bordeaux, 1. Jüli. An Bord eines im Hafen liegenden Paffagierdmnpfers brach Feuer aus, das auf Waren übersprang, die «off denc Kai lagerten. Dar Sachschaden fft bedeutend. Es gab zwei Ver l etzte.

M. Deutscher Reichstag.

142. Sitzung. Freitag, den 6. Juli 1917*

Am Tische des Bundesvats Dr. Helfferuh.

PräsLertt Dr. K'aempf eröffnet die Sitzung um 3 Upr 15 Minuten.

Anfragen.

Abg. Dittmann lU. Soz.) weist daraus bin. daß zwei Artikel derLeimiger Vollszeimng" über die Friedens Politik der Regierungsfozialisten als Flugblatt verbreitet werden sollten. Das Generalkommando in Leipzig hat dos verboten Das sei eine Par­teinahme zugunsten einer einzelnen pMtiscl>en Partei.

Ministerialdirektor Lewald erwidert, daß es sich nicht um eine solche Darteinahrne bandle. Das ersehe Man schon daraus, daß die Artikel selbst ungehindert in derLeipziger Volkszeitung" erschienen sind. Ihre Verbreitung als Flugblatt tvurde. aus Grün­den der öffentlichen Sicherbert verboten. (Gelächter der 11. Soz.)

Die Kohlenfrage.

Abg. Kuckhoff-Cöln (Ztr.) weist auf den Mangel an Kohlen hin und fragt, ob der Reickskcmzler bereit sei, durch Rationierung Vorschüsse an Minderbemittelte, besonders an Krieger- frauen, Anlage von Kohlenlagern in den großen Städten und Re­gulierung des Handels, besonders die kleinen Verbraucher im näch­sten Winter vor Not zu schützen.

Unterstaatssekretär Richter: Es ist Vorsorge getroffen, daß einerseits durch Steigerung der Produktion an Steinkohlen und Braunkohlen, durch Zuführung vermehrler Arbeitskräfte, anderer­seits durch dce Regelung der Kohlen Verteilung der Bedarf der Be­völkerung an Hausbrand sichergesletlt wird.

Abg. D o v e lFvrtschr. Bp. weist auf die Einschränkung des Verbrauchs elektrischer Kraft hin und fragt, ob eine einheitliche Regelung der Materie gesichert sei.

Unterstaatssekretär Richter: Die Angelegenheit, deren Be­deutung vom Reichskanzler nicht verkannt toird, unterliegt zur­zeit noch der Prüfung.

Abg. Liszt (natL. fragt an: Ist der Reichskanzler an­gesichts der durch den Prozeß Kupfer enthüllten Vorgänge! nunmehr bereit, den Beschlüssen des Reichstags vom 20. Dezember 1915 und 26. März 1917 zu entsprechen und unverzüglich und mit rückwirkender Kraft Maßnahmen zur Einziehung un­lauterer Kr ie gs gew inue herbei zu führen?

Vom Regierungstisch wird erwidert, die Entscheidung dieser Frage sei» davon abhängig, zu welchen Ergebnissen die Beratungen der Kommission führen werden, die zur Prüfung von Verträgen über Kriegslieferungen eingesetzt worden sei.

Abg. Göhre (Soz.) fragk an, welche Schritte der Reichs­kanzler zu tun gedenkt gegen die von Hausbesitzer-Orgonisatlonan nnd einzelnen Hausbesitzern vvrgenomrnenen planmäßigen Mietskündigungen und M i ets ftei gern n gen um 10 bis 33 Prozent. ^

Ministerialdirektor Dr. Lewald: Die wirtschaftliche Lage des städtischen Haus besitze s, die schon vor dem Kriege an vielen Orten ungünstig war, hat sich während des Krieges durch die Erhöhung des Hypvthekenzinses und sonstiger Kosten, sowie durch den Ausfall von Mieten verschlechtert. Das 'Bestreben, die wirtschaflliche Lage der .Hausbesitzer durch Miets­steigerimgen aufzubessern, erscheint aber während des Krieges nur so iveit berechtigt, als es geeignet ist, den Häirsbesitz vor dem wirtschaftlichen Bankerott zu bewalden. Da von Hausbesitzer- Organisationen in größeren! Umfange planmäßige Mietssteige­rungen beschlossen worden sind, toerden Einrichtungen zu treffen! sein, die die Möglichkeit schaffen, im Einzel falle die Notwendig­keit nachzuprüfen und Abhilfe zu schaffen. Der Reichskanzler wird alsbald mit entsprechenden Vorschlägen an den B u ndesrat lvrantreten.

Tas Wahlrecht im Reiche.

Zur Beratung stehen dann die Vorschläge des Ber­fa s s u n g s a u s s ch u s s e s , und znrav Lur erster Stelle die Frage der Linderung des Wahlrechts im Reiche. Zu dieser Frage fordert der Ausschuß einen Gese tzerrtwnrf, der be­

stimmt. daß bis zu eurer aCganemot neuen Festsetzung des Ver­hältnisses der 'Wahlerzahl zu der Zahl der Abqeortmeten die Wahlkreise mit besonders starkem Bevölkerungs­zuwachs, die ein zusammenhängendes Wirtschaftsgebiet bilden, eine entsprechende Vermehrung der Mandate unter Einführung der Verhältniswahl für diese er­halten. Die Sozial de mokraten beantragen, das Wahl­recht allen Aber 20 Jahve alten ReickMngehörigen ohne Unter­schied des Geschlechts zu gewähren.

Berichterstatter Tr. M üll er-,Meiningen: Wir lehnen die Rechte und Freiheiten ab, die uns unsere Feinde verleihen möch­ten. Wie sie anssehcn, Hai das arme brutalisierte griechische Volt erfahren müssen. Die Forderungen des Ver- fassuugsausschusses sind nur alte Forderungen der großen Par- reien dieses Hauses. Die Vermehrung der .Mandate in den großen Wahlkreisen ist eine Forderung der Gerechtigkeit und entspricht auch durchaus d-eni Geiste mrd deni Wortlaute des?Sahlgesetzes firr den Deutschen Reichstag. Die Regierung muH dem Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt im,Herbst eine Vorlage machen, die ohne KleinlichMt und ohne Partei!ickikeit den unerträglicherl Zuständen ein Ende bereitet. Das ist nur eine kleine Abschlagszahlung, die dem .Volke den Wirten Willen der Regierung zeigen soll. Seine Wünsche gehen viel meiter. Das zeigen die Beratungen des Berfassungsausschufses. Ich bitte um möglichst einmütige Annahme der Entschließung und Ablehnung Mer AbändWungsänträge.

Staatssekretär des Innern Tr. Helfferich: Auch die ver­bündeten Rcgierungen lxrlten eine Neuordnung in den großen Wahlkreisen für geboten und sind bereit, eine solche Vorlage dem Reichstage zugehen zu lassen. Tie Beratungen hierüber sind schon eingeleitet. Die Vorlage nstrd dem Reichstage so rechtzeitig zugehen, daß die nächsten Reirbstagswahl-en schon auf der Grund­lage der zu erwartenden Aenderungen borge* nom ntcn we rden können. Erve solche Aenderung liegt rit der Richtung des Ausbaues unserer inner politischen Verhältnisse, der die freie mrd freudige Nacharbeit aller Glieder im Staate und im Reiche sichern ß>ll, für die das deutsche Volk mir seinen un­vergleichlichen Leistungen in diesem Kriege den Boden bereitet hat.- Er entspricht auch bem Geiste der Osterbotfchaft nnd imixb in diesem Geiste von den verbünd-Äsn Regierungen in Zusammen* arbeit mit dem .Reichistagc durchgeführt werden. (Beifall.)

Abg. Tr. G r ad nau er (Söz.): In den Verhandlungen des BerfafsungsausschusseS fehlte der große Zug. Hätte man unsere Anträge angenommen, so iväre die Reform annehntbar gewesen. Die Reden der Vertreter der Reichsregierung im Ausschuß ent-i wracken nicht dein Ernst der Ausführungen des Reichslanzlers inr Plenum. Tie volle politisch^ Gleichberechtigung des >verblichen Ge­schlechts eine Kulturforderung. Auch die weibliche Jugend be­darf des staatsbürgerlichen Unterrichts. Besonders bitter ist es, daß gerade England im Begriffe ist, das Frauenstimmreck)t einzu­führen. Wir Svzialdeinokraien haben kein eigenes parteipolitisches Inreresst am Frauenstimmreckch, das seinen Siegeszug durch die ganze Welt macht. Das jetzige Wahlrecht ist nicht gleich, weil die Minderheiten mundtot und die großen Städte vollkontmen entrechtet sind. Das ist ein unerträglicher Zustand. Hier muß-endlich Wandel geschaffen rverden.

Abg. Kreth (kons.): Mit einer Vermehrung der Mandate in den iibermäßig großen Wahlkreisen sind ivir einverstanden nnd wünfn eu. daß die wirtschaftlich Hu d-en großen Städter! geböreiwen Gebiete zu diesen Wahlkreisen geschlagen u>erdeu. damit nicht die städtische Bevölkerung in solchen Wahlkreisen die ländliche Be­völkerung erdrückt. Die Verhältniswahl lehnen wir ab, denn sie beseitigt das persönlich^ Verlßilrnis znnschen den Abgeordneten nnd den Wählern, auf das wir aber den größten Wert legen. Wir sind anch so ketzerisch zu sagen, daß es auf die Stimmenzahl Metv nicht ankoumit Plan muß auch Land und Leute berücksichtigen. Die über die Ausschußanträge noch hinausgehenden sozialdemokratischen Anträge lehnen wir erst recht ab.

Abz. Becker-Arnsberg (Ztr. : Wir stimrnen für die Mrs- schiußanträge. Das Frauenivahlrecht ist nicht angebracht. Dre Frau soll nicht in das politische Leben treten. Auch die Lvirntagswahl empfiehlt sich mcht. Di« S onntagsruhe darf durch die völitffcde Agitation nicht gestört werden. Bon der B-erhÄtniswcchl versprechen wir Uns eine bessere Vertretung der Minderheiten.

Abg. List (natl.): Die Regierung rst ja nun endlich aus ihrer Zurückhaltung herausgetreten. Sie tvill der Vermehrung der Man­date zultiumren. Wie denkt sie aber über dre Verhältniswahl? Die Krregszeit hat gewiß starke Argumente für das F rauen wähl - recht geliefert Aber es hat noch Zeit, diese wichtige und schwierige sff-age gesetzlich zu lösen, dliuf Grund der Ersahrimgen im Kriege stehen wir dem Fvauenftimnwecht wesentlich syrnpathrscher gegen­über als früher. Wir können uns aber- im ?lugeublick zu einem! so ueitgel'enden Schritt. Ivie es dre Einführung des Frauenstimme rechts wäre, nickit eirtschließen. Eine Herabsetzirng der Altersgrenze für das Wahlrecht lehnen nur ab. Jeder Wähler muß die genügende politische Reife besitzen. Wir wiffen uns frei vmc allen varteipoliti- schen Interessen. Uirs leitet nur das Wohl des Istanzen. Die Ein- führung der VerhältniÄvaU für das ganze Reich ist zurzeit nock> nicht möglich. Auch wir wünschen nicht, daß die Zahl allein den Ausschlag geben soll. Sv ganz sind die Begriffe .Land imd Leutr^' und Bodenständigkeit nrctst zu verwerfen. Ern absolut gleiches Wahlrecht gibt eS nie. Gewiß sollen alle Unglerchheiten nach Mög- lrchkeit bescntigt werden. Aber letzt im .Kriege ist das einfach un­möglich. ?^ach dem Kriege sollte die Regierung in dieser Frage die Führung übernehmen!

Abg. Wald stein iVp.): Die Tätigkeit des Berfaffungsaus^ sckusses darf nicht etwa die einzige Frucht der Neuorientierung sein: sie ist nur eine Vorcrntc. Bei der Neuorientierung wird die Haupt­arbeit nicht im Reiche, föndern in Preußen zu leisten sein oder für Preußen, falls es in Preußen nicht möglich ist. (Sehr girt! links. 1 Schon Treitschke hat darauf hingewiesen, daß eine Ueberein- stimmung zwischen dem preußischen Landtag und dem Reichstag in politischer Beziehung unmöglich ist, falls nicht die Reichsverfassung illrfforisck. sein sollte. Jetzt rst die Zeit dazu gekommen. Wir lehnen den sozialdemokratischen Antrag aus Heoachetzung des Alters dec Wahlberechtigten ab, die Frage des FrouenstintiNreckstes blerbt offen.

Abg. Merk in (Dtsch. FraW: Das Reick> brmnstt für Pren- ßen keine Arbeit zn leisten. Preirßen kann für sich selbst sorgen, ©in Teil meiner Freunde l-at Bedenken gegen das Verhältnis­wahlrecht.

?lbg. Stadt Hagen (U. Soz): Vorschläge des Aus­schusses sind ganz unzureichend.

Die Aussprache schließt.

Die Antrag e des Versa ss u ng s a n s s chn s ses werden gegen die Stimmen der Konservativen, eines Teils der Deutschen Fraktion und der unabhängigen Sozückdemokralen angenom­men. -

Die Verlängeirung der Legislaturperiode.

Nack, einer Gesetzesvvrlagc soll die Geltungsdauer des Reichs­tags weiter um ein Jahr verlängert werden.

Abg. A l bre ch t (U. Soz.) lelpit die Vorlage ab.

Damit schließt die Aussprache und die Vorlage nstrd in allen drei Lesungen gegen die Unabhängigen Sozialdemokraten an ge* nommen.

Eine andere Vorlage iordert für den e l sa ft -1 o t hr i ngi - schon L a n t a g die gleiche Verlängerung.

?lbg. Ledebonr Ul. So-.): Wir lehnen auch diese Vorlage

ab. ^Heiterkeit.)

Abg. E nt m e l Soz/ - Einige Wablkreise sind in den Händen der Franzosen, Neuwahlen könnten also gar nicht lwrgenommen wer­den. Aucl' sind ganze Ortschaften geräumt. Die Mchtannahme der Vorlage würde geradezu die Verfassung gefährden.

Llbg. Ledebour (U. Soz.): Ich bin trvtzdem dagegen. (Mg. Sachse <"Svz.): Jeder blamiert sich, so gut er kann! Zu­stimmung.)

Tas Gesetz nürd darauf in allen drei Lesungen angoüom- m e n.

Nächste Sitzung: M 0 n t a g 3 Uhr: Interpellation der II. Soz. über die Verhältnisse aus dem Obst- und Gernüsemarkt Usw.; Fra­gen btft äußeren und inneren Politik, Krcditvorlagc. Schluß V,7 Uhr.

Aas den Reichsiagrallsschüffen.

Fm Hauptausfchutz des Reichstags

erklärte der Präsident des Kriegsernälsrungsa.'nrteS V. Ba- tocki über die Er n a h r u n g 3 f r a g en , die Monate Jmn und Juli seien aucl) im vorigem Jahre die kritischsten Mo­nate gewesen. Die Dürre in einem Teile Deutschlands habe hinsichtlick) der Obst- und Geinüseernte die Sitnatwn in dieseu! Jahre noch verschärft. Gerade bei diesen schnell verderblichen Waren sei die behördliche Regelung einer gleichmäßigen Versorgung der Verbraucher besonders schwer zu lösen. Die Gefahr, daß die verringerte Brotration nicht dnrchgehalten iverden könne, habe zeitweilig bestanden, sei aber jetzt beseitigt. Von Anfang oder Mitte August ab werde mehr Mehl gegeben und gleichzeitig die Fleischznlage zur SclMrung der Milchkühe ermäßigt iverden. [mrrmte Voraussagen über die neue Ernte seien heute un­möglich. Sck>warzseherei sei eberffo unverantwortlich wie ^chönfärbevei. Der Stand der Kartoffeln sei vorläufig fast überall gut. Man kann hoffen, daß die diesjährige Kar­toffelernte, die erste Grundlage der Ernährung, ivesentlich besser werderl würde wie 1910. Der Bestand an Rindvieh und Schafen sei trotz der starken Schlachtungen der Schweine im Verhältnis zu den Futtermöglichkeiten eher zu hoch als zu gering. Im Herbst müsse die Schweinehaltnngsftage nack) dem Vorschläge der Reichstags-Kommission, die Deutsch- land bereist habe, mit Nachdruck und erforderlichenfalls mit Rücksichtslosigkeit gelöst !verden. Die Menge der für die landwirlschaftlichie Arbeit zur Verfügung stehenden Arbeits­kräfte sei beschränkt, aber in dem möglichen Umfange bim±> das Kriegsamt geregelt.

Im Vcrsafsungsmlsschuß

wurden Anträge der Konservativen und der Deutschen Frak­tion cingebracht, die beide die Osterbotschaft des Kaisers be­grüßen, aber die Zuständigkeit der Einzelstaaten für die Um­gestaltung der Wahlrechte betonen.

Mr dem Reiche.

Türkische Pressevertreter als Gäste der deutst?)en Presse.

Berlin, 6. Juli. (WDB.) Auf Grund einer Einladung, die von den Organisationen der deutschen Zeitungsverleger nnd Journalisten an den neu gegründeten Verein der osma- nischen Presse in Konstantinopel ergangen ist, werden eine Anzahl hervorragender türkischer Presse Vertreter in der nächsten Woche als außerordentlich willkommene G ä ste der deutschen Presse in Berlin ersckfeinen. Wie wir hören, werden die türkischen Herren auch Leipzig. München, Frankfurt a. M. und Köln besuchen. Die Ankunft in Berlin wird am 12. Juli erfolgen, die Mcöreise am 25. Juli airgetreten iverden.

Aus S-tn-t und Land.

Gießen. 7. Juli 1917.

Kann Kricgerfrauen die Wohnung gekündigt werden?

Bei Erörterung dieser Frage wurde u. a. barauf hin gewiesen, daß auch die Kriegerfrauen durch die von den .Hausbesitzern beschlossenen Mietserhöhungen in ihrer wirtschafllichen Etzistenz bedroht lverden. Es wurde dabei 'namentlich betont, daß die Annachne ans einem Irrtum beruhe, bei einer Kriegerfrau könne leine Wohnungskündigung Platz gveifen. Hierzu ist z-u bemerken, das; allerdings eine vechtswirksame .Kündigung gegenlLer den Kriegerfrauen durchgesetzt !verden kann, weil natf) den abgeschlos­senen NiietsVerträgen die Kündigung auch in den: Falle als wirk- san! zu betrachten ist, mcrai auch nur ein Teil der als Ätieter in Frage kvnlmenden Perß»ven für die Kündigung erreichbar ist. Allein der pvaktisckien Ausführung der Kündigung steht ein posi­tives Hindernis entgegen, das sie unwirksam macht. Cs könnev nämlich Räun!ungsklagen gegen Kriegsteilnehnver auch dann nicht durchgesetzt werden, wenn eine rechtmäßige Kündigung seitens des Vermieters vorliegt. (Bundesratsverordnung von! 4. August 1914. (Reichsgesetzbt. S. 328.) Demnach kann die Räumung der Wvlmung bei eurer Kriegerfamilie vom Hausbesitzer in der Tat nicht erzwungen werden. Dieser wird daher infolgedessen wohl kaum die .Kündigung erst vornehmen.

Es kommt ferner hinzu, daß in der Praxis die Hauseigen-, ktümer Bedenkel! tragen würden, erst den Versuch einer M^ts- steigernng bei bei! .Kriegerfvauen zn nrachen, weil sie sich hierdurch nur selbst der Gefahr emer weiterer Schädigung missetzen würden. Diese Gefahr bestünde darin, daß die Gemeinden ihnen den Mietszuschuß kürzen bzw. vevoeigern wm:den. Es ist auch von vornüber ein auzunehmen, daß bei den Bereirrbarmrgen znnschen Mietseinigimgsämteim irpd den Gemeindcvknualtungen Miets­steigerungen. die nach Ansicht der Mietseini.mngsämter unan­gemessen erscheinen. der Gemeindeverwaltung eine genügende Ver­anlassung bieten mürben, die Krieger mm ilien ihrerseits durch einen errisprechenden, nicht mißzuverstehenden Druck aus den Haus­besitzer zu schütze«.

Es muß freilich zugegeben nmrlden, daß der Hausbesitzer umner- kin in der Lage ist, gegen Kriegerfrmren, die nach erfolgter Kündi­gung die Wochmng uicht räumen, Anspi'iich' auf Älmdenersatz geltend machen zu'koniren. Mein anch damit ivürde der- .Hauseigen - tümer kmw! etwas erreichen, denn solche Schadenersatzansprüche sind wegen des bestehenden Kriegszustandes nicht zu trcrnnrfftd>en: und erscheinen selbst nach dem Kriege tatsächlich lmdeirtlmgsüxH. Ans alledem geht hervor, daß die Angelwngen von Kriegstetl- nehmern irr der erwähnten Richllmg einen ebenso tvertvollen wie ausreichenden Schutz genießen-

Es mag übrigens, zuur Trost für die jetzt unter der Not der Zeit ebenso '.nie die melsten Berufe leidenden .Hausbesitzer darauf hingetviesen werden, daß nach dem Friedensschluß ahne Zlveifel eine ausgedehnte B-mckätigkeit emsetzrm wird. Infolge d^ ver­teuerten M-aterials inkd der erhöhten Arbeitslöhne dürfte aber keineswegs lstcrdurch eine Senkung, sondern eure Steigerung der Mietpreise zu erwarten sein. Dre gegenwärtigen Hausbesitzer'wer­den daun fraglos die ausgleichenden Entschädigimgen erzcelen. die sie beute in den hierzu tvenig geeigneten Zeitvetlwltnissen an* streben. - 0

Lebensmittelmarken.

Für die Ze»t vom 9. bis 1b. Juli haben nachstehende Lebens­mittelmarken Gültigkeit:

Brotmarken der 38. Woche, gültig vom 9. 7. - 1b. 7. 1917

Buttermarken, 28. , 9. 7. - 1b. 7.

Eiermarken Nr. 8

Fleischmarken , 28 , 9. 7. - 15. 7. ^

Kartoffelmarken , 28. w 9. 7. - 15. 7.

Seifenmarken für den Monat Juli.

Zuckermarkeu Nr. 24 - 39 gültig bis 31. 7. 1917.

Ein Umtausch verfallener Marke» findet nicht mehr statt; ebenso wird für verloren gegangene Marken kern Ersatz gewährt.

Reuanmcldungcn und Anmeldung von Neugeborenen haben nunmehr unter Vorlage der nötigen Ausweise auf dem LebeuSmittelamt zu erfolgen.

Umzüge innerhalb der Stadt und Wegzüge von Gießen find in den zuständigen Bezirken an,zumelden.

GefchäftSstundeu deS Städt. LkbenSmittelamteS von 0-12 Nhr vorm., 24 Uhr uachm.

Markenausgabe f>ir Urlauber:

Sonntags von 1012 Nhr vormittags.

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ab werdeir in den Kleckchandeldgieschöften auf die bereits dort ab lreferten BezUgsabfchnrtte Nr. 8 und 12 der RährmrttckLrrte