Ausgabe 
20.6.1917 Zweites Blatt
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Nr. ,-,2 äwcäics N-üt

Erscheint tügNch Mit Abnahme des Sonntags. V

vei/iagen:Sietzener ZamMenblSttett' und Areisblatt für den «reis Gietzen".

p«/-fche<tt»nts: Zrairlftrrt am Main Nr. IlbSü. Sankverkehr: Gewerbebank Sietzea.

lbk. Jahrgang

euer

General-Anzeiger für Gberheffen

minwoch, rs. Zun! mr

ZwillingSrunddruck und Vertag:

Brüh l'sche Universttäts-Bnch-u.Strrndruckerei.

R. Lange. Gießen.

Schriftleltung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstraße?. Geschäftsstelleu.Verlag: esggjöl, Schriftleitung: 112.

Anschrist für Drahtnachrtchlein AnzeigerKießen.

veutfche Lebenshaltung einst und jetzt.

Durch ta von England zu seinem eigenen Unglück begoimenel. yEgerttieg sind wir gezwungen worden, uns wjieder an eine Lo- Anshaltung zu gewöhnen, die, wsrr längst WerwundeN glaubten^ W machst uns zwar nicht satter, stärkt aber doch unsere seelische Wöderstandskraft, wenn wirr uns barmt erinnern, daß hinsichtlich vieler Nahrungsmittel der Krieg wieder Verhältnisse geschaffen hat, die unseren Vorfahren durchaus vertraut waren, und aus denen wir luns erst im Laufe des letzten Jahrhunderts emporgearüätet hatten.

Die Stattstik beweist, daß der Verbrauch der wichttgsten Nah­rungsmittel in Deutsckstand weit rascher gestiegen ist, als dem Wachs­tum der Bevölkerung entspricht. Dies tritt am deutlichsten zutage, wenn man den Gesamtverbtrauch jedes Jahres durch die entsprechende Volkszahl teilt und so die sogenannteKopfquote"" für jedes Nah- rmlgsmittel ermittelt. Diese Kopfquote betrug für:

inr Durchschnitt der Jahre 18931914:

Weizen Roggen Gerste Kartoffel 90,9 147,7 80,1 600,1 Kg.

im Jahve 191314:

95,5 153,1 108,0 700,2

Es ist also schon hinsichtlich der pflanzlichen Erzeugnisse eine deutliche Steigerung des Verbrauchs gerade während der letzten 20 Jahve beobachten. Das auffallendste Zeichen ftir die Besserung der Lebenshaltung in Deutschland sind aber die Zahlen des Fleisch- Verbrauches, die Kr das ganze Jahrhundert vorliegen. Für Fleisch betrug die Kopfqnote:

1816: 17,3 1840: 21,6 Kg. 1873: 29,5 Kg.

1892: 32,5 1900: 46,2 1912: 52,3

Der Fleischverbrauch hat sich also in hundert Jahren bei unZ verdreifacht und ist wiederum gerade in dem letzten Vierteljahre » hundert besonders stark gewa chsen. Unsere heutige Kriegs fl eisch- ratio-n «efo ist gut, wenn wir uns das klar machen entspricht ettva der unseren Großvätern im Jahre 1870 gewohnten Menge; beim die KopfqUote von 26 Kilogr., die nach der neuesten Ver­teilung dem Städter zusteht, erfahrt, wenn man den höheren Fleisch­verbrauch des Heeres und der Selbstversorger in Rechnung zieht, eine Steigerung auf mindestens 29 Kilogramm.

Wir waren vor dem Kriege im Begriff, die stärksten Fleischesser Europas, die Engländer, auch in dieser Beziehung zu überflügelt. - Ob dieses Ziel des Schweißes der Edlen »verl war, ist sehr die Frage.

. Es ist von Llerzten wiederholt nachgewieserr worden, daß der Fleisch­verbrauch vor dem Kriege in den oberen Schichten der Bevölkerung bis tief in die Kjreffe des unteren Mittelstandes hinein das Be­dürfnis und das gesunde Maß vielfach überstiegen habe. .Die Stei­gerung des Konsums könnte aber nicht so erheblich sein, wenn nicht auch die breite Masse des Volkes an ihr Anteil gehabt hätte. Die Flerschnot" vor zehn Jahren, an die wir heute nicht ohne Lächeln zurückdenken können, entsprang nicht einem Rückgang der Zufuhr, sondern zu einem guten Teile auch einer Steigerung der Ansprüche.

Etz ist) ja vielfach darüber hin und her gestritten worden, in welchem Mäße die Besserung der Lebenshaltung wirklich auch dem ganzen Vlke zugute gekommen ist. Daß überhaupt die Volksernäh­rung im /Laufe des Jahrhunderts auf der ganzen Linie sich gehoben hat, steht außer Frage. Man denke nur daran, wie gewisse Lebens­mittel, die rroch vor fünfzig Jahren auch in wohlhabenden Kreisen als ein /Luxusartikel galten, heute zur Volksnahrung g et vorder sind. Als unsere Väter aufwuchsen, galt Butter auch in gut gestellten Familien als ein Genuß, auf den zum mindesten Kinder kernest Anspruch hatten. Heute ist dte Abneigung, gegen das an sich docb «rach recht wohlschmeckendetrockene"*' Sttick Brot keineswegs Inur eine Eigenart der oberen Kreise. Eine ähnlich rasche Ver-- b-veitrmg im Volke hat währertd der letzten vier Jahrzehnte auch der BerL/rauch des Zuckers gefunden, was ja wegen seines Nähr- gehcllts überaus erwünscht ist. Die Kopfquote für Zucker betrug im Durchschnitt der Jahre 187682 : 5,8 Kilogramm, 190203 be­reits 12,5, und 191314 stieg sie infolge der Steuererleichterung, die damals in Kraft tmt, auf 17,4 Kilogramm. Der Zuckerverbrauch hat sich also im Laufe von 20 bis 25 Jahren verdreifacht!

Eitn weiteres Zeichen dafür, daß die Votksernährung sich ge­hoben hat, ist die Tatsache, daß entbehrliche Gennßmittel in steigen­dem Maße gekauft und verbraucht werden: das wäre kaum der Fall, vtan die notwendigsten Lebensbedürfnisse nicht gleichzeitig ausreichend befriMgt worden wären: beirrt man hätte sonst kein Geld für diese Genußmittel übrig. Deutschland hat heute unter allen Kulturländern die Kopfqnote des Tabaks Verbrauches. Der D i e r konsum in Bayern betrug zu Anfang des vorigen Jahr- htmderts, auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet. 130 Liter; vor bim Kriege hatte er sich fast verdoppelt auf 238,9 Liter! Die Durchschnittsproduktton einer bayerischen Brauerei hat sich im Laufe des Jahrhunderts von ca. 700 Hektoliter ans 3483 Hektoliter, also fast -auf das Fünffache gesteigert. Wie wäre das möglich, wenn man nicht überhauptikffer" lebte als vor ein-eist Jahrhundert?

Noch eiuen sehr wichttgen Punkt dürfen wir nicht übersehen: die erstaunliä>e Entwicklung, die das Verkehrswesen während des neunzehnten Jahrhunderts genommen hat, hat schwere Gefcchrer die das Ernährungswesen in frü'hereit Zeiten bedrohteir, beseittgt. G& ist noch fat der ersten Hälfte des Jahrhunderts häufig vorge- kommen, daß ettva in der Provinz Sachsen Ueberffuß herrschte, während gleichzeittg etwa in Westpreußen ein schlechter Eritleansfall die Bewohner zum Verzehren von Baumknospen oder des sogen. Holzbrotes" zwang. Die Verkehrsmittel erlaubten es nicht, hier einen Ausgleich zu schaffen. So hat es in Deutschland, namentlich unmittelbar nach der Kriegs,zeit, die 1815 abfcbloß, iroch Hungers­nöte gegeben, von denen wir uns heute keinen Begriff mehr mache können.

Sichter geht!es uns heute nicht schlechter, als es- unseren Vor­fahren vielfach ergangen ist. Wir emrffiirden diese Lebenshaltung nur unangenehmer als sie, lutenl wir vor dem Ksttege Besseres ge­wohnt gewesen waren. Dafür sollten wir uns auch wieder leichter mit dem R .Ml in einfachere Verhältnisse abftnden, weil wir wrffen, daßi die Entbehrungen nur so lange wähven. als der Krieg uitd^etwaige nngüitsttge Folgen dauern. Diese ungünstigen Folgen würden aber gerade in unserer Volksernährung auf Menschenalter hin sich ianf das härteste spürbar machen, weirn die Forderungen jener kurzsichttgen Toreit verwirklicht würden: man solle einen Frieden um jeden Preis schließet, damit wir wieder satt würden. Der Friede um jeden Preis wird uns nie satt machen, im Gegen­teil, er wird die NahrungsknjaipphÄt verewigen und verschärfen^ Nur wenn das deutsche Volk den Venttchtungswillen der Feinde bricht Und sich für seine wirtschaftliche Entwicllung freie Bahn kichert, wird es die Errungenschaften, die das letzte Jahrhundert der Volksernährung gebracht hat, erhalten und mehren können. Smtst sinkt es zurück in die Armut vergangeiter trüber Zeiten.

Der §all Grimm.

Bor einigen Da^m 'war gemeldet worden, Paß der schweize­rische Nationalrat Grimm aus Petersburg ansgeivresen worden sei. Welckre Sachlage zugrunde lag, erfahren wir durch folgende Veröffentlichung des Schweizerischen Bundes­rates:

Am 27 Mai 1917 tyatfce Nattonalrat Grmttn die schweizerische Gesandtschaft in Petersburg, wo er sich damals aujlchell, ersucht, Hernt Bmtdesrak Hoffinann ein TelegraiNm zu üb.rmi '.'ln. in dem er in der Hauptsache ansführte, das Friedensbcoii.mis sn allgemem vorhandett. Ern Friedensschluß sei in politischer, wirt­

schaftlicher und militärischer Hinsicht zwingende Notwendigkeit. Die Erkenntnis hiervon sei an nvaßgebender Stelle vorhanden. Die einzig ntögliche und gefährlichste Störung aller Verhandlungen könnte nur durch eilte deutsche Offensive im Osten erfolgen. Unter­bliebe triefe Störung, so werde eine Liquidation in relativ kurzer Zeit möglich sein. Daran wurde die Bitte aeknüpft, Bnndesrat Hoffmann möchte über die ihm bekannten KrieMiele der Re­gierungen Nattonalrat Grimm unterrichten, da die Verhandlungen, dadurch erleichtert würden.

Am 3. Juni 1917 ist folgendes chiffrierte Antwvrtt^kegnrmtm an die schweizerische Gesandtschaft in Petersburg abgegangen:

Bundesval Hoffmann ermächtigt Sie. Grimm folgende münd­liche Mitteilungen zu machen: ivird von Deuttchland keine

Offensive ünternonrmen werden, solange nttt Rußland gütliche Einigung möglich scheint. Aus wiederholten Besprechungen mit prominenten Persönlichlleiten habe ich die Ueberzeugung, daß Deutschland mit Rußland einen beiderseits ehrenvollen Frieden anstrebt mit künftigen engen Handels- und Wirtschaftsbeztehungm und finanzieller Unterstützung für den Wiederaufbau Rußlands, Nichteinmischung in Rußlands innere Verhältnisse, freundschaftliche Verständigung über« Polen, Litauen und Kurland unter Berück- sichttgung ihrer Völkereigenart, Rückgabe des besetzten Gebietes gegen Rückgabe der von Rußland besetzten Gebiete an Oesterreich Ick, bin überzeugt, daß Deutschland Und seine Verbündeten auf den Wunsch von Rußlands Verbündeten sofort in Friedensverhand- lnngeit eintreten würden. Bezüglich der Kriegsziele nach dieser Seite verweise ich ans die Kundgebung in derNorddeutschest! Allgenteinen Zeitung"h worin die grundsätzliche Uebeveinstimtmung mit Asquith über die Frage der Annexionen behauptet wird. Deutschland will keine Gänetserweiterungeit zum Zwecke der Ver­größerung, sowie der pottttschcn und wirtschaftlichen Machterwei­terung.

Dieses Delegramim ist von unbefugter Seite entziffert und in der ZeitungSocialdeMokraten"", dem' Organe Branttngs, in Stockholm veröffentlicht worden. Dieser Schritt ist von Bundes- vat Hoffmann ohne jede Beeinflussung im Interesse der Förderung eines baldigen Friedens u!nd damit iM eigenen Landesinteresse unternommen worden.

Soweit die Veröffentlichung des schweizerischen Bundesrats. Am Montag abend hat, wie dieFrankfurter Zeitung"^ mitteilt, beretts eine Sondersitzung des Bundesrats stattgefunden, tn der die Angelegenheit besprochen wurde. Di-e Debatte, dte stellenweise erregten Charakter ttug, führte zu keiner grundsätzlichen Ent­scheidung. Dieitstag morgen sollen die Fvattwnspräfidenten der Eidgenössischen Räte zusammen mtt dem Bundesrat eine weitere Sitzung abhalteir. Ob beretts von Seite der Entente tn Bern Vorstellungen erhoben worden sind, war noch nicht festzustelleit, ist aber nicht ausgeschlossen, da bereits die Rede davon ist, es ntüsse zum mindesten ein Departementswechsel eintreten. Bundes­rat Hoffmann soll indessen einer derartigen Lösung, wie dasBer­ner Tagblatt"" schreibt, eine reinliche Sck>eidmrg vorziehen. Auch derBund"" sagt, für jeden Schweizer, der die Persönlichkeit des Bundestats Hoffmann kennt, fft eine neue Lage entstaitdeit. Im Jittereffe einer ftemdeit Macht ist dieser Schritt ittcht geplant worden Es sprechen zuviel schlo-eizerische Interessen für ernen baldigen Frieden, als daß man etw-a den Vorsteher des politischen Departements als einen Agenten Teittschlcmds hinstellen könnte. DerBund"" fährt dann allerdings in ziemlich scharfer Ableh­nung des persönliclxen Schrittes Hofsmanns fort:Trotzdem hat der Schrttt auf einen Abweg geführt, der eigentlich mir von erneut führerlosen Blinden sollte eingeschilagen werden. Er tft die unmittelbare Folge eines Hanges zur Gehermhalttrng wi chttgster Vorkehren. Es ist ganz unmöglich, daß der gesamte Bnndesrat zugestimntt Hütte, wenn Herr Hoffniaim die Angelegenheit ord­nungsgemäß vorgelegt hätte. Mcht nur, well ein unbÄachter mtd unbegreiflicher Schritt eures Mitglieds des Bundesrats das Laird luich außen in eine schiefe Stelluitg gebracht hat und eine ohnehin schwierige Lage zu verschärfen droht, sondern weil die gleiche Per­son. mit der Art des Vorgehens gegen gutes scl^oeizcrisches Enrp- finden und alle Gepflogenheiten verstößt, muß das Bedaü'ern über den Verlust einer so hervorragenden, in mancher Weise über­ragenden Kraft hier zunächst verstummen. Alles verdiente mensch­liche Mitgefühl kann nicht zur Solidarität nttt tat Fehlbaren führen. Der Bundesrat kann immöglich ta inkorrekten, hinter seinent Rückeit unternoMwenen Schritt decken. Es gibt nichts mehr als sofortige Demission des Chefs des polittschen Departeinents.""

Berlin, 19. Juni. (WTB.) Die ,ferner Tagwacht"", das sozialdemokratische Organ, das der Zimmerwald-Rtchtung nahe steht, bezeichnet die Behauptung der russischen Regierung, GriMM sei ein deutscher Agent, als einen ftechen Schwindel. Cbeitso er­klärt dasBerner Tagblatt"", Grimm' sei niemals ein deutscher Agent gewesen. __ _ _ _

Au» Stadt «uv Land.

Gießen, 20. Juni 1917.

Mairüben.

Man schreibt uns aus dem Städtischen Lebensmittel-

amt:

Die Mairüben, die in manchen Gegenden viel an- gepflanzt und auf den Markt gebracht werden, sind in Gießen und der Umgebung wenig oder gar nicht bekannt. Und doch bilden sie in der jetzigen gemüsearmen Zeit, wo der Spinat zu Ende ist und sonstige Gemüsepflanzen, wie Kohlraben und Frühwirsing, bei dem trockenen Wetter nicht wachsen, eine wertvolle Bereicherung der Küche. Die Mairübe ist eine Art Weißrübe, oder wenn man will, eine Art Rettig. Sie kann sehr gut zur Streckung der §kartoffeln verwendet werden, indem man sie halb gar kocht und dann Kartoffeln zusetzt (die Rüben müssen länger kochen), diese dann zusammen fer­tig kocht, zerdrückt und als Gemüse auf den Tisch bringt, ähnlich wie die Wejßrüben, die in manchen Gegenden, wie z. B. in Rheinhessen, auch'eingemacht wie Sauerkraut gern gegessen werden, hier aber wenig bekannt sind. Nur muß man sie in der jetzigen Zeit nicht nach den Koch buch rege ln: Man nehme usw." zubereiten. Man kann sie auch roh und als Salat, wie Radiesck)en und Rettiche mit Brot und Salz essen. Es ist der Stadt gelungen, einen größeren Posten Mai­rühen zu erwerben. Die Gemüsehändler werden die Mairüben in ihren Geschäften zum Verkauf bringen. Die vielen Fa­milien, bei denen die Kartoffeln jetzt knapp geworden sind, sollten bei dem billigen Preise eine Probe damit machen. Vdan wird schon finden, daß Mairüben, mit etwas Kar­toffeln zusantmengekocht, ein gutschmeckendes Gericht sind, wenn, ein wenig geschmelzt, auch Schweinekoteletts und Hammelfeisch dabei sehen.

*

** Beförderung. Tie beiden Brüder Wilhelm und Hein­rich Scho m b ex äus Gießen 'wurden beide zum Unteroffizier befördert.

** D i e Opfer w o ch e f ü r L e s e st o s f ist im Gang und zahlreiche Opferwillige haben schon der heure nochmals veröffentlickften Bitte um Bücher für unsere Feldgrauen ent­sprochen. Wer cs bis jetzt versäumt hat. bei sich in seinen

Bestanden einmal nachzusehen, oder bei seinem Buchhändler einen entsprechenden Ankauf zu machen, kcnin in den nächsten Tagen noch seine Spende den Sammelstellen zuführen. Ist es \a diesmal nicht um Geld, um das die Bitte geht, sondern nur eine Mahnung, der auch diejenigen entsprechen können, die vielleicht infolge der Zeitverhältnisse nicht mehr so in der Lage srno, unsere Feldgrauen mit einer Liebesgabe zu er­freuen.

Landkreis Gießen.

. Lang-Göns, 20. Juni. Verliehen wurde Wert Kra mp das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Mb. Kramp steht bei einem Sturm-Regiment und ist , der Sohn des Bernhard .Kramp. (Ane Mttallvearbeitungs-Fabrik und Fajffondreherel wurde hier unter der Firma Heinr. Böller & Comp, gegründet.

Kreis Büdingen.

A Ans der n ördlichen Wetterau, 19. Juni. Trotz Krieges hat rn unserer,Gsgö-nd die Pferdezucht bedeutMd -ju<* genommen. In der vorigen Woche kauften bayerische und wirrttem- bergische Händler etwa 100 Fohlen auf, die hauptsächlich auf ta Stationen Attenstedt, Stockheim und Nidda eingeladen wurden. Dabet erzielten die Fohlenzüchter noch nie dagewesene Preise.

' st- Nidda, 19. Juni. Die Heuernte rst im vollen Gang« Und liefert vorzügliches Futter. Gleichzeittg hat auch der .HeuHände? schon stark eingesetzt. Der Zentner frisches fait wird mit 7 Mark, der Zentner altes Heu nttt 8 Mark bezahll. Dementsprechend wurden -auch bei den Heugrasversteigerungen der fiskalischen und Gemeindewieseit sehr hohe Preise bezahlt.

Starkenburg und Rheinhessen.

ch Bingen, 18.Juni. Ein schwerer Schiffsunfall hat sich gestern auf dein Rheine ereignet. Auf der Talfahrt ist ein im> Anhang des SchleppdampfersSperber"", der nttt drei beladenen und einem leeren Schleppkahn im Aühang in Fahrt war, fahrender, mit Zement bel-ädener Kahn in der Einfahrt ins neue Fahrwasser auf der Längskribbe hängen geblieben. Die sämtlichen Schiffe rffsen bei dieser Gelegenhett ab, der Zemeittkahn aber sank auf der Stelle. Zwei der Kähne gelangten ohne wettere! Fährlichkeit nach St. Goar, der dritte, der mit Salz beladene SchleppkahnMannheim Nr. 28"" fuhr zwffchen St. Goar pnd Oberwesel auf einen Felsen und bekam ein Leck. Der Schlepp­dampfer erhielt ebenfalls Leckschaden irnd mußte, damit er nicht gänzlich sank, unterhalb des neuen Fahrwassers auf der Höhe des Poßbachgrundes am Ufer aufgefahren werden. Der Kahn liegt auf dem Ende der Mäuseturminsel.

Provinzial-Attsschuß der Provinz Oberhefieru

Gießen, 20. Juni 1917.

1. Gehaltsanspruch, des städtischen Jnstalla-- tionstneisters Sch. in Friedberg. Ein Jnstallattmts- meister Sch. beim städtischen Gaswerk von Friedberg wmcde zu Begimr des Krieges einbevufen. Seine Frau suchte um Weiter­zahlung seines Gehalts nach, was der Bürgermeister im Ein­vernehmen mit der Stadtvevordnetenversammlung jedoch ablehnte. Auch- als der Kveisdirektor an die Gemeint die Aufforderung richtete, den Gehalt zu zahlen, blieb der Bürgermeister bei seiner Weigerung, die er damtt begründete, daß Sch. nicht zu ta städtischen Beamten gehöre, aus die § 66 ReichSmllitärgesetz An­wendung sinde. Um die Sache im Venimlttmgsstrettverfahven anhängig zu machen, veranlaßte schließlich der Kreisdirektor ta Bürgermeister ^von Friedberg, einxn die Zahlung ablolTnenden Beschluß der Dtadtvevordnetenversammlung zu beanstanden; als die Stadtve rordn ete uversam mlun g Mts ihrem LttandpuE be- harrte, leitete der Kreisdirektor durch Vorlage an ta. Provinzial- ausschuß auf Grund des Art. 233 St.-O. das Berw.-Strettver- fahren ein. Die Klage wurde abgewieseit. Denn es ist nicht erwiesen, daß die Stadtvevordneteuversammlung einen rechts« oder geselwidttgen Beschluß faßte, der die Beanstandung icchtfertigte; es erscheint zweifelhaft, ob Sch als städtischer Beamter gellen konnte, wo er nickft wie andere städtische Beamte vom Bürgermeister nach Beschluß der Stadtvevormetenversammlimg angestellt wordei: war. Es wäre zwar denkbar, daß Sch. zu den dauernd Angestellten zu rechnen wäre, aber diesen stehen die Ansprüche aus dem Rttchs- mllittirgesetz nicht Ut, das nur von Beamten spricht.

2. Bureaukvstenvergütung des Bürger­meisters zu Nösberts. Ter Berusuitgskläger hatte, da seine nur den Kostenpuiikt des vorinstanzlichen Urteils anfechtende Be- rufting nach Art. 116 VRG. unzulässig- war (ein Rechtsmittel war gegen die Cuttscheidung in der Haupffäche nicht eingelegt Iroctai vor der Verhandlimg uitter Hiitweis auf die Gering-fügigkett der« Sache die Berufung zurilckgenommen.

3. Klage des Oritsarmenverbands Friedberg gegen den Ortsarmen verband Echzell wegen Unterstützung des Albert Kaufmann in Fried­berg. Die Parteien hatteit angezetgt, daß sie in Verglei^chsVer­handlungen eingetreten seien: die Zeugen waren deshalb abbestelll worden. Und die Sache ftel aus.

Spielplan Ser vereinigten ZraMirter StaSMeater.

Gpernhaus.

Donnerstag, 21. Juni, abds. 7:Der Barbier von Sevilla"". Hierauf: Tänze von Brahms. Freitag, 22. Juni, abds. ßy«: Unter musikal. Leit, von Arth. Nikisch.Aida"". Samötag, 23. Jimi- abds. 7:Das Dveimäderlhaus"". Sonntag, 24. Juni, abds. 6t >: ..Die Afrikanern"". Montag, 25. Juni: Geschlossen. Dienstag, 26. Juni, abds. 6V 2 :Der Rosenkavalier"". Mttwoch, 27. Juni, abds. 7:Tannhäuser"/. Donnerstag, 28. Juni, abds. 7:Hoff- manns Erzählungen"". t

Schausplelhaur.

Geschlossen.

Mülkersche Badeanstalt. Wässerwärme der Lahn am 20. Juni: 20° Reaumur.

SticffnfJc« der Hc Saftlon.

Mnonvme Anfragen bleiben nuberücksichti-t-y

holundergetränti. Auf die Notiz über Holimderblüten in einer

Nacht -stehen lassen, durchseihen, in Flasck-en füllen, fest i>erforfat, «irrige Tage ttn Warmen ftchen lassen, benm in Keller stellen. Ist fettig zum Trinkeit und hält sich ungefähr 1 Jaln

l24 §tcinheim. Den Angehörigen tum vermißten oder gelange- nett Kriegsteilnehmern kann die i,ittegslühnung ganz oder reilweffe als Unterstützung gelvährt werden, wenn der Unterhalt der Angehörige!» daraus bestritten werden soll. Ein Rechtsanspruch besteht allerdings nicht, die Löhiumg wird alwr rege! « nräßig dann gavährt, wenn B e d ürftig Leit anzunehmm ist. Das Letztere dürfte im vorliegenden Falle um deswillen zutreffen, iveil bereite Fanülienunterstützung genährt wird. In der Regel können Familiennnterstützung und Bermißienlöhnung nebeneinander bezogen werden. Gesuche um Auszahlung der Löbnung sind an den Truppenteil im Felde zu richten, dem der Vermißte zuletzt an- gehött hat.