Ausgabe 
12.6.1917 Zweites Blatt
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Nr. 136 Zweiter Blatt it> 7 . Jahrgang

Erscheint IS-lich mit Ausnahme fce£ Sonntags.

Beilagen: ..Siehener ZainiliendlSttett' und Nreisblatt für den Ureis Stehen".

-osts«he«onto: Zrautfurl am Main Nr. 1168b. Vanlverfehr: Sewerbedank Sietzen.

General-Anzeiger für Oberhessen

Dienstag, 12. Juni 1917

Zwillingsrunvoruck imo .'erlag: Brühl'scheUnweriuäls-Buch-n.Stffndruckerei.

R. Lange, Gießen:

Lchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstraße?. Geschäfts: teile u. Bering: c^äi, Schriftlertung: 112.

Anschriftf ir Trnhtaachrichten:AnzeigerGießen.

Kriegsloft und Gesundheitszustand der Schuljugend.

Es ist begteiflicb, Daß die imxd) den Krieg bedingten Er- nnhiTuntzBschrvienrgkeitLn bei manchen Eltern bange sanken darüber aufiommen lassen, ab die Kinder sich ohne Schaden an ihrer körperlichen Entwicklung durch die schweren Zeiten finden werden. Wenn man sich zur Beantwortuivg dieser ivTxwje überall der Wage bedienen würde, käme man bald zu der ' Uederzeugung, daß die Gefahr einer gesundheitlichen SdtzädilMNg der Kinder Saum besteht; abgesehen natürlich) v-on den bedauernswerten Fällen, in denen die Eltern aus geldlichen Gründen nicht in der Lage sind, den Ihrigen auch nur dasjenige zu kaufen, was bei der allgemeinen Rationie- ruurj auf den einzelnen entfällt.

Sowohl in Straßburger clls auch in Berliner Schuten sind unter ärztlichem Aufsicht regelmäßige Wägungen vor- g^nMMnerr worden, über die Herr Sanitätsrat Dr. Raue in i>en Mitteilungen des Ltdiegsernährungsamtes bzw. ein anderer Verfasser in der Zeitschrift für Staats- und Ge­meinde-Verwaltung im Großherzogtum .Hessen berichtet. Rach Dr. Rane ist die durchschnittliche Gewichtszunahme der minder ans den unteren sozialen Schicht-en nur -um ein weniges gegen die in Friedenszeiten beobachtete znrück- geblieben, das Äusfehen der Müder ist nicht anders äls sonst, iinb besondere Klagen über Müdigkeit nsw. wurden nicht vernommen: auch treten demgemäß epidemische Erkrankun­gen nur vereinzelt auf. Aehnlich günstig sind die ©traft* LTimger Untersuchungen des Herrn Prof. Schlesinger, über die zuerst in der Münchner Medizinischen Wochenschau be­lichtet wurde. Sie erstteckten sich auf 1300 Schüler, Lehr­linge und Fortbildnngsf chnl er jeden Mters und aller Gesell- schaftsschnHen. Es wurden Messungen Und Wägungen regel­mäßig alle Vierteljahr ausgeführt, und es ergab sich bei- ipiel-sroeise im dritten Vierteljahr 1916, daß volle 90 vom hundert eine GLwichtszimahiite anstviesen. Prof. Schlesinger sagt dmm auch, daß unsere Schuljugend wie auch, die .Kinder im Spielalter und die hercnrwachsende Jugend (Gewerbe- rhüler, Lehrlinge nss.) während der Kriegszeit immer noch gesund und frisch aussehen und sich in Schul- und Berufs­arbeit so leisttrngsfähig zeigen wie in Friedenszeiten.

Gewiß ein erfreuliches Zeugnis von wissenschaftlicher und an objektive Berichterstattung gewöhnter Seite! Man darf dcwan die Mahnung knüpfen, sich bei der Beurteilung der hier vorliegenden Fergen niemals von bloßen Äteinun- gen leiten zu lassen, sondern sich an Zahlen mrd Beweise zu halten. Besonders vermeide man es, pessimistische Ansichten und Lwvgen in Gesprächen vor den Kindern zum Msdruck zu bringen, denn die seelischen Faktoren spielen beim Wohl­de sinden erne nicht unbeträchtliche Rolle/ und manches Kind ist gar leicht auf diesenk Wege ungünstig zu beeinflussen. Sorg er: wir, daß rrnser n .Kindern in allem Ernst der Zeit nach DLogsichkeit der Sonnenschein der Jugend Verbleibe, den ihr unser Mrüberwindliches He-er bis jetzt gottlob durch Fernhallumg des Feindes aus dem Lande bewahrt hat.

Vielfach ist auch die nötige Eircsicht dafür noch nicht cingekehrt, daß es heute unbedingt erforderlich ist, sorgfältig darüber nachzuden^en bzw. sich bei Aerzten nnd anderen Be­ratern zu erkundigen, wie die Nahrung der Kinder mittels^ der zugänglichen Waren :n zrveckmäßigsten zusammeuzu- stellen ist und U>as sich durch bis dahin ungeüoohnte.Maß- nahmen der Zubereitung, Zerkleinerung uff. zur besseren Ausnutzung der Speisen durch den Körper tun läßt.

Aus Stützt unb Carad.

© i«5en, 12. Juni 1917.

L. U. Bon der Land es Universität. Dr. phil. Georg Derlitzki, Assistent am Landwirtschaftliche): Insti­tute, der sich für das Fach der Landwirtschaft am der Landes­universität zu habilitiere): wünscht, hält am Mittwoch, den 13. Juni, nachmittags 5 Uhr, im .Hörsaale des Land wir t- ''chaftliche)i Instituts, Seinkenbergstr. 15, seine Probevor­lesung über:Die Entwicklung der Saatgutfrage km Sinne der Steigerung der Bodenerträge".

** Stenographie. Die Stenographengesttlschaft ..Gabelsberget Und Damenabteilung e. B., eröffnet' mN ^Fveftag, den 15. JUni in ihrem Werttttsheffn Kirchstraße 1 1 imcher einen Anfän ge rlehrgan g in der b-crbttsberger'scheu Km^schrtft, :vorauf cm dietz Stelle besonders hrngewvffen sei. Siehe Anzeige in heutiger lunarer.

** Lichts piel haus B a hn h o f str a ß e. Vom 12. bis 15. Juni gasttert das beliebte Künstler paar Wanda Treumann und Viggo Larseu in ihrem neuesten Monopol- und Lustspiel-Schlager )n drei AktenEhemanns Urlaub". Ans allgemeinen Wunsch ist bis einschließlich Freitag verlängert der zweite amtliche KrregssilUr Mackensens Donauübevgang". Als dritter Schlager ist Etniilw Sannson in dem Zigeunerdrama in drei AktenMizzi" vorgesehen. Die a))erkannte gute Mnstlerkapelle unterstützt die Vorführungen.

LlwokreiS Gießen.

o Stein he im b. Hungen, 11. Jnui. Dem Unteroffizier Otto Kammer von hier wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse ver­liehen. Er steht seit .Kriegs beginn im Felde, nahm am Siegeszug durch Serbien teil, kämpfte in Mazedonien und steht gegenwärtig im Westen. Kammer ist der 21. Ms imserer 500 Einwohner zählenden Gemeinde, der dieses Ehrenzeichen trägt.

Landkreis Gießen.

,4t Langd, 10. Juni. Zum Bizefeldwebel und Offiziers- aspiranten befördett wurde der hiesige Lehrer Gustav Paul.

** Rödgen b. Gießen, 11. Juni. Dem dRuskttier Karl Balser, Sohn der Witwe Ludw. Balser VI., welcher bereits seit den) 17. August 1916 im Felde Zieht, wurde wegen tapferen) Verhaltens vor dem Feinde das Eiserne .Kreuz 2. .Kl. verliehen

** Steinbach, 9. Jmn. Karl Balser IX. von hier, Ge­freiter in einem Landsturin-Regiment in: Osten, erhielt am °4. Mai die Hessische Tapferkeitsmedaille: das Eiserne Kreuz hatte er sich schon früher erlvvrben. An unseren Obstbäunren treibt die Ge - spin stnijo tte ihr Zerstörungstverk, und Pie Früchte der Mira­bellen und Reinellanden liegen fast alle vomWurm" zerfressen ccm Boder

Kreis Büdingen.

tt Büdingen, 10. Juni. Das Eiserne Kreuz 1. Kl. er­hielt für sein tapferes Verhalten bei den letzten schweren Kämpfen der Untervffizier Schlegel; früher erhielt er die Hessische Tapse r- keftstnedaille und das Eiserne Kreuz 2. Kl. .

# Echzell, 11. Jmn. Die hiesige Molkereigenossenschaft (e. G. n). b. H.) hatte im abgelaufenen Bereinsjahre einen Gewinn von 2460 Mk. Die Mitgliederzahl beträgt 379.

Wenings, 10. Juni. Zum Unteroffizier und Ofsft zwrsasprvanten befördert wurde der hiesige Lehrer .Karl Bogt, der noch t»r 1900 seiner Militärpflicht genügte.

Kreis Schotten.

# Götzen, 10. Juni. Das Eiserne Kreuz, voriges Jahr Hessische Dspserkeffsmedaille, erhielt der Gefreite Karl F r i tz g> e s.

Kreis Friedberg.

tt Gamibach, 10. Juni. Zmn UTiteroffizier befördert wurde der Lehrer Geolog Ohle Motz.

Hessen-Nassau.

inr. Frankfurt a. M., 10. Juni. Der Wur ftprers wurde )vädea«m um 10 Pfennig nt die Hohe gesetzt. H-ostentlich ändert sich )Nit der Pveiserköhimg auch die Qualität der städtischen Wurst, die in der letzten Zeit wcheKu alles zu wünschen übrig läßt. Auch diä städtische SchweftreMästnüg macht bedauerlicherweise immer größere Rückfchritlc. da es cm dem «ötigen Futter mangelt> die Hiaus^-- fräuen Frankfurts den in den Strahn l-evu!mfährercden Abfall- Waagen nur sehr wenig überweisen. Bei Äufnahnve der Zucht konnten wöch>entli-ct> 35 schlachtreife Schweine geliefert werden, heute werden kaum 7w-cl> 20 in der Woche abgegeben.

X Hanau, 11. Juni. Ueber die Sicherung des Pflauz- ^l/^lselbedarfs für das Jaihr 1918 hat bk Land- wrrtschasstskamnrer des Regierungsbezirks Kassel bereits jetzt Maß­nahmen in Aussicht gen ouü ne n . In diesem Jahre ist die Besthaf- fung von Pilmizkartoffeln aus tat Osten auf sehr große Schwie­rigkeiten gestoßen. Trotz aller Bemühungen der Landwirtschafts- kcnnmer. dei' landwirtschaftlichen An- und Berkaufsgesellschaft Hessenland" nnd des Kornhauses Harwu ist es nicht gelungen, den «rnyenreldeten Bedarf voll zu befriedige)'), es konnte'vielmehr nur ein Teil der bestellten Menge tatsächlich geliefert werden. In manchen Fällen hat außerdem die Beschaffenheit des Saat- gutes erheblich zu umuschen übrig gelassen. U:n derartige Dor- kvmmÄrtsse iu Zukunft zu vermeiden, hat die Landwirtschaftskam rner Kassel beschLossen, schon fetzt Ddaßnahmten zu treffen, um einen aeüügerkden Vorrat guten Pflanzigutes für das Jahr 1918 zu sichern. Hierbei soll in erster Linie auf das im Bezirk der Land- Wirtschaftskammer selbst vorhandene Saatgut zurückgegriffen wer­den. Zu diesem Zweck nürd beabsichtigt, die zur Gewinmmg von Pflanzgrrt gesicpieten Kartoffelfelder einer mehrmaligen Sach- verständigenbesi chtigung zu unterwerfen.

Fc. Ans dem Usntertaunus, 10. Jmn. Der Kohl­weißling tritt hier nuffseuhaft auf und bedroht sämtliche Kohl- arüen. Die Maßnahmen zur Vertilgung sind im Gcmge und haben die Gemeinden für das Fangen der Schädlinge eine Entschädigsug von einem Pfennig für fünf Stück bewilligt.

Gießener Strafkammer.

Gäeßen, 8. Juni.

Der am 8. Mär^ 1900 zu Harnchen geborene Bäckergeselle Ludwig Sch. hatte sich wegen Sittlichkeitsvexbrechens- begmrgen an der 7 Jahre allen Tochter Susanne seiner in

Altenstadt wohnenden Sch)oester, zu vermrtn>vrteu. Von Frank- ftrrt aus, )vo der ^Angeklagte zuletzt arbeitete, kam er häufitz abends zu seiner Schwester, deren Männ im Fete, ist', nach Altenstädt und blieb dort über Zu schlafen pflegte er in

dem gleichen Zimmer wie die kleine Susanne. Ans Oftuud der heutigen Beweisaufnahme wurde feftgestellt, daß der Angellagte das Kind mindestens zweimal mißbraucht und das üind derart verletzt hat, daß es längerer ''Arfftaltsbeha))dlu))g bedurfte, es wfteder herzustellen. Das Gericht verurteilte den geständige)) An­geklagten zu 6 Monate)) Gefängnis.

Der am 16. ^Ailgust 1894 zu Londorf geborene und vor­bestrafte Maschinist Heinrich P. hatte sich wegen Diebstahls zu verantworten. Der Angeklagte hat ein Verhältnis mit der bet der bestohlenen Fvcm We. hier ftühw u-ohnenden liosa Wi. er wußte deshalb in der Wohnung der Wr genau Bescheid. Ende Januar l. Js. entwendete er der Frau Me. aus ihrem Keller B6 Eier und eirnge Aepfel im Werte von 2,50 Atk. Er ivitl die Lachen alsbald verzel/tt haben. Ferner entwendete er am 19. Fe- druvr 1917 der Frau We. aus einem in ihrem Korridor stehenden Ebner 13 Eier im Werte von 3,90 Mk. Endlich hat der Auge klagte aus einem in der Wohnuikg stehenden verschlossenen Ver­tiko 33 Mk. bares Geld gestohlen. Er hat das Vertiko mit lebtem Schlüssel, den er bei sich trug und der zufällig Paßte, ge- ößnet Für das Geld hat der Angeklagte sich ein Paar Schuhe^ getauft. Was den ersten Diebstahl anlangt, so wurde voni Gericht nichts DiebstaU, sondern Adundraub angenommen und, da ein Strafantrag^ dieserhalb nicht gestellt worden war, wurde das Verfahren eingestellt. Bezüglich der beiden übrigen Diebstähle er­kannte das Gericht gege)t den geständigen Angeklagten auf eine Gesamtgefängnisftrafe von 3 Monaten und 1 Tag.

Der am 1. November 1898 in Wohnfeld geborene Arbeiter Heinrich Sch. ist angeklagt, zu Wohnfeld in der Nacht vom 20. zum 21. April 1917 der ")ldam R. I. Ww. aus einem Gobcnrde durch Einfteigen 6 geräucherte Seitenstücke, 8 große Würste, 3 Zer­velatwürste, 56 Pfund Kochwurst und 2 Psmtd Bratwrirft ent­wendet zu haben. Der Verdacht lenkte sich alsbald auf de:i An­geklagten. der bis Weihnachten 1916 bei der Bestohlenen als Knecht bedienstet )tnd während seiner Dienstzeit in den Verdacht gekom­men war, einmal Heu gestohlen zu haben.'Sofort nach Entdeckung der Tot wurde ei)) Polizeihinnd zugezoge)), dieser lief an die Woh- uuug des Angeklagten, der aber bereits am ftühen Morgen des' 21. April auf seine damalige Arbeitsstelle in Bo den Hausen II gegangen. Dort hatte er berefts um 7 Uhr uuwgens, also zu einer Zeit, zu der der Diebstahl noch gar ))icht entdeckt war, seuren Mit­arbeitern erzählt, in der vergangene)) Nacht sei bei der Witwe R. eingebrochen und es seien ihr Seitenstücke nnd Würste aus dev Räucherkammer gestohlen worden. Der Angellagte bestreitet, dies gesagt zu haben. Später, als der Gendarm Ermittlungen tror- nahm. hat er zu den geuamrten Mitarbeitern gesagt, wenn der Wachtmeister^ käme, sollten sie sagen, es sei nicht der 21., sondern der 23. ?lpril gewesen, als er ihnen von) Diebstahl erzählt habe. Trotz seines Leugnens erachtete das Gericht auf Grund der Zeugen­aussagen den Angeklagten des ihm zur Last gelegten Diebstahls ftrr überführt und verutteilte ihn zu 4 Monaterr Gsiängnis.

Die 16jährige Fabrikarbeiterin Minna St. in Alsfeld ist vom dortigen Schöffengericht wegen Diebstahls in 2 Fällen zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 22 Tagen verurteilt worden. Gegen diei'es Utteil verfolgte die Angeklagte Berufung irrit bent Antrag' auf Freisprechung. Sie hatte aber mit ihrem Rechtsmittel keinen Erfolg, den)) auf Grund der Zeugenaussagen erachtete das Gericht sie der Begehung des Diebstahls zu)n Nachteil von Frau Pf. in dllsfeld ttotz ihres Leugnens für überführt. Ihre Berufung wurde deshalb kostenfältig zurückgewiesen. Wegen Ausbleibens der Zeugin^ R. mußte die Verhandlung wegen Diebstahls zum! Nachteil dieser Zeugin abgetrennt werden und es wurde e)n neuer Termin ans den 29. l. Acts, festgesetzt.

Der' n. a. wegen Bettel ns vielfach vorbesttaftc Tage­löhner Peter T. von Lehnheim ist vom Schöffengericht Alsfek» wiederum wegen Bettelns zu 3 Wochen .Hast verurteilt worden.. Außerdem war die Ueberweiftmg an die Landespolizeibehörde an­geordnet worden. Gegen diese Anordnung verfolgte der Ange­klagte Berufung. Obwohl die Voraussetzungen inr die erkannte Ueberweisung gegeben sind, ließ das Gericht nochmals Milde walten und gab der Berufung des Angellagten statt, iudev) es die Angaben des Angellagten, er l^abe vor seiner Berbaftung längere Zeit in Gießen gearbeitet, er habe sich in Alsfeld um Ar­beit bemüht, ohne sie zu ftnden, er sei deshalb nach Homberg, wo er bekannt fei, gegangen, um dott Arbeit zu suchen, und au) 'dem' Wege dahin habe er ans Hunger in Leusel gebettelt, mcht für widerlegt erachtete und als tvahr angenommen.

Eingesandt.

(Für Form vnd Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Llrtlke! übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Das Institut in der Wilhelmstraße wird ersucht, bei den all- abendlichen Musikübungen die Fenster zu schließen, damit di'c alte, vornehme-Ruhe der Wilhelmstraße nicht zu sehr gestört wird.

Ein dtuwohner.

Die Ausgrabungen der römischen Aaiserthermen in Trier.

Uns wird geschritten:

Die großartigen und malerischen Baureste römischer Kaiserzeit um altertümlichen Augusta Trevervrum. die unter dem Namen eines röMffchen KrSerpalastes bekannt find, haben feit Beginn der MrsgvabungLu. die mft tatkräftiger Unterstützung der preußischen Stzuatsregierrmg 1912 in Angriff genonnnen ivurden, das Inter­esse der Fachgelehrten stets aufs Svene wachgerufen. Während enrige Gelehrte 'rnStt Bestimmt Heft tr: den Bamresben einen aus dem dritttt) .und vwrten Jahrhunder: stammenden glänzenden Palast römischer Herrscher erkennen wvllren. bc^.eichnet-en ihn andere wieder als die riesige)) römischen Badearrlagen (Thermen). Bor acht Jalwen erklärte Gtzhermixtt Loeschke, daß bis dahö) alle Be- fftmlmrngen über die Ruine nur Vermutungen seien und neuere ForickÄMgen und Ausgrabungen erst die. wichtigen Entdeckungen^ otsenbaren urüßten Obrvohl die ^ftrsgrabuargsar'beiüni, denen dev Krieg ein vvrlälffiges Zitt steckte, zurzeit in Trier noch nicht ab­geschlossen sind, so liegt doch in den jetzt von Vrvfeffor Krüger veröffentlichten Mittttl'ungen bereits vesthes Material vor, dass die strittigen Fragen zu größerem Klarheit bringen dürfte. Bei den ''Ausgrabungen wurden «spuren fteigttegt, die in überraschender Weise aus T^rrner, hindeuteten. Die Untersuchungen und Enb- decLungken fanden ihre Belläftäguna darin, dap Profeffor .Krüger, der GelegMheit gehabt hatte, auf seine)) Reisen durch Nordwesb- afrrka und nach Rom die dortigen Thernren mft denen ftu Trierer Palaste M vergittchen. dieser Behaupttmg weuen Boden geben: konnte. Das (Kttände der heutige)) Ruine trug in früheren Jahr-> bnndcrten und vor Erbauurrg der großen Anlagen eine Siedlung römischer Villen. Auch dies haben die Ausgrabungen ergeben. Unter fteigelegten Gangen und Räumen fand man die Reste von hei^xnLN Gelassen, Badezimmer mit wohlerhaltene)) reizvolle)! Mosaikfußböden und andere hockffntereffante Wohnreste. Am meisten überraschte eft) .Kelle))gttchvß des 'ThcrNtzenbaues, Has unter einem Heizraum eines ^henuchvgen Kaltdades entdeckt wurde. Die .pinze

Atllagr Untzsiehen .KÄlergänge mit H^anlagcn. Das schönste und bÄrattstmtstr Stück dieser Kellergewölbe ist gMizlich frei gelegt und stellt ein unverfehrdes, 60 Meter langes GewöSbe dar mit 13 Fenster)). Bei den Ausgrabungen nnsrbc überall auf Spurest früherer Umbaitten gestoße)) und zwar auf solche, die der alt- römffchen Zeit an gehören. Dft rönftschen Baureste hal»en aller Mahrscheinlicksteft nach, sv führt Prof. Krüger aus, im rttihmij Mittelalter eine. Unigestaltung erfahren. Der ganze Bau ist aus feste)) .Kalkstenien aufgesühtt, mft einer Ziegelscbicht, die dicker MörtelWurf so wunderbar haltbar und Nstderstandsfähig genvachr hat. Drei HauMinien Sonnten freigelegt und duwchforsM Werdens Erstens die Palästra, ein von Säulenhallen uNffchlosfener Höf im westlichen Teile der Anlage: zweitens der eigenlliche Dhermen- b-au mit 3 Hauptsälen: Caldarium, Tepidarium und Frigidarimn. Drittens ein zweiter Hof, der rwch zu unterhrchen ist vettnute lich Bediennn-gszwt'cken eingerMtmt war. Der äußere Bau macht mft seinen teilweffe in 20 Meter' Höhe erhaltenen Mcürern, über die sich wilder Wein schlängelt, mit TreppentÄrmen, hohen, schön geschweiften Fensterhöhlen und der großen Hanptapsis. die zwei Reihen .Fenster trägt, einen unbeschvciblrch gr^artigen Eindruck. Die inneren Forschungen sind noch spättich, und aus dem Grunde riß läßt sich ein ungefähres Bild der einstigen riesigen Anlage ent- wickttu. Da ist ein großes Npmphaeum ftttgttegt, dann Renn­bahnen, AuskleiderchHUe. Badegttaffc. Der Badende trat zunächst in einen Wascbraum, dann in eine mft Wannen vcrßchlare Kammer, in einen ntäßig erwärmten und cndbich in einen SchwitzvannQ Von hier uws ging es in den. großen .Hauptsaal mEt den riesigen: Wasserbecken. Zuletzt wurde der Glantzarrum. betreten, der dem Badenden das Havptvergnügen bereitete. Die Driever Thermen gleichen in ihrer EindeckUng den römjischen Pvovintzlthermen. Wbe Atünzen- und Scherben s nud e belehren, wurde der Bau zur Zeft des Diolletian ansgeftchrt. Trier war häufig die Residenz römischer Eäsaren. Als Eoustantkus Clorus im 3. Jahrhundert hier seffren Hofftaat hielt, ließ er vermutlich di? .Kaisetthermen in prun-k- voller A-usstcatung erbauen. De)) Umbau versetzen fenfe Gelehrten in Kaiser Gvattans Zeiten. Nack) Bel>anptung Gekehrte)) ser

große Saal im Mittelalter eine Kirche gewesen. Auch für diese AunalMe sind Spuren gesnuden worden. Ebenso nahe liech die Ver­mutung, daß ein römisck-er Kaiser hier ent gewaltiges Amtsge- bände errichtete. Die freigelegten z-ahlpeichen Pseilerfundainent^ deuten intmer wieder auf eine Wasserleitung lff)i, die ff den Thermen ja den wichttgsten Bestarrdteil darstellte. . . . Bffauntlich hat die großorttge römäsck)e Ruftre anch Goethe, als er in Trier weilte, lebhaft interessiett. Eft) itruger GelehNer mußte ihm eamals die Anlage erllären. Ganz besonders gefesselt hat den Dichter der noch heute schön erlwltene Eckturm, der eff) plattes Dach trägt U))d im JUnen) eine unversehrte Stffntreppe hat, die geineiniqtich als Sklaventreppe bezeichnet wird, weil sie veruttttlich die Sklaven! benutzten, um zu ihren auf dem Dache zu viurichtenden Arbeiten zu gelange)). Goethe war längst wieder iu Weimar, als ihn i>er Trierer' Römerbart vo)i neuem beschäftigte, so daß er ieinen nmgen Bekannten Um eine Zeichnung des Turmes und der Steintreppe bat Bevor die AltertUmsffennde diese stattlichen Baureste unter itzreü Schutz nabnren. .hatte auch diese römische Ruine eine arge Vwnack- lässi-gung erfahreu. So erzählte ein Mönch vor etwa 125 Jahren, daß die Landleute der nahen Dörfer die festen schöner) Sterne der Thermen unbehttligt auf ihre Magen laden durften, um daheim ihre Häuser und Ställe damft au^-ubesfern.

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Eine Hermann Biahr-Erstaufführung. Aus Franckf nrt a M. sch«M man uns: Das Schauspielhaus n«ndte viel gutes Wollen und Können an die Erstaufftil>ruug des ttnakffgen Schauspiels von Hermamr BahrT e r a r m e N a r r". Der österreichische Dichter läßt einen Geisteskranken dem in hartem Ernst und unbeugsamer Pffichterfüllum) zermarterter) Bruder die Lehre vom Erfassen des Lebens in vollen Zügen predigen. Natür­lich fällt, wie bei Hermann Bahr immer, manches klug?, aus der Tiefe geholte Wört. Indessen bleibt der Ernakter eine Episode, er wftd iffch-t zürn llareu Erlebnis, gewiirnt kffne bildlraften Züge, die ihm Geschlossenheit geben könnten. Gespielt lourde unter L ? n g - bachs Regie nnd in seiner Darstellung des Irrsinnigen vorzüglich