Nr. 132 Zweiter Blatt
Erscheint tLqlich mit Ausnahme des Sonntags,
Beilagen: ..Gießener ZamilienblätterE' und
„Nreiöblall für den Breis Gietzen".
-sftfchecttsnto: Hcantfurl am Main Nr. N68H. yankveriehr: Sewerbebank Sietzen.
stll. Jahrgang
Seneral-AnZeiger für Gberheffen
Stettag, 8 . Zuni » 9(7
3n>iütng§EunÖörucf und Verlag;
Arühl'fcheUnwer'uäls.Bttch--n.St 2 indruckerei.
R. Lange, Gietzen.
Lchriftleitung. Sefchäftsftelle und Druckerei:
Schulstraße?. o'cfc£)diItciie n. Vertag: «E-sl, Schristleuung: 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: ÄnzeigerGietzen.
Spanien und Gibraltar.
Do4 svanvche Wgeciras hochpolitischen Angedenkens ist in der Nacht zum 2. J^ni 1917 von den britvchen B»ttericn Gid^ltnrs beschoss« worden An 20 |ta«n schwersten Aalioeri fiel« mJu rurtzaU äkibt. ' ng-bltch handelte e* sich um einen Rtchtnngsfehler beim Uebuna*« Seu Aber wer glaubt da» so ohne weiteres - Mm, hat aUerdinias von englischen Kanonen im Aeltkriege^schon allerlei erlebt Lieserteir sich doch schon britpche sänne aanre Schlachten untereinander, weil sie sich im Nebel ober Dukel für ülsgner hielten. Ader gchchtnngstehter gegen ifnpcira ^ v ~sei>er Atttllerie-Rekrut IN Gibraltar wert;, wo 'Alaeciros liegt, weil er es fast täglich nckmlich mit bloßem kirne herüberwinken sieht. Hinter dem Richtn.ngsfehler lteckt etwas' Es fiird erst wenige Wochegi her, daß der deutsche Reichskanzler in seiner Reichstagsrede für Spaniens ritte r- irche Haftung besonders warme und anerkennende Worte fand. Soll die Beschießung von Mgeciras visllmcht so eine Art Protest der MrriLterlichen gegen die dentsch-svanrschen .Komplimente sein? Auch an die des greisen spanischen Politikers Maura laßt sich denken, der kürzlich vor 20000 begeisterten Zuhörern die Lösung der Gibraltarfrage ats Rotwe'.rdrgkeit hinsEte und imter dem Jubel des ganzen Landes ausrief: „Keine Macht der Erde kann Spanien aus seiner Neutralität drängen, es wäre eine Verkennung aller ritterlichen Ueberlieferungen Spaniens, dem deutschen Volke in den Briefen zu fallen. Diesem Volke, das uns auch in schweren Tagen seine volle Loyalität bekundete. Nie haben Worte n«hr den Redner, nie hat ferne Ausnahme mehr seine Genieinde geehrt. Und ine hat ^ch lllbion so geärgert. Die „Times", die vor einiger Zeit noch.)chmeich- lerisch lispelte: „Wir geben den Spani-ern die Versicherung, daß die Geschütze von (Gibraltar nach der Seeseite gerichtet sind und daß der Wert des Besitzes dieses Felsens, obgleich wir'wert davon entfernt sind, an ein Mißtrauen ^panun- zu glauben, hauptsächlich von der Fortdauer der freundlichen Gesinnung in Svmtten abhängt." Dieselbe „Drm-es spuckt seitdem Gift und Galle über Spanien, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sich dieser Groll der öffentlichen Meinung von Fleetstreet in einen Geheimbesehl Downiugstreets an Gibraltar umsetzte, nach Algeciras hinüberzuspncken. Endlich läßt sich der veinliche Vorfall in der Straße von Gibraltar ausfassen als die Antwort Englands aus den letzten spanischen Kabinettswechsel. Romanones, der gehen mußte, hatte, wie sich nachträglich herausstellt, deni König eine Denkschrift überveicht des Inhalts, daß Spanien hie in Eartagena beschlossene Freundschaftspolitik gegenüber den Westmächten durchführen und dem deutschen U-Bootkrieg entgegentreten müsse. Sonst könne Spanien niemals seinen historischen Wunsch, einem Bund der Böller spanischen Blutes vorzustehen, durchführen. Mit einer passiven Politik nähme Spanien von seinen Tochternationen gleichsam Abschied . . . Und Garcia Prieto, der jetzt die Geschicke Spaniens lenkt, versichert ausdrücklich, daß die neue Regierung im innigen Zusammenhänge mit der Volksvertretung aus strikte Einhaltung der Neutralität bedacht sein werde. Wenn Okitcia Prieto sich ferner dafür verbürgt, daß er keine Bewegung dulden werde, die geeignet sei, die guten Beziehungen Spaniens zu irgend einer der kriegführenden Mächte ‘"” r '— r “ finn
Aufständen, General Wepler: ..Der Felsen von Gibi'altar ist eine nationale Schande", und der Erzbischo- von Varra- gona, Anatolin: „Gibraltar ist ein Name, der wie eine Peitsche knallt, die blutrot unser Gesickü färbt. Dieser Scksandfleck muß von der Landtartc ausgennsaft werden/'
zu trüben, so unterscheidet er sich wesentlich von der Praxis seines Vorgängers, der ententefreundliche Kund- oebungen zum mindesten stillschweigend begünstigte. Schon aus dem Gegensatz dieser beiden Ministerpräsidenten läßt sich die schwere Verstimmung der Entente und eine scharfgeladene „Ungezogenheit' der britischen Strandbatterien von Gibraltar verstehen. Mer Spanien wird die gebührende Antwort nicht schuldig bleiben. Die Madrider Regierung hat den Militärgmwern-eur von Algeciras angewiesen, ihr die genauesten Einzelheiten der britischen Gefchütz-Jrrnn- gen nritznteilen. Vielleicht läßt sich daraus verschiedenes schließen und ein Bild der völkerrechtswidrigen Haltung Englands gewinnen. Aber selbst toenn sich bei näherer Untersuchung nichts herausgestellt — J>vhn Bull ist ja so gerissen — hat Spanien bixfy wieder einmal Gelegenheit gehabt, zu sehen, was es an Gibraltar besitzt oder vielmehr nicht besitzt, und was ihm von dort droht. Wie sagte doch Spaniens berühmtester Stratege, der aus den kubanischen
Stärkt die goldene Rüstung der Reichsbank! Sie stärkt die eiserne Mehr unseres siegreichen Heeres!
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in den Räumen der Vezicksspürkasss Gietzen ist mor gen von \0 bis \ 2 % Utzr geöffnet l
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G ietzen, 8. Juni 1917.
St. Medardustag
(8. Juni.)
„Regnet es am Medardustag, so regnet cs noch 40 Tagelang" lautet eine alte Bauernregel. In einigen Gegenden Denpcbtanos will man ferner aus dem Wetter des Medardustages das Wetter der Erntetage ersehen, denn es ist dort folgender ^ttutz ver- breitet: „Was St. Medardus für Wetter ball, Lolch Weiter in die Ernte fällt." Von dem als Bischof von Noyon mich ^orntt am 8. Juni 556 gestorbenen Heiligen gebt die SAe, daß es am Tage seines Todes ivarmes Wasser.geregnet habe, Lt. Medardus wird daher in Frankreich und in Deutschland als Regeiihelliger verehrt. In England ist dies aber St. Swithin, der als Lt Vttus irnter dem 15. Juni im Kaie.wer verzeichnet steht wird der iM Jahre 862 als Bischof von Wi-ichester gestorben ist. Dieser Heilige war seinem Wunsche gemäß ans freiem Friedhof nnter^der Traufe des Kirchendaches begraben worden. Als nun drei z^ähre später die Mönche die (Lederne des Heiligen in die Kathedrale überführen wollteii, sing es an zu regnen, und es regnet? unimterbrocheu 40 Tage, so daß mmi die Gebeine in deni alten ltzrabe betauen mußte und eine Kapelle darül m erbaitte. Damit bängt die englische Bauernregel zusammen, daß es 40 Vage regnet, wenn der 15. Juni ein Regentag ist. Diese Wetterregeln knüpfen sich Ml me feststehende Tatsache, daß die erste Halste des Jum gewöhnlich Wetterstürze und Regenwetter bringt. Jedenfalls ist es mterefjant, daß man in Deutschland mrd in Frankreich an bem Medardustag festhielt, während die Engländer einen wideren Lostag haben, iind daß man die Beziehungen des Medavdnstages »um Wetter bis in die Franken zeit zur ialwerfolgen rann, in der^ enge Verbindungen zwischen unserem Baterlandc und ,einem westlichen 9chchbarn be- 'tauden, denen dieser ja auch seinen aus dem Deutschen stammenden Volksnamen verdanll. In Salency, einem Dorfe der Picardie, dem Geburtsorte des heiligen Medardus, wurde ins kn die neueste Zeit hinein am Todestage des Heiligen ein besonderes Fest,, das Rofenfeft, sehr feierlich begangen. Bon drei durch sittsam- keit und weibliche Tugend besonders ausgezeichneten Mädchen deS Dorfes wurde durch den Grundherrn und später- diirch den Friedensrichter die würdigste erwählt, und ihr Name wurde vor dem festlichen Tage von der Kauzes verkündet, damit noch »esternrann Zeit hatte, Einspruch gegen die Wahl zu erbeben, falls er eine noch würdigere in Vorschlag zu bringen »vnßtc. Dann wurde am Festtage des Öligen Medardus das Rosenmädchen unter Mu.fi r und dem Geleit von 12 festlich geschmückten Paaren ans das Schloß geführt. Bon dort wurde sie früher von: SchLvßherrn selber iiv bk Kirche geleitet, wo die Vesper abgelchlten wurde. Dann begaben sich alle Versammelten in feierlichekn 'Aufzuge zur St. Me- darduskapelle, ,oo auf dem Altar der rofestbekränzte Hut lag, der daiin der Königin des Tages unter dem Gebet des Priesters aus das Haupt gefetzt wurde. Der heilige Medardus selbst foll dieses Fest gestiftet habeii, wid seine Schwester soll die erste Rofeukönigin gewesen sein. Nach diesem Muster sind später taeie Rownfeste in französischen und deutschen -Orten eingeführt worden, keines von ihnen hat sich -aber so lauge erhallen wie das Rosenfest in Salenoy.
** Achtet auf die Gärten. E7' ist in den letzten Tagen öfters vorgekommen, daß von Schuljungen in Gärten ohne Einzäunung Gcinüs-e- und Kavioffelpfiänzchen mutwillig ausgerissen wurden. Es wäre im allgemeinen Interesse wünschenswert, wenn jeder, der durch Zufall Zeuge einer derartigen Flegelei werden sollte, die betreffenden Buben dingfest mackste. Auch die Eltern solcher Buben täten gut, eine solche Handlungsweise zu verhindern, sind es dock) durchweg ärmere Leute, die ihre knappe Zeit und viel Mühe daraus
verwenden, sich etwas Gemüse usw. selbst zu bauen. Zeden- falls dürften die erwtschten Uebeltäter strenglte Bestrafung zu erwarten haben. . ^
** Ein Aufruf zur R e s o r ma 1 1 o n 9 \ u b c‘i ^ fei er! Der Gesamt vorst and des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen, der nach seiner Satzung Mitwirken will, „daß dem deutschen Volle die Segnungen der Reformation erhallen und immer weiter erschlossen lverden", ruft seine Vereine, Mitglieder und die evangelischen Glaubensgenossen auf, zur würdigen Ausgestaltung der vierhunoersiährigen Reformationsfeier mitzu-
helfen: . ,
„Wie die deutsche Reformation ein Krastguell^fur die deullme Nation in den schweven Leiden und den grotzen Taten ihrei Geschichte geworden ist, so soll eine gesegnete Gedenkfeiei- in dem gewaltigen Erlebnis des furchtbaren. Weltkrieges uns Herz und Mut erwecken zu der Zuversicht, die unfern lieg tasten Fahnen voranzog: „Ein' feste Burg ist unser, Gott." Der Eo angeln me Bund erstrebt einen starken einigen deutschen Prottstanttsnms, dei in edlem Wettbewerb mit den anderen VolkSgenonTn^ntit vaterländischer Hingebung für das neue Deutschland tätig ist. Er bittet zu diesem Zweck die Glieder und Glaubensgenossen um eine Re/ s o r m ationsj ube l s pendc , die als Baustein sist den Ausbau seiner Schwesternsck-aft und als Wetrbestrag zum Lchutz gegen die äußeren imd inneren Erfahren bestimmt ist, die den deutschen Protestantismus bedrohen." . .
** Unzulässig v e rs chl o s s,en e P r i o n f b r i c t c. Entgegen den zurzeit geltenden Vorschriften wcrd?n immer noch viele Privatbriefe nach dem Auslande sowie nach Elsaß--Lvtbringen und den zum Festungsbereiche von Straßburg lElsaß uns Aeubrestach gehörenden badischen Orten verschlossen bei der V-'-r aufgellesert. Lolche Briefe können nicht befördert, sondern müssen an den Absender zurnckgegeben oder, wenn dieser sich auf dem Umschläge nicht genannt hat, nach den Vorschriften für unbestellbare Lenduugen behandelt werden.
Landkreis Gietzen.
ba. H o l z be i m , 7. Juni. Zum Vizescldwebel befördert wurde Pfingsten der Unteroffizier Wilh. Reitz in der 2. Maichmen- gewehr-Kompagnk eines Infanterie-Regiments. Er ist bereits,im Besitz des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und der. Hessischenaprer- keitsMedaille. — Mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. wurde Pfingsten der Grenadier Heinrich Klee , -Ordonnanz beim Stab eines Garde- Regiments zu Fuß, ausgezeichnet.
Starkenburg und Bheinhessen.
Mainz, 7. Juni. Am 3. Juni waren 25 Jahre verflossen, seitdem der erste Geistliche der Diözese, Tomdekan Generalvikar Prälat Dr. Selbst, in das Domkapitel und in die Verwalttmg des Bistums durch Bischof Hascher berufen wurde. Der ^ubilar ■fort in 25 Jahren rastloser 'Arbeit und bedeittender Erfolge die Erwartungen mehr wie gerectstferllgt, die bei seiner Ernennung mls den damals 40jährigen Kanonikus gesetzt wurden. -VM der Diözese verwacksten durch ein Vierreljachhundert hingebendstev mühe reicher Tätigkeit in ihrem Dienste an ragender Ltelle, ein Priester ohne Tadel, erfreut sich Prälat Dr. Selbft des Vertrauens und der stiebe der Geistlichkeit in seltenem, Matze, lieber di- Grenzen der Diözese hinaus tätig critt den venck-aedenm (Gebieten des kirchlichen Lebens inrd der tchologischen Wistemcl-ast, zumal der Schristauslegung, als Lehrer und Schriftstellei' von anerkannten Ruf. als Schriitlerter tzer älten angei?denen theologischen Fache.eitschrift „Der Katholik" hat der Domdekan der Main- -er Kathedrale als würdiger Nachfolger Lennings, .Heinrichs, Raickis den allen Ruf der „Mainzer Schule" bewahr! und gefordert.
Hessen-Nassaa.
ha Biedenkopf, 7. Juni. Tie Kreisfleischstelle teilt mit. daß in dieser Woche ans die KreisflerschLarten 250 Gramm mst einaewachseuen Knochen oder 200 Gramm ohe .Knochen zu einem ermäßigstu Prelle, und ferner auf die Reichsfleischkarle 100 Gramm mir eiiigewachsenen Knochen oder 80 Gramm ohne Knochen zum bisheriaen Höchstpreise von den Metzgern abgegeben werden. — Mst der Hessischen Tapferkeitsmedaille wurde Feldwebet-Leutnan2 Gatzcrt im Landsst- Batl. Marburg ausgezeichnet. — Die Sommer ser ien sollen laut Blättermeldungen in der ganzen Provinz Hessen-Nassau für die Orte mit höherer Schule mit Rücksicht aut die Ernte verlegt werden. Sie sollen vom Frestag, 20. Juli, bis zum Dienstag. 21. August, dauern.
ha. Kombach, 7. Juni. Dem kstbuskettcr Wckb. # r t c b e r t Häuser von hier wurde das Eiserne Kreuz verliehen-
BNiefkafte« der Aedaktion.
iAnorrhme Anfragen bleibe» nnberüLsichtLst-h
h. X. Ob in Ihrem Falle der Gnadenerlaß anzuwenden ist, geht ans dem Tat fachen verhalte nicht klar hervor. Sie wenden sich am besten an.die zuständige Behörde selbst._
A«nst «ui 1 rvissenschaft.
— Eine Kokoschka-UrAufführung in Dresden AUS Dresden wird uns geschrieben: Das Alberttheatc fl stellte sich wagemutig Mw zweiten llltale an die spitze der deutschen Bühnen in den Dienst der fungstan Tichtung. Nach HaseneleverS , Sohn" brachte es in einer Msttagvorftellung vor geladenÄn- Publikum drei Dramen des Wren«: Malers Oskar Kokoschka zur Uraufführmig. Auch rneies zweste und pi-ob!ema- lischere Experinvent gelang fast nnder Erwarten und erwarb der Bühne Lichos einen großen künstlerischen Erfolgs an dem die T-ar- stellmlg wesentlichen Anteil hatte. Kokoschka tjt raw der aner- fatrtrtm Whrer der En Malerei. Aus ine selbstmdlmk W-n>e bat er sich einen Stil von stärkster innerlichster Ausdruck-krart ge- ichaffen. Geheimnis offenbarende Gebärde des Innern von Mewch und Natur trägt seine Porträts und Ficmrenvilder, er pt rnonar im echtesten Sinne, mit dem „Bewußtsein der Geiulste , une ec es selber formuliert. Als Dichter ist dieser .Kunfller kaum k^kannt gewesen. Vor zehn Jahren wurde von ihm in Wien ern „Kuriosum": „Sphinx und Strohmann" ausgchührt , i->09 auf dem Gatteutboarer der Wiener Jnternarioiralen Kunst)chau ein lleme^ Drama „Hoffnung der Frauen". Beide Dramen und cm drittes , Schauspül" hat .Kokoschka jetzt neu bearbeitet. Und mit die,cn drei Werken lw'- er mm den ersten miverllerbaren Trrinnph ai-^ Dick^ei- daoon-getragen. Diese Dramen sind innerliche gefchaui an^- dem gieren Geiste wie die Malerei Kokoschkas es nndbiLdne- rffche Visionen, oder wie Paul Kornfeld sie in dem Vorwort zur Urausführnng nennt, „vom Wort gestützte Pantomunen . Eigenr- lich dramatische Probleme, Handlung im üblnben Lwin wird man in diesen Dramen vevigeblich suchen. Heer sind allem uiyl.nnn Vorgä-n^. innere Erschütterungen, Dusmenstblia>eS, der sch.! echter kamps im mpsllschen Sinne. In „Mörder, .H o n- nung der Frauerstß aus anttkem Schauplatz ipielend z mutzen Kriegern und Frauen ans der Burg, ist dieser Kampf tatmaul.-ll. der Frau wird das Zeickstn des Mannes, des Gebieters emgeorannt, sie stößt ihm den Dolck' in die Brust, begehrt ihn zugleuv nntz wehrt sich gegen ihn. In dem ungleich)., bedeutenderen _,.-crc n* nenden Dornbus ch" ist dieser Kmnpf nur ganz im Leeliitzen: Sichfmden und Bertveiben, Sehnen, Suchen und Leiden, XZer-
wandeltwerden rrnd Erlösung. Fünf Bilder, in der Kammer der Frau, im Walde der JtzrniS, am Totenlager des Mannes. Hier schÄt der „Chor" ein« eigene seltsame „mpstische" Rolle. Das kühnste der drei Dvamsn ist „Hrob", das Leid des Mannes, den das Weib zerstört. Die tragische Gestalt Hiobs' ist umspielt von neckffcstm, heiteren Geistern und von ffomitchen und gespcnsti- schien Gestalten. Tragik, Groteske, Paradoxie schaffen einen Humor, wie er m seiner Art unvergleichlich ist. Me Wirkung dieses Dranren wäre nickt annähernd so ttef gewesen, hätte nicht Kokoschka selbst die Spielleitung gehabt. Er hal die Prospekte mit gemalten Zimmern usw. selbst entworfen, hal Ton und Rhythmus der Darstellung besllmmen können. Er hat allerdings aueu m den Darstellers Künstler gesimven, die aus alle seine Jntenttonen eingehen konnten. Die Träger der ersten beiden Stücke warm Käthe Richter und Ernst Deutsch, namentlich die junge Larstelterm bot eil:c ungewöhnliche, iiberrasckende Lei'tung. Dem „Arob gab Avax A l b e r t v das ganze erschütternde Pathos des Leios, der eigeittümlichsten Figur Kokoschkas, dem Kautickpikmann, einem acspenstischsn Arzt, den' ^.stallen E. T. A. .Hoffmcnrns verwandt, gab ein neues Mirglied der Bühne, Hiemtz George, wirklich spukhaftes Leben. Das Publikum — gmrz Dvesden war da —..und viele auswärtige Bühnenleiter und Kritiker — war nach dem ,,.)iob gewonnen und tief darnach und am Ende wieder und imeder mi
Dichter und die Darsteller. , . . ^ ß . r - ,
— Ein bedrohtes diat n r s ch u tz g e b re t. Aus >4 a n e. l wird mis geschrieben: Seit dem Jahre 190 1 hat die Ltaatsregie- rimg ein etwa 66 km großA.WallMck des romanttcken Reinhards Waldes zwischen kleine!, Wmer wrd Fulda per B..mrr- stzallung endogen und. als Natmsckmtzgebiet erkläre. J-reres Natur- säum gebiet, das au das Gestüt Beberbeck und duRume L-ababurg grenzt, ist in vollkommen unval da hnlichem Zustande^ erhalten geblieben. Aus dem verhälinismästig engen Raume drängen sich grwLlrige Eichriesen, verllüpoelt. geborsteu und ansgehohlt Mtt den sichtbaren Spuren von Sturm und Blitzläüag. daneben erheben sich icker den ältesten gesallemw Bamnriesen, die o^ni und /lölce sarn übenuneuem, Erken, wilde Pflaumen- und Aepfelbaume, Fautbanm und Schwär,zeber in Nuldeu, nngeüwideneUiGruppen. Vorwiegend aoer sind e.> Erchen, die hier ein ^.üd ^ s^te .^ tme vor tausend Jahren der germanffche llrwald i«Ssah. üie
Mehrzahl dieser Eichen weist aus ein Mter von 600—800 Jahren und darüber- hin. Dazwischen finden sich mit Torfmoos und Musen bedeckte Ücoore mid Wassertznlen, die eiiren Pslanzcnbestand aus- weisen, wie er selten gefunden wird. Die Natur liegt hier noch so wild und ungebunden wie vor ltrzeiten. so daß der Volksmund recht lmt, der vom Sababurger Urwald sprickst. Nunmehr ,be- absichttgt die Staats regier umg, diesen Urwald zu bewirtschaften und als Schutzgebiet außer Geltung zu setzen. Die Folge ist, daß der Verein für Heimatschutz und Denkmalspflege, der Hessische OKbirgs- verein Und andere Bereinigungen, denen die Erhaltung der Lchön- b?eit der deutschen Heimat'am Herzen liegt, einen Protest erhoben 'haben, der hoffentlich nicht imgehört verklingen wird. Die Entdecker waren die Künstler Rochstl aus Düffeldori. Perm Paul Mnllec aus München und der- bekannte Jagdmaler E. . F. Düker. Sic waren es auch, die seinerzeit die Erklärung dieses Urwalds als Naturschutzgebiet durchsetzten. Die Lababurg roar ehemals Jagdschloß der" bessisck)en Fürsten. Die weitverbreitete Erklärung, daß ihr Name mit der biblischen Königin Saba in Zusammenhang ste.be ist ins Reick der Fabel zu verweisen. Den hessischen „Protestlern" muß Ircutc daran liegen, daß sich ganz Deutschland ihrer Bewegmig anschließt, bannt dieser Urwald whalten bleibt
— Ein Sc r u m gegen beu Wundbra nd. Nächst den Erregern des StarrkranttTfes, den Tetanusbazillen, sind die Erreger des (hasbraudes wohl die gefährlichsten Krankheitskeinre, die die Feldärzte zu bekämpfen lxibeii. Der Pariser 2llademie der Wissenschaften haben nim zwei Forschea' der Pasteuranstall, Weiu- berg und Seguin, eine Arbeit eingereicht, in der sie über die Ent- dt'ckung des Erregers des Gasbrandes und ein Seruni zu feiner Bekänrpsimg berichten. Es handelt sich dabei uni_ iwuentdeckte. Anaerobien — kleinste Lebewesen, die ohne Sauerstoff zu leben vermögen — die sie bei Fallen von Gasbrand besonders häufig aufgeftmden baden. Dieses Kleinlebewesen, Bacillus oedcmattcus benannt, fand sich in einem Drittel allea' behandelten Fälle von Gasbrand, einerlei von welchem "lbscknitte der Front die Ei'- ttavkten kamen. Die beiden Gelehrten haben ein Serum ber- g^stellt, das au heilender und vorbeugender Kraft etwa ebeni o wirksam sein soll, wie Diphtherieserum. Seine vorbeugende Kraft ist — wie gewöhnlich — größer als dir Hellwirkung.


