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1.6.1917 Zweites Blatt
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Swettes Blatt

\bZ. Jahrgang

Hmtag. I Zun! W

Erschein! tSgklch mtt Ausnahme des Sonntag».

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t& ic&en, 1 . Juni 1917 .

Ls >vLrd die späte Erstellung unserer Ernte beeinflußt?

<Za besonders trt der städtischen ^etidlSenmg >... allge­

mein die Ansicht verbreitet ist, das; eine der Hauptsorgar des Landwirtes darin besteht, -zur Erzielung einer guten Ernte so zeitig nne nröglich mit der Bestellung des Bodens zu beginnen, erscheint bei der diesjährigen Verspättmg eine genauere Untersuchung dieser syrage sehr erwünscht. Diese Aufgabe imteniimnit in sachver­ständiger /Weise der Assistent Meine in der T-entschien Landnürtschaft- lscheu greife, und seinen Ausführungen sei Vottveg genommen, daß das Ergebnis derselben keiuestvvgs ungünstig ist. Vor allem gilt es, das Wetter im Spätherbst rmd Winter in den Kreis der Be- Lvachtmtg M ziehen. Ta es im Jahre 1916 keinen langandauHmben Fvost gab, brauchte man die Pflug-arbeiten nicht zu unterbreck>en, so das: die Gespanne erfrallicherweise verMtnismäßig geschont toerden llmnten. IM ne«» Jahre ttat zwar sofort bedeutender Fwost auf, aber das gelinde Wetter des Vorwinters hatte bereits für die z. T. späte Saat vorteilhafte Folgen gehabt. Durch die folgende lange Fwstperiod-e verspätete sich der Eintritt in die wärmere Fwühja^sdempevatur!um 2021 Tage. Tie Verspätung nn landimrtschaftlichen Sinn« beruht aber mehr - cmf der starken ?lb7ühbmg des Bodens in cheferat Lagen als aus der Außens -emv-enatur, der von den Laien meist zu große Bedeutung beige­messen wird. Hinsichtlich des Getreides und der Leguminosen ist diese Frage nicht so kritisch, weil diese Pflanzatarten auch bei niedrigen Temperatureit verhältnismäßig gut wegkommen, betreffs der Hackfrüchte aber und der so überaus wichtigen Kartoffel mich man es als einen Vorteil betrachten, da st die Pflanzung spät etnsetztc. Demi durch den langen Frost lMrde niemand der Ver- su-chvrrtg ausgesetzt, die Kartoffeln früh zu pstanzen, die natürlich in den folgeirden kälteren Tagen unbedingt hätten zugrunde gehen müssen. So wurde an Saatgut gespart, und wenn das Wetter nicht Zeinen starken Strich durch die Rechnung macht, wird die Kartofselernt e sicherlich einer der bedeutsancsten Faktoren in unserer Ernährung trotz der späteren Bestellung durchaus befriedigend aus fallen können. Die spätere Bestellung ist auch darum nicht besonders schädlich, ^weil in: Mai und Juni häufig Trocken- HeilsiModen eintreten, die den durch frühe Bestellung bereits stark cntwicketten Pstanzen infolge hoher Vechmrstung verhängnisvoll Werder kommen. Insofern ist es direkt erfreulich, dast wir diesmal in die trockene Zeit--mit einem uock^ uichlt besonders kräftigen. Pflanzenbestaild kommen. Die Kartoffeln und andere für Kälte empfindliche Pflanzen find jetzt vor Frostgefahren geschützt. Schließ­lich erörtert Kleine noch die Frage, wie bei Voraussetzung eines trixrenen Jahres die Ernteverhältnisse bei später Bestellung sich gestalten werden. Seiner .Meinung nach wird die Gefahr, welche eine Trockenheit mit sich bringt, für Svätsaat nicht großer sein können, als für Frühsaat. Wenn man nur bas gute Gedeihen der Kulturpflanzen ins 9luge faßt, ist also die frifbe Bestellung r-meswegs unbedingt erforderlich. Wenn Regen nicht ausbleibt, 7,-rdeu wir demnach in diesem Jahre, verschiedenen entgegenge­setzten Behauptungen zum Trotz, auf eine befriedigende Ernte reamen können.

X.

** Der Heeresbedarf an Hafer. Der Bedarf der \ Heeresverwaltung an Hafer kann aus bat noch ablieferungs- pflichtigen Mengen nicht voll gedeckt werden. Es ist deshalb nötig, auch aus den Mengen, die den Landwirten für die Ernährung ihrer Tiere belassen such, noch einen Teil für die Heeres Pferde «mzukaufen. Ein großer Teil der Landwirte, insbesondere die größeren und intensiveren Betriebe, werdet: nicht in der Lage sein, ohne Gefährdung ihrer Wirtschaft etwas von den ihnen , belassenen Mengert abzngeben, die für schwerere Pferde wegen des starken Heeresbidarfes schon an sich nur in kaum ausreichender Höhe bemessen werden komttai. Dagegen werden kleinere Land- wirte mit weniger intensiven Betrieben, denen andere Futtermittel, Weide oder Grünfutter ausreichend zur Verfügung stehen, und die an die Arbeitskraft ihrer Pferde verhältnismäßig geringere An­forderungen stellen müssen, bei-sorgsamer Einteilung in der Lage sein, etwas von der ihnen belassenen Hafermatge abzillrefertu Der damit verbundene wirtschaftliche Nachteil Must durch eine ent­sprechend höhere Bezahlung der freiwillig .äbgelieferten Menge ausgeglichen werden. Durch Reichskanzlerverordnung ist daher der Heeresverwalttrng die Ermächtigung erteilt wvrdeit, Erzeugern, die nach Bescheinigung des Komnrunalvecbanbes ihrer Verpflich­tung zur Ablieferung voit Hafer nachgekommen sind, und noch freiwillig Hafer aus den ihnen belassenen Mengen an die Heeres­verwaltung abliefern, für den freiwillig abgelieferten Hafer 350

Mark für die Tonne zu zahlen. Eine Preiserhöhung für die abliefe- rungspflichtigen Hafermatgen oder für sonstige Getveide- arten istunbedingt ausgeschlossen. Nur diejenigen Land­wirte erhalten die Prämie, die durch, Bescheinigung des Kommunal- verbandes Nachweisen, daß sie ihre Lieierungspflicht an Hafer voll erfüllt haben. Die Kommunalverbände sind angewiesen, streng darauf zu achten, daß zunächst überall die durch die Nachschau festgesetzten ablieferungspslichtigat Margen zu dem Höchstpreise von 250 Mark geliefert und nötigenfalls enteignet werden.

** Auszeichnung. Dem Vizewachtmeister Roseu­ba um irr einem Juf.-Regt. wurde die Hessische Dapfer- keitsmedaille verliehen, das Eiserne Kreuz erhielt er bereits 1915.

** Von der Feuerwehr. Gestern vormittag 9.58 wurde die Feuerwache durch den Melder 331 (Glaubrecht­straße) alarmiert. Die Spritze rückte sofort aus und traf 10.06 an der Brandstelle Crednerstraße 36 ein. Dort brannte es in einem an das Nebengebäude angebcmten Hühner- und Sch weine st al l. Das Feuer wurde mit Hilfe der Einwohner und Passanten mit kleinem Lösch­gerät gelöscht und 10.52 rückte die Spritze wieder auf der Wache ein. Am gleichen Vormittag 11.39 lief telephonisch vom Polizeiamt die Meldung ein über einen Balken- brand im Hause Neuenwog 42. Zwei Mann der Wache rückten aus, löschten den Brand und kehrten 12.32 wieder zurück.

Landkreis Gießen.

H. Londorf, 31. Mai. Unser Torf wurde in der Frühe des 30. ds. Mts. durch Feuer lärm in Aufregung versetzt. Im Hause des im Heeresdienst stehenden Herrn F. Aumann in der Hintergasse war Feuer ausgebrochen. Das Wohnhaus ist vollstünig ausgebrannt. Außerdem trug Frau Ammann starke Brandoer- letzungen an Arm und Oberkörper davon. Ein Kaminschaden soll die Ursache des Brandes sein.

** Rüddin g sha in s e n , 31. Mai. Unteroffizier F a u l - stich, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und der Hessischen Dapferkeitsmedaille, wurde mit dem Eiserner Kreuze 1. Klasse ausgezeichnet. Musketier Peter Zahrt erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Gefr. P. Hahn wurde zum Unteroffizier' befördert. Musketier Heinrich Kraft wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Die Sammlung für die U-Boot-Spende ergab 112 Mark.

Kreis Büdingen.

# Dauern Hein, 31. Mai. Am zweiten Feiertage wurden die Feuettoehren der unrliegenden Dörfer gegen 5 Uhr nachmittags alarnriert und eilten nach dem DisttiktDer Wildert Frau Gestühl", wo eist junger Fichtenbestand brannte. Durch das dürre Gras griff das Feuer rasch um sich und großer Schaden wäre entstandeu, wenn nicht rasch Hilfe zur Stelle gewcserr wäre. Nach Verlauf vott einer Stunde itxtr man Herr deS Feuers. Jedenfalls ist dieses durch Wegw-ersen eines brennenden Zündholzes entstanden, da dieser Platz von Pfingstausstüglern gerne besucht wird.

Kreis Alsfeld.

Up. Mücke, 31.Mai. Me große Zahl der mtt vorjährigem 5) e u beladenen Wagen, die gegettwärttg auf unserem Bahnhof durch freiwillige Lieferungett zur Verladung kommen, bekunden, daß in diesem Frühjahre der Heuvorrat bis zum Eintritt der neueit Ernte nicht ausgezehrt ward. Das jetzige Heugras zeigt in den Gruud- rviesen einen trefstichcn Stand. Den Bergwiesen wäre, wie der ge­samten Vegetation, ein durchweichmder Regen vonnöten. Ist an­deren Gegenden sind wohl in der Psingstwoche Regen niedergegan­gen, hier mir unbedeutende Spritzer. Im vorjährigen nassett Som- mer wurde vielfach angenommen., die heftige Kanonade an der West­front sei die Ursache. Wie haltlos diese AimähMe ist, zeigt das gegenwärtige Ausbleiben der Niederschläge.

!up. Ruppertenrod, 31.Mai. In welcher Zahl die Fledermäuse, diese überaus nützlichen Tiere, Ich an einem geschindelten Hansgiebel aufhalten, zeigt folgende Tatsache. Man hatte hier bernerkt, daß Unter den Schindelbrettchen eines Haus- giebels eine große Zahl Fledernväuse abends hervorkamen. Man zählte und kam auf die Zahl 123.

Kreis Schotten.

~ Groß-Eichen, 31. Mast Vorgesterrt nachnrittag fattd bei Gastwirt Faust dahier ordentliMe Geuevalversannnlung nüt Jahresabschluß der Molkereigenossenschaft Vogelsberg e. G. tu. b. H. statt. .Fast sämtliche Mtionäre waren erschienet, da im fiÄogelsberg am 3. Feiertag alle Arbeit ruht. Die.Vermögens- bilanz zeigt einen schonen Uebersckmß von 4642,82 Mk. Jedem Mitglied wurden davon 20 Mk. eingehändigt; außerdem 3 Mk.

Tagegeld geivährt. Wie in jedem Jahre, so bekamen auch alle Ge- uosteit ihr Stückchett Butter und 2 Handkäse Nxozu allerourgs das nötige Brot mitgebracht tverdett tnutztt vvMst'öt. ll- Bter uttd Brannüoein kotmte jeder Amoesmde nach Betteben ttmtai. Die Gesamtlieferung an Milch ^betrug im Jahre 1916 1111

Kilogramm.^ ^ £ 1U 0 p e r e tt Vogelsberg, 31. Mai. Auch in diesem Jahre huldigte die männliche Jugend der altm iAOnax Sitte, indem sic am Samstag tibmO vor Psingsten atucuo Hon. , darin sich au aus der Schule artlapenes Mädchen veftndet, den sog.Maien" steckten. Die Bursck-at begebat N in der Dämme­rung in den Wald und holen BuchenretM Drese schmucken sie '.m& sttns mit bmttat Bändern. Sobald alle Byvvktcr tm tustm Schlaf liegen, beginnen die jungen Herren »ntte 2 ^crn dien bunten Aeste utöglichst so an arte recht stchtbarc Stelle Sausen anzunageln, daß sie nicht ohne Mühe wteder ^rwtte^star werden können. Voller Freude berchaut 1 ta> rodes Madche n am 1. Pftngstfeiertag. Morgen seinen ihm vmt den Bauchen gesteckten Niaien". Diese Sitte dürfte wohl noch aus dem Mittelalter Her- kommen sein. , . -

Starkenburg und Rherntzesten.

= Griesheim bei Dannstadt, 30. Mai. Die Darmstüdwr Staatsanwaltschaft hat auf die Ermittlung des Raub­mörders, der am Pfingstsonntag den wiahrtgen Privatmann Rein he im er tötete, cbie Belvhumtg von 1000 vhm E gesetzt. Nach den bisherigen Feststellungen wurden etwa 600 Mark in Banknoten und Papiergeld geraubt. Zwuschmr dem^ Mocker Md seinem! Opfer hat ein Kampf stattgefmtdat, bet dem der alte Mann durch zahlreiche Stiche üt Kops und Gestcht und chlt-llsttch dttrch den furchtl-avcn Kehlschnitt getötet wurde In der Umgebamg de» Neittl'etmersckien Hauses l^at mau von der Bluttat und dem Mmver nicht das Geringste genverkt. Auch fehlen über dte herloi^tchkett des Täters bisher alle Anhaltspunkte

^ Vom Rhein, 30. Mat. In dat Ktrschenanlagm bet Osterspai wurden am Pftngstdienstag die ersten K fr schon gepflückt und zum Versand gebracht. Bet Fortdauer, gegat- Wättigcn W>etters dürfte die ,Kirschenentte rn wenigen Lagen überall am Rhein im Gatt ge seitt.

Hessen-Nassau.

ra. Biedenkopf, 30. Mai. Nach einer Magisttatövorlags

wie der Hermes des Praxiteles entdeckt rvnrde.

Als der ausgezeichnete, gegenwärtig in Heidelberg wirkende Archäologe F. o. Duhn ganermam mit dem Frtrsen Lollmg vor nun gerade 40 Jahren als junger Forsck>er etne Retse durch den Peloponnes unternahm, von der er in der bet der Deutschen Ver- logsanstalt in Stuttgart crscheineird-irDeutschen Revm: cni-

fesselnde Schilderung entnoirft, da lenkte, als er pch Olymptas klassischer Stätte näherte, besonders ein BtD ferne, lebhafte Aus- nterksamkeit aus sich. Von der Höhe des Hügels umfaßte der Blick die rege Tätigkeit der deutschen Ausgrabungsarbetteu; vor allem aber wttrde das Auge gefesselt durch den Transport emes hell­leuchtenden Marmordildwerkes eirtes Jünglings von augenschetnltch weichen Formen, die von daten der Giebelbtkowerke des Zcu^- tempels offenbar ganz verschieden waren. Me Statue lag frei aus «man niedrigat sttollwagen, durch, Unterlagen gestutzt, und wurde vorsichtig nach einem nahen Schuppen geschobert. Das Bold zog dte Reisenden um so stärker an, als die Statue offatkmtdtg etwa^> ganz Eigenartiges, sonstiger olympischer Art Fremdes war. E>. war der 8. Mai 1877. Da es schon dunkel war, komtten du Rasenden nutzt gleich hinab, drücktat aber dem dantaligen Letter der Olympta- arbeiten, Tr. Gustav Httschfeld, ihre Freude aus, gerade zu an ent für Olympia iner'kwürdigen neuen Fund zurechtgekommen zu fern. ,chZa," nteinte Hirschfeld,sonderbar genug, hier einer doch wohl rönlischen Statue zu begegnen, die trotzdem rocht schön zn setn scheint." Die bedingte Form der letzten Worte war angesichts da noch ausstehenden Reinigung des Bildwerkes gerechtferttgt. Der folgatde Mvrgett fand die Gäste früh auf, und alsbald zog tj jte in den Schuppen, wo der geheimnisvolle Fttnd ruhte. Trotz der noch nicht entfernten Decke von Erdrllchrrsteu, Kalkspuren, smter usw. fiel Duhn sofort die wundervolle Ausführung des Nackten und des Gewandes und in auffallendem Gegensätze dazu dte Bernaco- lässigung der Rückseite und des Haares auf. Er verhehlte Htrsccheld seine Meinung nicht, daß das' Werk für eine römtsche Arbeit zu lebensvoll, zu Mtt und dabei zu ungleich, sei. Es müsse grte-chtsch sein.Nun ja," meütte Hirschfeld,wir müssat sehen/ Ee> wurde Auftrag erteilt, mit vorsichtiger Reinigung des Bildwerke^ zu ve- ginnai. Nach den Besichtigungat lres Vormittags litt es Du/m nicht, er bat, den schönen Fremdling noch einmal sehen zu our- se^.. Etwas ungeduldig meinte Hirschfeld lächelnd:Man merkt, daß Sie gerade von Rom kommen (dort h>at Duhn nfclyrerc Jahre mit der Sammlung und Verarbeitung von Antiken beschäftigt. ge- w-esen) tmd solche ss>äte Dtttge sie besonders interessieren." Dte Jtei= nieuita hatte inzwischen Fortschritte gentacht, und Duhn sano setnen

ersten Eürdruck verstärkt. Er trat für griechisck>e, Hirschfeld für römische Herkunft des Werkes ein, und bei Tische setzte sich dte Erörterung lebhaft fort. Man sprach von der Ftmdstelle, soarf dte Frage auf, ob dort nicht der alte Hewtempel gelegen haben könne. Die Aufwerfung dieser Frage erinnerte Duhü daran, daß Pan- sanias, der bekannte griechische Ktntst-Bädeker, neben den ganz alten Kunstwerken im Haiaion seiner Erinnerung nach auch Spä­teres erwähnt, und er bat Hirschfeld, im Texte nachzusehen. Htrsch- feld erhob sich und ging ins anstoßende Arbeitszimmer, um' Pau- sanias zu holen: wir setztat zunächst ohite besondere Spannung unser Frühstück fort, nicht ohite einen leise scherzenden Tadel der freundlichen Wirtin, daß die Wissenschaft uns selbst bei Dtscye keine Ruhe ließe. Da wurde die Tür rasch aufgestoßen, uttd von der erhöhten Stelle rief Hirschfeld, das Buch hoch in der Hand schwin­gend, frcudestrahlatd:Meine Herrat, wir lstrben Praxiteles!' Und er verlas die mau gen Worte, in denen Pausantas im He- raion die Statue des Hermes nennt, der dat kleinat Dionyles ans dem Arttte ttage.Es ist aber ein Werk von Praxiteles." Wir flogen aus uttd hinab zur Mis, hinein in den Schttppen und auf die K'.tie rings um die Statue. Und mm begann ein Schaben und Putzen, ein Befühlen und Bescktauen durch uns glückltche Men­schen, ein fröh!ick>es Durck-einanderschwirren der Freude und krttt- schat Betrachtungen der Einzelheiten und nun auch der Gesamt­wirkung der aus ihrem Erdntantel sich herausarbatendat Statue. So wurde das einzige Werk -des griechischen, Altertumes entdeckt, dessen Schöpsmtg durch die eigene Hand eines ferner großen Master außer Frage steht.

*

_ Die Uraufführung eines feldgrauen Tra­nt a t i ke r s Aus Prag wird uns geschrieben: Durch eine Reihe von Gedichten, die eine Fülle geistreich geformter Gedanken ent­ölten und ein kräftiges, natürliches Talent verraten, ist der Deutschböhme Friedrich Jaksch, der im Krwg als Oberleutnant eine schwere Verletzung da von (Ara,gen hat, einem enteren llterart- f cftcit Kreis« in sympathischer Weise bekannt geworden.Nun ver- er sich auch als Dramattter mit zwer klauen Werken auf der Bühne des Landestheaters. Beide Stücke,Der S cka ttenbaum" undDie Stunde des Ber g e s sen s", die der gemeinsame TitelDas heilige ? ycucr" eint, be­handeln das Problem der Liebe und der Ehe. Der Dichter bemüht sich ebrlich der dramatischen Stoffe Herr zu werden, aber seine Unvertrautheit mit der Bühnentechnik steht ibm dabet hindernd int Wege Immerhin tritt auch, hier die reickx ursprüngliche Begabung

wurde aus unserem großen Waldreichtum folgendes )-> ho l z vi r- ttllt: 2 Raummeter Buchatsch eit, 2 Raummeter Buchenknuppttund 5 Raummeter Stammreisa 3. Klasse oder AAretser. erjtwen ^ Fall soll die Abgabe 15 Mk., in letzterem Falle 13 Mk. betragen.

ra. Aus dem Kreise Biedenkopf, 30. Mat. Dem Kreisziegenzuchtv-erband find 6 Ortsvereim Bteven- kovs (125 Mitglieder), Eckelshausen (62), Gladenbach (110), Waven- hcmsen (61), Hartenrod (40), Naunheim (53), mithin im ganzen 451 Mitglieder, augeschlossen.

** Klein-St ein heim (Hasen), 31. Mai. Durch einen un­bedachten Schritt haben zwei 18jahrige Mädchen von cher über ihre Angehörigen schweres Leid gelwacht. Me beiden, Kätchen H e n - kel und Gretchen Braun mit Namat, hatten sich am Samstag nach Aschaffenburg begeben, um die für ihren Pftngststaat twch fehlenden Schuhe M kaufen. In dem Geschäft, in dem sie diese Ab­sicht aussühren wollten, ließen sic sich in einem iinbewachtat Augen­blick verleiten, ein Paar S ch u h e bl e i s e i t e zu schasfen. Der Vorgang war dan Gesck^ästsinhabcr aber nicht entgangen, die Po­lizei witrde benachrichtigt und die Mädchen notiert. Aus Scham über ihr Handeln und die zu awartende Strafe bieschbvffen si^ gemeinsam in den Tod zu gehen. Mese ihre Absicht setzten sie auck'i in tragischer Weise in die Tat um. Statt in ihren Heimats- ort, fu'hven sie nach Frankfurt-Oberrad, hatten dort mit einem jungen Mann noch eine Zusammenkunft und gingen dann den Main alllang nach Osfaibach zu. Dort legten sie am User des Mainbeckens ihre Schuhe, Schürzen und sonstigen Sachen nieder, banden sich mit Taschentüchern an den Armen zusammen und sprangen dann in die Fluten. An der fraglichen Stelle wurden am Pfingstsonntag die abgllcgteu Sachat gefunden. Da die Vermutung bestand, daß je­mand den Tod im Maine gesucht habe, wurde das Mrsfer in iener Gegend abgesucht und die Leichen nach längerem Suchen auch ge­borgen.

ra. Königsberg, 31.Mai. Das Antt Königsberg wurde etwa vor einem Jahrhundert aufgehoben imd datt Amt Gießchr zitgeteilt. Nachdem' Königsberg mit dem Hof Haina, Frankenbach, Waldgirmes Naunl^im bereits 1350 an Hessen verkauft waren, wurden sie doch erst 1629 definitiv an Hessat abgetreten Md bildeten Mit Brschöffen, Hermannstellt, Wilsbach, Roßbach, Oba- icnb Ri-eda^midbach das Amt Königsberg. Crumbach hingegen ist seit alter Zeit dem Amt Blankenstein (Gladenbach- zugeteitt go- wesat.

des Dichters zutage. Das Publikum kam bau jungen Autor mit vollen Sympathien entgegen, bereitete seinen dramatischen Erst­lingswerken eine ausmunternd-fteundliche Ausnahme und rief ihn wiederholt auf die Szene.

Das Farbenspiel de § Sirius eine neue Beobachtung. Daßl nuferen Gelehrten, wenn sie an der Front als Soldaten tätig sind, die Wissenschaft dennoch am Herzar liegt und daß sie (»litten im Kampfe auch gelegenllich ztt hübschen) Beobachtungen gelangen, zeigt eilte Mitteilung Prof. Mols Kellers intPvonretheus" (Verlag von Otto Spanier, Leipzig). Prost Keller hat ttämlich in den kalten Nächten des Winters ein ei galt üm- lickies Farbenspiel an dem hellsten Sterne, dem Sirllrs, beobachtet. Es zeigte sich bei diesem Gestirn, das ja schon ftir gewöhnlich durch seinen prächtigen, bläulich flimmernden Glanz am südlichen Stern­himmel der Winternächlbe ausfällt, ein ganz deutlich hervor tretender rascher Wechsel zwischen roten und grünen Tönen, der die Schönheit seines Glanzes ganz wesentlich erhöhte. Pros. Keller rechmcko zunächst mit der Möglrckskeit, dieses Farbenspiel könne auf einer Augentäuschung beruhen: allein es gelang ihm mit Verhältnis-« mäßig einfachen Mitteln, das wirkliche Bestehen des Farbatspieles zu bestättgeu. Da sich zeitlich au fein anderfolgardc Lichteindrückc wegen der Nachbilder gegenseitig überlagern uitb stören, so daß bei raschem Wechsel sogar die Mischfarbe statt der einzelnen Farben erscheint, so muß man die zeitlick)« Folge in ein räumliches 9(eben- einauder >nMtzusetzen suchen. (Der Physiker hat dazu besondere Eiurichtungai, wie den drehendat Würfelspi-egel, dte im Felde nallttlich nicht Kirr Verfügung stehen. Prof. Keller beobachtet« nun dat Stern durch ein in La >unruhigen Hand gehaltenes^ schwingendes Jernglas oder noch besser durch ellt Glas, das an einem! ^Gestell befestigt war und durch Stöße erschüttert wurde. Ter Lichtpunkt des Sternes besckZrieb dann eine unregelmäßige Kurve, die infolge der Nachwirkungen des Lichteindruckes auf dir Netzhaut kurze^Zeit als Linie sichtbar blieb, und zwar war sie in da Tat aus Stückai verschiedata Farlien zusammatgesetzt, unter denat grüulickie, bläulick)« und rötlick)« Töne vorMrrsckUen. Dieses räUmlick)e Nebatelltanda der Farben in der Lichlllltic lEveist ilwe zeitliche Aufeinanderfolge. Auch andere BeobackUer haben dieses Farbatspiel des Sirius in kaltar Winternächtat gesehen. Freilich heißt das nicht, daß die Ursacki« der Erschelltung im Gastirn lag, vielmehr dürfte sie durch gewisse Zustände llt der Erdattnosphire bedingt sollt. Dann müßte sie sich aber auch bei airdaat Slenteu, Nachweisen lassen, warn auch, der geringeren Helligkeit entsprechend, llt geringerem Aiaße.