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30.6.1917 Erstes Blatt
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Adgevrdneletchaus möge bai Wünsch tür^yrikfcn, daß hd ögcn friegfiQfrffliben 'etcKöot die Ue&er*eäiigämff dnrchdringe, daß iDeftn-TCTcf^Untjam fernen Evoberungsktneg führe, sondern unter Sicherung seiner territorialen Integrität und LÄahrtmg der Frei­heit seiner Handelsttvge das baldig« KoiegÄmde anftrebe. Die deutschen Sozialdemokraten brachten amen Antrag ein, wonach die Entscheidung über Krieg und Frieden in den Wirkungskreis des Reichsrates gehöre.

SeeMeg.

Neue N»BootErfolge.

Berlin, 29. Juni. .(Amtlich.) Neuerdings sind Vom Unseren U-Booten versenkt worden:

1. In den nördlichen Sperrgebieten 26400 MkT. Unter den versenkten Schiffen befanden sich u. a. ein bewaffneter englischer Dampfer von etwa 5000 MMO an­scheinend von der P.- and O.-Linie, sowie ein großer un­bekannter durch Zerstörer gesicherter Dampfer. Ein anderer versenkter Dampfer hatte Lebensmittel nach England ge­laden.

2. Im Mittelm eer 27042 BRT. Unter den Vernich­teten Schiffen befanden sich der bewaffnete englische Dampfer Cheltonian und der bewaffnete italienische Damp­fer Montebello. Soweit bekannt geworden, bestanden die versenkten Ladungen aus Kohle, Lebensmitteln und Holz.

Der Chef des Admiralftabes der Marine.

England und der U-Boot-Krieg.

Bern, 29. Iran. (WTB.) L o w a t Fraser schreibt in derDailp Mail": Die. Nation versteht noch nicht völlig die Tragweite der letzthin durch die deutschen Tauchboote ange­richteten Vernichtungen. Die schweren Folgen der Unfähigkeit der ^Admiralität, wirksame Mittel gegen den Tauchbootkrieg #u finden, werden noch nicht allgemein übersehen. Bis zu einem gewissen Grade lvar die deutsche Rechnung richtig. Die Tauchboote sind lheute eine größere Gefahr als die deutschen Armeen. Es muß fetzt Aar anerkannt werden, daß die meisten unserer derzeitigen Schwierigkeiten auf dem Mangel an Schiffsraum beruhen, der 'hauptsächlich durch die Verheerungen der Tauchboote hervorgerufen nwrben ist. Weil es uns an Schiffsraum mangels tritt schnell ein Mangel an allen Lebensbedürfnissen, besonder Man Brot, ein. Jetzt, wird die Baumwollindustrie von Lanashirh. edroht, haupt­sächlich, tveil nicht genügend Schiffe vovthmden find, um Roh- .daumwolle zuzusühren und Fertigware nach der Uebersee zu bringen. Der Druck des Dauchbvotkrieges ließ im Mai etwas nach, aber er nimmt erneut zu und wird wahrscheinlich weiter .zunehmen. Wenn die Schiffs Verluste in dem jetzigen durchschnitt- -lichen Maß zunchmeu, wird es nicht lange dauern, bis wir in eine Lage kommen, von der wir uns nicht zu erholen vermögen. Die Abteilung der Admiralität zur Bekämpfung der Unterseeboote besteht ans überarbeiteten Ge- ,'hrrnen. Das ist vielleicht der Grimd, warum es uns nicht gelingt, !nnt der Tauchbootgesahr fertig zu werden. Aber ein Mißlingen «der Meisterung der Tauchboote bedeutet vielleicht den Zusam- . mcnbruch.

A m st e r d a m , 29. Juni. (WTB Nichtamtl,) Nach einer Mel­dung desAllgemen Handelsblad" aus London sagte Unterstaats­sekretär Kella ny gestern in einer Rede in Birmingham, daß England in diesem Jahve bis zum letzten Sonntage durch den U-Boot-Krieg 449 Schiffe von mehr als 1600 Tonnen und 71 kleine Schiffe verloren habe. Ein Teil müsse durch neue Schiffe ersetzt werden, wenn England nicht durch Hunger zur Uebergabe gezwungen werden solle.

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Rotterdam, 29. Juni. (WTB.)Maasbode" teilt mit, daß die beiden norwegischen SchiffeBolette" und Maggie" gesunken sind.

Lur dem Reiche.

Der Handel mit Tabak.

dürfen. Die Veräußerung von Saatgerste und der Handel mit Gaatgerste bleibt dagegen nach wie vor bis zum Erlaß der demnächst erscheinenden Verordnung über den Verkehr mit Saatgut verboten.

Berlin, 29. Juni. (WTB.) DerReichsanzeigev^ ver­öffentlicht ein Gesetz betreffend den Gebührentarif für den Kaiser-WilH elm-Kanal, ferner eine Verordnung be treffend die Abänderung der Prisenordnung vom 30. Sep tember 1909, sowie eine Verordnung über die Höchstpreise für Honig und eine Bekanntmachung betreffend die steuer­freie Verwendung von Branntwein und betreffend die Zollfreiheit für Säcke, eine Verordnung betreffend die Aenderung der Telegraphenordnung vorn 16. Juni 1904 und eine Bekanntmachung über den Verkehr mit eisernen Flaschen.

Arrs Hessen.

lieber Holzverkäufe aus staatlichen Wäldern an hollärtdische

Firmen

stellt Abg. Dorsch folgende Anfrage: Hat die Großh. Re­gierung Kemrttns davon, daß aus hessischen Staatswal­dungen grvßenUMengerr erstklassiges Holz von holländischen Firmen gesteigert und von diesen an England abgegeben wurde, und - ist die Regierung in der Lage und bereit, darüber Auskunft zu geben, ob und inwieweit dies zutrifft- Besteuerung der Teuerungszulagen der Reichsbeaurten.

Abg. Dr. O s a n n hat in der Zweiten Kammer folgende Anfrage gestellt:

Ist es Großh. Regierung bekannt, daß die Finanzämter von den Teuerungszulagen der Reichsbeamten und der im Großherzogtum wohnenden preußischen Beamten, insbeson­dere der Preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft, Ein­kommensteuer erheben? Sind auch die den städtischen Beam­ten zugebilligten Teuerungszulagen der Einkommensteuer unterworfen worden?

Die Erteilung des Unterrichts in den Volksschulen.

Abg. Korell-Ingelheim hat in der Zweiten Kammer folgende Anfrage gestellt: 1. Ist es der Gvoßh. Regie­rung bekannt, daß in Volksschulen, ohne Beschluß des Schulvorstandes, entgegen den Wünschen der Eltern, der Unterricht um 7 Uhr begitrnt? 2. Ist es der Großh. Regie­rung bekannt, daß, ohne Beschluß des Schulvorstandes, in Volksschulen Unterricht nachmittags von 14 Uhr bei eiltet Hitze von 28 Grad erteilt werden mußte? 3. Was gedenkt die Großh. Regierung zu tun, um ihren Verfügungen (zu 1) und hem Schulgesetze (zu 2) Geltung zu verschaffen?

Berlin, 29. Juni (Amtlich.) Eine Bundesratsver- vrdnung vom 28. Juni 1917 regelt den Handel mit

Tabakwaren. Der Handel mit Zigarren, Rauch-, Kau-1 leidigung meiner'braven Leute/ von denen'feiner mr Fahnenflucht und Schnupftabak (Tabakwaren) ist vom 15. Juli 1917 ab ^nkt und die ihre Soldatenpflicht in guten und sehr bösen Tagest

Hriegsbriefe aus dem U>ejteit.

Von unserem Kriegsberichterstatter, tllnberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten^

Im Westen, im Juni 1917.

Dujmm geboren und nichts zugelernt!" sagte der Major und Regimentskommandeur und sah einen bedruckten Zettel an seinen Adjutanten zurück.Wir wollen den Wisch zu den Akten nehmen, als Kuriosum, und nach dem Krieg verkaufen wir ihn an ein Wachsfigurenkabinett, damit er auf den Jahrmärkten gezeigt wird. Zu dü,mm!" Und er schlug mit der flachen Hand auf den Wisch. Für solche Esel hätte ich die pffffigen Franzosen nicht gehalten!"

Nach einer Weile, nnd nachdem der Adjutant andere Dinge vorgetragen hatte, ließ sich der Majorden Wisch" noch einmal geben nnd entschied: ,^Jch glaube fast, es ist am besten, toeutt wir diese Unverschämtheit den Mannschaften durch Umdruck bekannt machen: die werden dann schon selber die richtige Antwort darauf geben."

Er war so erregt, daß ein Fremder den Zusammenhang erst nach nnd nach verstehen konnte. Es stellte sich heraus, daß die Fran­zosen, die auf irgendeine Weise .erkundet halten, daß ihnen Polen Polen gegenüber lagen, Ausrufe sin polnischer Sprache in dto deut­schen Schützengräben geworfen hatten. Darin fordertest sie die Polen auf, überzulausen imb in ein französisH-polntsches Frei­korps einzutreten. Solch ein Aufruf war der Wisch, der den Major so in Harnisch gebracht hatte.

Das ist nicht nur dumm, sondern auch eine unverschämte

, nur solchen Personen gestattet, denen eine besondere Erlaub nis zum Betriebe dieses Handels erteilt worden ist. Aus- ' genommen sind hiervon der Verkauf selbst hergestellter Ta­bakwaren sowie der unmittelbare Verkauf an Verbraucher, so daß der K o n z e ss i o n i e r u n g sz w ang nur für den Zwi­schenhandel (Großhandel), besteht. Hat man also nicht die große Zahl der Ladengeschäfte zur besonderen Einholung emec Erlaubniserteilung verpflichtet, so schuf man doch die 1 Möglichkeit, Auswüchse, die sich hier zeigen sollten, zu unter­drücken, indem der Verkauf unmittelbar an den Verbraucher unterlagt werden kann, wennBedenken" vorliegen. Unter den gleichen Voraussetzungen kann die Erlaubnis zum Zwi­schenhandel versagt und, wenn sie sich später ergeben soll- len, z u r ü ck g e n o m m e n werden. Außerdem ist die Er­laubnis in der Regel zu versagen, wenn der Erlaubnis­bewerber vor dem 1. April 1915 mit Tabakwaren nicht ge­handelt hat. Wird die Erlaubnis versagt oder zurückgenom­men oder der Handel untersagt, so werden die Warenvor­räte des betreffenden Händlers auf seine Kosten und Gefahr ° an die deutsche Zentrale für Kriegslieserungen von Tabak- erzeugnissen zur Verwertung übergeben. Verboten wird durch dte Verordnung, in periodischen Druckschriften oder in sott- Ittgen Mitteilungen, die für einen größeren Kreis von Per­sonen bestimmt sind, ohne vorherige behördliche Genehmi­gung sich zum Erwerbe von Tabakwaren zu erbieten, zur Abgabe von Preisangeboten aus Tabakwaren aufzufordern, sowte bei Ankündigungen gewisse irreführenden Angaben zu mächen. Außer der Uebertrettmg dieses Verbotes sowie der Ausübung des Handels, wo derselbe nach der Verordnung unerlaubt erscheint, ist unter strenge Strafe gestettt-die Stei­gerung des Preises für Tabakwaren durch unlau­te reMachensch asten, insbesondere Ketten­handel. Verschiedene preistreibende Vorgänge im Ver­kehr mit Tabakwaren, die schon seit längerer Zeit wahr­nehmbar waren, ganz besonders das spekulative Aufkäufen und Zurüllhalten von Waren durch Personen, die sich früher ntu diesen Handelszweigen nicht befaßt hatten, haben den Erlaß dteser Verordnung nötig gemacht.

Berlin, 29. Juni. (WTB. Amtlich.) Durch eine Bun- desratsvevo-rdnung vom 28. Juni werden die Höchst­gewichte für Zigaretten festgesetzt. Das Dabaksvll- gewtcht, d. h. jenes Gewicht, das dem Herstellungsverfahren zugrunde gelegt wird, darf für je tausend Stück bei den Ztgaretten mit Hohlmundstück 650 Gramm, bei Zigaretten ohne Hohlmundstück 1000 Gramm nicht übersteigen. Aus­nahmen kann der Reichskanzler zulassen. Die Festsetzung der Zigarettenhöchstgewichte dient zur Streckung der Vor­räte an Zigarettentabak, die bei den spärlichen Zufuhren an Ztgarettentabak geboten ist.

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Berlin, 29. Juni. (WTB.) Der Präsident des Kriegs- ernährungSamtes hat bestimmt, daß die Landwirte aus der von ihnen geernteten Wintergerste das erforderliche Saatgut für ihren eigenen Betrieb zurückbehalten

so redlich erfüllt faben, wie nur irgend ein anderer Deutscher. Ich will keine großen Loblieder auf meine Leute singen, aber einige Züge, die ich bei meinem Rechment erlebt habe, mögen für sich selbst sprechen. Ehe ich das Regiment bekam, das sich durchweg aus Oberschlesiern und darunter sehr vielen polnisch sprecl-en- deu zusam men setzt, kamrte ich diesen Volksschlag nicht. Denn ich bin Rheinländer und tvar nie in Oberschlesien. Als Regünents-- kommandeur hatte ich meine Mannschaften zunächst nur nach ihrem soldatischen Wert zu beurteilen, und davon komtte ich hoch- beftiedigt sein. Stramm. willig und ausdauernd, das waren die besten Eigensckxrften. Aber in bent langen gemeinsamen Erleben in den heißesten Feuerkesseln der Westfront chrbe ich fte, den Ein­zelnen und den Stamm menschlich näher kennen urrd lieben gelernt. Ich lasse nichts ans meine Pölert kommen, mtd wenn ich sehe, daß ber Franzmann in seiner dummen Sttbstüberhebung sich einbildet, meine Leute mit einem verlogenen Papierfetzen zum Bruch des Fahrteneides tmd der Treue gegen ihren König zu ver­führen, zum Donner,netter, dann steigt mir die Galle auf!

Es sind durchaus nicht alles Ertgel, und bei manchem muß man sich Mühe geben, ihn zu verstehen. Voir einem, einem stäm­migen Eisengießer mit kp bl schwarzen, lodernderr Au gm, hörte ich, daß er den Namender Frcmenmörder" führte. So trannten ihrt feine Kameraden, tmd er sah so ans, als ob ihm niemand dieses Wort ins Gesicht hätte sagen dürfen. Uebrigms war er bet seinen Kameraden trotz dieses Namms offenbar sehr angesehen. Ich er­kundigte mich nach seiner Geschichte untB erfuhr: Es war ein ganz hervorragender Soldat, -der als einer der erstetr für seine Un­erschrockenheit und sein tolles Dranfgängertu-in das Eiserne Kreuz bekomnten hatte. Während seines Heimaturlaubes sollte ihn dte Besürderung zum Unteroffizier überraschett, aber es kain anders. Zu Hause erfuhr er, daß sich seine junge Frau mit einenr auf einem' Nachlxirgut beschäftigten französisäien Gesangmen eingelassm hatte; als er es glauben mußte, übermannte ihn die Wut, und in einer Aufwallung erschlug er die untreue Frau mit feiner hammer- schweren Faust. Das Gerick)t billigte ihm alle nrildemden Uui- stände zu, von seinem Arbeitgeber im Friedm und von der Truppe bekam er glütrzeride Zeugnisse, aber das alles konnte ihm nicht vor dem Gefängnis retten. Er saß feilte Monate ab, führte sich auch dort musterhaft und meldete sich dann sofort mit der flehmtlicheu Bitte um Miederannahme bei seiner Kompagnie. Wir merkten bald daß wir auf den düster nnd wortlos gewordmeir Martn auf- passen mußten weil er die Gefahr ofsmsichtlick> suchte. Er ist dann bald gefallen, und seine Kameraden, die ihn begraben haben, habeit sich entsetzt vor dein lachetrdeit Gesicht des Totm, den lebmd nie­mand mehr lachm gesehm hat. Er lag in einem Hausen toter Franzosen mtd war wohl zusriedm, daß er ihneit seine Rache so teuer heimgezahlt hatte. Das ist der Roman eines polnischen Gie­ßereiarbeiters, der nie einen Dichter finden wird.

Ein gerades Gegmteil im Wesen ist ein Mann, der eben leicht­verwundet im Lazarett liegt, wo ich ihn gestern besitcht habe. Seine Kameraden nennen ihn denPfingstvogel". Jntim'er fahrig tmd zerstreut, immer mit seinen Vergißmemnichtaugen in altdere Zeiten träumend, wacht er nur auf, lvenn er die Fiedel zivischen den Fingern spütt, die zerstoßene Fiedel, dte er in einer selbstgeziinmer- ten 5)olzschachtel auf alleil Märschett geduldig mitschleppt. An der Somme geht eine gewaltsame Patrouille gegerr ein frcatzöstsck^es Maschiineitgewehr vor. Der Pffngsttwgel l-ctt sich zur allgemetuen Ueberraschung freiwillig zn der Pcttronille gemeldet. Kaum sind die Leute aus dem. Graben, so wird die Maschinengewehrbesatzurtg lebendig, und alle müssest schleunigst Deckung nehmen. Nur der Pfingstvogel geht ruhig und aufrecht, als sei er aus GußA^hl mtb

gegen jeden Schuß gefeit, schnurgerade gegen das MaschineAgsoehL vor. Und als ob die Sache mit Hexerei zugrnge, so bekommt das Maschinengewehr eine Ladehenrnrung und bringt fetneu Schuß mehr heraus. Der Pfingstvogel springt vorwärts wie ein L-rger^ wirft valtblüttg eine Handgranate in dear MasckfiNvngeivetwunter-- Itand und noch eine, tmd damr sittd auch seine Kameraden schon da und dringen in den Unterstand ein. Fünf Franzosen liegen darin- bluttg zerfetzt. Der Pfingstvogel- dem Tränen über Vie Wangen rinnen sagt zu dem Pattouillenführer:Sehen Herv Leutnant, da ist die Besckwrung! Hab ich alle kaputt gemacht. Aber sonst hätten die fünf mich kaputt gemallst!" Dazu schluchzte er wie etn. Kind. Am Abend jedoch strich er wieder seine geliebte Fiedel, mtb wenn jemand von seiner Heldentat sprach, sah er ihn mir leeren, erstaunten Pergißmeinnichtaugett an, als ob er das längst oer> gessett habe.

Wenn man die Leute richtig verstehen will, darf man ihre Harm-- lose Kindlichkeit nicht mißachten. Wir lagen, nach harten Kümpfen den ersten Abend in Ruhe. Nur der Stab hatte noch spät aus dem Geschäfiszimmer zu arbeiten. Da meldet sich ein Mann nach 8 llhr feierlich bei mir und erklärt:Haben Herr Major gesagt, bei offen-* barer Ungerechtigkeit dürfen wir uns bei Herrn Major beschlveren. Geschieht sich offenbare Ungerechtigkeit, Herr Major."Na, baim vede, mein Sohn!"Herr Major! Hat sich Kantine Bier. Gilit aber an Mannschaften nur bis 8 Uhr, an Unteroffiziere bis 9 Uhr.. Herr Major, haben wir drei Wochen gekämpft, haben wir drei Wochen nur Psützenwasser gettunkett, haben wir ebensoviel Durst gelitten wie Unteroffiziere. Herr Major! Verlangt nicht offenbare Gerechtigkeit, daß Mannschafteir auch bis 9 Uhr Bier kriegen?^ l^ch etttschied, daß damit der offenbaren Gerechtigkeit nur Genüg« geschehe, und keines Sokrates Weisheit ist so laut gepriesen worden wie die meine an jenem Abend in der Mlarmschastskantüte. Sie ,ollen gettost feiern dürfen, und tveun sie dabei einmal einen RaM über den Durst ttinkm, so machen sie das immer wieder wett dirrch das Ertraget! von Strapazen. Was meine Polen darin an der) Somme geleistet haben, ist ein großes, sck-önes Heldenlied für sich. Ich irüll Mr ein Beispiel erzählen. Einer der besten Kerle, ein Störungssucher, der schon ein Dutzendmal im Trommelfeuer draußen gewesen war und den zerrissenen Telephondraht immer wieder ge* flickt hatte, kam uns nicht zurück. Erst am übernächsten Morgen fanden wir ihn, halb tot, bis an das Kinn in einem Schlammlollt» steckend, mit Hilfe eines Sanitätshundes. Er hatte drei Schrapnell- kugeln im Leibe. Auf dem Verbandplätze besuchte ich ihn und ivollte ihn ttösteu.O," sagte er,Herr Maior, war garnicht langweilig. 5)att ich nur Angst, einzuschlafen und zu ersaufen, weil ich so schwach war. Aber unsere Artillerie schoß so schön, Hab ich immer zuge­sehen und gedacht: Franzos, Du armer Dummkops! Du bist viel schlimmer in der Patsche als ich. Da Hab ich noch lachen müsssen bei allem." . ,

Nein, den Leuten sollen sie solche Bettelbriefe schicken, die wisset:, was ihre Soldatettpflicht ist. Pierun besorgt es dem Franzmann, wo er ihn zu fassen kriegt. Na, für diese Äufsordernng zum Hoch­verrat sollen die Lumpen ja ihre Antwott kriegen!"

Was heißt eigentlich," so fragte ich,das Wort Pierrm, das matt oft bei polnischen Truppen hört?"

Der Major lachte, und der Regimentsadjutant lachte mit.

Pierun? Ja, so west meine polnischen.Kenntnisse gehen, ist das ein sehr krüsüges und nicht ballgesprächsfähiges Wort. Aber ein Wort, welches unsere oberschlesischen, Polen nnt Vorliebe .für sich gebrauchen, ctlvtt in der Art, um ein kl äffisches Beispiel zu geben, wie seinerzeit die wackeren Gneusen. Sie wollen damit etwa sagen, daß sie ganz verfluchte Kerle sind und jedem die Zähne ein- schlagen, der sie für Schweinehuttde hält. So übersetze ich das Wärt, nackdetn ich meine Piernns richtig kennen gelernt und als herrlich tapfere Soldaten in Treue um Treue befunden habe."

' W>. S ch e u e r m a n n', Küegsberichterstatter.

Ans Stirdt nnb

Gießen. 30. Juni 1917.

ASretzduch Sichen \%X

Am 2. und 3. Juli liegen die Buchstaben G bis ent- schließlich K des alphabetisch geordnetetr Ncnnensverzeich- nisses in der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers offen. Die Beteiligten werden um Nachprüfung ihrer Adressen^ einträge gebeten.

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Jahresfeier der Universität.

Heut mvrgett um 11 Uhr b-eging die LVrdesunLversität in der Neuen Aula in der üblichen Form ihre Jahresfeier. Die 2lula war von den Dozenten und ihren Damen, von ge­ladenen Gästen (unter ihnen der Minister des Jnnerr: Ex­zellenz Dr. von Hvmbergk zu Vach und Ministerialrat Dr. Weber aus Darmstadt), von Teilnehmern aus der Bür­gerschaft und von Studenten uitb Studentinnen gefüllt. Es fehlten freilill), wie schon im letzten Jahre, die Vertreter der studentischen Korporationen mit ihren Fahnen: der Krieg macht seinen Einfluß geltend.

Die Feier lvurde eingeleitet durch Psalnc 126 für drei­stimmigen Frauenchor, vorgetragen vom Akademischen Ge-- sangverein. Die Festrede des Rektors Professor der Theo­logie Dr. Schi an behandelte das ThemaVolk, Reli­gion, Kirche". Obwohl eine cinheittiche Volksreligion in keinem Fall erreichbar sei, eineVolkskirche" im genauen Sinn des Wortes daher außerhalb des Bereichs der Möglich­keit liege, sei doch nicht Zerstörung, sondern Pflege des heut noch bestehenden Volkskirchentums anzustreben.

Der Jahresbericht, den der Rektor sodann er­stattete, erivähnte u. a., daß die Zahl der eingeschriebenen Studierenden zurzeit 1318 betrage; 159 sind im laufenden. Semester neu immatrikuliert. Am Ort anwesend sind aber nur etwa 300 Studierende, die weiblichen eingeschlossen; im Heere stehen rmtd 1000. Den Gefallenen widmete der Rek­tor Worte ehrenden Gedenkens. Die Zahl der Schenkungen, die der Universität zuteil wurden, ist nicht unbedeutend: die Universität ist für Gaben, die sie in ihrer wissenschaftlichen Arbeit fördern, stets dankbar. Es folgte noch> die Vertündv- gung des Ergebnisses der Preisausschreibungen, über die wir in der nächsten Nummer berichten werden.-Die Feier er-! rechte gegen 12Vs Uhr ihr Ende.

** Bern s! u n g. Wie wir hören, hat der Geheime Justizrav! Prof. Dr. jur. Alexander Leist, Ordinarius für römisches tmfo, deutsches bürgerliches Recht einschließlich des Handels- mtd Wechsel­rechts an trnserer Lcmdesuniversität, einen Ruf nall) G ö t t t tt g en als Nachfolger von H. Titze erhalten. Geheintrat Leist tst Ver­treter der Universität in der Ersten Kammer der Hessischen Stände. 1862 zu Jena, geboren, erwarb er 1886 in Tübingen den Doktor­grad und erwirkte drei Jahre später seine Zulassung als Pnvat- dozettt für rötnisches Rellst in Halle. 1891 ging Letst nach Mar­burg, siedelte bald darauf als Exttaordinarius nach Götti ngeni über, kam Ostent 1893 nach Rkarburg zurück und folgte am 1. Ok­tober 1895 einer Berufung als Ordinarius nach Gießen als Nach­folger des Geh. Justizrats Prof. G. Kretschmar. 1913 wtlrde Prof. Leist zum Vertreter der Universität in der Ersten Ständekammer als Nachfolger des Geh. Jttstizrats Prof. Dr. Artur Benno SllMidt berufen. 1907/08 bekleidete er das Rektorsamt.

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Heimatlose Urlauber

finden seit numnehr acht Monaten in dem bei Schotten gelegenen^ Erholungsheim des VereinsL e h r e r h ai tu V o g e l s b e r g" kostenlos Unterfunft und Verpflegung. Daß es der Vereinsleitung! möglich gewesen ist, bishrr troll) jeden sich tneldenden Fel dg rau et t aufzunehmetj, der seinen Urlaub bei lieben Angehörigen nicht ver^ bringen konnte, verdankt sie nicht ziUm nrinbeften cruch einer Anzahl opferbereiter Geber von Gießen und seiner Uiügebmrg Darum dürfte ttachstehender Brief, der deutlich zeigt, wie die Einrichtung drauß,en rin Felde gewertet wird, auch für die Öefergemciubc des Gieß. Anzeigers" von Jnteoesse sei«: