Nr. 120 Zweiter Blatt
167. Jahrgang
Er^he«tt «Mch mtt MrS^ahrne de» So«^s.
&tH*4tn: .Meiner ^rmUtenWöter" und „KreisWeti M den «reis »ietz«".
PdWche«»nts: ZrmüftM am Main Nr. n« 6 . v«ittVerkehr: Ge»ervebaur Sietzen.
General-Anzerger
vomerrtag, 24 . Mm 1917
Zwillrngsrundoruck und Verlag: BrühlfcheUnwersitäts-Buch-u.Sttindrucker«,
R. L an g e, Gießen.
5christ!eitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße7. Geschäs..melle u. Verlag: Li,
Schriftleiumg: 112.
Anschrift für Draht mchrlchten:AnzeigerGießen.
Aus der ftanzöfifchen Uammer.
Paris, 22. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Unter starker Be- terligung der Abgeordneten Mlrcden in der Eröffnungssitzung der Kammer etwa 40 Interpellationen verlesen. Bei Besprechung vnchrerer Interpellationen pr letzten O ffen si ve sagte Ribot: Man machte sich übertriebene Hoffnungen. Es kamen Fehler in der Ausführung vor: aber man darf das Ergebnis weder vergrößern, noch verkleinern. Niemals waren die französischen und englischen Loldaten bewundernswerter, mld niemals hielten sie die deutschen Massen besser im Schach. Tie Regierung hielt ‘Strafen für nötig und führte int Oberbefehl Aendernngen herbei, um alles, was nicht mit den militärischen Maßnahmen im Zusammenhang, steht, ans dem Wege zu ränmien. Painleve arbeitet mit dem Heeresansfchuß. Ich bitte die Kammer, die Beendigung dieser Arbeiten abznwarten, bevor die Interpellationen' besprochen werden.
Bei Besprechung der Jitterpellattonen R«:audel und Mayeras über die russische Revolution und ba: Eintritt der Bereinigten Staaten in den Krieg bat Ri bot, sie auf unbestimmte Zeit zu vertagen, da die französische Regierung von per russischen zu Besprechungen eingeladen worden sei. Wir verfolgten, fuhr Ribot fort, mit nnverhülltem Mitgefühl die Entwicklung der russischen Revolution, und wir Haber: Verständnis für die Schwierigkeiten, ans die die russische Regierung stieß, die aus hervorragenden und tapferen Männern besteht, welche aber von anderen Einflüssen umgeben sind, die ihre Tätig- feit erschweren :md die Gesetzlosigkeit begünstigen. Diese mutigen Männer macht«: Erklärungen, die uns voll befriedigten, da sie 'vor allem in der Armee strengste Manneszucht Herstellen wollen, denn^dies ist eine Daseinsfrage für das russische Voll. Wir werden am Freitag auch die Frage des U - B oo tkrieges besprechen, und wir werden :ms sobald 'wie möglich mit der Lebensmittslfrage beschäftigen. Violette wird in der Kaminer offen die Schwierigkeiten der L eben sinittel verlorg 1 : ng darlegen.
Ribot verliest sodann unter allgemeiner Bewegung des Hauses das Telegramm des r u s s i s ch e u M i n i st e r s d e s A e u ß e r n , in dem dieser sagt, Rußland werde Frankreich nicht vergessen, und es sei der bewunderungswürdigen Arbeit des französischen Volkes zu danken, daß die feindlichen Massen nach Westen abgelenkt m:d so die Neubildung der russischen Streitkräfte gefördert werde. (Dieser letzte Satz wird mit einmütigen: Beifall zur Kenntnis genommen.! Rchot bemerkt dazu Ureiter: „Ich nehme diese Worte des Vertrauens und der Dankbarkeit für mein Land entgegen. Wir gehen Hand in Hand mit dem uns treubleibenden Rußland, von dem aber nic- Imals die Rede von einem Sonderfrieden sein kann. Der russische Minister hat den Trugschluß richtig gewertet, mit :vel- chem Deutschland die Formel „Weder Annexioneu noch Entschädigungen" für sich auszuschlachtcn sucht, in der Hoffnung, die P r 0 - vinzen behalten zu können, die es uns einst e nt riss en ba t. (Anhaltender, wiederholter Beifall.) Deutschland hat den Krieg gewollt. % Schuldige ist nicht hier, sondern toort drüben. Wir werden Wiederherstellung sor- tdern, dle keine dknnexionen sind, sondern die auf Recht und Gerechtigkeit beruhen und die über die barbarische Art urteilen loerden, mit der die uns entrissenen Lärwer behandelt werden. Ein Friede ohne Entschädigungen — davor: wird Rußland nicht reden. Es wird sich indessen nicht um eine Kriegskontribution! laiweln. die inan wie eine Btzrße auferlegt (Beisiall auf allen Bänken, namentlich aus deiwu der Sozialisten). Es handelt sich um eine Sübneheistun g und erfüllte Gerechtigkeit. Die ganze Welt wird einen Gerichtshof bilden." — Ribot stellte dann fest, wie ein russischer General zutreffend gesagt hübe, es fei lächerlich. von einem Frieden ohne Eroberungen yw sprechen, solange Deutschland noch Gebiete Frankreichs, Rußlands, Belgiens und Serbiens besetzt halte.
„Die ruffische Demokratie," so führte der Ministerpräsident werter aus, „beßimmt ihre Geschicke selber, und sie hat feierlich)! erklärt, daß sie gesonnen ist, den Krieg energisch fortzusetzen. Sie läßt , sich dabei nicht von Eroberungsplänen leiten, sie kämpft für die Freiheit. Wir werden bei: Kämpf inerter führen, nicht im Gedanken an Eroberungen und Annexionen, sondern um zurückzu- erhalten, was uns einst gehört. Ich wiederhole, Frankreich will keine Nation mllerdrnck«:, auch die seiner Feinde n:cht. Da es die Freiheit aller Völker anerkennt, so wird es dann auch am Tage des Sieges nicht die Rache, sondern die Gerechtigkeit aufrufen. /Lchhaster Beiiall, namentlich auf den Bänken der Sozialisten.) 'Was not ist, ist ein d a u e r h a f t er F r i e d e n. Der Alpdruck des ^Krieges hat zu lange gedauert, daher muffen wir den mil i tä r i- 'scheu Des p 0 tijsmus zerstören. An dem Tage, da das deutsche Volk dies cinsiebt, wird der Friede leichter zu erlangen sein. Dies ist auch die Auffassung Rußlands und die innerste Ueberzeu- gung unserer Demokratien.
Möge die russische Armee unter Leitung ihrer Führer zu neuer Kraft sich «rftvickeln, möge sie ihrerseits eine Offensive u u 1 e r n e h mse n, indes die Vereinigten Staaten sich an- sch:cken, in einigen Wochen rms ihre erste:: Divisionen zu senden! Möge Rußland seine Pflicht tun, und wir werden keine Befürchtung w>ehr hegen. Unsere Fmnde werden den Zusammenbruch ihrer Hoffnungen feststellen müssen. Vielleicht werden sie um den Frieden bitten kommen, nicht heuchlerisch wie heute, nicht durch unlautere Mittel und nicht auf Schleichwegen, sondern offen heraus unter Bedingungen, wie sie Frankreich würdig sind. Und wenn nean nicht um deu Friedei: bitte:: sollte, so werden nur ihn uns zu erzwingen wiffcn.
Die Erklärungen Ribots verursachten auf allen Bänken starke Bewegung. Die Deputierten, auch die Sozialisten, spendet«: jubelnden Beifall.
Nach der Rede Ribots 'wird die Besprechung der Interpellation (über den Unterseebootkrieg auf Freitag festgesetzt. Rena udel erklärte sich mit der Vertagung seiner Kriegszielin terpellatwn innverstanden. Die Behandlung der JUterpelb lation über die Stellung der Regierung zu den Sozialisten, die sich mt der Stockholmer Konferenz zu beteiligen wünschen, wird aufl -dien 1. Juni augesetzt, des gleich«: die Debatte über die Militärpolitik. Die Diskussion über die Einkommensteuer wird an die Spitze der Tagesordnung gesetzt.
In französycher Gefangenschaft
vom 15. September bis 26. Dezember 1-914.
Selbsterlebt von Oskar Hassel.
Dunkle, undurchdringliche Nacht herrscht um mich. Ich stehe auf Postei: auf der Sommebrücke in der Nähe des Städtchens P. Nur das Plätschern des Wassers ist zu hören als einzigstes (Geräusch, sonst ist ringsum Grabesstille. Die nahe Kirchenuhr verkündet eben die 10. Abelchstunde. Seit 6 Uhr stehe ich nun ohne Ablösung. Um V 2 I 2 Uhr soll der gemeldete Lazarettzug eintreffen, den ich mit nach Deutschland begleiten soll. Der Hunger macht sich sehr bemerkbar, auch muß mein Gepäck noch gepackt werden, ich kann nicht begreifen, daß ich keine 'Ablösung bekomme.-—
11 Uhr hat es schon längst geschlagen und noch immer warte :ch,auf Ablösung. Plötzlich, es mag Uhr sein, werde ich in meinen: dumpsei: Dahinbrütei: durch sich mir nahende Schritte, die von der entgegengesetzten Seite der Bahn kommen, aufgeschreckt. „Hurra! Ablösung hierher!" rufe ich. Doch gleich darauf werde ich von zwei starken Händen erfaßt und auf d«: Boden geworfen Eine brennende Laterne gibt mir die Gelegen heit, den Attentäter zu besehe::' Was? .... ein französischer Dragoner .... und dort .... i:och mehr von der Sorte! Also dam: bin ich ja sozusagen gefangen. Allmählich haben sich Dragoner, Infanteristen (Lrn:enregiu:en1er), schwarze Soldaten, mid Engländer aller Waffengattungen um mich versammelt und betrachten mich 'wie c:n kleines Welknmnder, behandeln mich mit Beinen und Faust«: aufs Herzlichste und zu diesen Zärtlichikeften sagen sie mir die schönsten Kosenamen, wie z. B. „Du deutscher Schweißhund", Du Meuchelmörder," „Du Frauen- :md .Kindern:örder", und dergl mehr. Nachdem ich diesen Empfang genossen, kam ich vor einen französischen General. Dieser liebe Herr hatte eine besondere Begrüßung für mich ans Lager, ioelche wörtlich lautete: Guten
Tag,, du Berliner Wackes, du LandsmMn: von der Mosel. Endlich, ivvhl nach langer, harter Zeit, kannst du mal wieder frei auf atmen, weit wir dich von dem Druck de:' d«rtsch«: Barbare: unter dem du stmüest, durch, der: du dein Ehrgefühl verletzen mußtest, durch den du Müder zu Waise:: machtest, indem deine Kugel den Vater tötete:md die Mutter das Opfer deiner Meuchel- mordslust wurde, befreit haben. Du sollst es auch fernerhin gut bei 'uns haben und Mir Danke dafür zeige du dich erkenntliche, indem du mir folgende Frage:: beantwortest. In P. liegt euer Militär, wieviel Mann sind es?" Nun lvar es be: mir aber Zapp«: dichter^ ohne weiteres antw-ortete. ich: „Soviel, um euch dreimal über den Häufen zu rennen?" „Packt den Hund und bindet ibn!" dröhnte da die Stimme des Generals. Mit auf dem Rücken gebundenen Händen wurde ich iu einem stockdusteren Zimmer untergebracht. Hier lag ick: wohl eine stunde, da ging nicht weit von mir ein fürchterliches Infanterie- und 2lrtilleriefeuer los, dock dieses damrte nickt lange, dam: ivar wieder Ruhe. Allmählich wurde es in meinem Gefängnis heller. Gegen Morgen kamen einige Dragoner holten mich aus dem Kerker heraus und schleppten mich, nachdem, ick: mit einer Leine hinter ein .Pferd gebunden wurde, nach der Stadt P„ die mittlerweile von den Franzosen eingenommen war Hier wurde ich nun von der Zivilbeoölverung wieder herzlichst empfangen. Ich erhielt Stock-, Peitsch«:- und Faustschläae uacy Noten. Zweitens würde ich von allen Seiten angespuckt. Bald kam üb daun in üreiuem „Quartier" an. Hier traf ich mit noch mehreren
Deutschen zusammen, 500 Mann etiva. Alle waren schon nach Wertsachen irntersuchit morden. In einem ander«: Abteil befanden sich 400 deutsche Sckymstern, die auch gefangen waren.
Nun begann, imser Dienst als Kriegsgefangene. Ich wurde zur ^auitätsabteilung kommandiert. Meine 'Arbeit bestand darin, daß ich mit iroch einem Kameraden Verwundete vom .Krankensaal zur Operationshalle und von dort wieder zurücktransportierte!
In dieser Stadt P. blieben wir vier Tage. Am UV September kamen wir in Krafllvagen nach „Amiens". Hier mutten wir für einen Tag in ein Kloster eingesperrt. Am 20. September ging die Reise weiter. Heute mußten wir erst 32 Kilometer bis zu der nächsten Ba'hnstatian marschieren. Nun wurden wir mit je 45 Personen (Männlein und Weiblein) in Kvlli-Wagen verladen und ab ging die Reise. 2l:if jeder neuen Station imrrden wir dadiwch mißhandelt, indem unsere, Begl-eitmannschaffen durch die Risse der Wage:: aust uns mit ihreu Seiteirgewehren stvesten .Die Bewachung ivar sehr stark. 2luch die Kvlliwagen waren gut verschlösse!: und mit Plomben versehen.
Unser Ziel der Fa'hrt war St. Gernrains, eine Vorstadt von Paris. Das Gesängrris Ivar eine Kriegsschule. Hier wurden wir aus nackten: Erdboden gebettet. Als einzigste Unterlage diente eine Wolldecke, die uns von später abrückenden Soldaten aber wieder genommen ivurde. Als^ Essen bekamen wir abtvechselnd jeden ersten Tag des Morgens Kaffee, sowohl des Abends und sonst den ganzen Tag trocknes Brot mit Wasser. Jeden dritten Tag erhielten wir am Morgen eine Tasse Kaffee mit einer Schnitte Brot. Am Mtttag emen Teller Suppe (Brotsuppe) mit gekochtem Esels- fleft'ch.
In Paris lagen wir zwei Monate. Dam: kan:en wir über Pmeaup-Tours-Orleans-Difon nach Lion. In Lion kamen wir an: 8. Dezember 1914 an. Hier war das Essen noch bedeutend schlechter als sonst. Arbeit gab es dabei in Hülle und Fülle. Sie bestand 'hauptsächlich m Bäumefällen, ...ttnsüg«: und Zerhacken. Unter Mißhandlungen durch das Militär und die Bevölkerung hatten wir hier bed«rtend mehr auszustehen als in den anderen Staaten.
So rückte dann das Weihnachtsfest heran, aber nicht, daß wir w eine heimliche Freude in der Brust fühlten, rvic im deutschen Vaterlandc, nein, mit Wehmut dacht«: wir an jenen Tag, den wir nicht ldahcim, nein, nicht einmal im deutschen Schützengraben froh und lustig feiern dürft«:.
Da .... am 20. Dez«nber ging ein Gerücht durch unser Lager, daß ':mr ausgetanscht werden sollten. Richtig, am 24. Dezember erhielten wir Befehl, unsere Sachen zu packen. Noch einmal erhielten wir die Löhnung von 88 Centimes. Dann begann unsere Heimreise nach dem geliebten, deutschen. Vaterlande.'
A^s %>tabt rrnd LcsnG.
® iejjcn, 24. Mai 1917.
** A u sz ei chnu ng. Dem OLerjäger Albert D u ch a r d t. Gießen, in einem Jäger-Bataillon, wurde Vas Bulgarische Tavfer- keitskreuz verlieh«:. Duchardt steht seit August 1914 im Felde, und/wurde bereits mit d«n Eisernen Kreuz zweiter Klasse und der Hessischen Papserkeitsmedaille ausgezeichnet.
** Durch die Ortsschelle v 0 r Hamstern g c m a r n t. Durch das ortsübliche „Ausschellen" ließ die Bürgermeisterei in Kirberg die Einwohnerschaft vor einer hamsternden Handelscrap 0>er Name wurde bekannt gegeben - eindringlich warnen. Der 'Ausrufer teilte mit, daß die Fron das Ei mit 28—30 Psg. aiifkauffe. um es dann inrter der Harck' in Frankfurt oder Wiesbad«: chr 70 bis 80 Pfennige an reiche L«:te zu verkaufen. Das Pfund Butter kaufte die Frau mit 2,40 Mk. auf, um es mit 7—8 Ml. wieder ab- zugeb«:. Das öff«:tl:che „Aussch^llen" der Frau ist übrigens ein recht gutes Mittel und muß selbst ans d«: verstocktesten Hamster Eindruck machen.
Landkreis Gießen.
** Annerod, 24. Mai. Garde füsilier Heinrich W!ill von hi«, welcher 27 Monate ununterbrochen im Felde steht, wurde wegen tapferen Verl>altens vor dem Feinde zum Gefreiten befördert.
l_j L a n g - G ö n s, 21. Mai. Dem Spengler Robert Brücke! bei einem Jnst-Regt., wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verlieben, das Eiserne.Kreuz hat er bereits früher erbalten.
L_J Lang-Göns, 23. Mai. Auf dem Felde der Ehre fiel der Leutnant und Kornpagniesührer von R 0 m p s. Cr :vurde seiner Zeit mit deu: MaxHFosef-Ordeu ausgezeichnet, womit der persönliche Adel verbunden ist, dem Ei.'erneu Kreuz 1. und 2. Kl. und ^er Hessischen Tapferkeitsmedaille. Leutnant von Rompf ist der Sohn unseres Bürgermeisters Rompf dahier.
r. Weitershain, 23. Mai. Wilhelm Stevh hat seinen Eltern aus englischer Gefangenschaft geschrieben. Seit dem 23. April galt er als vermißt.
Das neue Bild- und Zilmamt.
Aus Berlin wird m:s geschrieben: Im Kampf der Verleumdung und Aufhetzung, d«: die Feinde gegen uns führ«:, haben Bckd irnd Film sich als so wirksame Mittel erwies«:, daß mau. ^.uck b« uns daran denken nrnßte, diese sprechendste und anschaulichste Form der Propaganda zu einer ivitksamen Waffe z« schmieden. Dazu ist vom Kriegsurinisterium eine großzügig ange legte, unter weitschanend«: .Gesichtspunkten organisierte Stelle geschaffen worden', das neue Bild- :rnd Filmamt, über dessen Aufgaben und bisherige Arbeit Oberstabsarzt Dr. Meißner in einer für die Presse veranstatteten Vorführung nähere 'Angab«: machte. Die „Bufa" so lautet der abgekürzte Nan:«: des neu«: Amtes -- hat eine Zentrale geschaffen, um die deutsche Presse mit militärischem Bildmaterial zu versorgen, und die r«chhalttge Fistle von Standaufnahmen, die von den Photographen der „Bufa" an der Front gemacht werden, aber .auch die Liebhaberphotographien der Feldgrauen umfassen sollen, Werden von hier aus an die illustrierten Zeitungen r:nd Zeitschrift«: versandt. Sodann verfügt die neue Stelle bereits über ein Lichtbildavchiv von lveit über 25 000 Aufnahmen, die für Vorträge und '.Ausstellung«: aller Art federmanu zugänglich! gemacht werden. In: eigentlichen Vorder- grmide d« Tätigkeit aber steht der Film, dies tpichtigsbe Aust Gärungsmittel der Neuzeit. Sieb«: militärische Filnttrupps arbeiten im Aufträge der „Bufa" an den verschieden«: Front«:, um die neuesten Bilderfolg«: von d«: Kämpfen da draußen in die Heimat zu bringen. Diese Aufnahme:: der Filnttrupps, die rem militärischer Natur sind, werden dann in der Filmfabrik der Stelle hergestellt. Andere nickt rein militärische Aufgaben, die das. iveite Gebiet der Aufklärnngs- und Werbetätigkeit durch den Film umfassen, werd«: durch das Amt in bis i::s einzelne ausgearbeiteten Entwürfen der privaten Filn:industrie gestellt. Auch die Front-, Etapp«:- und GesangeneTtkinos >verd«: von der ,,Bi:fa" mit geeignetem Material versorgt. Eine der wichttgst«: Aufgaben des Bild- und Filmamtes ist die llnterbrbrgung geeigneter und wirksamer Filme im lteutraten Auslaick, wo man der bisher noch überlegnen .feindlichen .Kvnkurren.z Schritt Für Schritt den Bod«: .abgewinnen muß.
Das Bild- n:ch Filmamt hat.sich das hohe Ziel gestellt, durch seine Tätigkeit oas Niveau frei* Filmkunst überhaupt zu >beben, den Detektiv- uick Sensationsfflm durch vaterländische, be- lahvende, kntturgeschichtlich interessante Aufnahm«: zu verdräng«:. Emige Prob«: dieser Tätigkeit gab es in Beispiel und Gegen
beispiel. So wurden aus d«: neuen, in Vorbereitung befindlichen Films des Amtes zw« hervorragende Leistungen gebot«:: ein Teil des Films, dev die Kruppsch«: Werkstätten zum Xlrma bat und ptzan-tastisch-grandi 0 se Bild« aus der „Deutsch«: Schmiede", dieser Welt öex Kohle und des Stahls, hwaufbesch-vor«:, und ein Hindenbuvgsilm, in dem die wundervolle Persönlichkeit des Feldrnarschalls i:n Verein mit der imponierenden Gestalt seines Mitarbeittrs Lickendorff wundervoll zutage tritt. Eft: unüberbrückbarer Abgrund trennt solche Leisttmg«: von der feindlichen Propaganda, die in medrigster Verhetzung besteht. Dafür wurde ein Beispiel gegeben in dem in Frankreich und Belgien sehr.erfolgreich)«: Schauernlm „Die Rache der Belgierin", her bei: von den Franzosen offtziell geleugnete:: Franktir«rrkrieg in Belgien oer- herrlickck. Möge den: neu«: Amt, das eine große .Kuttnraufgabe in unserer Zeit erfüllen kann, eine segensreiche Tätigkeit beschied«: seft: und möge es deutsches Wesen i:nd deutschen El-arakter auch in der Filmkunst zum Ansdruck bring«:. Ein schöner Anfang ist gemacht.
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— Eine Opern-Erstauffnhrung in Frankfurt. Aus Frankfurt am Main wird uns geschrieben: Josef Gustav Mraczeks romanttsche Oper „Aebelo", die nach der Breslauer Uraufführung einer Umarbeitung unterworfen wurde, ist nrm in neu«, gegenüber der ersten Fassung nicht m:'ives«:tlick)i geänderter (gestalt vom Frankfurter Opernhaus heraus-- gebvacht Word«:. Das Opernbuch stammt von Amelie Niki sch, der Gemahlin des bekannt«: Musikers, u:ü> Ilse Friedländer, die sich auf eine Erzählung von Sophns Michaelis stützt«:. Um eine vollendete, künstlerisch^jedem 'Anspruch g«ftigendc Dich- tt:ng handelt es sich bei der Sck)öyfung der beiden Autori:uren nicht, dock, ist das Libretto and* fehle Alltagsware. Es ist nickst arn: ar: beachtenswert«: :md wftckungsvollen Reizen. „Aebelo" ist der Name eines nordischen Insellandes, auf dem, nach mannigsack>en Irrungen und Kämpf«:, ein Liebespaar das geläuterte Glück danerrcher Zusamm«:gehörigLeit findet. Die Musik weist aus eine starke, eigenarttge Begabui:g ihres Schöpfers hin. Dieser toandelt allerdings Pfade, die fast durchweg abseits der Richtung leicht gefälliger Kunst liegen. Er verlangt vom Hörer mehr als nur eft: aus angenehnries Unter ha ltenseinsoollen «ngestelttes Interesse. Dabei soll iricht bestritten iverden, daß Ioseh (öustav Mraezeks Arbeit rächt frei ist von problematisch«: Versuchen. Dock: rechtfertigt sie unter all«: Umständen die ernste Absicht, das künstlerische Schaffen des Komponisten aufmerksam weiterhin zu ver-
folgen. Dre Frankfurter Aufführung unter Doktor Rotten- b e r g s imisikaiischer und Krähmers szenisch« Leitung verdient Lob. Desgleich«: haben die Mitwirkend«:, von d«:en di- Dam«: G en t n er - F i sch e r und H 0 l l und dir Herren W i L>tock und Brinkmann genannt seien, Anspruch aus Anrc- kennnng. Das vollbesetzte Haus brachte bn neuen Oper lebhafte Teilnahme entgegen. Ter Komponist und die Textvarfass-rinnen wurden mehrfach! geruf«:.
Goethes Farbenlehre und die ntohenia stp: I) enfchaf t. Der Eoeth«'ck)en Farbenlehre lat sich in den jüngsten Jahrzehnten das Interesse der Naturforscher in viel höher«:: Maße und mit einem ganz anderen Grade der Bewegung .'vugewandt als früher. Es ist bekannt, wie schmerzlich Goerhe diei schroffe. Ablehnung enrpsaiw, die seine Farbenlehre bei den zü::s- tig«: Gelehrt«: seiner Zeit erfuhr. Auch heute noch ist es freilich bei den reinen Phvsikern nicht anders, und es wird wohl auch so bleiben, denn die Auffassung Goethes von der physikalischen Natur der Farlun: ist mit den: Standpnulc der Physiker schlecksterdingsl nicht zu vereinbaren. Um so bereitwilliger ilömmen teure die Physiologen der Farbenlehre Goethes «ttgegen: das jüngste Heft der von Dr. Arnold Berliner und Prof. Dr. August Pütter heraus- gegebenen „Nattrrwissensclulfben^ gibt ein kurzes Bild von dieser :reu«: Bewegung. Seit Hering seine physiologische Farbenlehre auf einer Grundlage errichtet bat, die ganz an C!-veth«che -danken auknüpft. hat sich mehr und mejhr der Gedanke Balm gekrochen,- daß der Sckkwerpnnkt der Farbenlelwe Goethes durchaus au: physiologischem Gebiete liegt, mrd daß sie nur von diesem Gesichts- punkte aus geles«: und bewertet 1 verden darf. Stilüag hg: das zuerst in seinem Goethesck>en Vortrag vom Ja! • 1808 ausge- sproch«:. Kälischer und W. Kmftg haben die gleich? Änscl'auung vertreten. Im neuest«:.Jahrbuch der Goethe-Gesellschaft -ml E. RaehlMMnr diesen Gedanken von neu«n und in besonders schärfte Zuspitzimg ausgefü.hrt. Er sagt geradezu: die Farbe Goethes ist die Kontrastfarbe, unb er vermittelte diese Auffassung dem Verständnisse ^ auch der Laien sehr geschickt :md in eigenartiger Weise, indem er seinem Aufsatze zrve: Farbentafeln ansügt. mit den?:: der Leser mrmittelbar die Versuche über den Nachfolgenden und d«: gleichztttigen Kontrast selberstellen kann. Wieweit das Interesse an Goethe und seinen Studien geht, zeigt der Umstand, daß selbst im Schützengrab«: nicht bloß der Faust, sondem: auch Go«lies naturwissensckioflliche Arbeit«:, darunter auch seine Färb«:lehre, gelesen werden.


