Ausgabe 
23.5.1917 Zweites Blatt
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El W ZGeites

Lrlcheinl tLgÜch mit Ausnahme deZ Sonntags.

Beilagen:Hietzeirer Zamrliendlätter" und Urersblatt für den Ureis Gietzen".

pofllcheckksnio: Zrmrftürt «m Main Nr. N68H. Vankvettehr: Grwerbedank Sieben. "

lü7. Jahrgang

General-Anzeiger

Mittwoch, 23. MA Mr

Zwrllingsrundvruck und Verlag:

Brüh l'sche Universitäts-Buch- u.Steindruckerei.

R. Lang e, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle und vruSerri:

Schulstraße?. Geschäftsstelle ti. Verlag: LE bl, Schriftleilung: 112.

Anschrist für Trahtnachrichten:AnzeigerGies;.

A«K Stadt lind Land.

Gießen. 23. Mai 1917.

** B.eschüdigun g d er Anl<rgen. Fast täglich wer­den die öffentlichen gärtnerischen Anlagen dnrch Abreißen von Blumen und Zweigen, durch Betteletr der Rasenflächen und Beete bsschidigit, Durchs Hinweisen von Papier und sonsti­gen Abfällen verunreinigt. Um diesem Unfug lvirksanr zu steuern, bedarf es neben dein ®iitgreifen der Polizeiorgane, die in derartigen Fällen ulrnachsichtlich Strafanzeige erheben werden, auch der tatkräftigen Unterstützung des Pu­blikums. Me Besucher unserer schonen Anlagen werden daher dringend ersucht, diesen ihren besonderen Schutz an­gedeihen zu lassen.

** Verkauf. Das Bchitztum des ehemal. 9lbdoc§«eibesitzers Bender ging heute auf heuVogelsberger Hof" über, Inhaber Gustav Trinkhaus, Seltersweg.

Landkreis Gießen.

q«. Lauter, 22. Mai. Der Garde füsilier Hermann Peter beim Lehr-Jnfanter:e-3ieg::neitt wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Hier wurden 13 Kinder aus Dahlhausen bei Essen in freie Pflege ausigeumumen. Eins davon mutzte tvegen. Heimwehs wieder fort gebracht werden.

** Lumda, 22. Mai. Musketier Karl H ö r e s, Sohn des Zinimernleisters Häres, tvelcher seit 1915 bei einen: Res.-Regt, ununterbrochen im Felde steht, erhielt vor kurzem das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapferkeitsmeoaille.

qu. Queckboru, 22. Mai. Aus Dahlhausen a. Ruhr kamen 2 0 Kinder hier cm und wurden für längere Zeit in unentgelt­liche Pflege genommen. Mrchdem ein ungezogenes Kind, das bi# anderen zur Unzufriedenheit aufreizte, wich« fortgeschafft worden! war, haben sie sich in werng Tagei: trotz schwieriger Sprachverständi­gung gut zurechtgefunden und sind recht vergnügt.

o Stein heim b. Hunger:, 22. Mai. Die Hessische Tapfer- keits'-Tenkmünze erhielt der Musketier Adolf St oll bei eineu: Reserve^ nf.-Regt. in: Westen. Mit dem Eisernen Kreuz aus­gezeichnet Nnude der Trdner-Gesreite Wilhelm Dietz. Schon vor Jahres.frist wurde ihm die Hessische Tapferkeits-Denkmünze verliehen.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 22. Mai. Das Eiserne Ltzreuz erster Klasse und das Haniburger Hanseaten-Kreuz erhielt der Oberleutnant d. R.

' rungsassessor Ludwig B e r n h e i m. Auf hem Felde der starb der Vizewachtmeister Wilhelm H ö r e s bei einer Muni- -Kolonne.

^ Düdelsheim, 22. Mai. Das Eiserne Kreuz erhielt der manu Heinrich D i e t v i ch.

Lind he im, 22. Mai. Wehrmann Christian Elbrecht das Eiserne Kreuz.

Kreis Lcmlerbach.

Lauterbach, 22. Mm. Da hier 89 und im benachbarten bl W-estfatenkdioer nntergebracht sind, nmtzten in beiden bewndere WchLsalenAassen errichtet werden. In anderen Dürfen mutzte man Wrrtsttsche und -Imnke zu Hilfe nehmen, um alle Kinder im Schulsaale untek'zubringen.

rr. Lauterbach, 22. Mai. A:n 13. Juni findet hier die Schnöde des Dekanats Qantcrbach statt. Sie beginnt mit einem Gottesdftmft in der Stadtkirche, woran sich die geschäftlichen Ver- l?anddmgen cmstWetzen. Aus der: Jahresbericht des Dekanatsaus- schusses und Prüfung der Dekan atskasse, folgt ein Vortrag von dürrer. Lic. Gengnagel, Stockhausen. über das Thema: ,/Sre Kirche und die Be völkerungs frage". Ein Ergänzungsbvrtrag vo-l Psarrer Zur-Rreden, Hutzborf, schließt sich daran an.

" Herbstein, 22. Mai. In den Bezirke:: Herbstein :md Rieecr-wMos sind insgesamt 2 29 Kinder -mtergebracht. davon s'-nd jS Frankftcrter und Offenbachtt»: der Liest kommt aus den westfälftcherr Industriegebieten. Sie verteilen sich auf folgende! Orte: Altenschlirf 14. Bettnuthshain 11, Crainfeld 25, Engelrod 3, Flesticnback 5, Radmühl 1, Freiensteinau 12, Grebenhain 18, Guuzengu 6, Heisters 5, Zahmen und Wünschenmoos zusämmei: 8, .Herbsten: 14, Holzmühl 3, Hopfnmnnüfeld 3, Ilbeshausen 12 Lanzenham 10, Metzlos 3, Metzlos-Gehaag 9, Radmühl 7 Nösberts 3, Ober-Moos 9, Rixfeld 12, Salz 7, Schadges 3,

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Ehre

tions

erhielt

ü.

Maar

Orten

Schlechtenwegen 14, Steinsurt 8, Veitshain 4. In mehreren hier Ach'l genairntei: Orten der beide:: Bezirke sind noch eine ganze Anzahl Kinder angeüwldet und treffen in der Kürze ein.

Kreis Schotten.

22. Mai. Fürs Vaterland starb der Leut­nant d. R. cand. forest Kütt Malter, Sohn des Großh. Forst­meisters Walter.

^ L a u bach, 21. Mai. Wiederum hat der Krieg zwei Opfer unter dm von hier im Felde stehenden Kriegern gefordert. Kanonier Ernst Söll im Feld-Art.-Reg. Nr. 3 starb de:: Heldentod fürs Vaterland. Allgemeine Teilnahme wird seinen schwergeprüfte^ ^tern entMgengebracht, denen erst vor kurzem der Äteste Sohn durch schwere Krankheit gcnomuren wurde. Ast den Folgen einer schweren Verwundmrg starb Wilhelm Fitzler im Inf.-Regt. 173 :n eutem_ Feldlazarett. Ter bisher verinitzte Wilhelm Frank r- ^ französischer Gefangenschaft geschrieben. In das hiesige Haftloral wurden heute von der Gendarmerie zwei Einbrecher einge- lretert, die in Klei:r-Eichen L-eb«wmitteldiebstäHle verübt haben solle::.

6. Laubach, 22. Mai. Wieder hat der Krieg ein weiteres Opfer aus unserer Stadt gefordert. Gestern kam die traurige Nachricht, datz Wilhelm Fitzler, Sohn des Valentin Fitzler, auf dem Felde der Ehre gefallen sei. Er wurde durch eine:: Bauch­schuß sehr schwer verwrmdet und starb einige Tage danach in eurem Feldlazarett im West«:.

Hessen-Nassau.

X Hanau, 22. Mai. In der hier abgehaltenen Frühjahrs- versammttmg des Hanauer Kreisobstbauvereins, wurde im Verlaufe der Verhandlungen von allen Rednern.bestätigt, datz hier eine sehr gute Obsternte zu erlvatten sei, für derer: Absatz und Ver­wertung num sich jetzt rüsten müsse. Eine Kommission soll für den Llbschlutz von Lieferungsverträgen mit-arssstellen in Unterhand­lung trete::.

X Gelnhausen, 22. Mai. In der Station Wertheim der Strecke FranknrrtBebra ist die Hilssschaffnerin Ella Kann aus Frankfurt a. M. überfahren und getötet worden.

Gictzencr Strafkammer.

Gietzen, den 13. Mai 1917.

Um sich Gell) zum Arckauf von einen: Paar Schlittschuhen zu verschaffen, stieg der 14jährige Angeklagte Otto W. von Ober-Widdersheim am 20. Januar l. Js. dirrch das offene Mchen- fenster in die Wohnung der abwesende:: Witwe Hofmann von da ein, öffnete die Tischschublade, die, wie er wußte, Geld enthielt, mit dem dazugehörigen, auf einem Brett liegende:: Schlüssel und stahl 3 Mk., daun schloß er wieder zu, legte de:: Schlüssel auf seinen Platz und verließ die Wohnung auf demselben Wege, wie er gekommen war. Von dem Gelde kaufte er sich alsbald die SMtt- schuhe, um sich, wie er angibt, an einer von seinen Kameradei: geplante:: Schlittschuhpattie beteiligen zu können. Das Gericht verurteilte den geständig«: 2lngefragten, indem es ihm mildernde Umstände zubilligte, zu 2 Wochen: Gefängnis.

Ten: Militärinvalide:: Ludwig P. in Gießen wird zur Last gelegt, am 14. Dezember 1916 in dem Bahnhofstraße 'Nr. 26 gelegenen Hause «neu Kellerraum erbrochen und daraus einen Topf mit Fett im Werte von 5 Mk. und 8 Flaschen Rot­wein im Werte von 40 Mk. entivendet zu haben. Durch das Tazwischentreten der Eigentümerin unrrde er an dem Fottschaffen der 'Sachen verhindert, so daß er sich nur wegen versuchten! Diebstahls zu.verantworten hatte. Der Llngefracfte will aus Rot gehandelt haben, da er infolge seines Rückenmcnckleidens nicht arbeitsfähig sei. An Militärrente beziehe er monatlich 20 Mk. Aich, die Angabe des Angeklagten, datz er infolge dieses Leidens geistig ncht normal sei und ncht wisse, was er tue, und daß er deshalb strafrechtlich nicht veranwortlichgemacht werdn: könne, wurden durch das Gutachten des als Sachverständigen vernommene:: Grotzh. Kreisarztes widerlegt. Das Gericht vec- utteilte hen Angefragt«: unter Zubilligung milder::der Umstände zu 2 Monate:: Gefängnis.

Ter Damenschneider August P. zu Nieder-Eschbach ist vom Schöffengericht Vilbel wegen gemein s chaft'licher Körper­verletzung seiner Frm: zu einer Geldstrafe von 30 Mk. ver­urteilt worden. Gegen dieses Urteil verfolgt der 8L:geklagte Be­rufung, um Freisprechung zu erzielen. Auf Grund der Beweis­aufnahme käm das Gericht z:var zur Amrahme, datz der Ange­

klagte seine verstorbene Frau wiederholt in den zwei letzten Jahren körperlich mißhandelt und geschlagen hat, es komrte aber nicht festgestellt werden, datz. der Angeklagte seine Frau mit einen: Werkzeug oder tu Gemeinschaft mit seinen Ettern geschlagen hat,

hie Verletzte inzwischen verstorben ist und Zeugen, die die Pcrtzhandlimg«: unmittelbar mitangesehen haben, nicht vorhaiwei: sind. Das Gericht gab mangels ai^reichenden Beweises der Be­rufung statt, hob das erstinstanzliche Urteil aus uiü> sprach den Angeklagten frei.

Ter am 5. Juli 1868 zu Rastatt geborenen, wegen Betrugs wiederholt vorbestraften Bernhard B. Witwe wird zur Last ge­legt, am 13. :md 15. September 1916 zu Bad-Ltauheim da-^ Vermögen der Katharina Sommerlad und der Obs:Händlerin Margarete Bakzer um die Beträge von 4 mib 3 Mk. beschädigt ZU haben, daß sie durch Vorspiegelung falscher :md Unterdrückung ivahrer Tatsachen bei den beiden Frauen Jrrtun: erregte mid diese sük, zur Hergabe des Geldes herbeilietzen. So machte sie die falsche Vorspiegelung, sie sei in der Villa Homeyer ak> Köchin an genommen, wolle aber, da die bisherige Köchin erst am 14. September austrete, noch ein«: Tag außerhalb '.oohnen, sie brauche deshalb 4 Mk., während sie Frau Balz er die falsch. Angabe nrachüe, sie sei bei Frau Modsr in Stellung, sei von dieser mit Besorgungen beauftragt, habe aber nich,t geiru-g Geld bei sich. Das Gericht verurteilte die geständige Angeklagte eintet Zubilligung milderruder Umstände zu einer Gesamtgefängnisst-vM vou 4 Monaten, auf welche 6 Wochen der erlittenen Untersuchu.ngs- haft aufgerechnet werden. Die Verhandlung wegen des ihr zur Last gelegte:: Diebstahls zum LLacheil der Frau Bötticher in Bad-Nauheim vourde crusgesetzt, da die als Zeugin geladene Be­stohlene nicht erschienen war.

Gietzen, 22. Mai. Die zweite Mannschaft des Rasensport» VereinsHessen" spielte am 20. Mai gegen die erste Mannschaft des JngerwVereinsMeder-Girmes", wobei bas Spiel unent­schieden für beide Vereine 2 zu 2 Toren im Gleichstand blieb.

Ln,gesandt.

(Für Forin und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Nächtliches Huudegebell.

In den letzten Nächte:: hat mehrfach in der Heniek st ratze ein Hund stmrdenlang-gehenkt. Der Eigentümer wird dringend' ersucht, das Tier ins Haus zu nehmen, damit es nicht einer ganzen Anzahl Menschen, die tagsüber schwer zu arbeiten haben, weiterhin die Mckftruhe raube.

Briefkasten Ser ReSaktisn«

Muvttyme Tlusrageu bleibeu uuberüLsrchtist^

h., hier. 1. Es enMiehlt sich, die Bäume gründlich mit einer Drahtbürste zu reinigen und dann mit Tabakextrakt zu bespritzen. 2. Um Raupennester von d«: Bäum«: fernzul-alten, wird geraten, die Bäuinc ün Herbst mit Leimringen zu veri'ehm, von daran die Brut im Januar entfernt iverden mutz. Bech BäiSm«:, die SerettS mit Raupärnestern behaftet sind, müssen die Rester abgeleser: oder, falls dies zu zeitraubend ist, mit Pechsackeln unschädlich genmcht werden, wobei afrerdchgs eine Beschädigung der Bäume n«ch Möglichkeit verhütet loerbeu mutz.

Em A-ttographcnschatz in Berün.

Es wird uns beschriebe::: Me stille Leidenschaft des Auto- graphensMUmelns hat sich auch durch den Lwnn wld die Unwahe dev Gvgcnwart nicht Mterdrücken lassen. Das rege Knltnrinteresse des deutschen Publikums, stark irud leberchrg selbst unter de:: er- schwereichst«: Umständen, gibt auch in diesem 3. Kriegsjahre immer wieder lAulast zu Ausstellungen und Versteigerungen von hoh«n und echtem! Wett. Veranstaltung«:, wie sie nnt solchem Ernst und Ver- ständrfrs gegenwättrg bei den Wliierten undenkbar wären. Darum ist es u:rr billig, sie bisweilen uüheF zu betrachten., besonders wenn es sich Um einen so überrerck).::: Schatz handelt, wie ihn die geg«:wärtig in Berlin Kutm! Verkauf gestellte Autographensammlung darstellt.

Denn ein tvahrer Schatz an Auiogrrrphen orannigfachster Mt und Mannigfachster Beidenfrmg nickt mehr und nicht weniger gelangt im Berliner Auktii>nshaus Karl Ettrst Hencic: zur Ber- steigerung. Von den 947 Autographen entstammt ein erheblicher Teil einer sächsischen PrivatsMnmlung. das übrige ist mit unend­licher Sorgfalt >mrd feinsinnigsten: Verständnis herbei ge schafft. Briese, Besuchskatten, Älbumblättec, Notiz«:, die wie Blitzlicht das Leb«: un!> Schaffen. i>te Interessen, Leidenschaften, Sorgen :rnd Pläne berühmter UjaiS berühmtester Persönlichkeiten beleuchten. Reb«: Deufrchland ist von: Ausland hauptsächlich Frankreich stark vettreben, Fürsten, Feldherr«:, Politiker, Musiker, ü:ld«:de Künst­ler, Gelehrte und Dichter bild«: einen oft seltsam der Gegenwart entrückten Reigen.

Manches Stack ist ivettvoll :md selten genug, um besonders heransgegriff«: zu iverden. Tie in mehreren Exemplaren vorhan­denen Bibliothelzettel Goethes lass«: imtner von neuem über die nicht auszuschöpfende Vielseitigkeit des größten deutschen Dich^ t«s staunen. Die Inte ress«: für die italienische Komödienwelt Gpldmns, für Mexiko, die Ltzunstwcrke der Londoner Muse«:, die Geschickte der Svrbonue Und Serbiens liegen >o dicht und einfach nebeneinander, als handelte es sich, um die selbstverständlichst!«: Dinge der Alltagswell. Ein Schatz für sich ist eine ebenso kostbare :v:e sonderbare Zusammenstefrurrg A l t -- W c i m arer Re­liquien: ein eigenhäiüä-ges Gedicht Goethesan Madame Wolff zum! 10. Dezember 1812" mit einer Handschriftenprobe und Haaren der großen Tragödin der-Goethezeit: auf der Rückseite des einzig­artig«: Blattes beffnden sich ein Büsck-el von Goethes und eines v«m Schill« u Haaren, solvie eine Bennerkung von Schillers^Hand. Briese, die .Heine im Jahve 1848 aus Passy an seine Mutter schrieb, gab«: erschütterude Sckstl'deruug«: seiner Leidensz-ei!.

Iw Reich der Politiker sei ein origürelles Blatt mit den Schristzüg«: des Fürsten Bismarck genannt. Cs ist ein langer Brief des Ka::ztcrs. datiert aus Frankftctt vom Jahre 1851. Bis­marck schreibt an seinen Hambrrrger Zigarrerchä:röter Hagedor::, der ihm ein Preisverzeichnis sandte, das der Kanzler zu seinen

Betrübnis verlor. Darum! bestellt eraus dem Gedächtnis" seine neuesten Lieblingszigarren mit peinlich genau«- Mgabe von Größe, Farbe, Form Und Preis. Eine Bestätigung der Behauptnug, datz große Denker meist auch große Raucher gewesen seien! Zim: Schluß ein kleiner Stoßseufzer.Eine Regalia gehörig zu rauchen, hat man selten die Zeit in der Sltadt. . ."

Ein in sein« Att ganz seltenes Antograpb steht aus d« Rück­seite eines Holzschnittes. Es ist ein lateinitzher Sechszeil« des italienisch«: Philosoph«: Giordano Bruno, vom März 1588.

Tie Franzos«: sind in d« Berlin« Autographen Versteigerung hauptsächlich durch Gelehrte vertreten. Ajn die Zeit nach her Re­volution gewähnt ein Brief des Politikers und Aststw- noMen Ivan Sylvian Bailly, der nach d« Eri't:'crm:mg der Bastille das damals - seinesioegs leichte Anrt eines Bürg«meisters von Paris v«sah. Uebcr Leibniz schreibt Jean de Iöond tz'Atembett, d« besonders bekannt war als Fül>r« der Encyfrovadisten. Uebcr Goethe verzeichnet d« Philologe und Schriststell« Jean Jagucs Ampere d« Svhn des bettihmten Physikers einige Bemerkungen.

Als charakteristisches Selbstbekemrtnis hat ein Alvumblatt Hans Christian Andersens Wert, auf "das der feinfühligste und zugleich phantastische Märchendicht« mit der ihm eigenen Be­scheidenheit die Zeilen schrieb:Was ich gegeben, Gott, war Dein/ Adern Reichtum war mein Träumen/ Rur wenig that ich sang darein/ Wie Vöglein auf den Bäum«:."

Die Fiid«: der Literatur spinnen sich fort in Schriftstücken aller Art, bis h«auf zu Gerlzatt Hauptmann, der n«:erdings in kein« sorgfältigen Sanrmlung von Mchterautographen mehr fehlt. Und daß die Liebe für A'utograplwn beim deutschen Publikum zu- nimwt, ist nicht etrva als eine ArtSpott" zu betrachten ein Zeichen für eine immerwälw«ü>e V«tief:Mg der rein geistigen Interessen, ein neuer Be>veis der gerade jetzt ausgeprägt«: L<or- liebe für kulturelle Rückblicke von intinr-persönlichem Reiz. Dies Mlt bei ^uns stets, mW lieute gilt es mehr als je trotz deö Äutographensatire des thüringischen DicksterS Rudolf Baunrbach: Als Gott aus feinsten: Sckwpfungsbrei Ersckiaffen hat die Dichter,

Gleich kmnwt der Teufel auch herbei,

Und höhnisch grinse ick) spricht er:

Euch soll die Lust vergehn alsbald.

Verwünschte B«sestmmnler!"

Und sckmf uns Schwefel und Asphalt Me Äutographensamniler. A. B.

*

Ein Epilog zur Liebesgeschichte von ^Char­les Dickens. Ter von d« London« Presse gemeldete Tod von Georgina Hvgatth, der Schwägerin Charles Dickens', die im Aller von 72 Jähnn: in Chelsea starb, bildet den Llbschlutz

der ergenattigen Liebesgeschichte des groß«: englischen Hmiro^ risten. Denn mit Georgina Hogarth verschwand die Frau, der Dickens während seines an Liebesb.unm« nicht armen Lebens die i größte und reinste Verehrung entgegenbrachre. Ihr Vater, der Schotte George Hogatth, d« nach einer erfolgreichen journalisti­schen Laufbahn die Leitung des Londoner Moruing Chromele über- rlahnr. hatte 14 Kindes unter d«:eu die Schwestern Katharina^ Georgina und Mary gurch äußere.' Schönheit Ii woor-

ragten. Dickens kam zuerst mit Hogar»h fcoriitfte! 1erifd> in Br- rühnrng. dem er einen Teil seiner berühntt«: kurz«: Skizzen zur Derössentlichung üb«gab, m:d lernte im Winter 1834/35 die drei Schwest«n kenn«:. Er verliebte sich sofort in die älteste, Ka- thattna, schwankte aber lange, da eigentlich seine Gefühle all«: drei Schwestern geg«:üb« zeitweilig gleichmäßig stark war«:. Ms er Katharina gel-eiratet hatte, zog « mit ihr im Jahre 1843 nach Richmond und ttafrm Georgina mit, die von nun ab bis zu sein«:: Tode bei ilym verblieb. Sie reifte spät« mit Dickens und seiner Frau nach Neapel, Rom, Florenz und Genua m:d sorgte 1847_ in Paris für die Ki:ü>«, als Dickens nach London zurückeilen nrutzte. Es war ein gmrz :u«k:vürdiFes Verhältnis von selten« Zartheit, und Dickens betrachtete die Schwägerin stets als seinen Mt«: Geist, eine Trennung von ihr, selbst ans kürzere Zeit, schien ihm ein kaum «träglich« Gedanke. Dick«:s' Ehe '.rar bekannt lic.' in ihrem späteren Verlaus nichts wenig« als glücklich, und im Jahre 18.56 b«e:ts äußettc er in einem Briefe:Die arme Katharina und ich sind nicht für ei:mnd« geschaff«:." Tatsächlich glitt Katharina immer mehr von ihr«n Manne ab und ließ es gleichgültig ge­schehen, daß ihre Schürest« Georgina die. Führung des Haus- lxrltes übernahn: und an ihr« Stelle die uckrkliche B«aterin imb Freundin von Dickens:md seinen .Kindern wurde. Schließtich^kam es im Jahre 1858 zur Tr«:nung der Ehegatt«:, der älreste Sohn folgte d« Mutt«, die übrig«: Kind« aber blieb«: bei Dick«:s! und wurden mm Georgina mifgezog«:. Autz« mit seiner Arbeit be­schäftigte Dick«:s sich fast nur mit seiner Scchoägerin, voräber- gehende Krankl-eiteu, von denen sie heimgesucht wurde, «schütter-- ten seinen Gernütszustmü» aufs beftigfte. Sie war auch lvätzrend seines Anflösmrgsprozesses eine Pflegerin von beispietlotzr Geduld und rührender .Hingabe und sorgte für ihn bis zu fernem letzt Atemzuge Die Briefe, die Tickims von 185818^9 au Ge-.u-gina sckjrieb, bild«: eine irbcfyt hoch genug zu schätzende!: Kommentar sein« Lebensgeschichte. Sie nxrr die Wirklichkeit geivordene Ideal- gestalt, die dem Dichter vorschlvebte. Seine Prr»p> snstung. daß sie selbst nie heiraten und Kind« i>:ben, ab« ihr Leben vöAig dorn Hmrsl^lt m:d d«: Kinder:: eines ander«: widuren rvürde, battje sich bis ins kleinste vollkoimnen erfüllt. ZÄr hinteriies; Dickttrs nebst einer größeren Gcldsumnrc mrcktz d«: Sck>mück!>esil' .der Fa­milie und seine Prilnrttmpiere, und in fciitem Testa:::«:t schrieb er: Meinen dankerfüllt«: Sog«: den: best«: mid elwlichswn Freund, den ich jeuvals besess«: habe."