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22.5.1917 Zweites Blatt
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3»cit«s Statt

tzrjcheinl täglich mit Ausnahme des Sonntags.

\bl. ZahrgMg

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Beilagen:Siebener Zsmillendlätter" und Xkeirdlalt für den Nrei; Eietzen".

Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. 11686. Sankverkehr: Eewerbedani Gießen.

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General-Anzeiger für Sberhef

Dienstag. 22. Mai \%l

ZwillingSrunddruck und Verlag: Brühl'jcheUniversitäts-Bnch-u.Strindruckce!::.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, GeschäftssteSe und Druckerei:

Schulstraße?. Geschäftsstelle ».Verlag:

Schriftleitung: 112.

Anschrift für Drahtlichesten: Anzeiger Gießen.

Die Mrderlage öer Italiener.

M i c n, 20. Mai. (WTB. dttchtamtlich.) Airs dem Kriegs- pressegwartier wird gemeldet: Der achte Dag der Isonzo- SchLacht brachte den Italienern eine schwere Nie­derlage! Sie mnstten im Raume LogaB>odrez, wo es ihnen. crn: 1t. Mai geglückt war, einige Llbteilnngen über den Jsauzo zu werfen, dieses schmale Stück wieder räumen, vas sie sich unter den blutigsten Opfern erkauft hatbem Unsere Artillerie ist es, die die Italiener nester in diesen: AÄschsrtt des Jfonz<o-U.fers zerstörte und den Feind wieder auf das rechte User zurücktrieb. Mit aller Macht waven^ die Italiener bemüht, sich hier zu halten und ihre Stellurr- < ett zu einem Brückenköpfe ausznbauen. Sie hatten eine Rollfähre einzurichten versucht, auf der sie immer neue Verstärkungen heranzubnngen bestrebt waren, die Ueber- gaugsstelle wurde jedoch unter konzentrischem Artillerie- fimer gehalten, so daß der Feind hier nur nutzlos Menschen und Kriegsgerät opferte. Gleichzeitig hielten unsere Schützen­linien die Mteilungen, die sich am linken Ufer ein genistet hatten, mit solcher Zähigkeit umklammert, daß ihnen jede -gttch-keil, sich auszubreiten, genominen blieb. Ans solche Weise eingekapselt und dem Wirkungsfeuer unserer Artillerie preisgegebeil, bli-Äi den Italienern, um der völligen Ver­nichtung zu entgehen, nichts anderes übrig, als ans das andere Ufer zurückzuweichen. Unsere Infanterie, die ja hart am Gegner klebte, stieß, ihm sofort nach und entriß ihm noch Gefarvgen-e. So endete das Ringen in diesem Abschnitt, das als eines der erbittertster: u:rd hartnäckigsten in der gunKQr Riesenschlacht bezeichnet werden kann, mit einein g/DWurden Ersickge für unsere Wasser:.

Der Vormittag des gestrigen Tages war hauptsächlich durch Kampf der beiderseitigen Artillerien ausgefüllt, indem die italienische versuchte, die unsrige niederzrckämpfen. Vergebet, tvir behielten die Oberhand. Erst gegen 3 Uhr nachmittags trat die italienische Infanterie zum Sturm an. Ihr Stoß galt vornehmlich unserem vereinigten Artillerie-, Maschinengewehr- und Jrrsanteriefeuer. Dort, wo einzelne kleine Gruppen in verzweifelten Anläufen bis an unsere Gräben gelangten, wurden sie im Handgemenge und durch .Handgranaten wieder zurückgejagt. Spätere An­sammlungen neuer Sturmtrrrppen in den feindlichen Grä­ben hielt unser« Artillerie nieder, die Tag und Nacht an der. Arbeit war. Beiderseits der Rosenthalstraße wurde csickchfaLls ein italienischer Angriff im Kampfe Mann gegen Mann abgewiefen.

Der achte Tag der 10. Js>onzo-Schlacht hat den Ita­lienern nur neue Opfer gekostet und sie keinen Schritt vor­wärts geführt. UnS brachte er dagegen die Rückeroberung eines vedora «gegangene:t Frontstüchs, wodurch der Mist- erfolg des FeindeS um jo nachhaltiger wird.

^tLlienischer Heeresbericht

r»mr 20. Mai.

S&* der Gegend Hon GSrz haben unsere Truppen gestern die Besetzung der Höhe von Punkt 652 (Bodiee) erweitert. Tief ge­gliederte Massen, denen heftiges Trommel- imb Sperrfeuer voraus^ ging, versuchten durch hartnäckigen Gegenangriff unsere Fortschritte aufzuhalten. Sie wurden jedesmal mit blutigen Verlusten abgo- kveesem Am Abend konzentrierte der Feind, nachdem er seine Füsi­liere zurückgezogen hatte, das Feuer zahlreicher Batterien auf bU von ihm verlorenen Stellungen. Urrsere Truppen behaupteten aber das eroberte Geürnde fest. Wir erbeuteten zwei 105-Millimeter- Geschutze, zwei 149-Millnneter-Mörser, Bombenwerfer, Maschinen­gewehre und eine große Zahl Waffen und Munition. In der Gegend öfllich von Görz brachten kühne Vorstöße unserer Mteilungen in die feindlichen Linien Gefangene eiu Während des Tages nahmen wir dem Feinde 272 Gefangene, darunter 4 Offiziere, ab. Auf dem Rest der Juli sichen Front dauerte das Artillerieduell heftig fort. Unsere Batterien beschossen feindliche Truppenbewegungen im Jdia-Tale. An der Tr e n tino fr on t versuchte der Feind mit heftigem Artilleriebombardement und kleinen Jnfanterieoffen- siven Diversionsangriffe zu unternehmen, die alle scheiterten..

Ein feindliches Flugzeug wurde in einem Luftkampf über Feltro abgeschossen.

Die rebellsbedingungen unserer Feinde.

Aus. Briefen, die französischen Gefangenen abgenomnte:: worden sind, geht nneber unzweifelhaft hervor, daß es unsere:: Gegnern, die nun schon seit Jahr Tag darauf hoffen, uns

aushungern zu können, darrt unserer erfolgreichen U-Bovttätigleit bereits recht wenig angenehm zu Vdute ist. Tie Briefe stamme:: fast alle von Anfang April, :md es ijst selbstv erst ä:chl ich, daß seit­dem die Berbältnissc nicht besser, sonderi: wesentlich schlimmer geworden sind :md sich nrit jeden: Mmrat auch iveiter ver-, schlimmcrn müssen. Aus der Unmenge von vorliegenden Briefen gleichen oder ähnlichen Inhalts nachfolgende Proben:

Brief, vonr 10. 4.

.Schon seit 5 bis 6 Wochen können wir weder Butter

noch Käse bekommen. Auf dem Markt verkauft.man den 'Scheffel Kartoffeln von 6 bis 7 Franks. Man fragt sich, wie will das alles noch enden?"

Noyeras, den 4. 4.

Wir kauften ein Ferkel und zahlten dafür 150,00 Franks Alle Keller wurden nach Kartoffeln durchsucht, nnd ich glaube kaum, daß wir die unsrigen siüh genug einlegen könne::, ,nm sie der Requisition noch entziehen zu können."

TvuloU se, den 5. 4.

....Hier ist alles schrecklich teuer! Seist, für die :nan vor dem Kriege 60 Centinves bezahlte, kostet jetzt 2,00 Franks; Oel 3,00 bis 3,50 Frarcks das Liter: Butter findet man keine mehr: Erdöl 80 Centimes das Liter, falls vorhanden; Wein 1,10 bis 1,20 Franks das Liter, aber kaum genießbar; Kaffee 3,50 Franks das Pfu:ch, Zucker bckonnnt mau ohne Karte überhaupt nicht."

Limoges, de:: 10. 4.

.Gott sei Dank, daß wir wenigstens nicht die Kanonen

donnern hören, aber es genügt auch so. Noch ein ähnliches Jahr und man würde vorziehen zu sterben. Jedermann in L. f>at kürzlich Kohlenkarten bekommen, auf Grund deren mar: auf 12,5 Kilogramm Anrecht T>at. Tagelang können itxir dann auf diesen Kohlenbestand warten! Wenn ich meinen Gasherd nicht hätte, so hätte ich schon oft auf ein Mittagessen verzichten müssen. Für einen Klafter Holz zahlen wir 125,00 Franks, für Kartoffeln 1520 Centimes das Pfund, für Bohnen 90 Centtmes daS Pfund. Man könnte .beinahe verrückt werden! Glücklicherweise hatten wir einige Groschen, wohin wären wir aber phne sie gekommen? Hier herrschst. überaus kattes Wetter, urid dabei muß das Land :wch bestellt werden. Man könnte beinahe glauben, daß der Teufel seine Hand überall im Spiele hat."

Cransac. den 12. 4.

....Auf einen schönen Tag kommen 56 Regentage. Alles ist sehr teuer. Das Pfund Bohnen kostet 1,30 bis 1,35 Franks, vor dein Kriege zahlte :nan dafür 40 bis 50 Centimes. Man muß sich redlich durchschlagen, jetzt nachdem 5 Franks de:: ungefähren Wert von .,,20 Sons" habe::."

Linthelles, den 31. 3.

..^Mit einer Weizenerutc Tourten wir dieses

Jahr wohl nicht rechten, sie wird gleich Null sein, denn der 'Frost hol viel vernichtet. Ich weiß noch nicht, ob wir diesen Ans fall durch Gerste oder Hafer ersetzen Dunen, es wird wohl zuviel Arbeit fün."

Brigaac- de« 11. 4.

....Hier ist sckhr schtochlbes Wetter, immer Regen und Schn«, ein richtiges Hundewetter für die jetzige Jahreszeit. Das Korn ist >zur Hälfte erfröre::, der Hastr ganz und gar. Das ist ein trauriges Zeichen, nachdem alles angesät war. Der Hafer ist so zugrunde -gerichtet, daß wir :ms von enter Ernte nichts mehr versprechen können."

Einer der Gefangenen Mr vom 18. bis 26. April nach Bordeaux beurlaubt. Er berichtet, daß die Lebensmittelpreise teil­weise :rm 100 Prvzerrt gestiegen sind.

Auf dem Lande seie^cknum noch Arbeite:.- zu fnckxm; aus diesem Grtrnde bleibe lern Teil der Uecker in diesem Jahre rmbestellt, lvodurch die Erntoaussichten sehr ttübe seien.

Au» Stadt «nv Cattft.

Gießen, 22. Mai 1917.

Vertilgung der Stachelbeerraupe.

Ein gefährlicher Feind des Stachelbeerstrauchs ist zurzeit am Werk, die ganze Stachelbeerernte ernstlich zu gefährden, ja ganz in

Frage zu stellen. Es ist die gefräßige Raupe des StachÄbeerspan- ners. Infolge' der marmeit Witterung sind die Eier massenweise ausgegangen, und die eifrig fressenden Tierchen verbreiten sich rasch über die ganzen Pflanzen nnd Pflanzungen, die sie kahl !vte. Bestnreis abfressen. Eile tut hier not. Gelingt es, die auf de:: Uutersette:: der Blätter sitzenden gelben Eier häufdf>cn: auszufinden, so ist die Vernichtung einfach, indem man die Eier mit einem kleine:: Läppchen zerdrückt. Sind die Rümpchen aber schon aus­gelaufen, was jetzt meistens der Fall ist, so müssen sie eurzeln auf irgendeine Weise getötet werden, ander::falls ist es mit der so vielVerspreche:idcn Stachelbeerernte vorbei. In urtferet ernsten Zeit, wo es gilt, alles für de:: menschlichen Bedarf Notwendige zusanrmenznblüte::, ist es eine vaterlätrdische Pflicht, allem Un­geziefer zu Leibe zu rückeu. Das Ablesen der Räupche:: ist zwar. etwas zeitraubetrd und mühselig, auch wenig appettttich, dürfte aber noch am raschesten zum Ziele führe::. Das Bestreuen der vorher angefeuchteten oder durch Rege:: und Morgentm: genetzten Sttäu- cher mit Tabakstaub kcnm ebenfalls angeioandt werde::. Indessen ^betäubt der Tabakstcuib :mr. Lluch werden die auf der Unterseite sitzenden Tierchen vielfach nicht erfaßt. Es ist also :wttg, schm: vor dem Bestreuen durch Zeitunge::, die maü unter die Sträucher ans­breitet und auf die die Tiere herabfatlen, dafür zu sorgen,^ daß sie verbrannt werden können. Ist man im Besitz einer Spritze, so er­zielt man nach dem Urteil Sachverständiger durch Bespritzen mit zehnfach verdünntem Karbolinc::m gute Erfolge. Aml besten ist es, durch vorbeugende Maßnahmen die Brut zu zerstöret^ Dahin ge­hört. daß mm: im Monat März die Stäminchen mit Kalkmilch an- streicht, die ganze Pflanze mit trockenem, frischent Ofenruß be­streut oder die Krone mit Kalffoasser oder Seifenbrühe bespritzt. Ist man der Plage Herr geworden, so ist es twtwendig, der Pflanze durch Zuführung flüssigen Düngers die Möglichkeit zu geben, die Blätter durch neue zu ersetzen und die Früchte zun: Reifen zu bringen. Tägliches Nachsehen und sofortige VertÄgung der neu ausschlüpfenden Tiere ist einige Zeit hindirrch unbedingt erfor­derlich.

*

** Vierteljährliche Viehzählungen. Am 1. Inn: ds. Js. hat wieder eine Viehzählung /tattzufinden. Wir verweisen auf die Bekanntncachung des Großh. K'reisamtes in unserem heuti­gen Blatte nnd machen auf dies Wichtigkeit dieser Viehzählung besonders aufmerksam, da ihr Ergebnis als Unterlage zu ivirt- schastlichen Maßnahmen dienen soll.

Landkreis Gießen.

kl. Oden hassen, 21. Mai. Heinrich Höchst, der älteste Sohn unseres Lehrers, der seit den: 16. April vermißt war, hat aus französischer Gefmrgenschaft geschrieben, daß er schwer ver­wundet ist.

Uirche uttb Schule.

= Wiesba den, 20?Mai J:^ Kurhaus tagte von Frei­tag bis Sonntag eine Versammlung der Schulräte und Schtü- inspektoren der großen Städte Deutschlands. Die Konferenz, die ihren Ursprung in gelegentlichen Zusammenkünften von Amtsge- nosscn der Provinzen Hannover, Hesscn-Nässau, Rheinland und Westfalen hat, erweiterte sich im Herbst 1916 zu einer aus allen deutschen Bundesstaaten besuchten Taguirg in Kassel und fand sol­chen Anklang, daß man einhellig beschloß, alljährlich zu gemein­samen Besprechungen sich zu vereinigen. Bei der Eröffnung der Wiesbadener Konferenz am Freitag abend behandelte der Uestge Stadtschulrat Dr. Müller in einem Vorttage, der zugleich dm Charakter einer Begrüßu-ngsansprache trug,Die Aufgaben des Ger- tnanentums im großen Völkerstteit und die Bedeuttmg der Schule für die kulturelle Entwicklung und die innere Erneuerrmg des deut­schen Volkes". In den einzelnen Sitzungen, die vertraulich waren, wurden folgende Vorträge gehalten:Die verheiratete Lehrerin" (Berichterstatter Schulinspektor H. Th. M. Meyer- .Hanwurg und erster Schulinspektor Dr. Hartnackc--Bremen),Der Aufstieg der Begabten" (Berichterstatter Stadtschulrat Dr. Hacks-Bres­lau); Gründung einerVierteljahrsschrift ffrr kommunale Schul­verwaltung" (Berichterstatter Stadtschulrat Dr. Schmitz-Düssel­dorf). Den Vorträgen folgten ausgedehnte Besprechungen. Die Konferenzen sollen, wie mitgeteilt tvird, dazu dienen, in zwang­losen Aussprachen, ohne bindende Beschlüsse zn fassen, den amtlichen Vertreten: der Schulinteressen der großen Städte und danrit der Kulturnnttelpunkte des deutschen Volkes fruchtbringende ?lnregun- gen zu geben und zwischei: ihnen ein geistig-sittliches Band der Gemeinschaft im großen Ziel der pädagogische:: Arbeit herzustellen.

Giietzene^ AonzertVevekG«

Gießen, de:: 22.Mai 1917.

Das letzte Konzert des Konzertoerems bvt allen Freunden altklassischer Näusik eine gmrz auserlesene Freude. Wurden doch nur Werke des 18. Jahrh. zu Gehör gebracht und :uxh dazu auf dem Instrument, für das sie seinerzeit geschrieben wurden und auf dem es allein möglich ist, sie in ihrer eigentlichen Klangfarbe iund mit all dem Liebreiz rviederzugebeir, den sie ausstrahlen. Dazu benötigt man aber auch eines Künstters, der sich mit seinen ganzer: Fähigkeiten, mit feinstem Empfinde:: und perlendster Tech­nik dieser graziösen Kunst lMgibt. Und das^ hat Frau Lan­dow s k a in hervorragender Weise getan. Sie hat sich in bat Geist der alten Meister aufs liebevollste eingelebt, und unt sein- fteiro Stilgefühl und unvergleichlick>er Grazie g<ch sie die Werke wieder. Es rvar erstaunlich, welcls feiire Klänge sie dem Cembalo zu erttlocken wußte w:d mit ivelcher Variabilität der Ktm:g- und AnstA«gSmöglichkeiter: sie die schvirre::den Saiten weich rrnd harmonisch ertörven ließ rrnd verschiedenartige Sttnttnmtgei: aus- zrlläsen verinochte.

Das an den Klang des lnoderiren Flügels gefvöhnte Ohr muß sich anfMtgs wohl auf die zrrmeist etwas befremdliche Wirkung de>s Cembalos einstellen, nicht nür in dynaunscher, sondern be- soikderS in phonttischer Hinsicht, denn die Klatrgtvirkungen liege:: viel enger beieinander und sind viel feiner differenziert.

Die Krucstleriu bot von Jioh. Seb. Bach die Gavotte G-nwll und das Capriccioüber die Abreise seines Bruders"^ in solch außerordentltch anzieljetcker Weise, daß nvan die Daseinsberech-« tigtncg der krmcsen Mattsik-Orrurrneitti k jcuer Zeit als ganz selbst- verstcntdlich leicht begreift.

In der H ä ndel scheu Passaoaglia G-Moll m:d besonders m denGrobschnried-Variationteu" verstand sie die eitrzelnen Stinnnungen kra-nglich aufs Fenrfte zu charakterisieren und den: CXrnbalo fast Orgelklänge zu eittlock«:.

D« kleinen Stücke vm: Scarlatti und Rameau, sdwie die <wste Zugabe lein Tanzlied aus der Auvergne, von der Künstle- rrn selbst gesettt) Ware:: Kleinodicn: ältitalienischer und altfranzösi- ss'^r Meintunjt, die wie 'feinste alte Pastellnralerei tvirkten. Die ttoette Zugabe brachte das Fnmle des ital. .Wnzectes vm: Bach und die Feinheit und inusüialrsche Jntellige::z, mit der os Frau Laudowska spiette, beccattgt zu den: Lttursch eruuml das ganze Klocrzert von ihr zu höre::.

Arul, auf de::: uwderneu Flügel zeigte sich Frau Lairdoivska als große. Künstlerin. Sie ivrcßte ihr Spiel ganz dm: Cenwalostil on^upasfe::, und ihre :var von verbttiffeirder Feine :md

Zierlickcheit. Das a:rsnehmeiü> Miffikalische ihres Wesens' oftznwarte

sie so recht in der Wiedergabe der MoMrtschenD-Dur-Sunate, die vm: echt Mozartschem Geiste durchweht :var. Immer herrschte Anmut uitb Feinheit, alles war licht und klar. Dieselbe hettere Musizier­freudigkeit zeigte die Kt'iirsllerin in der Havbuschen E-MolchSonatc, in deren letztem Satze sie, durch ihre tvundervolle Att?Mags- technik Klangätrderungei: hervorbrachte, die an die Flölentüne der Orgel gemahnten.

Das ganze Konzert :var in behaglich, heitere Biedermeier-, Stimmung gataiuht, und das Publkkum dankte der liebenswürdigen Künstlerin aufs wärmste.

Vielleicht ist es nicht unangebracht, das Publikum zu bitten, nicht gleich aufzüspringei: und WnausMkeilM, lvenn der letzte Dvn noch kaum verklungen.

den msisben Fällen werden die KünUar um eine Zugabe gebetv::, :md der in AfflÄsung begriffene Saal mack-ü eine:: gar zu stsimMimglsiosen, nüchternen Erndnuk. Wer beinahe 2 'Stluchen in: Ko:rz-ert gÄvesen ist, wird auch noch 5 Attnuten zugeben können, falls er nicht von auswärts ist rknd zum Zug eilen muß. #

*

Die Uraufführung eiltet MimvVraMaS. Ms Karlsruhe wird uns geschrieben: Die UrwffWmcng vvn Kurt Münz ers MimödranmDie letzte Mas k e", Musik von Wilhelm Manke, bcdeittete eine kArsklerifche Großtat des hie­sigen Hoftheaters. Cs ist eine PierwtL-nMve, in der das alle, ümner packende Mottv des geigetiden Todes verweirdet wird, zwar geändert, aber -och erkennbar. Die HäMrüng Mt der Müsik tvenig Raum zu lyrischer EirtsalttNdg; sie ist weit :nehr aus drama­tische Wirkung aestek tt und hält sie dNrch ein ständiges ZiinÄckgreifen auf den Tanz ourckMs im Stile der Pantomime. Manke fcnü> in. ihr eine seiner Eigenart offenbar sehr ojigömeffcitc Vorlage. Seine Näusik ist dramatisch bildhaft gesehyr und beweis eine eminente Gestattmrgsipaft. Di; Orckwsterl^imndttmgdgt den großen Mnner, der auch die stärkst?:: Dissonat^M inneMch zu Tnwfcrtrieren uüd aufzUtSsen weiß. Die AusMMmg mtter ComtoleVis war tzer^ vorragend gut. Vvc allem S chst-wd l e r als schwamer Pierrot: ganz Rhythmus, ganz Mrvor beinahe ,vie aus Holbeins Toten­tanz, so biLhcht in :eder Geste. <-wt uurva: auch Es se k als weißer Pierrol und Eleonore Droescher (Cdkombine). Jityzeniermlg m:d Regie zeigte:: sich ihrer dlnsgabe dnvchauS '^vacsffeu. Der Erfolg des starken Werkes war idberaus groß, Darsteller, Dirigent und Komponist nnrßten ovÄmials erscl^eman B. St.

Eine Preetorinsi-Ausstellung. Mls Dres­den tvrrd uns geschriebn:: Der Sächsische Kunftverein in Dresden hot das gesamte bisl-erig:^ Werk dcS auSq-ezeichuelenj Illustrators Emil Preetorius Kuu erstyLntol M enter beuch- tenÄovrte:: A:iSstck«mg vereknigt Pmetoröus ist der gÄoretw

Illustrator, eine Kunst, die l>eute so selten ist, wie sie um 1800 in Blüte sta:ü>. 11:6) wem: man die künstlerische Abstatnmung des Münck)e::ers überall deuttich sieht: vom Anfang an, m: dem er die Kontur mit ihrer Silhouettemvirkimg bevorzugte bis zw' Auflockerung seines Striches und dem ivachsetrden Reichttan an feinen Nuancen, hatte er doch seine eigene Note, seine besondere 'Uoabeske. Es ist seu: eigenartiger Humor, der ihm den Stift ftihrve. Und nichts ist reizvoller als ettva seine Sillwiwttenzeich- nunge:: zuPeter Schlehmil" oderOnkel Benjamin" z:: ver­gleiche:: mit der tveichen Lyrik derTaugsrichtS"-Blätter oder dem stckttl gestrichelten nnd kolorierte:: Brldche:: zu Gerstäckers BiedermeiertwvelleRiallMbettß Ein Vertrügen für sich ist es, die Bände der WebersckMN Hypettow, Hmrdett- und Dreiangel- drucke in die Hand zu nehmen, die mit diesen Illustrationen den Höhepunkt des vortwhmen Buchstlls darstellen, de:: rvir liewte in Deutschland haben.

Viktor Hugo und Goetl 7 e. Ein unl>ekannter Ver­fasser, der in:Mercure de France" persönliche Erinnerungen an Tnrgenjav aus den siebziger Jahren veröffentlicht, bestätigt die aml) schon yndettveft bekatutt getvvrdene Tatsache, daß der russische Dichter ä::ßerst abfällig über Viktor Hugo urteilte. Er legte den: Großtnogul der französische:: Dichttmg maßlose Eitelkeit und be- schränkte Unwissenheit zur Last) bezog sich unter anderem aus ein Erlebnis, das er mit ihm gehabt batte. In einer Gesellschaft, der beide Dickster beilmvhnten, kam das Gespräch auf Goethe und Viktor Hslgv gab über eines seiner Werke ein UNUttreffimdc>? Urteil. Turgenjew glmibte, ihn darauf aufmerksam mache:: zu solle::, daß daS Werk, von dem gesprocl^n wurde nicht von Goethe, soiwer:: von Schiller l-errühre. Darmff anttvvrtete Viktor Hrigo: er habe beide nicht gelesen, kenne sie aber trotzdem wllkommeu. Gegen ein solckies Urteil gab cs imtürlich keine Appellativ::.

Die Veröffentlichung von Strindbe. r gs li: e- rvriWem Nachlasse. Die Ordnung daZ literarische:: Nach- lasstS August Strindbergs ist jetzt, wie aus Stockhol m lynchtet :oird. so wett gediehen, daß eine Hebersulst über den JtUxU t :md de:: Um fang der dtaclüaßbände, mit derer: Druck demnächst h'iiointfn wird, gegeben werde:: kann. Strindbergs gesamnwlte Werke werden dnrüt die VeröffeMlichmg d«S Nachlasses eine ziemliche Berinebrung er­fahren; Wackelt cS sich dock: nm fünf Bände von durchschnittlich 20 Bogan. Der erste Band des 'N^chlasscS soll dramatische Arbeiten etrthakte::, darmrter drei vollständige Dramen und einige mrvollent« dete. ydlchlaßbttnb 2 wird mMkanntv Dichttmgen, Erzählnffgen und EirttvÜrfe, dan,ntter viele v: (WeftnTt kirrzer Aufzeickumannm, ent« lxrlten. Batch 3 umfaßt kulturaesclstchtlici^ mch plstlologisckv Auf­sätze. ivährend die Ewige:: beide:: Btande eitlen Teil nnveroffenp- lickster Schriften Strindbiergs aus den natur:nffse::>aftllche,: bieten und den Gebetmwisstnffcklllfänr entdeckten sollen.