Ausgabe 
19.5.1917 Zweites Blatt
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Nr. M Zweites Matt

$rfd)rin 1 ILgkich mit Ausnahme des Sonntags.

167. Jahrgang

Beilagen:Girtzrner Zamilieudlütter" und ..Vreir-latt ftzr den Kreis Gletzen".

VoftjcheÄonto: Krankstrrt am Main Nr. N68-. Sankvrrkehr: Hrrorrbebank Sietzen.

Gicheim Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejfen

Lamtag, 1'). Mai WI

ZwilllngSrundorua und Verlag:

Br ü hl'jche Universitäts-Buch-u.Stciudrrlckerei,

R. Lange, Gießen.

Lchriftleitung, GefchästzsteLe und Vrnckerei:

Schulst,atze?. ltzeschäfisstelleu. Verlag:

Cchriftieilung: 112.

Anschrist für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.

iMc-.Ti>,'a«niwi

Aus Bcffctt*

Die znkünfiige Steuerpolitik.

rb. Darmstadt, 16. Mai. Eine Vertreterversamm- lung der Haus- und G r u n d b e s i tz e r v e r e i n e in Hessen, denen über 6000 Mitglieder angehören, befaßte sich eingehend mit der Frage über die Grundlagen der zukünf­tigen Steuerpolitik des Reichs und der Bundesstaaten. Die Versammlung erklärte sich einstimmig mit der Forderung einer festen Abgrenzung der steuerlichen Zuständigkeiten des Reichs und der Bundesstaaten einverstanden und verlangte, daß die Besteuerung von Besch und Einkommen ousschlics; lid) den Bundesstaaleu zustehen soll, zumal deren Parla mente am besten darüber urteilen könnten, in welcher Weise die Lasten zweckmäßig zu verteilen sind. Bei den Strömun­gen, die fiel) in dieser Beziehung im gegenwärtigen Reichs­tag geltend machten, sei die Gefahr, daß der Reichstag noch weiterhin unmittelbaren Eingriffen in die Stenergebicte der Einzelstaaten zustimme oder womöglich Anregung dazu gebe, durchaus nicht gering einzuschätzen. Die Vertreter­versammlung beauftragte hiernach den Vorstand des Landes­verbandes der Hausbesitzervereine, den beiden Ständekam­mern folgende Entschließung zu unterbreiten:

Großh. Staats re gierung zu crfudxnt, im Bundesrat dafür ein- Mtoeten, die Zuständigkeit des Reichs u:rd der Bundesstaaten ans steuerlichem Gebiet fest dahin zu begrenzen, daß das Reich die Be­steuerung von Einkommen und Befirtz in jeder Form unter Ent­haltung jeden EingristS den Bundesstaaten überläßt, und daß, so­weit zur Decküstg des FinanzbÄarf-s des Reiches andere Steuer- arten nicht ansreickicn, die Deckung durch veredelte Ma- t r i kul a rb e i t r ä o, c erfolgt."

Ordentliche Sitzung des Proniuzialtags der Provinz Obcrhesfen.

Gießen. 12. Mai 1917.

Anwesend: Großh. Provinzialdirektor G e h e i m e r a t D r. U singe r als Vorsitzender, 21 Mitglieder und die Kreisdirek- toren der Greife Alsfeld. Büdingen und Schotten,

Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden die Herren Mühleu- besiher $8 rau er und Konrnierzienrat C l o >os zu Urkunds Personen ^stellt imd als Protokollsülwer Großh. Kreisanitsgehi lfe S ch ä fer durch .Handschlag verpflichtet. Sodanu gedachte der Bor- sitzende in warmen Worten der tapferen Ober dessen, die seit der letzten Tagung ibr Leben für das Vater'land gelassen haben, sowie des s(t',n>er'.'n Vinlnstes, den die Provinzialverwaltung durch das vor kurzem erfolgte Ableben des Vorstands des Wasserwerks Inheiden, Oberingcni-urs Müller, betroffen habe. Seine ganze ?Gv!xil sei ckuss<ch!iestlick> dem Wöhle der Provinz und des Wasser­werks geividmet gervesen. Adit ihm sei ein fleißiger und treuer Beamter dabin gegangen, dam über das Grab hinaus ein treues Andenken sicki-cr sei.

Zu Ehren der OKjallepen. und des Verstorbenen erheben sich

Anw-Tendeu von ihren Sitzen.

Weiter gibt der Vorsitzende beüannt, daß das Mitglied des Provinzialtags und- PrarinzialaussÄnf>es, Rentner W a s - serschleben, aus GesundheiLsrücffickstcn seine Aemrter nieder- geleyt habe. Die Provrnftvrwalttmg verliere in .Herrn Was­ser schieben, der seit 1911 den genasrnten Körperschaften an­gehört habe, einen treuen Midarberter, den man Irenen seiner hohen Kenntnisse, die er in 5>ni vielen fnichtigen und ichwierigen Fragen der Provinzialverwaltung gnrr Berftigiing gestellt halv, sowie wegen feiner Lirdensiuiirdigleit unb seiner stets vornehmen Denkungsrveise hochschätzen gelernt habe. Sein Weggehen sei, zumal er mich das recht arbeitsreiche Amt des Kontrolleurs in mustergültiger Weise versehen habe, sehr zu bedauern. Der Dank der Provinz für sei,re ersprießliche Tätigkeit sei dem Aussck>eiden- den stets sicher.

Hievaui wurde in die TagesoödNnng eingetreten.

Punkt 1. Rechnung der P r o v i n z ial k a s se und B c rwaltun gsbe richt für 1915.

' Nach Mitteilung des B o rsitzenden ist die Rechnung von dem ^ Provinzialausschußmitglied S t a h l - Friedberg vorgeprüft. 'Anstände farben sich hierbei nicht ergeben. Ter Vorsitzende setzt die Rechnung in Umlauf und ersucht, etwaige Beinerkungen oder Airfvagen am Schluß der Sitzung zur Sprache zu bringen.

Punkt 2. V o r a n s chla g de r Provinzialkas se für 1917.

Der Vorsitzende erklärt, daß er wie in früheren Fallen die eirlzelnan Rubriken des Voranschlags vortrage, und ersucht, ivv gewünscht, sich zum Wort zu melden.

Zu Rubrik HI, Titel 2. Auf den Wunsch einzelner Pro- vinzialtagsmitgliedrr, es möge auch für die Teilnahnte an den

ordentlichen Sitzungen des Provinzialtags die gleiche Vergütung gewährt werden, wie es bei außerordentlichen Sitzungen der Fall sei, weist der Vorsitzende daraus bin, daß das Amt eines ProvinziallagsUiitglieds ein Ehrenamt sei und in sinngemäßer An- tveiidung des Artikels 29 der Kreich und Provinzialordnuug leinen 'Anspruch aus Tagegelder oder Reisevergütung gebe. Er wolle aber, um den Wünschen gerecht zu werden, eine Entschließung Großh. Minitteriums über diese Angelegenheit herbeiführen und dem Provinzialtag in seiner nächsten Sitzung über das Ergebnis Vor­lage machen.

Z> n R u b r i k XVII. Hier führt der Vorsitze u d e aus. daß eüic Gleichstellung der Einnahmen mit den Ausgaben möglich ge­wesen sei, ohne eine Umlageerhöhung eintreten zu lassen. Letzteres

Der Voranschlag der Provinzialkasse für das Rechnungsjahr 191 1 lurrb hieraus im ganzen in Einnahme und Ausgabe mit 759 694 Mk. 32 Pfg. genehmigt.

Vor Eintritt in die Beratung der Verwaltungsberickte und Voranschläge über die industriellen Unternehmungen der Provinz gab der Vorsitzende, Pr-o v i n zial d i r e k t vr G e h e i in e r a t T r. Usinger zunächst eine allgemeine Uebersicht über die augen­blickliche Lage der Provinz Oberhessen als Wirtschaftskörper. Ec führte dabei, hier in gedrängter Kürze wiedergegeben, etwa folgen­des aus:

Die Frage, wie zunächst die Provinz selbst als Mutter oer beiden von ihr ins Leben ginnfenen U.n1ernehnmngen sinan- ziel! dastehe, sei mitnicht imgi'mstig" zu beantnwrten. Denn es würden nach den im vorigen Fahre bei der Errichtung des Wasserwerks- imd Tilgungsfonds" maßgebend gewesenen Erwä­gungen von nun ab die über den seitherigen Ausschlag hinans- g-ehenden Provmzialbedürsnisse aus den Ueberschüssen des pro­vinziellen Unternehmens in Form von festen Zuschüssen gedeckt, tvas um so nnbedenklickier geschehen kömie, als die Provinz neben den Einkünften aus ihren gerverblichen Betrieben zurzeit über ein reines Vermögen von 584 829,26 Mk. verfüge, das jederzeit verlvendungsbereit sei und gewissermaßen als Ausgleichsfonds Ge­währ dafür biete, daß der Zuschuß des Wasserwerks zu den Be- tiFebsrnitteln der Provinz nicht über die seitlierige Höhe von jähr­lich 40 000 Mk. hinaus in Anspruch genommen zu werden brauche.

Was die gewerbliche,! Unternehmungen selbst anlange, so hätte,! sich das P r o v in zia l -W a s se rwe r r Fn.h c i d e n und die Elektrische Ueberlandanläge der Provinz wäh­rend der Kriegszeit gut gel-alten. Wenn dies trotz aller durch die Kriegslage bedingten Verhältnisse und Schwierigkeitm erreicht worden wäre, so sei das neben der aufopfernden Tätigkeit der Be­triebsleiter und des gesamten Personals vor allein dem rveitgebeu- den Entgegenkommen des stellvertretenden Generalkommandos des 18. Armeekorps, dcr steten Unterstützung Großh. Minister in,ns des Innern, dem verständnisvollen Eingehen der zuständigen Reichs- MMnisa.tionen au! die Bedürfnisse der Werke, bejüalicf) des Pro- vinzial-BbässerWerks auch der werktätigen Hilfe kur Benvaltnng der Stadt Frankfurt a. M. in der Frage der Kohlenversorginrg des Werks zu danken.

Die O b l i ga t io n s s chnl d, die für das Provinzialwasser- Werk und die elektrisch)? Ueberlandanlage der Provinz ausgenommen sei. belaufe sich bis jetzt auf insgesamt rund 1 AAillionen Mk. Die SchllldverschreÜmngen der Provinz hatten während des Krieges einen rächt giuOar .Knrs behauptet, was dafür spreche, daß man auch in den maßgebenden Börsenkreisen den Unternchmungen Ver­trauen entgegerrbrrnge.

Fnr Provinzial-Wasserwerk Inheiden arbeite­ten rund 6 Millionen Mark. Mit seinem Bettieb sei in, Oktober 1911 begonnen worden. Nach Abzug der für den Zinsendienst je- ,veilig bereitgestellten Mittel ivären seitdem planmäßig an chmt- lichen Teilen des Werks reichlickZe Absck-reibungen vorgenomnien und daneben noch) eine besondere Rücklage gesainmelt worden.

Die Jahresreinerttäge des Werks svlvie die ftkr Tilgung, Ab­schreibungen und sonstige Rücklagen aufgesammelten Gelder hatten, ,vie bekannt, dem sogenanntenWassern^rks- und Tilgungs­fonds" zuzufließen, der zugleich als Erncuerungsfvnds gelte. Dieser Fonds' belaufe sich an, 1. April 1917 auf 5 191857,06 Mk. Sein Stand dürfe gegenüber dem «Schnldenbettag von 6 Mill. Mk. wähl pickst als u,!günstig bezeichnet welchen. An Zinsen ans dem ,,Wasserwerks- und Tilgungsfonds" ständen dieses Fähr rund 225 000 Mark zur Verftignng. Da wegen ihrer Berlvenwing wahrend des laufenden Rj. angimblicklick) noch) keine planmäßigen Vorschläge gemackst ^werden l'öirnten, sollten mls ihnen für das Rj. 1917 vorab der Jghresznschuß an die Ucberlandanlage der Provinz in .Höhe von 100 000 Mk. und der Zuschuß an die Provin­zialkasse zur Beichärkung ihrer Betriebsmittel in Höhe von 40 000 Mk. gedeckt werden. Es würden also in diesem Fcckwe zum ersten Male jene Zuschüsse aus den Zinsen eigener zuriickgelchgter zins^gmder^Bette^edeckb^^^^^^^^^^

GZetzettev Ronzeetvererrs.

Der Konzertverein tvar leider genöticst, sein letztes Konzert der herrschenden. Kohlennot n»egen ansznschieben. Das geplante Or- ckxstterkonzert kann nun nicht stattfinde,,, da das Frankfurter Or­chester durch Einzielstrug d'r Musiker zu sehr geschwächt ist und Er­satz nicht gestellt werden kann. Um seinein Pnblikikm etwas ganz Besonderes zu bieten, hat der Konzertvereän vrcjuckst, Frau Wanda Landowäka, die berübinle Ee,ubalospie'lerin, zu d,es^ letzten Kon­zert zu verpflichten. Nach einigen Schwierigkeiten, betreffend den Transport des Eeurbalos, ist es gelungen, Frau Land-oivska für den 20. Mai zu einem Cembalo - mii> .Klavierabend z^r gewinnen. Wir hatten in Gießen im Jahre 1908 Estlege,rheit, das Eenrbalo als begtettcndes Kannnernnckikinstruinent zu lfören und zwar in dem^ Kanrmcrmusikkonzert, das das Quartett Eassadessns ans Paris auf Einladung des Konzertvereins gab.

Die Tradition führt das Klavier ans das Monockwrd zurück, welckies an einer einzigen Saite, durch Verschiebimg des Stegs die Saitenlängenverbällnisse der Töne der Skala denwnsttierte. Das älteste Jnstrumeitt mit Klaviatur ist die Drrjd, ihr Ursprung reicht ins Altertum zurück. Wir besitze,! die Beschreibung einer Wasserorgel des ttesibios (170 v. Cl)r.'. Der älteste, für Klavier- artige Instrumente vorkomnrende Naine istExagnir" (14. Jahrh.-, beschrieben als orgelartiges Saiten Instrument. Iw 16. Jalsth. hatte iwch das 5Aavichord viel weniger Saiten als Tasten, nicht viel später hat sick> das Klavierntbal entwickelt. Der Hauptnnterschied zwischen beiden Jnsttumenten war, daß das Clavioimbal für^jede Taste eine besondere aus deu bcttesfeudeu Ton gestimmte Saite hatte. Mannigsaltig entwickelte sich das Clavicimbal: in allge­meineren Gebrauch kamen die mit doppelter Klaviatur nach Art der Orgel. In der Regel staiw daS Obermanual eine Oktave höher und beide Klaviattwen kvnnüeu so verkoppelt werden, daß die untere die obere mittegiette. Die Berstärk,mg durch die Oktave verlieb dem Instrument größere Stärke des Tons. Für dieses Juftrunrent haben die alten Meister, wie Händel. Bach, E'nrperin, Ramemr usw. ihre W<ncke geschrieben, bis bie Erfindung des Hammerllavieres und ferne W!eiterentlvickelnng> zu imftrem heutigen modernen Maviere das Cembalo in Wergessen- l-eit geraten ließ. Es ist das große Verdienst Frau Landowskas, die Cembalowerc'e der alten Meister uns auf dein Instrument zu übermitteln, für das sie gefchafsen waren, und in maßgebenden Kreisen hat man sich so dafür yu interessieren gewußt, daß man an

där Kgl. Hochschule der Musik in Berlin eine Cembalollasse ein­gerichtet nutz Frau La,wowsta als Lckhr<win beiilfen hat.

Die .Künstlerin ist in Warsckxui gcboven, besuchte dort das Kvusec- vatorinn! und sttldierte dann in Berlin bei Urban und Moszsoniski. Das wundervoll«' Plepelsche Centbalo, das Frau Landow.Ska benutzt, gewährt die Entfaltung einer außerordentlich feinen, delikaten Kiinst. Wie Berliner Zeitungen sckweiben, vereinigt ihr Spiel in unverkcnnv- bar persönlicher LÜeise die Grazie der Rokokozrit mit der lst'utigen großzügigen Darstellung musikalisckier Phrasen, und A. Schweitzer schreibt in seinem Buch (Foh. Seb. Bach) ans S. 327:Wer ein- nial Frau Landowska das Jtal. Konzert aus den, wundervollen Pleyelschen Clavecin, das ihr Mnsil'zimmer ziert, hat spielen hören, dem will es fast nicht in den Stnn, daß man es auch auf eiüeni modernen Flügel wiedergeben könne." Es gibt Leute, die behaupten, das Cembalo könne nur Historikern (Rmuß bieten, aber sck>on Rubin- stein macht folgende Bemerkung:Nein, das vervollkommnete la­vier bedeutet keinen Fortsckpätt zur Amssührnng alter 'Werke." Und alle, die mit der allen Ränsik verttaut gen>orden,rußten sich nrit Rubinftein sagen, daß trotz oller Schönheiten unserer modernen) Flügel ihr Mangel an Registern und an Toppelllaviaturen den ganzen Charakter der alten Musik vertuscht und die Feingut und Präzision der polvphonen Linien zerdrückt.

Das in Paris hergestellte Jtnsttnmeut, auf dem Frau Lan- dowsla spielen wird, ist mit größter Sorgfalt den zu Bachscher Zeit besten Instrumenten nachgckbiildet u,rd absolut nicht modernisiert. Von den alten Meistern, die nach für das Cembalo geschriebene haben, sind auf dem Programm vermerkt:

Händel 16851759 mit der Passacaglia G-Moll und den Grobschinied-Variationen", deren Melodie er einsttnals, als er vor den, Regen in emer Schmiede Obdach suchte, gehört lxrben soll.

Bach 16851750 mit derGavotte G Moll" und demCa­priccio m B-Dur", das Bach anläßlich der ^kbreise seines Bruders Iohmln Jakob komponierte. Zum Abschied im Familienkreise mag der danrals 19 jährige Io(h Sebastian das ,.Eapriceio sopra la lontananra del suo seratella dilettissimo" geschrieben haben. Es beginnt mit einem ?lrioso, in welchem fremerflf wird. ,^>st eine Schmeick>el,mg der Frvunde, um denselben von seiner Reise ab­zuhalten": daraus folgt ein A,!dante, ,velcl>osEine Vorstellung unterschiedlicher Easuum, die ihn, in der Fr'emde können twrsallen" bedeutet: ein piissacagliaartiges Adagissimo übereinen an das Anci- sixns der H-Moll-Messe eriinvenrden absteigenden, kbromatislhen Satz gibt dasAllgemeine Laniento der Fremtde" »vieber: tm fol-

|1 ntcr diesen Ver'hälttnssen und unter Zuhilfenahme anderer' verfügbarer Mittel hätte sich die Provinz an den .stKiegsanleil-enj des Reichs mit insgesamt 4187 000 Mk. beteiligen können. Anherdein wäre sie in der Lage gewesen, durch namhafte Zu- iveisungcn an die Ernsd-Ludwig-Jubiläumsstistrmg und die .Hess. Ostpreußenhilfe sowie durch Errickjttmg desOberhess. Jubiläums- fonds" zur Linderung der durch den Krieg verursachten Schäden das ihrige beizutragen, ohne dadurch die Provinzeingesessenen in Form einer Erhöhung der Umlagen belasten zu müssen.

In der Elektrischen Ue b e r l a n d a n l a g e- d c r Pro-« vinz arbeiteten gleichfalls rund 6 Millionen Mark. Sic 'habe zu Anfang des Jahres 1913 mit ihrein Betrieb begonnen, und cs seien jetzt die Gemeinden und die Bewiohuer des Vers ".'gnngsgebicts mit verhältnismäßig geringen Ausnahmen an geschlossen.

Auch die Ueberlandgnlage habe nicht ungimsrig gearbcilet- b-obei der Krieg allerdings insofern der ger.leinnützigen Artze.der Provinz Vorschub geleistet habe, als sich stillnend seines Beitcruss infolge der Petroleumnot fast restlosoch alle an .die elettriscßä Ueberlandanlage, au geschlossen hätten, die bei Keiegsbeginn noch rückständig gewesen wären. Es seien in den beiden ersten Rech­nungsjahren 1914 !u,rd 1915 nicht nur die stiitt-ll sur die Ver­zinsung des Anlagekapitals mühelos aufgebracht worden, sondern es wäre neben den vocgeschriebeuen Rücklagen für zunächst innere Tilgung, söhne für Abschreibungen und Erneuerungen noch eine außerordentliche Rücklage von zusaminen 22 c .) 389 Mk. geschaffen! lvorden, die zur Verstärkung des zu Anfang des Rj. 1914 ins Leben getretenen Fonds für innere Tilgung oder zu sonst not­wendige,, Erneuerungen bereit stche.

Für die am 1. April 1919 und 1. April 1920 beginnende» äußere Tilgung der beiden aufgenommcueu Anleihen, für Er­neuerungen sowie für außerordentliche Rücklagen stände,, bis I-eute 441 263,78 Mk. zur Verftiguug.

Dankbar müsse hier anerkannt ivcrden, daß.das Gc. Min. dcr Finanzeil während des Krieges durch eine anderlveite Rege­lung der Preise für M'gabe der elektrischen Energie ans den- 'itaft* werk an die Provinz, diese in deu schlvercn Zeiten des .Kriegs instand gesetzt 1-abe, ihren Betrieb, ohne Einbuße bedachten zu müssen, auftecht zu erhalten.

Zinn Schluß glaubte der Borttageude wiederck-olt der anschei­nend über Oberhessen hinaus verbreiteten, ie.doch durchaus irrigen Meinung entgegentretcn zu sollen, als ob die Provinz jetzt für alle und alles Geld 'habe und ein ivillkommenes Objekt für finan ­zielle Transaktionen wäre. In Oberhessen würden im Vergleich zu anderen gleichartigen WirtsckxrstS körpern lwl-e Um lagen erhoben^, und es müsse Vorsorge dahin getroffen werden, daß die Pi-ovin- sich mit Hilfe ihrer industtiellen Un lerne hin un gen erleichtere. Eine recht erhebliche Erleichterung liege jetzt schon darin, daß apderc Kommunalvcrbände nrit ihren Stenern in Zu tun st wo bl in die Hohe zu gehen gezwungen sein würden, während ras innficht^ lich der- oberhessischen Provinzialninlagen selbst bei steigenden Äi-- fordernngen menschlicher Voraussicht ,iack) nicht nvehr der Fall sein werde. Dies sei der erste greifbare Erfolg der provinzicilett Unternchniungen. Wolle inan ihn Iveiter ausbauen, so were< dos Hauptaugenmerk bn Provinzialverttetuny yanudri auf eine möglichst schnelle und lMlfaugreiche Schuldeirtttgung zu richten sein. Die Interessen der Provinz uud ihrer Bcnschwv brauchten dabei nicht zu kurz zu konrmeU.

Nach den mit lebhaften! Beifall aufgerranttneuen Llusführnngen wurde in Erledigung der Tagesordnung fvrtgesahren.

Punkt 3. Rechnung nnd VerwaltungsbertcNI. des Pro vinz ial-W asser werks für 1915.

Der Vorsrtzende bemerkt hierM.. daß er mit Rückslchl das eben Vorgettagene kerne ,'weiteren Erläuterirngen zu den Vev-- »valtungsberichben und Voranschlägen der beiden Unterneh^urrngm zu geben brauche. Die fpechnimg des Wasserwerks FulMdon für 1915 sei von dem Provinzialausschußmitglied St a hl Friadbevg vorgeprüft. Anstände hätten sich auch da nicht ergeben.

Der Vorsitzende setzt die Rechnung in Umlauf und ersucht auch hierbei, ettvaige Benierkmrgeu oder Anfragen au, Schluß der Sitzung zur Sprack>e zu bringen imd dankt den, Provinzialaus- scknißmitglied Stahl für die Vorprüfung der Rechnungen.

Punkt 4. Voranschlag des P ro vin zia l W asseri Werks für 19 17.

Der Boiun schlag, der in 1. Llbteibmg in EinnalmE imd Ans-« fyabe mit 811 500 Mk. und in 2. Mstellung in Einnahme und Ausgabe mit 457 544,59 Rtk. abschließt, wird genehnligck.

Punkt 5. Rechnung und Verwaltungsberichk der Elektrischen lleberlandanlage für 1915).

Hierzu ftihrt der Vorsitzende folgendes mis: Eine Rech­nung für das Betriebs ja bc 1915 kann'nickst vorgelegt !c>erden, :reÄ eine rein kaufmännische Bnrhftihrung stxrttfttidet, ,vie dies aus dem Rechenskhaftsbericht hervorgeht. Nack) der von (Zrvßh. Mnistennnf deS Jnibern unterm 28. September 1914 erlassenen Bekannttnäch» ung, die Dienstamveisung der Gemeinde- und Stadtrechner be» ttessend, gilt diese Dienstcmweisimg auch für die Rechner von

genden Stückkonnnen die Freunde, weil sie doch fetycu, daß es! nicht anders sein kann, und nehn,en dlbischied": darauf ec tönt die Aria di Postiglione: eineFuge all'imittarrione delta eornttta dr postiglione" beschließt das reizende Stück, zu dem Kulman init seinen vier Jahre früher 1700 erschienenen brickisclieu Hi­storien, in Klaviersonaten beschrieben, Pate gestanden hat.

Domenicv Scarlatti 16851757, mit einer kleiueu Senate A-dur. Er War als Komponist und Klavierspieler berühmt und wurde 1719 alsMaestro al Cembalo" an die italleiilschs Oper in LoudM berufen. Seine Sonaten, meist einftitzig, urch als einer der Ausgangspunktz' für die iin)di-rne Kiovier-

inusik eines Mstl. Ein. Bach, Clementi usw. an zu sehen.

Rameau 16831764, nrit zwei ülleven vrovenealis-rhe^ Tanzsornven, einem R i gla u do n mtb einem Tnw. bourin. Er war der Begründer der eigenttich-u Harmonielcchrc' und zu­gleich ein ausgezeichneter Organist und berilltmter Komponist.

Um eine M^verchslung zu den, Cernbalo zu birbtt!, wird Frau Sandcstvsbr Souaten von Hapdu imd Mozart auf einem regelrecht ausgesprochenen Flügel spielen, uitt> ztoar:

Havdn 17321809. Scnnrte E'Mvll Op. 42. In 'einell 33 K'laviersvnaten gelang es Hiatstm, durch imn,er cntscku.'denerS Dnrchft'ehrnng eines Hauptthemas zu einein geordneten Ecrtz- gliede, dnrcb HinMftignng einer mcklw oder weniger au- geftvnnenen: Coda am Schluß, das Weserrttiche unserer möivrmm Sonate -n bcgrürchen In seinen späteren Arbeiten bildet er geradeM d« Brücke zu Beethoven.

Mozart 17561791. Sonate D4nn Richard Wignersl schönes Wort, Räozart Irabe seinen Instrumenten den Atriu der menschlichen Seele eingehoucht, gilt gerade mich von, Klaisc: Und Mozart hatte nock, keinen mvdermni Flügel, svulx'rn das be­scheidene Spimstt zur Bersüglicng. Wcnn er also gesangliche^ .Klavierspiel forderte, so dürfen ohne Uebertri'ckmng favreu i das kvar ein Wechsel Mif die Zukunft, kviederum mit ^VrOxmeiJ verghßckTbar. Das bestimnit mm den Gbaraller seiner 'siavieo- mnsik. Die Ztzantubilität ist nicht nur im allgemeinen schön und wertvoll, fanbmt für dan Sonvtmstll unenlb,-hrlich muß selbst in ^ das Allägw die Gesangllchkeit. das l»eißt eben Ada^ßv, hineingetragen werden, un, den dvnnattsch'n Ausdruck der Empfindungsbe-ziehimg zu gewinnen. Darii, unttwstbeidet lid) Rdozart weseittlich von Haydn, bei dun mein die nrusikaliici« Struktur voiherrscht, d«n aber dieKlavierseligßnl"rhtt,