Nr. *05
Zweiter Vlatt
*67. Jahrgang
Erscheint t--üch mit Ausnahme 6eS Sonntag«.
Beilagen: „Siehener KamMenbMter" und ..rkelrblatt für den Kreis «letze«".
Postscheckkonto: Zranksntt m Main Nr. **6«6. Vsnkverkehr: Geverbebank «letze«.
General-Anzeiger
Mb. Deutscher Reichstag.
100. Sitzung vom 4. Mai.
Am Bundesratstischc Staatssekretär Dr. Helfferich und der preußische Münster der öffentlichen Arbeiten und Chef der Bcrtval- imlg der R ei ck-se isenba hu en v. Breitenbach.
Auf dem Präsidententisch steht aus Anlaß der Hundertstel'. -Sitzung des Hauses ein Blumenstrauß.
Präsident Dr. K ämpf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen.
Der Abg. Ho-ch (So-.) fragt: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß infolge des Rundsckneibens des Reichsamts des Innern betreffend die Unterstützung der Familien der in den Dienst ein- getretenen Mannschaften in vielen Fällen die Unterstützung solchen Slrtegerftauert entzogen Nwrden ist, die eine Erwerbsarbeit nicht leisten, weil sie entweder kränklich oder in ihrem Haushalt unabkömmlich sind? Was gedenkt der Herr Reichskanzler dagegen zu tun?
Direktor im ReichBamt des Innern Dt- Lewald: Dein Herrn Reichskanzler ist iricfjt bekannt geworden, daß Kriegerfrauen in vielen Fällen die Unterstützung entzogen worden sei, weil sie n»tweder kränklich oder in ihrem Haushalt unabkömmlich find. Derartige Maßnahmen der Lieserungsverbände würden nicht in der Absicht der Reichsleitnng liegen und dem Wortlaut des vorange- gangen eit Rundschreibens widersprechen.
Der 7-Uhr-Lmdenschluß.
Mg. Hoch (Svz.) fragt:
1. Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß die angeregte Hcraufsetzung des Ladenschlusses von sieben auf acht Uhr abends den entschiedenen Widerspruch der beteiligten Handlungsgehilfe'.* und der meisten Ladenbesitzer gefunden hat?
2. daß in vielen Orten die Inhaber der Lebensmittelgeschäfte freiwillig den 7-Uhr-Ladenschtuß eingeführt haben?,
3. daß beim Zentral verband der Handlungsgehilfen bereits bis zum 23. April ds. Fs. mehr als siebentausend Zustimmungserklärun- gen von Geschäftsinhabern und über 150 000 Zuftimmungserklärun- get: von Gehilfen und .Handlnngshilfsarbeitern für die dauernde Beibehaltung des 7-Uhr-Ladenschlusses und seine Ausdehnung auf die Lebensmittelgeschäfte eingegangen sind?
4. daß in weiten Kreisen der Beteiligten die Ausdehnung des 7-Uhr-Ladenschlusses gefordert wird?
Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, >amit diesen Wünschen Rechnung getragen wird?
Direktor Dr. Lewald: Dem Herrn Reichskanzler ist bekannt, daß in den .Kreisen der Handlungsgehilfen und auch von einer größeren Zahl von Inhabern offener Verkaufsstellen Widerspruch gegen die Hieraufsetzung der Ladenschlußzeit von sieben auf acht Uhr erhoben worden ist. Zn einer generellen Regelung der Angelegenheit. die auf dein Wege der Gesetzgebung erfolgen müßte, jetzt säron Stellung An nehman, liegt kein Anlaß vor. Den Wünschen der beteiligten Kreise ist übrigens dadurch Rechnrung getragen toffritat, daß eine Aendermrg der betreffenden Bnndesrats Verordnung in Aussicht genommen ist. Eine Ausdehnung des 7 - Uhr- Ladenschlnsses auf den Samstag ist namentlich mit Rücksicht auf das platte Land nicht möglich.
Abg. Lic. Mumm (Dtsch. Fr.) fragt: Der Reichstag be-^ schloß in seiner 53. Sitzung vom ,4. Mai 1916 einstimmig, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, die Bestrebungen nach Schaffung tarn Heimstätten für die Kriegsteilnehmer oder deren Versorgungsberechtigte tatkräftig zu fördern und baldmöglichst einer gesetzlichen Regelung zu unterziehen^ mit dem Ziele, Rechtsgrundlagen zu schaffen, tvÄche den Zweck haben, solche Heimstätten dauernd zu erhalten.
In, der gleicher^ Sitzung sprach der Reichstag den Wunsch aus, daß bei der L-chafsnng der gesetzlichn Unterlage zur Errichtung von Kriegerheimstcttten die bisher veröffentlichten Vor schlage, die der freien Vereinigung entstammen, miibeachlet tverden. Die Grundzüge für das ^riegerheimstättengesetz vom 21. November 1915 sind in den amtlichen Drucksachen des Reichstags enthalten. Sind bereits Schritte im, Sinne der angeführten Reichstags- beschlüsse getan,- damit entsprechend den im Heer überall hervor- getrctcnen Bedürfnisse?: nach Wohnstätten wie nach Wirtschafts- Heimstätten nach "Beginn der Entwaffnung ohne Zögern ein- setzen kann?
Direktor,Dr. Lewald antwortet, soweit es auf der Tribüne verständlich ist, dahin, daß die angestrebten Siedellmgen, fiir die Kriegsteilnehmer auch weiterhin gefördert werben und daß Erwägungen dan'ibcr schweben, ob und inwieweit dies durch Den Erlaß eines Heimstätten gesetzes nntcrsti'ltzt werden könne, daß aber über- rriebelve Hoffnungen an die Siedlungs Möglichkeit nicht geknüpft werden dürften.
?lbg. Rühle (Soz. Wilder) fragt: In den von Deutschland besetzten östlichen Gebiete?:, besonders in Warschau, sind in der jüngsten Zeit wiederholt Verhaftungen polnischer Sozialisten erfolgt. Tie Verhafteten sind nach Deutschland verschickt worden und tverde?: in deutschen Gefängnissen interniert gehalten. Sind dein Herrn Rmchsianzler diese Vorgänge bekannt? Ist ihn: weiter
>n tun, danllt die Sozialisten in den besetzten polnischen Gebieten dieselben politischen Freiheiten genießen wie ihre Gesinnungsgenossen in Rußland?
Direktor Dr. Lewald: Die Vorgänge sind dem Herrn Reichskanzler bis heute nicht bekannt geworden, stcachdem gestern I
GbecheMHer UAnftverrm.
Gießen, 5. Mai 1917.
_ Die neue Kmrstäusstelftmg zeigt uns eine große Auswahl von Bildern einer äußerst talentvolle Künstlerin, die weder in ihren Vorwürfen noch auch in ihrer Palette die Vermutung anskommen läßt, daß wir es hier mit Werder: einer weickttchw: Kimstlerhand zu tun haben,, Frau Milly M arbe-Fries, eine Würzburger, Künstlerrrr, sieht die Natur mit sarbenjrohe?: Augen, und rras sic dar stellt, einerlei ob Landschaft oder Porträt, ist ohne weibliche Snttemeuttrlität, großzügig aufgefaßt lind als ein Stück sichtbarer ckftttur mit feijwnt klaren Bezieburrgen zur Sichtbarkeit
diese Anfrage eingegangen war, ist in Warschau Rückfrage gehalcka? w^den., Tie, Antwort steht, begreiflicherweise noch aus. Ich bm -«her nicht in der Lage, die Frage heute zu bsmrkworten. Ter Abgeordnete Kunert lSoz.-Arb.) fragte nach der bei Beginn des Krieges erfolgten militärischen Einziehung des in Köln-Ehrenfeld ansässig gewesenen belgischen. Obersten Marquardt. Bei der Kürze der Zeit war es nicht möglich, das erforderliche Material beizu- brmgen: ich hoffe, in den nächsten Tagen irre der Lage zu sein, zu antworten.
Z'ivei Ergänzungen zur Anfrage des Abg. Kunert, die der Regierung Vottverfen, Belgier zum Brrrch ihres Fahneneides verleitet und das Völbwreclst verletzt zu haben, werden vom Präfix deuten als, neue Fragen zurückgewieserr
Dargtzh 'werden die beiden Interpellationen über die Kriegsziele
aufgerufen.
Staatssekretär Dr. Helfferich erklärt: Der Herr
! Reichskanzler ist,zur Beantwortung der Interpellationen imrerhalb der Fnst, die im § 31 der Geschäftsordnung des Reichstags festgesetzt fft, an -einem, mit dem Herrn Präsidenten zu verein- varenden Tage bereit.
- Damit smd che beiden Interpellätionen für heute erledigt. Es folgt der Etat der R-eichseis-enbähnen.
Der Etat der Reichseisen bal?nen wird nach längerer Besprechung bennllugt; es folgt der Etat der Heeresverwaltung.
Hierzu liegt ein sozialdemokratischer Antrag vor, den Titel Neubau und Ausstattung einer, zweiten Hauptkadettenanstalt zu streichen, und eine Resolution, in der gefordert wird, dafür'zn sorgen, daß die von den verschiedenen stellvertretenden Generalkommandos erlassenen Verordnungen über die Arbeitshllfe in der Land und Forstwirtschaft, die mit den Bestimmungen des Ge- lEtzes über den vaterländischen Hilfsdienst in Widerspruch stehen, aufgehoben werden.
Abg. N eh b e l (kons.) berichtet über die Verhandlungen des Hanptansfchnsses und gedenkt dabei der imrergleichlicben Heldentaten unserer Truppen um der Westfront, denen der Haupmusschuß chnnc und Anerkennung telegvchchßch ansgesprochem habe. Be- sonderen Dank verdierte die junge Fliegcrwaffc.
Kriegsmiuister v. Stein: Während wir hier den Heeresetvt beraten, kämpfen unsere Trnvpen an ,den Fronten irr entscheid enden! Kamchen in unvergleichlicher Tapferkeit, Hingabe, Treue >:ud ^eloitverl-eugnnng. Sie kämpfen in dem Belvußtsein, daß hinter thnen die Hemmt sielst: das gesamte Volk und unsere Armeen sind voller Zuversicht, daß es so bleiben wird.
Nattlrgeniäß sind manche Wünsche für die Heeresverwaltung laut geworden.. In erster Linie steht da
das Kapitel der Behandlung.
Es ist dies ein sehr düsteres Kapitel, das lange Jahre die Beteülgten beschäftigt ^hat. Ick bch dankbar, daß'meine Vorgänger ur demselben Sinne wie ich gearbeitet habe?:. Von der Front kommen wenig Klagen. Das ist erklärlich und natürlich, lveil dort die gemein saure Gefahr und die Kameradschaft die Gegensätze leichter überwinden kenn. Mehr wird geklagt im Heimat- lheer. Das liegt ixmnt, daß vielfach kaum ausgeheilte Ausbildner deli Deitckü, versehen. Die liebergriffe sckü erklärlich, aber nicht zu entschuldigen. Sce kömren überzeugt sein, daß ich rücksichtslos rn dreier Lache gegen, jeden wrgehcn Voerde, :md nicht vor der Person Halt niach-, die sich dagegen vergeh:. (Bravo!) Ich habe mnner nur mit Verachtung aus bfc Dinge gesehen, denn ich hatte fte für uErdrg gegenüber denen, die der schwächere Teil sind. (Bravo?) D« Würde des Einzelnen muß gewahrt loerderr.
,, , Dre Arreststrafe durck? ?lnbinden M me arrherordeuLtich schwere Strafe. Vor langer Zeit schon hat ^eme ^ Male st ät^ Be seist gegeben, diese S traf Vollstreckung äußerst
Strafe verhängt, er sofort seinem Umstände Meldmrg zu nrachen hat. Vielfach mag durch diese schvere Strafe Schoe- reres verhütet werden. In Stunden der Gefahr kann die ganze Truppe von Emzeluen mitgerissen werden, meint nickst der Vor- gewtzte obne Verfahren strenge bestraft. Trotz alledem stehe ick auf dent Standpunkte, daß man zu der Armee Vertrauen haben kann, so daß diese Strafe bald fällt, die ein Schandfleck ist. Tie Be- schwerdeordnnug ist nicht so rückständig, wie man mini mutt. Man bat die Deitimnmng Zn die Beschwerdeartikel au streu omnttn, daß per Mann seine Beschwerde beinr .Hanptmann anznbringen hat. dadurch Norden die kleinen Instanzen beseitigt, die ih-ur am ehesten einen Stein in den Weg iverfen können.
Der alte, gute Haup i tuc nn, der jeden Väarrit in der Kompagnie kannte, der wie ein treuer Vater über seine Kompagnie wackstc, liegt auf dem Schlachtseldfe oder ist in höhere Stellen aufgerückt. Er hat jüngeren Kräften Platz machen müssen.
, Unsere Gegenmaßitahnren laben eS erreicht, daß die deutschen Gefangenen 30 Kilometer Ijbrter die sranzöslsche Front zurückgenommen worden sind. Wir l^.ben!das Gleiche getan. Jetzt sollen die Gefangenen noch weiter zurückgezogen werderr. (Bravo!)
Der Neubau der z>reiten Hauptkadettenanstatt ist nötig. Hin- donbnrg rrnd Lndendorss sind ehcnmlige Kadetten. Auch sonst sind viele hervorragende Führer ans dieser Anstatt hervorgegangen. Das Kadettewresen nrag aber immerhin reformiert werden.
Es wnrd über den
' Bureau kr at Ismus t nt Kri e g s m inister i u m viel geklagt. Man rutt itach dein starken Mann. Ich hocke noch käften Tag Urlaub seit dem Beginn des Krieges gehabt. Ich könnte
SomstQö, 5. Mai *1
ZrviüwgSrundoruck und Verlag:
Brühl'jche Unwerfuärs-Bnch-u.Ctrin'ün ckerei. dU Lange, Gießen.
rchriftlettuna, SeschLfrrirrÄr «nd vrackerrt:
Schulfttase 7. creschäf.s;lrUe u. Berlage 61, Schriftteuung: 112,
Anschrift für Truht-lachrlchttnr AnzeigerDiehen.
es auch nickst verantworten. Im Schützengraben konnte ich mente Truppe nicht verlassen und jetzt könnte ich mettle Arbeit auch nicht bewälttgen, ivenn ich nickst eirten Stab von treuen, verantwortlichen, erfahrenen und arbettsamen Menschen hätte, die Tag und Nacht ihr ganzes Könnett in den Dienst stellen. (Bravo!) Wenn alle Klagen nicht in dein grwünschtert Tempo erledigt werden, so bitte ick) Sie, ,zn bchenken,, daß 7vir in einer Zeit leben, in her meine Aufmercksamkcht xu richten ist auf unsere kämpfenden Kameraden an der Weflfvont. Ich habe dafür zu sorgen, daß ichten alles zugeführt wird, daß ihnen Gel. genheit mtd die Aiittel gegebett werden, den Riesenkampf duock-zukämpfen. lxcmtt wir das er- rnchen, lvas nckr alle wünschet: Einen ehrenvollen Frieden.
(Bravos. Beifall.)
Abg. S ch ö p f l i n (Soz): Dem Heere gebührt unsere Anerkett-« nung und unser Dank. Der burcanttattsck)e Weg im Kriegsministe-- rium ist langsam, aber auch nicht sicher. Im Felde ist die Behandlung zweifellos besser geworden, namentlich hinsichtlich der tätlichen Beleidigungen. Dagegen sind in den Garnisonen die Klagen außerordenllich gewachsen. Der Gamaschendienst hinter der Front i)t schlimmer als in Friedenszeiten, In Süddeutschland ist die Be^ l)<ntdlung der Soldaten eine bessere. Die Urlaubsverhältnisse sirtd ungenügend. Nur Osfiziersburschen, die Lebensmittel für die Fa- muie aus der Heimat mitbringeit, bekommen jeden Augenblick Urlaub. Die Erttährung der Mannschaften ist ungenügend. Die Offiziere dagegen leben gut. Sie kaufen auch die Kantinenbestände den Mannschaften vor der Nase weg; die Verlustlisten haben sich fort- gcsttzt zn ihrem Nachteil verändert. Den Arbeitern ist nicht zu verdenken, wenn sie mit den Zuständen unzufrieden sind und ihre Unluft zuin Ausdruck bringen. In Süddeutschland hat man besser vorgesorgt. Besonders in Preußeit hat rnern vieles vernachlässigt und in sckstindlicher Weise nicht seine Pflicht getatr.
Generah Ordner: Herr Schöpftin hat meinen Ausruf an dis Arbeiterschaft redigiert. Die Arbeiterschaft seiner Heimat hat ihn besser verstanden als ec selber. Ach. 18. ^Ipril war der Tag gekom-- men, <m dem die Gemütlichueft auihörte. Ich ntufste mich ertt^ schließen, einige kräftige Morte an die Arbeiter zu richten, zu dcnest ick Verttauen habe, daß, sich bei ihiren noch das Gefühl für deutliche und offene Worte vor finde. Ich glaube auch nicht, mich darin getan ich* zn haben. Das Volk mußte wissen, welch ungeheures Verbrechet Streiks in der gegenwärtigen Lage sind. Ich. bin mit dem Gefühl hinansgegangen, als ich den Aufruf verfaßt hatte, daß ich die aller- schwerste Beranttvortung tra^e. Iederntann tm Granattrickster oder im MasckMieng-ewehrnest weitz mir Dank dafür. Das deuts'che Volk war an einem verhängnisvollen Scheidewege angelangt. Der eine Weg führt^ tzur Niederlage. Ich sage das klipp und klar, oam.it! jeder deutscher Llrckeiter cs hört. Unser Heimat beer muß unverbrüchlich verbunden sein 'mit unseren Feldgrauen. Niemand darf zwischest ihnen stehen. Es MUß bis Zimt Ende Des Krieges unbedütgt Ruhe herrschet in !wtsever Arbeiterschaft, und dacuntec verstehe ich jbaS ganze dautsckL Volk. Pdcrn Aptfruf ist keine Scknnipferei, sorÄernt ein derber iAusdruck dessen, was er fühlt. (Lebhafte BMvsrusi^ Untrche.)
Kriegsminister von Stein: Ich habe rricht wtr schöne Wort« gemacht. Der Llbgoordnett Schopssin mag Taten abwartnr.
Tcr Präsident ;tcxlt ,mit, daß eine softald-emokratische Intern pellatto!'. eckigegangett ist über die Verhältnisse in Elsaß-Lothrtng^u, Schntzlait, Verletzung foer TckrruornftÄ una irme Jitterpellattortj Haus (Elf.) aus Festsetzung des elsaß?-bvthringischQt Etats, öa der Znstmtnum tritt des Landtages verboten ist.
Daraus vertagt ^sich das H,rus. Nächste Sitzung SanEss 12 Uhr. ,Mrf der Tagesockdmrng stehen die eben eurgich rocht at Jnttrlrellatiomm und die F-orrfetznng des Heeresetttts. — SchLuH 7 Vü Uhr.
Arss SScrdt rrMd €&nb.
Gießen. 5. Mai 1917.
Zur Grcßener Milchversorgurrg.
Von zuständiger Seite schreickt nran uns:
Während sich die Versorgung der Stadt Gießen rrrit Vollmilch ohne Schwierigkeiten vollzieht, ist dies bei der Magermilch nicht ganz der Fall. Die Schwierigkeiten liegen in der Sache selbst. Die täglich zur Verfügung steheirdv Magermilchmenge schwankt außerordentlich, so daß an manchen Tagen ein Unterschied in der Zufuhr von ca.
800 Liter vorhanden ist. Die leichte Verderblichkeit ist bekannt, sie wird sich mit der zunehmenden Wärme noch vermehren.
Es sind deshalb schon längst Erwägungen im Gange, ob man nicht das jetzige Verfahren des Ausfahrens durch Verkauf an bestimmten Stellen, vielleicht 24, ersetzen soll, jedoch bietet einmal die Beschaffung der Verkaufsstellen Schwierigkeiten, andererseits würdest den: Publikum insofern Unannehmlichkeiten erwachset:, als bei dem unregelmäßigen Eingat:g längeres Wartet: an den Verkaufsstellen ut:vermerdlich wäre, zumal es unbestimmt ist, ^ ob manchmal eine bestimmte Straße an einen:' Tage noch ^ beliefert werden kann.
Jnsofert: dürfte dem bisherigen Verfahren deA Zutragens in die Häuser der Vorzug gegeben werden, besonders wenn dt:rch entsprechende Behandlung der Milch deren Haltbarkeit verlängert wird.
Irbetten rotnantiscken und zu in Dell religiöftnt Inhaltes bc- 1 cknckt. Auch unsere Gießemw Künstlerin Frl. Ä. F e l ch n e r ist trnt cun^ en P orträts, die Danren der hiesigen Gesellschaft repräsentieren, vertreten :rnb bietet die beste GÄegealieit cättcs Vergleiches imt threr^ üben erwähnte?: Kollegin.
Greisen wir einzelne Bilder hermts, so begi?mert wir am vkßen tntt dein Menschenpaar von Frau Marbe-FricsF das necket: re isstem Sti tnnrwn gsgehalte die Vorzüge ihrer künstlerischen Wesettsart am dcutttck-sir?: veranschaulicht, Dke pleinai- ristisch im Rannte stehenden Gestalten lösen sich plastisch vom Hin- tei'grmtde los und smv mit erstaunlick)er Sicherheit dttrchmodclliert. Eme Reihe getstretcher Relationen in der Körperbattnng beider cksifftalte?: verrnittelt den oitthettliche'.t Gesantteindruck des Divty- chons. Das einzige, was bei längerem Betrachte?: störcttd wirkt, ist das Rot auf den Fingerkiwcheln der nreiWMten Figur. Das gleiche 9tot ist auch bei anderen Bildern etwas uitvernnttolt mcf- aettag«:. So auch mff Haitd lund Wattae des „Mnsitterenden Mäd- ciycng". einem leknsgroßen Akte vor schvar-ein Hintergmindc, ans
üer Wange der „Iirngen Mutter", den: sonst prackstvoll farben- l-.ckendrgeit „Mädchen mit Blumen" ?r?rd bei dem Kinderkopfe „J!m Sommer". Beil?: „Musizieoend'nt Mädchen" haben lvir iviederum einen wtmdervoll durchmvdelliertel: Körper. Bsdatrerlich ist rntü die verf-ehlte Silhouette des rechter: Aritres, der dadurch verkümmert wirkt ?:nd der archaisierende Versuch mit der schivarzen Fläche, die durch dccs Grün anr Boder: rvolck zur?"lckgedrängt wird, weiter atffwärtS aber am Körper klebt. Bei ettbemt Bildern, zumeist da,.wo die Künstlerin Bl?iM^? icnd Köpfe mit eina?:der ver- bitidet, wirft es störeich, daß die Künstler:?: die Köpfe plastisch behandelt. die Blunmn jedoch ran: dekorativ, tntb diese doppelte Ein- sftllunq einer lrrrmonisck?e?l lsesan?t?virttrng im Wege steht. Be- sonders glücklich ist das Idtzll „Mutter mtb Kind", bet dem das Borertväl.nte tlicht zutrifft. Niieiftarlich sind vor alle:?: einige Landschaften, toie der „Blick vom Qberrhein". „Im Ri-einwakd" und „KieferrräLhaug". Auch uitter de?: Sttlleben, in de?:en die Künstleri?: ihrer farbeitftohen Natt?r an: ?mgel-e??tmtesten Spiel- vattn: lasset: kann, befckiden sich vrachttge Srücke. Wir erwähnen! „Tulpe?:", „Ro?'e?t auf meiitem ^lalkvic" und „Rittersporn", bei dem nttrrt allerdings, auf die Drei?:gäbe des gerahmte?: Bildä-ens ger?:e verzichtet hätte.
ttn: nach be-it klaren La?ck>schaftei: der Künstlerin die Bilder Z e r- nins getneße?: zu könnet:, bedarf es einer ga?:z t:eu.e?: Entstellung, denn es hastet ih??e?? allen etwas, sagen wir „kleinbürgerliches^^ m:. Die große Liuie^e:?:er starken Persönlichkeit ist in ilmer: nicht zu finden. Hmgelviesen sei trotzdeii: auf „'Tal im Frücklma" und „Oberbtt)risches Dorf", ^tuch die „Blütezeit int Mühltal" verdient Beachtung, währ:md „Die Hrrbststimnumg in: Mühltal" mit dem süßlichen Rosa mverquicktich wirkt.
Vm: R. S ch ä s e r, Rotbeirbttrg, ist am künstlerischsten die „Rtrsfffchc Sckn:eelcmdschast". Bei de?: crulxmen Werren soll (in romantisches Sujet de?: re:?: künstlerischen ffseltcckr ersetzen, eine Aufgabe, die aber Bei keinem der Bilder c^rlöft ist.
Marie Fel chner erstrebt mit ihren bekannten Mitteln möglichste Pvrträtähnlichklnt, tvas ihr a?:ch immer gelmgt. zz.
Gerhurt Hatrpttimm: und dus Wiener Volkstl^ter.
. W i e?:, 4. Mai. Vor ei??em Senat des Wiener Erket:ntt:is- garichts hat der Prozeß des Direftors Karl Waltnee vom Deutschen VolksllTeater gegen den Heransgcber des „Morgen", Cbeftedaktewr Maxmttlian Schreier, begönnet:. Der Direktor des Deutschen Volks- cheaters war von gegenwärttgen und ehemaligen Mttgliedcrn des Theaters der V^crrohting im Umgänge ?nit seinem Personal beschuldigt worden. Es wird ihm vorgeworsen, saß er an die weibliche?: Darsteller tmntomlische Forderunge?? gestellt hacke, daß er auf den Proben unftättge Reden geftrhrt, die Künstler aus gebeutet hacke und daß er ein System des rücksickstslosen Wechsels mit böti Büvttenmitgliedern getriecket: Ixt&e. Die Vorwürfe, die von: „Morgen" erhöbe?: wtlrdcn?, tvurdet: von einett: Teil der Mitglieder des BühnetttierionalS des D-entschet: Volkstckeaters bestätigt. Lttis T'heaterkreisen toird ge?t:eldet, die Direftivn würde Björn Björnson ztlsamtnen mtt Gerhart Haupt mann über- ncklnnen. .Heute wird aus diesen Kweisen gemeldet, daß. falls Wall- ner von der Leit?mg des Deutsckten Volkstheaters zurücktrcte, als aussicktsvolpler Bclverber Björt: Björnso?? ltervorttete?: roerde, der d'ie Dircttion gemeinsa??: mit hem Schriftsteller Stefan G ro ß- mann fiiJmci: lvolle. Björt: Björnson hal sich aber bereits als Mitdirektor Gerhart .Ha:eptt?:ann gesickert. Dieser telegraphierte an Björa: Vjör?:sotr: „Ich inelde hiermit meinen bestimntte?: Ettt- schlnß. in Tei?ie?n tmd in Stefan Großmanns Simu der Leitung des Wiener Vvlkstlxaters beizutreten. Also nominell Direktion: Björn Björrffon-Hauptmam:. Ich bin aber auch Feuer und


