Ausgabe 
3.5.1917 Zweites Blatt
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A«» Hessen.

Aus dem Finanzausschuß.

Darmstadt, 1.Mai. Ter erweiterte Finanzaus Wv o (Kriegs<r,isschuß) rrat heute vormittag wieder zu einer Srtzvng Zusammen. EL fand zurrächst eine längere Beratung über Jj* Frag« derMilchversorgung statt. Eine Anfrage des Abg. Reh ging dahin, ob Grvßh. Regierung bekannt fei, daß in Frank- «rt a. M. für Greife 7., Liter Vollmilch, für Säuglinge bis zur Bouendsarg des 1. Lebensjahres ein Liter Vollmilch und, wenn die Kinder 'gestillt werden, der Mutter diele Vollmilch zugesührt Wirt», sowie daß .Kinder tmj 1. bis 6. Lebensjahre 1 [ 2 Liter und Ander voll 6 bis 14 Jahren täglich 7'i Liter Bollimlch erhalten. Besteht nicht die Mögliäckeit, in Hessen, wo bekanntlich den Kindern vom 7. bis 4. Lebenchahve V 4 Liter Milch weniger dnd den Kinder): von: 6. bis 14. Lebensjahre iure 7* Liter Voll milch gewährt wird, in gleicher Weise zu verfahren? In Verbindung mit dieser ?knfrage wurde auch der Antrag K 0 r e 1 l - Jngelhein: auf Rückgabe der eingezogeilen Entrahmer und Butter­maschinen beraten. Die Rvgierrmg erteilte auf bewe Punkte nähere Kdttwort und daran anschließend gab Prinz Jsenburg-Bir- st ein eine sehr interessante Uebersicht über die MÜchvecsorgung im Kvmmmralverbcrnd Darmstadt. Es war daraus besonders zu entnehmen, mit welch großen SckIv-ierigkeiten dir Milch versorgungs-- ste^lnocki immer zu lanipfen^haben. Es müßten die Orte, die ein bestimmtes Quantum Milch mehr produzieren, als die anderen Orte, an diese einen Teil der Milch und einen weiteren Teil an die Sammal stelle gnr Butterverarbeitung abgeben. Abg. K 0 r e l l erklärte, er lege ifen Hauptwert darauf, daß durch dfe Beschlags rrahme der Miilchverarbeitungsapparate nicht eine Menge Un­schuldiger getroffen werde und diese nicht mjit den Schuldigen! zu leiden hätten. Es müßten andere Mittel und Wege gefunden werden, die unrechtmäßige Verarbeitung der Milch zu Butter zu verhindern. Nach längerer Erörterung wurde der Antrag Korell auf Rückgabe der Entrahmer und der Buttermaschmen an­genommen, obwohl sich die Regierung nicht damit einverstanden erklärte. Werter kam ein Älttrag Damur zur Beratung, daß das Backen von Kuchen gänzlich verboten werden möchte. Hierzu schlug Abg. Henrich vor, den Antrag dahin abzuändern, daß das gewerbliche Backen von Torten und Kuchen, soweit nicht die Ab­gabe all«: BacÜvaveu auf Brotmarken erfolgt, verboten werden Mochte. Seitens der Regierung tourde zugesagt, nochmals rnit dem Kriegsernähnmgsamt in Verbindung zu treten, daß im ganzen Reich nur gegen Brotmarken Kuchen, Torten ustv. verabfolgt werden soll. Ferner wurde auch von einem Mitglied des Aus­schusses angeregt, dahin zu wirken, daß das Verbot des Zw*iebackbackens nicht aufrecht erhalt«: werden möge, da der Zwieback doch für Kranke und solche die das schwere Brot nicht vertragen kmrnen, notwendig sei: auch hier sei natürlich die Forderung zu stellen, daß Zwieback nur gegen Brotmarken abgegeben wird. 'Dieser -Auffassung Maß sich auch der Aus- sächlß an; -der abgeänderte Älntrag Damm-Henrich wurde ebenfalls angenon:men. Zum Schluß gab der Herr Frnanzminister noch (T>öd>ft interessante Mitteilungen über das Ergebnis der neuen Kriegsanleihe, woraus zu entnehmen ist, daß die Beteiligung Hessens an der Anleihe eine erfreulich große )var und die hessischen Zefichnlungen das Durchschnitts­ergebnis im Reiche bedeutend übersteigen. Die ge­nauen Zahlen darüber sollen amtlich bekannt gegeben werden.

an 1388 durchreisende Soldaten und Denvundetr Erfrischungen ver­abreicht ; die Ganitätswache führte 837 Transporte aus und hat in 163 sonstig«? Fällen Hilfe geleistet.

* 2 m Hvtel Fürsten Hof (Saalbcm) ffrrdet Sonntag, den 6. v)cm, abends 8 Uhr, ein Lieder- und Rezita-j Lions-Abend unter Mitwirkung der Mainzer Künstler Heinz Ott, Konzertsänger und Rezitator, Fräulein Aiarie Bär, Konzert- sängerrn, und Altt. Gundlich, Pianist, statt. Näheres siehe Anzeige.

* B a rgeldloser Verkehr. Die Bestrebungen der Kgl. E:senbal>7:d:reltion Frankfurt (Main), ihre Beamten zur För- - des bargeldlosen Verkehrs durch Ueberweisung ihrer Dienst­einkünfte oder eines Teiles davon auf Sparkassen und Banken zu gewinnen, haben auch in dem Halbjahr Oktober 1916 bis März 1917 iveiter «neu erfreulichen wachsenden Erfolg gehabt. Die Zahl der beteiligten Beamten ist im letzten Halbjahre von rund §300 auf rund 7300, also um weitere 2000 gestiegen, so daß der Jahvesbetrag der Ueberweisung jetzt rund 7 Millionen Mark beträgt und zwei Drittel aller Beamten teilnehmen. Wie alles Neue, so hat sich auch hier die gute Sache allmählich fortschreitend Bahn gebrochen, teilweise den Sparsim: fördernd, den Teil­nehmern kleine Vorteile verschaffend und vor allem, dem großen Ganzen, dem Wähle des Reiches nützend.

** Das heutige Kreisblatt enthält Bckkmrnttiiachungrn über: Leseholz:rutzung in den Grvßh. Dvmanial- und in den Kvm- munalwaldungen; Erzeugerkwchstpreife der Normal vertrüge für Frühgemüse; Genehmigung des Großhandels mit Gemüse, Obst oder Lüdfrüchten: Verb-Hn mit Obst; HöchstPveHe für Häcksel.

Aus Stadt und Lund.

Gießen. 3. Mai 1917.

** Aus ze ichnungen. Der Schütze Wilh. Will in einer Maschmengew.-Komp., Sohn des Univ.-Turnbehvers Will hier, ethielt das Eiserme .Kreuz 2. Kl. Dem Gefreiten der Landw. Ehr. R e i b e l i n q aus Gießen, seit Anfang des Krieges im Felde, wurde vom Großherzog die Kricgsverdiensb-Mcdaille am Kriegsbande ver­liehen. Dem Musketier Gustav Heirrze von hier, zurzeit schwer vettvundet, wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen.

** Beförderung. Unteroffizier Adolf R ü h l aus Gießen, welcher als Ersatzreservist Weihnachten 1914 ins Feld rückte, später zu einer Fliegerabteil ung kam, wv er zum Unteroffizier befördert wurde und das Eiserne Kreuz erhielt, wurde nun bei der Jagd­staffel 27 in: Felde zum Feldwebel befördert.

** Von der KrankenerfrischungZstelle des Ro­ten Kreuzes am Bahnhof Gießen wurden im Monat April 1917

Landkreis Gießen.

** Großen-Linden, 30. April. Das Eiserne Kreuz h K/L sse erhielt Leutnant der Reserve W. Gntermuth von hier bn den jüngffen KämpfOr in Frankreich.

0. Lang-Göns, 3. Mai. Dem Reservisten Friedr. Nau­mann, einem, geborenen Kleinlrndener, wurde die Hessische Dapferkeitsmedaillc vevliehen. .Krrchenvorsteh«: Anton Bel­ten XV. Sonnte gestern die Goldene Hochzeit feien:.

Kreis Büdingen.

^ 4 Wippenba ch, 3. Ma i. Für die vom Roden K re uz in Ortenberg durchgesührte Hinden bürg spende gingen M irw ^00 Seelen zählenden Gemearde fotzende Sachen ein: 20,5 Md. Gerste, 12 Psd. Mchl, 4 M>. Evbfen, 4ch Pch7 Dörr­obst, 18E:er, 8,5 Psd. Zwiebeln, Vr M>. Speck, ferner noch Ge­müse aller Art.

iL? c ^ c v tL' b- 9^ den schweren Kämpfen des Westens ttel der Unteroffizier in einem Jnßrnterie-Regiment Hermann Bender von hier im Alter von 34 Jahren, Inhaber des be- vannten Kolonial- urrd Eisenwavengeschäftes. Beüder hinterläßt eme Witwe mit 2 Kindern.

Kreis Schotten.

_ Schotten, 3. Mai. Am Sonntag fand unter «wattiger Teilnahme der Bevölkerung der ganzen Umgebung die Beisetzung der Leiche des aus dem Osten überführten Leutnants der Artillerie elugust.Weber, Sohn des Forsttneisters und Landtagsabgeott-- neten Dr. Weber in Konvadsdorf, statt. Nachdem im Hanse für die nächsten Angehörigen eine Tvauerwidacht durch .Kirchenrat Dekan Münch stcrttgefunden hatte, fand >die eigentliche Trauerfeier ans dem Friedhof statt. Nach der Gräbredc folgte rwch eine An­sprache eines airs dem Feld zr:r Beerdigmrg entt'cnchten Offiziers tx£ Regiments und eine solche vor: Lehrer Hauser-Selters, der für die Gemeinde und den Kriegerverein Selters sprach. Tie Trauerparade und Musi? wurde vom Jns.-Regt. Kaiser Wilhelm Gießen gestellt. Forstmeister Dr. Welnu und seine Frau stifteten zum Andenken an^ ihre beiden fürs Vaterland gefallene): Sohne emen Ehrenhain für sänttliche aus Schotten gefallenen Kne- ger, auf dem später eine Gedächtniskapelle errichtet werden soll.

Kreis Friedberg.

bz. Butzbach. 2. Mai. Leutnant der Reserve Häuser wittdc zum Oderleuttiant der Reserve befördert. Dem Fahrer Ernst Heilmanu, einem Sohn der Witwe Hellunrnn auf der Oes hei Hausen, der seit 27 Monater: ununterbrochen im Felde sttht, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Die Hessische Tapfer- keitsMedaille erhielt er schon vor längerer Zeit.

bz. K i r ch - G ö n s, 2. Mai. Der Pionier Wilhelm Ha n k e l (Sohn von Streckenarbeiter Wilhelm Honkel, bei einer Nsen- bahnbetriebskompagnie, erhielt das hessische Kriegsehrenzeichen am .Kriegsbande und dos Eiserne .Kreuz 2. Kl.

Kreis Wetzlar.

va. Wetzlar, 2. Mai. Stabsarzt Dr. Abeö anS SSQflkrr Jmrcbc mit dem Eisernen Kreuz 1. Kl. ausgezeichnet. Seminar- drvektor Ofeoth, Rektor Richard und Stadtverordneter Fr. Ger!ach ist das Verdien stkreuz ftir KäieasHilfe verliehen worden.

ra. Hohensolms, 2. Mai. In sämtlichen Gemeiriden der Bürgermeisterei Hohensollns ist jetzt die Zusammenlegung der Ländereien durchgeffihrt.

Hessen-Nassau.

rr-r ^ Eschwege ü. d. Werra, 1. Mai. Auf der benachbarte« Eisenlkahnstation ArenslMnsen der Strecke NordhausenCassel stürzte heute ein Güterzugöremser von dem fahrend«: Zuge ab, geriet unter die Räder uüd wurde durch Uebersahren getötet.

r - ^' surt a. M., 2. Mai. Wieder macht sich die all-

gemkrne Kohlenknappheit auch in unserer Stadt übel bemerkbar. Dre Gasgesellschaft iveist in einer Bekanntmachung darauf ffen* daß ihr wegen Gasmangels nicht möglich ist, neue Leitungen zu legen, so daß viele Haushalttngen, die sich bisher n:it den geringen Rcengen Petroleum durckchalfen, nun gar nichts mehr zum Beleucht der Wohnräume haben. Es sind auch Erwägungen im Gange, ob dre Gaslieferung nicht an einige:: Nachmittagsstund«:, ähnlich m Kassel, ganz eingestellt werden soll. Die Stadt läßt jetzt zur besseren Ausnutzung der mrs den Militärschlachtungen anfallen­den Knochen das Fett aus mechanischem Wege ansziehen oder verwendet sie zur Bereitung von Suppen ex träkt. Die Schwer­arbeiter, die bisher mit Knochen beliefert wurden, erhalten dieses Fett und Suppenextrakt an Stelle der K))ock>en.

]\ 1. Mai. Der Haushaltsvoranschlag

der Stadt Marburg für das Jahr 1917 wurde von den Stadw« - ordneten beraten und schließlich nach einige:: Abstcicheri in Ein­nahme und Ausgabe mit 1 755 240 Mk. festgesetzt. Me Deckung er- felgt durw 1002 490 Mk. eigene Einnahme:: und 752 750 Mk. Steuern, lim diese später nicht allzu hoch schrauben zu müssen, wurden die Zuschläge zu den Grund-, Gebäüde-, Gewerbe- und Betriebssteuern von 182 Prozent und die Zuschläge zu dec Ein­kommensteuer von 180 Prozent auf jüresmal 200 Prozent erhöht. D:e StcuerauSgleichSkaffe soll nicht in Anspruch genommen toerden. Bemerkt sei, daß der Magistratsanttag, 2400 Mk. für einen anzu- stellendcn Berufsvormund einzustellen, mit allen gegen drei Stim­men abgelehnt wurde.

vevmksehteA.

25 Jahre D-Zug. In der Nacht vom 1. zum 2. Mai feHr«i aus der Halle des BahnhofesBerlüi und dem im Bau begriffenen KölnerZenttal-Bahnhof" je ein seltsanier Zug, kveuzten sich zwischen Bvmmschtveig und Helmstadt und dampften dann gen Ost ünd West weiter. Es waren die ersten deutschen B^Zuge; dre Behörde nannte diese Neulinge allerdings schlicht Schnellzug 31 und 32, die Bevölkerung taufte sie mit dem poetv- Reimen Blitzzug". Drnn hießen die Züge lange Jahre im Bvllsnrunde ,,Harmonika"-Züae", so gemvmt nach den gefeilteten ^Werbalgen, d:e dre ganze Wagenreche zu einer braunschtvarzen Em'heit zusammenfaßden. Die voettscheu Namen Blitzzug und Hor- monitzzug sind längst vergesse::. Derm schon nach kurzer Zeit er­fand die Eisenbahnbehörde den treffenden Namen D-Zug, wobei aber cmmfyit sein soll, daß der Amtsbegriff heutezuschlagt Pflichtiger Schnellzug" lmttet. D-Zug ist Durchgangszug. Sernr neue Idee, übrigens amerikanischen Ursprungs, lag in Durch, gang, ru, der Verbindung von Wagen zu Wag«: über geschützt: ciferiie Lausbrücken. Lange vievachsige Abteilwagen mit einen: Durchgang, der es gestattet, während der Fahrt von Abtell zu Abteil, von Wageju zu Wagen zu gehen.' Man konnte sich in den D-Zügen ergehen, konnte bequem an Tischen der rollenden Gast stätte behaglich speisen, trinken, rauchen, uni> lesen wie daheiu:. Vom weißgedeckten Tisch des Speifeivagens säl> man die Land schaff silmarlig vor sich abrollen. Der D-Zug inochte das Reise:: zu einen: ästhettschen Genuß. Er selbst aber lvar eine Kulturtat und hob das Reisen zu Land auf die höchste Stufe. Und wie hat sich seit 25 Jahren der D-Zug technisch vollendet. Der Mittelgang wich denl Seitengang, aus Vierachser:: sind Sechsachser geworden' bte Sichercheitsvorrichtimgcn stehen in höchster Vollendung, die Schnelligkeit wuchs und die Länge der Wogenreihe. Vor 25 Jahre:! rollten 12 D-Wagen über Deutschlands Sckffenenwege, heute sind's mehr als 3000. Das Silberne Jubiläum des D-Zuges ist ei:: Gedenktag, dessen man sich trotz dieser ernstesten aller Zeiten t*m Kerzen freuen kann, als einer Großtat deutscher Kulttir :nrd deut­scher Technik.