Kr. 102
Zweites Blatt
lbr. )ahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«.
Beilagen: „Girßener Kam'lienblMer" und ,,Ureisblatt für den Urei? Siegen".
Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. ttös». Vankverkehr: Sewerbedan! Gietzen.
Ans Stadt r»«rd Land.
General-Anzeiger für Gberhefirn
Mittwoch, r. Mai M 7
Zwillingsrundoruck uud Verlag: Brüht'scheUinversttätZ-Buch-u.Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
5christlriiung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstrage?. Geschäftsstelle ti. Verlag:
Schriftleilung: ^ 112.
Anschrift für T ra htnachrtchten: AnzeigerGießen.
dienen, 2. Mai 1917.
An Hessens Frauen.
%cz ötffifd>e Lan d e s a us f tt) u 3 1 ür Frauenarbeit im Kriege erläät nachstehenden Aufruf:
Wen:: nach Beendigung dieses Weltkrieges die deutschen SÄ&mter ir.t Vollgefühl erfüllter Pflicht dem geliebten Vaterland gegenilber ihre Waffen nieder!egen werbm, so rvollen mir deutsche Fräuon nicht zurückstehmt müssen ckrdem Gedanken: mir gaben nid)* unser Bestes, Mir hätten mehr leisten müssen. Biele unter uns sind jetzt schon unermüdlich tätig in Liebe und Fürsorge für die vom Krieg Betroffenen, aber eine große Anzahl steht noch fern und glaubt, das Actterllntd bedürfe ihre Hilfe nicht. Dem ist aber reicht so, denn trur weirn alle crn ihrem Platze ihre gcrttze Kraft ztmr Besten «unseres geliebten Vaterlandes ein setzen, '.wird es möglich sein, die Truppen an der Front so m ergänzen, was; der deutsche Gedanke sich behattpdett und samt vollen Siege gelangest kamt. Vielseitig sind die Aufgaben, die von dar btnil:fcC>ert Frauen erwartet werdet, doch konrmt es nvcht darauf an, m» sie stehen, sondern nur Mas sic an ihrer Stelle leisten, sei es außer dein Hause in den VüunitionSfabriken, in der LsMvirtschaft oder im Hause, als HanSsvau und Mittter, als .Hüterin frentder anver- Lt^tutec Kcktder, als Beanttin oder Arbeiterin, Pflegerin oder Fürsorgerin: nur darauf Lomntt alles an, daß sie taternrüdlich treu als deutsche Frau ihre P flicht erfül l t.
Hessens Frauen hadert sich im Hessischen Landesansschnß für Frmnmarbeit im Krieg znsamntengeschlossen, um als Sttitztmull der Kriegsanrtsstellt des 18. Armeekorps ihrer sreimilligen Zivil- dienstpslicht nachzuknnmen. Ihre Königlich: Hobelt die Fran Groß- lx'rzogüt hat sich «jt die Spitze des Landesausschlsses gestellt und frrHect alle Frmven ihres Landes auf, il/r zu folgen und sich voll n.nd gmtz ernzicketzen, gilt es doch, Sern oder Nichtsein unseres^ detitschren Baterbuches.
, Frauen mrd Mädchen werden gesucht für folgende Arbeits- gebirete: in der Kutd^rfnrsorge, bei t»en Kriegsspei st mgen, in der 'Burwrutätigkeit sozialer Fürsorge, Wohnungsfursorge für Fabrik- arbeiterinnen, ck: dctt Scrmtnel- und Berwertnngsstellen, in der Uebernahme von Haussrauenarbeit in ländlichn Betrieben, bei '»er Verteilung von Lebens mittel karten u. a. m. Nicht Zeitvertreib. sondern ernste Arbeit wird gefordert, daher ist auch Verpflichtung für bestimntte Tage und Stundest mtbedingt erforderlich. Vteldungen haben bei den jeweiligen Fürsorgevermitt- ltmgsstell-en in §>en Städten zu erfolgen, können aber auch bei den: .Hessischen Landesausschus;, Darmstadt, Neues Palais, eingereicht werden, der sie dann <rn die richtiam Stellen weitergeben wird.
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Zur Gießener Milchversorgung
schreibt nurn uns aus unserem Leserkreise:
Zweifellos ist mit der Verteilung der Milch auf die StadtbevÄkeruntz den städtischst Verwaltungen eine ganz besonders schwieri-ge Ausgabe gestellt worden. Die nötigen Vorräte vom Lande regelmäßig hereinzubringen, erfordert sicherlich ein hohes Maß von Tatkraft und Umsicht, und bei der Magermilch öo.'nmen noch die Schwierigkerben hinzu, die sich mit deren längerer Konservierung verbinden. Trotz alledem scheint der Wunsch irur allzu berechtigt, daß das zurzeit in Gießen übliche Verteilungsverfahren einer gründlichen Umwartdlung unterzogen wird. Bekanntlich erhalten gegenwärtig die Bewohner jeden Stockwerks alle zivei Tage zwei Schoppen Magermilch zugeteilt. Dabei wird aber die Kopfzahl der einzeluen Familien in keinerlei Betracht gezogen, so daß z. B. zwei einzelsteherlde Damen die gleiche Milchmenge erhalten, wie ein^ans 6—8 Köpfen bestehende Familie. Dieft Berkürziuig, namentlich von Familien mit einer größeren Zahl von schnlpstichtigen Kindern unterliegt zweifellos, mag man sie vom sozialen Standpunkt ober von dem der Bevölkerungspolitik aus betrachten, den allerschwersten Bedenken. Nur wirklich unüberwindliche' Schwierigkeiten dürsten davon abhalten, unsere Heranwachsende Jugend, auf der die Zukunft unseres Volkes beruht, bei der Versorgung mit Milch auf Kosten anderer zu kurz kommen zu lassen. Gerade so gilt esj nröglichi war, durch Ausnahme Her Zahl der Stockwerke den nötig-err Milchvorrat festzustellen und dessen Verteilung zu regeln, ebenso gut muß sich eine Rationierung nach der Kopfzahl der einzelnen Familie durchsetzen lassen. Die Angelegenheit ist für die Sache der Volksernährurtg und der sozialen Gerechtigkeit von so einschneidender Bedeutung, daß ein etwaiger derzeitiger Mangel an Personen, die für die Durchführung eines neuen Verteilungsverfahrens nötig sind, kein Hindernis bilden darf. An geeigneten .Helfern, die ehrenamtlich oder gegen Vergütung dem Lebensmittelamte für diese Angelegenheit ihre Dienste tvidmen, wird es sicherlich nicht fehlen. Bei einer Neuregelung wird alsdann auch anznord neu sein, daß bei der Verteilung der Magermilch auch deri- jenigen Einzelpersonen und Familien, die bereits Vollmilch zngeteilt erhalten, dieser Bezug künftig angerechnet wird.
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^** Gegen die Kleingeldhamsterer. Die „Kölnische Dolrszettung" läßt sich aus Berlin melden: In den letzten Tagen waren verschiedentlich Gerüchte verbreitet, als ob in Bälde mit irgerw einer Maßnahme zu rechnen sei. die sich gegen die Hamsterer von pdetallgeld richte. Es war in diesen Gerüchten ausgesprochen, nutz rrgerw eine gesetzgeberisch Maßnahme den Hamftercrtt ihre Borrare entziehen würde. Von zuverlässiger Seite erfahren wir tzterzu: Tatsaa-lta) bestehen im Reichsschatzamt Erwägungen, die daraus ab zielen, der Hamsteret vott Metallgeld endgültig und inög- entgegenzutreten. Es scheint als nicht sehr unwahr- wieinltch, daß der Wieg desäwitten werdet: ivird, durch Gesetz Außerkursietzung alles deutschen Metall- ittib Kupfer angefertigt ist, anzuordnen. Eine fttrze rNcht wrrd zwt)chen der Veröffentlichung pnd dem letzten . >5* OHiltigfert liegen müssen, um Schwierigkeiten ne.b Mög-
E-^^Mbeugen. ASlenn das außer Kurs gesetzte Geld noch
f ^ arn fi crcr bleibt, besitzt es nur twch deit Metall-
\r M- rt <rr;T$ aI>cr bekanntlich wesentlich niedriger als der Munzwert Auch dariLer schweben Erwägungen, wie es zu
^d?.^M^r/?l^ePersonen vor den Strafrichter $u zitieren, bcm Schwierigkeiten schaffen — |ic)e Maßnahmen bringen zweifellos die Notivertdigkeit mit sich.
w ^ oni ? berzustellen, um so Wechselmünzen
tu verstärktem Maße tu llmlaus zu setzen.
. Landkreis Gießen.
oO- dkprit. Heinrich Mohr und
DtLditsmL- ™ 2^°^- -rMten die Mf.
g- u ® x ® 6 e 11 i^ Mai. Der Kanonier Vhili pp
" welcher ><hon lett Krtogsbegrnn im Felde steht, nnd >?-'>. vlt auf allen -Mtegsschauplatzen kärnpste, ivnrde tveactt ^ r - ^L^nde nttl dem Eisernen Kr^uz
-L Kl. ausgeMchnet. Sem Bmder Wilhelm, weicher auch bei
Kriegsbcginn ins Feindesland rückte, befindet sich schon seit 1915 in französischer KriegSg-esangettschaft. — Durch die Grkrabmg des Lehrers Neumann wurde die erste Lehrerstelle Lehrer Re pp, welcher bisher in Offenbach tätig Mir, übertragen.
i. 5) a t t c n r o d, 29. April. Ernst S i nt o n, in einem Inf.-Ncgl., wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.
^ -m. Langd, 30. Aprtl. Dem Gardefüsilicr Hcrm. Frank, Sohn des hiesigen Forstivarts, wurde für tapferes Verhalten cutf Vorposten das Eiserne Kreuz 2. Kl. verliehen. Frank steht seit vergangenen Herbst im Felde. — Landsturminann Otto Fritz von hier, wird, nach eitrer Meldung von seiner Kompanie, seit detr letzten schroeren Kantpfen in Frankreich vermißt. Wahrsck-einlich ist er in Gefangenschaft taeraten.
e. No n nenro th, 30. April. Dank dem Entgegenkommen einer Anzahl Familien korrnten hirr tmd in dem benachbarten Röthges dieser Tage 22 Ofsenbachcr Kinder für die Dartcr der Sommerinvnate untergebracht tverden. Es lxrndelt sich um 12- bis 13jährige SckMer und Schiilerinnen, die bei Haus- und Feldarbeiten mithelfen und dafüc verköstigt werden sollen.
h. O d c n h a n s c n , 30. April. Der älteste Sohn imsercs Lehrers 5) ö ch st wird seit den letzten schweren Käntpfen an der Aisne vermißt.
h. Rüddin gshausen, 30. April. Lehrer Engel von hier wurde zum Unteroffizier befördert.
** Rüddingshausen, 29. April. Der Gefr. d. Res. Daniel Zahrt, toelcher schon seit Anfang des Krieges tm Felde steht ttnd im Jahre 1915 schon die Hessische Tapferkertsmebailke bekommen l)attc, ttrurde dieser Tage auch mit dent Eisernen Kreuze ausgezeichnet.
4tS t o ckh a u sen, 30. April. Zitm Leutnant der Reserve befördert wurde der Lehrer Mache l.
r. W e i t e r s h a i n, 1. Mai. Die hier vewnstaltete Sammlung H i n d e il b u r g s p e it d e braäste nachstehend-es Ergebn e: 7 Pfd. Speck, 3 Psd. Butter, 207 (£br, 34 Pfd. geschälte Gerste, 141/2 Pfd. Haserflockcn, 14 Pfd. Mehl, 211/2 Pfd. Dörrobst, 4 Pfd. Grieß, 50 Pfd. Marmelade, ein Faß Sauerkraut und 5.20 M. in bar. — Dem Gefreiten Sann >iv-trde das KriegH- ehrenz-eichlen am Kriegsbande verliehen. Er steht seit KriegSbeginm. bei einer FÄd-Fliegerabte iltrng.
Kreis Büdingen.
# L 0 rbach, 30. April. Die Silberne Verdienstmedaille erhielt nach vierzigjähriger treuer' Diensterfüllung die hiesige Hebamme Elisabeth Nagel.
41 Orleshausen, 30. April. Das Eiserne Kreuz erhielt der Gefreite Peter Kaffe n b e r g e r.
& Ortenberg, 30. April. SanilälsnnterossMer M ei st e,r von hier, Inhaber des gleichatamigen ^llcidergeschäftes am hiesigen Platze wuiche anläßlich des Regierungsjubiläums des Großherzogs mi tdcm hessischen Kriegsehrenzeick^cn ausgezeichnet. Meister steht seit Kriegsbeginn in einem Reservelazarett in Osfenbach-Maintur.
Krris Alsfeld.
oz. Vadenrod, 1. Mai. De Hanssammlung für die Hind-enburgspende, welche gestern und henre in unserer Gemeinde durch hiesige Schulkinder vvrgenotnmen »werde, hatte nachfolgendes Ergebnis: 340 Eier, 6V2 Pfd. B:itter, 11 Töpfe sNits, 4 Gläser Gelee, 3 Laib Brot, 29 Psd. geschälte Gerste, 10 Pfd. Dörrobst, 10 Pfd. Grieß, 24^2 Pfd. Mehl, 3 geräucherte Würste, 1 Pfund Speck. Sämtliche Lebensmittel wurden unentgeltlich abgegeben. — 2 Mcchck/en aus Berlin und 5 Knaben Mts dem westfälischst Industriegebiets stniden bei Landwirten unserer Gemeinde Aufnahme. Die Kinder besuchet die hiesige Volksschule. — Eine rege Tätigkeit im Sammeln von Abfall stoffen, die der Kriegsindustrie zugute kommen, entfalteten, unsere Schulkinder. Mde Metallrcste, wie Fensterblei, bleierne Uhrgeirichte, zerbrochene Löffel, Messinghülsen, Abfälle von (üummiballen, Luftschläuchen u. dgl. tragen sie in die Schicke, um auch schon so am großen Werk der Vater- laitdsverteidigtmg mitznhelfnt.
Zell, 29. April. Die vor eckva 30 Jahren stillgelegte Braunkohlettgrube in dcr hiesigen Gemarkung wird von einem Bres- lmter Unternehmer wieder in Betrieb gesetzt. Für die Kvhtenföroe- rrtitg sind Neuanlagen geplant. Die Grnbe versorgte ehedem die Umgebung mit Kohlen.
Kreis Lauterbach.
, Z. Grebenhain, 30. April. Unsere Schule tvar durch den Krieg fast ganz verwaist, da imser L-ehrer Seling, welcher die obere Klasse leitete, alsbald nach Kriegsausbruch einberufen wurde uud im Herbst 1914 schon in Frankreich ftel. Lehrer Stcuer- nagel, NTelcher der untersten Klasse Unterricht erteilte, stellte sich freiwillig in den Denst des Vaterlandes und fiel ebenfaUs 1915 in Frarrkreich. Der Unterricht für die mittelste Klasse nntrde von Lehrer Schaeg erteilt. S>o kam es, daß fortwährend die beiden erwähnten Klassen bald von diesenr, bald vmt jenem Lehrer Unterricht erl-ielten. Jetzt aber scheint eine feste Bestimmung hierin getroffen zu sein. Der oberen Klasse erteilt Lehrer Vvgel aus Veitzl-ain Unterricht, während die untere Klasse nach Ostern eine Lehrerin erhalten hat.
Kreis Schütten.
□> Laubach, 30. April. In den letzten schweren Kärnpsen an der Westftont hat es auch wieder unter den Kriegern unserer Gemeinde Verluste gegeben. Den .Heldentod fürs Vaterland starben der Kanonier Heinrich Scharf und Weißbindermeister Wilhelm Des ch. Seit Ende März galt Ersatzreservist Friedrich D i e h l als vermißt, seine Angehörigen erhielten nun Nachricht von ihm aus ftanzösischcr (^Gefangenschaft. Von Unteroffizier Hermamt Schneider, der gleichfalls vermißt wird, ebettso von Leutnant Wilhelm I 0 ch e m, der sich nach Aussagen seines Burschen in französischer Gefangenschaft befindet, ist noch keine Nachricht cingctroffen. Ein ehemaliger Schüler des hiesigen Gyntnasiums, Leutnant der Reserve Gottbold Scribla, Jnhaber^ des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapslerkeitsmedaille, ist den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Kreis Friedberg.
nz. Bad-Nauheim, 1. Mai. Prinz Friedrich Leopold von Pveiißen Sohn ist, aus Kleiti-Glieickcke kommend, wieder in VcrH-Nauheim zum Kurgebrauck) eingetroffen und hat, gleich dem Vorjahr, in Jeschkes Grattd-Hotel Wohnung genommen.
41 O ber - E s chb a ch , 30. April. Zur sechsten lkriegsanleihe zeichneten die Schüler beider Schulklassen 8500 Mk. Bei der fünften waren es 7500 Mk. und bei der vierten 5300 Mk.
Hessen-Nassau.
— Bad-Soden i. T., 1. Mai. De Gemeiitdevertretuug gewährt jedem Einwohner, der sich bis zum 30. Junt von auswärts eine Milchkuh anschafft, eine Prämie von 200 Mk. Nach dem 1. Juli toird eure Bclohmntg von 100 Mk. ausgezahlt.
X H a n a u , 30. Aprck. Die im vorigen Jahre von der Kasseler Landwirtschaftskammer durchgeführten Maßnahmen zur Förderung der Ziegenzucht haben zu dem erfreulichen Ergebnis geführt, daß die Ziegenbestände fich im Regieriingsbpzirk Kassel um 13 170 Stück vermehrt haben. An erster Stelle hat im vorigert Jahre die Ge- tvährung einer Auszuchtprämie von 5 Mark an die Besitzer solcher weiblichen Ziegenlämmer gestanden, welche diese bis zum Alter von 6 Wock>en aufzogen und dann an einen anderen Ziccvmhalter zur Zucht verkauften. Der mit dieser Aufzuchtprämie t>erbundene Zweck, einen Anreiz zu ntöglichst umfangreicher Aufzucht zu geben, wird in diesem Jahre durch das allgentein erlassetre Schlachtverbot für tveibliche Ziegenlämmer erreicht. Es können Häher die Auf- zuchtprämren in diesem Jahre in Wegfall kommen. An Stelle der
Auftuchtprämien beabsichtigt die Landwirtfchaftskainmer in rwch stärkerem Maße als im Vorjahre Mittel für die Prämiierung von gatten Bock- und weiblicheit Lämmern auf dert tm Lccttfe des Vimtals Juli wieder in jedem Kreise des Regierungsbezirks Kassel ftatt- sindcnden Ziegenlämmermärktcn zu verivenden. Um einen stärkeren Anreiz zur Besckstckung der Märkte ztt geben, sollen die Mittel für die Prämitcrimg erhöht werden. Für den Attkauf tvertvoller Zuchtböcke aus anderen Zuchtgebieten, insbesondere für mehrbe- sckiaffte Böcke im Vergleiche zum Vorjahre sollen wieder Staats- oeihilfen gewahrt werden.
-ul. Limburg, 29. Wril. De gestrige Städtverordnetew- versantmlung genehmigte «zunächst eine Magistrats Vorlage bett. Erlwhung der Teuerlingszulage für die städt. Beamten mtd Ange Itellten. Auch bewilligte sie für die iMädchenfortbildungsschtüe euren Zusckmß von 250 Mark, desgleichen für die gewerblick>e Fort- bildttngsschulc. Bei der.Berattmg des Etats für daS Jahr 1917, der in Einnahme und Ausgabe mit 2 555 143,79 Mark abscbließt, kam es zu einer sehr erregten Aussprache über das jetzige Si-stem der L e b e n s m i t t e l v e r t e i l u n g. 'Verschiedene 9-edner eck- klärten cnlliegen den Versicherungen des Bürgeonteisters die jetzige BerteilungSart durch städtische Beamte für verfehlt, einerseits, weil dadlttrch die Peamten ihrer eigerttlichen Beschäfttgwng ertt- zog eit werden, atiderseits die Verantivortung für die gerechte Verteilung aitf tzn wenig Schultern rulst. Die Versamntlung -miyux naheztt einslirnmig folgende Entschließung an: „Die Stadtverordneten versaminttmg wibrscht, daß die jetzige Oebensmittelverteisung der Stadt Limburg solveit als ntöglich durch den Handel der Stadt erledigt wird, und ersucht den Värcnstrat, ccksbald dahttigehende Schritte zu tun uitd dem Kollegium Bericht zu erstatten."
[] Marburg, 30. April. De Vertretung der Professvrrit der juristischen Fakultät, Bredt und Wolzendorsf, hat der Geh. Oberbergrat Pros. Arttdt, früher Ordinarius in Königsberg, über- nomtnen, während zuut Vertreter des ordentlick>en Professors der Geographie, Dr. Schultze-Jcna, der a. 0. Professor an der Universität imd Abteilungsvorsteher am Institut für Rieereskunde tn Berlilt, Dr. Mfted Rühl, in Aussicht genommen ist.
£ Aus beut Kreise Marburg, 30. dlpril. Die Frühjahrsbestellung Mis dem Lande ist jetzt bis auf die Kartoffeln beendet. Sie 'konnte bei der attdauerrtdcn Bodenfeuchtigkeit flott vor sich gehen. De Wintersaaten haben sich besser entwickelt, als man anfangs dachte. Bon den Futterpflanzen ist zu errvähnen, daß sich besonders 5Aoe recht gut entwickelt. Von der Baumblüte ist bis jetzt nock» nichts zu säheit. Die Obstbärrme, besmtders die^ Birnen. l)abett jedoch recht Mt angesetzt. Fachkundige sind der Attsicht, daß in dies ein Ighre .eine besonders grttc Obsternte in Aussicht stehe. — Das Danimsche Gut in Gisselberg, das jetzt von einem Mar- bnrgec Kauffnann 'namens Weinberg angekaust wurde, soll dem Vernehmen nach vereinzctt werden.
ra. A n s d e m S ch ö f f c n g r u n d , 30. April. Seit einigen Wochen sind in den meisten Orten des Sawffeng rundes Seminaristen mtd Gtzmnasiasten al§ Hilfskräfte in der Land- wirtschast tätig. Auch diejenigen unter ihnen, die aus der Stadt stamnien, ha bau überraschend schnell die ländlichen Arbeiten, wie Pflügen und dergl. gelernt und bieten jetzt schoit den Landwirtett eine ^wertvolle Hilfe. Zahlreiche Laitdwirte, die erst der Sache .mißtrauisch gegenüberstanden, bitten jetzt ebensatts um lleberlassung von Schülern, dein aber meist nicht mehr eittsprock-en werdet: kann. Auf den größeren Orten wohnt ein Lehrer der betr. Anstalten, welcher die Anfficht führt. Voraussichtlich wettwn die jungen Leiste bis Ende Oktober auf dem Lairde bleiben.
‘Uivtht unb Sch«le.
h. Grünberg, 1. Mai. Am 30. April fand im Sitzungs- saale der Bezirkssparkasfc die diesjährige Synode des Dekanats Grünberg statt. Sie Ivurde eingeleitct durch eine Andacht, die Pfarrer Steiner-Teckenbach hielt. Der von Dekan Rösck>cn erstattete Jahresbericht ergab eine Zunahme der Trauungen und eine starke Abnahme der Taustn gegetiübcr dem Vorjahre, dicht Ehen bliebett ungetvmst. Obgleich der Abendmahlsbesitch zunahm, war ein Rückgang des Kirchertbesuchs, der hauptsächlich durch die Sviru- tagsarbeit der Arbeiterbevölkerung veritrsacht Ivar, zu bemerken. An Gaben christlicher Barmherzigkeit wurdet: 54 021 Mk. auf- gcbrackst. 9Lack>dem eingehend die Ausnahme von Industriekindent in_ den Gementdet: des Dekanats besprochen worden mar, ergriff Pfarrer Siebeck - Merlau das Wort zu seinctn Vortrage über: „Wie ehrett unsere Gemeinden ihre Krieger, insbesondere die Ge- fällenen?" Der Redner gedachte zunächst der heim kehrenden Krieger, die ^nickst in artSgelassenen Festen gefeiert werden können, während in so vielen Häusern die Trauer eittgekehrt ist. Wie man bei Beginn des Krieges in die Kirchen strönste, so werdett bei seiner Beendigung die .Heimkehrettden in würdigen kirchlichen Feiert: am schönsten geckl/rt. Ebenso müssen die Gefallenen würdig geehrt werden. Der Redner bekämpfte die oft in überschwänglichen Wörtei: nnd oft fraglicher.Poesie abgefaßten Todesanzeigen in den Zeittingen., Würdige Sckstichtheit ist hier am Platze. Bei da: GedächtttiSfeiern ist es eine schöne Sitte, eckten Mirtmkranz zum Gedächtnis des Gefalletten im Gotteshause aufzuhängen. Angehörige ehren ihre Gefallenen cnn schönsteit durch Stiftungen aller Art, sei es, wie schon geschehen, von gemalten Kirchenfenstern oder eckter Turmuhr, wie in Lisberg, sei cs in einer Kapttalsttftung zur Unter- Mtzimg armer Krieg ^Hinterbliebenen. Mit der Errickstung bescheidener, künstlerisch auSgeführter Ehretidenünäler tvird man bis zum Frieden warten. Den lehrreichen, den Swff erschöpfendet: Aitsführungen folgte eine kurze Aiitssprache. Zuletzt erstattete Pfarrer Steiner den E»eschäftsbericht der Dekan« ts kranken- pflege. Im Anschlüsse daran wurde beschlossen, in deti Gemeinden des Dekanats eine Kirchenkollekte für die Dekanatskrankenpflege zu erheben. Außerdem wurde der Pflegesatz mit Wirkung vom 1. Juli d. Js. auf 0,75 Mk. ffrr die Tagpflege und 1,50 Mk. für die Nachtpflege festgesetzt. Ein gemeinsames Msttagessen vereckngte die Sbnoden sckLießlich im Gasthaus „Zum Hirsch".
Es starben an
Zus.
DScheM. Aedersicht örrLsdersZZe i. d.RM Mrtzen.
13. Woche. Bon: 25. bis 31. März 1917. Einwohnerzahl: angenommen zu 33100 (inkl. 1600 Mann Militär!.
Sterblichkeitsziffer: 34,60'/,,.
^ Rach Abzug von 13 Ortsfremden: 14,13'/,..
Er- Kinder
wacklene ^nr-LebenZ- vom 2 .bkS
uaujicne 15. Jahr
Altersschwäche 3 (2) 3 (2) - J
Tuberkulose der Lungen 1 1 — _
Lungenentzündung 1 1 — _
Krankt), der Atmungsorgane 1 (1> — — j /n
.. des Herzens 2(1) 2(1) — _
Gehirnscblag 3 (1) 3 (1) — _
Anderen Krankheiten des
Nervensystems 5 (5) 5 (5) — _
Krankheiten der Harnorgane 4 (2) 4 (2) —
Krebs_ 2 (1) 2 (1) — _ j
Summa: 22(13) 21(12) ~ T(i)‘
i § in KlamEn gesetzten Ziffern geben an, wie viel
betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießet: gebrachte Kranke kommen.
Veröffentlichung des Großh. KreisgesundheitLmnts Gießen.
Dr. Walger. Med.-Rat.


