Arr» Stabt unS Land.
®it&en, 23. Mai 1917.
Humor und Spieltrieb in der deutschen Sprache.
Bestem abend sprach in dem Großen Hörsaal der Universität Über dieses Thema Geh. Hofrat Professor Ar. O. Behagihel. Der Vortrag war veranstaltet vom Deutsclm: Sprachverein und fand zahlreiche Hörer. ^Der Bortragerrdc erläuterte zunächst die beiden Hauptsormen der Sprache: die des Kindes und die des Erwachsenen. Die Sprache des Kindes ist eine Ichspractze, sie verfolgt keinerlei Zwecke und ist als ein Ausfluß des Spicltriebs aufzutfassen. Die Spraäc des Erwachsenen dagegen ist ein bewußtes Werkzeug: sie dient der Mitteilung. So groß der Gegensatz zwischen beiden auch ist, so g:bt -es doch Zwischenstufen. Und drese Zwischenstufen entstehen aits dem Spieltrieb Erwachsener, derer: einfachste Forn: wir in den Znteriekiionen vor uns Hab««. Der Spieltricbi ist ein Ausfluß des KvaftüberschrtsseS, des Ueberombes; so z. B. bei bem rhythmischen Lautsviel, das wir in den Kommersliedern finden: juvivallera usw. Bezeichnend.ist der Vokalreichtuin; unter den Vokalen selbst über- wiegt das a, —
Komisch wirkt die Verletzung der Sprachgesetze. Sic entsteht entweder ourch Streckformen, aeändertc Vokale, veränderte Konsonanten, Durchbrechung der Wo r Wiegung oder durch willkürliche Aendcrungen der Satzfügung urw Atischung verschiedener Sprachen. Ein Vokal wird gespalten. dazwischen ein Konsonant oder gar ein ganzes Wort eingefügt (Kladeradatsch aus Klatsch; bediaduselt ans beduselt — betrunken). Ent oder weder statt entweder oder. Die M-ychc des Kranikus statt die Kraniche des Jbhkus. Lakal statt Lokal. Sab ul statt Säbel usw. Als Durchlbvechnng einer Wortbiegung seien erwäfttt: gemorken statt genrertt; unrlgebrungen statt umgebvcrcht; lus statt las; s>u.ff statt soff. Auch das Bindewort „und" kann zu spielenden Zwecke:: gebraucht werden. Heine rühmt eine durch seine Würste und Universität berühmte Stadt. Da die Ab- kürzung m. solvohl Mark wie Meter bedeuten kann, hat sich ihrer sofort der Spieltrieb bieuräMigt und redet von einer Flasche Wiein zu einem Meter. Um den Berliner zu verulken, der mir und mich stets verwechselt, behauptet man, er sage Kasrnrich statt Kasimir. Durch zeitlick^es Nacheinarcker kann ckbensalls humoristische Wirkung erzielt werden, wenn einer bei M. innehält, so daß man auf Mund und Maul zugleich schließen kann. ^
Ziemlich geläufig sind die Mischungen verschiedener Sprachen: Kapuzi.nerredc im Wallen stein.. Auch im Gesang des Kommersliedes ist sie Ml finden: o tempora, o mores. Mischungen verschiedener Sprachen in einem Wort liegen vor in Fressalien, Dichteritts usw. Wie weit nvan hierin geben kann, zeigt die maccaronische Dichtung. Auch Schriftsprache und Mundsprache können gemischt werden. Hnmoristtsch wirkt ferner, wenn Jnl>alt und Forrn nicht im Einklang stehen: z. B. das Epos für eine alltägliche Handlung, oder umgekehrt: wichttge Ereignisse in schnodderigen Reimer:. Auch das Uebermaß von Uebereinsttmmung ist auffallend und kaun zu komischer Wirkung verrvandt Werder:: Boden-Bodensee; Ur-ur-ur- wald, techtclnmechteln usw. Dieselbe Wirkung wird erreicht durck Umstellung und Kreuzung bei der Wiederholung: Liebe ist ein Alles, was ein Nichts, Ein Nichts, was du Alles ist. Hierher gehört auch der Scl-üttelreim: Im Jodell: ist der Steiermärker', Fm Jüdelu ist der Meier stärker.
Auch Sprachfehler können unter Umständen iv.inffch wirken. Für das unbewußte Zerstören des Nichtigen durch fehlerhaften Druck sorgt ja der Druckfehlerteufel. Und wie es dem geschriebenen Wort ergeht, ergeht es auch dem gesprochenen.^ Daneben tritt mitunter durch Versprechen aus Gedankenlosigkeit Humor zu rage.
Vielfach finden sich in der deutschen Literatur, im Ronran wie im Drama, Fälle, wo die falsche, Anwendung oder Aussprache von Fremdwörter! und -sprachen gegeißelt wird lschon Gryphrus: .Harri- bilkkribrifar). Aber -noch immer ist in Schrift wie in Sprache unser Deutsä) reichlich mit fremder: Bestandteilen durchsetzt.
Am Schlüsse seines Vortrages erhoffte deshalb der Vortragende, dessen Ausführungen reick)ien Beifall fanden, daß die Freude am Gebrauch von Fremdwörtern in diesen ernsten Zeiten Nachlasse, und daß dadurch eine reinere Sprache als bisher sich überall durchringe.
Lebensmittel.
** Eier und Butter. In dieser Woche findet zu der: früheven Bedingungen eine Eier Verteilung statt. Gültig ist die EiermaLVe Nr. 3. Ir: der Woche nach Pfingsten werde,: ebenfalls Eier abgegeben. Gültig ist die Eiermarke Nr. 4. Da an: 28. dieses Monats die Verkaufsstellen geschloffen sind, erhalte:: die an diesen, Tag Bezugsberechtigter: die ihnen zustchend-en Eier und auch Brüter am 29. ds. Mts. in den gewohnten Verkaufst stellen.
** Die Ausgabe der Brotmarken erfolgt dresmal Freitag, den 25. ds. Mts. und zwar für die Bezugsberechtigten mit den, Zunahmen A bis K von 8 bis 12 Uhr vormittags Und L bis Z von 2 bis 6 Uhr nachmittags.
** Die Saatkartoffe lab liefern na hat heute gemäß der Ankündigung ihr Ende erreicht. Ein kleiner Vorrat vorbestellder Saatkartofteln ist aber noch vorhanden. Das Stadt. Lebensmittelamt bittet diese morgen abznholen.
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** Amtliche Personalnachrichten. Der Großherzog hat zum 20. Mai dem Prediger der freireligiösen Gemeinde in Offenbach Karl Andreas Borgt das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Eine ordentliche Sitzung des Kreistags des Kreises Gießen ist auf Donnerstag, den 31. Mai, vormittags 10 Uhr, in das Regierungsgebände zu Gieße::, Land- graf-Philipp-Platz 3, anberanmt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Rechnung der Kreiskasse und Berwaltungsbericht für 1915. 2. Voranschlag der Kreiskasse für 1917. 3. Ergänzungs- Wahlen zum Provinzialtag.
** Jung wehr. Mtttvoch, 23. Mai, Antreten: 81/4 Uhr am Oswaldsgarten. (Sämtlick)es Schanzzeug mitbringen.)
** U - Ba 0 tsp e nd e. Ueberall im deutschen Vaterlande hat der von: Reichstag ausgehende Gedanke, unseren U-Boot- Helden durch eine besondere U-Bootspende als Gabe des ganzen deutschen Volkes Dank abzustatten, Helle Begeisterung hervorgerufen. Der letzte entscheidende Abschnitt in dem gewaltigen Völkerringen unserer Tage, den die Tätigkeit unserer U-Boote eingeleitet hat, stellt die Deutscher: aller Parteien und aller Berufe mit tiefem Ernst und äußerster Entschlossenheit hinter die Männer, die jene scharfe Waffe mit staunenswertem Erfolge gegen den Feind fiihren. Täglich kann von neuen Erfolgen der Helden auf dem Meere berichtet werden, freilich sind Verluste mransbleiblich. Die U-Bootspende soll für die Besatzungen der U-Boote und für ländere Marineangehörige, die ähnlicher: Gefahren ausgesctzt sind, und deren Familien verwertet werden, um die Kampfer draußen vor drückender Sorge, die Angehörigen daheim vor Rot Ku bewahren. Zim ganzen Reiche ist schor: gesammelt worden und wird noch einmal während des ganzen Monats Juni gesammelt lverden: mancher in Gießen wird vielleicht schon darauf gewartet haberr, daß auch in unserer Stadt die planmäßige Sammlung dnrchgeführt wird. Wie» der Aufruf in der heutigen Nummer zeigt, hat sich ein Ausschuß für die U-Bootsper:de gebildet, und jedermann wird oielegenhert firweu, durch Emzeichuung in die Sammellisten oder an dem allgemeinen im Juni geplanten Blumen- und Avzerchen- Verkaufstag sein Scherflein opferivillig beizusteuern.
** Staats[teuer« Infolge verspäteter Ausgabe der diesjähriger: Staatssteuerzcttel ist auf ministerielle Verfügung hrn der Mahnterinin des 1. Ziels auf der: 25. d. Acts, festgesetzt rvorden. Die Sterrerkasse ist daher wegen des Sck>re:berw der Mal-nbriefe am 2 5. und 2 6. d Mts. ge- schllvssen. Mal)ugebühren toerden vorn 29. d. Mts. erhoben.
* Im Lichtspielhaus, Bahnhofstr. 34, werden nur' noch lns einschließlich Freitag, 25. die amtlichen FÜmdokmnente der Lamme schiocht und der Minensuchflottille gegeben. Die Spieldauer des gesamten Programms beträgt 2 Stunde::. Dev Beginn der Vorführung ist 4.40, 6.40 und 8.40 Uhr.
Landkreis Gießen.
u. Heuchelheim, 23. Mai. Die Räume des Windhofs, in denen seit Dezember 1915 bis Anfang Februar 1917 erholungs- bedürsttge und verwundete Krieger untergWracht waren, die seitdem, aber leer standen, sind seit Mitte Ndai wieder mit etwa 50 Dev- wnndettn, die teils direkt von der Front kamen, belegt worden. — Der vor: hier gebürtige Afrmiecmrgssoldat Wilh. Steinmüller, der Landsturmimann Wilh. Rinn erhielten die Hessische Tapser- teitsinedaille. ^Musketier Ludwig Nesseldreher, Sohn voü Iah. Lud. Ne,selb:eher, wird vermißt. Die ebenfalls als vermißt gemeldeter: Musketiere Mbert Rinn imd Otto Rinn meldeten sich aus der englischen bezw. französischen Gefangenschaft.
** Wie seck, 22. Mai. Dem Krankenträger Friedrich Keßler,^ einem Gardo-Regiment M Fuß, wurde Ende April in der Aisne-Schlacht, wo er Verwundete aus dem Trommelfeuer trug, das Eiserne Kreuz verliehen.
Kreis Büdingen.
— Büdingen, 22. Mai. Wie vorsichtig man mit seinen Anißerungen sein soll, beweist eine öffenttiche Erklärung des Kreisrvts, Geheimrat B o eckmann. Ein Balmangestellter hatte verbreitet, daß dem Kveisrat unlängst ein Postpaket _ mit Käse, Matte und Butter zugoganger: sei. Zu den Angaben, die natürlich Weiterverdreitr:ng fanden, erklärt nun der Kveisrat, daß ar: der ganzen Gesch>ichte kein wahres Wort sei, in der: letzten 4 Wochen habe er lediglich ein 500 Gramm schweres Tienstpaket aus Gießen erhalten. Wahr sei dagegen, daß er im April für der: Komnrunal- verbarrd eine Probesendnrrg von HarrMsen bebornmer: habe, die sofort durch eirre Beamtin 'zur Verteilung ^gelangt seien. Ern gleiches sei mit zwei anderen Sendungen geschehen. Mit dem Bezug dieser Käsesendungen habe er der Bevölkerung nur einer: kleinen Dienst erweisen wollen. Der Kveisrat gibt in seü:ev Erklärung ferner bekannt, daß er den Kreisbewohner:: noch> weitere Käsesendungen zuzustellen hoffe.
Kreis Schotten.
^ Schotten, 21. Mai. Der Großh. Forstmeister und Land- tngsabgeordnete Dr. Karl Weber und deffen Gemahlin Jda Weber geb. Pröscher haben sich er:tschlossen, um das Andenken ihrer beider: einziger: Söhne, die für das Vaterland gefallen sind, zu! ehvcu, als Erirmerung bleibendes Gedächtnis eure gerneinsame Grabstätte zu bereiten. Auch alten dmen fürs Vaterland gestorbenen Söhnen der Stadt Schotten wird in dieser Stiftung gedacht, indem für jeden währerü) des Krieges gestorbenen Kriegsteilnehmer eine Lrrwe gepflanzt Nnrd. Dieser G ed ä chtu i sha irr soll aus der Höhe des nahgelegenen Wartberges zu liegen kommen: der: Toten zur Ehre, den .Hinterbliebenen zum Trost und Stolz mrd den kommend?!: Geschlechtern zur Mahnung^ Die genannte Stiftung soll der: dcamer: W e b e r - P r ö s che r - S t i f t u n g erlx:lten. Sie soll gleichzeitig mit einem m:sehr:lick)en Vermögen ausgestattet rverderr. Der zrveite Sohr:, das letzte Kirrd des Forstmeisters Weber, ist erst vor kurzer Zeit als Leutnant und Adjutant ge'allen und auf heimischen: Boden bestattet lvvrdeu.
E. Kl ein-Eichen, 22. Mai. (Einbruchsdiebstahl.'! ^Am vorigen Sonntachiachnlltlag wurde hier ein Ernbruchsdiebstahl ausgeführt. Zwei Diebe stiege:: aus einer Leiter in den zweiten Stock bei der Witwe Frau Horst ein und eigneten sich allerlei Eßwaren an. Nach vollbracküer Tat legten sie sich in ein in der Nähe befindliches Tarincurpäldchen, iwn sich anszuruhen. Hier wurden sie schlafend von eir:cm Manne ausgefunden, welche:' zur Festnahiu-e der Verbrecher .Hilfe herbeiholen ging. Inzwischer: kamen zroei Bergleute des Weges, mit deren Hilfe einer der Diebe gefangen genominen rverder: konnte, während der andere Reißaus! nahm und über Ilsdorf r:ach Mücke kvef. um dorr die Bahn zu erreicheu. Er tourde jedoch kurz vor Mährt des 6-lll/r-Zuges gefangen und zu den: anderen Diebe zurückgebracht. Nocl> an dtwu- selben iAberw rvurden sie (mit einem Wagen ins Amtsgericht Laubach abgeliefert. Der eine der Diebe rvar gut gekleidet< und gab ar:, aus Griesheim a. M. zu sein, während der andere aus der« bermchbarter: Dorfe Höckersbors stammen soll.
^ Aus dem oberen Vo gel s ber g, 20. dNai. Erst seit den letzten 14 Tagen befinden sich die Wälder sorvohl als wich die Wiesen und Felder in: prächtiger: FrülLingsflor. Das überaus gür:stige Wetter batte ein sehr rasches Wachsen des Wiesengrases zur Folge und kein Larrbwirt batte geahnt, daß er schon nach kaum 14 Tagen sein Vieh gut die saftige Weide treiben körrnte. Welch wunderbarer Anblick eröffnet sich dein beobachtenden Naturfremü», wenn er die große::, bis zu 16 und mehr Stück Groß- und Kleinvieh umfassenden Herden bettackstet. Lange sehnte sich der Land- Nnrt nack dem Augenblick, wo sick) das Vieh draußen irr^ der Natur sättigen kann. Bei vielen U'aren die Vorräte an Heu fast erschöpft. Das' Wiesengras zeigt prachtvollen Starw. Wenn das bisher so günstige F-rühlingswetter noch vis etwa Mttc Juni anhält, so wird oie diesjährige Heuernte der evgiebiben des Vorjahres nicht -nachHustelien brauchen. — Biel niehr als mt Vorjahre pt der Raps angebcvrt worden: deffen grelle Müttn eben den Bienen reicher Ertrga liefern.
Kreis Friedberg.
--- Friedberg , 23. Mai. Der P f e r d e v e r s i ch er n n g s- verein für Friedberg irnd llmgegend schließt dem Geschäftsbericht für 1916 zufolge mit einer MitgliederzaU von 380 Persone:: ab, die 750 Pferde mit einer Mlllion Mark Kapital versickert haben. Für 20 Versickerrrngisfälle wurde:: 18000 Mk Entz- Schädigungen bezahlt. Die Rücklage hat die Hohe von /0 000 Mk. erreicht. . ,
K.H. Bad-Nauheim, 22. Mai Der Knrbetr: eb Ist bei herrlichstem FrlihlingsnEr in voller« Gange. Die letzte Kurliste rveist bereits über 4000 Gäste ans, n. a. Pr:nz Fnedrich Leopold von Preußen rrebst Schwester Prinzessin Viktoria Margarete von Preußen, Prinz Heinrich 33. Reuß, d:e ecürslln-Mutter nebst Prinzessin Helene vor: Psenbnrg-Büdingen. Pnnzenin W:l- helm vor: Lörvenstem-Wertheirn-Frendcnberg nebst Tochter Prinzessin Erika, ferner Zeremonienmeister v. Kaudell, Regierungspräsident v. Schtverin, Nllnister v. Belvrv, Gräfin Boos-Waweck und Gräfin Hovos. — Wenn auch die Ausrvahl der Veranstaltungen der Zeit entsprechend beschränkt ist, so ist dock die Kh:r-, Verwaltung besttebt, den Kurgästen gute und abwechselun^sreiclie Unterhaltungen, die für eine erfolgreiche Kur unerläßlich f:rw, zu bieten. Außer den täglicher: K ouz e r te n einer ansaezelchnetcn Kurkapeile unter Leitung von Hofrüt Professor Har:s Minderst e i n intd der: Vorstelllmger: des guten K u r t h c a t e r s unter Leitung von Hofrat Hermann S te in goetter finden haung Gastspiele des Frankfurter Sck-auspielhauses sowie wöchentlich Sinfonie- und philbarrrwniscke Könzerte statt. Auch andere Veranstaltungen wie Vorträge von Marzell Salzer, Kotl>e, Plant ufw. wechseln miteinander ab. Für die nächste Zeit stellen bemerkenswerte Veranstaltungen aus mus:täl:schm: Gelnete^bcvor. Am 30. Mci Gastspiel dee> k. u. k. Kammersängers Leo Slezak am 28. Juni deS Kammersängers Heinrich Heniel. Ern lünmc- risckes Ereignis wird das für den 5. Juni vorgcfehene Richard- Strauß-Konzert rverden. auf dessen Programm u. a. auch die Alpensinforüe steht. Bei dem Konzert, das unter Leitung des Generalmusikdirektors Dr. Richard Strauß statttmdet,, werden das Grvßb. Kurorcliester und die Darmstädter .Hafkapelle m:t zufamwen etwa 100 Musikern Mitwirken.
Starkenburg und Rheinhessen.
Aus Rheinhessen, 22. Mai. Eine kaum zu ber- de ,SPia r gelle r r: t c liefen: seit ^dem letzten Regen d:e Spargelkulturen der Ortschaften znnsckwl ^)ca:nz und gen Es fehlt an Händen, die den anfglwllender: Legen nstlos en Mehrere Tausend Zentner werden täglich von den 'Sahn- n nach allen Städten, die mit den Spargelorten Ln'sernngS- cäge abgefchlofser: haben, gesandt. Bis tief Nack Aachen h:ue:nl Ärgern bat sick in diesen: Ialwe der rhernheispche Spargel Markt erobert. Die witaus größten Mengen bleiben allerdings eix Rheinstädten vor: Mannheim bis Düsb'ldorr nllb m W:eS- :n Und Frankfurt. - Dü der Riesenernte, die d:e Spargel- w in diesem Ighre liefern, drängt: sich nnnver und immer die Fraae aus: llnd die billigen Preise?
Hessen-Nassau.
Wertvolle hessifthe Münzen
--- Frankfurt a.M., 22. Mai. Die bedeutendste tBanwi* lung hessischer Münzen und Medaillen, rm Besitz des Bunttstz Alexander Fiorino rn Kassel, wurde dieser Tage durch tert hiesige:: Numismatiker Rosen berg zru Versteigerung gebracht. Ten höchsten Preis erzielte der seltene Goldgulden Withüms II. (1506) mit der Eiligen Elisabeth mit 1400 Mark, ein Goldgulden des Landgrafen Wilhelm V. (1627) kostete 905 Mark, ein Toppettaler Ludwigs III. zu Mrrbuag (1600) 960 Mark, der Sterbetoler Wilhelms III. des
Waisen (1592) 560 Mark, eine Pocttätmedaille auf den Tod dieses Landgrafen 900 Mark. Ferner bvachten von intereffanten Münzen ein .Kasseler Brettgroschen (1491) cnrf die Pilgerfahrt: Wills-elms I. nach den: hl. Lande 500 Mckrk, ein EngelSgroschen Philipps des Großmütgien 400 Mark, eine Schreßtalerklippe Wilhelms V. (1630) 405 Mark, ein Dukaten (1737) vom Land- Wilhelm VIH. für Hanau geprägt 435 Mark, das Medarlkon (1790) ans das Krönnngslager von Bergen 805 Mark, zwei Pistolen des ersten Kurfürsten von Heffen Wilhelms I. 4M :ntb 510 Mark und der eiserne Helm, eine 1815 gestiftete Kriegsauszeichnung/ 450 Mark.
mr. Frankfurt a. M., 22. Mai. Ms ein Teil der Natwnalsammlung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen wurde Montag abend die Fvankftrrter Nationalsamm- lung von Kunst und Wertgegenständen errichtet. Mle entbehrlichen Gemälde, Bronzen, Gold- und Silbersachen sollen sorgfälttg gesammelt und teilweise fteihändig oder in größeren Versteigerungen verkauft tv-erden, rcm so vielen Tarnender: von Müttern und Kindern, welckien die von: Reich gewährte Rente allein nicht helfen kann, eine außerordentliche Unterstützung zukommen zu lassen. Ter Arbeitsausschuß, dein auch der stellv. komnmndierercke General des 18. Armeekorps v. Riedel cmgehört, wird die Sammlung in Frankfurt a. M. ::nd Umgebung in die Wege leiten. — Nunmehr wurde vom stellv. Generalkommandu» die Transpor tausgleich st clle in lüesiger Stadt errichtet. Durch ihre Vermittlung sollen alle für die Versorgung der Bevölkerung nvtivendigcn Fuhren sicher gestellt rverden. .HÄter und Besitzer von Pferden fiub verpflichtet, diese auf Anforderung zur Verfügung zu stellen, ebenso das zur Bedienung des Fuhrwerks notwendige Persorml. Jeder männliche Krttscher hat der Trans« portausgleichstelle Folge zu leisten, soweit es ohne wesentliche Sck>ädig::ng seiner eigenen .Verhältnisse geschehen kftnn. Zuwider- harrdlungen rverder: mit Gefängnis bi? zru einem Jahr oder bei mildernden Umständen mit Haft, sowie Geldstrafe bis zu 15M Mark bestraft.
** Dillenburg, 22. Mai. Bei der hier an der Skaats- eisenbahn und Grünschen Berg Verwaltung mit ca. IM Arbeitern beschäftigten Baufirmü Rinn ans Gießen wurde in der Nacht vom Sonntag auf Näontag ein größerer L e b e n s m i t t e l d: e b st a tzk b-eganaen. Gestohlen wurden: 55 Brote, 20 Büchsen Wurst, 20 Psd. Fleischwurst, 10 Psd. Fleisch, 15 Psd. Käse, 1 Zentner Graupen. 70 Prd. Bobnenmehl, 10 Psd. Reismehl, 5 Pfd. Kornkaffee, 50 Psd. Zucker, 50 Schachteln Zigarette:: und 10M Zigarren. — Es gelang der Diklenburger Polizei mit Hilfe des aus Gießen herbeigecusen-en SckpltzmaunS K l ö s rmt semein Polizeihund „Lcma Rottweil-er", die Fährte aufzuuehmen und drei der Tater zu ermitteln. Die LebeuSmittel wurden fast särntlich durch das ganz vorzügliche Arbeite:: des Hundes, im Walde versteckt, aufgefunden, was beforrders anerrenne::swert ist, da doch etwa IM Arbeiter auf der Baustelle und unmittelbar ain Tatort beschäftigt sind. M der Tat verdächtig sind 3 internierte Polen verhaftet rvorden.
Müllersche Badegnstalt.
Müllers che Badeanstalt. Wasserwärrne der Lahn am 23. Mai: 17° Reaumur.
vermischtes.
* Dresden, 22. Mai. Aus Brambach im Vogtlande N7ird gemeldet: Bei einein sturmartigv: Osüvind wurde gestem der benackcharte böhmisch? Ort Oberreuth von einem ftrrchtbaven Brandunglück heiingesuckr. Von den etwa 60 Gehöften des Dorfes grrrgen '28 mit alle:: Nebengebäuden in Flaminen aus. Das Feuer brach gegen 11 Uhr abends aus rmd verbreitete sich über der: ganzen.Ort sehr schnell. Tie Bewohner haben so gut wie nichts retten können. Viel Vieh ist in den Flarumen umgekonnnen. Ern 17jähriger Bursche sott dei: Brand angelegt haben. Er flücktetr und stellte sich in Asch der Gendarmerie.
Der Rückgang des englischri: Handels.
Berlin, 22. Mar. >'WTB. Nichtamtl.) Nach den amtlichst englischen Angaben betrug im April der 2&rt der Einfuhr des vereinigten Königreiches 84,5 Millionerr Pnmd, der Wert der Ansftchr 35,7 Millionen Pftmd. Die Passivität der englischen Handelsbilanz erreichte also diesen 9Nonat 48,8 Millionen Pfund Sterling, also armäherrrd eine Milliarde Mark. 1913 machte die Passivität der englischen Handelsbilanz etwa drei Milliarden Mark im Jahrr aus. Die heutige dirrch den Krieg verursachte Passivität der englischen Hmckelsbilanz würde, wenn man die Äpnlziffer zu Grunde legt, norm Milliarden Mark im Jcklwe darstellen. Um 10 viel 'würde lich die englisck>e Handelsbilanz unter Zugrurckelegung der letzteren Ziffer während des Krieges verschlechtert haben. Diesen Milliarden-Rekord 'haben bei Begirm des Krieges selbst peffimistische Engländer sich wdlü kaum träumen laffen.
Keine Hilfe gegen dir U-Boote.
Rotterdam, 22. Mai. Aus einen: ungenannten englischen Kriegs Hafen berichtet der marirwtechrnsche Mitarbeiter des Parrser „Journal" Marsillac über die Ansttengungen. welche gegemvärttg in England zur Vennchtung der derrtschen Tauchboote \mb Rttnen gemacht werden. Es gebe viele Rdetlwden. aus deren Einzelheiten er nicht eingehen könne, die für die DernwcktuNg der deutschst Tärvchboote an gewendet worden feien. Sie mußten aber Augenblick unrgestoßer: ioerden, denn inan mußte anerkennen, datz die „Bockes" es verstanden, rnit ihren Tauchboots: die englischen Abwehrmittel immer rvieder ZU durchkreuz«:.
Der MiMrauch von Lazarettschiffen.
Berlin, 22. 8Nai. -WTB. NicktmrMch). Der Mißbeouch von Lazarettschiffen diirck die Enteitte bestätigt sich immer !nieder von neuern. Sy erzählt ein sch,:>edisä>er Kapitän, der kürzlich von Algier nach Adarokko zurückgekommcn ist, daß in Orau und Tanger allgemein Lazarettsckßfft als MlirittonS- und Transvortscknffe verwendet werden. Nur zum Scheine werden auf jedes Schrft emlge Aerzte, Scklvestern mrd Verwundete eingeschifft. Ms der drtööc den Franzosen gegenüber sein Erstaunen ausswack, irurde :lmr lachend gesagt, daß dies ein allgerueiner Brauch se: und man :v franzöfisckren Kreisen daraus keiu Geheimnis mache.
Arbeiterftrciks in England.
Kopenhagen, 21. Mai. :WTB. Nichtamtlich .) Laut amt* lickvn englischen Feststellungen, sttecken augenblicklich in ganz Groß, britanuien 66 0M Arbeiter der verschiedenen Jndnsttren. ±.U Ursachen sind veeschiedeue. Die Lebcnsnnttetteuenmg trägt an den meisten Streiks die Mitschilld. Vor allen: her'rscht überall, großs Unzusriedercheit rvegel: der Nachmusterung der bisher frergeiwlltsf Arbeiter der Munitions- :md Staatsfabriken.
Eine Kimdgebung gegen den .Krieg.
A m st erbant, 21. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) „Central News" erfahren von ihrem Korrespondenten in Philadelphia, jdaß dort eine große Kundgebung gegen den Krieg ftattfanb. Es bildete sieh ein Werbeausschuß. der d:« Kundgebungen im ganzen Lande fortsetzen will. Sie rühteu sich in der Hauptsache gegen den Rcgierungsbeschluß. anrerikanische Truppen nack> Europa zu senden
China.
Rotterdam, 22. Mai. XWDB. Mchtmnttick>) '.'lackt dem „8ttenwe Rotterdmnsä>ei: Evnrartt" erfahrt „Morning Pvst" ans Tientsin vcnn 20. d. Vtts.: Das chinesische Unterhaus hat gestern mit einer kleinen Mehrheit beschLossei:. über die Fraoe, ob Deutschland der Krieg zu erklären fei, nicht früher zu entscheiden, als d:s das Md tuet t reorganisiert ist.


