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19.5.1917 Erstes Blatt
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sämtlich in Gießen.

venrlverlrhr: Hewerbeban? Gießen

DieStimmungderenglifchenund französischen Soldaten.

Berlin, 18. Mai. (WTB.) Die Stimmung der eng­lischen und französischen Soldaten ist infolge der ungeheuren Verluste und der mangelhaften Führrmg, über die alle Leute in höchstem Mißmut klagen, unter den Nullpunkt gesunken. Gefangene des st7. französischen Jägerbataillons berichten, daß bei der Angriffsgruppe am 5. Mai ein unglaubliches Durcheinander geherrscht und -jegliche Führung gefehlt habe. Auch bei den am Chemin des Dames eingebrachten Gefangenen des 67. Infanterie- Regiments und den bei Beanlne gefangenen Mannschaften der Regimenter 37 und 79 war die Stimmung sehr schlecht. Me Lenlcwaren gegen ihre Führer heftig aufgebracht, Mannschaften des Infanterie-Regiments 37 erzählen, daß sie sich geweigert hätten, anzugreifen, da das iVorgelände für die deutschen Maschinen­gewehre zu günstig sei. Mit Ausnahme eines Kompagnieführers waren alle Offiziere mft dieser Gehorsamsverweigerung einver- standen.

Die Revolution in Rußland.

Eine neue Erklärung der vorläufigen Regierung.

Petersburg, 16. Mai. (WTB.) Meldung der Peters burger TelegrapHeu-Agentur. Uur 8 Uhr fand eine Sitzung der vorläufigen Regierung, des ausführenden Dunra-Ausschusses llnd von Vertretern des Sol­daten- und Arbeiterrats statt, in deren Verlauf Ministerpräsident Fürst Lwow sagte: Die angekündigte Regierungserklärung enthält eine Reihe von Bedingungen und Forderungen, deren Annahme die Regierung als durch­aus notwendig für den Erfolg ihrer Arbeit betrachtet. Die .vauptbedingung ist die Notwendigkeit der Ausarbeitung einer entschiedenen Erklärung seitens des Soldaten- und Arbeiterausschnsfes, in welcher ex der vorläufigen Regierung sein volles Vertrauen ausspricht. Der Entwarf der Regie­rungserklärung enthält acht Punkte. Die Erklärung achtel streng die Grundsätze eines Friedens ohn< An ne xio neu und En tschäd igun ge n auf der Grunde läge des Rechtes der Völker, frei über rhr zukünftiges Ge­schick zu entscheiden, und betont, daß eine Niederlage Ruß­lands und seiner Verbündeten die Quelle des größten natio- kralen Unglücks sein würde. Infolgedessen hat die Regie­rung das feste Vertrauen, daß die revolutionäre russische Armee den Sieg der Deutschen Über die Verbündeten nicht;ulassen werde. Außerdem spricht die Regierung in der Erklärung den festen Entschluß aus. gegen die wirtschaftliche Verwirrung nicht nur mittäs der Aufsicht, sondern auch durch die O rga ni s a tio n d er E r- zenguug zu kämpfen. Die Regierung wnck> atbe Maßregeln ergreifen, um die Ausnutzung des Bodens Kr regeln, wobei sie die Frage des Grundbesitzes offen läßt, die von der kon­stituierenden Versammlung geregelt werden soll. Fürst Lwow erklärte, der Entwurf der Erklärung habe den Charakter eines Ultimatums, und er bestand darauf, daß er in seinem ganzen Umfang angenommen werden müsse.

Im Laufe der Nachtsitzung wurde die Frage der Ver­teilung der Ministerstellen des neuen Kabinetts erörtert. Es wurde beschlossen, dem nationalen Sozialisten S k o b e - lew das Arbeitsministerium, dem bisheri^nFinanzminister Terestschenko das MinisteriuwdesAeußern unL dem Justizminister Kerenskij das Ministerium des Kriegs und der Marine anzuvertranen. Als ftriht« schenswert wird der Eintritt Tseretellis und. des Professors Kokouschkin in die vorläufige Regierung bezeichnet, die letzt- genanirten als Minister zur Vorbereitiing der konstituieren­den Versammlung. Ferner wurde der Plan gefaßt, ein Miuisterinin der sozialen Bürgschaft zu schaffen, das einem Vertreter tvft Partei der nationalen Freiheit anvertraut werden soll. Die Erklärung wurde am Ende der Sitzung unterzeichnet.

Da- neue russische Ministerium.

Petersburg, 18. Mai. (WTB.) Meldung der Peters­burger Telegraphenagentur. Die Reaieruug und die demokratischen Parteien einigten sich über'die Ver­teilung der M i ir i st e r p o st e n wie folgt: Fürst L w o w. Ministerpräsident und Minister des Innern, Terest­schenko, Auswärtiges; Konowalow, Handel und In­dustrie ; Modnew, Staatskontrolleur: Sozialist S ko be - lew, Bdpräsideut des Rates der Arbeiter und Soldaten­vertreter, Arbeitsminister; Rechtsanwalt Perewerzew, Justiz; Sozialist T s ch e r n o, Ackerbau: K e r e n s k i i, Krieg und Marine; Schiugarew, Finanzen; Tsere­kelt i, Post und Telegraph: Nekrasow, Verkehr, und Mauuilow, öffentlicher Unterricht. Außerdem wurden Professor Grimm und Fürst Sch a k o w s k o v , der Selre tär der ersten Duma, als Kandidaten für das Ministerium für die die konstituierende Versammlung betreffenden An­gelegenheiten und für das Ministerium der öffentlichen Hilfeleistung ausgestellt.

(WTB.) Großes Hauptquartier. 18. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe KronprinzRupprecht.

An der Ar ras-Front nahm das Artilleriefeuer beiderseits der Scarpe wieder zu. Ein nach Mitternacht an der Straße Gavrelle-Fresnes vordrechender englischer An­griff nnirde im Nahkampf abgewiesen. Die Trümmerstatte des ehemaligen Dorfes Bullccourt ist befehlsgemäß ohne Einwirkung durch den Feind geräumt worden, der sich erst 24 Stunden später dort fcsrsctzte.

HeeresgrnppeDcut scher Kronprinz.

Auch an der Aisne- und Champagne-Front wurde mit zunehmender Sicht die Tätigkeit der Artillerie wieder lebhafter, besonders auf den Höhen des Chemin des DLmes und bei Prosnes. Dieser Feuersteigerung folgende Teilangriffc der Franzosen bei Braye, nördlich non Crao- nelle und bei Craonne wurden sämtlich abgeschlagen. Ebenso dlicd nördlich von Sapigneul ein erneuter Vorstoß des Fein des gegen die .Höhe 108 erfolglos.

Oestlich der La Royere -Ferme stürmten zwei aus Berlinern und Brandenburgern bestehende Kompagnien einen von Franzosen in den Kämpfen am 5. Mai besetzten Graben und nahmen dir aus über 150 Mann bestehende Besatzung gefangen.

O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.

Abgesehen von stellenweise auflebender Fcucrtätigkeit kein Ereignis von Bedeutung.

Mazedonische Front.

Jm Cernabogen erlitt der Feind gestern eine neue Schlappe. Nach sechstägigrr Artillerievorbereitung bei­derseits von Makowv einsetzende starke Angriffe wurden rest­los aögewiefen. Von den am Kampfe beteiligten deutschen Truppen haben sich besonders oftpreußische und schlesische Ba­taillone sowie Gardeschützen ausgezeichnet.

Der Erste Generalquartiermeister Lndendorff.

Die Abendberichte.

Berlin, 18. Mai, abends. (MTV. Amtlich.) Im Westen nur vereinzelt Lebhaftere Gefechtstätigkeit.

Wien, 18. Mai. (WTB.) Aus dem Kricgspressequar- tier wird vom 18. Mai abends gemeldet: Im Frontabschnitt Plava-Wippachtal wurde auch heute erbittert ge- kärnpst. Der Feind vermochte nirgcndSeincn Erfolg zu erzielen.

* * *

Die Lage irt Rußland ist vorläufig wieder einmalge- ÜäxY'. Es ist ein neu^s Kabinett gebildet worden, irr dem der Rat der Soldaten und Arbeiter vertreten und in dem cot die Stelle Miljukvws, des Ministers des Auswärtigen, ein jünger Demokrat namens Terestschenko (bisher Finanz- Nrftrister) getreten ist. Eine neueErklärung" ist unter- tz-eichsnet worden, und nachdem noch vor zwei Tagen gemeldet worden war, die provisorische Regierung lasse sich auf die Formel des annexionslosen und entschädigungslosen Frie­dens nicht ein, hat der Soldaten- und Ärbeiterrat in diesem Punkte dennoch seinen Willen durchgesetzt. Freilich fügt die neue Erklärung hinzu, es gelte zu verhindern, daß der Feind Rußland und seine Verbündeten besiege. Es kocht und bro­delt also in dem russischen Kessel weiter, und cs muß sich zeigen, welche Bestandteile darin sich zuletzt durchsetzen. Auch die Kommandierenden Generale waren in den Petersburger A tzung en gehört worden; t^urko uied Brussilow zogen ihre Rucktrrtts ge suche zurück. Wir brauchen in Deutschland nicht ungeduldig zu werden. Auch das neue Petersburger Mini­sterium rechnet mit kurzen Fristen, jeder Tag kann wieder einen Umsturz bcirrgen. Nicht nur die politischen Tendenzen gehen durcheinander, sondern der gährende Zu- staiid des Wirtschafts- und Verkehrsleberrs des großen Reiches trägt alle Gefahren neuer Katastvophelr in sich.

Die :Noglichkeit, daß Rußland eines Tages einen Son­derfrieden schließen muß, wächst täglich. Der Arbeiter­und Soldateurat hat freilich den bekannten Aufturf gegen einen Sonderfrieden erlassen. Aber da ihn nicht nur die internationale sozialistische (üedankemoelt zur Macht gefiihrt lM, sont^rir vielmehr die drängende Not des Landes, so t^^den diese Grundsätze, deren Hervorhebung den Leuten um Tscheidse aus dem anderen Lager aufgedrängt werden, vielleicht kurze Beine haben. Viel beftciüdlicher ist es, daß das öauptorgan der deutschen SozialdenMkratie, der Vorwärts", jetzt mit allen Krä f ten an diesein Mageii der Engländer und Engläitdergenossen nritschiebt! 9tür kein Sonderfriede, so sagt Scheidemann! Der läge zwar im Vorttche Deutschlands, aber nicht in dem der Internationale, de'r Partei! Das Blatt neimt den Kanzler in einem Artikel vom Freitag wiederholl spöttisch denüberaus vorsichtigen ÜXTmt v. Bethincrmth und wendet sich eiferrrd gegen ihn: Herr Terestscheuko, der Nachfolger Miljulows im Ätlswär- tigerr Arrüe, kann heute bei gleicher Vorsicht kaum sagen, es scher ne, als ob Herr v. Bethmann Hollweg gewaltsame Eroberungen ablehnc. Geben wir ruhig zu, daß einem aus­

ländischen Beobachter die Politik der beut^dyen Regierung nicht als ganz unverdächtig erscheinen karrn."

Wie die Juternationale zu siegen gedenkt, das deutet derVorwärts" mit folgendeu Sätzen an:

Der ruffische Arbeiter- und Soldateurat führt eine klare und deutliche Sprache, die man durch das Schallrohr des umgebildeten Kabinetts bald in London und Paris, wie in Berlin und Wien ver­nehmen wird. Binnen kürzester Zeit können alle Regietun-- gen, feindliche und verbündete, vor die Frage gestellt sein,^ob sie zu einem allgemeinen Frieden ohne Annexionen und Entschadi- gungeir auf Grundlage des Selbstbesrimmungsrechts der Völker be­reit sind. Auf diese Frage gibt es keine ausweichende Antwort mehr, sondern nur ein klares Ja oder Nein."

Warten wir doch eiimral ab, ob der Soldatear- und Ar- beitervcrt wirklich das Fragewort an alle Regierungen posaunen lvird. Bisher hat er doch nur widerspruchsvolle Entschließungen verüsfeutlicht. Die eigenen Bundesgenossen, die Herren Tscheidse und Genossen zunächst doch noch näher stehen, müssen zuerst ja oder rvein sagen. Dann hat dersehr vorsichtige Herr v. Bethmann" immer noch Zeit und Ge­legenheit, mit großer Vorsicht die Antwort zu erteilen. ^

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 18. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

O e st l i ch e r u n d südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts zu melden.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die I so nzo-Sck l acht dauert au. Die Höhe von Kuk. südöstliÄ von Plava. wurde gesterir früh nach zwei­tägigen wechfrlvollen und mit größter Erbitterung geführ­ten Kämpfen »nffgegehen. Unsere Truppen setzten sich einige hundert Met-cr östlich des Berges fest.

Im Gebiet von Görz herrschte tagsüber auffallende Ruhe. Nach Einbruch der Dunkelheit stürmte der Feind, auf jede Arlillrinevorbereitung verzichtend, plötzlich in dichten Massen aus seinen Gräben hervor. Alle seine Anstrengun­gen. in unseren Linien Fuß zu fassen, scheiterten an der kaltblütigen Abwehr unserer braven Truppen.

Heute früh unternahm der Feind einen starken Vor­stoß gegen den Monte Santo. Die Verteidigung warf ihn im Nahkampf hinab.

Seit Beginn der Jnfanterieschlacht ffchrten wir über 3000 Gefangene zurück.

Im Flitscher- und im Plöckengebiet sowie in Südtirol steigerten die Italiener ihr Geschützfeuer.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalftabs v. H ö f e r. Feldmarschalleutnant.

Die Uämpfe im westeil.

Berlin, 18. Mai. (WTB.) Bei Regeirwetter und scUychtter Sicht wvr die Kampftätigkeit am Vormittag des 17. Mai gering und nahm erst am "Nachmittag mit aufhellender Sicht zu. Gegen Abend des 17. steigert« sich bei Ar ras das Artilleriefeuer g-egen die Front Acheoille Gavrelle zn größter Heftigkeit, um in ^der Nacht zuni 18. Mai um 1 Uhr 30 zum Trommelfeuer cmzuschaoelleii. Anschlieftcude Angriffe beiderseits der Straße GaorelleFresnes ivurden, wie genreldet, teils im Abwehrfeuer, teils im Nahkampf abgewiesen. Die Rmrnvmg von Bulle- coiict vollzog sich gemäß einem bereits vor Tagen gefaßten Ent­schluß in bet Nacht vom 16. zum .17. Mai ohne jede Störung cmrch den Gegner, nachdem der letzte englische Angriff am 16. Mai verlustreich für den Angreifer abgeschlagen worden lvar. Tie Aufgabe des zerstörten Dorfes konnte um so leichter erfolgen^ als es sich um einen vorgesäpbenen Posten des tiefgegliederten Stellungssystems handelte, der seirre Mfgabe, die erste Wucht des englischen Stoßes zu brochcir, mehr als erftkllt hatte.

An der Aisne -Front wicrden die erfolgreichen deutschen Vorstöße fortgesetzt. In der Nacht zum 17. Mai gelang ein kühner Vorstoß, der melxrere Kom-iaguien eines aus Berlinern und Bvandenlvlrgern bestehenden Regiments bis an den Süd «mb einer Sclilncht 700 Meter östlich vmc La Royere-Fernre vorbraclüte, wo sie sich festsetzten. Außer 157 Gefangenen, dar,enter 3 Offizieren, lvurden 5 Maschinen- imd Schnelladegewehre als Beute eingebmcht. Dieser Vorstoß ist die dritte ersolgreiä)e llnter- rcebmnng des Regiments ümerhalb von zn»ei Tagen, was einen Rückschluß aus den nngebroä»enen Angriffsgeist der deutschen Truppen erlaubt. Tie Beicte aus dem Vorstoß m der Gegend VaupaillonLaff-cnix erhöhte sich auf 17 Maschinen- und 9 Schnell­ladegewehre. Durch die deutschen Unternehmungen der letzten Tage l>aben die Frairzvsen allein an der Aisneftont an 61efangenen Nicht Weniger als 735 Mann erugebüßt. Außerdein erlitten sie außer- ordentsich schoere Verluste, vor allem bei ihren vielfach miß­glückten und blutig abgewiesenen Gegenangriffe:,. 8 Uhr abends erfolgte an der ganzen Aisnefront ein Feuerübersall, stellenweise in .Tronnnelfeuerstärke. Bcrfchiedene m,schließende französische Arr- griffe zwischen 9 und 11 Uhr abends wurden sämtlich durch Feuer und Handgramiten abgewiesen. Teilweise kamen sie im deutschen Feuer überhricpt nicht zirr Entwicklung.

Jv der Westchampagne lag auf den deutschen Höhenstelkungen schweres Artillerie- und Minenfeuer aller Kalüirr. Um 8 Ühr abends wurde starcke Besetzung der frmczösiscknen Gräben aus dem Cor,rillet erkannt irnd Vernichttkngsfener daraufgelegt. Unter Ixr Wirkung des deutschen Feuers kam es lediglich zum Borftihlen von Posten, die überall abgeiviesen svurden.

Terestschenko.

Der neue stpinister des Auswärtigen, T ere st s ch e k o ist 32 Jahre alt. Er besitzt, so schreibt die Frkft. Ztg.. in IlkramL, hani'tsäMch bei Kiew, große Zuckerfabriken, bei Chm'on große Salzlverke und gilt als einer der veichs'ten Gnmdlvsitzer Rußlands. Er^ spricht dvlttsch, französisch und englisch gerran so fl ressend npe russisch und kennt die Verhältnffse DeutsMaick» Misgezeic.met. Er studierte 1906 bis 1909 in Leipzig bei Karl Bückv, lpglional-- ökonomie irnd hielt doll ein gastfteies Haus. Dann trat er in den russischen Hofdienst ein und war kurz vor den, Kriege mit der Leitung der Geschäfte des kaiserlichen Ballettkorps betraut. Ei'? Deutschenfeirw ist er nicht, da er deutsches Wesen zu gut leimt und auch zu sehr Kosmopolit ist.