Sw Stadt und Land.
Wirken. 3. Ala, 1917.
** Amtliche Personalnachrichten, Durch Entschließung Großh. Mirnslerrmns der Finanzen wurde der Finanz- vesereirdar Hans Fort sch aus Gieren zum Finanzassessor in-nmrnt.
** Unberechtigte Wünsche höherer Schulen. In iefcter Zeit sind, wie- die ReickfsbelleidungSstelle mitteilr. vretfack, höhere Schulen mit Wünschen an die Miö^belleünrngssbckl e I)eran- getreten, denen in.it Rücksicht am die Luise der Dinge out dem 'Texttlwarenmarkt schlechterdm^ nicht errtspwlhen werden k^nn. Sv nritb z. B. die Freigabe von Stoffen für sogenannte Kl as s t n* Mützen verlangt. Da es sich hier um Stoffe handelt, die, soweit sie mdüt mehr vorhanden sind, nur schwer fcefcbafft werden können, ergibt sich hieraus ohne weiteres, dass auf das tragen von Klassen.- mutzen eben verzichtet nrerden Muß. Ferner wird imnier wieder Beinilligunq von Stoffen ftir den H a n d fe r t i g k e r t s u r: t o r 4 richt erbeten, tmo virar in höchst beträchtlichen Mengen. Der vorlmndene MZtnrck an Textiltvarm: darf heute jedoch. nur -einem Zrveck dienstbar gemacht werden: die Bekleidung der bürgerlichen Bevölkerung für die Dauer des Krieges und die ersten Zeiten be* kommenden Friedens sicherz>ustellen. Diesen: einen gwßm Interesse t>er Gesantt Ration igegenüber lmben alle Forderungen anderer Art, die Huf diesen: Gebiete geltend gemacht werde::, zurlickzu- treten, gleichgültig, «aus !wejlchen Grinrden sie. erhoben Werdern Wohl aber besteht dre Möglichkeit, den .'öundsertigkintsnnterricht in dieser Zeit den veränderten BedütgnngTN rmseres wirtschaftlickLN Lebens, ime sie durch den.Krieg gesckMsftm worden sind, anzr: Passer:. Anstatt mit der Erzeugrurg neuer Ziegenstände sollte man deu Unterricht mit der Ausbesserung vorl-andenen. Materials, Flicken und dergleichen arrsfüllen imd s-o das Seme dazu beittagen, die wirt- ^choftlickie Widerstandskraft des deutschen Volkes in rmvcr- mmderter Stärke zu etMteu. Wenn fast alle Berufe durch den Krceg gezzonngen nwrden sind, sich nmMschalten, so ist is nickt einznsehcn. warum ziicht cmck) aus dem Gebiete des Landfertigkeitsunterrichts in den Schulen, eine „Neuorientierung" stattfinden sollte.
** Vom Lande. Marz Veilchen zahlten zu den Llusnahmeit, aber Maiveilchen! — das gab es einfach nicht. Jetzt aber gibt es sie, wie es so vieles jetzt gibt im Weltkriege, ivas es sonst nicht gab. Dabei duften die Veilchen so gut und wohlriechend rvie im frühesten Frühlinge. Maiblumen, die wird es auch nicht im Mai geben, sondern erst rm Juni. Aber ausblciben wird keiner unserer diesmal so späten Lenzboten, so wenig wie die Schwalben, die sich jetzt wieder eingestellt haben. Als wollte uns der so ungewöhnlich lange aus- gMieüenc Frühling für sein Zuspätkommen voll entschädigen, so herrlich ist jetzt das Wetter. Borttesflich läßt sich nun die Frül^ lingssaat in durch den langen Winter zermürbten Boden bringen. Wie entwickeln sich Winterraps und Klee! „Nun, armes Herz, mm sei nicht bang, es muß sich alles wenden!"
** Gi eßencr Hausfrauenverein. Der bereits angekündigte Vortrag über „Vergessene Nahrungö-> mittel" findet heute, Donnerstag, den 3. Mai, vünktlich in der neuen Aula der Universität statt.
Kreis Büdingen.
A Kohden. 3. Mai. Ter beim Postamt Nidda als Hitfs- briefttäger beschäftigte .Kriegsinvalide Karl R e n k e l von hier nahm im verflossenen Winter einen Drenstgang zwischen Michelnau und Ober-Lais 3 russische Gefangene fest, die von ilwer Arbeitsstelle im Kreise Mfeld geflohen nwren. Nun erhielt er unter Anerkennung seiner Entschlossenheit und Umsicht von der Militar- be'lwrde ein kunstvoll ansgeftihrtes Diplom.
A Nidda, 2. Mai. Das hiesige Vereinslazarett vom Roten Kreuz, das. seit An rang dieses Jahres geschlossen war, ist gestern wieder eröffnet rvordcn. In Krafts Saalbau sind 52 ver- wurrdete Krieger aus Bad-Nauheim untergebracht. Die ärztlich^ Behandlung l)at Kreisassistenzarzt Tr. Willmarm mrs Bad-Salz- hkmsen übernommen.
h Wallernhansen, 3. Mai. Nachdem unsere Pfarrstelle säst seit Jahresfrist verwaist gewesen ist und von Schwickartshausen beM. Eichelsdorf oft unter größten Schwierigkeiten versehen wurde, ist unsere Gemeinde froh, in Pfarrer Ludwig Strack wieder einen eigenen Geistlichen zu erhalten. Pfarrer Strack stand lange Zeit als Assistent in der Gustav ^ldolf-Gemeinde Gustavsburg bet Mainz und hat sich um den Aufbau dieser jungen Gemeinde die größten Verdienste erworben.
Kreis Laulerbach.
M Freien st einau, 3. Mai. Psarrverwalter Bönning, der schon längere Zeit als Verwalter unsere Pfarrei versah, erhielt die Stelle jetzt definitiv übertragen.
Kreis Schotten.
Up. Vom V o g e l s b e r g, 3. Mai. Die Preise für das Brennholz sind nun doch bei den letzten Holzversteigerüngen gesunken. Allerdings sind sie hoch gegen die sonst übliche Preisstufe. aber die geradezu tollen Preise der ersten Holzversteigerungen trifft man nicht mehr. Es steht auch zu erwarten, daß die Preise noch weiter den normalen sick nähern. Die ungewöhnlich hohen Preise wurden verursacht durch einen Brennbolzmangel im allgemeinen. es sprechen dabei aber auch die gesteigerten Einkünfte der Steigerer mit. Die geringen Leute aber müssen darunter leiden.
np. Ruppertenrod, 3. Mai. Dem Musketier Heinrich Geiß von hier wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Er befindet sich verwundet in einem Feldlazarett im Westen.
Kreis Friedberg.
oa. Friedberg. 3. Mai. Bei den letzten Kämpfen vor Monastir ltmrbe Vize Wachtmeister Theodor Spieß mit dem Eisernerl Kreuz ausgezeichnet. Di eHessische Tapferkeitsmedcnlle hat er sich bereits in den Kärvathenkärnpfen verdient.
oo. Bad-Nauheim, 3. Mai. IalnwlangerE«wohnheit ertt- sprsckend, setzen mit dem ersten Donnerstag im Mai die regelmäßigen „Großen Konzerte" der Kurkapelle auch in diesem Sommer ein. Es sind viele ^hochinteressante Veranstaltungen auf dem Gebiet der musikalischen Kunst geplant, z. B. ein Gastspiel des Tenors Leo Slezak: ein Rickrard Wagner-Abend mit der ersten dramatischen Sängerin des Frankfurter Opernhauses Frau Lauer-Kottlar, Heinrich Hensel, der Bayreuttxw „Parsisal" wird im Juni kommen, im Juli singt die Wienerin Camilla Palfsy. ferner die Kämmer- sängerin Frau Anna Kämvfert ans Franksirrt a. M. — In einem der letzten Gottesdienste in der katholischer: Kirckc tvurde der Ge meinde mitgeteilt, daß aus der Kirche zwei rvertvolle Altardecken gestohlen wurden. Von dem Kirchen Vorstand sind Maßnahmen getroffen, nur das Eigentum der Kirckre in Zukunft nach Möglichkeit vor verbrecherischen Eingriffen zu schützen. ^
va. Nieder-Roßbach, 3. Mai. Musketier Lt^etzer. Sohn von Plftl. Friedr. Stetzer, nvrrde mit der Hessischen Tapfer- keitsnwdaille Mlsgezeichnet.
oa. Ni eder- Wollstadt. 3. NLai. Dem U utero ft :z:e c Karl Beck, zurzeit im Iiescrve-Lazcarett zu Bad-Nauheim, wurde daö Eiserne Kreuz verliehen. Dre Hessische Tapferteitsmedaille besitzt er bereits. . v .
litt. Rendel, 3. Mai. Bon Samstag auf Sonntag wurde bei dem Jagdaufseher Karl Heeb in Rendel ein Eindruck verübt. Die Einbrecher drangen von der Straße aus in das Haus ein. nahmen 25 Flaschen Wein, 2 Eimer Schmierseife und sonstiges mit. Ebenso wurde auch bei Jakob Waltber ein Einbruch versucht. Tie Diebe wurden jedoch an dem Ausführen ihres Vorhabens gestört.
va. Vilbel, 3. Mai. Dem Gefreiten Wilhelui Zi un kan u und dem Musketier Eigen Meirich wurde das Eiserne .Kreuz verliecheu.
Kreis Wetzlar.
** Krofdorf, 2. Mai. Am Sonntag abend entschlief hier die Lehrerin Fräulein Alma W i ck m a n n im Alter von 23 Jahren. Sie hatte Vfyl Jähre an hiesiger Schule mit Erfolg gesvrrkt und es verstanden, die Herzen der Kinder und Erwachsenen zu gewinnen. Kurz vor Uebernehme einer Stelle in ihrer Heimat überraschte sie die Krankheit, der sie nach 14 Tagen erlag. Die ganze (Gemeinde betrauert ihr frühes Hinscheiden und wird ihr ein treues Andenken bewalaen.
** Salzböden, 3.Mai. Ludwin Schwarz, Wahrer oti einer Munitionskolonne im Westen, welcher schon seit Knegsbeginn
im Felde steht und bis jetzt auf fast allen DcieasschauplLtzen kämpfte, wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Hessen-Nassau.
Fc. Wiesbaden, 2.Mai Die Spargel zeit hat ihren Anfang genommen. Die warrne Witterung der letzten Tage machte sich sofort in den Spargelplantagen bemerkvar. Der hiesige Wochen- markt zeigte jedoch noch Ivenig Anfuhr. in ganz geringen
Mengen und nicht einmal in bester Qualität wurde der König der Frühiahrsgemüse heute feilgehalten und mit 3 Mark da? Pfund bezahlt. Die Anfuhr größerer Mengen, die sonst um diese Zeit sofort einsetzte, bleib t aus dem Grunde noch aus, weil in den ^benachbarten hessischen Gebieten, von denen der hiesige Markt mit Spargel versorgt wird, Weisung erteilt wurde, keinen Spargel auszuführen, bis die PreiSbedingungen eine endgültige Regelung erfahren haben. Die Ernte wttd voraussichtlich als gut zu bezeichnen sein.
vermischte».
* Berlin, 3. Mai. Björn Bj ö rn so n aifttvortcte laut „Bert. Tagebl." auf die Frage, ob er beabsichtige, die Direktion des Deutschen Volkstheaters in Wien zu übernelpnen, wenn Wrllner die Direktion niederlege, wollten er und Gerhart .Hanptmann sie gern übernehmen.
*
* P o stnö tc der Zeitungen im D r e iß i g jä hr ig cn Kriege. „Infolge unvorhergesehener Ferkehrsfckwierigkeiten" ist in den Zeitungen im Laufe des Krieges eine bekannte Wendung geworden. Am ungernsten sehen sie die Leser, wenn sie eine eigene Entschuldigung der Zeitung ein leitet. Auch das ist freilich nichts neues unter dew Sonne: vielmehr hat die deutsche Presse gleich in der Zeit ihrer ersten, verheißungsvollen Ausbreitung, in der Zeft des Dreißigjährigen Krieges unter den Postnöten arg z-u leiden gehabt. Zu Begimr des 17. Jahrhunderts hatten sich ziemlich gleichmäßig in den ^.Mittelpunkten des Verkehrs in Deutschland, dem übrig-cn Europa vorangehend, aus deni regen brieslicken Nachrichtenverkehr der Resormationszeit einerseits, den. halbjährlich auf die großen Messen erscheinenden sogenannten Meßrelationen andererseits Wochenzeitungen entnftckelt. Ihre Herausgeber gehörten weift den geistig regsten und gebildetsten Ständen an; besonders die Postmeister der Toxischen Post, M denen sich naturgemäß Nachrichten von überall her trafen, nahmen sich des neuen Nachrichten- Verkehrs gerne an und.suchten vielfach sogar, vmr weltlichen und geistlichen Bclchrden unterstützt, ein Zeitungsmonopol der Post dnrch-zusetzen. Sie Verschmähren es auch nicht, ihre Mitbewerbrn durch Vernachlässigung der Besördenlng ihrer Zeitungen auszu- stechen, was schon vor Ausbruch des Krieges i» Frankfurt a. M. zu einem längeren ReäWftreite stchrte. Gerade das Blatt des Frank- surder Postmeisters von den Birghden, der seit 1609 als Beamter des Generalpostmeisters des Reicks, des Grälen Leonlmrd von Taxis die Frankfurter Postvcrhältnisse in ausgezeichneter Weise ausbaute, mbr gelegentliche Einblicke in die Besä/werlichkeit, die der Krieg den Zeitungen damals auf dem Gebiet der Post brachte. In ihren Nummern, besonders in dem kritischen Jnhre 1634 finden sich dir Spuren, wie auch die Herausgabe der Zeitung durch die Post selber sie nicht v»r schweren Verlusten schützen konnte. L. Salomon m seiner Geschickte dos deutschen ZeitungStvesens ft'chrt daraus sollende Mitteilung an die Leler an: Im Juni 1634 macht die Frankfurter Behörde in einem Exttablatt (Ertraordinari) ihrer Zeitung bekannt: „Die Ordinari Posten von Frankfurt nach Kölln vom 22. und 29. Mav und 8. Juni seyndt abernrahien von den Ligisti- schen mrd Spanischen ^ Andern*ch ufhit Westerwald uffgsang-en, die erste gantz Hinterhalten, die letztere aber von dem Postvertv-rlttr Iol-ann Coosfeldren dockt leröfftrett distribuiort, dock viel Brief hinteichalten worden, werdcm also die Herren Interessenten dies in Acht zu nehmen ivissen." In einer späteceir Nummer wird geklagt: „Die Posten auß Italien, Schw-eitz mrd Franken seyndt dato nicht angekommerr." Wieder später: „Wegen aller hin )ind wiederziel)en- den Kriegs Armeen seyndt alle Posten aus Teutschland gesperrt."
^Dir Tarnkappe der Sckiffe. Die U-Dootgefahr im Sperrgebiet ist so groß, daß die seefahrenden Völker alte möglichen Mittel versuchen, ihr zu entgehen. Nach einer Meldung aus .Kristiania soll nun tatsächlich eiae Tarnkappe gesunden sein, die die Schiffe unsichtbar inacht. Es handelt sich dabei selbstverständlich nicht um die Rau«l«vvlken, die ein Schiff zwar einhüllen, seinen Ort oder sein Fahrwasser aber aus weite Entfernungen verraten, sondern um eine neue Arr deS Anstriches, die ein ftanzösischer Ingenieur namerrS Ressins erfurrden hat, der zugleich Maler ist. Bei der letzten Versammlung der Reedervereinigung in Knftiania ist den Fachleuten mitgeteilt worden, daß die norwegischen Marinebehörden mit dieser Erfindung Refsinss erfolgreiche Versuä>e gemacht haben. Man verglich die Sichtbarkeit zw'ier Torpedoboote, von denen das eine mit der üblichen grauen Farbe, das andere nach den Angaben Ressinös angesttickvn war. ?lus 3500 Meter nurchte der Ressin^sche Anstrich das Fahrzeug vollständig unsichtbar, während das andwe deutlich •vu erkennen war. Bei 2300 Meter konnte Ressinös Fahrzeug ver- schrvominen erkannt werben, und erst bei 1300 Meter war es deutlich zu sehen. Worin der Ressines che Farbenarr strich besteht, geht aus beu vorliegenden Meldungen nicht hervor: dcrrüber aber ist Ressine selbst sich im Klaren, daß sein Anstticb ein Schiss mdrt unsichtbar macken kann, solange ans dem Schlote eine Rauchwolke hervorgnillt.
* Spirit u r-ersatz für M o to r zwe cke. Die Nollvendig- Feit, einen vollgültigen Ersatz für manche nicht reichlich vorlMndenen Stoffe zu schassen, ist zunr Ansporn für zahlreiche wichtige Erfindungen geworden. Daß Entdeckungen, die twn Deutschland, dem originalsten Lande in dieser Hinsickft, aus irgend cinern Gruirde nicht selbst vertnertet werden konnten, vonr ebenfalls mitleidenden, neiftralen Ausland aufgegrissen werden, spricht auch hier für die Sache. So wmrdc bei uns ein Verfahren, Sulsitspirttus aus dem Absallwasser der Holzzellstvsferzengung zu getvinnen, ertAnden, das wie für den Holzreichtum und die ansgedehnre HolzverarbeitungS - industtie Schwedens geschaffen war. Die Ausnutzung dieses Brennstoffes l>at nach einer Mitteilung der Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnvensalter in Schweden bereits solche Dimensionen ange^ nommen, daß eine Privatbahn in Darlekarlren. sogar den Betrieb einer Lokomotive mit Hilfe dieses Spiritusersatzes für lohnend fand. Schwedische Militärkrafftvagcn sollen auf gleiche Weise betrieben koc-rden. Bei voller Ausbeutung tverden in Schweden jährlich 27 Millionen Liter produziert werden können.
* C a l a i s a l s e n g l i s ch e S t a d t. Es ist ein merkwürdiger Zufall, daß in deirselben Tagen, in denen die. „Wlnisckw Zeitung" uns als Vorkämpfer Europas gegen England bezeichnet hat, im Verlag Wyß in Bern in sranz-ösischer Sprache ein Büchlein von Jean Lulves ersäsienen ist, das den Titel trägt: „Calais unter der englischen Herrschaft 1347—1558 (Calais so ns la domination an- gläise 1347—1558)" ?ln der Hand der zeitgenössischen französischen Geschichtsschreiber und Dichter schildert es die mehr als 200- jährige Herrschaft, die. die Briten ilber Frankr«ck>s bedeutendsten Hafen platz am Kanal auSgeütr haben, eine Fremdherrschaft, deren ganze Grausamkeit nnS eben ein ncnies Schauspiel „Die Bürger von Ealais" in dichterischer Ausschmückung vorgesührl bat. Einer der bcstanntesten französischen silefchichtssckneibcr jener^Periode, Frois- sard, hat Calais als Englands vielgeliebteste Stadt bezeichnet: „denn solange es Herr von Calais ist, ttägt es Frankreichs Schlüssel am Gürtel!" Tie Franzosen von 1917 sind noch nickt bis zu dieser Erkenntnis gelangt: ob nickst dock in^absehbarer Zeit die Sttinde- kommen wird, uw? sie sich au jenen Satz Fwissards erinnern und wo sie verstehen tverden, 1»aß Deutschland, tvenn es England von Frankreichs Küste zn vertreiben sucht, eine Mission des ganzen Festlandes erfüllt?
Briefk«sten -er Nedaktion.
$. ff. M. Wenn der Hausbesitzer seinerzeit einen Nachlaß auf die Miete. ackwcHrt hat, s» kann er diesen Betrag nachträglich nicht tvieder in AnrrckMrng bringen. Die Kündigung der Wohnung dagegen steht ihm, sofern nicht hierüber besondere Vereinbarungen getroffen sind, stckerzeit frei. Der Kriegszustand hat weder dem Mieter noch dem Vernrieter der vertraglick>en Pflichten cmthvben, rveun auch die eine oder andere Partei ins Feld rücken mußte.
Prozesse gegen .Kriegsteilnehmer, z. B. auf Zahlung der Miete oder Räumung der Wvhnunq, können nicht dnrchgeführt tverden. sobald das Gericht von der Emziehung zum Kriegsdienst Kenntnis erlangt 'vgl. Gesetz vom 4. Anglist 1914): jedoch ist es nach einer
BundesratSVerordnung vom 14. Januar 1916 in wichtigenenl Fällen brnt Gericht gestattet, dem Kriegsteilnehmer auf Antrag des Gegners einen Vertreter zu bestellen rlnd dann den Reckstsstteit zur
Entscheidung zu bringen.
Bei Mretverhältnissen, die schon vor denk 31. Juli 19H bestanden. kann das Gericht allen. Mietern nach den Bundesrats- Verordnungen vom 7. imb 18. August 1914 Zahlnng SauSst«ib gs- währen und das Recht des Vermieters, die Räumung Zit vertang«i, aufheben: vorher ist jedoch das zuständige MietSeinigungsmitt zu hören.
5. A. im Zrltze. Die Zeichen bedeuten Augeki - und (>ahnlecv«k. Ob Kriegsvenoetrdungsfähigi^it besteht, unterliegt per E«ts^>- düng späterer Untersuchung. Einsttveilen ist der vorläufige geltetro.
K l e i n k a r t o f s e l z ü ch 1 e r. Anonyme Zuschriften können von uns nicht beachtet werden.
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Letzte Nachrichten.
Der l.Mai.
Kopenhagen, 2. Mai. Laut Pariser T«stegramnle»r kau»-«- dort anläßlich der Maikundgebungen zu Zusammenstößen zwischen Demonsttanten und der Polizei. Die .Demov.strant.en setzteir sich lnuiptsäckrlich aus Syndikalisten und farbigen Soldaten zusammer:. Der rusfisck e Revolutionär Janesko hielt Reden gegen den «.virg. Die Polizei vermochte schließlich die Demonftramen auseinandrr zu jagen.
Malmö, 2. Mai. Tie Kundgebrkngen am 1. Mai vertiefen in Malmö in der gewrstiiUichen Ruhe und ^rwumg. Die gnr»sse»»n Gegcilmaßregeln, die für Stockholm durch das Eirüenken der Regierung abg-ewehrt wareri, rvaren hier überhaupt nicht geplant.
Stockholm. 2. Mai. Dir Petersburger MaifÄer oer^e^, einer Meldurrg der Petersblkrger Agentur zufolge, unter Anschluß der begeisterten Bevölkerung ohne bemerkenswerten ZnftickrenfeU, obkoohl angeblich über I Rcillivn Menschen an der Feier teftn«Un. Tie Regierung hatte den 1. Mai als st^ationalfeiertac! erklärt Msle Arbeiten waren eingestellt worden, kein Stratzeubapnver^hr ianv statt. Die (Geschäfte, sogar die Rostaurvnts^lmtten geschl»ssen. Frauen, Männer und Kinder zogen durch die Straßen und langen die Marsellaise und russische Arbeiterlieder. Die Prozessionen begannen am frühen Morgen und endigten am späten Abend. In dem Zug wurden Hunderte von Fähwm getragen. Man sah S»l- daten und Ofsiziere Seite au Seite mit den Arbeiterin Die Petersburger Zeitungen widmen der Feier begeisterte Artikel und heben die große Solidarität hervor.
Genf, 2. Mai. Das Pariser paziftstisch gesinnte vomite de France stmdikalrske hielt eine von 8000 Teilnehmern beschickte Maiseier-Bersammlnng ab, derer: Tagesordnung die Zensur ebenso unterdrückt, ime die Rede des russischem Revolutionärs Einige taufend Teilnehmer, ivelckie eine gegen den offiziell«: Sozialismus gerichtete Kurrdgebring auf dem Boulevard Rt«GMt>a veranstalteten, wurden polizeilich zersprengt.
Nutzland.
Stockholm, 3. Mai. Wie der Vertreter von -Lpa Dagt^tzt Allehanda in Haparanda seinen: Blatte aus bester Quelle ntrtteu}, hat der englisch; Bosichaftcr in Petersburg sin russischen Auswärtigen Amt verlangt, daß die im Auslande lebenden Ru ssen^ncht mehr Heimreisen dürfen, selbst wenn sic dazu Pässe von russischen sandten oder Konsulatei: erhalten .haben. Ebenso stellte er die Forderung auf, die russischen Sozialisten in der Heimat sollten keine Erlaubnis zur Ausreife erhalten.
Denkmäler als Munitionsmaterial.
Kopenhagen. 2. Mai. Das mächtige Bronzedenkmal von Katharina II, das die Stadt JekaterinoSlawr ihrer Gründen er richtet hatte, ist auf Wunsch der Bevölkerung nach den Brisanski- werkcn überführt worden, ivv es ein geschmolzen wird und zur Munttionsherstclsimg Berwcndimg sind«: soll.
Nem Entente-Krregsziele.
Bern. 2. Mai. Nach einer Londoner Rcuternachrichl ist Premierminister Lloyd George am 1. Mar zu wichtigei: Beratungen nach Frankreich abgefahren. Gs wird vermutet, daß die neuen Krieg-sziele Arnerikas imb der Entente den .Kern der K»?v- rerenzen bilden werden.
Englische Gemeindeküchen.
Rotterdam, 2. Mm. ^.Merrwe Rotterdamsche Evuraitt" melket aus London, daß im ganzer: Lande Gemeindeküchen ein«- richtc.t werden, welche zur Versorgurrg der Bevölkorimg mit Miht- zciter: diene.
Frankreichs Mehl not.
Bern, 2. Mai. „Nouvelliste de Lyon" will wissen, daß Biolette Maßnahmen treffcit wird, um der: französische;: Mehlverb-rauch lediglich für die BrcftHerstellung zu reservieren. Der Uebergung zur n-errrn Ernte kann rmr mit knapper Not erreicht werden.
Argentinien verbietet das Befahren der KriegSzsm.
Berl in . 2. Mai. (Zs. Bln.l Mk argcnttnisckc Regierurrg hat nach einer Havasmeldung vom 29. Llpril eine Verordnung er lassen, die der: argentinischen Schiffen, rvclche ausländischen Be sitzern gehöre::, das Befahren der Kriegszone verbietet. Nach derselben Quelle verlautet ferner, daß die argentmische Negierung die Ausfuhr wn 50 000 Tonnen Gttreidc nach Spanien und 8000 Tonne:: Getteide nack Paraguay 'zestotten wird.
Ungarn.
Budapest, 3. Mai. Der Pester Lloyd meldet: Graf Tisza hat zwe: Mitgliedern der Verfassrmgsparkei, dem Gra fen Moritz Esterhazy und dem Grafen Stefan Bethlen an geboten, ins Kabinett einzutreten, und zwar sollte Ester hazy mit der Oberleitung der im Bereich der Uebergangv nnrtschasten liegenden Angelegenheiden, Graf Bethlen mit der Leitung der Arbeiten für den Wiederaufbau Sieben bürgens betraut iverden. Die beiden Mitglieder der Ver sassnngspartei ersuchten den Ministerpräsidenten, eine inc einzelne gehende 2lntwort auf das dlnerbieien erst nack) Rück spräche mit dem Grafen Julius 2lndraffy erteilen zu dürfen
wöchenü. Uederficht der Todesfälle l b. Stadt Gietzes.
14. Woche. Vom 1. bis 7. April 1917. Einwohnerzahl: angenommen zu 33100 (inkl. 1600 wtann Militär). Sterblichkeitszisfer: 36,15 *!+>.
Nach Abzug von 12 Ortsfremden: 17,30
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Anm.: Die in Klanrmern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betresfercken Krankheit mif von auswärts nack) Gießer: gebrachte Kranke kommeru
verüsjentlichung des Grotzh. SreiSgesnnd y e itz S a«t- Dr. Wal -er, Med.-R«t.


