Ausgabe 
7.4.1917 Drittes Blatt
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Nr. 82 Drittes Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

J67. Jahrgang

Betlögen:Giehener Hamilienblätter" und ttreisblatt für den Ureis Giehen".

Postscheckkonto: Zranksurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Gewerbebank Giehen.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Samstag, 7. April syU

Zwillingsrundoruck und Verlag:

B r ü hl'jche Unwersttäls-Buch-u.Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulsttam?. Geschäf.sitellem Vertag:

Schriftlettung: 112.

Anschrift für TruhtiMchrlchten:AnzeigerGießen.

Die Bewirtschaftung der Obst- und Gemüseernte im Wirtschaftsjahr 1917.

Ter Reichskanzler hat unter dem 3. April eine Verordnung «lassen, durch welche die von der Reichsstelle für Gemüse und Obst geplante Neuregelung des Verkehrs und Verbrauchs von Gemüse tatb Dbft rm Wirtschaftsjahr 1917 ihre gesetzliche Grundlage er­hält. Wir entnehmen der Verordnung, daß von einer zentraleil Be­wirtschaftung mit Beschlagnahme und Rationierung ganz abge- sehm wird und alles Gemüse und Obst ausschießlich im freien.' Vervehr aus dnr Märkten und in den Geschäften der Kleinhändler %mn Verkauf an die Verbraucher kommen soll. Dem Handel er­öffnet sich hiernach ein weites Feld der Betätigung. Tie ihm hier­bei notwendigerweise 'auferlegten Beschränkungen wird er unter den obwaltenden Verhältnissen gern tragen. So kann die Preis­regelung, : b<i die Nachfrage unverhältnismäßig größer sein wird «ls das Angebot, nicht dem freien Spiel der .Kräfte überlassen bleiben. Es stellt vielmehr in Aussicht, daß für alle Waren Höchst- pveise festgesetzt werden, von der Reichsstelle aber nur Er z euger- Höcmtpreift, wäl/rcid die Festsetzung von Höcksstpreisen für den Großhandel und Kleinhandel Sache der Kommunalverbände sein wird, welche allein in der Läge sind, den örtlichen Bedürfnissen durch rrckchige Veranschlagung der Spesen des Handels Rechnung zu tragen. Weiter ist das viel erörterte Schlußscheinsystem ein­geführt für alle Veräußerungen an Großhändler und Kleinhänd­ler. Hiermit erfüllt sich ein Wunsch, der ursprünglich nur von den Verbrauchern vertreten, später aber auch von dem gesamten Handel «usgenonrmrm worden ist. Auch, die Erzeuger haben sich immer Mehr von der Notwendigkeit der Einführung von Schlußscheineu überzeugt. Denn rmr mit tiefer Erbitterung sehen sie zu, wenn vom Verbraucher in den großen Städten für. eine Ware oft das Vielfache gefordert wird von dem, was sie erhalten haben. So - soll beispielsweise der Verbraucher für Aepsel jetzt bis zu 200 Mk. Achten, während der Erzeuger dafür nur 12 Mk. erzielen konnte Solchen Mißständen kann mit Nachdruck nur durch eine eingehende Kontrolle des Ganges der Ware vom Erzeuger bis zum Verbrau­cher mit Erfolg begegnet werden. Diese Aufgabe wird der Sck'luß- schern zu erfüllen lxrben Um alles zu vermeiden, was den' Er­zeuger hierbei unnötig belasten könnte, soll die Veräußerung vom Erzeuger an den Verbraucher, an Sammelstellen oder an Händ­ler im Umherziehen schbißscheinftei bleiben.

Eine weitere im Interesse des Erzeugers getroffene Be- Aemumng geht dahin,' daß, dieser, sofern er unmittelbar an Klein­händler oder an Verbraucher veräußert und dabei die Ware, aus eigene Kosten und Gefahr weiter als bis .zur nächsten Ver­ladestelle versendet, anstatt des Erzeuger-Höchstpreises den höheren Ewßhcmdels- oder Kleinhandelspreis fordern darf.

Bon besonderer Bedeutung ist die Vorschrift, daß alle Ver­träge, durch welche sich Erzeuger vor der Aberntung zur ent­geltlichen Lieferung von Gemüse oder Obst verpflichten, das von ihnen selbst abgeerntec 'wird, der schriftlichen Farin und weiter «Ach der Genelwrigung durch die Reichsstelle für Gemüse und Obst bedürfen. Dieses gilt auch für Verträge, die vor Inkraft­treten der Verordnung abgeschlossen find. Hns diese Wieise kommt die Reichsitelle in die Lage, durcki Versagung ihrer Genehmi­gung alle Verträge, die sich von dem aufgestellten Muster en t* fernen, -z-u vereiteln und so dem in der letzten Zeit immer leb- haj^r hervorgetretenen Konkurrenzkampf zwischen den Bewerbern wirksam entgegenzutrcten und eine ungesunde Preisentwicklung ^ verhindern, ohne daß. schon jetzt, cho der Ausfall der Ernte noch nicht ztu übersehen ist, mit Höchstpreis Vorschriften vorgegangen werden Muß. Haufen aus diese Meise alle Fäden des Handels Mi t Ge müse und Obst vor der Aberntung bei der Reichs stelle gftrf<mrmen, so Mrd sie auch die zu einer richtigen Verteilung erforderliche Gesamtübersicht besitzen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 7. April 1917.

Bücher ins Feld.

Tie Osterglocken klingen über die Lande und tragen die frohe Siegesbotschaft von neuem Leben hinaus durch die deutschen Gaue.

Bann des Winters ist gebrochen. Der Lenz ist gekommen, in der Hand ein Blütenreis, und rührt damit an die ttaurigen Men­schenherzen, daß sie.sich auftun zu neuem Hoffen. Aber unsere bra­ven Feldgrauen draußen können diesen deuffchen Frühling nicht schauen.^ Sie stehen in hartem bitteren Streite fern von der .Heimat; chnen ist Aufmunterung und Erhebung deshalb dringend not. Der ,,H le s s i s ch e Volks schriften-Verein" hat deshalb wiet« in großem Umfange viele hunderte von O st er blü che r pake tu­chen hinausgesandt zu unseren Kämpfern an allen Fronten und auf See. Diese Boten der dankbaren Liebe der Heimat wurden überall aufs freudigste begrüßt. Schon jetzt liegen eine große Reihe von Briefen vor, die eine neue Bestätigung der hohen Bedeutung guter Bücher für unsere Soldaten sind. Da wir jedoch dringend der Ueber- weisung neuer Spenden bedürfen, die es uns ermöglichen, inj dev bisherigen Weise fortzufahren, so ist unsere herzliche Ost^r bitte an alle Hessen in Stadt und Land: Helft uns durch eine be sondere Spende an diesem Werke der Menschlichkeit. Geld- oder Büchergaben werden bei dem Schriftführer des Hessischen Volks- schriften-Vereins, Lehrer Hassin ge r, Darmftadt, Stiftstr. 43, jederzeit gerir entgegengenommen.

*

** Amtliche Pers onalna chrichten. Dem Pfarrer Philipp A l d e k a m p zu Hamm ivurde die evangelische Pfarr­stelle 311 Wald-Uelversheim und dem Pfarrer Adam Hartmann zu Stadecken die evangelische Pfarrstelle zu Groß-Winternheim übertragen. Die nachstehend genannten Le hramtsre ferenda re wurden zu Lehramtsassessoren -ernannt: Tr. Ludwig Färber zu Mainz, Christoph Hechler zu Ober-Ingelheim, Hugo Holz­apfel zu Büdingen, Karl Kaus zu Neu-Isenburg, Otto Seitz zu Dieburg. Ernannt wurden weiter: der Finanzaspirant Karl Ullrich aus Geiß-Nidda zum Oberrechnnngsrevisor bei der zweiten Abteilung der Juftifikatur der Oberrechnungskammer, der Hochbauanffeher bei dem Hvchbauamt Tarmstadt Karl Cretcr zum technischen Revisor bei dem bautechnischen Bureau der Mini- sterialabteilnng für Bauwesen. Den Finanzamtmännern August K l in ge 1 ffer bei dem Finanzamt Tarmstadt I, Ang. Ber g, bei dem Finanzamt Friedberg und Ang. L ö f f l e r bei dem Finanz­amt Bingen wurde der Eharakter als Finanztat verliehen. Er­nannt wurde der Forstassistent Wilhelm Lipp zu Grebenhain zum Oberförster und der Forstassessor Edwin v. B e ck e r zu Tarm­stadt zum Forftassistenten, die Bauafpiranten Johann Schütz aus Stockstadt a. M., Leonhard Treu sch aus Brensbach, Kreis Die­burg. Ferdinand Fischer ans Steinheim, Kreis Gießen, Wil­helm Schnlm eher aus Mörfelden, Jakob- Bensheimer aus Dieburg, Johannes Tamm aus Frischborn zu Hochbau- aussehern sowie die Bauaspiranten Karl W i n h a r t aus Wei­senau und Heinrich Ahl aus Westhofen zu Dam meistern.

** I m S chwar z-Wei ß-T hea ter, Seltersweg 81, ge­langt ab Samstag und über die Osterfeiertage ein anserwähltes Festprogramm zur Vorführung., Davon sind zu erwähnest: Die Kriegsepisode in drei AktenRän an den Feind", ein dreiaktiges SeedramaDas Todesschiff" undIn eigener Sache", ein spannen­des Detektivschauspiel in zwei Akten.

Landkreis Gießen.

Hattenrod, 6. April. Der Re'ervist Heinrich BaLs e rIII., Sohn des Schreinermeister Heinrich Baiser II., der seit Beginn des Krieges im Felde steht, wurde am 17. März mit der Hessische: Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

Hessen-Nassau.

= Frankfurt a. Mi, 6. April. Vom Zoologischen Garten wird uns geschrieben: Ern großer Teil der in den Wmterherbergen untergebrachten Tiere hat seine Wohngehege wie­der bezogen. Neu sind vier junge Bastardferkclchen, die von einem Wüdschweineber und einem weiblichen chinesischen Maskenschwem äbstam men. Großes Interesse findet die ständig sich vervollkomm­nende Kaninchenzuchtanstalt, die zurzeit eine bedeutende Zahl Jungtiere aufweist. Wesentlich verbessert wurde die Besetzung der Flußftschabteilung des Aquariums. Neu ausgenommen ist die Aus­stellung und Zucht einer Anzahl bester Nutzhülmerrassen. Im Lauft der vergangenen Woche wurde eine Reinigung und Neu-Bewäs­serung der Weiher ausgeführt.

kirchliche Asrchrichten.

Evangelische Gemeinde.

/Sonntag, den 8 . April. 1. Osterfeiertag. Kollekte zur Erhöhung des KapftalVermögens der Kirche. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vorm. 9Vs Uhr: Pft. Mahr. Vor­mittags 11 Uhr: Kinderkirche f. d. Matthäus- u. Markusgem gemeinsam. Abds. 6 Uhr: Beichte f.d. Konfirm. aus d. Markus u. Militärgem. u. deren Angehörige. Pfr. Schwabe. Montag, den 9. April, 2. Osterfeiertag, vorm. 9Vs Uhr: Konffrmation der Kinder^aus d. Markus- u. Militärgem. Feier d. hl. Abendmahls Pfr. Schwabe. Nachm. 3 Uhr: Vorstellung u. Prüfung dei Konftrmanden a. b. Matthäusgem. Pfr. Mahr. Abds. 6 Uhr Pfarramtskandidat St e ubin g. In der I o ha nnes kirche. Vorm. 9Vs Uhr: Pfr. Bechtvls heimer. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche f. d. Lukasgem. Pft. Becht ol s hei mer. AbE- 6 Uhr: Pft. Aus selb. Montag, 9. April, 2. Osterfeiertag, vorm. 9Vs Uhr: Pft. A u s fe l d Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche s. d. Johannesgem. Pft. Ans selb. Nachm. 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung d. Konfirm. aus d. Lukasgem. Pft. Bechtolsheimer.

1. Ostertag 8. Apr. vorm. 10 Uhr: Kirchberg. (Heil. ?lbendim für Staufenbergs, iiachm. 1V 2 : .Kirchberg. Vorstell, der Konfirm. 2. Ostertag, 9. Apr., vorm. 10: Kirchberg. Dekan Gußmann. vorm. 9: Mainzlar (heil. Mendm.) Pft. Büchner, Treis a. d Lda.

katholische Gemeinde.

Samstag, 7. April, nachm. 5 u. abds. 8 Uhr: Gelegenh. z hl Beicht. Sonntag, 8. April. Ostersonntag. Vorm. 6Vs llfi Gelegenh. z. hl. Beicht. Vorm. 7 Uhr: Hl. Messe. Vorm. 8 Uhr Austeil. d. hl. Kommunion. Vorm. 9 Uhr: Hochmut m Predigt Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe m. Predigt. Militärgvttesdienst. Nach- mittags 2 Uhr: Feierliche Vesper mit Segen. Montag, 9 Achril Ostermontag. Vorm. 6Vs Uhr: .Gelegenh. z. hl. Beicht Vorm, 7 Uhr: Hl. Messe. Vorm. 8 Uhr: Austeil, dar M. Kommunion. Vorm. 9 Uhr: Hochamt. Vorm 11 Uhr- Hl Messe. Militärgottesdienst. Nachmittags 2 Uhr: Fest-AndrÄ mit Segen. Dienstag und Freitag, abds. 8 Uhr ist Krregsbittandacht. Diaspora-Gottesdienst am 9 April' In Grünberg 91/2 Uhr, rn Hungcn 9Vs Uhr, in Lich 8 Uhr. Smnsdrg, 14. April, nachm. 5 und abds. 8 Uhr: Gelegenh. z. hl Besitz Sonntag, 15. April. Weißer Sonntag. Vorm. 6V2 Uhr: Gelegenh- z- hl. Beicht. Vorm. 7 Uhr: Hl. Messe. Vorm. 8 Uhr: Austeil. d. U. Kominunron. Vorm. 9 Uhr: Hochamt m. Predigt. Feier der ersten kl. Konrmunron d. Kinder. Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe. Nach­mittags 3 Uhr: Andacht m. Segen. Montag, vorm. 8 Uhr, ist

Amt f. d. Erstkommnnikanten. Dienstag u. Freitag, abds. 8 Uhr, ist Kriegsbittandacht.