lkr. 97 Zweiter Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
«Klagen: „Giehener KamNiendlMer" und „Areirdlatt für den kreis Sietzen".
P-sifcheckkonto: ßranrjurl am Main Nr. U684.
Vankverlehr: Hekserdebank Kietzen.
lb7. Jahrgang
General-Anzeiger für EderheUn
donnersrag. 2ö. April M
ZwiüingSrundoruck und Verlag: Brühl'fcheUnwersttälS-Bitch'-u.Strnidr! ckerei.
R. Lange, Gießen.
Zchriftleltung, SeschästssteÄe und Druckerei:
Schulstrage?, Geschäs-oilelle u. Bering: 51,
Schriftleuung: 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerWie^en.
Autzerordenliiche haupwersamminng des Vereins Deutscher ZeilrmgsoeNeger.
Die auf Sonntag. 22. April, nach Bcrlff: unberufene außcr- vrdcntl:che Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungs- Verleger ftxir aus allen Teilen des Reichs sehr stark besucht. Vor dem ^Eintritt in die Tagesordnung erstattete der Vorsitzende, Dr. Fa be r (Pdagdeburg), eiugel-end Veriäst über die umfassende '-vattgftüt des Vorstandes und der Geschäftsstelle in Wahrnehmung l>er ^verschiedenartigsten Interessen des Zeitungsgetverbes, besonders m Sachen der KriegswickstigLeit der Betriebe mrd in der Papierlrage. Gegerrüber den von linderer Seite gemachten Ausstellungen billigte die Versammlung das Verhalten der Vereinsleitung und nahm, mit allen gegen eine Stimme, eine Entschließung an, die dem Vorstände den Dank und die Anerkennung des B^eins und die feste Zuversicht ausspricht, daß er auch weiterhin kein Mittel unversucht lassen werde, um den Schwierigkeiten, die vermöge der langen Dauer des Krieges den Vesttrnv der dcntscl-en Presse bedrohen, sachgemäß :u:d erfolgreich zu begegnen.
Zu deni Punkte „K r ie g sw i ch t i g ke i t aller Zeitung s b e t r i e b c" teilte der Vorsitzende mit, daß es bisher nur in. einzelnen Korpsbezirken gelungen sei, bei den zuständigen Kriegsamtsstetten die Erklärung aller Betriebe als kriegswichtig durchzusetzen. Zur Beseitigung der dadurch herbeigesührten ungleich- inäßigen Behandlung, die im Gegensatz zu den gegebenen Zusagen steht, nimmt die Versammlung einstimmig eine Entschließung au, die sich gegen die noch vielfach erfolgende rücksichtslose Einziehung unersctzlick)er Kräfte des Zeitungsgewerbcs wendet. Der Vorstand wird aufgefordert, mit aller Entschiedenheit nochmals darauf hinzuwirken, daß die Zeitungen nun endlich in allen Korpsbezirken als kriegswichtig erklärt werden, damit das Zeitnngsgewcrbe von der bei der Bedeutung seiner vaterländischen Ausgabe doppelt schwer auf ihm lastenden dauernden Beunruhigung befreit und d-ff Aufrecht- erhaltnng seiner Betriebe gesichert werde.
Besonders gründlich ivurde die Papitrfrage erörtert, — in Verbindung mit einer von den Gehilfen neuerdings geforderten außerordentlich hohen Lohnerhöhung die schw-erste Kriegssorge der Zeittrngsbetriebe. Der Bericht des Vorsitzenden über Die Reichs-- stelle für Papierholz, die ihren wesentlichen Zweck, das Papierholz aus der preis steigernden Kriegskonjunktur herauszunehmen, nicht hinreichend zu erfüllen scheine, vor allem auch, weil in ihrer Leitung kein Vertreter der Papierverbrancher sitze, fand in der Versammlung lebhaften Widerhall. Esser (Stuttgart) bedauerte die Fortdauer des Holzwnchers unter den Augen der Behörden; La tt wann Goslar) rügte die Papierverschwendung, die in andern Zweigen des Papiergewerbes vielfach noch getrieben wird und die ausreichende H-erstellnng und Lieferung von Papierholz verhindert; Krauß Leipzig) erklärt für den Kreisverein Sachsen, daß dieser eine Papier- vreiserhöhung unter keinen Umstanden annehmen könne. Es sei bitterer, letzter Ernst, wenn die Zeitungen, die als fast einziges Gewerbe keinen Kriegsgewinn aus der Kriegskonjunktur zögen, -nun sagten: wir können nicht mebr. Landtagsabgeordneter Graes Anklam) betonte mit Schärfe, jedes Vertrauen zu der Regierung müsse schwinden, wenn das von ihr, unter Geldopsern der Verleger, geschaffene Organ das Papier verteuere, statt es zu verbilligen. Besonders die mittlere und kleine Provinzpresse erliege unter diesen Umständen der Konkurrenz der billigen, noch kapitalkräftigen Großstadtblätter. Der mehrfach geforderte gesetzliche Zwang zur Herstellung einer gewissen Menge von Druckpapier ist, wie RDüller Berlin) ausführt, in der Satzung der Reichsstelle für Papierholz bereits vorgesehen, aber bisher nicht durchgeführt, da man, wie Prof. W o l l f (Dresden) bemerkt, den Bock zum Gärtner gesetzt hat. Es sprachen ferner L e n s i n g (Dortmund), D i e t z s ch (Schwerin), Dr. Korn (BreÄan); alle forderten von dem Vorstande, die äußerste Entschiedenheit gegenüber den Papierfabriken und angesichts des Versagens der Reichsstelle für Papierholz zu zeigen, und die Aufforderung eines der Redner, im Falle, daß das Gewerbe weiter von der Regierung im Stiche gelaffen werde, zur Durchsetzung seiner bedrohten Interessen, die mit dem großen Interesse der Allgemeinheit zusammenfielen, die äußersten, letzten gesetzlichen Mittel zu ergreifen, um endlich dm um ihre Existenz ringenden Zeitungsverlegern zur Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen zu verhelfen, /and stürmischen Beifall. Der Vorsitzende begrüßte diese Haltung der Versammlung, die dem bisherigen Vorgehen der Leitung entspreche, die ihre Auffassung der leitenden Stelle bereits sehr deutlich zum Ausdruck gebracht habe. Die sehr lebhafte Aussprache gipfelte in einer einstimmig angenommenen Entschließen n g. Sie stellt die große Erregung der Zeitungsverleger über die drohende Papierpreiserhöhung gegenüber der andauernden Verschlechterung der Lage des Gewerbes fest und verlangt, daß die Papierholzstelle unter Zurückstellung fiskalischer Interessen und bei ungemessener Vertretung des Zeitungsgewerbes in ihrer Geschäftsführung - ihrem Eigentlichen Gründungszweck dienstbar gemacht werde. Unter den weiter angenommene:: Anträgen gilt einer (von Wollf, Dresden, gestellt), der Aufdeckung des Wuchers mit anderen Rohmaterialien, insbffondere der Farbe. Die Besprechung der Lob ns rage wird, a(s zur Zuständigkeit des Deutschen Buchdrucker-Vereins gehörig, ausgeschieden und nur mitg^teilt, daß ganz
Sin ohrrhessischer Gartenbarrkünftler.
(Zur Erinnerung an Heinrich Siesmayers 100. Geburtstag.)
Wenn auch Heinrich Siesmayer, der „Moltke unter den Gärtnern", ans dem Sande bei Mainz das Licht der Wett am 26. April 1817 erblickte, so wurzelt er mit seinem Gartenkünstler- rum, das bahnbrechend und nnrstürzend zugleich 'wirkte, in Oberst e i s c n. In Gro ß- Karben , wo sein Vater als Kimstg ärmer ansässig war, verlebte der junge Siesmayer seine Jugendzeit, besuchte er die Schaffe Und 'wurde von seinem Vater in bie ersten Geheimnisse der Gärtnerei ein geführt. Schon in dem Schulknabcn regten sich die Schwingen der Phantasie, wem: es gilt, aus gärtnerischem (Kebiete etwas Neues zu schaffen oder zu erproben. In der schönen Selzerbrunnen-Allee bei (Hroß-Karben sind- heute nock; Bäume vorhaitdeu, die der junge Sies master mit 5 6 Sorten gepropft.hat.
In vorzüglicher Lehrzeit bei der Kunst- und Handelsgärtnerei von Sebastian und Jakob Rinz in Frankfnrr reifte Siesmayers Talent heran und brach sich stnrm^sgleich Bahn. Seine kleinen Gehilsenarbeiten bei der Schaffung der Kuranlagen in Wiesbaden und zahlreichen Frankfurter Privatgärten, trugen^das Gepräge von Originalität und (Großzügigkeit, klassischer Schönheit und Natur »vahr heit. Zu voller Entfalttmg kam dann Siesmayers Künstlerturu, als er, der 19jährige Jüngling, 1846 gemeinsam mit seinem alleren Bruder Nikolaus in Bockenherm die Gärtnerei G e b r. S i e s m a y e r gründete, jene Schöpfung, die heute Weltruf genießt.
Ueherraschenü schnell wuchs die. Firma. Die originellen Ideen, die .Öeutrid' Siesmayer bei Garttvranlagen offenbarte, schafften dem „Geschäft",Aufträge in Hülle und Fülle. So schuf Siesmayer Livischen 1840--1850 u. a. die prächtigen Gartenanlagen des Barons Löw in Dorheim (Wetterau) und des Herrn Fauerbach in G r o ß-K'a r b en. Die Hauptarbeit dieses Jahrzehnts ist ohne Zweifel die 3 5 0 M d r g e n g r o f; c Anlage des K urpa r ks in Ba d-N au heim , die noch heute, als glänzendes Muster von vollendeter Einheitlichkeit in der Durchschläft er den letzten Schlaf. Seine ragende Bedeutung ruht darin, laß er den Gartenanlagen künstlerische Kraft, Natürlichkeit und lachendes Leben einhauchte, sie von dem starven geometrischen und
außerordentlich hohe Forderungen von den Gehfffen erhoben werden.
Den Beschluß machte eine Besprechung innerer Vereins- angelegenheiten, n>orauf die Versammlung nach fünfstündiger Dauer ihr Ende fand.
Arrs Stcrdt unb Can&>
Gießen, 26. April 1917.
** Die zweite Kriegslotterie des Hessischen Roten Kreuzes, die 109000 Losbriefe zu einer Mari mit 5000 Gewinnen im Gesamtbetrag von 33 500 Mark
bei sofortigem Gewinnnttsüieid und sofortiger
Gewinnauszahlung bringt, ist nunmehr im Gange. Auch in Gießen sind jetzt Losbriefe erhälffich und zivar außer
beim Roten Kreuz in der alten Klinik in erster Linie bei der Filiale
der Mitteldeutschen Creditbank, die sich auch in entgegenkommender Weise bereit erklärt hat, ihr vorgelegte Gewimffosbriese sofort in bar einzulösen. Jeder, der also in dieser mit äußerst günstigen Gewinnmöglichkeften (jedes 20- Los gewinnt) ansgestatteten Geldlotterie ein Los spielt, kann sogleich den ihnr zu fall er den Gewinn in barem Gelbe in Empfang nehme::. Weitere Berka: iss stellen in der Sttüit 'werden noch bekannt gegeben. Ta in der Zeit vom 1. Juni bis 15. Juli 1917 bestittmtiingsgemäß die Lotterie ruhen muß, empfiehlt es sich sehr, sich sobald wie möglich in Besitz eines Losbrieres zu setzen, um schnell der guten Sach? zu dienen und sich selbst.die Möglichkeit eines ansehnliche:: Geldgewinns nicht entgehen zu lassen.
Landkreis Gießen.
** Climbach, 25. April. Den: Gardisten Hans Wißner wurde das Eiserne Kreuz -weiter Klasse verliehen.
**Großen<-Linden,25. April. 2lus gezeichnet wurde der Bizefeldwebel Karl P: r r (Fnnkermeisler bei einer Fliegerabteilung im Westen), Sohn des Ph. Pirr III., nrit dem hessischen „Allgemeinen Ehrenzeichen nrit der Inschrift für Kriegs Verdienste am Kriegsbande."
u. Henchelheim, 23. April. Wiederum wurden von den aus unserer Gnneinde au sg.? zogen en feldgrauen Krieoern eine stattliche Anzahl mit Kciegsehvenzeichen bedacht. So erhielten Gardist Otto Kr ö ck, die Kanoniere Otto Schmidt und Wilhelm Hofmann, die Musketiere Fritz G e r n a n d t, Wilh. Rinn und August Volk mann das Eiserne Kreuz.' Llüßer dem obengenannte:: Kanonier Wilh. Hofmann. wurden noch die Musketiere Friedrich Bepler, Albert Rinn, Geftefter Will: Rinn mit der Heffsichcn Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Sanitätssoldat Hermann Ruppert erhielt das Sanitätskreuz.
- S te: n b ach b. Gießen, 23. April. Ter Kanonier Heinrich Becker, Sohn des Heizers Karl Becker, jetzt wohnhaft in Bersrod, wurde auf Ostern -zum Gefreiten befördert. Er ist bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Kl.
H. Rüdin gs'hausen, 25. April. Lehrer Otto Becker, w-elckrer gegenwärtig an eine::: Kursus für Offiziers-Aspiranten teilnimntt, wurde znm Unteroffizier befördert.
* Utphe. 25. Aprff. Der Pionier Otto Schneider III. ist an der Westfront den Heldentod gestorben. Er hinterläßt eine Wittve mit 3 :rn:m':ndigen Kindern, von denen das älteste sechs Jahre alt ist.
Starkkttburg und Rheinhessen.
Ra unhe i m a. M., 24. April. Unbekannte Täter erbrachen in der hiesigen Efi'iterabferttgimgshalle zwei schwere mit Lebensmitteln gefüllte Kisten und stopften diese nach restloser Beraubung bis oben mit Steinen voll.
Kreis Wetzlar.
ra. Wetzlar, 23. April. Das König!. Konsistorium weist darauf hin, zur ersolgrerchen Durchführwrg des Krieges sei es erforderlich, daß die Ernährung des Bolws dunh Erzeugnisse des eigenen Landes sichergestettt werde. Um dies zu ermöglichen, müsse mit größter Beschleunigung und mit .Anspannung aller Kräfte an die landlvirtschaftlichen Arbeiten herangegangen werden. Es sei unumgänglich notwendig, daß während der Frühjahrsbestellung und Ernte unter Turchbr-echung der alten gehäligten Sitte und unter Preisgabe der tvohlverdienten Ruhetage auch die SvNn- und Feiertage zur Berrichttmg landwirtsck)asllicher Arbeiten benutzt werden. Es werde sich enipfehlen, in ländlichen Gemeinden all- geniein den Ha:wtgottesdienft auf eine frühere Tagesstunde zu verlegen, damit der Rest des Tages für die Feldarbeit freigegeben werden könne. Bor den wichtige::, aus den Schultern der ländlichen Bevölkerung ruhenden vaterländische:: Pflichten müsse das Gebot, die Sonn- und Feiertage durch Arbeitsenthalttmg zu heiligen, zurücktretem. Die Geistlichen der Landgemeinden werden ersucht, in diesen: Sinne aufflarend zu wirken.
Hessen-Nassau.
ra. Al ten kirchen, 24. April. Der Provinzialrat genehmigte für !lmser Kreisstädtchen die Einlegmrg eines Viehrnarktes aus den 3. Aprff 1918.
ra. Eamberg, 24. April. Im abgetcmfenen Schuljahr besuchten 110 taubstumme Kinder (45 Mädchen und 65 Knaben) die hiesige Taubstummenanstalt.
führung und von Großzügigkeit gilt. Für diese Meisterschöpfung ^ernannte Bad-Nauheim de:: Künstler zu seinem Ehrenbürger, und der Großherzog verlieh ihm 1866 den Titel eines Hof- garten-Jngeuicurs u::d Hoslieferanvm. Dieser Leistung, die ihm Weltruf verschaffte, reihte Siesmayer bald eine andere Großtat an: die Schöpftrng des .Frankfurter Palmengartens. Als Belohnung für diese l>ervorragende Arbeit erhielt er von der Staatsregierung den Titel „Kgl. Gartenbaudirektor". Ten Geschmack der 70er Jahre zeigen nebe:: zahllosen and.'reu Leistungen Siesmayers, der Garten der Frau General von G ün d r o bc in Höck,st (Wettermr), und die Umwandlimg eines Steinbruchs bei Kaiserslautern in eine höchst malerisch' fföebirgslandschaft, die in: Volks munde den Ncvnven „SiesNmyerei" führt. Zn den bedeutendsten Schöpfungei: der Gartenkunst, zähle auch die Hardtanlage bei Elberfeld. Größte Beachttmg in Fachkreisen fand ferner 1880 die Gartenanlage der deittschen Patent urrd MusterschuH-Ansstellung in Frankfurt.
Wie Siesmayer feinen künstlerischem Anfftteg in Oberhcssen begann, so schloß er auch dort seine gäctnerffche Tättgteit. In Vilbel erwarb er als Greis ein großes Gelände und gestaltete es - einen jahrzehntelange:: persönlichen Wunsch ver-wirklichend — zu einem Schu l- und P flau zga rtcn für die ausdauernde Pflanz e n Welt um. Es ist. der berüffnte „T l i s a- bethcnh ain", eine^Pflanzstätte, die, ivie der- Schöpfer in seinnn Testament besttmmte. „würdig forterl>alteu Wierde, damit sie immer ähnlicher sei einem Boskoov .Holland-, einem Angers oder Orleans Frankreichs, :md daß von hier aus nicht nur ein Kleinhandel, sondern ein Weltlmndel dettieben werde znm Ansehen der Firma, aber aiech zum Wohtstarw Vilbels". Für diese Mustergründung verlieh Papst Leo XIII. Heinrich Siesnmyer das Kreuz „Pro ecclesia et pontifice" in Gold.
Am 22. Tezember 1900 starb dieser große deutsche Garte:ff>au- künstler; cars dein von ihm geschafstiren Bockenheimer Friedhof gezirkelten Formen ^der Ueberlieserung befreite, ihiven maleriscki-en Sck^vung verlieb, sw landschaftlich beseelte.
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Franksurter Kunstausste11ung« rr. 3 biß Frankfurt a. M. schvelbt mau uns: DiL SLadebiGalcr« dri»Lt tu ErVän-
Die Lage des Arbettsmarttes für Hessen, hessen- Na??au und Natdeck Im Monat März syp.
Für die Lage des Arbeitsnratktes im abgelmifenen ^BerickZtZ- mouat ist das stärkere Hervortrete:: der Einwirkungen des Hilfsdienstgesetzes bezeichueiw. Der Betrieb der Hilssdienstnields- stellen war allgemein lebhaft. Tie Zahl der, Vermittlungen für militärische Stellen war trotz der Beschränkung auf die Altersklasse von 43—60 Jahren namentlich an größere:: Plätzen beträchtlich. Ebenso konnten den Zivffbehörden und haalvsiachlich i den kriegsindustriellen Betrieben aus den Reihe:: der Hffssoicnst- pflickffigen' und den freiwillig Gemeldeten zahlreich? Arbcsttskrästc ' zugeführt werden. Ta es sich vorerst um fteffvilli.ge Acelunngerr > von Persone:: handelt, die zum weitaus größten Teil in Betrieben tätig :vare:l, die nicht unter das Hilfädienstyesetz fallen, läßt sich hier eine fteitätige Umgruppierung der Arbeitskräfte in Einpassung an die Bedürfnisse der Kriegswirtschaft' feststellen.
Tas Gesamtbild des Arbeitsmarites gleicht in der lebhaften Jnarrsramchlnahnre der vorhandenen Arbeitskräfte und dem starken Beschäfttgungsgrad^ dem des Bornronats.
In der Landwirtschaft blieb infolge der Ungunst der Wittevrrng die Nachfrage hinter den Erwartungen z:rrüch. Arbeiter für die Feld- bestellnng wurden nur in geringem Umfange verlmigt. Das Hof- und Stallpersonal konnte mit den vorhandenen Kräften und Gwch Gefangene beschafft werden. Lebhafter gestaltete sich die Nachfrage nach Tienstnmgden und Feldnffigden, die lestlzt unt-erkommen. ; Stellenweise konnte eine Rückwanderrrng von städttschn Dienstboten anss Land beobachtet werden.
Ter Bedarf an Gärtnern :md Garlenarbeiter:: trat fi errfer hervor und konnte zum grössten Teil mit den vorhandcn'en Arbefts« krästen gedeckt werden.
Im Metallgewerbe und in der Mirnttiv n s in du stri e hielt die starke Nachftage nach Facharbeftern an. Tie vorharwenen Stelleiu-, suchenden wurden glatt ausgenommen. An effnge:: Orten war die Zuweisung von Arbeitern für die Kriegsindustrie aus den Reihen der La-.arettinsassen in größerem Umfang möglich. Tas Astgebot von weiblichen Arbeitskrästeu ließ in Frankftrrt gegen den Vormonat :mch. Tagegen war in Bingen ein starker Zccdrang von Munitionsarbeiteriunen vorhanden und konnten in Tarmstadt > alle offenen Stellen besetzt werden.
Tas Holzgcwerbe hätte gegen de:: Vormonat einen Rückgang! der gemeldeten Stellen und der Stellensuchenden zu verzeichnen, der besv'rders in der zweiten Hälfte des Monats h?rvortrat. Bei der Besetzung der Stellen kauren auch hier arbeitsfähige Lamrett-q insasse:: in Betracht, Tapezierer, Polsterer und Sattlet ftir Mffitär- arbeiten batten reichlich Arbeitsgelegenheit.
Im Nahrnngsmittelgeiverbe fandee: Bäcker und dläetzger lich bei militärischen Behörden in größerem Umfang Stellung.
Ebenso wurden Schneider und Schuhmacher für die gleichen! Stellen und teilweise auch für die Industrie stark angefordert und! konnten zum größeren Teil zur Verfügung gestellt werden.
Packer und Ausläufer fanden leicht Unterkommen.
Das Gastwirtsgewerbe bvt den Arbeitnehmern ausreichend Gelegenheit, in dauernde Stelllrng zu lortttrim. Tie starke Nw-Hfrage nach besseren Ober-Restaurattons- und Zimmeickellnem konnte gedeckt werden. Bei den Köchen mußte teilweise zu weiblichem Ersatz gegriffen werden. Junge .Kellner und Hausburschen waren knapp. Dagegen war das Angebot von werblichen Servieraushilsen und Zimmermädchen gegen' den Vormonat stärker. Saisonaufträge liefen gegen das Vorfahr nur in geringer Zähl ein.
Das Ueberangebot von jugendlichen Arbeitern erhöhte sich infolge der Scbulenllaffung, verb::nden mit der ausgesprochenen Neigung zur Fabrikarbeit beträchtlich und dürfte den Arbeitsmarkt noch eirrige Zeit belaste::.
Von der zur ^Genüge vorhrndenen Gelegenheit zur LehrrnüU ^ bffdnng wird verschwindend we:rig Gebrauch gemacht Nur fft Heppenheim besteht ein Ueberangebot an Lehrstellensuchenden.
Die kaufmännischen und Bureaubernfe weisen immer noch eine« bedeutenden Ueberschnß^ an mittelmäßige'.: oder schlecht nusgebÜ-» deten, hauptsächlich weiblichen Arbeitskräften crui. Llinch bei den Mellnmgen znu: vaterländisthen Äfffsdienst fallt allgemein eff: Andrang von Leuten ohne Vorbildung zur Bureautätigkeit auf, der den bei militärischen und Zivilbehörden bestehenden Bedarf weit übersteigt.
Auf dem weibliche:: ArbeitSniarkt hält die Knappheit au häuslichen Dienstboten an. Auch Putzfrauen werden stark verlangt. Im .Konfektionsgewerbe war der Verkehr bedeutend lebhafter als im Vormonat. Die Vermittlimger: erfuhren eine wesentliche Steigerung. Näberinnen ftir Militärarbeit fauden zahlreich Beschäftigung.
Das Angebot von Heimarbeiterinnen nah::: gegen den Vor- , monat zu und übersteigt die Nachfrage. Stickerinnen fände:: 'ämh> lich Stellung.
Die Vermittlung der Lazaretttnsassen erführt in: ganzen Ver- bandsgeb-et einen steten Ausbau. Die hier lange Zeit ungenutzt gebliebenen Kräfte werden ff: stets wachsender Zahl ff: das Berufs- f leben eingegliedert. Die gemachten Erfahr: in gen fi:ff> durchweg * günstige.
znng der Ausstelllmg des Kimstvereins, die in erster Linie GenE« vcm Fritz Boehle zeigte, eine stattliche Auslvahl von Skizzen, Radierun.ger: und Ltthographien des verstorbener: Frankfurtev Malers und Zeichners zur Schau. In den Arbeiten seines Stiftes kommt die knorrige, kerndeutsch)« Art des illäeisters iwrf]> stärker und eindringlicher zur Wirttmg als in denen seines Pinsels. Jnsbesow, dere gilt dies von den dlusschnitten aus den: bäuerlich:'?:: Leben. - Welcher andere Graphiker unserer Zeff hat den pflügenden Landmann so kraftvoll :md mit so inniger Andachst dargesttllt ivie der allzu früh dahingefrfnebeire .Künstler und Sohn unserer Stadt!
Ter warme würzige Odem, der frisch aufgeworseue:: Ackerscholle weht einem aus diesen Blättern erttgegen. Tie Laittma des Kupsersti§ Mnnctts des StädeIschen Kunst-Jnstittffs hat sich durch di? 'Aus-, sie:taug, die uns das köstlich? Werk des Zeichners Fritz Boehle < vor Augen führt, Anerkennung mrd aufrichtigen Tank er.oorben. -- — Des <vchaffens eures zweiten Malers, der Frankftnn seine 'Sätet- llabt nmrnte, gedenkt gegenwärtig der .Kunstvereffr, indem ei' eine große Sainmlung seiner Bilder und Sttff>:en der OcssenffrEil zugänglich macht. Ft'rdinand Balz er, der am 28 November 1916 im 24 Lebensjahre starb, tzat in viele::, meist tleinc«' Li:zze.n die Schönheit des. Tmmus und der ihm oorgelng<'rt»r Fluß:::eder:mgen geschildert. Nach Aenßeninge:: einer vatdetffshen Kunst darf man in seine:: Tafeln nicht suchen. Aber was man in rhnen findet, ist rechtschaffene Freude au der deattschen Landschaft mit allen ihren stillen und feinen Verborg«:chütei: und irr* trmimtot Winkeln. Balzcr liebte die Heinm:, und er lu'bte nicht minder das junge Voll, das in ihr ausiouchs. Er hatte Argen, die Farben mrd Licht zu sehen verstanden. Er wußte iröhliäer Kinder Spiele und Tänze, fesrznhalte:: und damit Bildchen vm: entzückender Ursprünglichkeit entstehen zu lassen. Unter den Lehrern, 'ff:'deren Ateliers er gesessen, hat nwhl der Cronberger Meister "Anton. Burger einen besonders starken Einfluß aus ihn geivonnen ein Umpand, der seiner Knnst zum Vorteil gereich> Tost ist Balzet keineswegs in die Mhängigkeff irgend einer Schul.- geraten. Er chng siche: sellsttoachig.- Wege und schuf, une die Ausstellung im Kimstverein dartut. Bilde:', die man nickst zuletzt mu ihres schlich* ten aber gemde deshalb'zu Herzen gehenden Wesens nulle:: lieb gewinnt. g. §


