Ausgabe 
17.4.1917 Zweites Blatt
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ur. 89 zweiter Blatt l»r. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

Beilagen:Sietzener Famftienblatter" und ..rttelrblatt für den Ureis Sietzen".

Postscheckkonto: §ranksutt am Main Nr. \\m. vankoerkehr: Sewerbedank Gletzen.

Lehemr Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Dienstag, 17. April 1917

ZwiüingSrunddruck und Verlag:

B r ü hl'fchs Univerj lräts-Buch-u.Stc indr.lckeret.

R« Lange, Gießen.

Zchrlftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstrage?. Geschäftsstelle u. Verlag: «-W-bl, Schriftleitung: 112.

Anschrift für Drc htoachrrchtenrAnzeigerGießen.

Nlechanow.

Der russische Sozialist Dr. Georg Plechanow ist zum Arbeitsminister der Revolutions««gierung ernannt werden. Die§e Ernennung kennzeichnet sich als ein nicht ungeschickter Versuch deS Bollziehungsauss chusses, den drohenden Sieg der Friedensfreunde in letzter Stunde zu verhiickern. Denn Plechcnrow ist ein Prediger deS Krieges gegen Deutschland bis aufs Messen Er entstammt einer russischen ÄdelssamÄie ruft) war bis zu seinem 25. Lebensjahre russischer Offizier. Das ist aber schon lange lwr. Plötzlich sattelte er nm und wurde einer jener- ruhelosen Radikalinskis, für die in der zarisch regierten Heimat natürlich kein Platz mar. Er siedelte nach Frankreich über, wurde aber dort im Jahre 1894 als Anarchist ausgewiesen, merkwirrdiger weiser in demselben Jahre, in dem seine bekannte Schrift gegen den Anarchismus die Berliner Vor- Wärts-Bnchharrdlung hat sie deutsch herausgegeben erschien. Plechanow hat sich eben mchrsach gewandelt. Bis zum Wleltkiieg war -er Marzlft strammster Richtung, hatte mit ^Vebel und Kautsky endlose Fehden, gefiel sich in der ständigen Opposition und AMinder­heit, war immer andrer Meinung als die andern und ^ wurde von feinen eigenen Freunden als Eigenbrödler undKuriosität" ge- ftrrckftet. Als der Krieg losbrach, konnte Plechanow in seinem Ber- bärnrnngsorde Genf nicht länger still sitzen. Er mußte wieder von sich reden machen. Er gründete ein neues OrganPrksswv" (der Weckruf), wvftiü er sich als nationaler Sozialist vorstellte. ^,,Dic heiligste Pflicht eines Bürgers ist, ein guter Patriot zu sein." Tsck*eidse und Kerenski nannte er der»cht8chNiederlagisten".^Man bchenke wohl: schon im zweiten KrregSjahire, iricht erst jetzt! Schon im Herbst 1915 liest derLafsalle Rußlands", wie sich Plechanow gern rufen hart, mit 12 rafth angewvrbencn Getreuen eine Er- klarung 'gegen russische Friedensneigungen los,Das radikale Ruß- ''and wünscht nicht die Revolution, sondern de« Sieg." Natürlich schrieb er auch wieder eine BroschÄre (ihrer sind un»«Hlige)lieber den 'Krieg". Die deutsche Sozialdemokratie wurde darin mit Vor­würfen überhäuft. Die russische öfter auch.Eine Niederlage Rust­lands würde die Entwicklung der Freiheit unmöglich machen."Im Namen der Freiheit muß Rustland siegen.!" Mau sicht, das würde den Herren Miljukow, Buck<rnan und Gutschkow heute in ihren Kram passen.

Aber ob Dr. Georg Plechanow noch dieser Ansicht ist? Es sind schon 1V 2 Jalwe seitdem verflossen, und Plechanow hat sicher schon Zunder eine Miderc Broschüre irr Arbeit. Um ihn gleichrichtig einznspcmneu. bat man ihm in Petersburg einen Redaktionsstuhl ans gestoben. Ter Dumaabgeo rdnetc Bajadew gibt ein sozialistisches Blatt stevlnrs, das Organ einer Gruppe, die den Vollziehungsaus- schuß unterstützen und zwistl-eir diesem und dem Rat der Soldaten rmd Arbeiter als Sprengpulver wirken will. Plechanow soll das Blättchen beiten und die verirrten Sck^afe der Feredensstiurmnug in den Pferch der Kriegshetze zurücktreibcn. Das ist die Rechnung. Ja. schon lverdcn Gerüchte verbreitet, Plechanow komme gegebenen­falls als Nachfolger Mlljnkckws in Betrackst, Damit ist zweierlei verraten. Erstens, dast Miljukow abgeivirtschastet trat, zweitens, das; man verzweifelt nach einem neuen Austenminister sucht, der den auseinanderfallendeu Block der ersten Revolution zus-mnmen- stält cmd die Folge einer 'freiten Revottttion, den drohenden! Frieden äbürendtt. Man hofft, dast Plechanow in dasselbe Horn tuten wich, wie sein französischer Genosse, der vormalige Sozial­revolutionär und derzeitige nationalistische Mxrulheld Gustave Hervä, dessen Artikel ebenso wie die Plechauowschen stets eifrig vom Westen nach Petersburg gedrahtet wurden und der sich jetzt unter der Überschriftdie russische Revolution in Gesahtt' heftig gegen den Arbeiter- und Soldatenrat kehrt:Wir, die nur Zeugen dieses unaufhörlichen Kampfes zwischen der provisorischen Regie­rung irnd den Friedensfteunden such, die vom Rate'der Arbeiter und Soldaten unterstützt werden, staben, als Bundesgenossen das Reckt und die Pflicht zu erklären, daß ivrr schon den bloßen Ge­danken, daß Rußland einen Separatfrieden schLiesten < wolle, alfi einen Verrat an rms betrachten." Aber Plechanow ist keine Persön-- lichkeit, aus die man sicic verlassen kann. Er ist ein Irrlicht. Er hat mich viel zu wenig persönliche Anhang und viel zu wenig Talent zum praktischen Politisieren, um dem Friedenspflänz cheu, das jetzt unter der Früblingssonne zu sprreßen scheint, gefährlich weiden zu können. Tie Ueberkkugen haben sich da keine große Kraft aus Genf geholt. Der neue Arbeitsminister in Petersburg wird entweder feinen Vorteil wahrnehmen und in rascher Neuwandlimg zu der friedenssreuüblichen Mehrheit abschwenken, oder er wird mit der ganzen Miljukowschen Götterdämmerung im Brande der neuen Umwälzung versmken.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 17. April 1917.

** DLe Einstellung der Sam mlung des U-Boot- Vereins m Gießen ist erfolgt, weil ssch daneben ganz neuerdings unter deni Vorsitz des Herrn Reicht stagspräsidenten eine U-Boot- Spende gebLLet l)st, zu deren Förderung in Hessen ein Lcrndes- Ansschust in der Btlbsrng begriffen ist, unter dem Vorsitz unseres Staatsminifters Tr. v. Ewald und Fördenmg durch die Vor­sitzenden des hsssischeu Landes Vereins vom Roten Kreuz, der .Kriegerkam eradscha st Hassia und des Landescmsschusses des Deut­schen Flott«iVereins. Znm Hauptvorstande dieser Spende gehören unter anderen! auch zwei der Herren des U-Boot-Bereins. Ter hessische Landesausschuß wird sich bald konstituieren und dann mit einem Llufrufe stervortreten. Ueber die bish«: ftir den B-Boot- Berein gespendeten Gaben wird nächster Tage Abrechnung erfolgen.

**TieVerwundeten-Beratungsstelle wurde auch im ersten Vierteljahr 1917 rege in Anspruch genommen und zwar in 141 FAlen. Bon den Ratsuchenden waren 38 aus dem Reserve- lazavett Stadtknabenschule, 13 Evangelisches Schwesternhaus, 21 Alte Klinik, 1 Steins Garten, 3 SiechenhauS, 6 Chirurgische Klinik, 3 Äsiy-chi«irische Kknik, 11 Ersatzbataillon, 26 bereits entlassene Kriegsbeschädigte, 4 Beurlaubte, 4 Lan-sttirm, 1 Angehöriger des F«5dl)eeres und 4 ftr der Schwerz Jntercrierter (vertreten durch seine Frau). In der Sprechstmrde bvraten wuroen 99 Ratsuchende, 23 in den Lazaretten, 10 schriftM). Von den erteilten Auskiinften b»trasen: 9 6 2l r b e i t e r v e r s i ch e r u n g (14 Kranken-, 2 Un­fall-, 80 Invalidenversicherung), 22 Militärversorgung, 7An gehörigen unter st Ätzung, 3 Ange st eilten Ver­sicherung, 13 sonstige Fragen (Arbeilsvermittlung usw.). Außer den erteilten Auskünften wurden im ersten Viettel- jahr 1917 durch die Vettvundetenberatungsstelle 81 Schrift­stücke angefertigt. Auch im'vergangenen Vierteljahr erfolgte in -er Reihe von Fällen die Vertretung der Verwundeten vor dem Ober versicherungsamt und zwar in sämtlichen Angelegenheiten er­folgreich.

** Süst stoffkarten. In der Zeit vom 16.30. April 1917 wird gegen dem L i e f e r U n g s a b s ch u i t t 2 der Süststofskarte 8" (b l a lt) von den Süßstoftabgabestellen Süßstoff abgegeben.

** Schwarz-Weiß-Theater, Seltersweg 81. Im Programm vom Dienstag, 17. April, bis einschließlich Freitag, 20. Alwil, gelangt zur Vorführung:Ter Königsrubin!" ein sen­sationelles Detektivschauspiel iu fünf Akten aus der vornehmen Ge- seksschaft. Handlung mrd Ausstattung sind vorzüglich. Für den heiteren Teil istDie Liebesgabe!" vorgesehen, ein heiteres Spiel aus ernster Zeit in Feldgrau mit dem bekannten Harry Liedke vom Teutschen Theater Berlin, sowie ein sehr gutes Beiprogramm.

** Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. Mia May, die beliebte Filmdarstetlerin, tvelche bereits iu den großen FilnvverkenDas einsam Grab",Nebel und Sonne" usw. in Gießen mit so großem Erfolg gastierte, hat eine heitere Leistung ihrer nttmischen Kunst in dem .Sitten- Und Geselsschaftsdraina in 5 AktenArme Eva Marüi" geschaffen, welches ab heute im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße 34 gezeigt wird. Im gleichen Programm spielt Manny Ziener vom Theater des Westens in Berlin in dent prächtigen Lustspiel in 2 TeilenDer Fang der Tetektivin". Ein interessantes Marine­bild aus dein großen WeltkriegeUnsere Torpedoboote im Gefecht" vervollständigt den Spielplan, welcher von einer Künstlerkapelle Musikalisch illustriert wird.

Landkreis Gießen.

** Kessel ba ch, 17. April. Musketier Karl Wießner er­hielt für sein tapferes Verhalten das Eiserne Kreuz zweiter Klasse.

b. Nieder-Bessingen, 17. April. In der hiesigen ein- klassigerl Volksschule wurden von 50 Schülern zur sechsten Kriegs­anleihe 3217 Mark gezeichnet.

** Rüddingshausen, 16. April. Der seft Beginn des Krieges im Felde stehende Heirrrrch Z a h r t V. vou Rüddingshauserr wurde wegen tapferen Derlialtens vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 17. dsinül. Die Kreissparkasse zeichnete für die 6. Kriegsanleihe ftinf IMillionerr Mark, an den vorhergehenden Kriegsanleihen ist sie mit 11 Vs Millionen beteiligt.

Airche und Schnle.

D Frankfurt a. M., 15. Äsiwil. Am Dienstag, den 24. dieses Monats, mittags Vs3 Uhr, sindet imBasler Hof" «ne

ttunljt, WWsnsctzertt mtö Leben«.

Hessische Knnstaus stell ung in Darmstadt im Sommer 1917. Vdan schreibt uns: Die Tatsache, daß weite Kreise der d«rtschen Künstlerschaft durch den Krieg in eine schwere wirtschaftliche Bedrängnis geraten siick», hat in zahlreickzen Städte dazu geführt, durch WDederveranstalttma von Krmstauss!eAungen die in der erste > Kriegszeit aus nahelregcvrden Gründen unterblieben waren, den .Beteiligter! neue VerraulsucöglichkoitÄr zu schaffen und im übrigen dürft) Bereitstellung besonderer Mittel eine Uuter- Wtzungstätigkeit einzuleiten. Bei der Deraturrg des Knktusetats im Haushaltsausfck^st des preußischen Abgeordnetenhauses ist der Gedanke, solche Kunstausstellungen in möglichst großen! Umfange ins Leben zu rufen und namentlich! airch staatliche Mittel für An­käufe auszuwersen, aus Abgeorduetenkreiseu erneut angeregt, vonr Ausschuß eininütig gubgeheißen und von dem Herrn Ntinister nacb jeder Richtung hm zusagend bennttrortet worden. Wie im übrigen Reich, so liegen mich >die Verhältnisse imGroß Herzog­tum Hessen. ES ist daher ein Arbeits-Ausschuß zu- stuumengetreten, der die nötigen Vorbereitungen für die^ Veran­staltung einer Landesaus stellun g ans der Mathilden- i) öhe im Sommer d. Js. in die .Hand genommen hat. Tie Ausstel­lung, welche Werke der Malerei. Bildhauerkunst, der zeichnenden Künste und bex Kleinkunst umfassen soll, wird veranstaltet von der Freien Bereinigung Darmstädter Klmstler und ist offen für alle im Groß Herzogtum Hessen ansässigen oder aus Hessen stanm^enden Künstler. Tie Tarnistädter Künstlerkolonie ist im Arbeitsausschuß durch Professor Jobst, die anderen größeren hessischen Städte durch die Herren Professor Hugo Eberhardt-Offenbach, Professor Neeb- 9Aainz, Bürgermeister Metzler-Worins imt> Geheimen M^iri.ialrat Professor Tr. Sonwrer-Gießen vertreten. T4e eingestrudten Kunst- Uierke werden natürlich! einer Mengen Jnriermrg untenoorsen! werden. Bedürftige Künstler, die auf diese Weise auf der Ausstel­lung nicht zu Worte kommen können, sollen aber aus eurem be­sonders zu bildenden Fonds unterstützt werden. Der hrer und da austauchende Einwand, dast die Zeit zu ernst sei, um Klmstaus- stellungen zu veranstalten, sollte schon des^hakb- nicht 'erhoben werden, ^veil er sich folgerichtig nrit wenigstens gleick>er Berechtigrmq gegen Thmter-. Konzert und KinvanffSIchungen richten müßte, dick allen halben w^erspruchÄos sdattfmt^n. Ter tz^nwand hat, abcn sedenmlks inr Hinblick Es den einsangs erwähnten ernjden so-w- len Zweck d»s Unt»rm'htnm»ö zirrü^-utrcten. Tie Mtsstelhrvg dömt ja auch nicht dein B^rguüg^i im banalen Sinne. Natürlich unter­bleibt jedes Beiwerk, wie Mrtschaftsbt'trieb, Konzerte ustv. Als- dam! aber ist die BÄieuttmg mier gut«-! .Kunstausstellkmg als Quelle edlen Genusses gerade m ernster Kriegszcht keineStoegs zu tmterfchätzen. Bei vem l^haften Interesse, das sich in Künstter- kreiseir für das Unternehmen bereits gezeigt hat, darf angenommen werden, dast die Ausstellung ein unpassendes Bild ioertvoklen künstlerischen Schaffens darbieten wird. Dast /re muh den erstrebten fttzyücu Zweck erfüllen wird, ist Mverftchftlch m erhoffen äuge-

sichts tmr Tatsache, daß die Verkäufe in deutschen Kunstausstel­lungen im letzten Jahre umfassender gewesen sind als jemals zuvor.

Tie Uraufführung der OperEros und P s h ch e". Aus Breslau wird uns geschrieben: Wenn sich ein Stoff zur Bertornnrg eignet, dann pflegen sich die Komponisten in Menge und mit Eifer auf ihn zu stürzen. Der Komponist Lu- demir von R o s y c k i, dessen OperEros und Psyche"' im Breslauer Stadltheater soeben die erfolgreiche Uraufführung erlebte, hat das Glück gehabt, daß ihm der polnisckie Dramatiker Jerzy Z u l a w s k i aus Freundschaft sein in Polen viel gegebenes DvennaEros und Pshcki>e" persönlich als Opernbuch bearbeitete, che ihn der Tod er siel als Kämpfer der polnischen Legion 1915 ereilte. Um die Ueberttagung und weitere Bearbeitung haben sich dann Felicitas Leo und Stefanja Goldenring in anerkennensluerter Weise verdient gemacht. Znlawski 'hat den uralten Mythos vonEros und Psyche" ztoar bemitzt, aber ist recht ftei mit ihm umgesprung«! und hat die mythische Vorlage stark erweitert. Die Königstochter Psyche, die das durch den tölpelhaften Knecht Blax enthüllte Antlitz des Gottes Eros prschaut 'hat, wird zur Strafe dafür von den Göttern zur ewigen Wander­schaft verdammt. Alk verkörperte Sehnsucht durcheilt sie viel­gestaltig die Weltgeschichte. Das zlveite Bild sieht sie als wandernde Sängerin in Rom zur Zett der Cbristcnversvlgung, das dritte als Nonne in einem mittelalterlichen Kloster, das vierte als fteiheits- begeisterte Vorkümpferin der ftanzösischen Revolution, das letzte als Geliebte eines reichen Bankiers in der Gegenlvart. Eros tritt chr <chensalls in jedesmal veränderter Gestalt entgegen, und der Knecht Blax vertritt das dämonisch verneinende Prinzip als römischer Präfekt, Bischof des Klosters, Schtäckster und Bankier. An ätzen fehlt es der Tichtmrg also.durchaus nicht; die

sturere Eim-eit wird durch Psyck>es Sehnsucht bergeftellt, eine Sehnsucht, die keineswegs immer nur Liebes verlangen ist, sondern im wechselnden Rahmen der Umwelt mannigfaltige Formen M!- nimmt. Diese Einheit nahm sich der Komponist zum Ziele, ivährend der dramatische Zusammenhang von Psyche mit Eros und Blax, rem Göttlichen und den! ^mwenden, im Verlaufe der fünf Bilder nicht immer gewahrt ist. Ludomir von Rosycki, der 1883 geborene Humperdinck-Schüler, hat mit diesem seinem dritten Bühnenwerk die Oper der Sehnsucht geschaffen, der Sehnsucht, die sich selbst verzehrt, die verzweifelt, liebt, haßt, verfolgt wird und schließlich sich bemühendem Streben ihrc' Befreiung und Erlösung findet. Dam Psyche geht, imchdem sie das Haus ihres zynischen Geliebten an^rzündst hat, nicht zugrunde, sondern wird nochmals von Eros heimgesucht, der sich als erlösender Liebesgott enthüllt und sie im Nachspiel in höbere Wslten emporttägt. Als Motto könnte inan über die Musik Psyches Worte auS dem ersten Bild setzen:Mir träum-et zuweilen, ich sei vor tausend Jahren geboren ans der Menschen ewiger Sehnsucht nach Gekchnlieit, nach Sonne einer sel'gen Welt..." Nur ein echter Musiker konnte sich an die Vertonung einer derartig weite Ziele nmstftstnden OpeckrELung wugau. Dcx Komponist ringt noA mfy der letzten

Versammlung des Vorstands und der Dekanats Helfer der Hessin scheu Missiouskouferenz statt, die von Geh. Kft chei rrat v. Schlosser eröffnet wird. Pft. Lic. Tr. Bert- Weisenau spricht überdie letzte Kriegstagung der deiftstl^evangelischen MissronsHilfe" und Pfarrer K ö d d i n g - Eberstadt wird über die sehr zettgemäste Frage ,^Jst die deutsch-evangelische Mission resormi bedürftig" einen Vortrag halten.

Hunde!.

hL Darmstadt, 14. April. Die Bank für H andel ^u.uustrie Aclt heute vormittag in ihrciu hiesigen Ge- m ihre 64. ordentliche Generalversammlung ab. Den

Vorsctz führte der Präsident des Aufsichtsrats, Exz. Dr. Kämpf- Berlcn Er begrüßte die Erschienenen und stellte fest, daß die Generalversammlung ordnungsmäßig einberusen und von 47 Per­sonen mtt 143 409 Stimmen besucht sei. Als Justitiar ivar Geh. Justtzrtt Dr. Hall wachs zugegen. Der Vorsitzende wies sodann ^llvauf hin, dast der große Krieg auch unter den Beamten mrd An­gestellten der Bank wieder neue schwere Opfer gefordert habe. Auch seit der letzten Generalversamnilung ist wieder eine Anzahl den ^.od fürs Vaterland gestorben, denen der Präsident einen warmherzigen Nachruf nüdmete. Tie Versammlung ehrte ihr Andenken durch Erheben von den Sitzen, ebenso das Andenken cm den verstorbenen Direktor der Ostbank in Posen, Geh. Kommerzien­rat Herz, der seine Dienste lange Führe hindurch der Bank ge- widmet 'hat. Von einer Verlesung des gedruckt vorliegenden Ge- ichästsberichts für 1916 wurde abgesehen und dieser, wie der Remswnsbericht des Aussichtsrats debattelos einstimmig genehmigt, desgleichen die Gewinn- und Verlusttechnung mtd die vorge- schlagene Verteilung des Reingewinns. Der Gewinn bettägt 10 468901 Mark, wovon eine Dividende von 6 Prozent an die Attionäre, gleich 9 600 000 Mark, und an latzungsmästigen Tan- ttemen an den Aufsichtsrat 256 000 Mark verteilt werden; der Rest von 612 909 Mark geht auf. die neue Rechnung über. Bei der Neuwahl von Aufsichtsratsmitgliedern wurden die bislerinen Mit- gsieder Justizrat Dr.Schmid 1-Polex-Frankfurt c.. M., Geh. ^ustizrat C a r p - Düsseldorf, Geh. Kommerzienrat G r ü n f c l d -- Beuthen, Geh. Kommerzienrat v. Guilleaume-Köln, Dr W E. M erck-Tarmstadt und Geh. Justizrat Dr. Riesser-Berlin wcedergewählt, ferner an Stelle des verstorbenen Geb. Kommerzien­rats Herz der jetzige Direttor der Ostbank, Kanmverzlenrat M i ch a- lowsky und an Stelle des auf seinen Wunsch ausge­schiedenen Geheimen Kommerzienrats Oppenheim-Berlin Kom- merzienvat Tr. K l e y e r - Frxrnkfnrt a. M. Geh. Oberftnanzrat: v. Klitzing -Berlin gab darauf einen kurzen Bericht über die Aussichten für das Jalw 1917 und betonte, daß auch das laufende Jahr ein befriedigendes Ergebnis zettigen wird, wenn nicht be­sondere Ereignisse eintreten. Tie Großbanken hätten einen Aus- oehnungsdrang an den Tag gelegt, und auch der Vorstand der B. f. H. u. I. behalte die Wiederkehr der dauernden feindlichen Verhält-, utffe scharf im Auge und sei benrülst, die nötigen Vorbereitungen da­für zu tteffen. Es sei die Besetzung einer Reihe wichtiger Plätze, be­sonders in! Norden rntd Süden des Vaterlandes, in Aussicht ge­nommen. Tie Bank werde rechtzeitig auf den Plan treten. Da wettere Berattmgsgegenstände nicht Vorlagen mrd niemand auS der Bersanttnlung das Wort ergriff, schloß der Präsi^rnt die Ver­sammlung.

Vssmischte».

Selbstbetrug russischer Politik. Bon einer be-^ schätmenden Warnung, die vor 200 Jahren bulgarische Abgeordnete den Mssen ^wegen ihrer sinnlosen Ländergier erteilten, erzählt! eins der neuesten Hefte desBuch für Alle". (Union, Deutsche Verlaqsgesellschaft, Stuttgart.) Der russische Großfürst Swjä- toslaw eroberte damals in der Bulgarei achtzig Ortschaften und» erklärte von den größeren Städten Perejastlawetz zu seiner Residenz. Während seiner Abwesenheit bedrohten die Bulgaren seine russische .Hauptstadt Kiew und schickten eine Gesandtschaft an den Fürsten, die Imit den Worten begann:Gnädiger Herr! Du strebst nach fremden Ländern!und bist nicht imstande, deine eigenen anders als elend tzu regieren." Noch heute trifft dieser Borwurf die ganze Geschichte der russisckwn Politik, die immer darauf gerichtet ivar rmd ist, nach außen Machtausdehnung zu gewinneu, ohne sich viel irnt die eigenen inneren Zustände des Landes zu kümmern.

Fassung seiner Melodie, aber der innerliche Ausdruck der Sehn-, sucht und die Schilderung der so verschiedenartigen Schauplätze ist ihn! musikalisch übervasckwnd gut geglüctt. Ohne sich an Leitmotive zu binden, ohne svnnal immer geschlossener zu bleiben, aber auch- ohne bei aller Neutönerei übertriebene Gewaltsamkeit folgt No- sycki instinktiv dem dramatischen Vorwurf und hat besonders imj ersten, dritten und vierten Bilde Szenen von packendster Stim­mung geschahen. Rvsyckis Orchester hat bei sehr anzuerkennendev Mäßigung eme große Wirkung, die besonders in den lyrischen Szenen zwischen Eros !Md Psyche gesteigert ist. Im ganzen rvar die Vorstellung ein künstlerisches Ereignis dank der farbenfrohen^ Inszenierung des Intendanten Woldemar Runge und vc>r allem, der über aller Kritik stehenden Mnsikleitung des genialen Julius Prüwer. In den Haupttvllen boten sowohl Elise von Cato- Po l als Psyche wie John Gläser als Eros überragende Leisttm- gen. Ihnen sftftost sich Wllhelm Ro d e als Blax würdig an. Die Aufnahme war jubelnd und voll Begeisterung. Dr. F. E.

Zwei Opern-Erstaufführungen in Leipzig. AuS Leipzig wird uns geschrieben: Im N e u e n Theater ging die Uraufführung von Hugo Röhrs musikalischem Lust­spielFrauenlist" gemeinsam mit der Erstaufführung von Clemens von Fpanken steins, des Münchener General­intendanten OperRa Hab" erfolgreich in Szene. In dem Text­buch zurFrauenlist" führte Rudolf Lothar mit erprobtem! Geschick eine von zarten Händen sein gesponnene Intrige aus; und ihr Reiz gewann durch das geschichtliche Milieu: Frauzosenzeit. Die Handlung spielt im Jahre 1810. Der Feind herrscht in Kur­hessen, und der patriotische Graf entgeht nur durch das iveibliche» Ränkespiel der Gefangenschaft. Ein Gewürz.lhindler, viclgewandt, und nicht ohne Afenteuerlaune, wird dadurch in seltsamste -Ajttra- tionen verwickelt, aber alles geht an! Ende gut aus, und der galante Feind übt Großmut gegen die Frauen, die ihn so listig täuschten. Die Musik des Münchener Hofkapellmeisters Hugo Röhr bietet eine hunwristisch fließende, beschwingte und technisch virtuos insttu- mentterte Begleittmg, die sich auch vielfach illustrativ und charakte­ristisch entfaltet. Die alte Geschickte von Rahab, die Oskar F. .Mayer poettsch gestaltete, hat in C l e m e ns v oit Franke it st eins Musik verinnerlichtes Leben empfangen. Die Wandlungen: und Läuterungen der Hetäre wurden durch sie mannigfach belichtet, mit Liebe bereitet die Musik sich in farbigein orientalische in Zauber aus. Sie sttönn aus einem starcken inodernen Empftndcn, und die orchcsttale Jnsttumentakion bewährt techinsche Meisterschaft. Die Ansftllirung beider Stticke würde durch die inspirierende Leitung Professor O t l o L oh ses und durch eine überaus glückliche Insze­nierung Dr. Ernst Lerts gesichert. InRaliab" wetteiferten! ?llice Sanden (darstellerisch hinreißend in der Titelrolle) midi Joseph Vogel!, während dieFrauenlist" von den Damen Cläre a u s e n- S ch u l t h e st und Gertrud Bartsch, so­wie von dem fröhlichen Zßosemnck'el Hans Müllers, wie dem famosen Kammerdiener Posso'nvs gettagen würde. Die luideni anwesenden Komponisten kmntten fitr den lwrzlickwn Beifall danken^