Graf Rse-tr« über das Ergebnis der sechsten Kriegsanleihe.
Berlin, 27. April. (WTB.) J!m Hauptansschuß bes Reichstages machte vor Eintritt in die Tagesordnung in der Nachmittags sitz ung der Staatssekretär des Rrichssck)atzamtcs Graf v. Rödern solgerrde Angaben über die Ergebnisse der letzten Kriegsanleil>e:
Das Zeichnungsergebnis erhöhte sich bis heute auf 12978940 700 Mark. Da die Frist fi'rr die Feldzeich- rrmlgen noch bis Mitte Mai läuft, unterliegt es für mich keinem Zweifel, daß bei der sechsten Kriegsanleihe die gewaltige Summe von 13 Milliarden erreicht lvird. Was diese Sun»me angesichts der Tatsache, daß bereits fünf Anleihen vorausgegangen sind, rrndldaß tb-ic letzte 1O-Milliar- den-Anlerhe nur sechs Monate hinter uns uegt, bedeutet, das wird den Finanzkreisen des Fnlmrdes, aber doch wohl auch des Auslandes klar sein. Für alle sechs Anleihen ergibt sich jetzt ein Gesamtzeich nungs-Ergebnis von rund 60195 200 000 DLark.
Die Zeichnungen verteilen sich in runden Sllmrmen auf die Reichsbank nrit 624OOOOOO Mark, auf die Banken und Bankiers nrit 7 545 MO 000 Mark, auf die Sparkassen mit 320200 000 BLark, auf die Lebensversichari^ngsgesellschasten nttt 386 0OO OOO Mark, auf die Kredityenossenschaflen mit 1103000 OM Mark und auf die Postanstalten mit 116 OM OM Mark.
Es sind gezeichnet worden 9 061 OM OM Stücke und 2 566 OM OM Schuldverschreibungen, im ganzcm 11617 562 OM Mark filnfpro^eutiger Reichsanleihe und 1361 378 700 Viereinhcktbprozenttge Schatzanmeisurrgerc. Zuin Umtausch in viereinhalbprozentige Schatzanweisungen arr- genleldet sind außerdem 492 725 OM altere Anleihen.
Die Zahl der Zeichner kann ich heute noch nicht angeben. Sie wird nach der Schätzung der Reichsbank die Zahlen der Zeichner bei der letzten Anleihe beträchtlich übersteigen.
Dorr ganzem Herzen möchte ich namens der verbündeten Regieru7igen urrd namens der Reichsftrianzperwaltung heute allen denen danken, die zu diesem Ergebnis beigetragen bakien, allen voran der Reichsbank, deren unermüdlicher Organisationsarbeit das Resultat in erster' Linie zu verdanken ist. Ich hatte nach der letzten Anleihe geglaubt, daß die Werbetätigkeit der Presse kaum mehr zu steigern wäre. Ich habe mich darin getauscht Die Presse hat sich iir ihrer freudigen Mitarbeit uitb in ihrer Erfindungsgabe selbst übertroffen. Mein Dank gilt sodann den Staats- und Kcmrmmralbeamten aller Bundesstaaten, den Geistlichen und Lehrern, den Sparkassen und Genossenschaften und allen Danken und Landschaften, die neue Wege für die Flüssig- mackmng von Geldern aus den Fideikommissen fanden, der großen Zahl von Vertt a uensmännern und sonstigen frei- ivilligen Helfern in Stadt und Land. Große Hilfe haben auch alle Organe des Heeres und der Marine geleistet. Nicht zmn wenigsten aber möclste ich danken auch alt den Herren ReichÄtaigsabgoordneten, die in Schrift runb Wort die Finanz-- Verwaltung in ihren Wahlkreisen in so reichem Maße bei der Aufklärungsarbeit unterstütz den.
Ae llmwäkzungen in Rußland.
Eine russische Note über die Kriegsziele.
Petersburg, 27. April. (WDB.) Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur. Die provisorische Regierung bereitet augenblicklich eine Note vor, die sie nächstens an dre alliierten Mächte yu richten beabsichtigt und in dev ne mehr ins einzelne gehend ihre Absichten über die Probleme «nd Ziele des gegeravättigen Krieges datteaen wird gemäß der von der provisorischen Regierung Wer diese Frage schon veröffentlichten Erklärung. f
Die sozialistischen Abordnungen Frankreichs und Englands m Rußland geben Journalisten gegenüber ihre Eindrücke bekannt. Zanders erklärte, die englische Abordnung kam nach Rußland nicht mix, mit die Revolution zu begrüßen, sondern auch um die Haltung der englischen Arbeiterklassen in Betreff des Krieges rlarrickegen. Die natürliche Neigung der russischen Arbeiterfültrer zrnn Frieden schließe jeden Gedanken an einen Sonderfrieden oder euren von Deutschland diktierten Frieden auS. Die englische Abordnima unterbreitete dem Rat der Soldaten- und Arbeiterabgeordneten ein obligatorisches Programm, aus das England uremals verzichten wird und das die Rückgabe aller gewaltsam entrissenen Gebiete und Wiedergutmachung aller verursachten Schäden durch die für den Krieg ver- mrtioortlichen Mächte einschließt. Das Programm enthält notwendigerweise die Wiederherstellung der kleinen besetzten Länder. Die Mordnung erwartet eine genaue Antwort des Soldaten- und Arberterrates. Mvutet, der Abgeordnete von Lyon, erklärte: Die französische Abordnung hat die Ausdrücke der Forn?el ..Friede ohne Annttionen" und „Kriegsentschädigung" genauer feftgestellt und dem Soldaten- und Arbeiterrat klargemacht, daß Frankreich die Wiedergutmachung der vernrsaclften Schädcir nickt als Kriegs- enftchädigimg betrachtet. Ohne diese Wiedergutmachung ist ein Friede unmöglich. Frankreich wird niemals einen ehrlosen Ftteden unterschreiben. Der Ausdruck „Annexionen" umiaßt durchius nicht die Wiederhevausgabe gestohlener Gebiete wie E l s a ß - L o t h r i n- g e n. Diese Frage ist ein Ideal, das die freien Demokratien nicht opfern können. Nach meinem Gefühl, erklärte Mvutet, besteht z.wi< scheu dem Rat der 7lbgeordneten und uns schon ein prinzipielles Emverftändnis über die Frage der Annexionen. Wir erwarten auch eine genauere Feststellung des Ausdrucks „Kriegsentschädigung". Meine Antwott hat sich durch die Abreise der Führer des Arbeiter- imd Soldatenausschüsses nach Minsk verzögett.
Die Gefahr der Bauernaufstände.
Bern, 27. April. (WTB. Mch-tmntlich.) Der Peters- virvger Berichterstatter des „Temps" meldet, eine Gefahr für Rußland lieege augenblicklich nicht in den Treibereien Lenins und der Sozi-altften, sondern in Ueber- raschungen, die die Massen der Bauern bereiten könnten. Diese seien augenblicklich vollkommen im Bann der Frage der Aufteilung der Ländereien und zeigten sich sogar in einigen Provinzen entschlossen, sie unverzüglich durchzu- führen. Die Agrar Unruhen, die in einigen Gouvernements ausgebrock)en sind, nähmen einen ernsten Charakter an. weil die Grundbesitzer angesichts der Möglichkeit der kommenden Enteignung ihrer Güter sich weigern, die Aussaat vornehmen zu lassen. Der Pvovinzial-Kongreß der Bauern in Penza hat die Sozialisierung der Ländereien beschlossen, infolgedessen sind die Itegiernngskommissore heimgeschickt worden.
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London, 27. April. kWTB.) Meldung des Reutrrschen Bureau-: Die „Morning Post" meldet aus Peter sbürg: Die ZM der Deputationen, die von den verschiedenen Fronten in der Hauptstadt ankommen, schivillt so cm, daß Maßregeln notwendig sind, uni deni weiteren Anwachsen des Menscl>enstromes Gvenzen zu setzcn Aus verschiedenen Pvovinzen Commm Nackpicktcn von agrarischen Unruhen In einigen Städten wurden kleine Republiken gegründet. Agitationen scheinen in ganz Rußland an der Arbeit zu sein. Alles weist darauf hin, daß es dringend notwendig ist, die konstituierende Versammlung so rasch als möglich cönzuberufen.
Der üorrestondent der „Morning Post" erfährt, das; beabsichtig ist. Len allrussischen .>bmgreß von Arbeitern-, Svldaten- und Bauernverttetcrn, der in der dritten Maiwock-e in Petersburg -usammentteten soll, zur konsrittnewnden Versammlung zu erklären,
da dres der kürzeste Weg sei, um zu «mer Lösung der Frage zu gelangen, die bei der großen Ausdehnung des russischen Reiches oyne drc eine oder andere radikale Maßregel unlösbar wäre. Die Merüchen verlassen zu Tausenden Petersburg und begeben sich in die Provinz. Die Züge sind täglich überfüllt, selbst dcc Fächer der Eiscnbcklmwagen sind l-äusig besetzt und es kommt vor, daß die Wagen unter der Last zusammenbvechcn. Trotzdem nrmmt die Bevölkerung in der Stadt nicht ab, da immer neue Mernchen hin zu strömen.
Petersburg, 26. April. (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus: Der Oberbefehlshaber Alexj ew besuchte die Südwest- fwnt und konferierte mit General B r u s s i l o w.
Der Kommandeur der russischen Truppen in Persien, General Bavalow, ist in Petersburg angenommen und l)at ein neues Amt übernommen.
. Soldatenkongreß in Minsk hat beschlossen, daß die Offiziere von den ArmeeLimitces ernannt werden sollen.
Die ersten vier Frauen wurden zum Ricksteramt zugelassen.
Eine neue Konferenz der Rordstaaten.
London, 26. April. (WTB.) Meldimg des Schwedischen TelegraphM'-Bureaus. Als eine Folge der frühereir Zusammenkünfte der Staatsminister und der Minister des Lleußern der lkandinavisch.cn R e i ch e werden sich die Staatsminister und die Minister des Aeußern von Schiveden, Dänemark und Norwegen vom 9. bis 11. Mai in Stockholm aushaltcn. Die dänischen und norwegischen Minister werden als Gäste des Königs im königlichen Schloß wohnen. Diese Zusammenkunft ist ein neuer Beweis der guten Beziehungen der drei Länder, des Wunsches ehrlicker, unparteiischer Neutralität imd der Älb- sicht, zusannnen zu arbeiten für die Anftechterhaltmrg ihrer Rechte und Jirtereßen als neutrale Staaten und sich gegenseitig zu unterstützen durch wittschastlickie Maßregeln.
Straßenkämpfe in Stockholm.
Kopenhagen, 26. April. (WTB.) „Politiken" meldet ans Stockholm!: Die Stadt war gestern der Sck-autKatz förmliäiec Straßen kämpfe zwischen der Polizei und einer Mzahl un- rubiger Elemente. Die llnruhen danetten von 9 Uhr abends bis Mi tteriracht. Der Straßenbalm verkehr mußte eingestellt werden. Die Polizei versuchte lange, die Menge m beruhigen und zum Auseinander gehen zu (bewegen, jedoch erchl glos. Zuletzt wurde ein Polizeiboamter von einem Stern' getroffen, was die Deraw- lassung zu dem Zusammsnsboß wurde. Die Polizei erhielt Verstärkungen wird versuchte /die Straßen z-u räumen, mußte aber der: Angriff gegen die Volksmenge wiederholen, bis diese schließlich zerstreut und Ruhe ivieder hergestellt nnrrde. Mehrere Personen 'iud durch Säbelhiebe sck)wer verletzt worden.
Ministerkrife in Griechenland.
Basel, 27. April, (zf.) Der „Netren Zürcher Zeitung" wird aus Paris vom 26. gemeldet: Man berichtet aus Athen: Eine n e u e Kabinettskrise ist ansgebrochen Ministerpräsident La mb ros unterbreitete dem König die G e s a m t d e m i s s i o n des Ministeriums. Die Ant- lvort des Monarchen steht noch ans.
Der englische 6>esa;iDte Elliot unterrichtete gestern den König in einer langen Besprechung über die Ursachen der Bcr stim nt u n(j der Alliierten. Es läuft hier das Gerücht um, daß 'infolge gewisser zwischetr den Alliierten einstimmig gettosfener Vereinbarungen wichtige Ereignisse in allernächster Zeit stattfinden werden.
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Amerika.
London. 26. April. (WTB.) Das Reuterschc Bureau meldet: Die „Morning berichtet aus Washington:
Präsident Wilson gab B a l s o u r die Versicherung, daß die Vereinigten Staaten keinen Sonderfrieden mit Deutschland schließen würden.
Die wittung des U-voo krieges auf England.
Eine Ansprache im Oberhanse.
Rotterdam, 27. April. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet mts London: Lord Beresford hat gestern im Oberhaus an die Regierung eine Frage über die U--Bootgefahr und die Maßregeln, die zu ihrer Bekämpfung ergriffen worden seien, gettchtet. Er sagte: Die wöckefntliche Veröffentlichung der Admiralität über dm Schiffsverkehr und die Schiffsvcrluste sei i r r e f ü h r e n d. Die eigentliche Schwie- ttgkeit mit dm deutschen U-Bootm komme daher, daß sie Minen streuten. Die Admiralität habe jetzt aber einen ausgezeichneten Plmt, um dagegen aufzutretcn. Tie jetzige Admiralität sei die beste, die England jemals gelebt habe. Der Anbau von nmen Schissen sei wichtiger als alles andere. Die Schiffe seien Englands Lebensnerv und ihre Zahl werde von Tag zu Tag kleiner. Lord Lytto n antwortete im Namm dar Admiralität utrd sagte, daß einige von dm Stcmdardscknffcn, die im Bau seim, i.m Iicki fertig sein werden. Die Fertigstellung der anderm werde rasch folgen. Mit d?m Bau von Torpcdojägem und der Bnoafsstung von Harrdelsschiffm mache man gute Fortschritte. Bezüglick der Beröffmtlichungen der Ad- miralttät gab Lord Lyttmr zu, daß sie nicht ganz genau seim. da ein und dasselbe Schiff manchmal zwei oder dreimal auf die Abfabrts- oder Ankunftsliste gestellt werde. ?lndererscit§ werde in den Listen der Verlust auch von Schiffen ausgenommen, die nicht von oder nach englisckien Häfen fahren. 9lber die Mitteilungm der Admiralität gäben doch ein ttmes Bild der Lage. Lord Ltztton teilte detn Hause 'chlveßlich mit, daß es wahrscheinlich notwendig sein werde, die Einfuhr twn Uebersee noch mehr einzuschvänkm.
Wachsende Sorgen in England.
Haag, 26. April, (zf.) Die Nahrungsmittel-^ frage wird in England stets bvemrender. 9imt schmilzt auch der Vorrat an Butter und Margarine immer mehr z u s <r m m e n, trotzdem in vergangener Woche 250 000 Kisten austtalischer Butter artgekommen sind, von der die Regierung 187 000 Pfund ztrr Berteilitrtg ange- ckuft hat. Wer aus Frankreich komtnt bedeutend weitiqer Butter an, ebenso aus Därvemark, das zum größten 2^il eine Schiffe aufgelegt hat, und auch 5>olland hat seine Margarine-Einfuhr nach Englatcd wegen der Schisfahrtschwierigkeiten eingestellt.
Die „Tiines" legt dein Publikrmr dringend ans' Herz- den Ernst der Lage zu begreifert und fordert die Regierung auf, den ganzen Umfang des in den Grund gebohrten Tonnen- maßes bekanntzugeben und so rasch wie möglich eine Zwangsrationierung einzuführen.
Im Oberhause forderte Lord Devonport von neuern zur größten Sparsamkeit mit Lebensmitteln auf, da sonst >ie B r o t r a t r o n i e r u n g , die bereits vorbereitet sei, eingeführt werden müsse. Diese Warnung machte, wie der „Nieuwe Rotterdamsche Courant"^ mitteilt, den größten Eintruck, vor allen Dingen, da die heute ftüh bekanntgeaebene Anzahl der vernichtetem Schiffe dert Ernst der Lage erkennen ließ.
Rotterdam, 26. April. (WTB.) Der „Nimive Rvtter- damsche Courant" meldet aus London: Lord Devonport wies im Oberhause darauf hin, daß mit Lebensmitteln mehr gespart werden müsst, widrigetlsalls die Brotrationi-erung ein- geführt Iverden müßte. Diese Warnung und die heute verüffenllickiite Zahl der torpedietten Sehiffe, die eine starke Steigerung ausweist, haben Eindruck getnacht. Tie „Times" verlangt die sofortige Einführung > an Zir-augsmtionen. Hu rd stellt im „Daily Telegraph" die Lage als wirklich a e f ä h r l idar. England habe für dringende Bedürfniffe an Lebensmitteln mrd Rohstoffen ungefähr 1500 große Seeschiffe zur Verfügung; davon seien seit dem 19. Februar 130 samt der Ladung zerstött. Wenn der Schiffs
bau in England und Amercka n 4Hk dos Maxinrmn
drohe eine sthwere Katastrophe. Ter liberale Kriegsausschnh W sich für die sofortige Zwangsratimrierung vcklärt.
Bern, 27. April. (WTB.) Zur Leben smittelfrass^ schreibt die „Daily Mail": Durch keinerlei Kunstgriffe, nroberri lediglich durch eine große Einschränkung kann die LebensmittrA- llmpplxnt überwunden werden. Sie ist nicht auf England fe* schränkt. Sie wird aber verschärft und schwieriger gestaltet durch die sehr schwere Bedrohung mit dem Tauchboot«, k r i e g. Tausnrde von gedankenlosen und ungläubigen Leuten der- stelxn nicht, daß wir, wenn der gegenwärtige Ueberverbrauch und die Verschwendung anhalten, in weniger als drei Monaten mit beit notwendigsten Lebensmitteln am Ende sind. Der Lmngersnot- buird, nicht der Hunne ist der Feind, den wir zu fürchten haben.
Kristiania, 27. April. (WTB.) Ein Londoner Sondev- telegvamm der Zeittmy „Menpostett" berickptt: „Der versenkte englische Schiffsraum ist in der letzten TÄxbe fast doppelt so groß wie in der vorigen und der größte seit dem Beginn des in, eingeschränkten U--Bootkri«ges, der dahier jetzt eine größere Gefahr für England zu werden droht, wie je zuvor."
Haag. 27. ^lpril. (WTB.) Me hier eintressenden Nachrichten in der letzten Zeit bezeichnen die Wirkung des Tauchbootkrieges auf England als sehr schwer. Die Nah- rnngsmittelschwierigleiten sollen bereits so groß sein, daß schon nach ein bis zwei weiteren Monaten ein völliges Versagen b«rr Verpflegung großer Teile der engliscki-en Bevölkerung befürchtet wird.
K o pen ha g en, 27. Llpril. (WTB.) „Daily News antz' Ltader" vom 17. dlpril sagt ür einem Leitartikel, der die Ueber- schrick ttägt: „Der Klärung entgegen": Teutsckchrnd ist augenblicklich nervenschwach, aber es hat noch das Unterseeboot. DLag auch Hindenburg sich auf dem Rückzug befinden, solange er den nrilirärisckxm Zusammenbruch nur hlnausschieben kann, bis das Unterseeboot Zeit gehabt hat, sein Werk zu vollcndeir, wiick Deutschland den Krieg gewinnen.
Angriff eines U-Bootes auf Hafenanlagen bei Gouraya.
Berlin, 27. April. (WT.B. Amtlich.) Eines unserer U-Boote veschotz am 21. April die für die ErzvcrWfftrng aus Nowafrika lvichtige Hafenanlage bei Gouraya, mefd- iich von Algier, mirttmgsvoll. Eine Erzladebrücke ist ein-- gestürzt, eine zweite schwer beschädigt.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
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Amsterdam, 27. April. (WTB.) Meldung d^s RruterscheL Bureaus: Der englische Dampfer „Kildare", ein Schiff von 3850 Bruttvregistertonnen, ist bei Malta von einem Unterste- boot versenkt tvorden.
Cadir, 26. April. (WTB.) Meldrmg der AgenceHaVa^ Der Dampfer „Tri a na" ist mit der Leiche dos Koches imd mit einem schwerverletzten Matrosen einqettofsen. Der Dampfer wurde an der portugiesischen Küste vor: einem deutschen Unterseeboot aus ^stschützerc beschossen.
Kopenhagen, 27. April. (WTB.) Nach einer Meldung der „Berlings-ke Tide^rde" ist der norwegische Post- dampfer „Harald .Haarsagett', der gestern vormittag von Kopenhagen nach Kristiania ;nit Post und Reisenden an Bord abging, am 25. April am Skagerrak von einem dent- schen Kriogsschifse aufgebracht und nach einem deutschen Hafen übergeführt worden.
Kopenhagen, 27. April. (WTB. Rteldung deS Ritzaio-Bnreaus. Die in Krifttanssand oeheimabete Bark „Metropolit, ein Schiff von 1611 Tonnen, mit Oel- ladnng von Philadelphia nach Le .Havre unterwegs, ist am 24. April westlich der Scillp-Jnseln von einem deutschen Uickerseebvot durch Bomben versenkt worden.
Aus Stadt «nd Land.
Gießen, 26. April 1-17.
Lebensmittelmarken.
Für die Zeit vom 30. Avril bis 6. Mat IS17 habe« nachstehende Lebensmittelmarken Gültigkeit:
Brotmarke,! der 17 . Woche, gültig vom 3V. April bis 6. Mai 1917 Buttermarken „ 17 . „ , „ 30. „ w 6. v „
Eiermarken Nr. 1 ,
Fleischmarlen der 17. Woche, gültig vom 30. April bis 6. Mai 1917 Kartoffelmarken, 17. „ „ „ 30. , „ 6. „ „
Seüenmarken s. d. Monat April bis 30., v. 1. Mai ab f. Monat Mat Zuckermarken Nr. 12 - 23, (etnfckl.) bis 30. Mai 1917.
Ein Umtausch verfallener Marken findet nicht «ehr statt; ebenso wird für verloren gegangene Marken kein Ersatz gewährt.
Geschäftsstunden des Stadt. LebeuSmtttelamte» von 9—12 Uhr vorm., 2—4 Uhr nachm.
MarkcnauSgabe iür Urlauber:
Sonntags von 19—12 Uhr vormittag».
** Die Fleis ch verbrauchsregel an g hat insofern eine Aenderung erfahren, als vom -30. April ab von Wvcbe zu Woche durch Anschlag in den Metzgerläden bestimmt wird, welche Mengen an Fleisch und Wurst aus die Wochcnabschnitte der Reichssscischkarte, sowie der Fleischzusatzkarte abzugebeu sind. Aus Wochcnabi'chnltLe der Reickisfleischkatte, von denen einzelne Fleischmarkcn abgetrennt sind, sowie aus einzelne Fleischmarken (Vio Anteil) wird nur noch Fleisch, nicht aber Wurst abgegeben. Wir verweisen auf die Bekanntmachung in unserem heutigen Blatte.
Ferienkinder.
Dieser Tage kehrten die Gieß^ner Schulkinder zurück, die während der Osterferien in den Orten Göbelnrod, Lollar, Mainzlar, Treis, Rüddingshausen, Odenhausen, Geilshausen, Beltershain, Reinhard-shain, Staugerrvod, Seity* gestern, .Holzheim, Grüningen, Nieder-Bessingen, Queck- born, Lauter, Langsdorf, Rodheim, Utphe, Langd, Villingen, Freienseen, Wetterfeld, Weickartshain, Stockhausen, Mücke, Ober-Ohmen, Unter-Seibercknrrod, Groß-Eichen, Klein- Eichen, 9fteder-Ohinen, dltzcnhcnn, Bernsfeld, Kirschgarten, Ermenrod untergebracht waren. Es war eine Lust, bei ihrer Rückkehr feststellen zu können, welch günstigen Einfluß schon dieser kurze Landaufenthalt aus ihre Entwickelung ausgeübt hatte. Frischbraune Wangen und glänzende Augen brachten sie mit, und Gewichtszunahmen waren zu verzeichnen von drei' bis zu neun Pfund. Es ist eine gern erfüllte Ehrenpflicht, wenn auch össenttich an dieser Stelle all den Land- bewohnern herzlichster Dank ausgesprochen wird, die sich der Kinder angenommen und an ihnen so viel Gutes getan haben. — Bezeichnend fiir das gute Verhältnis, das offenbar zwischen Gastgebern und Kindern bestarid, ist der Umstand, daß sich in den letzten Dagen schon eine ganze Reihe der Zurückgekehrten bei den yiesigerr Schulen dv gemeldet haben, weil sie sofort für längere Zeit zu ihren ländlichen Wirten zurückkehren. Und das ist ja wohl auch das schönste, letzte und höchste Ziel, das durck) die Einrichtung der „Ferienkinder" erreicht werden kann und mrch erreicht werden wird, daß sich Land und Stadt wieder verstehen lernen zum Wohl unseres ganzen Volkslebens. Und zur Erreichung dieses Zieles gibt e6 ja wohl auch keine besseren Vermittler und Geschjftsträger als unsere Kinder! Hoffen wir daher, daß sich auch im Sommer in jeder Gemeinde wieder einige Landwirte ftnden, die bedürftige Stadtkinder ausnehmen, um so mehr als schon durch Verfügung des Präsidenten des KriegSernährnngSamtes vom 22. März 1917 bestimnit worden ist, daß denjenigen Land- lvirten, die sich zur Aufnahme von Kindsru vervslichten.


