Englischer Heeresbericht a«S Mesopotamien
vom 23. April.
In der Nacht vom 21. auf den 22. April räumte der Feind den Rest der Stellung von Jstcrbulas, wovon am Tage zuvor zu- sapnnenLäugende Teile erstt'lrmt waren. Am Sonntag nahmen wir bei Tagesanbruch die Verfolgung auf, machten Gefangene und erbeuteten eine 5.8 zöllige Haubitze.
Der neue türkische Sieg bei Gaza.
Berlin, 23. April. (WTB. Nichtamtlich.) Bei den erneuten Kämpfen um Gaza am 19. Avril, wo bekanntlich drei englische Angriffe an der Tapferkeit der Türken zerschellten, schickten die EnglÄcker auch 16 . 1 t Tanks ins Treffen, die die Niederlage indessen nicht abzuwenden vermochten. Drei dieser Panzerwagen wurden von bat Tiirkcn in Trümmern geschossen. Welch schwere Verluste die Engländer übrigens schon bei dem ersten Kampf um Gaza am 26. und 27. März erlitten haben, geht aus Aussagen von englischen Gefangenen hervor, wonach englische berittene! Truppenteile aufgelöst wurden zur Auffüllung der dezimierten englischen Bataillone. Die .Haltung der türkischen und arabischen Truppe.: wird als vorzüglich bezeichnet. Zwei arabische Flieger- vM ziere zerstörten bei einem kühnen Flug in die Wüste die Wasser - rohrlettungen, die die Engländer zur Versorgung ihrer grohen Kampfmasien gebaut batten. Außerdem wurden zwei englische Flugzeuge während des Kampfes selbst abgcschosscn.
Ter türkische Großwesir nr Berlin.
Konstantinopel, 22. April. (WTB.) In einer Besprechung der Reise TalaatPascha schreibt der „Tanin":
Die Reise stellt -ein neues Ereignis in der Geschichte des deutsch- türkischen Bündnisses dar. Es ist das erstemal, daß ein Groß Wesir offiziell Berlin besucht. Diese Reise ist von mehreren Gesichtswinkten aus^von Bedeutung imd Nutzen. Die Völker Deutschlands und der Türkei, die so unerschütterlich vereint harte Prüfungen durchgemacht haben, werden vielerlei, die Gegenwart uick die Zukunft betreffende Fragen zu lösen haben. Das beste Mittel zu ihrer glücklichen Lösung besteht in der Herstellung persönlicher Beziehungen zwischen den beiderseitigen leitenden Staatsmännern. Seit dem Abschluß des innigen Bündnisses zwischen Deutschland und der Türkei sind solche Reisen notwendig geworden. Infolgedessen hat Talaat Pascha, der hierzu beruscndste Mann in der Türkei, seit seiner Erhebung zur Großwesirswürde auf den geeigneten Zeitpunkt gewartet, um diese Reise zu unternehmen. Wir wissen, daß Berliner Kreise den Großwesir hochschätzen. Wir wollen hinznfügen, daß sie im näheren Verkehr mit ihm seftstellen können, daß sich ihr Gefühl nicht getäuscht hat. Talaat gewinnt durch nähere Bekanntschaft. Daher werden die Berliner Kreise, trenn sic btc Bekanntschaft des Groß tue sirs gemacht haben, noch mehr für Talaat und die Türkei eingenommen sein. Der Großwesir wird die sich durch die Reise bietende Gelegenheit auch zu Aussprachen mit den Staatsmännern der anderen verbündeten Völker benutzen. Wir wollen schließlich hervorheben, daß der Großwesir mit der ihn stets beseelenden festen Hoffnung auf den kür uns siegreichen Ausgang des Krieges und mit einein großen Optimismus hinsichtlich der Zukunft des Vierbundes seine Reise an- gctreten hat. Hoffen loir, daß dieses Vertrauen und diese Ueber- zeugung bei seiner Rückkehr noch größere Kraft erlangt haben werden.
Die HeDolufion in Rußland.
Ein Kongreß der Vertreter des Heeres der Westfront.
Minsk, 22. April. i'WTB.) Meltumg der Petersburger Tele- graphenagentur. In der ersten Sitzung des Kongresses der A b g e o r d n e t e n der Armee n an der Westfront hielt Duma- prmident Rodsjanko eine Rede, nr der er sagte: (Rücklicl)er- weise kann ich erklären, daß die Rückkehr z'ur Vergangenheit unmöglich ist. Das verbürgt der Wille'des russischen Volkes. Vergesset nicht, daß die große Freiheit Euch große Pflichten auserlegt., Vergesset nickt, daß das Vaterland in Gefahr ist. Ich tneiß. daß jetzt die Westfront eine unzerstörbare Kampfkraft besitzt. Mit Freude twrhe ich es im: .Hinterlande verkünden.
Der Abgeordnete Roditschew lud dann alle Anivtzsenden ein, sich m einer starken Macht zufammenznschließen. um rricht nur den Feind des Mslands, sondern auch den der Volkssreiheit ^u besiegen. Roditschew rief: „Laßt uns die Gegener vernichten!"
Darauf bestieg der s r a n z ö s i s ch e O b e r st R o s p o n, früher Kommandant eines Regiments von Verdnn, die Tribüne. Er sagte u. a.: „Vergeht nicht, Soldaten!, daß ihr die Armeen des Kaisers vor Euch habt. Wollt Ihr daher die Freiheit befestigen, so seid tapfere und gehorsame Krieger. Treibt weniger Politik, aber erfüllt mehr Eure Soldalenpflichten. Erinnert Euch daran, da ßin der französischen Revolution die große Armee keine Politik trieb."
Dann nahm ein englischer Major das Wort und forderte die Soldaten am, die Freiheit, zn lieben und alles für sie zu tun.
General G n r ko, der Kommandant der Westfront, sagte: „Wem: die Soldaten nicht große Anstrengungen machen, nur die junge Freiheit zu retten, ivrrck sie untergehen. Ter deutsche Militarismus, der eine einige Bedrohung des Weltfriedens darsteltt, muß vernichtet werden."
Die Rolle Brussilows.
Bern, 23. April. (WTB. Nichtamtlich) Der „Tempo" meldet aus Petersburg: Die Spaltun g zwischen der Front- armee und den Agitatoren im Tau rischen Palast verschärft sich täglich. B r J: s f i I o w hat namens der Offiziers und SoldavLi der Südwest-Armee an die provisorische Re- cherUng ein Telegramm gerichtet, um gegen die Möglichkeit des Zusan:mentritts der konstituierende Versammlung in Petersburg Verwahrung einznlcgen, in welcher die internationalistischen Theorien Verwirrung in die Geister der Dewrtierten bringen könnten. Die Südwcit-Armee verlange, daß die konstituierende Veriamm- lirruj in Moskau zusammentrete.
Ein Ausruf Lwows und Gutschkows.
Petersburg, 22. April. (MTB. Nichtamtlich. - Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur. Ministerpräsident Fürst Lwow und Kriegsminifter Gntschkow haben an die für die Armee tätigen Arbeiter einen Ausruf gerichtet, in welchem sie erklären: „Tie letzte Stunde unserer Prüfungen ist gekommen, vielleicht die Schicksalsstunde, die uns ans immer glücklich und frei machen, oder uns unsere nationale Ehre rauben und uns in die alte Sklaverei zurückschlendern wird. Mehr als jemals tverden wir 'unser Glück erzwingen. Das Schicksal der gewonnenen Freiheiten ist in unserer Hand."
Der Rat der Arbeiter- und Soldat en-Delegierteu hat beschlossen, in ganz Rußland den 1. Mai neuen Stils, also 18. April russischer Zeitrechnung, zu feiern. Für diesen Tag sind anck große Arbeitcrlundgebnngcn, wie sie in Rußland noch nie erlebt wurden, im ganzen Lunde vorgesehen, lim auch nicht eineft Tag lang die Kriegsarbeit Zu hemmen, beschlossen die Arbeiter, statt am 1. Mai am 29. April zu feiern.
England und Amerika. ,
New Port, 22. Avril. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die engliscye Mission unter Führung von B-alfour hat in den Vereinigten Staaten begeisterte Aufnahme gesunden. An der Grenze lnnrde sie von Vertretern des .Kriegs- und Marinedeparte- inents empfarrgen, dam: fu.hr sie nach Washington. In einer Unterredung erklärte Balsour, das Ziel der Mission sei die Sicherstellung des Zusammenarbeiten^ aller derer, die einen dauerhaften Frieden nach siegreichem Kriege wünschten.
Die Röte Englands.
B er n, 23. April. (WTB. Nicht-amil.) Im „Daily Telegraph" vom 19. April warnt der Mcarin es chr i st fiel ler Archibald Hurd vor der England durch die Dezimieruu g der Handelsflotte dachenden schweren Gefahr. Er schreibt: Mit ihrem Tauch- dootkrieg schlagen die Deutschen leineswegs gedankenlos drauf los, sondern sie zielen ui voller Absicht auf die zitier ab, durch die
unseres Reiches Stärke pulsiert. Gute ^chrrchten kommen von der Westfront, aber der Krieg muß zur 5ee gewonnen werden. Der Friede muß auf einer gesicherten maritmen Stellung beruhen, sonst würde er das Vorspiel ta>n unserem kimnrerziellen Untergang sein. Ohne viele Dinge können wir auskonmen, aber nicht ohne Schiffe. Es wäre Torheit, den Ernst der Lag zu ignorieren.
_ Bern, 23. April. (WTB. Nichümtl.) Ein Dokument schwerer Besorgnisse über die Finanz lag« Englands bildet die von 35 Unterhausmitgliedern aller Pareien eingebrachte Resolution, die die Einsetzung eines A u s s ck us s e s zur Prüfung der Staatsausgaben mit der Bengnis, Staatsbeamte 3u_ vernehmen, fordert. In der Begrünümg wird anSgesührt, da sh der Schatzsekretär bei der Einbringung ds Budgets im April 1916 die bestimmte Hoffnung ausgesprochen habe, die ausgeworsenen für den Tag fünf Millionen Pfund Sterling betrage wen Staats- ausgal'en würden dura: Ersparnise vermindert werden können. Jetzt betrügen die Ausgaben täglich sieben Millionen Pfund Sterling nnd die Regierung denke nicst ans Sparen. Die Finanzkontrolle des Unterhauses habe pralisch ausgehört.
» »
Der Flerschmangcl in Frankreich.
Paris, 22. April. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der „Agence Havas". Di-e Regierung hat bescklossea:, daß die Verordnung über die zloei fleisch.osen Tage, die am 25. April beginnen sollten, nicht in Kraf treten, sondern durch eine andere Verordmmg ersetzt wecken soll, welche den Gastwirten und Hotelinhab-ern verbet-et, bei der A b c u d m a h l- zeit irgendwelches Fleisch oder andere Schlächterware zu liefern. Infolaedessen sollen dü Schlächterläden um 1 Uhr mittags schließen.
Kohlen- und Kartoffelver-orgung in Frankreich.
Bern, 23. Avril. (WTB. Mchtamtlich.) Die Pariser Presse meldet, daß vom 1. Mai ab die gesamte Kohlenverteilung nur noch von Ltaats wegen durch das Ver- proviantiernngSministerium erfolgen ward. — „Petit Pa- risien" meldet: Der Borsitzend-e des Kartofselamtes, Senator Mongeot, richtete m den Minister Präs ibeuten Ri b o t einen sehr pessimistischen Brief über den Stand der Knrtofselversorgung. Er erklärt, daß trotz aller Bemühungen nnd Ausrufe di>. Kariös felaussaat durchaus ungenügend erfolge. Die Regierung solle unter allen Umstanden die versprochenen Saatkartoffeln ausliefern, damit wenigstens noch für den kommenden Winter die allcrnot- wendigsten KartoffelVorräte gesichert werden könnten.
Aus Griechenland.
Bern, 23. Avril. (WTB. Nichtamtlich,) „Petit Parisien" meldet aus Athen, der Rücktritt des Kabinetts Lambro s bestätige sich nicht; in politischen Kreisen versichere man, daß L-ambros auf Ersuchen des Königs am Ruder bleiben werde. Z a im i s, mit welchen der König Fühlung genmnmen ' habe, habe für die Uebernahme der Kabinettsbildung Bedingungen gestellt, die nicht hätten zugestanden werden können.
Velin, 24. April. In der Hand des Generals Sar ca.il soll sich nach einer Meldung des Londoner Gewährsmannes der „Voss. Ztg." eine Geheim ordcrder französischen Regierung befinden. den König von Griechenland gefangen zu nehmen und ihn in Frankreich zu internieren, sobald Scrrrail den Beweis für royalistische Imtrigu-en gegen die Ertteitte, erreicht habe. — Laut „D. Tagosztg." verlangen Pariser Blätter sofortige G e w a l t m a ß n a h m e n g e g e n G r i e ch e n l a n d, weil Lamb- ros nicht demissionierr hat. Tie Entente müsse die ganze bescklag-- nahwte Flotte an Veniz-elos anslieferu nnd die Dalnfftrecke Athen —Larissa unter eigene Verwahrung nehmen, damit Venizelos von der Landseite her keine Ueberrimipelung zu befürchten habe.
Das österreichische Kaiserpaar in Tirol.
Bozen, 22. April. (WTB.) Der Kaiser uud die Kaiserin haben sich heute vownittag, begleitet von Mi- nisterpräsident^en und ihrem Gefolge, von. Wien nach Boz-en begeben. Am Bahnhof loaren zum Empfaug Feldmarschall Eonrad, zahlreiche Generale usw. erschienen. Das Kaiserpaar begrüßte die Erschienenen und schritt die Ehrenkompagnie ab, die fast durchweg aus Kaiserjägeru formiert w-r, die sich während der Offensive gegen Italien unter dem Kommando des Kaisers als Thronfolger die TapferkeiLsrnedailte erkämpft haben. Der Kaiser gedachte in seiner Ansprache der gemeinsam erstrittetren Siege. Nach Besuch des Gottesdienstes begab sich der Kaiser in den Starrdort der höheren Kommandos, wo der Kommandant über die operative Lage referierte und dem Kaiser meldeii konnte, daß Truppen gerade in ber verflossenen Nacht schone Erfolge in dem Gebiet des Sextensteins zu verzeichnen hatten. Die Kaiserin besuchte indessen das Ouiriner-Spital. Die Kaiserin holte sodann den Kaiser zur EröffnungderKunftschaudcr Kaiserjäger ab. Hieraus fuhren der Kaiser und die Kaiserin zum Bahnhof. Im Waggon empfing der Kaiser deutsche Reichsrats- und Landtagsaogeorduete Tirols in besonderer Audienz. Die Vertreter des deutschen Volkes in Tirol waren über den Empfang sehr erfreut, insbesondere über die wiederholt ausgesprochene Anerkennung des Kaisers, daß ihre Volksgenossen, wie in allen Kronländern, so auch in Tirol, sich als Hort des Staatsgedankens und der altererbten Treue in den schweren, Tirol unmittelbar berührenden Zeiten des Weltkriegs bewährt haben.
Zeekrieg.
Bier eugLische Zerstörer vermistt.
Berlin, 24. April. Einer Meldung der „Voss. Ztg." zufolge herrscht in London seit einigen Tagen große Sorge über das Schicksal von vier Zerstörern, die inr Kanal vor der Theinse Menst taten und von denen man seit vierzehn Tagen nichts mefyr gehört hat. Inzwischen habe die Mmrralität die Torpedierung des einen Zerstörers bekanntgegeben, man glaube aber allgemein, daß auch die anderen drei verloren seien.
*
A !N st e r da m , 23. ^lpril. Das „Allgenwen HandelSÄad" meldet ans P'.müden: Einer der Geretceten des versenkten schwedische Seglers Ammida aus Gothenbnrg bat erzählt, das Schiff, daS von Frederikshall > Norwegen) mit Grubenholz nach Hartlepool nnterw'ecrs gewesen sei, sei am Miontag von einen: Unterseeboot! an ge batten und wegen Führen von Bannware und weit es in verbotenem Gebiet angctrvffcn, durch fünf Bomben versenkt morden. Die Besatzung sei von einem Vlaardinger Fischer fahr zeug ausgenommen worden, das sie in Pmniden gelandet habe.
Aus dem Reiche.
Der Hrtssdiettstausschus: des Reichstags
nicht nur gegenüber sdarrtlichen, sondern auch gegenüber Pri^L^ betrieben eine größere Mivität rn diesem Sinne ent falten. Der Begriff der ortsüblichen Besoldung solle so interpretiert werde»- daß als «ortsüblich nur ein den heuttgen Verhältnissen angemessener Gehalt gellen dürfe. Diesem Verlangen stimmte der Ausschuß gegen die Stimmen des Zentrums zu. Das Kriegsamt erklärte, daß cs auf die Priratbettiebe nicht gut nach der verlangten Richtung einwirken könne. Ein fortschrittlicher Abgeordneter hatte gegen solche Wünsche das Bedenken einer weitern: Vertcuarung der Produktionskosten und dadurch einer Mehrbelastung des Reiches. Diese und -veitere Bittschriften sollen als Material bei der Ausstellung vo'n allgenieinen Richtlinien dienen. Ter ^lusschnß besprach da?m die Frage, von Ivem aus die Wahlordnungen für die Arbeiter- mck Angestelltenausschüsse und deren Geschäftsordnimgen zu erlassen seien.
An eine Besprechung über die rechtlichen Verhältnisse der Reil amierten in den Werftbetrieben schloß sich eine Besprechung der Ausstände, in der der Leiter des Kriegsamts, General G roener, das Bedenkliche dieser Erscheinungen hervorhob und aus führte, daß cs darauf anlonrmt, in dieser Zeit der schwersten aller Schlachten, die das deutsche Volk ansznkämpsen hat, alle Kräfte für die Versorgung der Armee einzusctzen. Dolche Streiks, namentlich ihre politische Ausnützung, müßten unbedingt aushöven, gegen sie nnd Streikhe^er würde nüt aller Energie vorgegangen werden müssen. Ein sozinldenrokratisck?er Getmrksch-aftssührer fühtte den Ansbruch der Streiks mrf 'vie Nahrungsmittelschwierigkeivni zurück. Verantwortlich seien nicht die sogenannten Hetzer und nickt die Llrbeiterschaft, sondern die mangelnde Rücksichtnahme der Land- wirtnlaft ans die dringendsten Bedürfnisse der städtischen Industrie- bevöllecung und das Zögen: der Behörden mit den notwendigsten Maßnahmen zur Sichenmg der Volksernähnrng.
Mügcteilt wurde, daß neue Verhandlungen gm scheu dem Kriegsamt, den Getverksckaften nnd Angestelltm zu einer wesentlichen Milderung der für die Werften gettosfenen Ausnal)n:c- bestimrnungen geführt haben.
*
Königsberg, 23. April. (Priv.-Tel.) In der unter dem Vorsitze des Oberpräsidenten v. Berg abgehaltenen Sitzung der Provinzialkommisfion für oftvreußische Kriegsgeschichte wurde fcstgestellt, daß nach dem Material der Auskunstsstelle für verschleppte Ostpreußen die Z a h l d e r V e r - schleppten wahrscheinlich noch höher ist, als bisher angenommen wurde, nämlich über 10 000.
Ans Stodt nnd Land.
Gießen, 24. April 1917.
Zucker für Einmachzweckc.
Um der gesamten Bevölkerung für Eiumachzwecke eine größere Zuckermenge zuteilen zn können, hatte die Einkaufs- gesellschaft für das Großherzogtum Hessen m. b. H. in ! Mainz auf Anweisung des Großh. Minifterinms des Innern I feit längerem gewisse Rücklagen an Zucker gemacht. Diese Rücklagen werden Anfang Mai als Ob stzuckerzulage ansgegeben, und zwar auf den Kops der BevöLkelMng die angesichts der bisherigen Beschränkungen im Zuckerver- branch recht ansehnliche Menge von vier Pfund. Für die Ausgabe der Obstzuckerzulage wurde der Mvuat Mai gewählt, damit die Bevölkerung schon vor Beginn der Beerenobstzerilte im Besitz des Zubers ist und sich mit ihren Einkäufen zur Herstellung von Manneladeu usw. danach richten kann. Ob im Sommer nochmals mit einer Zulage gerechnet werden kann, läßt sich heute noch nicht übersehen. Es kann daher nur auf das Dringendste empfohlen raer- den, die Obstzuckerznlage für die Einmachzeit zurückzulegen und nicht für andere Zwecke zu. verwanden; lver dies dennoch tut, hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn er in der Einmachzeit über keinen: Zucker verfügt. Die Ausgabe der Obstzuckerzulage erfolgt aus die Murrten 16 bis 23 der Zuckerkarte: auf die Marke 23 entfällt Kandis, oer sich besonders für Einmachzwecke eignet, da er das reinste Zuckerprodnkt darstellt. Die näheren Mitteilungen über die Ausgabe des Zuckers werden noch von den Kvlnnrunal- verbünden gemacht werden.
In: Monat Mai wird ferner ans Veranlassung der Reichszuckerstelle zugleich mit der üblichen Monatsmenge! auch die M o n a t s m e n g e f ü r d e n Monat I u n i. ansgegeben werden, und zwar aus Grund der Zuckermarken 14 und 15. Einschließlch der Obstzuckerzulage erhält somit im Mai die gesmnte Bevölkerung in: Großherzogtum Hessen sechs Pfund Zucker auf den Kops. Es kann auch hier nur die dringende Warnung wiederholt werden, diese für die einzelnen Haushaltungen recht erheblich ausfallende! Zuckermenge nicht zu vergeuden oder für nicht dringeifde Zwecke zu verwenden. Wer sich später größere Obsttnengen einkochen oder zu Marmelade verarbeiten will, der legt auch diesen Zucker oder dock den größten Teil davon zurück und behilft sich in der Zwischenzeit mit Süßstoff, der regelmäßig auf Grund der Süßstoff- karten zur Ausgabe gelangt.
*
Die Hindcnburgspettde.
Wir haben- gestern in unseren: Blatte eine 9cotiz des Äolffschen Bureaus veröffentlicht, die das Ergebnis der .Hindenburgspende im Könid'ck^ Preußen bis zam: 3. März 1917 znsamnrensaßt. 2644 750 Kilvgrannu oder 52 985 Ztr. Schmalz, Speck, Fleisch und sonstige Nahrungsmittel sind non den Landwirten für die RüstungsarlEiter freiwillig aufgebracht wordel:. Benrerkenswert ist dabei _ noch, daß sich die Saum: langen seit dem' 27. Januar 1917 mehr als verdoppelt hab-en.
Es ist dies gewiß ein hocherfre:llickes Ergebnis, auf das Preußeu uud vor allem die besonders namhaft gemachte:: Provinzen stolz sein könmn. Uns im Großherzogtum Hessen soll es aber ein Ansporn sein, die Opserwilligkeit PrenßemA womöglich noch zu übertrefsen. Damit soll rriclut gesagt werde::, daß der Ausruf des Generalftldnrarsckalls v. Hin- deuburg bisher in Hessen auf weniger fruchtbaren Boden gefallen sei. Wiederholt konnten wir in unserem Blatte berichten, lvie einzelne Gemeinden sich zusammcnsarcken und kaum, daß der Aufruf an sie ergangen war, aus ihrer: Borräter: zusainrumrtrugen, was sie irgend entbehren zrc können glaubten, und pattliche Mengen au die Sammel- steller: ablieferten. Inzwischen hab-en sich die Geistlichen und Lehrer in den Dienst der Sache gestellt. In öffentlichen Bersammlangen weisen sie auf die Wichtigkeit der Spercke für die Ernährung unserer Rüstungsarbeiter und damit für die Schlag fertig keil unseres .Heeres hin. Wer nicht unter den: ersten Eindruck des 'Aufrufes spontan ans sich heraus gab, verschloß sich der Belehrung nicht ui:d l)olte das Ber- jaumte gern und gebefveichige:: Herzens nach. So war es möglich, daß eui wachsender Zufluß von 'A'ahwlngs- mitteln bei den ^ammelstelten eiulief nnd an die
besckästtgte sich am Montag zunächst mit einer Anzahl von Pitt- schristen, die von der Gesetlschaft für soziale Reform, der Arbeüs- genreinschaft kaufmännischer Bereinigungei: ustv. eingebracht wurden und zum großen Teil Angcstel l ten fr ag en betrafen. Zur Gclaltssrage der Angestellte:: in den Hilfsdienstbettieben inurde daraus hingewicsen, daß sich die schmale Besoldung gar nicht mehr ausrech: erhalten liefe. Tie Leute bekämen zu ihren geringen Fric- denSgehältern nur mäßige Teueiungszulagen, die Lar leinen Ausgleich gegen die g^valtige Teuerung darstellen. ii^rs Kri^gsamt solle
Rüstuirgsarbeiter abgcsührt loerdcn konnte. Ein Bild davon gab die Liste der Samnttungsergebnisse der einzelnen Dörfer, die wir, soweit sie uns zugingeu, regelmäßig veröffentlichteu, als neue;: Beweis für die anerkannte Opferwilligkeit der ober- hessischen Landbevölkerung und als Ansporn für die noch zu- rücksteheuden Gemeinden. Wir werdell mit diesen Beröffent- lichullgen fortfahren und freuen uns, gerade in unserem heutigen Blatte lvieder ein schönes Beispiel vaterländischer


