Lloyd George gegen yindenbvrg.
ÖQO 0 13. April, (jf.) Reuter inc-lbet aus Loickwn: Im „Anreriomi Lunch Club" mar Lloyd George zu Gast. Der «menkanisckre Botschafter sülxrte den Vorsitz urrd hielt eine Begrüßungsrede. Danach führte der Premierminister etwa folgendes ans:
Preußen ist keine Tenrokrvtie. Der Kaiser verspricht, daß es nach dem Kriege eine Tenustvatie werden wirb. Ich glaube n»oM, fcttfe er darin reckst lxrt. Aber Preusren ist nichit allatti keine Demokratie, es ist selbst kein Staat. Preußen ist ein Heer, lind der fortdauernd hallende Schritt der Legionen durch, die Straßen Preußens, aus den Paradefeldern Preußens war in den preußischen Kopf des Saniert gedrungen. Das ist die Drolyrng 'und der Druck, unter dem Europa 50 Jahre lang gelitten hatte. Bricmo war so sehr erfahren, was diese fortdauernde Tyrannei zu Ivdeutra hatte roic Frankreich. Sie hat die besten Kräfte des demokratischen Frankreich aufgesogen, Ins die Stunde der Erlösung airbrach und Frankreich, das geduldig, tapfer uud mit Würde auslstekt, sich der Verteidigung des Landes gegen diesen drol?eudeu Schnecken widmete.
Loyd Gesrae fulrr fort: Die benrnckenswerteste aller Einrichtungen ist die H iudenbnrgtini e. Was ist die Hlndeltburg« linie? Tie Hrndenbrrrglinie ist eine Linie, die durch das Gebiet eines anderen Volkes gezogen ivorden ist mtt der Warmmg, das; die E n>ohncr diese Linie lckxiglich mit Gefahr ihres Lebens übersckxreiten können uird daß die Linie mindestens für die Tauer von 50 Jahren in dein feindlichen Lande gezogen worderr ist. Sie erinnern sich, was rwr ernckren Jalsten in Frankreick> gesckmlr, als unter Litt Hilfe PrttlsxnS cut französischer Minister des Aenßrrn tatsächlich seines Amtes enthoben wurde. Er hatte nichts anderes getan, als das. was ein Minister eiwes unabhäiuftgen Landes durchaus das Recht hat tu im. Er überschritt die Linie, die nttm sich auf fm.n-ösischm Boden dirrck) preitßssche Gewaltherrschaft gezogen denkvii kann. und deshalb mußte er gelten.
Ich habe mich gesargt, warum Deutschland im drttten Jahre des Krieges die Kriegserklärung Amerikas herausgefordert hat. Nun hat Hrnd uburg selbst die Antwort auf diese Frage gegeben in einem Jnleiwiero. das Irntt in den Blättern erscheint. Hin den- bürg gebt von z!vei Ammhnten aus: 1. daß der Unterseebootkrieg das internationale Lviukennraß in so großem Umsange vernichten werde daß England außer Gefecht gesetzt würde, bevor Amerika bereit sei. — Nach seiner Nieinung wird Amerika erst in ettrem Jahre bereit sein. Aber wenn er dies glaubt, so kennt er Amerika nicht. — Ui* daß, wenn Amerika nach einem Jahre bereit ist, es keine Sckstfse haben ivird, ran sein Heer nach den Schlachtfeldern zu verbringen. Amerika bat also nach der- Auffassung Hindcnburgs nicht viel rn die Wagschale zu werfen. Warn sich dies mich als falsche Rechnung Herausstellen wird, so wäre es dock; unverständig, anzunehmen, daß der deutsckie Generalstab kettrerlei Gründe für Gründe für seine falsche Rechnung habe. Und deshalb müssen olle Alliierten, und vor allen Dingen England und Amerika, dafür florgen, daß die Rechnung Hindenburgs sich als falsch erweist, ebenso wie seine berülrrtte Linie, die wir bereits gebrochen haben. (?) Ter Wer; zum Siege, die Sicherheit für den Sieg sind in erster Linie Schiffe, in zwetter Linie ScEffe und in dritter Linie me- derum Schiffe. Amerika sielst dies durcknaus cm, beim es I-at bereits Maßregeln getroffen, intt 1000 Schiffe, jedes von 3000 Tonnen, tzu bauen für die Fahrt über den AtlankisckM Ozean. Nach nreiner beß^eidenen Auffassung lohnt cs sich für Anrcrika, unsere Fehler zu studieren, um dort zu Imginnan. tvv wir jetzt stehen, aber nickst dort, lvv wir vor drei Jahren standen. Der Schritt, den wir heute, tun, kann zu einem sickvren Siege führen, inährend er, roenn wrr rhn bis rnorgen verschieben, gerade noch eine .Katastrophe abiven- den kann. Mle All retten. haben dies orfahreir. Es war für unSl alle ein unbekanntes Land. Wir wurden in d-iesrnn Jahthuirdertz Fvemdlttrge, wir mußten vorwärts gehen und uns dabei auf unfern Instinkt verlassen. Amerika hat uns geholfen, den Sieg ( ?) bei Arras zu gewinnen, diesen großen Kannst. Wissen Sie, welche Kanonen die deutschen Schanzen vernichteten und die SLuheldralstven perrungen ausein ander gerissen haben?
Wir werden einen siogrerckicn und auf das Ziel losstrebenden Krieg führen. Aber es gibt noch eine wichtigere Aufgabe und die ist. daß aus diesem Kriege ein segens reicher Frieden her- vorsprießt. Und ich freue mich darüber, daß Amerrka nun das Recht e r halt en wird, an dem Tische Watz zu nehmen, wenn über dick FrÄLensbedingungen unterhandelt wird. Tic Konferenz wird das Schicksal der Nationen entscheiden und hiermit auch das Geschick der Ddenschhett. Gott iveiß, für wie lange Zeit. — Vor sechs Wochen war Rußland noch eine Autokratie, nun ist es eine der freiheitlichsten De m okratien der Welt. Gegenwärtig führen rvir derc Krieg der furckstbarsten Verwüstrurg, die jemals die Welt gesehen hat. ?tber in der Zirkunft und vielleicht in einer nicht allzu kernen Zukunft schon kömiten wir den Krieg ein für allemal aus der Liste der menschlichen Verbrechen gestrichen sehen
Lloyd George sprach schließlich noch darüber, daß die düstere Macht der Türkei gchrocben iverden müsse, die jahrhundertelang das sonnigste Lmü» der Welt überschattet habe, und von der Befreiung Rußlands von Unterdrückung, die wie ein Leick-entuch Rußland verlstillde.
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Französische Minister in England.
Paris, 12. April. (WTB. Nichtamtlich.) Der französische Ministerpräsident R i b o t und der englische Premierminister Lloyd George sind in Folkestone eingelrofsen und hatten eine Unterredung. Der französische Kriegs- rmnrsttr Painleve traf Montag in London ein. Er halte eine lange Unterredung mit Lloyd George und kam am folgenden Tage noch einmal mit ihm zusammen. Er hatte auch Unterredungen mit den englischen Ministern Lord Derby und Car- wn und mit General Robertson, in denen wiederum die vollkommene Ucbereinstimmung der Pläne beider Regierungen über die militärischen Operationen an allen Fronten sich ergab. Nach seiner Rückkehr stattete Kriegsminister Painlevtz dem König der Belgier in Calais einen Besuch ab.
E1«e sozialdemokratische Zusammenkunft in Berlin.
Wien, l3. April. (B. T.) Der österreichische Sozralisten- .führer T-r. Viktor Adler hat sich gestern abend in Begleitung der sotzialdeinvkratischeu Äbgeordireten Seih und Dr. Renner nach Berlin begeben,'um mit dem Abgeordneten Scher de mann zu konferieren.
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Der neue österreichisch-ungarische Kriegsminister.
_ Wien, 13. April, (zf.) General der Infanterie Rudolf stoeger-Steiner von Stein ft ätten wurde, wie offizu^ mityeteilt wird, zmn Kriegsminiswr ernannt. Er ist WA ui Steiermark geboren, als Divisionär machte er den Krieg in Polen mit, darauf führte er ein Korps gegen Jta- r teu. Ihm wird großes Organisationstalent nachgesagt.
Aus festen.
Au» dem Erweiterten Ersten Ausschuß der Zweiten Kammer.
Tarm stabt. 13. April. In der heutigen Sitzung des erweiterten Finanzausschusses , KNegoausschuß) der geeiten Kammer der Land stände wurde zunächst Abg. Korell- ^ng-theim als Vertreter und ^-tbg. Adrlung als dessen Stellvertreter in der Brrwattungsabdeilung der LandeSgemüsc- stelle in Mainz ernmmt Die Vorstellung des Verbandes der D-eutsck-en Hani-lungsgckhrlfen in Lefttzig um Unterstützung der Kriegsteilnehmer ist sachlich durch das jüngst beschlossene Gesetz über die Gew,Mung von Sbaatsdarleheu an die vom Küege be- tco \<y*n Personen überholt und wurde alö erledigt erklärt Auf dic Vorstellung des KnegsVonsumenben-AuSschnsseö, fc\x. Nicht limm bei Festsetzung umr Preisen sowie aus die Anttäge des Abg Uebel. über die LebenswUtelVersorgung uud die Recken isckpifts-- ablaae und Konttvile der mit der Verteilung der Lebensmittel bc-
tvcruten Stellen lagen um fangreiche Rückäußernngen Grvßh. Regierung \xrc. Die Verhandlung hierüber wurde auf die nächste Sitzung vertagt. i
Eingel-erwe D^pirchimg knüpfte sich an den eiligem Antrag des Abg. Köhler bett. die Festsetzung der Brot- und F l e i sch ra t i o ne n m:d an der dringlickjiem Antrag des Abg. voll Brentano, der den gleick>eu Gegenstaird betrifft. Dre ?lu trag stellar verlangten von der Großh. 9iegierrmg die klare und rückhaltlose Zusicherrlng, daß rrickü nur für das VorlUnrdensein der zur Erhöhung der Fleischraticmen lwtw-eudfgeu FleifckMengen Sorge getragen n>erd?, sorüern daß auck> das an Stelle des Brotausfalls gewährt« Fleisch zu so billigen Pveiseu abge.geben nxrde, daß die imbeurittelte Bevölkerung dasselbe a>kaufen köurre. Es sei zßieifelsolme Pflick-t des ilieiches, die hierdurch entstehende finanzielle Auftrnnrdung z«l tvaMu Tie Großh. Regierung gab hieraus dnrrhmrs zusriedeilstcllen'de und lierul-igende Erllänlngen ab, da- lüngehend, daß die Konrnmualverbälcde berds angeioiesen sei eil, für hiurrick)L7lde Flersckimreirgen zu ftngen im'o die Beilnlfen vorlags- lveise zu bestreiten. Ob den Ko-mnunurlverbänden ihre Vorlagen vom Reich alleili oder aus der Reichs- urrd der St.ratskaffe ersetzt lverL>en, bleibt weiteren VerhcnMumgen vorbci^rlten. Unter allen U m st ä n de n werdender Ersatz geleistet werden. Zunäch't irurde der Antrag Korell über die Eierversor- g u n g beslnock^n. Tie in d?r kürzlich veröffentlicküen Verordnung über den Verkehr mit Eiern vor geschriebenen Psl ich tabgaben wur- drn ihrer Höhe tvegen bemängelt, wenn auch anerllrnnt wurde, daß zur Bekäirrpfung des wuck-erichken Fleischl-anrelS und im Interesse einer zweckdien licken nach gleichmäßigen Versorgrrng der Bevölkerung nrit Eiern von einer ziixrirgsweisen Abgalv von Eiern seitens der HMrerl-aller gnnidsätzlich nicht Abn-mrd genoinnien werden könne. Tie Regierung erklärte, daß die Höhe der Pslicht- al-gabe arlf einer ?llwrdnmrg des KiTiegSenrälfrlingSa.-ntes in Ber- Im, welche verlesen nnlrde, beruhe uni> deshalb nicht wohl niedriger festgesetzt n»erdcn konnte.
Rrrs Stadt «in- Land.
Dießen. 14. Avril 1917. Worms, 8. April 1917.
Wer nach Entfaltung aller Kräfte kurz vor dem Ziel versagt, setzt alles aufs Spiel.
Deutschland ringt seit 32 Monaten unter gnn-altigsten Anstreugnnge'.l in& Opfern auf allen CkOirtfii um fein Bestehen. Zur letzten Entscheidung sammeln sich alle Kräfte. Wrr wird dem Vaterland kurz vor dem Zirl die Mittel zu diesem Endkampf versagen und den Preis aller Opfer gefährden wollen?
Köhler,
1. Präsident der 2. Kammer der Stände.
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Ausbau der sozialen Fürsorge in Hessen.
Der furck'.i?.re Verlust an üi'ensckenlrlvn dirrch den Krieg, die danrl'vde Schädigung der Gesusrdbrit bei zah.reick>en Kri^gsteil- nehnwvn und die vernccnb.wte W idersturldskrast gegen kram Unachen de Einstüsse in ln-.'i:en ^lkssckstä wn, dir sich in der Zunahme der! Todesfälle an Lungontulrerkülvse und der Swigenltrg der Säuglingssterblichkeit äußert. erfordern >rebi>ttrisch. daß alle Bestrebungen zur ErlZallling und Heknig der Volll-gesundb tt rächt nur im bisl?eri- j gen Um sang rveitergc führt lverden, sondern daß sie noch weiter : aus ge baut werden.
Hierher gehören die R,llrtter- ruck) SLnglingsjrttsorge, die Fürsorge für idas spätere .Kinbesalttr bis -zmrc Schtuleintritt, die Krüppelfürsorge, die Bekämpfung der Tuberkulose, deS Mkoliolis- nms nach der (pesck Ivcküskocrnllieiten rrnd — da die Wohnung ftir die llüesundlieit der Eirm'vhnckr von ansschchggeberrder Bedeutung ist — die Wohnamgsfürsvrge.
Die Erfalwmrg hat gelehrt, daß Für-sorge mrd Bekämipftmg crm wirksamsten sind, wenn dem xu bckümpferrden Nebel in seine Schlüpftvinkel nacktgegamgem wird, wenn eigene Fürsorgeschwestern die Verhältnisse «rn Ort und Stelle urrtersuchen. auf Grund des Aügensck^urs Voisck-lchce Mr Verbesserung macker urrd decken^ Durchführung ül>er!vachem. Auf diesem Vorgehen Herrchen die Erfolge, die die Fürsorgesrellen für Lirngcmkranke und die Mutterberattmgs- stellen nock^veisbar erzielt haben. Tie §>ansbesuck>e der Fürsorge- sckTwesteni gelten als ein unontbcluck^ches Glied unter den Maß- nalchr^c zur Bekämpfn.ng der Lungenschwindsuckit und der Säuglings sterbl ichkeit.
Ter hier erzielte Erfolg fordert znr Uebertvagung der Methode auf andere Gebiete der Fürsorge für die. Volksgesundheit auf. Zwei We>ge sind hierbei deutbar: entwöder üoerden für die einzelnen^ Zlveige besor.dere Fürsvrgeschä^stern angestellt w.ih ihnen ein örtlich cntspreckchrd ausgedehnter Bezirk für ihre Tätigkeit angewiesen oder eine Schlvestec wird in einem rcncmlich beschränkteren Gebiet nrit der Fürsorge in samt!icke:: Zweigen betrau!.
Der erste Weg ist zum Teil in unseren größeren Städten eingo- schlagen nwrden, in denen die Lunge-,rfürsorge'tcllen und die Mütterberatungsstellen eigene Fürso^esck)w?stenr l^alnnr. Wo sich die Einrichtung bewährt l>at, soll nicküs geändert Werder. In der kleineren. Stadt mrd auf dem Lande nürd d^rgegen!>er zweite Weg im allge- meinen vorzn -iel-en sein. Denn einmal finden sieb vielfach in deck gleichen Familie mehrievc Kaankhettssormen gllürlrzeitig vor: neben Tnberkiüose, Rachitis unter den älteren Ki-.rderir, umngelHaftes Gedeihen des jüngsten Kindes: dabei kcürn der Vater ein Trinker sein, die Wolmung ist vermach-ässigt. Die Fürsorge durch eine Schwester spart an Kräften und sichert besser drm Erfolg, als wenn niehrere ne beieinander und ohne genügende Fiihllmg niiteinander tätig sind. Dann aber ge:vinnt die Sckf^ster ht der Bevölkerung größeren Cinftiuß, lvmn sie nicht nur für ein engbegrenztes Erbiet zuständig ist, das außer Znsmnnranlxmg gebracht wird mit anderen soznrlen dllrmaben. die sich in der Wirklichkeit mit ihrem Tätige keitsgebiet immerfort bcrülwen, wenn sie vielmehr die Bttraterß^ und Helferin in den verschiedeiren sozialen Nöten ist. Mit dem größeren Wirsimgskreis wächst ihre Erfahnmg in der Beurteilung der zu bekämpfenden Mißstände, sic wird dadurch den Körperschaften, für die sie arbeitet, n-ertvoller. Die Zusammenarbeit nrit Gemeindeschwestern, Hebamnrcn. örtlichen Wohntmgsinspektoren nsw. vollzieht sich leichter und in grösterem Umfang.
Die Kreispfletzerinacn der Grvßh. Zentrale waren bisher satzuugsttemäß nur in der Aänttev- und Sänglingsfürforge tätig. Nunmehr wird beabsühllgt, sie in den Dienst der gcsmnten Für- sorg''tätigkeit aus dein Gebiet der Volksgesurrdheit zu stellen, denn die Erfahrimg hat mehr und mehr dahin geführt, daß die verschiedo- nen Zweige der Fürsorge.Mgbit nrdglichst in die Hände einer Fürsorgeschnrester gelegt werden.
Soweit die Krcispslcgerinnen für diese neue Aufgabe noch nicht genügend vorgebildet sind, werden ihnen durch einen bald nach Ostern in Tarncstadt stattfindendcu Fortbildungskurs, durch Be- sichsigimg geeigneter Anstaltcm und durch die Einführung in die Tätigkeit bestehender Fttrsvrgestellcn die erforderlichen Kenntnisse vermittelt. Wo daS Aufgabengebiet für eine Meispflegerin zu groß ist, werben mit der Zeit mehrere berufen wer'den.
Die Großh. Zenttale niird nach der Ernxi.ternng ihrer Tätigkeit in noch höherem Maße als Msl)er auf die rege Zusammenarl^it mit allen in Bettacht konrmendeir Behörden und Vereinen und aus die Hilfe der garrzen Vevölkentng angttvi'sen seim Es ist eck!vünsck>t. daß die in den einzelnen .Kreiscnr bestehenden Vereine zu einem gemeinsamen Verband zusammengeschtofsen werden, dessen Fürsorgeorgan die Kreisvflegerin ist, und daß in den Kweisen, in d<m.en bisher noch keine örtlichen Einrichtungen bestanden, solrt)e ins Lel>en aerufen werden. Tenn es gibt firfjec kein wirksameres Mittel, die schlveren Wnndcm, die der Krieg unserem Volkskörper geschlagen hat, zu heilen, als eine umfassende soziale Fürsorge.
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** AuS»eichnnun. Kanivonier Karl Ru pp. Sohn der Wittve Luise Rnpv in (öftsten, nnirde auf dein östllck)en ^kriegssck>au- platz mit der Hessiscknn, TapferkeitsMedaille mrögezieickmet.
** G e h. S ch u l r a t P r o f. Dr. S t a m m In der Frühe des 12. April starb nach ganz kurzem Kranksein der GeTEme Schulrat Professor Dr. Will>elm S 1 a m m. Seit Ostern 1873 gehörte er unserer Stadt an, in der er über ein Menschtenalter als Äsligions-
lehrer am Gyrnnastnm wirkte. Am 16. Dezember 1837 nnrrde er kn Lauterbach als Solm des Dekans Stamm geboren. Er studierte auf dem Gymnasium zu Darmstadt und auf den Universitäten! Gießen und Heidelberg, und machte dann eine längere Studienreise. Nach verschiedener Verwendung im hessischen Kirck>endienst wurde er 1868 an das SämUehrerseminar nach Friedberg berufen. Dieser Zeit entstammte eine damals sehr beachtete Schrift über die Vorbildung der Lehrer, die später noch in der Errichttng der Präpa- randcnanstalten naclMrkte. Ostern 1873 wurde er dann nach Gießen versetzt. Hier entfaltete er zunächst als Lehrer der Religion und der Literatur eine sehr eindringcndc Wirksamkeit. Sein anregender Einfluß auf seine Schüler, besonders auch bei Spaziergängen nnd Wanderungen, war sehr groß. Eine besonders erfolgreiche TL- tigkcit entfaltete er in der Landessynode. Die Synode erkannte! seine Bedeutung dadurch an, daß sie ihn lange Jahre hindurch zu ihrem Präsidenten envähltL Auch tvo er sonst mitwirkte, siel ihm, als der gegebenen Persönlichkeit, die Führung zu. So im Ober- l>eisiscl>en Verein ftlr innere Mission, im Evangelischen Arbeiterverein u. a. Auch dem evangelischen Kirchenvorstand hat er viele Jahre als höchst angesehenes Mitglied apgehört. Er hatte sich unlängst von allem zurückgezogen und lebte seit seiner im Jahre 1903 erfolgten Versetzung in den Ruhestand sehr still und einsam unter uns. Mit ihm ist eine der markantesten Gestalten unserer Stadt, einer der charaktervollsten Männer unseres Landes geschieden.
**,SilberneHc>chzcit feiern crm 17. d. M. Lackierer meister Govr^ Bellos und Frau Marie geb. Hellmold.
** Aus dem Stadttheaterbureau. Bei der inorgigen Aufführung von „Heimat iverden G>utscheinie aiigencnumen; die Gutscheine haben natt'irlich auch 0'mltig- ke it bei den vie r ttod) aus stehenden Ab onnerneutsv o rstellurv- gen, die im Mcri und Juni von Bad-Nauheim aus nachgeholt melden. Bemerkt sei, daß die beiden Gastspiele der letzten Zeit zu eiirer Anstellung nicht geführt haben.
** Oberhessischer Kunstverein. Die Ausstellung des Aussteller-Verbandes Munck)eiler Künstler verbleibt nvck) acht Tage, eirrschließlich zweier Sonntage, ausgestellt. Die nächste Ausstellung, deren Ervfsrrung am 29. d. Mts. erfolgt, bringt eine Smnmlung der Künsllervereinigung „Frere Gruppe" - Düsseldorf, eine Sammlung von M. M ar b c - Fries-WürAbura und eine Anzahl „Bildnisse" von unserer einheimisck)en Künstlerin Marie Felchner. Verkauft wurde nvch ans der gegeriwärttgen Awsstellung „Enten rrn ^erbstgrase" von A. Koester-München.
Künstler in Gießen und Oberhesseir werden nochmals anfinerkam gemuckst, daß Anmeldungen zu der hessischer Krmst- misstellung in Tannstadt 1917 bis zum 15. April erfolgen und die Werke bis 15. Mai eingesaudt,verden müssen. Die Formlckare zur Anmeldung können von der Tarinstädter Gk^chäftsstelle oder von dem Vertreter der Stadt Gießen im Arbettsaus schuß, Herrn Professor -so mmcr. bezogen rverden.
** Militärische Ausbildung der Jugend. Am kommenden Mittwoch beginnt ein neues Ausbildungsjahr. Da seitens der Militärbehörde nach den neuesten Be-» sttlnmungen des KriegSminisderiums mehr als früher darauf gesehen wird, daß di-e Ncueintretenden einer Jugendkvrn- pagnie augehört haben, und da die Musterung der 1899 geborenen Jungmaunschafteu vor der Türe steht, ist es allen, die über 10 Jahre alt sind, dringend zu empfehlen, an den Uebitngen der Jugendkompagnien regelmäßig teilzunehnien. Aiu Mittwoch, 18. l. Mts., 81/4 Uhr, werdeic daher iu der Turnhalle der Oberrealschrüe Neuanmeldungen entgegen-. genommen.
** Wiederbeginn des Schulunterrichts. Ter Un- terrrcht m den städtischen Sckmlen beginnt wieder Montag, den 16. Aprll 1917, vormittags Uhr.
** Tie A uszahlung der Fa milienunterst ützun- der zum Heeresdienst Einberufenen für 16 30. April 1917 sinbet vom 16. bis 18. April statt. Näheres
liehe Anzeigenteil.
** I m Lichtspielhaus Bahnhofstvaße, bringt der mit heutt ecnseyende neue Spielplan ein Gastspiel der bekannten F-ilm- darstettenn Hella Moja in einer vierattigen Tragödie von Karl -Lchnewer: „Der Tod des Erasmus". Der Film, der zum Teil m der Werkstatt einer Alchymisten spielt, darf eines starken Jnter- eftes sicher sein. Für den Humor sorgt ein Teddy-Film „Teddy und der Rosenkavalier". Bei allen Bvrsülwungen konzertiert die anerkannt gute Künstlerkapellc.
Landkreis Gießen.
if) Lumda, 14. 2lpril. In der hiesigen ettillassigen Volksschule anlrden von 64 Sck)ülern auf die 6. Kriegsanleihe 4300 Mk gezeichnet, davon wurdni 1800 Mk. in Sparkarten angelegt und der Rest von 2500 Mk. durch Stückzeichnnng aufgebracht — Die Betriebsleitung der Grube „Atzenl)ain" bei Atzenhain liegt seit 1. März ds. Js. in den Händen des Steigers Seck, welcher srül-er in der Gckubc „Mendstern" bei Hungeil tätig tvar. 'Der bisherige Betnebsleiter, Obersteiger Giebeler, musste tvegeir geschwächter Gesundl) 0 it in den Rubestairb tteten. — Der Schütze .Heinrich Kornmnnn, in einer Masckstneng^mchr-Abteilung, er- well vor eimgen Tagen für sein mutvolles Verhalten vor dem Feind dce Hessisck^ Tapserkeitsmebaille. Gestern nun erhielten seine Angelrörigen die ttaurige Mitteilung, daß er in den leisten schverm Känrpjen bei Arras den Sxßrtmtv*' erlitten [ynt
# Rudingshain, 14. April. .Hier hielt Lehrer .Konrail Ludwig-Burkhards im Saale des „Deutschen Hauses" einen aufklärenden Vortrag, ergänzt durch Lichtbilder, über „Deutschlands Wirtschaftskräfte". Der neniandtc Redirer verstand es. die Zuhörer, dre in großer Menge erschienen waren, m fesseln.
r. Weiters ha in, 14. ?lpril. Hier lvurden bei der hiesigen! Spar- und Tm-lehnskasse 73 000 Mark zur 6. Kriegsanleihe gezeichnet. Tie Schulerzeichnnnaen ergaben 4000 Mk Das Gesamtergebnis dieser Anleihe dürfte sich mit den Ailßenzetchnnngev auf nahezu 100 000 Mk. stellen. Zu deni großartigen Erfolg haben einheinnscbe Feld^naue lvesentlich mitbeige kargen, da sie in Briefen aus dem Felde die Angehörimm zur Zeichnung misfordr'rten. Möge icdes Tors noch in letzter Stturdc die Bedeutun.t dieser Anlechü voll und ganz erkennen lmd sein gutes Teil l^itragen. cp'rade bei der 6 KrregSanleil-e eimni Riesmersolg zu erzielen. — 21 Kinder ans dem lvestsältschen Industriegebiet sollen bis zum Her'bfte bei hiesigen Familien Wlftrahme finden.
Kreis Büdingen.
^ r ghc i nl, 14. April. Tie hiesigen Sck>ulkinder-beteiligten sich ba der dlesinallgcn Kriegsanleihe mit 201 Mk
r. Bobenhausen. 14. April. Durch Lehrer Jakobi- Dißberg. der augenblccklich ftlr unsetm eingezogcnen Lehrer den Schn chcnlt hier vcwriäMt. gelang es in der kleinen Geineindc, 436 Mk. Knegsanlerhe in der Schule zu zeichncm.
x. Effolderbach, 14. April. Tank der eifrigen Werbearbeit durch Lehrer Schäfer zerckmettn die Kinder unserer kleinen 0>e- mernde zur 6. .1kriegsanleil)e die schöne Summe mm 1225 Mk.
X. ^ckartsborn, 14. April. Tie Schulkinder zeichleten bis letzt zur 6. .Kriegsanleihe 355 Mk.
r t r ;™§ \ T * f * nt>a l u j. 14 - dlpril.. Wie bei den vorigen Anleihen, so betattgte sich auch diesmal unsere Sckmle unter d,-r rülniaenj Werbearbeit von Lehrer Hen fel mit 630 Mk.
^l Ortenberg, 13. April. Bei ben beidcm hiesigen Kassen wurden bis letzt stlr die 6. KttegSanleibe von Pnvalpersviren schon über eine 1/4 Million gezeichnet, besonders verdient hervor- gehoben zu werden, daß fast täglich Zeichumgen von Soldaten ails dem Feld eintrefsen, mancher- in der Heimat kann sich daran noci» rn letzter ^>ttmde ein Beispiel nehinen. — Tie Frau eines hiesigen vor l /s Jahr verstorlwnen Gasvwtrts, lmirde im deS Verdachtes des brieftickxm Veickelwö mit französischen Kriegsg^. sangenen rn Höchst i. O. verhaftet, bei der tu ihrer Wohmmg vorgeiwmnienen Hansssickying unlrden gros^ aufgestav'ltc Mengen von Lebensmitteln aller Art vorgefunden
x Usenborn 13. AE In unserer Sckmle lmirdeu 121 Mk. znr b Kttiegsanlell?e gezeichnet, die Sckmlkinder der Nachbar- gcmcrnde sslelnhaar zeichneten 66 Mt.


