Nr. 83
Ter Siebente Snzeitz« erscheint tätlich, außer Sonntags. — Bcilaaen:
Kirtzener AamNiendlätter; Kretsbleft
-Sr den Kreis Kietzen.
Bezugspreis: rnonatl. 90 Pi.» viertel- jährl. Mk. 2.65; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 80 Pf.: durch diePost Mk. 2.45 Vierteljahrs ausschl. Bestellg. ^ernsprech - Anschlüsse: sür die Schristleitung112 Verlag,Gesch«ftsfteÜe51 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Kietzen.
Erstes Blatt
Postscheckkonto: Krankfvrt a.M. Ub8b
Zwillingsrunddruck u. Verlag: vrühl'sche llniv.-Such- u. Steindruüerei v. Lange. Schriftleituna, EeschäftssteUe ».Druckerei: Schulstr. T.
Dienstag. P. April W
Annahme von Anzeigen
die Tagesnummer bis .nunNachmittag vorher Zeilenpreis. f. Lin zeigen: örtlich 20 Pf., Vermietungen u. Stellengesuche 1b Pf., auswärts 25 Pf., b. Plahvorfchriä 30 Pi.. Reklamen 75 Pi... bei Platzvorschrift *v Pf.. Hauptfchriflleiter: Aug., Goetz. Verantwortlich für Politik ».Feuilleton: Aua. Goetz, Stadt und- Lcr^, Vermischtes richtsfaal: Fr. R. Zenz. Anzeigenteil: H. Beck,
säintlich in Gießen.
Bankoerkehr: Gewerbebank Kietzen
(WTB.> Großes Hauptquartier, 7. April. (Amtlich.) ,
Westlicher Kriegsschauplatz.
Der Artilleriekampf hielt von Lens bis Ar ras mit kurzen Unterbnchungen in unverminderter Heftigkeit an.
Im Gebiete beiderseits der S o m m e mehrere Gefechte kleiner Abteilungen. Die Franzosen beschossen St. Quentin. Bei Lasfaux, nordöstlich von SoissonS, scheiterte ein französischer Vorstoß.
Längs der AiSne und am Aisne —Marne-Katt a l nahm vielfach das Feuer an Stärke zu.
Ein Angriff der Franzosen zur Wiedernahme der ihnen entrissenen Gräben bei S a p i g n e u l wurde verlustreich ab- germefen.
Durch Ftiegerauftiahme festgestellte Batterien, Vcuni- ticnssrapcl, Befestigungsanlagen uni> beobachtete Trmppen- ansammluugen in Reims wurden von uns unter Wirkungsfeuer genommen.
In dm Argonnen wurden feindliche C'rkmwungs- trupps vertrieben.
Auf dem linken Maas -Ufer griffen nach starker Feuervorbereitung französische Bataillone am Wald von Malancourt dreimal, aber stets vergeblich, an.
*
Um ArMlerktzesbachtung und Aufklärung zu erzwingen, setzten die Gegner starke, zusarnrnengefatzte Luststreit- kräste ein: sie erlitten schwere Verluste. Mehrere der feindlichen (Geschwader können als vernichtet gelten. Leutnant Voß schoß sein vierundzwanzigsks Flugzeug, Leutnant v. Berirab seinen vierten Gegner im Luftkampfe ab.
Zwischen So is so ns und Reims unternahm der Feind einen einheitlichen Angriff gegen unsere an dieser Front stehenden Fesselballons. Durch schnell einsetzendes Abwehrfeuer und Eingreifen unserer Jagdstaffeln hatte der Gegner nicht den erhofften Erfolg. Rur zwei Ballons wurden abgeschossen. Ihre Beobachter landeten im Fallschirm.
Die Gegner verloren gestern 24 Flugzeuge, davon im Lustkampf 33, durch Wmehrka nonen 8, durch Notlandung hinter unseren Linien 3, ferner durch Luftangriff einen Fesselballon. Fünf, unserer Flieger sind nicht zurückgekehrt.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
In zahlreichen Abschnitten rege Feuertätigkeit. Vorstöße von russischen Streifabteilungen bei B aranowitsch i und südlvh von Slanislau wurden zurückgeschlagen.
Front des Generalobersten Erzherzog Josef.
In dm Waldkarpathen und in den Grenzbergen der Awldau vielfach Vorfeldgefechte.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Keine Aenderung der Lage.
Mazedonische Front.
Zwischen Wardar und Dojran-See täuschten die Engländer nach starkem Feuer durch Kommandos und Hurras einm Angriff vor. Unser Vernichtungsfeuer lag wirkungsvoll auf den besetzt erkannten feindlichen Gräben.
Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 8. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Nahe der Küste und im Wytschaere-Bogen stießen nach heftiger Feuerwirkung an mehreren Stellen starke Er- kundungsabteilungen gegen unsere Stellungen vor. Sie sind vor den Hindernissen südöstlich von Ypern im Nahkampf, bei dem einige Gefangene in unserer Hand blieben, abgewiesen woitzen.
An der Artois-Front war die Kampstätigkeil geringer als in den letzten Tagen.
Im Sommegebiet unterhielt der Feind — ob Engländer oder Franzosen, war nicht festzustellen — ein Lebhaftes Feuer gegen St.Quentin, dessen Kathedrale dunh mehrere Treffer beschädigt tvurde. Ein neuer Versuch der Franzosen, bei Laffsur Boden zu gewinnen, schlug in unserenl Feuer verlustreich fehl. Eine uw rer Kompagnien stieß dem weichenden Feinde nach und nahm ihm achtundvierzig Gefangene ab.
An der Aisne und in der rvestlichen Ehanqmgrre war in einzelnen Abschnitten der Artillerie- und Minen- kampf stark.
Stwwestiich von Mülhausen wurden bei einem Er- kundwiHgsvorsbiß nKhrere Franzosen gefangen.
Gestern nmrvm zwölf fci-Hliche Flnazcuge im Lust-
I tamps, eins durch Abwehrfeuer, henrnterseschosteu.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Außer zeitweise lebhaftem Feuer bei I l l u r t, westlich von Luck und an der Zlota-Lipa keine wesentlichen Ereignisse.
Front des Generalobersten Erzherzog Josef.
In den Waldkarpathen brachten erfolgreiche Streifen unserer Sturmtrupps aus den mehrfach vorher zerstörten russischen Stellungen über 40 Gefangene und einige Maschinengewehre ein.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Keine Amderung der Lage.
Mazedonische Front.
Auf dem Ostufer des Wardar hielt unser Vcrnich^- tungsfeuer einen englischen Angriff nieder.
>. *
Vorausschmrende Weiterentwickelung der Luftstreitkräfte. Vervollkommnung des Flugzeugbaues auf Grund der am Feinde und in der Heimat gesammelten Erfahrungen, Schulung der Beobachter für Artillerie und.Infanterie, Erhaltung des bewährten Angriffsgeistes unserer Kamvfflieg.r haben im Monat März große Erfolge gezeitigt. Auch die Flng-Abwrhr-Geschühe haben daran wesentlichen Anteil.
Unsere Gegner — dabei auch die schon lange vor Erklärung des Kriegszustandes im französischen Flugwesen vertretenen Amerikaner — haben im Westen, Osten und auf dem Balkan einhunderteinundsechzig Flugzeuge und neunzehn Fesselballons durch unsere Angnffs- und Abwehrmittel verloren. Hiervon sind durch Luftangriffe einhundertdreiundvierzig Flugzeuge und die neunzehn Fesselballons. durch Feuer von der Erde aus fünfzehn Flugzeuge abgeschossen worden. Drei feindliche Flugzeuge sind durch unfreiwillige Landung hinter den Linien in unseren Besitz gekommen.
Der deutsche Verlust beträgt fünfundvierzig Flugzeuge, keinen Fesselballon.
Der Erste Generalmmrtiernieister Ludendorff.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 9. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern.
Zwisckzen Lens und Neuv i lle-Vitasse (südöstlich von A rra s) erreichte der Artilleriekampf gestern wieder große Heftigkeit: seit heute vormittag ist nach mehrstündigem stärkstem Trommelfeuer die Schlacht bei Arras im Gange.
Im Gebiete. Mischen den von Albert auf C a m b r a i und Perönne führenden Straßen haben sich kleinere Gefechte entwickelt, die den von uns beabsichtigten Verlauf nehmen.
Heeresgruppe des Deutschen Kronprinzen.
Von S o i s s o n s bis in die westliche Champagne bekämpfen sich die Artillerien in erhöhtem Matze.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Herzog Alb recht von Württemberg.
In Lothringen uild in der Burgundischen Pforte zeitweilig rege Feuertätigkeit.
*
Durch unsere Flieger und Abwehrkanonen sind gestern 17 feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballons ab ge schossen worden. Rittmeister Freiherr von Richthofen blieb zum 38. und 39. Male Sieger im Lustkampf: Leutnant Schäfer brachte den 12. Gegner zum Absturz.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Bei Sagorje (nordöstlich von Varanowitschi), bei Wiclick (südöstlich von Kvwel) u.rd bei Brzezany sind Vorstöße russischer Jagdabteilungen zurückgeschlagen worden.
Front des Generalobersten Erzherzog Josef.
In den W a l d k a r p a t h e n hat bei Külterückfall starkes Schneetreiben eingesetzt.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls vo n Macke nse n.
Nördlich von Focsani drangen nach kurzer Feuer- lwrbereitnng unsere Stoßtrupps in die russische Stellung bei Faurei ein. zerstörten die Gräben und kehrten mit 46 Gefangenen und zwei Maschmenaewchrcn zurüL
MazedonischeFront.
Lebhaftes Gffchützfeuer e*if dem rechten Wardanrfer und südwestlich des Doiran-Sees.
Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.
*
Die Abeudbsrichte.
Berlin, 7. Llpril. abends. (WTB. Amtlich.) Bei regnerischem Wetter blieb die Artillcrietätigkeit im Westerl gegeu die der Vcrtage an Starke zurück.
Vom Osten rmd aus Mazedonien sind keine wichtigen Ereignisse gemeldet.
Berlin, 9. Avril, abends. MTB. Anrtlich.) Beiderseits von Arras ist den Tag über schwer gekämpft worden. Der Gegner ist in Teile unserer Stellungen ein- gedrungen.
An der Aisne- und Champagne-Front zeitweilig starker Artilleriekampf.
Im Osten und in Mazedonien nichts Neues.
Deutsche Flugzeuge über England.
Berlin, 7. April. (WTB. Amtlich.) Am 5. April nachts belegte ein deutsches Flugzeuggeschwader die in den Dow ns liegenden Schiffe sowie Scheinwerfer mrd Befestigungsanlagen nordwestlich von Ramsgate ausgiebig und mit gutem Erfolg mit Bomben.
* * *
Das; un3 die Natur au den Ostertagen fernen rechten Sonnenglanz bescherte, hat die Gemüter nicht arg bedrückt, denn wir wissen ja, lver und was die Vorläufer des Lenzes sind, der „aus leisen Sohlen über Nacht" sich bei uns ein-- finden kann. Ist der Friede nach rauhem Kampfe ein gleichartiger Verwandter des Frühlings'? Wir hoffen, daß auch er nahe vor der Türe stehe und rvollten u.ir§ mit einigen stürmischen Vorboten wohl vertrant machen. Aber wenn unsere Hoffnung berechtigt ist, so viel sehen wir, daß der Friede mit noch größerein Brausen sich nähert als der diesmalige Lenz. Mit einem freundlichen Sormenblick war die Osterbotschaft unseres K a isers' begleitet, der die innere politische Erneu.eru.ng in Preußen mit einer feierlichen Zn- sage an das Volk neu verankerte und dabei, was das übrige Deutschland vor allem interessiert, einem nahen Frieden entgegenschaut: „Damit sofort beim glücklichen Ende des Krieges', das, wie Ich zuverjichtlich hoffe, nicht mehr fern ist, das M-tige und Ztoeck^nähige muh in dies«: Beziehung geschehen kann, wünsche Ich, daß die Vorbereitungen unverweilt abgeschlossen werden." Es ist eine frohe und freudige Botschaft, und wir kürrnen sie heute um so lebhafter begrüßen, da sie auch den Beifall der äußersten Linken in vollem Maße erhalten hat. Geht doch ans dezr Aeußernpgen des „VortvartS" hervor, daß auch die Sozialdemokratie Verstäuduis für leinen Aufschub der Ausführung des kaiserlichen Versprechens besitzt, „bis die Heimkehr unserer Krieger gekommen ist und sie selbst am Fortschritt der neuell Zeit mitraten und taten können". Wir erkennen in dein kaiserlichen Erlaß eircen liberalen Geist des Fortschritts, der uns freut rurd den wir loben di'crfen. Solches Auferstehen feiert ein Volk nicht jedes Jahr. ?tber in der Tat, was wir in diesem Kriege erlebt haben, das drängt und sproßt wie die Frühlingslräfte, die zu- sanlmenwirken, um die Erve neu zu kleiden. Des Kaisers Wort hat alle Henrmungeu kraftlos zur Seite fallen lassen und Lenzeszuversicht in die Herzen gegoffen.
Aber es war der einzige Sonnenstrahl, der ims das Osterfest verschönte. Im übrigen gab es Trotz und Sturm. Wir blicken mit ängstlichen Schmrern auf diese Vorboten des Friedens, die uns nicht so bekannt urrd vertraut sind, wie die Bahnbrecher des Frühlirrgs, sondern uns wie fremde, strenge Gesichter anstarren. Bei Arras wütet eine große Schlacht, deren Ausgang iwch nicht zu übersehen ist. Welche Bedeutung wird ihr von der Obersten Heeresleitung beigelegt, wird es ihre Absicht sein, daß der Feind blutig znrnckgeworfen wird, oder daß lvir unsere Reihen von ihm lösen und strategisch bessere Stellungen beziehen lasten? Wrrd es gellngen, die Gegner hinzuhalten, bis vielleicht an ga^rz anderer Stelle unserer ausgedehnten Fronten der deutsche Frühlingssttlrm aufbraust? Wir harren mit ängstlicher Spannung und weilen mit unserem 5>erzen wieder jede Stunde draußen bei unseren Tapferem denen wir Gottes Schutz und Hilfe wünschen. Düsterer Ernst umgibt uns noch, da das Zukunftsbild uns noch nicht deutlich werden kann. Me Feinde lärmen und zerren an den Schranken, die sie überwinden wollen. Arnerika echält ihre Lobpreisungen. Namentlich die Herren Engländer enAvickeln dabei eine phrasenhafte Beredsamkeit, die man ihrem LMen, nordischen Mnnperament gar nicht zugetraut hätte! Llolch George schreibt mit dev Feder Briands! Auf seinem Riesenlager hingestreckt, gebärdet sich der russische Nachbar noch Ulmchig und gegen sein Schicksal sich sträubend. Ihn stillt kein ruhiger Auserstehnnasgeist, lvenn er im Bann der englischen Hirngespinste bleibt. Vtiljnkow entrollt uns das alle Bild der auswärtigen Politik Ltußlands, nur mit ein bißchen anderen Worten.. Er hofft auf die Retter und Helfer, die außerhalb d^s Reiches stehen. Fieberpl-antasien, denen ein schmerzliches Erwachen folgen ^vtrd! Ainl) Rußland wird auferstehen, aber nicht in der altcnr Gestalt slmvffrben Machtdünkels, und die FrühlingsMrme werden bei ihm wohl länger dauern als bei allen anderen am Krreae beteiligten Bölkern.


