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2.4.1917 Erstes Blatt
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sung itöei eie tfegterititggf io»iem des Landes 5 U treffen. Der Landtag -erhält das Recht allerGesetzgebnngs- irntiative und der Handlungsfreiheit bezüglich des^ Budgets Finnlands. Er wird jederzeit die Regierungsfornr ändern rönnen, wenn neue Verhältnisse oder die Forderungen der Zeit dies wünschenswert machen. Die Selbstverwaltung Finnlands, die in aller Zukunft vollkommen nnd Unantast­bar sein wird, wird allen Mißverständnissen ein Ende machen und die Gewähr bieten für gute Beziehungen zu Rußland, was auch der aufrichtige Wunsch der provisori­schen Regierung ist.

Aus der Ukraine.

Petersburg, 31. März. (WTB.) Meldung der Pe­tersburger Telegraphen-Agentur. Eine Versammlung von Offizieren der Ukraine nahm in Kiew einen Antrag an über den Zusammenschluß aller Länder der Ukraine und ihrer Vereinigung mit einein föderativen freien Rußland.

Graf Czernin über die FriedenSfrage.

Wien, 31. März. (WTB.) Ter Minister des Aeußern, Goas Czernin, güvährte dem Chefredakteur desFremden­blattes" eine Unterredung über die politische Lage, wer Wort­laut der Unterredung ist folgender:

Auf die Frage, welchen Ansgang die russische Revo­lution nehmen dürfte, ainwortete der Minister: Auf Prophezei­ungen kann ich mich nicht einlassen. Wenn der Regimelv-echsel in Rußland dalrin führt, daß die gequälten Völker des russischen. Reiches einsehcu, daß die Fortsetzung des Krieges ein Verbrechen ist, daß sic, ebenso nne die Entente, jeden Tag einen ehrenvollen Frieden mit den Zentralmächttur schließen können, dann wird diese entsetzliche Menschmschlächterei ihrem Ende entgegen gehen.

Wir sind nicht zu vernichten, aber wir wollen auch nicht vernichten. Unsere Fronten sind stärker denn je, unsere wirt­schaftliche Lage ist gesichert, wir können und werden durchhalten. Die beispiellose Ausopkenurgsfähigkeit, die Kraft, mit der die Völker' der öfter reickisttz-nngarisä-en Monarchie die Entbehrungen ertragen, sichert ihnen den Enderfolg. Nicht den oberen Tausenden, sondern dem Mittelstände und vor allem den breiten Massen, den vom Schicksal Enterbten gebührt das größte Verdienst. Hut ab vor den Millionen, die im Schützengraben oder daheinr auf dem Schlochtfelde'der Arbeit di?, täglichen Entbehrungen ohne Murren ertragen! Hut ab vor ihrer Größe und ihrer Kraft! Ter Tag wird kommen, da die Völker der Monarchie den Lohn für ihr Heldentum erhalten iverden.

Die weitere Frage, ob er den Vorschlag zur Bestückung eurer Fried enskonfererrz durch alle kriegführenden Staaten nach wie vor aufrecht erhalte, beantwortete der Minister: Gewiß, ich sehe nur diesen Weg, um zu einem allgemeinen Ende zu kommen. Für jene, welche den Krieg fortfetzen wollen, bedeutet der Zusammentritt der Konferenz keine Aeuderung. Während dieser Tage kann ja der Kampf fortgesetzt werden. Rur auf einer Friedenskonferenz können Hunderte von Fragen, die der Krieg aufgeworfen hat und die ein unzerreiß­bares Ganzes bilden, gelöst werden. Wir besitzen weite Territorien unserer- Feinde und sie ausgedehnte (Gefilde von uns. Auf dem Meere kämpft die Blockade unserer Feinde gegen den . Unters e- bootskrieg. Alle internationalen Verträge sind zerrissen. Es ist unmöglich, einzelne dieser Fragen, herausgerissen ans dem Komplex des Ganzen, lösen zu wollen. Wer den Frieden rvill, muß muh über denselben sprechen und verhandeln wollen. Erweist die Friedens­konferenz, daß eine Einigung unmöglich ist, so geht der garnicht ^mterbrochenc .Krieg eben weiter/'

Auf die Frage, ob es nicht möglich wäre, den allgemeinen Rahmen unserer Friedensbedingungen zu verkünden, erklärte der Minister:Tas ist ja doch bereits geschel-en. Ich habe öffentlich erklärt, daß lvir einen uns aufgezwungenen Verteidigungskrieg führen, dessen Zweck die gesicherte, freie imd ungestörte Ent­wickelung der Monarchie ist. G a r a n 1 i e n für den Bestand unserer Existenz Möglichkeit müssen wir erhalten. Sobald die Gegner ihre imer füll bauen Ideen, uns zu zerschmettern, fallen lassen, sobald sie bereit sind, über einen für sie und für uns ehrenvollen Frieden zu verhandeln, steht den Verhandlungen nichts im Wege/'

Wien, 1.'April. «WTB. Nichtamtlich.) Aus den nunmehr aus der österreichischen Provinz als auch aus Ungarn vorliegenden Pressestimmen geht hervor, daß die öffentliche Meinung der ganzen Monarchie den in der Unterredung des 6ftafen Czernin mit dem Chefredakteur desFremdenblattes" prädi-fterten Standpunkt eirrl- mürig billigt und ohne Unterschied der Nationalität und Parcei- schattierung aust Seiten der Minister steyt, so daß sich die Erklä­rungen des Grasen Czernin als die Darlegung des einmütige n Bolsu>jill ens der Monarchie darstellen.

Berli it, 31. März. Aus deutschen v o li t i sche n Kreisen erfährt das offiziöse W. T. B. folgende Stel­lungnahine zu der heute hier bekanntgewvrdenen Unterre­dung, die der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern Gras Cernin gestern dem Chefredakteur desFrcmdcn- blattes" gewährt hat:

Wir begrüßen mit Freuden die offenen und freimüttgen Aeuße- rungen des bewährten Leiters der österreichisch-ungarischen Politik. Sie werden zweifellos in hohem Maße dazu beitragen, die von un­seren Feinden in leicht erkennbarer Absicht in diesen Tagen immer wieder in die Welt gesetzten Gereichte zu zerstreuen, daß die Zentral­mächte ein Interesse an der russischen Reaktion zu nehmen gewillt seien und ihr wieder zur Macht verhelfen wollten. Graf Czernin schließ sich also eng an die am Tage vorher im Reichstag getanen Aeußernngen des Reichskanzlers an, der in Bezug auf Rußland sagte:Wir begehren nichts anderes, als möglichst bald wieder in Frieden mit Rußland zu leben, in einem Frieden, der auf einer für alle Teile ehrenvollen Grundlage aufgebaut ist?"

Somit ist es nun an Rußland, eine Antwort auf diese klaren, unzweideutigen Acußernngen des deutschen und des österreichisch- nngarischen Staatsmannes zu geben. Was Graf Czernin am Schlüsse der Unterredung über seine allgemeine Bev-utwillr giert erklärt, in Verhandlungen für einen ehrenvollen Frieden ein- zutreten, sobald die Gegner ihre unerfüllbaren Ideen, uns zu zer­schmettern fallen lassen und ihrerseits bereit 'sind, eine Friedens­konferenz zu beschicken, deckt 'sich gleichfalls grundsätzlich mit dem allgemeinen Wunsch des bcutfdym Volkes. Llber auch lfter können wir aufrechten Hauptes und kühnen Sinnes das Angebot unserer Gegner, denen ja scl/on seit dem 12. Dezember unsere 'Ansichten bekannt sind, abzuwarten. Anaebrockren und stärker als je an allen Fronten, in harter, aber gestählter Arbeit daheinr können und werden wir, wie Graf Czernin sagte, durchhalten bis ans Ende, bis zum ehren voller: Frieden, der wirklich die ungeheuren Opfer wert ist, die wir gebracht haben.

Da» ungarische Abgeordnetenhaus und der Umsturz in Rußland.

Budapest, 31 März. (WTB.) Im Abgeordneten- hause beantragte der Präsident, den gestern eingebrachten A'ntrae- der Oppositionsparteien über die Stellungnahme zu den ruf s iU ' chen Er'eignLssen aus die Tagesordnung zu stellen. (Allge­meine Zustimmung Fi na uzminister Toleszrh führte aus: Im Namen der Regierung stimme ich dem Antrag des Präsidenten zu, umsomehr, als die Regierung mit der in dem jetzt vorgelesenen Antrag zum Ausdruck gelaugten Auffassung völlig übereinstimmt. Allgemeiner, lebhafter Beifall.) In der Monarchie gibt es keinen Menschen, der sich in die i n n e re n A n g e!l e g e n h e i t e n R u ß - la n d s einzu mengen bestrebt wäre. (Lebhafter Beifall.) In m s? ^ihe wünschen lvir einer das Berttauen des ganzen russischen /°lr? "nützenden Regierung gegenüberzustehcn, mit der loir einen «Im- cl)ni abschließen können. ^Allgemeiner,.lebhafter Bei- raU. )Wrr wünschen, daß die russische Nation dauernd die Segnun­gen emer rriebiMben Entw-ckkruLg genießen möge. (Lang anhaltend

der Beifall.) Die Führer sämtlicher Parteien betonten sodann mit Genugtuung die Ernmütigkeil be§ ganzen Hauses in dieser Frage und hoben hervor, daß wir diesen uns aufgezniungenen Krieg weiter­führen wollen, bis wir einen ehrlichen Frieden erkämpft haben, uns aber am Friedensttsche einfinden wollen, wenn unsere Gegner ihre Eroberungsgelüste aufgegeben haben. Hierauf beschloß das Haus, den Antrag zur Verliaudlung auf die Tagesordnung zu stellen.

Eine Erklärung de» bulgarischen Ministerpräsidenten.

Sofia, 1. April. (WTB. Nichtamtlich.) Der Ministerpräsi­dent Radoslawo erklärte in der Sobranje sich mit den Erklä­rungen des deutschen Reichskanzlers und des österreichischen Mini­sters des Aeußern betreffend Rußland namens der bulgarischen Ne­gierung solidarisch.

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Die deutsche Sozialdemokratie und Rußland.

Berlin, 1. Llpril. (WTB.) DerVorwärts" meldet: Der Vorsitzende der deutschen Sozi-alistcnpartei hat gestern an derr Minister Stenning in Kopenhagen folgendes Tele­gramm gerichtet:

Tie russische Sozialdemokratie übermittelte uns eine Friedens­kundgebung, in der sie die Ernrartung aussprach, daß jede Ein- m i s ch un g in die Entwicklung der r n s s i sch cit Revolution von uns scharf bekämpft würde. Tie Sozialdemokratie^ Teutsch- lmrds 'befindet sich in völliger Ucbercinstimmung mit dieser Kund­gebung. Sie hat sich bei den letzten Reichstags Verhandlungen ent­schieden irr diesem Sinne betcttigt. Auch, die übrigen Parteien und d'ie Reichsregierung haben sich im Reichstag energisch gegen; jede Einmischung in die inneren Verhältnisse Rußlands er­klärt.

Tie deutsche Sozialdenrotratie beglückwünschte zugleich die russische Sozia lLemokratie auf bent Wege zur politischen Freiheit. Sie 'hat -den dringenden Wunsch, das; die politischen Fortschritte des russischem Volkes dazu beitragen werden, der Welt den Frie­den zu sichern, für den die deutsche Sozialdemokratie seit Aus­bruch des Krieges gekämpft hat.

Wir bitten, diese Mitteilung imSozialdenrokraten" zu ver- öffentlich-en und weiter zu telegraphieren au Tscheidse, Duma, Petersburg. Partei Vorsitzender Ebert.

Die täglichen Kricgskosten Englands.

Amsterdam, 1. Avril. (WTB.) Im englischen Unter- Hause hat Bonar Law am 19. März erklärt, daß die täglichen K r ieg s k o ste n für England für die Zeit ronr 11. Februar bis 31. März sich auf 7 260000 Pfund Sterling belaufen würden. Der Minister suchte diese Er­klärung durch den Ansatz ab zusch wa chen, daß große besondere Zahlungen in diesen Zeitraum gefallen seien, die die durch­schnittlichen Kosten nur inehr als eine Million Pfund pro Tag erhöht hätten. Für die Periode vom 1. April 1916 bis 31. März 1917 würden sich die durchschnittlichen Ausgaben auf etwa 6 Millionen Pfund belaufen.

Kricgsmüdigkeit bei den Franzosen.

Berlin, 1. April. /WTB. Nichtamtlich.) Die vielen in der letzten Zeit g e f a n, q c ii c n und über gelaufenen F r a n z o - s e n wissen mehr denn je von der K r i! e g s rn ü-d r g k e i t daheim und in den Schützengräben zu erzählen. Sie klagen heftig über ihre Regierung, die den Krieg ohne die leiieste Aussicht wirf einen Sieg! sortsetzt. Ein Unterofszier und Mannschaften des 173. Infanterie- Regiments. die am 21. März b.i Douaunwnt in deutsche Hände fielen, maßen Briands Sturz ueuig Pedeutuug bei. Die eigertt- lichen Lenker der ftanzöftschen Regierung seren ja doch die Eng­länder, und es sei ganz gleichgültig, ob Briand oder Ribot nach der englischen Pfeife tanzen müßten. Seltsamerweise tvar einigen 6>e- fangenen Briands Rücktritt nicht bekannt, wie. denn überhaupt die Bildung der Gefangenen aus einem für Deutschland unverständ­lichen Tiefpunkt steht, so komtte ein Mann vom Infanterie-Regi­ment 359, der auf Höhe 670 gefangen genommen, wurde, weder lesen noch schreiben, lvas auch in seinem Soldbuch vermerkt war. 'Er war so interesselos, daß er nickt einmal den Narn.cn 'seines Kompagnre- sührers kamrte. Dennoch glich er seinen gebildeten Kämcradcn daxin, daß er kriegsmüde bis zum äußersten tvar.

Ein Offizier und Leute des Infanterie-Regiments 324, die anr 22. März bei Watronville ein gebracht wurden, erzählen, das Vertrauen in Frankreichs Endsieg 'sei geschwun­den. Wer im Graben noch den Kreegsruf gegen die Deutschen ge­braucht: On les aura, dem wird von allen Seiten die höhnische Antwort zugcrufen: Our, les pieds gales! aber die Soldaten zeigen ihren Unwillen und ihre Kriegsunlust nicht nur untereinander. 'Als Ende Oktober der Präsident die Regimenter 31 und 331 be­sichtigen wollte, wurde er von den Mannschaften nrit Johlen und Pfeifen empfangen. Bei bcnt Höllenlärm flogen ihm die lvüstesten Schimpfwortc au den Kopf wie Sale nach« Cochon. Diese Angaben stammen von Angehörige beider Regimenter 31 und 331, die am 16. März von den Deutschen bei Vrlle aux Bors gefangen wurden.

Weizenmangel in Amerika.

Bonden, 31. März. /WTB.>Daily Telegraph" meldet aus New Vork vorn 30. März. Nach hier veröffentlichten Be­rechnungen von Sachv er ständigen st ehen d ie Vereinigten Staaten vor einem ernsten Weizenmangel, so daß es vielleickst notwendig sein wird, vor Ende des Jahres eine Brot- rationierung vorzunehmen. Die optimistischen Schätzungen der Ernte dieses Jahres reckmen auf nicht ganz eine .Milliarde Bushels, und man erwartet nach der Aussage von Rssgierungs- persvuen, daß die Vereinigten Staaten im F-alle eines Krieges den Lltliicwten ungefähr 40C> Millionen Bushels liefern werden. 100 Millionen ruüssen als Sanrenkorn zurückbehalten werden, so daß nur 500 Millionen übrig bleiben, ivas den normalen Weizen- verbrauch- der Vereinigten Staaten in der Form von Riehl allein ausmacht. 3(ach weniger optimistischen Schätzungen ist nur eine Ernte von 800 Millionen Bushels zu erwarten, obwohl 850000 Acres inehr nrit Weizen bestellt tvorden sind als früher. Die Mirtsckaftspolitiker propl-ezeihen schon jetzt die höchsten Lebens­preise in der Geschichte der Bereinigten Staaten.

Die Lebensmittelverforgurtg der Schweiz.

Bern 31. März. (WTB. Nichtamtlich.) In Beantwortung einer sozialdemokratischen Interpellation betreffend die Sicherung ^er Leb nt sin i tte l v e rfo g u n g der Schweiz entwarf der Bundespräsident Schult Heß ein erschöpfendes Bild der Ver- Verhältnisse, die sich zusehends schwieriger gestalten, so daß das' Schweizer Volk noch rnit einschneidenderen Maßnahmen als bisher rverde rechnen müssen. Ter Bundespräsident »-teilte mit, daß eine Steigerung des Milchpreises von 27 auf 33 Rappen -unK mittelbar bevorftehe, wobei allerdings für etwa ein Drittel der Bevölkerung der Bund, die Kantone und die Gemeinden 5 Rappen »Aufschlag _ übernehmen. Was die Fle i s ch v e r s o rg n n g be­trifft, so sott gegen die durch illegitiiunr Zwischen Handel hervor-, gerufene Preistteiberei energisch eingeschritten werdm. Ferner wird die Schlachtviehaussuhr dieses Frühjahr erheblich eingeschränkt. Bei weiterer Steigerung der Flerschpreise wird der Bundesrat ein Schlachtviehmonopol einführen. Der Bundespräsident appelierte zum Schluß aii die Einsicht und die Mitwirkung des Volkes und der Behörden, damit die Schweiz die zweifellos bevorstessende schwerere Zeit glücklich üb erstekau könne. Bnndesrat De c o ppa s , fror Chef des Militärdepvrtements, erteilte Auskunft über die Brotversorgung und stellte fest, das; die tztzetreidereserve infolge mangelnder Zufuhr ständig zurückgehe, so daß der Bundesrat die Einführung der Pftotlarte nickt mehr ivird umgehen, können. Tie Interpellanten erklärten, von der Auskunft der Regierung im all- genreinen befriedigt zu sein. Präsident Büler schloß hieraus! die außerordentliche Frühjahrstagung. Der Wftderzihanrnrentritt erfolgt im Juni.

Eine Erklärung des neuen schwedischen Ministerpräsidenten.

Stockholm, 31. März. (WTB.) Nach der^ Erneu nun; des neuen Ministeriums äußerte der neue Miursterpräsidenr Swartz im Ministerrate folgendes:

In Uebereinstimmung mft den Richtlinien, die Majestät gaben, als ich mit der Bildung des MinisteriuniS beauftragt wurde, wird es die wichtigste Ausgabe des Staatsrates sein, eine folge­richtige, unparteiische tN c u t r a l i r ä t s p o l r t i k zrr verfolgen, welche Majestät 'und das jetzt zurückgettetene Ministerium erfolgreich beobachten. Die Schwierigkeiten haben sich zwar in der letzten Zeit immer nrehr gehäuft, der Staatsrar aber sieht in einer solchen Politik das sickwrste Mittel, um die Schwierigkeiten zu über­winden. In dem Bestreben, die Hineinziehung des Landes in den Weltkrieg zu Verbindern und gleichzeittg seine Selbstständigkeit und sein Selbstbestiurnrungsrecht anfteckft zu erhalten, hofft der Staats rat, (durch seine 'Handlungen sich die Unterstützung des Reichs­tages und des schwedischen Volkes zu erwerben. Gewisse l>andels- politische Fragen, die von großer Bedcutmrg für unsere Volks- crnähnmg und Industrie sind, 'werden der Gegenstand besonderer Vorsorge des Staatsrates werden. Die Verhandlungen in diesen Fragen dürfen unmittelbar geführt werden."

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Ein Brief des Prinzen Friedrich Karl von Preußen.

Berlin, 1. April. (WTB.) In einem Brief des Prinzen Friedrich Karl von Preußen heißt es:

Im Lrlftkampf wurde mir über den feindlichen Linien in best Motor geschossen, etwa 4 Kilometer vor unseren Linien. Ich hatte einen Kanchf mit einem Engländer und wurde aus den' Wolken rl'icbvärts von einem zweiten angegriffen. Ich ging sofort in .Kurven gegen unsere Linien herunter, doch kam ich' bei dem starken Gegenwind nicht nrehr ganz lwrüber. Beim Landen wurde ich in der Lust in den reckten Fus; geschossen. Ich machte aber trotzdem' eine saubere Landung, an der Freyberg (gerneint ist .Hauptmann Freilierr von Freyberg, der frül^erc Fluglehrer des Prinzen) seine Freude gehabt hätte. Zum Vernichten der Maschine hatte ich keine Zeit mehr, da ich aus den Gräben stark beschossen wurde. Als ich sortranute, erhielt ich einen Schuß in den Rücken durch den. Magen und wurde gefangen."

Berlin, 31. März. (WTB.) 91ach einer hier vorliegendenj Meldung vom 20. März ist das Befinden des PrtznzeN Friedrich Karl von Preußen so befriedigeno, wie man es l-ofsen könne. Ter Zustand der Wunde gebe zu guten Er- warttmgen Anlaß.

Seekrieg.

Ein deutsches Kaperschiff.

New Dort, 31. März. (WTB.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Ein Telegramm aus Rio de Janeiro besagt, daß die französische BarkGantbraune" mit 200 eng­lischen, französischen und italienischen Matrosen angekom­men ist, die zu den Besatzirngen von Schiffen gehören, die von einem Kaperschiff bei Trinidad versenkt worden sind Ter Kaper wird als Segelschiff mit Gasolinmaschine geschildert.

Nach einen: lverteren Telegramm ans Rio de Janeiro is> dieCanrbronne" am 7. März einem deutschen Schiff in 21 Grad westlicher Länge und 7 Grad südlicher ^ Breite begegnet. Tas Schiff hatte Minen an Bord, woraus Ach erklärt, daß in der letzten Zeit so viele Schiffe an der brasilianischen Küste vernichtet wurden,' und war außerdem mit zwei 165 Millimeter-Kanonen und 16 Maschinengeweh­re i bewaffnet. Das Schiff habe drei Masten und eine draht­lose Station. Kommandant war Gras Suttner. Nach Aus­sage der in Mo de Janeiro gelandeten Mannschaften ist das Schiff am 22. Dezember unter Eskorte eines U-Bootes von Deutschland abgefahren Es hießSeeadler/tz hatte Pro­viant für 18 Monate und einen großen Vorrat von Mu­nition an Bord. Wenn ein Handelsschiff in Sicht kam, wurde die norwegische Flagge gehißt. Sie tourde durch die deutsche Kriegs flagge ersetzt, sobald die Boote nahe genug gekommen waren.

In den Grund gebohrt sind unter anderem fol­gende Schiffe:Gladhs Royale" (3268 Tonnen),Charles' Gounod" (3100 Tonnen),Rochesancanckd" (3150 Tonnen), Rohngoth" (5500 Tonnen) undHogart" (1231 Tonnen). Tas letztgenannte Schiff hatte versucht zu flüchten, hatte sich aber schließlich ergeben, nachdem vier Mann der Besatzung verwundet lvorden waren.

Der englische Bericht über den deutschen Marinevorstoß.

London, 31. März. (WTB. Nichtamtlich.) Die Ad­miralität teilt mit: Während der Nacht zum 29. März wurde einige Meilen von Lowestoft vom Meer her Ge- schützfeuer vernommen. Die Wachboote liefen unter Voll­dampf aus, trafen aber den Feind nicht an, der bereits da­vongefahren war. Die Admiralität meldet, daß der einzige britische Dampfer namensMascotte" unbewaffnet sei. Die amtliche deutsche Meldung beziehen sich wahrscheinlich auf has Wachtboot ,,M a s c o t.t".

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. Amste rd am, 1. April. (WTB.) Aus Anmiden wird demAllgemeen .Handelsblad" gemeldet, daß der Motor- tankdampfer5scst i a" (958 Tonnen), der mit einem aus 14 Schiffen bestehenden Convoy am Freitag abIld vom Neuen Wasserweg nach einem Themsehafen ab fuhr, un­gefähr uin 4 Uhr von einem deutschen Tauchboot ver­senkt worden ist. Ein Boot mit 13 Insassen, darunter sie­ben Chinesen, tvird vermißt.

Lyon, 31. März. (WTB.)Progrßs de Lyon" meldet aus Bordeaux, daß der PostdampferMontreal" (6146 Tonnen) am 23. März im Atlantischen Ozean versenkt wurde.

Nur dem Reiche.

Der Kaiser über die neuen Steuern.

Berlin, 31. März. (WTB.) Der Kaiser hat an den Reichskanzler folgendes Telegranrm gesandt:

Mein lieber Bethmamr?

Ich danke Ihnen für die Meldung von der Annahme der neuen Stenern durch den Reichstag, der sich damit im Mn- vernehmen mit den verbündeten Regierungen von neuem zu dein Grundsatz bekannt l?at, daß für dauernde Ausgaben laufende Einnahmen zu schaffen sind. So bleiben die soliden Grundlagen unserer Finanzen auch während des Krieges erhallen, insbesondere werden die Mehrausgaben für die Verzinsung der Kriegsanleihen durch neue Einnahmequellen sichergestellt. Durch die Beivrllignng der neuen Steuern hat der Reichstag wiederum aller Welt kund- gegeben, daß das deutsche Volk alle Lasten willig auf sich nimmt, die erforderlich sind, uin Miseren Daseinskampf siegreich zu be^ enden. Eine glückliche und gesicherte Zukunft unseres geliebten Vaterlandes wird alle diese Opfer lohnen. Das ist meine luiner- schütterliche Zuversicht! Gott mit uns? Wühlern I. R.

Gleichzeitig sprach der Kaiser dem Staatssekretär des Reichsschatzamts Grasen Rödern Dank und nnrnnste-n Glück' wünsch zll dem Erfolg aus.

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Berlin, 1. April. (WTB.) Die Kaiserin hat ans ihrem Privatbesitz Juwelen von hohem Werte zwecks Veräußerung firn neutralen Auslände ablieferu lassen