Ausgabe 
17.3.1917 Drittes Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

m. 65 ' Drittes Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«.

*67. Jahrgang

Beilagen: ..Siehener Zamftienblätter" und Ureisblatt für den Ureis Kletzen".

Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Gewerbebank Siehen.

Gietzener Anzeiger

General-Anzriger für Oberheffen

Lamstag, \T. März X9XT

ZwillingSrundoruck und Verlag:

B r ü hl'jche Unrveriiläts-Buch-u.St ündruckerei.

N. Lange, Gießen.

Lchristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstlufze 7. (> eschäf viielle u.Verlag: «Ebl, Schriftteuung: 112.

Anschrift für Lr^htilachrlchten:AnzeigerGießen.

Uriegsanleiden.

Teutschlmrd erläßt in diesen Tagen den Ruf zur Zeichnung der 6. Kriegsanleihe. Es verlohnt sich ans diesem Anlaß eine kurze Hebers icht über die Methoden der Kriegsgeldbeschasfnng bei uns Und unseren Gegnern und die damit erzielten Erfolge zu geben.

N u ßland druckt Noten, ohne Rücksicht auf die Golddeckung, ein außerordentlich einfackies Verfahren, das sich aber auch nur ein Land leisten, kann, dem selbst der Staatsbankrott keine Be­denken verursacht. Tie in ihrer Höhe nicht feststellbaren Beträge fester Anleihen, die bisher mit großen Viül)en in Rußland unter-- gLbvachit wurden, sind fast ausschließlich bei den Banken geblieben, von einer Beteiligung des Volkes kann keine Rede seftr.

England l)at zu Beginn des Krieges versucht, die Kttegs- auSgaben im Etat auszugleichen und durch Steuern aufznbringen. Tiefes Verfahren, an sich solide, mußte an der damals nicht vor- mrsMsehendcn, ungeheuren Steigerung der Kriegskosten scheitern, trotzdem England, mit der alle seine Maßnahmen kennzeichnenden Energie, durch ganz gewaltige Steuerer ho Hungen tatsächlich seine jährlichen Ginnahinen von 4 Milliarden vor dem Kriege auf 10 Milliarden inr Kriege gesteigert hat! Tie fehlenden Mittel be­schaffte man sich nun dort, wie auch in Frankreich, durch Ausgabe von kurzfristigen Schatzscheinen. Tiefe Schatzschcine, an Banken sund Private vcrkmrft, bilden dalrer eine außerordentlich große schwebende Schuld, deren Rückzahlung den Regierungen beider Länder große Sorgen mackst. In Erkenntnis des Gefährlichen eines solchen Verfahrens sucht inan sich durch feste Anleihen im In- und Ausland Luft zu schaffen. Ties ist aber, wie unten zahlenmäßig ausgeführt ist, nur zum kleinsten Teile gelungen.

Teutschland l«rt vom Beginn des Krieges an mit sicherem Griff die Begebung langfristiger Kriegsanleihen zum Grundsatz erhoben. Nur hierdurch ist Stetigkeit und lieber sicht in die Finan­zen zu bringen und vor allem antf) eine Beteiligung des Volkes selbst und nicht nur der Blank- und Finanz kreise zu erreichien. Selbstverständlich mußten auch wir zunächst Schatzscheine an die Banken aus geben.. Es ist aber bisher iroch stets gelungen, nrit dem Ertrag jeder neuen Anleihe sämtliche vorher ausgegebenen Schatz­scheine einzulösen und darüber hinaus rrochl einen erheblichen Be­trag für die weitere Kriegführung zur Verfügung zu behalten.

Während in England die kurzfristigen Schatzscheine ganz un­abhängig von einer ettva aufznlegeirden Anleihe an einem be­stimmten Termin bar rückzahlbar sind, hat nttm bei uns an den Verkauf solcher Sckieine die Bedingung geknüpft, daß sie bei Aiis- gabe einer neuen Anleihe in Stücke dieser Anleihe um getauscht werden müssen Sie sind also gewissermaßnr nur ein Vorschuß aus die neue Anleihe

Frankreich hat bis heute ca. 60 Milliarden Mark für den Krieg ausgeben müssen. Tie beiden aufgelegten festen Kriegs­anleihen hckbcn, wenn man den niedrigen Ausgabekurs von 86 <yo in Betracht zieht, ganze 12 Milliarden Mark erbracht. Kleinere Beträge ivurden aus den amerikanischen Anleihen gedeckt, einen Teil mußte auch England (gegen Verpfändung vom Gold!) als Darlehen geben. Der ganze große Rest, aber tton mehr alA 40 Milliarden ist ungedeckte, schwebende Schrckd. Tie Bank von Frankreich hat den größten Teil hiervon auf eigene Nehrung übernommen. Das ging .natürlich nur unter kräftiger Bean- sprucknrng der Noten presse. Tie Folge ist ein Notenumlauf von Uber 18 Milliarden, der neuerdings sogar auf 21 Milliar­den erhöht lvird, bei einer Golddeckung von 2,6 Milliarden. Ein höchst bedenkliches Verfahren, bei dem man kaum noch von einer Goldwährung sprechen kann! Zum Vergleich sei angeführt, daß wir bei einem fast gleich großen Goldvorrat (2,5 Vhilliarden) einen Notenumlauf von knapp 8 Milliarden haben. Auch ein reichlich hoher Bctvag. verursacht aber in erster Linie durch den großen Bedarf an Zahlungsmitteln in den eroberten Gebieten und dann auch deshalb, weil der bargeldlose Verkehr sich bei uns ttotz aller Mahnungen immer noch lange nicht genüge rft> durchgeseyt hat. Immerhin ist die Notendeckung durch Gold bei uns 32 o/o,, in Frank­reich dagegen nur noch 17 «A>!

Englands Kr iegskosten betrugen bisher ca. 80 Mil­liarden Mark. Hiervon waren nur rund 18 Milliarden durch 2 Anleihen fest gedeckt. Tie erste Anleihe zu 372 °/o ergab 7 Mil­liarden, die zweite zu 4 1 /» % brachte 18 Milliarden, in denen jedoch über 7 Milliarden alter 27, o/o Konsols, die zum Umtausch zugelassen waren, enthalten sind, und die eben deshalb nicht als neues Geld gelten körmen. Ein weiterer Teil der Kriegskosten ist durch die schon erwähnten sehr hohen Stenern ausgeglichen worden, ein kleinerer Bettag durch die amerikanisckisen Anleihen. Ungedeckt blieben 46 Milliarden Mark, von denen 2 2 Milliar­den Schatzscheine Ende März dieses Jahres rückzahlbar sind, wäh­rend der Rest noch auf die Dauer von 2 bezw. 5 Jahren laust.

Tie neue, mit gewaltiger Reklame in die Welt gesetzteSieges­anleihe" ergabt die aus den ersten Blick erstaunlich hohe Summe von 20 Milliarden Mark, von denen 3 Milliarden zum Umtausch für die erwähnten, am 31. März fälligen Schutzscheine angemeldet sind. Tos gesamte neue Geld, so effektvoU die Summe dem Nichteingeweihten auch erscheint, reicht also noch nicht ein­mal ans, um auch nur die 22 Milliarden jetzt fälliger Schatz sckieine zu decken. England steht wieder mit leeren Händen da und hat nach seiner Siegesanleihe noch 26 Milliarden kurzfristiger Schul­den, bei einem monatlichen Verbrauch von 3 Milliarden! Es ist deshalb auch nach dem ersten Freudengeschrei in England Merk­würdig still geworden und schon werden Stimmen laut, daß man sich auf neue Finanz an streu gun gen vorzubereiten habe.

Wie ganz anders sieht es dagegen bei uns aus.

Oesterreich-Ungarn hat bisher nicht weniger als 21 MiUiarden fester Anleihen aus eigner Krast aufgebrackft, also mehr als das reiche Frankreich und mehr als England vor seiner letzten Anleihe.

Teutschland aber steht größer da als jedes andere Land. Unsere Kriegskosten betragen bisher oa. 60 MiUiarden Mark Da­von sind volle 47 Milliarden durch Kriegsanleihen gedeckt, so daß heute unmittelbar vor Ausgabe der 6. Anleihe eine schwe­bende Schuld von nur 13 Milliarden vorhanden ist, gegenüber 40 Milliarden in Frankreich und 4 6 Milliar­den in England, ebenfalls vor Ausgabe seiner letzten Anleihe. Es ist bestimmt zu hoffen, daß der neue Appell an unser Volk auch diese 13 MiUiarden zum Verschwinden bringt, so daß das Reicy dann keine unkonsolidierte Schuld mehr hätte.

Tiefe günstige Lage kann aber nur aufrecht erhalten werden, wenn jeder seine .Kraft bis zum letzten anspannt. Es darf keines daneben stehen und glauben, daß es auf seine Zeichnung nicht an­kommt. Tie großen Zeichnungen aus Jndusttie und Kapitalisten- kreisen macheiz es wicht allein. Es muß Zeder bis! zür GreNza seines Könnens gehen.

Tabei wird von keinem ein Opfer verlangt. ES ist ein Irrtum zu glauben, daß es eine bessere Geldanlage gibt, als die deutschen Kriegsanleihen. Keine Staats-, keine Kommunalanleihe und auch kein Hypotheken Pfandbrief oder Industrie» bl igation bieten größere Sicherheit. Es ist falsch, zu glauben, daß k. B. Hypotheken Pfand­briefe, weil sie durch Hypotheken gedeckt sind, oder Jndusttieobliga- tionen, weil iridu^tticUe Werte für sie haften, besser sind. Man darf nie außer acht lasten, daß für unsere Reick-sanleilxen das gesamte Nationalvermögen garantiert, einschliesstich aUes Grund- Hypotheken- und Industtiebesitzes, überhaupt jedes Besitzes des Einzelnen wie der GesamtkZeit.

Das Wort von der größten Anstrengung, die gemacht werden muß, nm die Entscheidung zu erzwingen, gilt nicht nur für die, Kämpfer draußen an der Front, oder die Arbeiter in den Mu­

nitionswerkstätten und die «Nahrung schassenden Landleute, es gilt auch sitt das Ausbringen des zur Kriegsführung nötigen (beides. Ueberall muß imseve Front unerschütterlich, unbesiegbar und an gri ffsbeceit bleiben. Also tue jeder seine Pflicht!

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer.

Tarmstadt, 16. März.

Am Regierungstische: 'Die drei Minister und mehrere andere Regierungs Vertreter.

Vizepräsident Tr. Schmitt eröffnet die Sitzung um 9*/* Uhr Tas Haus setzt die

Beratung des Staatshaushaltsplans denn Kap. 76 Bergbau sott. Ta die Kap. 6075 zunächst zurück gestellt worden sckcd, ebenso Kap. 77 Kunststraßen. Kap. 76 wird ohne 2bis spräche genehmigt. Zu Kap. 78 Förderung des Handels, bemerkt

Aba. Korell-Ingelheim, es werde von verschiedenen Seiten die Forderung gestellt, den freien Handel mehr an der Lebens- mittclbeschassung zu beteiligen. Bei der Heubeschafsung in Rhein­hessen sei der FirmaHeuzenttale Grünedaum" in Frankfurt a. M. das alleinige Austaufsrecht für Heu in den Kreisen Mainz, Oppen­heim und Bingen übertragen worden. Tiefe Firma mache aber Geschäfte nicht nur in Heu, sondern mich in Pökelfleisch, Apfel­mus und Zwetschen. Es sei dringend erforderlich, dieses ganz un­gerechtfertigte Moirovol, das der auswärtigen Firma in Hessen Äbettragen wurde, schleunigst zu beseitigen. Diese Firma sei schon wegen Kttegswuchers bestraft worden und genieße auch sonst keinen günstigen Ruf. Bei der Werbetätigkeit stir die Kriegsanleihe sollten nicht >dreisräte, Pfarrer und Lehrer, sondern auch Vettreter des Handelsstandes, die das kaufmännische Vertrauen besitzen, heran­gezogen werden..

Abg. Cal man (natl.) bemerkt, er halte die von ihm ge­forderte Landes-Anskunftsstelle für den Handel noch viel not­wendiger, als die für die Landwirtschaft. Es bestehe eine große Rechtsunsicherheit, besonders aus dem Gebiete des Vcttehrs mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs.

Abg. Adelung (Soz.) spricht sich gegen den freien Handel aus. Er könne nickst begreifen, daß man bei der Verteilung derSchlüsselware" wieder nur den Großhandel heranziehen will. Warum erkenne man nicht die Kleinhandels verbände auch als Großhändler an? Ter Redner bemängelt weiter die übermäßigen Provisionen der Oberkommissionäre beim ßlbschluß von Verträgen zwischen Gemeinden und Produzenten.

Abg. Henrich (fr. Vpt.) beklagt, daß die Behörden auch den Verkauf von Lebensmitteln beveitstellen. Tas solle doch besser den Kleinhändlern übettassen werden. Von einenr freien Handel könne gegenwärtig keine Rede sein. Es frage sich, ob man nicht die kaufmännischen Kreise und ihre Einrichtungen besser heran- ziehen könne, lvie dies z. B. in Tarmstadt geschieht.

Oberregierungsrat Wagner führt aus, daß die Regierung bei Anstellung der Frankfuttcr Firma nicht beteiligt gewesen sei. Die angeregte Errichtung von Anskunstsstellen für den Handel sei Sache der Handelskammer.

Abg. K o r e l l - Ingelheim (fr. Dpt."» bemerkt, im Handwerk herrsche eine große Unsickierheit darüber, welche Handwerksbttriebe infolge des Hilfsdienstgesetzes stillgelegt werden sollen und was dann mit den Lehrlingen m geschehen habe. Jedenfalls müsse dafür gesorgt werden, daß das Handwerk für die Zukunft mög­lichst leistungsfähig erhalten bleibe.

Minister v. Hombergk erklätt, die Vorlage zur Bereit­stellung von Geldmitteln für den notleidenden Mittelstand werde demnächst dem Hause vorgelegt werden. Die Anregung des Vor­redners werde im Einvernehmen mit den Handelskammern weiter in Erwägung gezogen.

Die Restkapstel des Ministeriums des Innern werden darauf genehmigt.

Zur Beratung kommen nun die Etatskapitel des Ministe­riums der Justiz.

Abg. Cal man (natl.) fühtt hierzu aus, es müsse dafür Sorge gcttagen werden, daß die Gerichte nach dem Kriege nicht mit der Aufarbeitung von zahlreichen liegen gebliebenen Sachen belastet werden. Für gewisse Delikte empfehle sich am besten eine Amnestie. Sehr von Nöten sei auch eine Reform der Geldstrafen; diese müssten sich mehr nach der Vermögenslage der Betreffenden richten. Tie Laienjustiz bilde eine Sicherheit gegen die Auslegungs­künste, inie sie beispielsweise hinsichtlich der Auslegung des dolus eventualis angewendet werden.

Abg. Dr. Fulda (Soz.) richtet an die Regierung Die An-, frage, welche Stellung sie zu den geplanten Vereinfachungen im Justizwesen einnehme.

Staatsminister v. Ewald entgegnete, die Negierung habe ihre Zustimnnlng gegeben zu der geplanten Erweiterung der Kom­petenz der Amtsgerichte, dem Ersatz der Kollegialrichter durch Einzelrichter an den Landgettcksten, ferner zur Erweiterung der Kompetenz der Schössengerichte und zur Verminderung der Zahl der Geschworenen von 12 auf 7 Mitglieder. Man werde nach dem Krieg auch mit dem Ersatz des Legalitätspttnzips durch das Op- porttunitätspttnzip noch einen Schritt weiter gehen, wie dies ja auch jetzt sckwn bisweilen gel)andhabt wird. Tie Großh. Regierung stimme diesen Anregungen besonders in der Hoffnung auf be­deutende Personalersparnisse zu.

Abg. Fulda (Soz.) hält eine Vereinfachung der Justizpflege nicht für notwendig, insoweit dadurch die bewäkwten Grundlagen unserer Rechtspflege berühtt werden. Tie Durchführcmg der Vor­schläge jetzt im Kriege sei nicht notwendig. Tie Einschränkung der Sckiwurgettchte sei so weitgehend, daß ihnen eigentlich nur noch die sogenannten Kapftalverbrcckien verblieben. Tie vor geschlagenen Aenderungen dürsten auch nach dem Kriege lvefter beibehalten bleiben.

Staatsniinister v. Ewald weist darauf hin, daß das Gesetz über die Vereinfachung der Justiz zwei Jahre nach dem Kriege üneder außer Kraft treten werde, die Bedenken des Vorredners also hinfällig seien.

Damit ist die Beratung des Iustizttats erledigt, die einzelnen Kapitel werden genehmigt.

Es folgt die Beratung der Etats des Ministeriums der Finanzen. Bei Kap. 98, Ministerium, macht

^kbg. Henrich (F. Vpt.) einige AusfülpTungen über die För­derung des bargeldlosen Zahlungsvettehrs und empfiehlt ein Zu­sammengehen von Staat imb Stadt.

Finanzminister Tr. Becker erklätt, daß die Banken und Sparkassen sich sämtlich bis auf eine bereit erklärt hätten, den Uebertveisungsverkehr einzufül/ren. Sehr erwünscht sei es, daß sich die Kreditgenossenschaften ebei^salls diesem Vorgehen anschließen. Tie staatlichen Kassen würden sämtlich Ueberweisungskonten im Anschluß an die Sparkassen erhalten. Auch die Beamten sollten wiederholt zum Anschluß an den Ueberweisungsverkehr anfgefordert werden. Tie vierteljährliche Gehaltszahlung habe vielfache prak­tische Bedenken, er würde auch dem Staat einen Verlust von etwa 100 000 Mark Zinsen bttngen.

Abg. Dorsch (Bbd.) führt Beschwerde darüber, daß in den Prnnkgätten in Bad-NauheimHinkelgätten" eingerichtet worden seien, woraus

Fmanzminister Tr. Becker erwkdett, daß der Vorredner doch eigentlich von jetötem Standpunkt als praktischer Lmrdwitt mst diesen Hinkellgätten durchaus einverstanden sein müßte.

Die Kapitel des Finanzministettums werden danach genehmigt.

Zur Beratung konimen nun die drei Kapitel Kunststraßenwesen, Bamvesen und Nachträge.

Abg. Soher r (Ztt.) behandelt die Wünsche der Bauaspiran- ten, von denen viele noch ans dem Jiahvem 1397, 1898 und 1899. nicht zur Anstellung gelangt stien. ., , rr t ^

Abg. Stö pler (natl.) eröttett die Gehaltsverhältmsse der Be­amten.

Abg. Adelung (Soz.) bemerkt, daß einzelne Bauaspirrmten schon etwa 20 Jahre als Anwärter tattg sein mußten. Für die Anstellung würden höchstens 2000 Mk. erfordettich sein.

Abg. Bach (natl.) fühtt aus, die Regierung habe Banaspiran- ten, die sich auswärts um eine Stellung bewarben, als unab­kömmlich erklätt.

Abg. Henrich (F. Vpt.) unterstützt ebenfaW die Wünsche der Bauaspiranten.

Ministerialrat Tr. Kratz bemerkt: Die Bautätigkeit des Staats sei durch die Beschlüsse der beiden Stcmdekcmrmern wesentlich eingeschränkt worden. Es sei deshalb auch schwierig, die betteffenderr Aspiranten in geeigneten Stellen unterzubttngen. Auf die einzelnen Kreise könne ein Zwang zur Anstellung der Bauaspiranten nicht ausgeübt werden. Trotzdem hätten die Anregungen der Regierung Gehör gefunden. Eine Aenderung des Gesetzes sei jetzt nicht mög­lich. Nur in zwei Fällen habe man bei dem Wasserbauamt Mainz verwendete Leute nicht abgegeben. Sie wären in Preußen auch nicht sofort angestellt worden und hätten bis zur Ablage der Prü­fung mit einem nur wenig höhereir Gehalt vottieb nchmen rnüssen. Bei der Anstellung im hessischen Dienst würden sie mit einem höheren Ansangsgehalt beginnen. Es seien außerdem mit Rück- sickst aus die Konseauenzen erlieblich iveitere Schwierigkeiten vor­handen. Im Todesfälle würden die Hinterbliebenen dieser An­gestellten genau so behandelt wie angestellte Beamte. Durch die Heraufsetzung der Vergütung sei schon erheblich geholfen worden.

Abg. .Lan g (natl.) eröttett des weiteren die ungenügenden Gehaltsverhältnstse der Geomtter, während

Abg. Tr. Osann (natl.) an die Regierung das Ersuchen richtete, die Neuorganisation der Baubehörden recht bald in die Wege zu lesten. Ta ja die Bauaspiranten dixh eine Verwendung stnden würden, so könne man sie doch auch fest anstellen..

Abg. Adelung (Soz.) ersucht um Auskunft, wie sich die Regierimg zu den Anttägen des Ausschusses in der Frage der Staatsdienstanwärter stelle.

Finanzminister Tr. Becker entgegntt, ein Teil der Forde­rungen hinsichtlich der Bezüge für die Hinterbliebenen sei bereits erfüllt worden. Ein anderer Teil, der die Forderung über höhere Zuwendungen an die Staatsdienstanwätter bttttfft, biete erhebliche Schwierigkeiten. Ter Minister erörtert dann noch ausführlich die Frage der Anstellung der Bauaspiranten, worüber wir aus Raum­mangel nicht näher eingehen können.

Nachdem auch noch die Abg. Tr. Schmitt (Zentr.) und Bach (natl.) sich weiter mit dieser Frage beschäftigen, bringt

Abg. Tr. Osann (natl.) einen Anttag ein, der dahin geht, daß zwölf der ständig verwendeten Bauaspiranten fest angestellt werden sollen. Nachdem Abg. Adelung zuguTrsten dieses An­trages einen von ihm gestellten Antrag zurückgezogen hat, wird zuerst der Ausschußanttag angenommen: Tie Rechenmg zu er­suchen, den Staatsdienstanwättern bei längerer Dienstzeit weitere Erhöhungen ihrer Bergüttmgen zu gewähren, jedoch nicht über dsr Betrag hinaus, der ihnen bei definitiver Anstellung zusteht.

Darauf erfolgt die Annahme des Ausschußanttages: Tie Re­gierung zu ersuchen, bei eintretender Diensturrfähigkeit oder beim Ableben eines Staatsdienstanwärters diesem oder seinen Hinter» bliebenen diejenige Versorgung zutell werden zu lassen, die fte gesetzlich zu beanspruchen haben würden, wenn sie mft ihrem zuletzt bezogenen Diensteinkommen angestellt gewesen wären. Weiter an­genommen wurde noch der Ausschußantrag: Die Regierung anfzu- fordern, die Bauaspiranten in jeder Weise zur Erlangung einer Stelle außerhalb des Staatsdienstes zu fördern, ihnen jedenfalls den Ueberttttt in einen anderen Dienst auch nicht unter Berufung auf dienstliche Rücksichten zu erscknveren, wenn den Aspiranten nicht eine mindestens gleichwettige Verwendung ober Anstellung im Staatsdienst zugesichert werden kann.

Ter Antrag Tr. Osann Wurde darnach ebenfalls ange­nommen, desgleichen auch die drei behandelten Kapitel genehmigt. Die Sitzung schloß alsdann um 1 3 / 4 Uhr.

Nächste Sitzung: Dienstag vormittag ^10 Uhr.

Ans Sterdt nnd Land. \

Gießen, 17. März 19:

917.

12.

Woche,

gültig vom 19.25. März 1917

12.

n

19.-25. .

12.

.

. 19-25. .

12.

* 19.25.

Lebensmittelmarken.

Für die Zeit vom 19. bis 25. März 1917 haben nach' folgende Lebensmittelmarken Gültigkeit:

Brotmarken Buttermarken Flerschmarken Kartoffelmarken w 12.

Zuckermarken Nr. 8 und 9, gültig bis 31. März 1917. Seckenmarken für den Monat Atärz.

Ein Umtausch verfallener Marken findet nicht mehr statt; ebenso wird für verloren gegangene Marken kein Ersatz gewährt.

GcschäftSstnnden deS Städt. LcbenSmittelamteS von 9-12 Nhr vorm., 24 Uhr nachm.

Sonntags von 1012 Nhr vorm. Markenausgabe für Urlauber.

** A n s z e i ch n u n g. Die Grvßherzogin hat als Anerkennung für treue Kttcgsarbeit das Gedenkblatt folgenden Frauen Gießens verliehen: Frau Metzgermeister Kühn, Frau Holzhändler

Happel, Frau Schrein erm ei ster Klingelmeyer, Frau Straßenbahnwaglniführer Vogel, Frau Kaufmann B a l k e.

** A u s z e ich n n n g. Das Eiserne Krenz wurde verliehen dem Gerichtssckweiber-Aspiranten Ludwig Steller aus Gießmr. Er ist bereits im Besitze der Hessischen TapferkeitsMedaille., Kanonier Max Roßmann von G^ßen, welck^er bereits vor eini­ger Zeit die Hessische Tapserkeftsirreoaille erhielt, wurde mft dem Eisernen Kreitz 2. Kl. ausigezeickmet >und xwn Gefreiten befördert.- Ötefr. d. Res. des 1. Kvnrm. Feld-Art.-Regt. Nr. 2, .Hermann Schmidt, wurde wegen aus gezeichnetem Meldereiterdienst am 4. März d. Js. mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. m^gezeichrrtt.

Landkreis Gießen.

B. Grv ßen-Buse ck, 16. März. Musk. E. Jakob wlirde mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezoichntt. Er ist der jüngste Sohn des Metzgers Leo Jakob. 9lnch seine beiden Brüder rückten sckion bei Kriegs beginn ins Feld. Sein Bruder Sally starb den Heldentod Christoph Motz, nvlcher vor, ?lnfang de-Z Krieges im Felde steht und schon z^veimvl verwundet winde, ist mit dem Eisernen Krenz mtSgezeichnet und znm Unlerofftzftn be­fördert worden. Die Hessische Tapferktttsmedaille wurde ihm sckwn frülier verliehen.

Kreis Schotten.

# Eichelsdvrf, 16. März. Das Eiserne Kreuz erbückt der Musketier Adolf Mürß, kurz zuvor die HeMhe Dapftrk^ mcdaftle.