Ausgabe 
3.3.1917 Drittes Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Rr. 55 Drittes

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen: ..Siehener ZamflienblStter" und Kreisblott für den Kreis Gießen".

Postscheckkonto: Zrankfnrt am Main Nr. Vanfverkehr: Gewerbevant Gießen.

Matt

!67. Jahrgang

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Samstag, 3. März W

ZwillingSrunddruck und Bering:

Br ühl'jche Universiläts-Bttch-u.Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Zchriftleitnng, SeschäftrsteKe und Druckerei:

Schulstrage 7. GeschäflSstelle u. Vertag: 51,

Schrifttettung: 112.

Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Attr Hessen.

Aus dem erweiterten Finanzausschuß der Zweiten Kammer.

rb. Darmsiadt, 1. März. Der Erweiterte Finanz­ausschuß lKriegsausschuß) trat heute vormittag zu einer gemein­samen Sitzung mit der Regierung zusammen, um noch eine Rnhe wirtschaftlicher Angelegenheiten zu erledigen. Ms Regreruugs^r- treter waren die .Herren Staatsminister Dr. v. Ewald, Munster des Innern v. Homberqk, Staatsrat Lorvacher, Mmiste- riakrat Schliephake, Oberftnanzrat Em erlin g und Geh Obermedizinalrat Dr. L o r e n z zugegen. Zu dem Antrag des Mg Dorsch auf dldnderung des Namenszuges des Dragoner-Regr ments Nr 24 erklärte die Regierung, auch der Kaiser habe noch nicke angeordnet, bei den preußischen Regimentern die Namenszüge der jenigen Herrscher zu entfernen, mit denen wir uns im Kriegs zustand befänden. Deshalb habe auch der Großherzog davon Ab ftand genommen, den Namenszug des Kaisers von Rußland zi> entfernen. Der Ausschuß stellte sich einmütig aus den Standpunkt daß er von der Bevölkerung, auch Von der unter der Fahne, nickt verstanden worden sei und verstanden werde, daß deutsche Regi­menter noch den Namenszug des Kaisers von Rußland trügen, nach­dem gerade diesem die Hauptschuld am Kriege von der deutschen Regienmg vorqeworfeu worden sei, und nabm den Antrag des <M»g. Dorsch an. Bei dieser Gelegenheit wurde von einer Seite dem Befremden darüber Ausdruck gegeben, daß in der ietzigen Zeit des Krieges und der Entbehrung Festvorstellungen im Hoftheater in Aussicht aenommen seien.

Dem Antrag des Abg. Grün e-w-ald, die Arbeitszeit bei den staatlichen Behörden von vormittagjs bis nachmittags 724 Uhr zu' bestimmen, wirrde von verschiedenen Seiten widersprochen,sinsbB smckere mit Rücksicht ans die schwierigen Ernährungsverhältnisse Ter Antrag wurde abgelehut.

Ter Antrag des Mg. Korell - Ingelheim und Dr. Wolf- Gonsenheim betr die Strafen wegen Uebertretung des Hausschlackt' Verbots wurde für erledigt erklärt, nachdem in den meisten Fällen Freisprechung oder nur geringe Bestrafung eingetreten ist.

Der Anirag.des Abg v. Brentano weaen der in Mainz verdorbenen 800 Kisten Büchsenmilch wurde ebenfalls nach der Auf­klärung der Regierung für erledigt erklärt, nachdem festgestellt ist. daß eine Schuld der Behörden nicht vorliege.

Eine längere Besprechung veranlaßte der Antrag des Abg Dr. Sckmitt betr. Fleifchvers o.r g u n g und des Ma. Mols-Stadecken zu dem gleichen Gegenstand. Hier wurden leb­hafte Beschwerden erhoben über die ungerechte Verteilung des Flei­sches, insbesondere hinsichtlich der Städte des Groß Herzogtums.

Morgen vormittag wird die Beratung fortgesetzt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 3. März 1917.

Auszeichnung. Dem 0-BootS - Obermatrosen Ernst Nuppel von hier wurde die Hessische Tayserkettsmedaille verliehen.

" Der Großherzog ist am 28. Februar nachmittags zum Besuch hessischer Trupoen an die Front abgereist.

** Aus dem Stadttheaterbureau. Es sei noch­mals ausdrücklich darauf hinge wiesen, daß wegen Kohlen- orsparnis die 10. DieTlstag-Abcmnementsvorstellung auf Montag, den 5. Marz, gelegt worden ist; es gelangt LaS LustspielGoldfische" zur Aufführung, lieber die weiteren Vorstellungen erfolgt sobald ttlS möglich Mit­teilung.

Landkreis Gießen.

** Garbenteich. 3. März. Pbilivv Vorig vom Reserve- Infanterie-Regiment 116, der seit Krtegsbeqinn im Felde steht, hat aus Kaisers Geburtstag das Eiserne Kreuz 2. Klaffe erhalten

)( Mainzlar, 2. März. Landsturmrekrut Heiur. B i n g e l erhielt die Hessische Tavserkeitsmedaille, Kanonier Johs. Weide das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

:: Nieder-Bessingen, 3. März. Zwei.fünfzehnjährige Jungen, die häufig mit Flobertgewsehren nach Sperlingen schossen, machten sich auch gestern wieder damit zu schaffen. Dabei bekam der eine einen Schuß in den Unterleib. Die von Lich herbeigerufenen Aerzte beantragten die sofortige Verbringung iw (die Klinik nach Gießen. «

Steinhelm b. Hungen, 2. März. Unser Lehrer Kreiling wurde zum Leutnant d. Res. befördert. Er steht gegenwärtig bei einem Maschinengewehr - Scharsschützen - Ausbildungs ° Kommando.

Schon seit Beginn des Krieges steht er im Felde und ist mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

** Wieseck, 3. März. Der Reservist Wilhelm Klei n im Res.-Jnf.-Regt Nr. 253 aus Frankenbach wurde zum Gefteiten be­fördert und erhielt auf Kaisers Geburtstag das Eiserne Kreuz 2. Kl. .Mein steht schon seit Anfang des Krieges im Felde.

Kreis Büdingen.

# Büdingen, 3. März. Die Haussammlung für dieJu- biläumsspende" erreichte den Betrag von über 3000 Mk.

-tt- Borsdorf, 3. März. Die hiesige einklassige Volksschule erlöste für verkaufte Bucheckern den Betrag von 56 Mk., welcher dem Roten Kreuz überwiesen wurde.

4 Echzell, 3. März. In unserer Gemeinde wurden zum Besten der Hindenburgispend e Speck, Fett, Dauerwaren und mdere Lebensmittel jed^r Art gesammelt, es konnten im ganzen für den so nötigen Zweck 12 große Kisten nach Darmstadt bezw. Mainz geschickt werden. Hoffentlich folgen bald recht viele hessische Ge­meinden dem guten Beispiel. Es kann im Interesse der schwer ar­beitenden Munitionsarbeiter und damit auch im Interesse unseres Vaterlandes nicht genug empfohlen werden.

-tiNidda, 3. März. Der hiesige Pferde per sicherungs­verein schloß im abgelaufenen Bermnsja.hr in seiner Rechnung günstig ab. Dem Reservefonds konnten 4500 Mk. zugeschriebeu werden. Das Versicherungskapital beträgt etwa 700 000 Mk. Bei der geringen Jahresprämie von 2 v. H. ist den Landwirten und Pferdebesitzern eine wirkliche Sicherung gegen hohe Verluste bei den ietzigen Pferdepreisen gegeben. Auf Antrag des Vorstandes wurde von der Generalversammlung die Taxationshöchstsumme für ver­sicherte Pferde auf 3000 Mk. festgesetzt. Das Vereinsgebiet erstreckt sich auf Mdda und Um geigend, die Verwaltung des Vereins ist völliw kostenlos.

<lOrtenberg, 3. März. Am Dienstag, den 13. März, vor­mittags 9 Uhr, findet hier der sogenannte Gregorimarkt, ein Scküveinemarkt, statt. Ter Antrieb erfolgt am Eingang zum Pflan­zenländerweg. Der Stadtvorstand bewilligte in seiner Sitzung vom 27. v. Mts. zur Großherzog-Ernst-Ludwig-Jubiläumsspende einen Betrag von 100 Mk., damit erreicht die gesamte für diesen Zweck in unserer Gemeinde aufgebrachte Summe den Betrag von 888,40 Mk., außerdem bewilligte die hiesige Bezirkssparkasse 1000 Mark.

Spielplm» de? Sietzener

Direktion: Hermann Steingoetter.

Sonntag, den 4. März, nachmittags 30, Uhr, bei kleinen Preisen:Könige.* Ende 6 Uhr. Abends 7% Uhr, bei kleinen Preisen:Wie einst im Maick Ende l"'/. Uhr. Montag, den

5. März, abends 7 1 /, Ubr. bei gewöhnlichen Preisen (ermäßigt), 1". TienStag-Abonnements-Vorstellung: »Goldfische/ Ende nach 10 Uhr.

Universitäts-Nachrichten.

mr. Frankfurt a. M., 2. März. Prozessor P a g e n st e ch e r an der Universität Halle hat einen cm ihn ergangenen Rui auf den Lehrstuhl für Zivilprozeß, bürgerliches Recht und Rechts­vergleichung an der Universität Frankfurt a. M. angenommen.

Handel.

Prtissteigtrung für Tabak in Oesterreich-Ungarn.

Wien, 1. März. (WTB.) Infolge der gewaltigen Steigerung sämtlicher Produktionskosten sah sich die österreichisch-ungarische Mono pol Verwaltung genötigt, die Erzeugnisse der Tabakregie einer neuen Preissteigerung von durchschnittlich 30 Prozent zu unterziehen. Infolge der andauernden Schwierigkeiten in der Beschaffmrg der Rohstoffe und mit Rücksicht auf tue steigernden Anforderungen der Heeresverwaltung ist es vorläufig nicht möglich, gleichzeitig den bereits sehr empfindlich gewordenen Tabakmangel zu beheben, zumal es Sorge der MorropolverwalUmg sein muß, mit den vorhandenen Rohstoffen derart haushälterisch umzugehen, daß ein Durchhalten bis zum Kriegsende gewährleistet ist.

Briefkasten -er Redaktion.

Muouyme Aufrageu bleibe» u»berücks»chtigt.V

r. c. £. Nach § 9 des Hilfsdienstgeseyes darf niemand einen Hilssdienstpflichltigen in Beschäftigrmg nehmen, der bei einer mit Kriegs!ieserimgen beauftragten Stelle beschäftigt ist, sofern der

Hilfsdienstpflichtige nicht eine Bescheinigung seines letzten Arbeit­gebers darüber beibringt, daß er die Beschäftigung mit dessen Zustimmung aufgegeben hat.

Weigert sich der Arbeitgeber, die von dem Hilfsdienstpflichtigen beantragte Bescheinigung ausMstellen, so steht diesem die Be­schwerde an einen Ausschuß zu, der in der Regel für jeden Bezirk einer Ersatzkommission zu bilden ist. Erkennt der Ausschuß nach Untersuchung des Falles an, daß ein wichtiger Grund für das Ausscheiden vorliegt, so stellt er eine Bescheinigung aus, die in ihrer Wirkung die Bescheinigung des Arbeitgebers ersetzt.

Wenden sie sich dieser halb an das Bezirkskommandv,

Monat!, llederficht der Todesfälle in der Stadt Sieb««.

Monat Januar «917.

Einwohnerzahl: angenommen zu 33100 (inkl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 25,08 °/#- Nach Abzug von 37 Ortsfremden: 11,6 °/ 09 .

Es starben an

Zus.

Er­

wachsene

Kinder

tat 1 Lebens- vom 2. bi» jahr IS. Jahr

Angeborener Lebensschwäche

KD

1(1)

Diobtherie

6(5)

6(5)

Tuberkulose der Lungen

7(3)

6(2)

1 (1)

Tuberkulose anderer Organe 2 (1)

KD

1

Altersschwäche

9(1)

9(1)

Rose

anderen Wund-

1

1

--

iufektiouskrankheiten

2(2)

2(2)

^lkuter allo. Rüliartuberkulose 1 (1)

KD

Lungenentzündung

4(2)

1(D

2

KD

Jnsiueuza

Kr.nikhellen der Kreislaufs«

1

1

organe

12 (7)

11(6)

MD

Gevlruschlag

anderen Krankheiten de?

3(1)

3(1)

Nervensystems

3(2)

3(2)

'lltiuddal mentzündung Krankheiten der vorn-

2(2)

KD

Ml)

und Geschlechtsorgane

2

2

Krebs

4(2)

4(2)

anderen Neubildungen

4(4)

3(3)

1 (1)

Verunglückung anderen benannten Todes-

1 (1)

Ml)

Ursachen

4 (2)

3(1)

Ml)

öumma 69 (37) 51 (24) 5 (3) 12 (10)

Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle m der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Veröffentlichung des ÄroßH. Kreisgesundheitsamts Gießen.

Dr. W a l g e r, Med.-Rat.

Meteorologische veodachtung'>n der Station Sicher

März

1917

r->

ü. c E® | 2

a «

N

-2 ** v *3

<w

9 >->

ß *

L >2

Oi

'S

Q tt

ä i sr 2

CO

a, 2

9 <3> öl

S «* CO

CB

E

2

-s

V

JO

B

Ä

a

Z

« i-vi

u « «

M

x*i

Wetter

2.

2

2,7

5 3

95

10

Rege«

2.

9"

1.8

5.0

95

10

Bed. Himmel

3

7 ,J

0,2

3.7

80

10

» n

Höchste Temperatur am 1. bis 2. März 1917 ---- + 3,8* C. Niedrigste * 1. 2. . 1917 =0,9* C.

Niederschlag: 1,6 min.

Line Max Klinget = und Otto Greiner - Ausstellung in Leipzig.

Aus Leipzig wird uns geschrieben: Zwei Ausstetlungen von Hrngckwöhnlicher Bedeutung vereinigt gegenwärtig Leidig., die eine dem Gedächtnis des alltzü früh verblichenen Otto Greineir gewidmet, die andere dem großen Leipziger Meister Max Kling er, der am 18. Februar das 60. Lebensjahr vollendete. Die Greiner-Ausstellung des Kunstvereins umschließt in einer bis­her noch nicht erreichten Vollständigkeit das gesamte Lebenswerk des Künstlers. So ermöglicht sie vor allem einen' Ueberblick über seine Entwicklung. Im Oelgemälhe entfaltet er sich immer freier und leuchtender zu ungebundener Freilichtmalerei. Die Art seiner Arbeit, sowie vorbildliche und bis in die feinsten Züge geradezu korrekte Strenge gegen sich selbst läßt sich besonders an den Ar­beiten des Graphikers verfolgen, im Vergleich der verschiedenen, hier gebotenen Truckstuftmgen. Im Oberlichtsaal dominiert das MvnumentalbildOdysseus und die Sirenen". Bon besonderem Interesse erscheint der als.Pastellffftze vorliegende Entwirrf eines Bildes für dieDeutsche Bücherei", in tiefer, geistiger Stnnbvlik lntb doch dabei^ emprägsanrster Deutlichkeit. Die Berührimg von Ewigkeit und Sinnlichkeit in der Kunst wird durch eine Fmuen- gestalt verkörpert, die einen Kuß empfängt von rinem ihr sich neigenden himmlichen Wesen. Spielende Kinder und eine Gruppe lieber Mädchengestalten ralz-rnen das Bild. D-i-e großen Genim der Menschl/eit scheinen glerchsanr herein in diese Schöpfung der Anmut und des verlebendigter Ewigkertsbetriebvs in der Kunst.

Im Umfang geringer, aber in dem Gebotenen überaus be- nrerVens^oert ist die bei Beper und Sohn gezeigte Klinger- Ansstelluug. Ta fesselt vor allem die reichhaltige Exlibrissaulrnbung Dr. Geo r g H irzel s , die rrur einen Teil seiner .irmsassendcn Klmgersammlrmg darstellt. Das, was wir an Klinger bewundern Mw lieben, offenbart sich auch in diesen kleinen Arbeiten, ideelle D^tiefung und ein innerstes Ergreifen des Wesens. .In die Ent- stehrmg der wunderbaren Zeltdichtung des Meisters führt eine Msftellrmg zahlreicher Drucke ein. Beiläufig sei hier erwähnt, ^ Leipzig in diesen Tagen einer Parkanlage

rn der Nahe von Klmgers Haus zum Ausdruck seiner Verehrung den Namen .Amgerheim gegeben hat. Dr. F. S.

. , E^fFtrn Berlin. Drervi«rtel Jahrhmrdert sind jetzt ver­flossen, seit Xmt ganz Berlin in Aufruhr versetzte. Ende De- zember 1841 war er nach Berlin gekommen, um eine Reil-e .Kon- zu gebeir Innerhalb zweier Nüonate, Januar und Februar gab Lis^t 21 .Konzerte, zehn in der Smgukadenrie zwei im großen Saale des Universitätsgebaudes, vier im großen Opern­

hanse, drei im Saale des Hotel de Russie und zwei im großen Kor^ertsaale, neun davon zu wohltätigen Zwecken. Da er auch sonst mit großer BereittEigkeit Unterstützsmgen gewährte, wurde er mit Gesuchen so überschüttet, daß man schließlich die Briefe in der letzten Woche allein über tcrusmd Bitten um Geld unge­prüft verbrennen mußte. Aber außer in den öffentlichen Konzerten spielte Liszt noch bei Hofe, in Fweimaurertogeu und in zahl­reichen Privatgesellschaften, die seinettvogen veranstaltet nmrden. Am 12. Februar erfolgte seine Ernennung zum Mitgliede der Akademie der Künste, und am 18. veranstalteten die Koryphäe!! der Wissenschaft und Kunst ihm zu Ehren ein Festinahl. Zwischen den: Generalintendanten der Hofbühne. Grafen Redern, und dein Rektor der Universität hatte er bei dieser Tafel feinen Ehrenplatz. Während der Tafel wurde Liszt durch die Komponisten Meperbeer und Felix Mendels so hs^Bartholdp im Namen der Ge­sellschaft als Ehrengesck>enk ein großes, 100 Dukaten schweres, aus feinstem Golde getriebenes Medaillon überreicht mit dem erhabe­nen Bildnis des Künsllers und der Inschrift:Dem Genius, dem Künstler von Geist und Gemüt, dem ElwenlTmnn von Gesinnung und Charakter, Franz Liszt, in dankbarster Erinnerimg an schörre Stunden der Begeisterung die Kunstgenossen und .Kunstfteunde in Berlin, den 18. Februar 1842". Mer auch die Jugend blieb nkfyt zurück, um den Künstler zu feiern. Liszt hatte ein Konzert geg-eben, aus dessen Ertrag er den Kleuckinderbewahraifttalten 500 Taler ziu- waichte. Infolgedessen erschienen eincä Morgens Hunderte dieser Klain-en, alle unter sschs Jahren, von ihrem Lehver geführt, in dem Gaschause, in dem Liszt abgestiegen war, und empftngen ihn, als er, von der Anwesenheit dieser Gäste benachrichtigt, im Saal erschien, mit dem Gesänge ,>Lobt froh den Herrn, ihr jugend­lichen Chöre." Liszt, zu Tränen gerührt, küßte die Kinder der Reihe nach ab. Erchlich, am 3. März, verließ Liszt Berlin. Am Tage seiner Abreise, um die Vtittag^ieit, gab er noch ein Konzert zum Besten bedürftiger Studierender. Die Straßen in der Nähe des Kvnzertlovals waren mit Tausenden von Menschen gefüllt. Die Studierenden hatten ihm ein glänzendes Geleite bereitet. Er selbst mußte einen nrit sechs SckstnrmelN bespannten Wageir be­steigen: dreißig einspännige Wagen und fünftz^ Reiter und außev- dem Studenten in festlichem Wichs bildeten den Zug, der sich nur mit großer Mühe durch die unabsehbare Dienschemnasse Bahn brach Als man Friedrichefelde erreicht hatte, versammelte nuin sich im Saale des Schjtosfas, das der gastfreie Besitzer zur Ver- fügurrg gestellt hatte, urrd der ungarische Nationalmarsch begrüßte den Künstler, worauf dieser gerührt sich von der studierenden Jugend Berlins verabschiedete.

Eine neuentdeckte Sprache. Sir Aurel Stein, der bekannte englische Forschungsreisende mit dem guten deutschen Namen, hat aus seiner letzten, vor etwa einem Jahre abgeschlossenen

Reise durch Zenttal-Asien bei den Gebirgsbewohnern von Pamir eine bisher unbekannte Sprache erttdeckt. In Jshkashim am südlichen Nebenlauf des Oxus, einer Gegend, die bisher den Forschern nur dem Namen nach bekannt war, gelang es ihm, Wvrte dieser Sprache zu sammeln, die er dem Erforscher indischer Sprachen, Sir George Grierson, übermittelte. Dieser konnte aus dem ihm übergebenen Material einen grammatikalischen Entwurf und eine Wörtersamm- lung zusammenstellen ... Die Ghalchah-Sprachen bilden eine Gruppe unter den iranischen Malekten, die . in Pamir gesprochen werden. Das Wakhi, Shighni, Sarigoli und Nudgha sind schon seit ' etwa 40 Jahren bekannt. Es war zwar längst bekannt, daß in den zerklüfteten Gebieten des oberen Oxus noch andere Sprachen ge- boäuchlich ftnd; aber es gelang nicht, etwas Bestimmtes bezüglich derselben zu erfahren. Dem erwähnten Sir Grierson gelang es zwar schon früher, aus gesammeltem Material zwei andere Dialekte festzustellen: es sind dies das Munjanji, das im Munjan-Distrikt, der durch seine Lapis Lazuli-Minen berühmt ist, gesprockwn wird, und das Zebayi, das in dem Gebiete rund um den Zebak, cinmi Nebenfluß des Oxus, gebräuchlich ist. Jetzt bat Stein Dokumente in einer siebenten, bisher unbekannten Sprache, (gesammelt, die iti Jshkashim gesprochen wird. Diese Dokumente umfassen eine Wortx sammlung und eine VoWgeschichte, die in Jshkashim selbst aus­genommen wurden. Dem Sprachforscher Sir Grierson gelang es nun, endgülttg die Verwandtschaft des Jshkashim mit den Ghalchah- nnd den alten iranischen Sprachen nachzuweisen. Am nächsten steht sie dem bereits genannten Zebaki, hat aber auch einige Gemeinsckmf- nnt dem mehr bekannten Wäkhi. Diese Ghalckmh-Dialekte besitzen viel interessante Eigenarten, die, obwohl entschieden iranisch, doch! sehr verschieden vom Persischen sind. Sie weichen von diesem eben­soviel ab wie das Spanische vom Franzöftschm und gleichen viel, mehr dem in Afghanistan gesprochenen Paschto. In chren unzu­gänglichen Bergen sind sie vor der Vernnschung mit anderen Spra< chen völlig bewahrt geblieben.

- Die Uraufführung einer Serenade. AuS Berlin wird uns geschrieben: In seinem letzten Konzert mit dem Philharmonischen Orchester brachte Felix von Weingartner Heinrich NorenS Serenade op. 48 zur Uraufführung. Das vorwiegend heitere Werk besteht aus vier Teilen, von denen der zweite (Scherzo) und der dritte besonders gelungen sind, während die Ecksätze durch ihrem seelischen Gehalt nicht entsvrechende Längen ermüdeten. Noren arbeitet stark mit Ganztonsortschreitungen und großen Terzen und verwendet reichlich viel Schlagzeug. Das Scherzo, und der ihm folgende nächtliche Reigen sichern der Sere­nade wohl weitere Verbreitung. Zu einem modernen Tanzpoem würde diese Musik vorzüglich wirken. Weingartner tat alles, um die Philharnwniker und seine Hörer für die Neuheit z»l erwärmen.