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30.3.1917 Zweites Blatt
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m. 16 Zweites Blatt *67. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

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General-Anzeiger für Gberheffen

Srrttag. 30. !0>7

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Hessischem Landtag.

Erste Kammer der Stünde.

Darmstadt, 29. März.

Mn Regierung'Skische: Tie drei Minister und mehrere Re­

gierung skommissare.

Vizepräsident Exz. Freiherr Heh l zu Hernsheim eröffnet die Sitzung um LÖVt Uhr. Das Haus tritt sofort in die Tagesordnung ein. Zunäckfft wird die Regiernzi.gsvorla.ge, bett. die Gewährrmg von Slaatsdarlehen an vom Kriege betroffene Personen beraten. Der Erste Ausschluß (Beri/chcherstatter Oberbürgermeister Dr. G ö t t e l m a n n) kann sich mit der dieser Vorlage in der Zweiten Kammer gegebenen Ausdehnung nickst einverstanden erklären, durch welche die Grundlage der Regierungsvorlage vollständig verlassen und der Persvnenkwis der Tarlehnsanwärter in einer Weise er- ,vettert wird, die die größten Schwierigkeiten sowohl bei der Aus­führung wie in finanzieller Hinsicht befürchten läßt. Der Ausschuß beantragt darnach -die dürnahme der Regierungsvorlage und des Antrags Köhler, das Wort Darlehnszinsen inZinsen" umzu­wandeln, jedoch die Ablehnung des von der Zweiten Kammer an­genommenen Znsatzanttags -Henrich, wonach der Personenkreis auch auf Krieg svellnehmer aus dem Stand der kaufmännischen, technischen und sonstigen Privatangestellten ausgedehnt werden sollte.

Das Haus ninttott diese Ausschußcmträge ohne Debatte an.

Es begrünt.sodann die

Beratung des Staats Voranschlags für 1917.

Der Berichterstatter des Ausschusses, Oberbürgermeister Dr. Göttelmann erstattet -miurdlichen Blickst darüber. Er stellt zuerst mit Genugtuung fest, daß der neue Staats Voranschlag ein freundlicheres Gesicht zeigt, als seine beiden Vorgänger. Die Verhältnisse haben sich im Laufe des Vorjahres soweit geklärt, daß für das Jahr 1916 bereits wieder ein ausführlicher Voranschlag ausgestellt werden -konnte, der unter gebührender ^Rücksichtnahme ans die Anforderungen des Kriegszustandes den Staatshaushalt wieder geordneteren Bahnen znführte, allerdings irur unter einer lLprozentigen Steuererhöhnng. -Es darf heute mit Genugtuung festgestellt werden, -daß btt Einstellung der deutschen Volkswirtschaft auf die Kriegsverhältnisse einen sicheren Ueberblick über die ini Rechnungsjahr 191.7 zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben ermöglicht, der zugleich einen erfreulichen Aufschwung des wirt­schaftlichen Lebens dartut. Rach dieser Feststellung erörtert der Redner dmm die einzelnen Posttionen.

Finanzminister Tr. Becker stellt fest, daß die Stacrtsffnanzen den Krieg über alles Erwarten gut Überstunden haben. Roch immer find stark znsammengeschmolzene Resersesonds vorhanden. In die Zukunst kann niemand einen Blick tun, soviel fielst fest, daß die nächste Zukunst den Einzelftaaten große kriegswirtschaftliche Aus­gaben bringt. Der Minister stimmt der Errichtung besonderer Fonds aus der Holzreserve soivie den Weindomänen zu. Diese sollen zur Deckung außerordentlicher Kriegsausgaben Verwendung nribm. Ter Ausnützung der Hockstonjunkkir sielst der Arbeiter- Mangel hindernd entgegen. Bei den stark ivechseLnden Erträgen! des Weffibaues muß ein Ansgleichssvnds geschaffen werden.

Oberbürgermeister Tr. Göttelmann beurerkt, der Ausschuß fei der Ansicht, daß die gegenwärtig hohen Erlöse aus dem Wein­bau die Schaffung eines besonderen Fonds ermögliche, denen der auS den hohen Konjunkturpreisen sich ergebende Mehrerlös zu­zuführen wäre, durch den für die nächsten Jahre die Einnahmen aus verkauftem Wern in dem vorschlaysmäßigen Betrag von 200000 Mark gewährleistet werde.

Damit ist die allgemeine Debatte beendet

Bei der Einzelüeratung werden die Kavitel 112 ahne weitere Debatte nach den Ausschnßmrträgen genehmigt, bei Kap. Wein- daudomänen auch der Antrag auf Bildung eines besonderen Fonds.

Es folgt dann zunächst die Beratung über die Kap. 98113, Etat des Finanzministeriums, die ohne Debatte nach den Aus- fchußanträgen angenommen werden. Werter werden angenommen die Kap. 114116b und 117, daraus Kap. 13 Landstände und die Kap. 6422 Staatsministerrum.

Bei Kap. 20, Rheinschiffahrt, bespricht Geh. .Kommerzienrat Tr. Bamberg er das Donau-Rbeinkanal-Projekt, dessen Aus­führung ein absolut notwendiges Erfordernis sei. Es wäre auch­eine Beteiligung des Staates gewünscht und es sei zu bedauern, daß sich bisher nur so wenig interessierte Städte der Sache an-, geschlossen hätten.

Das Kapitel wird daraus genehmigt, ebenso die Kap. 23 und 34. Bei Kap. 35, Kirchen, mackst

Domkapitular Dr. Bendix allgemeine Ausführungen. Er erörtert zunächst die finanziellen Anforderungen der katholischen Kirche und deren Verschiedenartigkeit für die beiden christlichen Konfessionen. Er würde es lebhast begrüßen, ivenn es gelingen: sollte, den eigentlichen Stein des Anstoßes zU beseitigen, der in) diesen verschiedenen Anforderungen bestelle. Ter Redner erörtert daraus die Handhabung des Ordensgesetzes in Hessen und erwähnt die darüber in der Zweiten Kammer gepflogene Debatte. Er gebe zwar zu daß die erste Erklärmig des Minjisttrs v. Hombcrgk nickst so ablehnend gewesen sei, wie sie zuerst vom Abg. Di'. Schmidt in der ersten Erregung ausgefaßt wurde, er müsse aber doch sagen, vaß die katholische Bevöllerung von der Regierung mehr Ent­gegenkommen erwartet hätte.

Domkapitular Dr. Bendix führt iveiter aus, er beutteile die Verhältnisse nicht als Parteimann, sondern als Vertreters seiner Kirche. Bei den Verhandlungen in der Evang. Landes^ synode bedauere er, daß durch die dortigen Redner Wer die Ordens- frage eine Beunruhigung xn die evangelische Bevölkerung ge-, tragen werde. Das Mißtrauen über den Abban der Ordensgesetz­gebung sei ungerechtfertigt. Er müsse fragen, wann und wo di« katholische Kirche die Entwicklung, der evmrg. Kirche in Hessen zu beeinträchtigen hersucht habe. Der Redner gibt dann eine ge* schichiliche Uebersickst über die Entwicklung des Bistums Mainz». Das schon aus der Minerzeit stammende Bistum sei in dem jungen evangelischen Staat ^Hessen vielfach eingeengt worden^ Die ersten 70 Jahre seien vielfach von hesttgen Kämpfen erfüllt gewesen. Auch sei per Bischofssitz während dieser Zeit melw vakant als besetzt gewesen. Der evang. Einfluß sei in der rein katho­lischen Bischofsstadt immer mehr vorherrschend geworden. Der Redner eröttett noch die Frage der Zulassung einzelner Orden. Im Kriege habe mau die Hilst der Orden dankbar angenommen, im Frieden aber sei z. B. den Jesuiten der Zutritt ins Land verboten. Tie Erklärung des Ministers, daß er auf Grund der im Kriege gemachten Erfahrungen zu sehen wolle, inwieweit ein­zelne Bestintnnmgen des Ordensgesttzes abgeändett werden könn- ten, sei in der Tat beleidigend für die Ordensschwestern und die katholische Kirche. Sie wünschten nicht die (Bewährung eines Almosens oder Ehrungen für ihre Leistungen im Kriege, son­dern sie betrachten die Beseitigung der Llusnahmebestimmungen für ihr gutes Reckst. Die Abhängigkeit in der Zulassung der Ortstu, und die Entscheidung über das Ordensgesetz durch die Zweite KamUwr sei bedauerlich.

Minister des Innern v Hombergk erklärt dem Vor­redner: Die Vorarbeiten M der Regelung des finanziellen Ver­hältnisse zwischen Kirche und Staat wurden durch den Krieg unter brocken. Es sei Angegeben, daß ein Unterschied zwischenj den Staats zu schössen zu der katholijchen und der evangelisches Kirche bestehe, indern die erstere mobil ist, die andere fixiert ist. Ten kirchen politischen Ausführungen haben nstr mit Interesse gelauscht, sie vermögen jedoch den Standpuarkt der Regierimg

nicht zu erschüttern, daß während des Krieges lmtet keinen Um­ständen in Verhandlungen über die Ordensgesetze eingetttten wird; die Interpellation des ,2lbg. Dr. Schmitt lMb-e bereits starke Er­regung herv-orgerufen. Der Minister bezieht sich auf seine Erklä­rung in der Zweiten Kammer. Sttbswerstchrdlich »verde die Re­gierung suchen, einen Boden zur Verständigung zu finden.

Domkapitular Dr. Bend ix hofft die Worte des Ministers so auffassen zu dürfen, daß die Ecfilllung der Wünsche der katholi­schen Kirche nicht ausgeschloffen sei. Die Regierurcg solle ja auch schon in der Kriegszeit ernste Erwägungen über die Förderung des konfessionellen Friedens anstellen

Rach einer Frühstückspause setzt das Haus die Einzetberatung des Staats Voranschlags fort. Die Kap. 36 und ff. bis 59, Landes- universität. Technische Hochschule, Gymnasien, Realschule, Volks­schule uss. werden ohne Debatte nach den Beschlüssen der Zweiten Kvmmer genehmigt.

Bei Kap. 59 a

Förderung der Wvhnungssürsorge für Miuder- , bemittelte

hcrbän die Herren Exz. Frh. v. H e y l und Erbmarschall Frhr. Lud­wig R i e d e s e l zu Eisünbach einen Anttag eingebrackst, bett. die staatliche Verbürgung ztteiter Hypotheken fiir die .Herstellung ge­sunder Kleinwohnungen.

Nachdem Exz. Frhr. v. Hühl den Vorsitz an Erbmarschall Frhr. von Rieidesel übertragen hat, begründet er eingehend seinen Anttag: Die Wohnungsgesetzgebung in Hessen sei in vielen anderen Bundesstaaten vorbildlich geworden. Die Pflege des Mein-! Wohnungswesens sei eine alte Domäne der Ersten Kammer. Preußen sei erst 14 Jahre später dem Beispiel Hessens gefolgt. Der Redner gibt einen längeren Ueberblick über den allgemeinen Stand der Meinwvhnungssürsorge in den verschiedenen Bundesstaaten und be-< gründet darnach seinen Antrag, der vor allem schon rasch und vor Schaffung langwieriger Reichsgesetze den zurückkehrenden hessischen Kriegern Unterstützung bei der Errichtung von gesunden Kleiir- wohnnngen durch Gewährung staatlich verbürgter zweiter Hypo­theken bieten soll. 1

Aus Antrag des Grasen Erbach-Fürstenau Erl. wird der Antrag einstimmig dem Ausschuß überwiesen und darnach das Kapitel genehmigt, desgleichen die folgenden Kapitel des Ministers des Innern. >

Beim Kap. 75 a verteidigt der Präsident der Landnirffchafts- kammer. Geh. Oekonomierat Walther die wirtschaftlichen Maß­nahmen der Landwittschastskanimer gegenüber den Angriffen des Abg. U e b e l in der Zweiten Kammer.

Dann lwerden die weiteren Restkapitel des Staatsvoranschlages ohne Debatte angenommen, auch das Finanzgesetz genehmigt. Es folgen noch Rückänßerungen der Zweiten Kammer, worüber ^Ober­bürgermeister Dr. Gökteil mann Bettcht erstattet und die Be­schlüsse der Zweiten Kammer mitteilt. Bezüglich des von der Zwei­ten Kammer gefaßten Beschlusses Wer die Bildung eines Fonds bei der Weinbaudomäne beschließt das Haus, auf seinem Beschluß zu ibeharren, die übrigen Dissense sind durch Zustimmung der Zwei­ten Kammer erledigt.

Bei Kap. 116 b, Nachträge, begründet Oberbürgermeister Dr. Göttellmann folgenden Äusschnßantrag:Großh. Regierung zu ersuchen, den Staats- und Tienstanwättern bei läirgerer Dienst­zeit eine weitere Erhöhung ihrer Vergütung zu gewähren, jedoch nicht Wer den Betrag hinaus, der ihnen bei definitiver Anstellung znsteht." Das Haus stimmt diesem Anträge zu.

Tie weiteren von der Zwckten Kammer fettiggestellten Re­gierungs vottagen, Anträge und Vorstellungen werden nach den Anssckmßanträgen erledigt Der Voranschlag über die Ausgabe- bedürfnisse der Ersten 5tzavrmer im Rechnungsjahr 1917 wird an­genommen.

Damit ist die Tagesordnung erschöpft und Vizepräsident Erz. Frhr. v. Heyl schließt die Sitzung um 1.43 Uhr. Das Haus ver­tagt sich aus unbestimmte Zeit

Zweite Kammer.

Am Regierungstische einige Regierungsvettreter.

Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um IO 1 /* Uhr.

Aus der Tagesordnung steht zunächst daS .Hundesteuer-Gesetz. Nack einer kurzen Anfvage des Abg. Wolf-Stadecken wird das ganze Gesetz mit groß-er Me ln heit trotz der zustimmenden Anttäge des Ausschusses abgelehnt. Sodann wird das GesetzTie außer­ordentliche > Ergänzung der ^Gemeindevertretungen während des Ktteges" von der Beratung abgesetzt.

Zimt Antrag Dr. Schmitt, Fleischversorgung betreffend, und dem Antrag Wolf- Stadecken tu gtddjcm Betreff empfiehlt §lbg. W o l s - Stadecken noch'eininal seiinm Antr'ag, die Wvckzen- rationen von »Schweinefleisch und Wurst für »SeLbstsvrger (Mäster) nach Maßgabe, der Zahl zum Verkauf gemästeter Schiveine für alle .Haushalttmgen von vier imtb mehr Personen zu erhöhen. Er be­merkt dazu, daß es nicht ricküig sei, daß die Landwirte in 'SauS und Braus lebten. Meckdings gehe es ihnen besser wie den Städtern. Es sei sehr nngeveckst gewesen, wenn der Abg. Ulrich in einer früheren Sitzung den Zwischenruf gemuckst habeTie Bauern haben uns bemogelt!" Ter cktedner beschwert sich über die Kar­toffel-Verordnungen, die bei dem jetzigen Wetter unanMhrbar seien. Er IMft, daß die Regierimg m zukünftigen Fällen die Bauern zuerst.hören werde.

P&g. Tr. Schmitt (Zentr.) fragt air, ob der unzweckmäßige Vetteilungsmaßstiab fiir Fleisch geändett worden sei.

Geh. Ober-Med.-Rat Tr. Lorenz errtgeguet, daß die Ber- !)andlnngen zuxh nicht zum Mschluß gekommen seien. Die Vvr- schttslen über die Beoeckmrmg des FleffchkonsirmS >der Selbstversorger seieir vom Kriegsernährungsamt festgesetzt. Danach^ hätten diese vom ersten »Ä)wein pro Kops und Worhe 300 Grarmn frei.

»g. Ealman snattck beschstvert sich über die unnötigen Tvanspotte des Bichs. ^ ^

Abg. Dr. Osann mackst daran? aufmerksam, daß zu 5kap. 116b der Mittag, den StaatsMiwättern bei längerer Dienstzeit nZeitere Erhöhungen ihrer Pergiltungen, jedoch nickst über den Bettag hinaus, der ihueu bei deftnitiver Anstellung zusteht, zu gewähren, uoeb nickst angenommen sei. Der .Antrag wird daranffiin ohne Widerprsuch angenomtmen. ^

Abg. Ulrich (»Sl^.) bczcickstret es als unrichtrg, daß die Bauern nicht gehört worden seien; sie würden sogar sehr gehört; es sei iricht seine Absick>t, die gegenseitige Mnuvosttät zu steigern, er müsse aber doch seststellen, daß es in Okfenbach »ft nur Gramm >und manchmal gar kein Fleisch gegeben habe. Aus deni Lande braruckste keiner zu hungern, in der Stadt konnten aber selbst

Bessersituierte nichts bekommen. ^ r J ^_ _ cr (

Abg. Fenchel (Dbd.) Kommt aus die Ossenback^er MT-tzosset- Angel egen lieit zurück. hätte dar Kvnnmsswnar m Bermtt-

w-ortnng ziehen müssen. Datz die he^sischar nicht genügend

mit Fleisch beliefert worden seien, lwge am Versagen emer Anzahl Pvooinzen, die von der ^teichssleisclUstelle nnt der Lieferung traut wvudeu seien. Er bittet, daß ^. Lreftruns d-r felstmixn Mengen nachgehvlt wird. Es fehlt«! allem. 5730 «chlweme an der

^^Nwimehr behandelt das HauS die RückkmHennlgm der Ersten

Abg. Tr. Osann (iurttck berichtet namens des AuSschussts über die Tiffense der »Ersten Kammer zum Hauptvoraiischlag. Zu >kapitel 2 l-atte die Erste Kammer die Bildirng eu«s Re»err^oiids ans den beabsichtigten Rrehrsalümgen des H^zbettwides,empfohlen.^ Ter Redner empfiehlt Antritt, der einswm«g ersvlgt. W

Kapitel 3 habe die Erste Kammer beschlossen, aus den Mehrern- .lahmen der Weinbaudomänen ebeirsalls einen Fonds zu bilden und denr Etat darmis 200 000 Matt zuzuffihren. Der Redne» empfiehlt Ablelprung, da nickst angängig sei, sich bei^ her Absührmig der genamtten Sunrme LUm Etat zu binden. Die Bildung des Fonds könne man an und für sick) begrüßen.

Mg. Tr. Weber (Bbd.) begründet die Abletstnmg seiner Fraktion. Es tvird irr diesem Süure ^schlossen.

Abg. Dr. Osarrn (nall.) fährt in seinem Referat sott und berichtet, boft zur Frage der Anstellung der Bauaspiranten die Erste Kammer einen ctivas anders formulierten Antrag ange­nommen habe. Er empfiehlt Beitritt, der einsttnänig erfolgt.

Sodann berichtet Abg. Dr. Osann über die Stellungnahme der Ersten ztammer zu deni Gesetz betr. (öewährimg von Darlehen an vom .Kriege betroffene Personew Die Erste Kainmer habe den Antrag Köhler angeiwmmm, die Hereinzichung der Privatarrgr- stellten iu das Gesetz nach dem Anttage Henrich aber abgelehnt. Obgleich der Antrag ihin synipathisck- sei, empfehle er doch ange- sicksts des Widerstandes soioohl- der Ersten Kanrmec als auch der Regierung, den Antrag sollen zu lassen.

Nachdem Finanzministcr Dr. Becker erklärt hatte, daß bei Annahme des Antrages Henrich das ganze Gesetz scheitern werde und die AbtM- v. Brentano (Zentr. , Dr. O san n (natl.h Ul - rich sSoz.j, Docksch (Bbd., noch wiederholt das Wort ergriffen hatten, zieht Abg. Henrich (sortschr. Bpt.) seinen Anttag, zurück. .Er behält sich aber vor, ihn bei nächster Gelegenheit als selbständigen Anttag wieder einznbringen. Daraus erfolgt einstimmig der Bei­tritt zum Beschluß Erster Kammer.

DaS Haus kehrt daraus zur Beratung der Fleischversorgungs­anträge zurück. .. > ,

Abg. Dorsch (Bbd.) beschwert sich über das rücksichtslose Vor­gehen mancher Regierrmgsorgane bei, der Schweine-Jmpsung und über die Revision der Bahnreisenden. '

Abg. W olf - Stadecken l Bbd.i erklärt sich befttedigt über die Erklärungen der Regierung zur Frage der Abgabe von Speck und geht dann polemisierend auf die Ausführungen des Abg. Ulrich ein.

Geh. Ovtzrmedizinalrat Dr. Lorenz stellt fest, daß die hessisckst Regierung unschuldig sei daran, wenn im vottgen Jahre die von der Reichsfleischstelle überwiesenen Schweine nicht eingetrofsen seien und erklärt die Beschwerden deS Abg. Dorsch über die Handhabung der Schweine-Jmpsung mit dem großen Mangel an Tierärzten.

Abg. Ulrich .Soz.) bedauert, daß die Bettreter der Land­wirtschaft in der Kammer nickt Gelegenheit genommen habttr, die Lieferer von schlechten Karlosseln abzuschütteln.

Abg. Fenchel (Bbd.> stellt fest, daß die Landwitte die er­wähnten »Zünder durchaus vei'achlen und kommt daraus auf die Erklärung der Regierung über die Biehvcrteilung in Hessen zu­rück, die er fftt unbesriedige>id hält.

Die Anträge des Ausschusses iverden angenommen.

'Abg. Dr. Ö s a n n kündigt einen Ausruf der Zweiten Kammer zur sechsten Kriegsanleihe an und bittet um die Ermächtigung zur Abfassung des Aufrufs. Diese wird erteilt.

Darauf wird eine Vorstellung der Firma Mahn und Bär in Dieburg bett. Beteiligung an der MehlvetteilungSstelle für den Kreis Dieburg der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen.

Ein Antrag Grünewald (fottschr. Vpt.), die durchgebeade Arbeitszeit in den staatlichen Bureaus einzuff'lhren, wird abäelehnt

Eine Regierungsvorlage auf Beteiligung des hessischen Staates an der Reichsttocknnngsgesellschaft mit 10 000 Mark wird, nachdnn der Berichterstatter Abtz. So Herr (Ztr.) gebeten liatte, daß die Trocknung nicht an einem Otte zenttalisiert werde, angciwmmen.

Daraus ist die Tagesordnung erledigt und Präsident Köhler schließt die »Sitzung um IV» Uhr. Damit ist die Frühjahrstagung bv- cndet.

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in den Raumen der Vezirkssparkasse Gießen ist morgen von P bis \ 2 % Uhr geöffnet!

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, 30. März 1917.

Die Waffe der Daheimgebliebenen.

Reich ist reich, doch braucht'S Kredit!

Geld ist Waffe! Geld kämpft mit!

Zeichnet, zeichnet! Zaudert nicht!

dknr wenn jeder wacker sicht,^

Dürft Ihr sagen: Sieg in Sicht!

*

Das Hilssdienstgesetz.

Ter .Hansabund, Ortsgruppe Gießen, im Verein mit der Handelskammer, dem! Kaufmännischen Verein, dein Bürger­verein, dem T-etaillistenverein, dem OttSgewerbevevein, dem Groi- sistenverein und dem Verein Mitteldeutscher Industrieller verpflicks- teten sich gewiß ihren Riitgliedern nnd zahlreick)en und sonstigen Interessenten zu besonderem Tanke, als sie dieses Thema zum Gegenstand eines ans den vergangenen Mittwoch im Hotel Fürsten- bos festgesetzten BorttagSabends machten, zu dem der O^neral- scttetär des Deutschen Verbandes kaufmännischer Vereine, Baum, Franksutt, als Redner gewonnen worden war. Seine Ausführungen wüMgten theoretisch wie praktisch die einschlägigen Fragen in durckMls sachgemäßer Art, und lvaren vortrefflich, geeignete Klar-' heit zu schaffen und mißverstätidliche Auffassung zu beseitigen. AuS dem reichen Jnl)alt des fünfviertelstt'indigen Dottrages sei folgen­des hervorgehoben:

Tie Hcricpffache bleibt, die einschlägigen gesetzlickien Bestim­mungen ans ihre Tragweite und Brauchbarkeit für den Angestellten, Arbeiter usw. zu iintersuchen. Unser Hauptfeind, England, lvird rvr nichts zurückschrecken, um uns den Sieg noch in letzter Stunde strei-- tig zu machen. Es wird uns nicht gelingen, mit den Waffen den »Sieg erringen, lvenn wir nicht auch gleichzeitig alle noch schlum­mernden wirtsck)afllichen Kräfte wecken und nutzbar machen. Falsch ist die Annahme, daß d»r vaterländische HüsSdienst für genüsff BerufSgruppeil «ine Zeit zum Umlernen bedeuten wird. Es bandelt sich nicht darum, m öi glich st viel . l f r k f t e zu ge­winnen, sondern darum, sie am rechten Platze nnd in der rechten Weife zu beschäftigen und auszunützen. Das vaterländi sche Hilfsdienftgesetz ist kein Gesetz, das auf Raubbau ausgeht, son­dern es will unter lveitgehcndfter Ausnützung aller brachliegeuder Kräfte nicht schädigend eiutvirken auf etwaige für die Zukunft des Batettandes bedeutsame Faktoren physischer und ethischer Art

Eingehend beschäftigte sich der Redner nunmehr mit dem o r - g a n i f. a L o r i s ch e n Ausbau, in md chem das Gesetz zur AuS - sührung gelangen soll, und betonte, daß die Rritümrkuug aller be­teiligten Kreise durch entsprechende Ausschüsse in durchaus paritä­tischer Weise gewährleistet sei. AuS devölkerungsethrschelt Grmwen wurde davon abgesehen, die Bestimmungen deS Eiesetze^ auch ani die