Nr. 51
Lrjcheml täglich mit JfaSnatyH« be5 Sonntag«.
Beilagen: „«ketzener Zamilienblätter" und „Ureisblatt für den Ureis Gießen".
Vostfcheckkont»: Zrankfvrt am Main Nr. U666. vantverkehr: Gewerbebank Sieben.
Iß7. Jahrgang
ietzener
General-Anzeiger für Gberhefien
Donnerstag, 1. März 101-
ZwillingSrunddruck und Verlag: Brühl'icheUniversitäts-Buch-u.Steiudruckerei. R. Lange, Gießen.
Zchrifileitung. Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße?. Geschäs^stellen. Vertag: &061, Schriftleitung: 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.
Mb. Deutscher Reichstag.
84. Sitzung, Mittwoch, 2 8. Februar, 1 Uhr.
Am BundeSratKtisch: Helfferich, Graf Roedern.
Präsident Dr. Aaenlpf eröffnet die Sitzung.
vie erste cesmg des Etats
Wird fortgesetzt.
Bayerischer Militärbevollmächtigter General v. Koeppel: Der Abg. Scheidemann hat gestern aus Anlatz der sehr bedauerlichen Malzschiebungen heftige Angriffe gegen die bayerische Regierung gerichtet. Die Angriffe waren nicht gerechtfertigt und ich mutz gegen eine solche Beurteilung bayerischer Verhältnisse Einspruch erheben. Der Kriegsminster hat im Finanzausschuß . der bayerischen Kammer der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß das zuständige Generalkommando bei Annahme der Sühnegelder die beste Absicht hatte. Er hat aber auch erklärt, daß diese Maßnahme des Generalkommandos keine glückliche, sondern höchst bedenklich war. (Zurufe links: Na also!) Der bayerische Kriegsminister bedauert, daß keine Strafanzeige erfolgt war. Inzwischen ist die Angelegenheit denzu ständigen Gerichtsbehörden übergeben worden, deren Rechts- spruch noch auSsteht. (Lachen linkst)
Abg. Schiffer-Magdeburg snatl.j: Der Kanzler hat gestern mit Recht betont, daß wir in dieser Zeit an nichts, an gar nichts weiter zu denken haben, als an Kampf und Sieg. Die' F i d e i. kommißvorlage patzt in dieses große Bild aber auf keinen .'i-all hinein. (Lebh. Zustimmung links.) Kein Wort hat der Kanzler davon gesagt, das; wir jetzt außerdem noch ein Fidei- rommitzgesetz von einigen hundert Paragraphen erledigen müßten, -^chc gut! links.) Graf Westarp meinte, für Pommern bedeute die Vorlage ja eine Einschränkung des Fideikommißwesens. Darum geht der Streit gar nicht. Wir wenden uns vielmehr dagegen, daß die Institution des Fideikommißwesens überhaupt ge- ^tzli'ch stabilisiert werden soll (Sehr richtig! links), und zwar noch vor Ablauf des Krieges. Die Fideikommitzvorlage bedeutet zweifellos eine Begünstigung des Grotzgrundbeiitzes. DaS kann niemand bestreiten, denn es fehlt in der Vorlage die mindestens ebenso wichtige Festlegung für denkleinereu Grundbesitz, das heißt die innere Kolonifatton. (Sehr richtig! finite.) Das ist doch aber das Mindeste, was wir verlangen müssen. Es ist gerade umgekehrt, wie Graf Wefiarp ge
lagt hat. Wenn man im Kriege eine so heißumstrittene Vorlage, wie es das Fideikommißgesetz ist, erledigt, dann mutz auch Zeit für eine Wahlrechtsvorlage da sein. (Stürmische Zustutunung links.) Jedenfalls patzt 'l>aS Fideikommitzgesetz in die Sttmmung unserer Zett. in die Gesamtlage unseres Volkes nicht hinein, und wir würden uns freuen, wenn es gelingen würde, diesen Fremdkörper jetzt verschwinden zu lassem (Lebhafter Beifall links.)
Mit feierlichem Ernst hat das deutsche Volk den Beginn de« u n eingeschränkten U-Boot-Krieges begrüßt. Einmütig fleht es hinter diesem Entschluß der leitenden Männer. An dieser Einmütigkeit ändert auch der Widerspruch des Abg. Ledebour nichts. (Sehr richttg!) Solche Einzelvorgänge stören ebensowenig das Gesamtbild, wie die erwähnte Z u s a m men- kunft im Hotel Adlon. Ich würde ein solches Beginnen, de n-leitenden Staatsmann zu stürzen, für sehr gefährlich halten, wenn ich eS sehr ernst nehmen müßte. Heiterkeit und Sehr richtig!) Aber diese Verschwörung im Hotel Adlon hrft doch etwas Groteskes an sich. Die Herren haben so ziemlich von allen Seiten Absagen erhalten, und deshalb braucht man sich mit ihnen nicht weiter zu beschäftigen, zumal wenn man nch mit den wirklich großen Dingen unserer Zeit zu befassen hat. Wer sich der Wucht von Zahlen, wie sie gerade dieser Krieg geschaffen hat, nicht verschließen kann, der muß mit uns zu der Ansicht kornmen, daß nnS eine Entschädigung für die erlittene Unbill auch in GeÜ> gewahrt werden muß. Gegen eine Annexion von Geld wird hoffentlich auch Herr Ledebour nichts einzuwenden haben. (Heiterkeit.) Bei der Durchführung des ungehemmten U-Boot-KriegeS find infolge eines Mißverständnisses holländische Schiffe vernichtet worden. Wir bedauern das lebhaft, und drefes Bedauern kann nur dadurch gemildert werden, daß wir keine Schuld daran tragen. Jede Schädigung Neutraler ist ein unglückliches Ereignis, kann aber nicht an unserem Entschluß zum U-Boot-.Krieg etwas ändern. (Sehr richttg!) Man hat auf Grund gewisser Verhandlungen mit Amerika und Dänemark an einzelnen Stellen die Vermutung geäußert, als ob v o n u n s e r e m Entschluß etwas ab ge bröckelt sei. Im Ausschuß sind uns beruhigende Erklärungen abgegeben worden, und eS wäre zu begrüßen, wenn auch hier in aller Öffentlichkeit eine solche Erklärung abgegeben werden könnte.
Der Reichskanzler bat uns geistern keine Zahlen über die Wirkung des U-Boot-Krieges mitgeteilt. Zahlen sind nicht die Hauptsache. Der Schrecken schreitet durch die Welt! Er lahmt die Welt, den Verkehr, die Zufuhr. Die Nordsee ist leer von neutralen Schiffen. Die Ausfuhr stockt. Die Schiffe drangen sich in den Häfen. „Alle Räder stehen still weil dein starker Arm es will!" (Zuruf links: Das'ist auch von emem Sozialdemokraten.) Sic sehen, ich bin vorurteilslos, ich n^me das Gute, wo ich es finde. (Heiterkeit.) Amerika!
Äon? e5 sich 0,1 die Seite unserer Feinde
^^ellt hat. darf uns aber nicht irre machen und nicht
(Beifall.)^ Die ^ Urwaldbäume wachsen auch in Amerika-nicht m den Himmel, besonders dann nicht, wenn sie n ™-r ® 0b . en be§ Rechts stehen. Den Neutralen gegenüber hat Wchon einen gewaltigen Mißerfolg erlitten, eine große ,f'nbub° «n Amehcn, (Sehr richtig,, Seine ichi§° .MtungL unklar. Das weist auf innere Schwankungen hin. Wir sind
f ruftet! unseren Bundesgenossen stehen ttnr felsenfest. Treue um Treue ! (Beifall ) ^
Das Volk muß sich mehr um Politik kümmern. Wie der Frieden auch aussehen mag, in redem Fall werden wir Kurland a ?a e? "ber a ls Befr e xe r auftreten müssen. Darauf muß ^Verwaltung Rücksicht nehmen. Ebenso nmß im Westen differenziert werden dm per Behandlung V la m e n u n d W a l I o n e n. Auf dem Gebiete der Ernährung würde unser VE willig alle Ent-
^i rU rÄÄ' lDEnn Hs 1 *® ^fühl hätte, das alles nach Recht und Gerechtigkeit ginge Organisation ist etwas sehr gutes, aber bei den Magensragen herrscht schon eine Ueberorganisation. Wir Een zu einer Konzentration der Kräfte auf diesem Gebiet rammen anstatt uns zu zersplittern. Was gibt es allein an 93 !vf wird allein an Kräften absorbiert d-urch Zu-
andigkeitssragen? Man braucht ja direkt einen Weg w c i se r
(Hetterkeit.) 1 ^ Kb€nen Kri e g s g eseNs cha f te n.
c ” euen Steuern haben sicher den Vorzug der Einfachheit
der Veranlagung. Be, der Höhe des Bedarfs wäre vielleicht doch
der Weg der Anleihe prakttscher gewesen. Gegen die Erhöhung
der Kriegssteuer können wir doch nicht alle Bedenken unterdrücken. Wir denken an die gewichtigen Bedenken, die Dr. Helsfe- rich als Schatzsekreiär gegen eine höhere Kriegssteuer geäußert hat. (Hört! Hört!) Gerade diese Erhöhung der Kriegssteuer gcht Veranlassung, daran zu denken, daß diese Steuer die Schuldigen und Unschuldigen in gleichem Maße trifft. (Sehr richttg!) Die unreellen Kriegsgewinne müßten viel schärfer erfaßt werden; g yt es steuerlechnisch nicht, so möge man diesen Gewinnen gegenüber ruhig konfiskatorisch Vorgehen. Das entspricht dem Empfinden des Volkes. (Beifall.) Je hoher die Steuer ist, desto genauer muß die Veranlagung sein, um Un- gerechttgkeiten zu vermeiden. Die Veranlagung zu einer so hohen Steuer kann nicht mehr von den Beamten der allgemeinen Landesverwaltung im Nebenamt erfolgen, sie muß durch hauptamtliche Steuerkommissare geschehen. (Sehr richtig!) Auf jeden Fall müsse die Steuer befristet werden.
Bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern sihreiten die Organisationen mächtig vorwärts. Heute ist für uns ein bedeutsamer Tag. Er ist der Erinnerung an die G r ü n d u n g d e t nationalliberalen Par tei vor 60 Jakhren geweiht. Schon in unserem ersten Parteiprogramm verlangten wir, daß die Zeichen der^Zeit beachtet würden. Man muß den Schluß aus den Tatsachen ziehen! Wenn wir den Geist dieses Krieges, dieses Heldentum, nicht in den Frieder: hinüberbringen, dann haben wir den Krieg verloren! Dieser Uebergang wird sich nicht ohne Kampf vollziehen. Von einem servilen Philistertum wollen wir nichts wissen. Staatsbürger wollen wir haben? (Beifall links.) Das Wort I'etal c'est moi! soll für jeden Bürger gelten. Wir wollen die Einheit zwischen Staat und Bürger! (Lehr gut! links.) . Wir sind stolz darauf, das V o l k v o n B i s - rnarck und Kaiser Wilhelm zu sein. Wir wollen aber auch «icht vergessen, daß wir da§ Volk Goehes und Schillers, das VE Herders und Lessings sind! (Sehr gut! links.) Nur die sachliche, wirkliche Parität wollen wir! Die Ausgaben der Zukunft sind ungeheuer groß. Wenn wir an sie mit deutscher Kraft, und mit echt deutschem Idealismus an die Aufgabe ebner Neugestaltung unseres politißhcn Lebens herangeben, dann wird die deutsche Zukunft in der Herrlichkeit erstehen, wie wir es wünschen. (Lebh. Beifall links.)
Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Zimmermann: In der Tat haben zwischen uns und Dänemark Verhandlungen sbattgefunden. Sie sind durch eine Indiskretion der dänischen Presse vorzeitig bekannt geworden. Uober den genauen Inhalt kann ich hier nichts Mitteilen. Soviel aber kann ich sagen, daß die Abrede, falls sie überhaupt zur Ausführung kommen sollte, unsere« wirtschaftlichen und militärischen Interessen nach dem überein st immenden Urteil aller in Betracht kommenden Ressorts durchaus Rechnung trägt, da sie zeitlich begrenzt ist und sich auf eine beschränkte Menge von Lebensmitteln bezieht. Man braucht daher nicht zu befürchten, daß diese Abrede unsere Handelssperre gegen England irgendwie durchlöchern könnte. (BravoZ Die Angelegenheit unserer Verhandlungen mit Amerika liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Am
8 . Februar erhielten wir durch Vermittlung des schweizerischen Bundesrats ein Telegramm des Schweizer Gesandten in Washington, der nach Abbruch der Beziehungen mit den Vereinigten Staaten dort unsere Interessen vertritt. Das Telegramm hatte folgenden Inhalt: „In Amerika ist der Wunsch vorhanden, den Krieg zu ver - rn^eiden. Falls die deutsche Regierung Geneigtheit zeigen wurde, über die Blockade mit der Union zu verhandeln, sei er der M-'-rische Gesandte, gern bereit, die Sache weiter zu betreiben.
,_Alle Redner haben gestern zum Ausdruck gebracht, daß der
Mwuch der Beziehungen mit den Vereinigten Staaten zu bedauern >er. Zweifellos wäre noch mehr zu bedauern, wenn es mit Amerika zum Kriege käme. Zwischen beiden Ländern bestehen gute freundschaftliche Beziehungen. Politische Gegensätze zwychen den beiden Ländern gibt es nicht, wirtschaftlich sind sie mehr oder weniger aufeinander angewiesen. Ja nian kann sagen, ' TC -!:?S en wirtschaftlich Bundesgenossen sein. Es ist daher begreiflich, daß dre Regierung eS sich angelegen sein ließ, alles zu vermeiden, waS den Konflikt verschärfen und >oaS etwa den Krieg mit Amettka herbeifuhren könnte.
Aus diesen Erwägungen heraus haben wir die Anregung geprüft. Wir waren von vornherein der Ueberzeugung. daß durch ein Entgegenkommen von uns der U-Boot-Krieg auf keinen Fall irgend- w,e eingeschränkt werten dürfte. ,BcifaL1 Selbstverständlich rann UN,er Wunsch, uns mit Amerika zu verständigen, nur soweit in Erfüllung gehen, daß wir nicht in Konflikt geraten mtt unserer Handelsfperre, die gegen unsere Feinde aut« r C v/j ? rt 5 n ' wir unter allen Umstanden fest
,^schr-ssen^s,nd. <Lebh. Beifnkl.) Wir haben im« erst langen Erwägungen zur Anwendung unserer schärfsten Waffe kennen den Verlauf unserer Verhandlungen mit Amerika, un,er ehrliches und ernstgemeintes Friedensangebot unb itc hohmfche Zurückweisung durch unsere Feinde. Unserem Ver- sohnungsverfuch haben die Gegner ihren VernichtungSwillen ent- ftrfifS? ^V 0 blieb uns nichts anderes übrig, als zur letzten
(Zustnnrmurg.) Nachdem wir uns .schlossen haben, gibt es e l bst v e r st ä n d l i ck kein Zu ruck mehr. (Beifall.)
bic Neutralen darunter zu leiden haben, aber da» hilft nicht». Aus diesen Erwägungen heraus habe iä, Deuttckl^'^r Antwort an Amerika darauf beschränkt zu sagei^ ?er^it.^n^ 7 -^ ^ ^ SU Verhandlungen mit Amerika
unkr der Voraussetzung, daß die Handelssperre gegen unsere Fernde nicht beeinträchtigt werde. Wir haben lediattch unfere Bereitwilligkeit angedentet, über die Freigabe von Per. loncnfchiftcn m nähere Verhandlungen mit Amerika einzutreten Der schtveizerische Gesandte in Washington hat ^^unse?e HKi i‘
balt^No^^^E^^" l o b - I?at ^ rauf cine ^hr höflich ge- ^ bekommen. Lansing sagt, er
sei vom Präsidenten Wision beauftragt worden, zu sagen daß
E Deutschland^ peinigten Staaten sehr gern bereit wäre. Entsch/K ^ * verhandeln, wenn Deutschland seinen Entschluf; vom 31. Januar widerrufe Lachen!
Ver^andttlnanr fdn ' unb damit waren die
-? Ö i n ' debor |ic überhaupt eigentlich begonnen batten als gescheitert zu betrachten. (Sehr richtig!) yarren,
über^n^ü seiner Bedauern Ausdruck gegeben
noer oen Unfall, der hollnndi schon Dampfer n
fleftofeen ist. Ich schließe mich namens der kaiserlichen Rcaie- rungd.°sem Bedauern nn. (Beifall, Es ist n„stW"n?M
- i, ■? orb 1 < : r1 ' um d: efem Unfall vorzubeu- gen, jedenfalls trrfft die kaiserliche Regicruna keine Schuld (Zustimmung.) Die holländischen Reeder hatten den begreiflichen'
Wunsch, wertvolle Schiffe und wertvolle Ladungen ans englischen Häfen herauszubekommen. Man hatte ihnen zunächst den 10. Februar zur Verfügung gestellt, die Schiffe waren aber iwch nicht reiseserttg. Für den 22. Februar wurde eine relative und für den 17. März eine absolute Sicherheit gewährt. Unsere Marine hat das ihrige getan, um ttotz unseren Hinweises ain die nur relative Sicherheit alle U-Boote zu erreichen' Das scheint offenbar nicht gelungen zu sein, denn die Schiffe sind wähl von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Ein amtlicher Bericht darüber liegt allerdings noch nicht vor. Ich kann nur nochmals dem ausdrücklichen Bedauern der kaiserlichen Regierung Ausdruck geben, daß die holländische Handelsmarine so werwolle Schiffe verloren hat. Mer dieser Vorfall beweist, wie gefährlich ein Befahren des Sperrgebietes ist. Ich möchte nochmals dem Wunsche Ausdruck leihen, die neutrale Schiffahrt möge der- artige Fahrten aufgeben, sie möge ihre Schiffe auf- legen. Sie würden dadurch ihren eigenen Interessen dienen und würde auch wesentlich dazu beitragen, daß das ersehnte Ziel derFreiheitder Meere schnell erreichtwird. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Merttn (Dtsch. Frakt.): Wir sehen den nächsten
Monaten mit ruhigem Gewissen entgegen. Sie werden uns Ereignisse von gewaltiger Tragweite bringen. Wir danken der obersten Heeresleitung für den U-Boot-Krieg. Freudig übernehmen wir dafür die volle Mitverantwortung. (Sehr wahr! rechts.) 'Das Los der Neutralen wollen wir nach Möglichkeit erleichtern An unserer Unerschütterlichkeit darf kein Zweifel sein. In seinen Verhandlungen mit Amerika hat Deutschland eine Engelsgeduld bewiesen. Wir haben kein Verständnis dafür, daß Amerikaner darauf wetten, ob ihre Probeschiffe ankommen, ob ihre Landsleute also ihr Grab in den Wellen finden oder nicht. Uns liegt nichts ferner als eine „mutwillige Offensive" gegen Amerika. Für die erbärmliche Schlächterei wehrloser Ge- sangener muß Vergeltung geübt werden. Wir müssen eine ausreichende Kriegsentschädigung haben. Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, daß das Volk bei der F r i e d e n s g c st a l t u n g mitzureden hat.
Bei der polnijchen Frage hat map das gegebene Versprechen nicht beachtet. Wir hatten schwere Bedenken. Unsere Ostmark muß deutfch bleiben. In den Ernährungsfragen wird zu sehr vom Klubzessel aus regiert. Die .Kriegsgesellschaften mieten viel zu teure Bureauräumc. Wir sind kein verfallendes Volk, das einer Erneuerung bedurft hätte, d'e guten alten deuffchen Eigenschaften gewinnen uns den Krieg. Das Wort vom auszurottenden Militarismus, das unsere Feinde gegen uns gebrauchen, ist in gewissen Redaktionsstuben geprägt worden, die jetzt über alldeutsche Uebertreibungen zetern. Möge die nächste Kriegs- anleihe eine Friedensanleihe sein.
Abg. Ledebour (Soz. Arb.): Wir stehen allein in der Opposition gegen die Regierung, weil toir Gegner diese? ganzen St-stems sind. Wir halten es- daher auch für falsch, einen einzelnen Minister herauszugreifen, um an ihm sein Mütchen zu kühlen. _ (Heiterkeit.) Wir tteten auch ffir die Rechte anderer ein. Der bürgerliche Abg. Leveque ist von Saarburg auf adniinistratwem Wege iiach Hinterpommern gebracht worden, er wird nur für die Reichstagsverhandlungen sreigelassen. (Hört! hört! b. d. Soz.) Ins Russische übersetzt, ist LÄögue atso nach Sibirien verbannt worden. (Unruhe.) Weshalb in dieser uner- hörten Weise gegen den Kollegen Leveque vorgegangen wird, weiß er beute nock) nichts (Hört! hört!) Noch in diesem Tagungsabfchnttt
vge o rdn e-
mutz diese Verfolgungein es ReickStagSabgeo., _ t e n eingestellt werden. Dem Mscheu des .Kanzlers über die englische Kriegsführung im Burenkrieg schließen wir nn4 gewiß an. Heute aber kämpfen die Buren aus Seiten Eng. lands. Warum? Weil England den Buren sofort die volle Selbstverwaltung gab. (Abg. Dr. Stresemann: JrlarchN Ich habe schon für die Sache der Iren gekämpft, als Sie noch nicht existterten. (Heiterkeit.) Außerdem sollen Sie ja auch nur die guten englischen Regierungsmethoden nachahmen, nicht die schlechten. (Heiterkeit.) Wir versteben auch die Belgier und Polen in den besetzten Gebieten nicht richttg zu behandeln. Die zwangsweise, Fortführung nach Deutschland ist ungesetzlich. Wir protestteren insbesondere gegen die Forfführung von 22 polnischen Sozialisten, die in dkm befreiten Polen nur ihrer Ueberzeugung Ausdruck gegeben hatten. Wir verlangen, daß mit dieser Verfolgung ein Ende gemacht wird Leute die vom Reichsgericht ireigesprochen worden sind, iourden gleichtvohl aus Anordrmng des Oberkommandos in den Marken in Schutzhaft gerwmmen. Wo bleibt die U n ab hä mg i g?e i t der Rechtspflege, wenn die Willkür militärischer Stellen herrscht? Die Vroklamie- Eg des Königreichs Polen war eine büchst ungeschickte - ' J 1 ? ein wichtiges Kriegs ziel vorweg. Wir ivollten sie
nn Reichstag zur Sprache bringen. Unsere Nachbarn zur Rechten^ (Heiterkeit) versagten uns aber die Unterstutzimg.
Die Proklansierung eines pvlnirschen Königreichs steht im "-deuten Widerspruch zum Sewskbcstimmuunrecht der Völker Man nng einen deutsch^ und österreichischen König auf den Thron ictzen und Polen damit an -die Mittelmäckite fesseln. Sind Sie denn unbelehrbar? Aus den meisten ellropäischen Thronen sitzen deuttche pursten. Was hat es genützt? Denken Sic an Georg m London und an den Zögling des .Herrn Raiputin in VeterS. 'bürg ? (Heiterkeit.) Und schließlich ^^erdinand von Rn- Manien, der ein Hobenzoller und sogar in Deutschland geboren, al>w ein richttger deutscher Prinz ist! Er ging zu den tfcmben über. Die borden einzigen Monarchen in Eurom. die sympathisieren, sind Prinzen französischen Geblutt: der eme ist ein Bourbone und regiert in Spanien, der andere ein Bernadvtte und regiert in Schweden. Man sieht, ^l^en Prinzen ist es anders als bei den Avbettern Die Ar- beittr bleiben twtz ihrer internationalen Gesinmmy deutsch oder engttich w ein Vrinz aber wechselt seine Nattonalität >vie ein Hemd oder einen Rock. (Hetter-keit.) Dieff Vorgänge zeigen, daß 'die g<mze monaich,,che Institution in unsere Zeit' nicht mehr nneinvatzt, eS muß überall^schleunigst damit aufgeräumt iver- lD0 ^ eu dblen gar nicht befreien. Sie sehen nberchaupt nicht so aus, als ob Sie irgend jemand befreien können. (Heiterkeit.^
0 . brauchen Rekruten für das Heer, das ist der einzige r C a ^f r mit der jetzigen Ausnahmegesctzgebung
den Polen gegenüber kemen Erfolg damit laben, auch dann nicht v&T 3 Kreits als Gockelhahn ans dem polni- wurde (Große Heiterkeit.) Weg mit der die / ^5"-5» und beschimpfenden Assnahmegesetzflebimg. A.SE.) Sre betreiben innere und .äußere Politik nach dem 5 » m,rd aKc§ von oben herunterkominandiert.
rubc ) ’ I Ä" rrad) bem (5t)ftem des Polizeiknüppels. (Un.
Ka L 'V d ^ ^ Reichskanzler will Annexionen.
Es ist etn unehrliches Treiben des Reiseprediger«
I


