Ausgabe 
29.3.1917 Erstes Blatt
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

Schlimme Nachrichten aus Dorpat.

London, 28. Mär». (WTB. dftchtanttlich.) DieTimes" meldet aus Riga: Die Berichte ans Dorpat sind wenig befriedigend. Die dortigen Revolutionäre bildeten eine eigene Miliz und eine eigene provisorische Regierung, die sich tun die Vorschriften der städtischen Miliz und der provisorischen Regierung in Petersburg nicht kümmert. Es ist infolgedessen ein 3uftmü) der Anarchie entstanden, der zu Blutvergießen und zur Zerstorimg des Eigentums führte.

Der Kartoffelmangel in England.

London, 28. März. WTB. Nichtamtlich.) DieTimes" 4eklt mit, das; in Großbritannien vom 1. 2lpril bis zur neuen ©ritte 150 000 Tonnen Karro ff-el zur Verfügung stehen. Das ist genau die Hälfte des normalen Bedarfs.

Das Frauenwahlrecht in England.

Amstcrdani. 28. März. >WTB. Nichtamtlicl;..) DasAll- qeMeen Handelsblad" meldet aus London: Der Premierminister werde im Unrerhause mitteilen, daß die Regierung die Vor­schläge der Parlamentskonrmission für die W a hl r ech t s re fo r m mmehme und eine Gesetzes Vorlage zu bringen beabsichtige. Es »er im Hause eine Mehrheit dafür vorhanden, alleit Frauen über ^5 Jahren das Wahlrecht zu geben.

*

Englisch-französische Inspektion der italienischen Front.

Rom, 28. MÜrz. (WTB.) Meldung derAgenzia Sie- fcmi": General Robertson, Chef des britischen Reichs-Gene­ralstabes, war in der vergangenen Woche Gast des Ober­kommandos. In Begleitung Cadornas besuchte er die italienischen Linien am unteren nud mittleren Fsonzo und b-egab sich an die Trientiner Front. Währeno seines Auf­enthalts traf auch General Veygand aus dem französi­schen Olroßeir Hcnwtquartier als Vertreter des Generals Nrvelle ein. Robertson ist geradewegs nach- London zurück- gereist, vor der Abreise verlieh der König ihm das Groß- rreuz dos -Ordens vom Heiligen Mauritius und Lazarus.

* * *

Generalstreik in Spanien?

Bern, 28. März. (WTB. Nichtamtlich.) DerTemps" meldet aus Madrid: Die Arbeiterd-e legierten erörterten in einer Geheimsitzung den Generalstreik. Die Madrider Sektion widersetzte sich, eine Einigung sei bisher nicht erzielt worden, doch hoffe Romanones, die Arbeiterklasse werde davor zurückschrecken, schwere Störungen im wirtschaftlichen Leben hervorzurufen.

5eekrieg.

Zwei englische Torpedobootzerstörer gesunken.

London, 27. März. (WTB.) Die Adnriralität gibt be­gannt: Ein britischer Torpedo b o ots z er stö rer stieß kürzlich im Kanal auf eine Mine und sank. Vier Offi­ziere und siebzehn Mann wurden gerettet. Ein anderer Zerstörer stieß mit einem Danipfer zusammen und sank. Ein Mann hat dabei das Leben verloren; sonst sind keine Verluste zu beklagen.

Das britische HospitalschiffAsturi a§/\ das mit allen Schiffahrtslichtern und mit allen besonderen Abzeichen des Roten Kreuzes, die hell erleuchtet waren, fuhr, ist in der Macht vom 20. zum 21. März ohne Warnung torpediert worden. Dabei sind folgende Verluste eingetreten: Von Militärpersonen elf tot, drei, darunter eine Stabskranken­schwester, lverden vermißt, siebzehn verwundet; von der Mannschaft zwanzig tot, neun vermißt, darunter eine Ste- Iwccrdeß, zweiimdzwanzig verwundet. Wie in einem deut­schen Funkspruch von gestern berichtet wird, steht die Tor­pedierung dieses Hospitalschifses mit auf der Liste der von den Tauchbooten berichteten Taten.

Die Versenkung des britischen Hospitalschiffes Asturias".

Berlin, 28. März. (WTB.) Die britische Admirali­tät behauptet, daß die Versenkung des britischen H o s p i t a l s ch i f f e sAsturias" in der Nacht zum 21. März ohne Warnung erfolgt sei. Hierzu wird festgestellt, daß das SchiffAsturias" aus Grund einer von der deut­schen Regierung am 81. Januar d. I erlassenen Erklärung versenkt wurde. In der Erklärung hieß es:

. Andererseits kann die deutsck-e Regierung nicht länger zulassen, daß die englische Regierung ihre Truppen- und MunitionstranS- oorte nach dem .Haupkkriegsgebiet unter dem heuchlerischen Deck­mantel des Roten Kreuzes ungefährdet befördert, und erklärt daher, daß sie von nun an kein .feindliches Lazarettschiff int Seegebitt dulden tvird, das zwischen den Linien Flambowugh Head und Terschelling einerseits imd Ouessant und Landsend andererseits liegt. Lallten in diesem Sesgebiet nach einer angemessenen Frist noch feindliche Lazarettschiffe angetvoffen tverden) so ivürden sie als kriegführende angesehen und ohne weiteres angegriffen werden.

Nach dieser generellen Warnung gehörte ein Frevel- m u t sondergleichen dazu, Bernmndete, Kranke und Pflegepersonal in dem erklärten Sperrgebiete der Gefahr des Unterganges auszusetzen. Es wäre übrigens ein merk- würdiger Anfall, wenn die Engländer gerade bei dent Damp­ferAsturias" von der Gepflogenheit, Lazarettschiffe zmn Transport von Truppen und Munition zu benutzen, abge­wichen sein sollten. Gehen ims doch andauernd Beweise zu, daß unsere Gegner nach wie vor ihre Hospitalschiffe zu Kriegszwecken mißbrauchen.

Die verschärfte englische Blockade.

Haag, 28. März. (WTB. Nichtamtlich.) Das Ministe­rium des Aeußern macht bekairnt, daß die britische Regie- rirng mitteilte, daß am 1. 9lprit daS von England für 'ab­geschlossen erklärte Seegebiet erweitert wird'. Von diesem Datuin an wird es, mit Ausnahnre des dänischen und nieder­ländischen Territorialgewässers das Gebiet umfassen, daö folgendermaßen begrenzt wird: Im Norden durch den Pcrrallelkreis von 66 Grad nördlicher Breite westlich von dem Punkte, der drei Seemeilen von der Küste von Jütland liegt, im Westen durch die Verbindungslinie folgender Punkte: 56 Grad nördlicher Breite und 6 Grad östlicker Länge, 54 Grad 45 Minuten nördlicher Breite und ! Grad 80 Minuten östlicher Länge, sowie 53 Grad 28 Minuten ttürdlicher Breite und 5 Grad 1 Minute östlicher Länge Im Süden durch die Linie, die durch den lchtgenanuten und in 53 Grad 25 Minuten nördlicher Breite und 5 Grad 5 Minuten 5 Sekunden östlicher Länae gelegenen Punkt verläuft, dann im Osten der Grenze oer nieoertändischen Territorialgewässer folgt.

Aur dem Reiche.

Vertrauliche Besprechungen beim Reichskanzler.

^ Berlin. 29. März. Laut B. T. find gestern abend alle Frakttonsführer des Reichstages beim Reichskanzler zu ver­trau lrchen Besprechungen geladen geioesen. Wie ver- ^werde der Reichskanzler in der heutigen Sitzung nwt gletar zu Beginn sprecl)en, sondern erst im Laufe der Debatte ras Wort nehmen.

Der dapcrifche Kricgsminister über die militärische Luge.

München, 28. März. (WTB.) In der Kammer der Reichs- räte machte .Kriegslninister v. Hellingrath bei Beratung der kriegswirtschaftlichten Anträge Ansführmrgen über die militäri­sche Lage. Nachdem er den Referenten seinen Tank für die an­erkennenden Worte <nt die Armee und bereit Führer ausgesprochen! licrttc, gab er der Versicherung Ausdruck, daß die Truppen mit stolzer Zuversütst und dent festen Gefühl innerer Uebertegenheil den Aufgaben entgegenblicten, die die Zukunft ihnen stellen wird. Freudigerttrie seit langer Zeit, erklärte der Kriegsminister, könnest wir lteute den kommendett Ereignissen entgegen sehen. Im Westen scheint die im Schützengraben erstarrte Kriegssühcung ifrrat Meister gefundeit zu haben. Ein genialer Schachzug unserer Obersten Heeresleitung durchkreuzte die Pläne des Feindes und gab uns die'Freiheit des .Handelns Ivieder. Im Osten ist Altes gestürzt, Neues mxfr nicht aufgebaut: ein dichter Schleier liegt über der Zukunft. Alts und irnter denr Meeresspiegel aber leisten unsere U-Boote schwere Arbeit, die den zähen Willen Englands brechen soll imd brechen wird. Wie FrüWngsabnen geht es durch das Laitd: bauend auf uns selbst und auf Gottes Beistand, trotzen wir den Stürmen, die noch über irns hinwegbrcutsen werden. Nur der Schwache luirb kleinmütig uttb- verzagt, tveam vor ihm sich Hindernisse türmen: des Starken Kräfte wachfen und spannen sich, je wuchtiger die Widerstände werdeit, die sich, seinein Willen ent- ge gen stellen. Ter Glaube an uns selbst wird uns die Kraft ver- leiftn, Sieger zu bleiben in den Entsagungen in der Heimat und in den Kämpfen auf -allen Fronten.

Tie Rede des Kriegsministers hinterließ cineit starkut Eindruck.

Zur Knegsanlcihezeichnung

sei idaranf Hingeiviesen, daß Zcichnungsannteldungen zwar bis zum 16. April angenommen werden, daß aber, die Einzahlung (Doll­oder Teilzahlnttg, diese in runden durch Hundert teilbarm Be­trägen des Anleihenwertes), bereits vom kommeirdeit Samstag ab geleistet werden kaim. Von dieser Erlaubnis Gebrattch! zu machen, empfiehlt sich für alle, die sch>on jetzt über die für die Zahlung der Kriegsanleihe erforderlichen Mittel verfügest, dem: sie gelangen dadurch sofort in den vollen Zinsgemrß ihres Geldes. Der erste Pslichtzahlimgstermin ist der 27. April.

*

Berlin, 28. März. (WTB. Nichtamtl.) Dem Reichstag ging folgender Antrag Albrecht imd Genossen zu: Der Reichstag wolle beschließen, einen Ausschuß einzusetzen zur Vor­beratung von Reformen, die auf eine politische Neuordnung im Deutschen Reiche abzielen. Diesem Ausschuß, fiitb die im Reichstag ein gebrachten einschlägigen Anträge und Resolutionen zu übe rweisen. ___

Aus Stadt und Land.

Gießen, 29. März 1917.

Großherzog Ernst Ludwig Jubiläumstiftung.

Das endgültige Ergebnis der Sammlung zu der Jubi­läumsstiftung stellt sich im Kreise Gießen wie folgt: Spende des Kreises Gießen 4 000. Mk.,

Spende der Stadt Gießen 4 500.

Einzelzeichnungen aus der Stadt Gießen

zusammen: 100 218.48 ,,

Einzelzeichnungen aus den Landgemeinden

des Kreises Gießen zusammen: 98832.31

Hiernach Gesamtergebnis: 207 550.79 Mk.

Die Sammlung ist nunmehr als abgeschlossen zu be­trachten.

*

Ehrenpromotion des hessischen Ministers des Innern.

L. II. Anläßlich des Regierungsjubilänms des Groß­herzogs hat die juristische Fakultät der Universität Gießen den Minister des Innern von Hombergk zu Bach ehrenhalber zum Doktor der Rechtswissenschaft ernannt. Seiner Verdienste wurde im Divlom in folgender Weise gedacht (in Uebersetzung aus dein lateinischen Text):Zuerst sammelte er in der Praxis der Staatsverwaltung Erfah­rungen; als er darauf zum Leiter der inneren AnMegeit- heiten berufen worden war, brachte er Gesetzentwürfe ein, in denen unter gleicher Sicherung von Staatsgewalt und Freiheit die Zuständigkeit der Behörden und die Rechts­stellung der Selbstverwaltungskörper neuzeitlichem Geist entsprechend geregelt ward; er vertrat und verbesserte die Entwürfe und erzielte ein Einverständnis zwischen Regie­rung und Volksvertretung. Jetzt, im Kriege, bewies er die­selbe glückliche Hand wie im Frieden, da er mit der Umsicht eines Aedilen alle Anstrengungen darauf richtete, trotz der gesperrten Zufuhr dem Volke den Bedarf an Lebensmitteln zu verschaffen." Das Diplom wurde Sr. Exzellenz durch den Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Gmetin, überreicht.

*

L. U. Akademiseher Hi l fs b u n o. Bereits seit 1915 besteht ein Akademischer Hilssbnnd, Sitz Berlin, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Akademikern, die infolge von Kriegsbeschädigungen der Beratung oder Unterstützung für ihre Weiterbildung oder künftige Erwerbstatigkeit be­dürfen, mit Rat und Tat zu helfen. Nunmehr ist auch in Gießen ein Ortsausschuß dieses Hilfsbundes ins Leben gerufen worden. Er wiro seine Tätigkeit auf Akademiker mit Umversitätsbildung, die im Großherzogtum Hessen wohnen, erstrecken, vor allem aber auch sich' der kriegs- beschädigten Studierenden annehmen, die lvährend des Krie- ges an der Universität Gießen immatrikuliert waren oder bis zum Kriegsausbruch an ihr studiert haben. Die Orts­gruppe hat einen weiteren Vorstand, zu dem folgende Herren gehören: von der Universität Gießen der Rektor, ferner Geh. .Kirchenrat Prof. Dr. Eck, Geh. Hofrat Dr. Haupt, Prof. Dr. 5)übner, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Martin, Geh. Hofrat Pros. Dr. Srevers, Geh. Medizinalrat

Ehren-Abend Otto Eonradi.

?l n l ä ß l i ch seine s 5 0 j ä h r i g e n B ü h n e n - u n d K ü n st l e r j u b i l ä u m s.

Der Raub der Slwinerinnen.

Schwank von Franz und Patll S ch ö n 1 h a n.

Eilt 50jähviges Bühnen- und Künstlerjubilältnt! FüNvahr ein Jubiläum sclienfter Art, das nur wenigen Schicksalsbegnadeten beschieden. Ein solcher ist Otto Eonradi, dem die Müsen 50? Jahre hindurch lre-, geblieben sind, iveil er ihnen treu blieb. Kein Wunder, daß si.- ihm -n seinem Festtage noch einmal einen vollen Erfolg beschert haben. Es war für deit Jubilar eine Eh­rung, die er vollauf verdient h-at und auf die er stolz sein kann.

Doch lzuerst soll von einer kleinen internen Feier des JnbilarS erzählt werden, zu der sich gestern nwrgen eine kleine Festgenossen­schaft .auf 'ver Bühne deS StadttheatecS zusammen gefunden hatte. Unter seierlichent Harmoninmspiel lvnkde Conradi zn einem! Ehrensitz gefil brt, der stilvoll inmitten der Bühne aufgeb aut war. Geheim- rat Fromme überbrachte in Berttetung des Oberbürgermeisters die Glückivünsche der Stadt Gießen, des Theaterbartvereins mrd des DlMtervcreins, und überreichte eine prack)ttwlle Ehrengabe. Hoftat Steingoe 1 ter feierte den Menschen und Künstler, so- wie 'Cvcrt gewissen haften Mitarbeiter, Rudolf Goll den beliebten Kollegen und Herr Hanbach den pflichteifrigen Beamten. Und alle, and) das technische Personal, chöerreichteit Ehreitgaben, die eS dem Gefeierten aus Rührung schwer lverden ließen, Worte des Dankes zu finden.

Den Dank der Bürgerschaft brachte das gntbesuchtc Haus, ein

Prof. Dr. Sommer, Geh. Medizinälrat Prof. Dr. Strahl, Prof. Dr. Bott, sowie zwei Vertreter der Sttidentenschaft: von nicht der Universität angehörenden .Herren: Domkapi­tular Dr. Bendix, Mainz, Provinzialdirektor Geheimerat Best, Mainz, Landgerichtsdirektor a. D. Bücking, Gießen, Gel>eimerat Dr. Dietz, Vorsitzender des Vorstands der Lan^ desversicherungsanstalt, Darmstadt, Provinzialdircktor Ge^ hcinterat Fey, Darmstadt, Geh. Kmnmerzienrat Dr. W. Gatl^ Gießen, Justizrat Grünewald, Landtagsabgeordneter, Gießen, Geh. Kommerzienrat Heichelheini, Vorsitzender der Handelskammer, Oließcn, Oberbürgermeister Keller, Gießen, Prof. Dr. Hausmütter, Gießen, Geh. Medizinalrat Dr. Merck, Darmstadt, Oberstleutnant Naumann, Gießen, Seine Exzellenz Wirkl. Geheimerat Dr. Nebel, Präsident des Ober- lönsistoriums, Darmstadt, Rabbiner Dr. Sander, Gießen, Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Usinger, Gießen, Land- gerichtsrat Wiener, Gießen. Die laufenden Geschäfte besorgt ein Arbeitsausschuß, dessen Mitglieder zunächst sind - der Rekt or, Lanogerichtsdirektor a. D. Bücking, Prof. Dr. Hübner, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Strahl. Zu­schriften für den Ortsausschuß sino an den Rektor jder Universität als Vorsitzenden des Ortsausschusses nacb Gießen, Bismarckstraße 22, zu richten.

\ * * *

Bedeutung der Landarbeit.

Unsere Feinde verfolgen den Plan, das, was sie mili­tärisch ^nicht erreichen können, wirtschaftlich zu erzwingen, Deutschland statt mit Waffen durch 5)unger niederzuringen. Demgegenüber muß der altbewährte Grundsatz

Getrennt marschieren, vereint geschlagew' von uns mit allen Krästeit zur Durchführung gebracht lverden. Nicht nurim Felde", sonderit auchauf dem Felde" muß der Sieg errungen werden. Nicht allein den: Feinde gegenüber und in Bergwerkert und Fabrikeit muß gekämpft und gearb-eitet werden, es gilt dem heimatlichen Boden alles abzugewimren, was zur Ernährung unserer Soldaten und Arbeiter, unserer Frauen und Kinder, un­serer Kranken und Greise erforderlich und notlvendig ist. Säe, so wirst du ernten." Wie zur Kriegsführung das Geld, so ist zitr Lieferung der Ernährung die Arbeit note lvendig. Es ist Pflicht aller Daheimgebliebenen, nach besten Kräften mitzuarbeiten an der Erreicl-ung des gemeinsamen Zieles. Dadurch, daß jeder, der dazu imstande ist, auf dem Lande mitarbeitet und hilft, dem heimatlichen Bodeti abzu­ringen, lvas er geben kann, machen wir die letzte Hoffnung unserer Feinde zuschanden.Arbeit ans dem Land c" sei deshalb jetzt die Losung; jeder, der dazu irgendwie im­stande ist, stelle seine Kräfte der Landarbeit zltr Verfügung. Auf jeden Einzelnen kommt -es an!Steter Tropfen höhlt den Stein"^ stete Arbeit sichert die Ernährung, sichert den Sieg. Sehen unsere Feinde ein, daß wir ihnen ntili tärisch und w i r t s ch a f t l i d> gewachsen sind, so ist der Friede errungen. Deshalb darf keine Arbeitskraft dem Lande entzogen werden oder sich entziehen, nicht nur in der In­dustrie, auch für die Landarbeiter sind die Lohnverhättnijse günstig, ein Vergleich fällt sogar eher zugunsten des Landes aus, da die Kosten der Lebenshaltung dort geringer sind. Das Interesse des Einzelnen und das des Ganzen decken sich somit und erfordern: treue Arbeit aus dem Lande für das Land. Erfüllen wir alle urrsere Pflicht auf dem Bodeit, auf dem wir stehen, so werden wir siegen,und wenn die Welt voll Teufel war".

*

** .Amtli ch e P e. rsona l n a ch r i ch t e n. Es wird tut Kenntnis gebrackck, daß der Grvßherzog währeitd der K-riegs-» zett k e i n e Audienzen zur Entgegennalpne des Tankes für verliehene Auszeichnungen und Eritennungen erteilt. Den Bene honen usw. ist jedoch? Gelegenheit gegeben, ihren Dank durch Einschreiben ihres Nameits in ein Buch, welches vormittags von 9 bis 12 "Uhr Lei Großh. Hoßnarschallamt (Residcnzschloß) auf­gelegt ist, abzustatten. Der Großherzog hat am 21. März d. Js. den vom Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Birstem auf die evangelische Pfarrstelle zu Hitzkirck-en präsentterten Psarr- assistcnten Arnold Brockel mann zu Klein-Linden für diese Stelle bestättgt. Uebertragen wurde am 24. März der Lehrerin Brigitta Rnhl zu Klein-Krotzenburg eine Lehrerinstelle an der Volksschule zu Klein-Auheim, Kreis Offenbach. Der Groß Herzog hat am 24. März den Bauassistenten der Straßenneubau- behörde für den südlichen Odenlvald, Rechnungsrat Georg Michael Kabel) zu Erbach i. O., aus sein Nachsuchen unter Anerkenn nung seiner langjalwigeit traten Dienste vom 1. April 1917 ab in den Ruhestand versetzt.

** A u s z eichn lt n g. Dem Pionier Hans N r tz s ch e wurde das Hessische Allgem. Ehrenzeichen mit der InschriftFür Tapfer­keit" verliehen.

** D er ,O st erverk c h r. Die preußisch-hessischen Eisen- bahudirektionen haben folgende Bekanntmachung erlassen: Tie Eisenbahnen dienen gegenlvärtig in erster Linie der Kriegführung. Zu Ostern lverden für den Personenverkehr nur die s a h r v l a u m ä ß i g e n Züge befördert. Rei­sende, die in diesen Zügen keinen Platz fin­den, müssen zurückbleiben. Für jeden, der nicht reisen muß, ist es vaterländische Pflicht, auf das Reisen' zu verzichten.

** Banke n s ch- lnßa m O st e r s a m s t a g. Laut Bekannt­machung in nitsercr Zeitung sind die hiesigen Bankett und Kassen am Ostersamstag für jeden Verkehr geschlossen.

** Aus dem Stadttheaterbureau. Die für die morgige 11. Freitags-Monnententsvorstettung angesetzte Erstaufführung von Ludwig Fuldas neuem LustspielDie v e r l o r e n e T o ch te r" muß verschöbe n werden, da die Trägerin der Titelrolle, Fräulein Kallmar, erkrankt ist. ES

nicht eudemvollender Beifall, der den Jubilar immer wieder lvc- vorrief, und nicht zuletzt neue ehrende Geschenke.

'Man muß es Otto Conradi zugestehen, daß sich die köstliäie Gabe seines Humors über mel-r alS zwei ^Neuscheitalter frisch er halten hat. Das soll ihnt am 50jährigen Mthiteujubiläum einer nachinacken, was er gestern, abeitd als Striese bot. Tie gitte alte Schule verlengnete sich! nicht und die überraschende Frische seines Spieles ließ es kaum merkeit, daß er fast ein halbes Säkulunr dent Thespiskarren kratz uttd gucr durch ganz Deutschland teilte, bevor ihn Gießen zu beständigem Aufenthalte fesselte. Wie sehr seine Leistung als Charakterkomiker noch)- lieute Anklang find't, davott wird ihn manche Lachsalve bet offener Szene und stürmischer Beifall überzeugt haben. ?luch als Regisseur legte er Ehre ein und leitete den .verwickelten Gang der Geschehnisse mit ruhiger Sicher heit.

Selbstverstäitdlich gabeit seine Kollegen ilyt Bestes her, um' den Erfolg zu einheitlicher Wirkung zu führat. Mftn fühlte die gute Stimmung aus dent Spiele jedes Einzelnen. Hans Werth mann machte den Professor Gollwitz zu einer sehr achtbaren Cl>araktcrßudie, Ernst Theilin g den Tr. Mnmctster zu einer recht erfreulichen Gestalt, Karl Steinmetz er füllte die Rolle der ersten Schmieratliebhabers wacker aus und Curt Lerch ge- wann dem Reiseonkel Groß gute Wirktmgcn ab. Ebenso taten sicki d ie Damen lxervor: Elltz D v r n h ö f c r in guter Ditrchführtmg als Fratt Goltzvitz, Hermine Wossidlo in Verttakitng von Heleite Kallmar reclft flott als Tockiter Paula, Mürtha (tz er s do r f ge wandt und geichmeidig als Fvau Tr. Neumeister und Luise De ko s ea in kräftiger Zeichnung als Dienstmädchen.

Der Schwank selbst ist bekannt genug, um ein näheres Ciu- gelM überflüssig zu machen.

Gieszeiscr Ktadttheater.