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sämtlich in Gießen.
(WLV.) GrotzeS Hauptquartier, 20. März. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
I« dem Kindlicher Besetzung preisgegrbtnen Gebiete zu beDen Seiten der Somme und Oise verliefen mehrere Gefechte von Infanterie- und Kavallerie-Abteilungen oerlust- reich für die Gegner. Die Vorbereitung des in jener Gegend ausersehe neu Kaurpffeldes machte es zu militärischer Notwendigkeit, alles unbrauchbar zu machen, ums dem Feinde später zu seinen Operationen zum Vorteil sein könnte.
Im Bpern-Bogen holten unsere Erkunder zwölf Engländer au§ ihren Stellungen.
Zwischen Lens und Arras war zeitweilig der Artil- krirkarnpf lebhaft.
Auf dem linken Maasufer richteten die Franzosen nachmittags und nachts heftige Angriffe gegen die von uns am 18. März gewonnenen Stellungen. Sie sind überall abgewie- fen worden. An der Höhe 30 4 stieß aus eigenen Angriff eine unserer Kompagnien dem weichenden Feinde nach und entritz ihm ein weiteres 200 Meter breites Grabenstück, dessen Besatzung (25 Mann) gefangen genommen wurde.
Bei einem schneidig ausge führten Unternehmen hart südlich des Rhein-Rhone-KanalS fielen zwanzig Franzosen
in unsere Hand.
*
In Zuftlämpfen nmrbnt dreizehn durch Mwehr- geschütze zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen.
O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
In einigen Abschnitten regere Gefechtstätigleit als in den Vortagen.
Von Streifen an der Beresina und am Stochod brachten rmftre Aufklärungsabteilungen fünftmdzwanzig Russen
gefangen ein.
Mazedonische Front.
Der nun seit neun Tagen währende Kampf zwischen Ochrida- und Prespa-Gee, sowie auf den Höhen nördlich des Beckens von Monaftir hat auch gestern den Franzosen keinen Erfolg gebracht. Ihre Sturmtrupps brachen in breiter Front gegen unsere Stellungen, sowohl in der Seen-Enge wie in; Norden von Monastir vor. In unserem Feuer, an einzelnen Stellen im Nahkampf, sind alle Angriffe gescheitert.
Unsere und die verbündeten Truppen haben sich sehr gut geschlagen.
Nördlich des Doiran-Sees wurden mehrere englische Kompagnien durch Artilleriefeuer zersprengt.
Der Erste Gcneralquartiermeister Ludendorff.
*
Der Abendbericht.
Berlin, 20. März, abends. (WTB. Amtlich.)
' Im Westen bei Regen einige Gefechte im Gebiete beiderseits der Oise, im Osten bei Tarnvetter keine besonderen Erergnrsse.
Noch ist die Gefahr, die in der UmlMIgintg des ruf ltt)en Staates steckt, nicht beseitigt — so erklärte Lloi George rnr englischen Unterhause, unb damit wird die La> treffend gekennzeichnet. Wie gern würde der englische M nrswr feststellen, daß der Verlauf der Dinge für hie Enten erfreulich sei! Er kann es nicht. Denn die Tatsachen sprecht ^MUMrüer, und die vielen Widerrufungen mach, alle Welt stutzig. Heute meldet das Reirter-Bureau schwe wrogende Drage, die die nächste Zukunft Rußlands no mehr verdrnckeln, als es bisher geschehen ist. Die „Dimer ^ lc provisorische Regierung sich gerröti habe, den revolutionären Empfindungen Ko In - genötigt, die Ernenn IN
\ U - m Oberbefehlshaber wieder aufzuhew hrnzufugt, 5.11 verfügen, daß alle Mtglied de^ Hau,es Romanow von; Regieren ausgeschlossen we ^^Demaenmv Mb auch glmchhast, £g eine schweiz rrfct)c Meldung auf dem Wege über Paris uns zuträgt: d neue russische Regrerrmg habe den Großfürswn Micha .-gebeten", auf die Regentschaft zu Verzichtes!. S betrach iwan dre neueste Kundgebung der provisorischerr ^ILeoierrn an das russische Volk. Es steckt darin viel Theo^sch mw wenrg Praktisches. De-nr alten Regime wv^en eit vüudeA., Hebe* um» Mpgrige Vorbehalten. Das
| der parlamentarischen Bolksrogvernng \mxb mit phrasenhas- | teil Sätzen als das Hellmittel gepriesen, und die vorhin erwähnten „revolutionären Empfindungen" werden sogar mit den Wörtern .„Gleichheit intb Freiheit" gekitzelt. Trotzdem nimmt sich dieses „Manifest" nur wie ein Angstprodurt aus. Alles wird in die .Härrde des aufgerufenen Vol'ks- willens gelegt. Diesem BoÜswlllen die Diacht aus zu liefern scheint, nach außen hin-wenigstens, das hervorragendste Bestreben der neuen Regierung zu sein. Der Rot gehorchend. Es geht dem Ministerium Miljukow wie dem Chor Casetans : & lobt sich, niedrig zu stehen, sich verbergend in seiner Schwäche, und „jene gewaltigen Wetterbäche, von des Hagels unendlichen Sck>loßen, aus den Wolkenbrüchen zu- ,ammengeflossen, kornmerr finster gerauscht und geschossen." Arbeiter und Soldaten halten im Taurischen Schloß eine Versammlung ab. Neben MlljuLow und Nvdzianko taucht der Name des Sozialisten Tscheidse aus. In derr weiten Provinzen des Reiches begirnreu, so heißt es in einer neuen Meldung, die Bauern blutige Aufstände. .Herrensitze werden niedergerissen, die Soldateska mordet ihre Offiziere, lln mittelbar hinter der Front soll es auch schon ein Schädel spalten geben. Und wer führt den Oberbefehl, bis zur Ent- scheiduug der Volksregieruug? Wir haben die Note der provisorischen Regierung an Rußlands Vertreter rm Auslande mitgeteilt. Es stand darin nichts von der Fortführung des Krieges, nichts von den wilden Krastausdrücken gegen beu äußeren Feind, wre sie bis dahin vom amtlichen Rußland beliebt worden waren. Heute, heißt es, dieses zahme Dokument sei nur den neutralen Regierungen zu gegangen; eine andere Fassung, in der die wüsten Befchimv fungen und Drohungen gegen Deutschland und Oie Mittelmächte nicht gefehlt hätten, sei den Verbündeten zugestellt worden. Wenn dies nicht nur ein Schwindel ist, so würoen daraus von neuern die Gegensätzlichwit und der Zwiespalt unter den an der Spitze der Unttvalzuna stehenden jtzreisen hervorleuchten. Der England ergebene Duma-Ausschuß bemüht sich, die revolutionären Triebkräfte mit nationalistischen Farben zu übertünchen. DaS humane England! Noch wartet es, nach der Mitteilung Lloyd Georges, mit der Wsenduna eines Glückwunschtelegramms an die Spitzen der Revolution. Wie ioürden sich solche Glücüvünsche ausnehmen angesichts der vielen Morde, die bereits vollsührt worden.sind, oder angesichts der Tatsache, daß denc Zaren in naher Zukunft ein ähnliches Schicksal rvie Ludwig XVI. beschieden sein könnte! Den: Zaren, der ein so inniges Einvernehmen mit Mnig Georg gepflogen und noch vor einigen Monaten, bei der Ablehnung des deutschen Friedensvorschlages, ganz nach der englischen Geige getanzt hat! Eine wunderbare Blüte feiner Gesinnung und Gesittung blickt aus den Spalten der „Times" heraus, deren Petersburger Mitarbeiter meldet, man sei wegen der Gefahr einer Gegenrevolution damit unzufrieden, daß dem Zaren gestattet wurde^nach Livadia zu gehen. Die neue Regierung befolge aber die vernünftige Taktik des amerikanischen Cowboys, der es mit einer durchgehenden Viehherde zu tun hat. „Er muß trachten, nock- rascher z,u reiten, um der Herde den Weg abzuschneiden." Dies scheine die einzige Manier zu sein, durch die man die Katastrophe in Petersburg vermeiden könne. Der Zar und sein Anhang wird äußerst geschmackvoll mit einer durchgehenden Viehherde verglichen. Es liegt in diesen Sätzen der pöbelhafte Instinkt, alles gutzuheißen, was die revolutionäre Mordsucht an dem Zaren und seinem Hause etwa verüben könnte. Der amtliche Glückwunsch wird noch zurück- gehalten; ein weiterer Grund als das in die Wirkung der nächsten Tage schnüffelnde moralische Bedenken ist wohl die starke Besorgnis, daß die Ereignisse einen Lauf nehmen können, der den Zusammenbruch der gemeinsamen Krieg- sührung herbei führt.
Der östorreichisch.uugarische Tagesbericht.
Wien, 20. März. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wir) vertauwart: 20.Viärz 1917.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
In den Waldkarpathen, rvestlich von Luck und am Stochod erfolgreiche Vorfelduntenlchinungen. Sonst nmtts von Belang.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Fleimstaler-Front bedeutend gefteigertr. sonst mrr gernÄhnlichc Artillerirtätigkeit.
Triest mar nemwings das Ziel feindlicher Flieaer- bomben.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich von Pepo lern an der Vojusa neben unsere Aufllarnnssabteisunsen eine feindliche Bande auf.
Westlich des Ocknida-Sees wurden neuerlich starke französische Angrssft iw^rsä-lagen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Hofer, Feldmarschalleutnaut.
vre UeVokution in Kutzlcmd.
Die Ernennung Nikolajewitschs zuw OberbefehlShabe, aufgehoben.
London, 19. März. (WTB.) Die „Times" meldet aus Petersburg: Die provisorische Regierung war gezwungen, der Stimmung der Revolutionäre Zuge-rändnisse zu machen. Als der Zxrr abdankte ernannte er den Großfürsten Nikolai zum Oberbefehlshaber. Trotz dessen Volkstümlichkeit hielt die" provisorische Regierung es für notwendig, diese Ernennung a u f z u h e d e n und durch einen Erlaß anzuordnen, daß der Oberbefehl nicht in den Händen eines Mitgliedes' der milie Romanow ruhen dürfe.
Kundgebung der provisorischen Regierung.
Petersburg, 19. .Mürz. (WTB.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentnr: Tie'provisorische Reg ierung erlies; vormittags folgendes Aicurifest, in dem es heißt:
Ter große W e l t k r ie g, in den das Vaterland hineingezogen wurde, fand es gegenüber den: moralischen Verfalle einer mll dem Volle uneinigen, für die Zukunft des Vaterlandes gleichgültigen in Schanden und Lastern verstrickten Regierung. Tie heldeuhasten Anstrengimgen der Arnree, welche unter dem Druck grauenhafter llrwrdmmg im Innern unterlag, die Stimme der Volksvertretung, bte angesichts nationaler Gefahr zusammentrat, waren unfähig, den ehemaligen Kaiser und seine Regierung auf dem Weg des Znsannnengchens mit dem Volle zu bringen. Ms daher Rußland durch ein gesetzwidriges '.mb unl-eilvolles Handeln der Negierung st-r vor dem größten Unglück sah, verstand es das Voll die Macht in eigene Hände zu nehmen. Ter revolutünräre Schwung eines gmizen der Ernschaftiakeit des Augenblickes bewußten Vvik«S und der feste Wille der Reichsdurna schufmr die provifovische Regierung, welche es als heilige Pflicht ansieht, die Wünsche d«s Balles zu erfüllen und das Land auf den leuchtenden Weg freier bürgeckircher Organriatron zu führen. Die Regierung glaubt, daß brr Gfist hoher -Vaterlandsliebe, de?r das Volk im Kampf gegen die alte; Rvgierungs- sorm bewies, auch die tapferen Soldaten auf bm Schlachtfeldern beseelen wird. Die Regierung ihrerseits wird fiyc mögliel^ tim, tun der Armee alles notwendige zu sichern, damit sie den Krieg zu einem siegreichen Ende führen kann. DK Regierung wird alle uns mit den anderen Mächten verbündeten Bündmste treu bewahren. Indem die Recherieng die unumgänglich notwendigen Maßregeln für die Verteidigung des Landes gegen den auswärtigen Femd ergriff, sah sie es als erste Pflicht cm, dem, Bolle bat Ausdruck des Willens hinsichüich der politischen Regiarungsform in, jeder Weise zu erleichtern. ES meb bald- möglichst eine konstituierende Versammlung anfgrund des allgemeinen Wahlrechtes berufen, wobei sie den tapferen Vaterlandsverteidigern einen Anteil an den P«rlamentsWahlen sichern ^vird. Tie konstituierende Brr- samnmmg wird auch ein Grundgesetz veröffentlichat, ivelches' dem Lande die unantastbaren Rechte der Freiheit und Gleichheit stclxrn wird. Unter dem Eindruck des ganzen Schn^ergeivichts der volitisckwi Unterdrückung, welche ans dem Lande gelastet und die frriai schöpferischen Kräfte des Volles während der quälenden Jahre der Prüfung für das Voll behinderk hat, hält die vrovisorische Re- giearng es für nolloendig, noch vor der Berußmg der konstituierenden Versammlung, dent Lande sofort feste Grundsätz-e zu geben, welche die politische Freiheit und Gleichheit iichern, um allen Bürgern die GeltendTnachkMg ihrer geistigen Kraft und ihrer schöpferischen Arbeit zum Wählendes Landes $u sichern
Augenblicke der Befveiimg des Volles denkt das ganze Land mit frommer Dankbarkeit an dieieniaen, welche im Kampfe für polit'.sckKnr und religiösen Gedanken als Opfer der Raäöucht de'- alten Regterimg gefallen sind, imd Pie provisorische Regierung wird Mit Freuden alle, die für das Wohl desi Landes gelitten hoben aits der VerbaBnung ümd aus den Gefängnissen zurückrufen. Indem dre provisorische Regterimg an der Lösung dieser Fragen arbeitet glaubt sie, daß sie den Willen des Volles auSßihrt, und daß da-?' pcnrze Volk sie unterfffitzen wird bei ihren Bemühungen, die Wohlfahrt Rußlands zu sichern.
Agrar-Nnruhen.
^ 20. März, (^rivattck.) Die „Doss. Ztq" mel°
det aus Stockholm: Die ersten Nachrichten über die begonnenen Agrarunruhen sind nach Petersburg gelangt. Die Soldaten rn der Provinz weigern sich, gegen die revoltierenden Bauern vorzugehen. Sie verweigern den Offizieren den Gehorsam und machen sie zum Teil nieder. Auch die Plünderungen von Gütern und Herrenhäusern begannen "wieder. Gutsbesitzer und Gutsinspektoren sollen bereits ermordet worden sfin Der Kommandeur der siebenten Division wurde von Soldaten niedergemacht. Der Gouverneur von Woronesch wurde schwer verwundet. Auch hinter der Front scheint das Mili- tär bereits völlig demoralisiert zu sein. In Petersburg selbst ist jede Manneszucht geschwunden. Offiziere und Soldaten trinken gemeinsam und betrunkene Soldaten versuchen die Läden aus zurauben.
Eine Versammlung der Arbeiter und Soldaten.
Rotterdam, 20. März. (WTB. Nichtamtlich.) Die , TimeS" meldet aus Petersburg: Das Komitee der Arbeiter und Soldaten hielt eine große Versammlung mt taurischen Palcht ab. Im ganzen waren 1300 Pefiorten anwesend. Da mrr 400 oti*e Ur die Abgeordneten vorhanden waren, wurden die anderen 900 aus ben Ministerbmrken und den Tribünen fick 'Presse
das Publikum untergebracht. Tscheidse führte den Vorsitz. Da es^sub hevalusstellte, daß die Versammlung rächt imstande sei me Geschäfte ziu erledigen, wurde beschtafsar, die Zähl der Dckegiefi- Leu zu beschränken.
Eine Mitteilung Lloyd Georges.
Amsterdam, 20 . März. (WTB.) Dos „Allgemeen
Haudclsblad" meldet aus London: Zlo vd


