Nr. 58
Ter Sietzene? Anzeiger
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sänrrltch >n Gießen.
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(WTB.) Großes Hauptquartier. 8. März. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Nur in der Champagne zeigte sich Artilleriefeuer. Die übrigen Fronten blieben bei günstigem Wetter und Schneetreiben im allgemeinen ruhig.
Bei Grkunduugsvorftößen zwischen Somme und Oise wurden sechzehn Engländer und Franzosen, sowie mehrere Maschinengewehre ejngebracht.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Keine Gesechtshandlungen von Bedeutung.
Zwischen Wilejka und Molodetschno kam durch Bombenabwurf ein russischer Eisenbahnzug zur Entgleisung.
Mazedonische Front.
Nördlich des Doiran-SeeS Vorposten-Geplänkel.
Der Erste Generalquartiermeister Luöendorff.
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Der ASendberrcht.
Berlin, 8. März, abends. (WTB. Amtlich.)
Im Westen und Osten bei Schnee fall nichts Besonderes.
Die Kunde vom Hinscheiden des Grafen Zeppelin wird auch in dieser großen Erntezeit des Todes die deutschen Herzen lebhaft bewegen. Sein Werk nicht nur, das lenkbare Luftschiff, ist es, was unsere Bewunderung und Verehrung hervorrief, nein, beinahe noch mehr war es der unbeugsame, selbstsichere, tapfer und unabhängig strebende Sinn des Mannes, der uns so nahe rückte. Auch er siegte, wie jetzt das deutsche Volk, gegen eine Welt von Schwierigkeiten und Widerständen. Ein wahrhaft großes Menschenbild leuchtete uns voran in diesem Weltkampf um Deutschlands Bestehen. Wer denkt heute nicht ohne Rührung an die hellen Sommer- Lage des Jahres 1908, wo die Zeppelinsche Offenbarung über uns kam, wo der herrliche Sieg über die Naturkräfte uns eirrgeläutet wurde, wo jedes Kind deutschen Namens sich freute und im Zeitalter der Technik doch einmal auch wieder wie in eitlem romantischen Märchentraum erbebte! Und als dann die Unfälle und Rückschläge tarnen — wie hoch ging da der. Strom des Mitgefühls, des Hilfsbestrebens, der Opferwillig kett! Genau so fortreißend und selbstverständlich wie jetzt die unbezwingbare deutsche Entschlossenheit dem äußern Feinde begegnet. Man sang damals das Lob des deutschen Idealismus, und wirklich, die Zeppelin-Verehrung ivar ein verheißungsvolles' Vorspiel zu dem noch größeren Aufflug, den einige Fahre später die deutsche Seele beim .Eintritt in den Krieg nehmen sollte!
In welchem Maße das starre Lnftschiffsystem sich im Kriege bewährt hat, darüber wird erst später ein abgeschlossenes Urteil gefällt werden. Was weithin sichtbar geworden ist, das waren die Flüge gegen und über das englische Fnselland, und hörbar wurde der Schrecken unserer Feinde! Me Zeppelin-Furcht in England, das war etwas, was den deutschen Namen um so höher hob. Eingeschlosseu von einer Welt von Feinden, wurde gleichsam symbolisch dargetan, daß dieses Deutschland stolz und furchtlos bleiben konnte. Nie wohl ist die deutsche Flagge so kühn und ruhmvoll in den Wiarden geflattert, als da oben in den Lüften. mtä denen wir die Engländer in ihrer Mthe aufschreckten. Dafür gellte uns das Wort „Barbaren" in'die Ohren. Das kümmerte die tapferen Fahrer so wenig wie das gleiche Geschimpfe über die U-Boote. „Der Hauch der Grüfte dringt nrcht hinauf in die reinen Lüfte." Ob man auch von einem begrenzten und einem unbeschränkten Zeppelin-Krieg spveck>en kann, wird eine spätere Zeit ausmachen. Die Erfindung des deutschen Grafen hat, nach vielen amtlichen Feststellungen, dein Feinde oftmals erheblichen Schaden zugefügt, ihn ständig beschäftigt, abgelenkt von anderen Vorbereitungen, und auch auf diesem Gebiete das Gesetz des Handelns diktiert. Dem entschlafenen, siegreicher: Bahnbrecher in großer Zeit hat, neben den Kranz der Dankbarkeit seines Volkes, auch die ernste und gerecht wägende Clio eirr Gewinde überirdischen Wohlwollens auf das Grab gelegt.
Der unermüdliche Erfinder hatte nrit seinen glanzvollen Fahrten den westlichen Nachbarn oft genug vorgehalten, ,>oaH sie ihn nicht haben sollen, den alten deutschen Rhein". Heute aber wird die welsche Forderrrng noch einmal mit allen Maßen und Formen der Keckheit und Lüsternheit vorgebracht. Fn den Hallen der Pariser Universität haben die heutigen „Größen" Frankreichs noch einmal sich in Kriegs- zrelen berauscht. Sie fordern wirklich und wahrhafttg Elsaß- Lothringen und die deutsche Nheingrenze. Aber wenn man in diese Pariser Versammlung, über deren Verlauf wir nach
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stehend berichten, etwa? näher hineinleuchtet, so entdeck: man ein ganz anderes Panier, das hinter hochtrabenden Redensarten versteckt wird. Warum orgarrisiert man einen solchen Patriotentag künstlich? Wahrscheinlich, weil rnan's nötig hat. Weil der Eifer und der Kampfwille des blutenden Volkes allmählich erlahmt. Hinter der tönenden Forderung, die dem französischen Volke beigebracht werden soll, verbirgt sich eine andere, vielleicht in zunehmendem Maße aufsteigende Mahrrung des Gewissens. Man weiß sich vor der Entscheidung steherrd. Sollen noch einmal die furchtbaren Blutopfer gebracht werden, um vielleicht dann doch erfolglos von der deutschen Mauer zurückzukehren? Kämpft man nicht viel mehr für England als für das eigne Land? Das letzte wird die bangste und peinigendste Frage sein, die man sich in Frankreich jetzt stellt. Aber die leitenden Köpfe haben, wie der deutsche Reichskanzler ganz richtig festftellte, sich zu weit in die Netze des unfruchtbaren Krieges verstrickt und so rennen sie immer noch einmal an, unr das Unmögliche vielleicht doch noch möglich zu machen. Dem armen Volk wird der blendende Gewinn phantastischer Kriogsziele vorgezeigt. Wir Deutsche fürchten- diese Kundgebung keineswegs. Sie erscheint uns mehr als ein Zeichen des Niederganges, der Zweifel und Verzweiflung bei unfern Gegnern, als eine Fanfare wirklicher Kampfenergie.
Der österreichisch-ungarischen Tagesbericht.
Wien, 8. März. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird uerlauttzart: 8. März 1917.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
In den Waldkarpathen nordwestlich des Tartaren- Passrs wurde der Feind von einer Höhe vertrieben. In Wol- ! hynien VorstLgeplänkel mch verstärkter Feuerkampf.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Im allgemeinen geringe Gefechtstätigkeit. Sturm- patrouillen des Honved-Jnfanterie-Regiments Nr. 32 brachten aus der italienischen Stellung westlich von Konstanjevica Iß Gefangene ein.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v.Hofer, Feldmarschalleutnant.
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Eraf Zeppelin f.
Berlin, 8. März. (WTB. Nichtamtlich.) Graf Z e p p ei in ist heute vormittag um »412 Uhr im Westsanatorium zu Charlottenburg einer Lungenentzündung erlegen.
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Fried richshirfen, 8. März. (WTB.) Graf Zeppelin- batte sich dieser Tage in Berlin einer Operation zu unterziehen. Durch Hinzutttten einer Lang enentzündung war der Zustand des Kranken errrst geworden.
Be r l i n, 8. März. (WTD. Nichtamtlich.) Heber das .Krankenlager 'des Grafen Zeppelin meldet die „Kriegsz eitung": Graf Zeppelin Ivurde seit längerer Zeit an einer Ruhrerkrankung behandelt. Ta der Fäll kompliziett war, schritt man zu einer Darm Operation, die mufo glücklich verlief. Man hatte bereits alle Hoffnung, den Patienten wieder her gestellt zu sehen, leider aber trat Ziegenpeter und später Lungenentzündung hinzu. Dl?e NpFjnmgsanfnahme war infolgedessen unbefriedigend und schwächte die Widerstandskraft des greisen Grasen erschlich. Die Krankheit nahm daher in den letzten Tagen eine kritische Wendung. Heute mittag halb zwölf Uhr schllnmnerte der Güas im Kreise seiner hier weilenden Angehörigen sanft hinüber. Er war bis zuletzt bei vollem Bewußtsein.
Graf Ferdinand von Zeppelin fst am 8. Juli 1838 in Konstanz als Sohn des Fürsllich Hohenzollernschen Hof- und Ne- gierungsvates Friedrich von Zeppelin geboren. Er stfudiette am! Polytechnikum in Stuttgart urd trat 1855 in die Kriegsstlxule in Ludwigsburg ein. 1858 wurde er Offizier und studierte dann weiter in Tübingen. 1863 nahm er am amerikanischen Sezessionskriege teil rmd machte die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit. Bekannt ist sein schneidiger Retogrwsziernngsritt in dem letzteren Feldzuge. Bon 1885 bis 1890 war Graf Zeppelin lvütttembergischer sandter und Bevo llmächtigter beim Bundes rat in Berlin. 1890 nahm er als Generalleutnant seinen Abschied, wurde ä la suite des Königs von Württemberg gestellt imb 1905 zum General der Kavallerie befördert. Seit 1890 beschäftigte sich Graf Zep.pelin mit dem Ban lenkbarer Luftschiffe. Er unternahm in den Jahren 1898* bis 1900 die ersten Versuche nrit seinem weit verbefserteu System. Sein erster Ballon war 128 Meter lang, faßte 11 300 Kubikmeter Gas und hatte 11,6 Meter Durckpneffer. ?kusgerüstet war dieses Luftschiff mit zwei Motoren Ku je 16 Pferdestärken. In welcher Weile sich die Zeppelinlnftschrffe entwickelt litten, ist hinlänglich bekamrt. Graf Zeppelin ntu&te sich dieser Tage tu Berlin einer Operation unterziehen. Durch Hinzutreten einer Lningenentzün-
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kyrng hatte sich der Zustand des Kranken verschlimmert. Er hinter- läßt nur eine Tollster, .Helene, die sich am 19. Februar 1909 mit dem Grafen Alexander von Branden stein vermälstte. Um den Na- mtn Zeppelin zu erhalten, wurde bient Grasen Branden stein die Berechtigung erteilt, !einem Namen den Zeppelins beizufügen.
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Berlin, 8. März. (WTB.) In der l>entigen Sitzung des Abgeordnetenhauses widmete nach Schluß der Debatte Präsident Graf v. Sch-oerin-Läwitz dem verstorbenen Grafen Zeppelin folgende Nachruf:
Durch daS Wolfffche Telegraphenburean ist uns die Nachricht zngegmrgerr, das; Graf Zeppelin heute vormittag einer Lungenentzündung, erlegen ist. ( c Zic Mitglieder des HanseS erheben sich von den Sitzen.) Tanrii ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der sicb nicht nur, wie Fürst Bisrnarck rühnren durfte, bei mrseven! Feinden eurer der bestgehaßten zu sein, sondern auch lange Zeit fick! rü'hnrM durfte, in unserem Volke enre-c der bestge liebten) Männer zu sein, und darum wird durch die Trauerkunde daS derrt- sche Voll in tiefe Trauer versetzt. Mier seine Werke folgen ihmj nach, und wir dürfen die feste Zuversicht haben, daß auch seins große weltgeschichtliche Erfindurrg an der siegreichen Vo!!'endung des Weltkrieges ihren Aneeil haben wird. Unter aller: Umfräirden wird der große Na-ne des heinr>Aegan^«ren Mannes der unvergängliche» Liebe und Dankbarkeit des derttfchen Volkes sicher sein.
Mexiko und der TanchöooLlrieg.
Wien, 6. März, (zf.) Die „Neue Freie Presse" veröffentlicht eine Anfrage der Vereinigten Staate n an ihren Vertreter in M e x i k o und die darauf erfolgte Antwort. In der Anfrage, die von Lansing unterzeichnet ist, heißt es:
„Teilen Sie Garranza mit. daß der Vertreter Großbritanniens! in Washington Nachrichten über die Tätigkeit deutscher Tauchboote im Golf von Mexiko empfangen hat, und daß die MliiertQi. gezwungen sind, die nachdrücklichen Maßnahmen zu ergreifen, stms sie die Kenntnis erhalten, daß ihren Feinden Hilfe im mexi- kanffcherr Territorium gewähtt worden ist. Bewirken Sie, daß Car- ranza erfaßt, welche große Bedeutung der sofortigen ErgreisunF von wirksamen Maßnahmen zukvmmt. die dahin führen, daß ter Gebrauch des mexikanischen Territorürms als Operatiorcsbasis für Kriegsschiffe verhindert wird, sowie der Novveirdigkeit, unverzüglich eine strenge Zensur der drahtlosen Telegraphie anznordnen."
Die Antwort Mexikos lautet:
„In schuldiger Bocrnttoortnng habe ich die Ehre. Eurer Exzellenz dem tiefen Beftemden Ausdruck zu geben, das bei der mexikanischen Regierung die Tatsache hervor gerufen lmt, daß sich Seine Exzellenz der Botschafter Großbritanniens in Washington an die Regierung der Vereinigten Staaten gewandt hat irr einer Angelegenheit, welche ausschließlich Mexiw betrifft, um so mehr, a!S Großbritarrnien einen bei Mexiko akkredietten Ver- tteler unterhält. Die mexikanische Negierung betrachtet es als ungerechtfettigt, daß die Alliierten sie verarttwottlich machen »vollen für die Tätigkeit deutscher Tauchboote im Golf von Mexiko, da ja solche Tauchboote amerikanische Häfen angelaufen und auch innerhalb der territorialen Gelväffer der Vereinigten Staaten Schiffe versenkt haben, ohne daß dieses Verhalten irgend welck>e Konflikte hervorgernfen hätte, und ohne dcch ans diesem Grunde die Regierung Ew. Exzelleirz vercurtwottlick) gemacht worden wäre Nichtsdestoweniger erlaubt sich die mexikanische Regierung GroßbritLnrnien gegenüber anzuregen, daß die englische Flotte die deutschen Tauchboots verhindere, aus llwer heimatlichen Baffs auszufahren. Dadurch würde die mexikanische Regierung gegen nrrangenchnre Zwöchensälle gedeckt, welche der gegenwättige europäisä-e Konflikt veranlassen könnte. Wenn die von Großbtttarmien ergriffenen Maßnahrnen nicht wirksam werden, wird die mexikanische Regierung nach den Erfordernissen der Umstände handeln, falls deutf'che Tauch- boote in mexikanischen Gewässern fahren."
Der amerikttnische Senat.
Washington, 7. März. (WTB.) Meldung des Reu- tersch-en Bureaus. Der arrs Demokraten und Republikariern bestehende vereiriigte Kvngveßcmsschuß kam überein, eine Aenderung der Geschäftsordnurrg des Senates in der Mch. tung zu empfehlen, daß jede Debatte mtt zwei Drittel Mehrheit geschlossen werden kann.
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Erfolg deutscher Seeflugzeuge.
Berlin, 8. März. (WTB -Amtlich.) DeutscheSee- flugzeuge haben am 6. März Hafenanlagan und russische Stellungen bei S u l i n a angegriffen und erfolgreich mit zahlreichen Bomben beworfen. Sämtliche Flugzeuge sind trotz feindlichen Abwehrfeuers wohlbehalten zurückgekehrt.
Bon der Wcftsrout.
Berlin, 8. März. (Privattel.) Auf der Westfront sind in der Zeit vom 1. März ab 333 Engländer und 7 30 Franzosen gefangen genommen, 32 Maschinengewehre und 25 Sck>nelladegcwehre erbeutet worden.
Eine schwedische Offiziersabtcilrrng aus dem östlichen Kriegsschauplatz.
Berlin, 8. März. (WTB.) Nackchem eine spanische Offiziersabordnung schon seit längerer Zeit auf dem westlichen Kriegsschauplatz verweilt hat. begibt sich irr den nächsten Tagen aus Einleitung der obersten Heeresleitung eine schwedischeQssizieröabteilung aus den östlichen Kriegsscharrpiatz.


