llr. 49 Zweites Blatt
Erscheint tihNch mit Ausnahme de« Sonntag«.
M. Jahrgang
Beilagen: ..«iehener 5amiNenh«ttter" und „Xrekblatt für den Breis Gießen".
Pofilcheckkoalo: Frankfurt am Main Nr. UM*- Vankverkehr. Gewerbedank Gießen.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Dienstag. 27. Februar (9(Z
ZwillmgSrundüruck und Verlag: Brühl'scheUnürersuäts.Buch-u.Strindruckerei.
R. Lange, Gießen.
§chrift!eitung. Geschäftsstelle und vnttkrrei:
Schulsttave?. Geschas.spelle u. Verlag:
Schrift lettung: e=& 112.
Anschrist für Drahtnachrichten: AnzeigerGießew
Uriegsbriefe aus dem Westen.
^Von unserem Kriegsberichterstatter.
Mnverechttgter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.!
Bei den Seesliegern.
Grobes Hauptquartier West, den 1V. Februar, wrf brandun g sum s pültem Steg an unserer standrischen Küste dem Horm der Leeslleger zustrebte. sah ich ein Beispiel von Mamer T:eroergefellsämftnM, von dem ich gewünscht hätte, mein FrQmd vermann Lons hatte es erlebt und besungen: Vom Ku<tenfen,ter aus fütterte ern Flieger eine Vogelschar, die aus Tauben und Möwen bunt gemischt loar. Der loeiste Möwenatlas und der graue Tauben stamm war als ein lebendiger Teppich von wochjelndem Musber vor den: Aufgang zum Fliegerhorst aus gelegt. GanL srredttch nährte,: .sich die kreisäsenden Reiter der Wellen- kämme und die gurrenden Bvrndschatzer der Frühlingssaaten von «r L»vor>e, die ihnen der Flieger mit freigebiger Hand vorstteute.
^bn Karboffelschalen, nehmen lvir aber lieber mit ChiLsttan Morgensbern an, daß der Flieger mit Roggenbrot und rott-ichen Zrüeven um sich warf, damit die Poesie nicht leide. T-arn^es rst doch so schön, daß der deutsche Seestieger, der mensch- Lch« 'Sveger über die 9Reeresstürme, den Sturmvogel, den „Blau- sutz des Blamen Albrecht Rodenbach, zum Freund und Haus- garosssr gemacht und der Taube des heinratlichen Bauernhofes den ^eefkug gelehrt tztt lind das; die beiden, die seit Iahrmillwnen fcce Meister der Lüste über Wasser unb &mb gewesen sind, jetzt als Freunde und Gäste zu dem Menschenkind eingeladen sind, das sich feit ein paar fahren n: -de:: Kopf gesetzt hat, Möwe, Sturmvogel und sewadler zu überflügeln.
3km der Arbeit des Seestiegers kann ich mir aus eigenem Erleben kemen Begriff machen, denn so oft ich die Gelegenheit zu emem Aufstieg -gehabt hatte, machte das schlimme Wetter einen LErüh durch die Hoffnung. Auch diesmal war das Wetter ganz überraschend umgeschlagen. Bei der Ankunft in Brügge hatte ich gerade den richtigen Augenblick erreicht, um bei 20 Grad Kälte und gläserner Himmelsklarheit einen englischen Fliegerangriff großen Stils mit allem zugehörigen Feuerwerk zu erleben. Das war frühmorgens um 4 Uhr. Als ich am nächsten Bormittag an der Küste ankam, rieselte mir der weiche Nebelregen in den Kragen. „Dem etnoi fm Uhl, dem anderen sin Nachtigall!" Englische Flieger können bei dem Wetter nicht kommen, um den Kmdermassenmvrd m Brügge svrtzusetzen, aber auch unsere Seestieger haben keine Sicht. Außerdem bedeutet der plötzliche Wetterumschlag einen schnellen Eisbruch auf den vielen in die See mündenden Kanälen iiud Wssserläufen Flanderns, eine Vermehrung des Treibeises, die den Seestiegern unbequem ist. Wenn jede Brandungswelle mit Gissplttben: geladen ist, gehen, die Möven und wahrscheinlich auch die Fische der Uferz-one dem Eisblockgewürfel weit aus dem Wege und ruhen sich in der offenen See aus, wohin rvvch immer ein Liebes- qabemoärmestrahl des großen Golfstromes dringt. Die Leinwandvögel des Mensckxn intb seine wundervöUen Stahl ftsck-e sind noch nicht so wert. Sie sind.an Krane, Tanks, Leitungshähne usw. gebunden. die einmal da fest am Land stehen, wo sie hingestellt und. Darin also sind Möwe inri> Stint uns über.
Bon der Uferzone kam das Schallen des Eisbruches, takttnästig wiegend und ernränig. Ter Nebel wurde dicker. Wir saßen im behaglichen Unterstand beisammen, und die Flieger sprachen von ihren Kameraden, die nun draußen an Englands Küsten und über den französischen Nvrdseehäfcn hinstrichen und von Tunst und Böen viel zu leide:: haben. Das Wetter wechselt plötzlich, und nur selten ist die Dicht frei. Aber auch wenn die Nebelschleier in die Wellen fallen, wenn von der englischen bis zur französischen Küste die Sicht frei lvird, fo daß das Fallenauge des Fliegers den kleinsten Kabn erspähen würde, muß der Flieger nach langieur Kreuzen und Streifen unbefriedigt umkehren. Die See ist leer und aus gestorben. Der „Potsdamer Platz-Verkehr", der vor unserer U--DooSriegsansage zwischen England imb Frankreich Tag und Nacht im Gange war, ist mit einem Schlage „gestoppt". Engländer und Franzosen versteckten ihre Schiffe um die Wette in den ttefsten Winkeln der Häfen. Die Kohlen, die England seinem französischen Verbündeten schuÜng ist, bleiben aus den Verladeplätzen, während derweil Franzmann mit den Zähnen klappert und die englischen Buntes genossen zu allen Teufeln verwünscht. Das ist die Tatsache. Wir kennen ihre Bestätigung aus anderen Quellen. Hier sind wir bei den Männern, deren Falkenouge nichts entgeht, was sich im Aermelmeer zu regen wagt. Wie Habicht und Sperber die Welt
beherrschen und vergewaltigen, die unter ihnen liegt, und sie sich
r 0 **? machen vom fetten Fasanengeheck bis zum unflügaen Feldsperlrng, so ist ihnen alles in die sichere Hand gegeben, wesche dre fast unfehlbare Bernichtungsbombe löst: vom dicken Kohlnr- dampser bis zu dem kecken Motorboot, das dem lichterlos gewordenen feindlichen Wachtschiff ein paar Fässer Leuchtöl hinüber- schmu^geln möchte. Die Entente hat gut Nachrichten zu verfälschen und zu verschleiern. Hier sind die Meldungen der Kampfflieger, die berichten, wo die englischen U-Boote dicht vor der holländischen Seezone schüchtern und achtungsvoll genug vorgekommen sind. Ta sind die gleichzeitigen Aufnahmen der Beobachtungsflieger, die uns diese U-Boote zeigen. Hier ist die Meldung der einen, und da .sind die Bilder der anderen, die uns den Anhalt geben, daß im Augenblicke der deutschen U-Bvot- rrregsansage diese feindlichen Vorposten, die wir im übrigen nie gefürchtet haben, uns in Eile und bangbüxig das Feld, vielmehr die wette Soe, geräumt haben.
Die Engländer haben die Veröffentlichung von Schiffsbewegungen und Schiffs Verlusten verboten. 'Das ist das erstemal, daß die Engländer, seit sie sich als Beherrscher des Weltmeeres fühlen, eine solche Zensurmaßrcgel ergriffen haben, und es scheint, daß der Philister in Old England, der ja in seiner tausendjährigen Ge- scknchite in diesen Tagen zum ersten Male erfährt, was Krieg heißt, den Ernst dieser Notwendigkeit noch nicht begreift. Ich war an unseren flandrischen Stützpunkten, als diese Nachricht eintraf. Ich habe in meinem Leben noch kein so helles, lustiges Lachen gehört, wie in den Augenblicken, wo diese Nachricht bekannt wurde. „Armes England!" Das ist ein neues Wort in der Weltgeschichte. „Armes England!" Das haben in diesen Fcbruartagen znm ersten Male deutsche U-Boollommandanten und deutsche Seeflieger ausgesprochen. Wie weit ist der britische Stolz heruntergekommen! Was wollt ihr uns verheimlichen? Wir sind die letzte::, die euren Ber- ösfentlichungen glauben. Liter wir wissen zu feder Stunde und haben die Urkunde dafür im Lichtbilde, was in euren Häsen liegt, Trans- portda nipser, Zerstörer, Aufklärung sein heiten, U-Bvote. Wir kontrollieren jeden Stützpunkt im Operationsgebiet. Cherbourg gestern niittag um 11. Bitte, hier ist die Aufnahme. Zwei Stunden später dg fehlt ein Zerstörer. Mit welchem Kurs ist er cnßgelaufen? Hier ist schon die Ausnahme. Was ihr plant und sinnt, ,alles geschieht unter den Falkenaugen deutscher Seeflieger. Und ein Privotkabinett, wie den quadratisch cingezirketten U-Bvotshafen im großen Hafen von Dünkirchen, da kennen wir uns besonders gut aus. Dessen Kriegsgeschichte können wir auf jede Stunde der weltgeschichtlichen Entscheidungsjahre auf Grund unserer Aufnahmen und Berichte schreiben. Und da perbietet ihr Veröffentlichungen ? Armes England!
Ein Rausck-en von See. Ein U-Boot legt an. Zwei französische Marineflieger sind in den Hoosdeu von dem U--Bootskommandanten mit dem Karabiner leck geschossen worden und werden gefangen ein gebracht. Vor wenigen Stunden sind sie in Dünkirchen aufgestiegen: zwei klägliche Gesellen, obwohl beide im Untern ffiziers- vang und aus Frankreichs bcftcm Menschenmaterial, ans der Bretagne und aus St. Omcr, beides Fachleute. Man begegnet ihnen mtt der Achtung, die deutsche Gefangene in Frankreich finden, und der sie verhörende ^Ofizier weist Bescheid, denn er war selbst einmal Gefangener da drüben und weist, wie man ihm begegnet iH. Sie jammern, das; alles Unglück Frankreichs von den Engländern komme, aber sie sind feige genug, ableugnen zu wollen, dast ihr Flugzeug, das doch in :rnserer Hand ist, eine Bombenabwurfvorrichtung gegen U-Boote hat. Dennoch scheint ihr Hast gegen die Engländer ziemlich ehrlich
Ein Signal kündet die Rückkehr eures Aufklärungsfliegers. Kaum erspähten nur ihn am fernen Himnret, da setzt er schon airf die Brucheisschollen krachend auf, dast die schwarzen Entenvölker auscinairderstieben. Meldung: „Unsichtiges Wetter. Wir mustten schr ttes fliegen. Feindlich Flieger rissen vor uns aus, ehe mir zum Kampfe kommen konnte::. Fm ganzen Kanal kein^Schifs zu sichten." Armes meerbeherrfchendes England! Kein Schiff zu sichten. Unsere Flieger mustten aUc Bomben zurücttwingen, und das tat ihnen w:rklich leid.
_ W. Scheuermann, Kriegsbericherftatter.
Der ReichstagsauSschust für Bevölkerungspolitik.
Berlin. 25. Febr. Der Reichstagsausschuß zur Beratung von Fragen der Bevölkerungspolitik trat gestern erneut zusammen. Ein Vertreter her Regierung
machte Mitteilung von bevölkerungspolitischen Gesetzesvorlagen, die gegenwärtig von der Rerchsregierung vorbereitet werden und sich ihrem Abschluß nähern. Er stellte in Aussicht 1. einen Gesetzentwurf auf Zurückhaltung solcher Militärpersonen, die an ansteckenden Krankheiten leiden^ 2. einen Entwurf auf Verbot des Verkaufs empfängnisverhütender Mittel und 3. einen allgemeinen Entwurf für die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, die sich u. a. auf eine Aenderuug des Kuppeleiparagrapheu, eine Ueber- wachung der Gewerbeun^ucht, auf Bekämpfung der Kurpfuscherei und auf den Säuglingsschutz bezieht. Nach diesen Mitteilungen verzichtet der Ausschuß .zunächst auf Weiter- beratung der von rhm beharrüelten Fragen und Null ab- warteu, bis die Regierung mit ihren Vorschlägen hervor- getreten ist.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 27. Februar 1917.
"Auszeichnung. Unteroifizier Wilhelm A l b a ch , Res.- Jni-Regt. 11/30 (früher 4. Jnf.-Rgt. 11/87», zurzeit in einer Ge- neslmgsabteilung, wurde von seinem Truppenteil mit der Hessischen Tapierkettsmedaille ausgezeichnet. Das Eherne Kreuz 2. Klasse erhielt er schon früher.
Miltärische Beförderung. Zum Leutnant d. Res. befördert wurde der Lehrer L o tz aus Gießen.
** H essen-Nas säuisches Wörterbuch, lieber das Arbettsjahr 1916 schreibt Professor Wrede -- Marburg in den Sitzungsberichten der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften vom 25. Januar 1917: Wiederholt wurde in diesen Berichten mit Genugttlung erwähnt, dast die grostherzoglich Provinz Oberhessen in den Wörterbuchbezirk eingeschlossen werden konnte, und dabei der förderlichen Mithilfe mehrerer Herren in Gießen dankbar gedacht. Heute ist eine weitere Tatsache in gleicher Richtung zu buchen: der Gesamtsenat der Universität Gießen, -«t aus ihm zur Verfügung stehende:: Mitteln dem Wörterbuch eirte nahnchafte Summe Angewandt. Das Rheinisch Wörterbuch hat nnnmehc alle Fragebogen, die es in den ersten Jahren seines Bestehens aus dem westlichen Nassau ett^ezogen hatte, in entgegenkommender Weise an das Hessen-Nassanisch Wörterbuch abgefühtt. Der Apparat umfaßt jetzt über 102 000 revidierte oder kombinierte Zettel. Vom populären Wörterbuch (Stichwörtervsrzeichnis) soll eine Probe (Buchstabe M> in Kürze gedruckt und an alle Sammler verschickt werden. Dialektatlas des Wörterbuchgebietes :md Wortgeograpdie konnten nur wenig gefördert werden. Hingegen hat die Verzettelung des urkundlichen Materials wesentlich Fortschritte erzielt. Herr Tr. Corell, in den früheren Jahresberuchten als Asiistent und rühriger Helfer wiederholt genannt, ist im Oberelsa st für das Vaterland gefallen. Alles in allem darf mtt Befriedigung ieö- gestellt werben, daß die Arbeit am Hessen-Rassauischen Wörterbuch im Betriebsjahr zwar zeitweise begreiflich Einschränkung erfahren mußte, daß sie aber niemals ganz geruht hat icnd daß die Fott- schritte des großen Werkes bettüchtticher sind, als vor Jahresfrist em m le t werden durfte.
Landkreis Gießen.
S. Hausen, 26. Febr. Wiederum ist einer unserer Krieger wegen Tapferckett vor dem Feinde ausgezeichnet worden. Ter Gefreite Hemr. Müller, Feldartill-Regt. Nr. 25, 2. leickste Nttmi- tivns-Kolonne, erhielt die Hessisch Täpfechttsgedenkmünze. H. Müller ist der Sohn von dem verstorbenen Gememderechner Heinr Müller II. Er ist fett Anhang des Krieges im Felde. Ein Bruder von ihm, Ludwig Müller, starb rm Sommer 1915 in Galizien den Ehrcntod fürs Vaterland. — Die Spende für die Großherzig Ernst Ludwig-Jubiläumstiftun g erreichte hier den Betrog von 160 Mk., eine für unsere, hauptsächlich aus Arbeitern bestehende Gemeinde recht beachtenswerte Summe.
Hessen-Nassau.
X Hanau, 25. Febr. In einer Versammlung der Geistlichen des Kreises Hanau ist über den großzügig gedachten Plan. Kinder der großen Industriestädte in den Landorten unterz-ubringen, beraten worden. ^Wie mttgeteät wird, besteU die Absicht, im Landkreise Hanau Kinder aus der Industriestadt Bochum imterzu- bringen. Die GeiUichen waren einig darin, das Werk christlicher Nächstenliebe tatkräftig fördern zu helfen.
Lin Jubiläum der Zteinlohle.
Es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, daß gerade in diesem Jahre, wo die Kohlen knappbeit sich so u:mngenehm fühlbar macht, das 6(X)jährige Jubiläum der Steinkohle in Essen gefeiert werden könnte. Aus dem Jahre 1317 datiert, nämlich die erste urkindliche Erwähnung von Steinkohlen in Essen, das damals noch ein bestheidenes Landstädtchen, allerdings mit einer angesehenen frei- weküichen Abtei, war. In der aus dem erwähnten Jahre herrührende:: Sttstungsurkunde des Hospitals zum hl. Geist, des nock) heute bestehenden städtischen Spitals für alle Leute, heißt es nämlich: „Den Raum vor dem Zimmer der Haushälterinnen mögen olle Brüder zum Niederlagen des Holzes und der Kohlen (car- bonum) benutzen". Mit diesem Wort sind jede:lfalls Steinkohlen gemeint, da Holzkohlen für Schmiedebetriebe gebraucht wurden. In Belgier: hatte man die Steinkohle schon viel früher entdeckt, denn in Lüttich wird sie z. B. schon im Jahre 1198 erwähnt, und zwar als „schwarze Erde, die zun: Feuerwachen vorzüglich geeig- rcet ist". Daß sich der Gebrauch, der Steinkohle so langsam ausdehnte. «wllärt sich aus der Tatsache, daß man rwch überall, genügend Holz zum Brennen hatte und Steinkohlen nur auswahms- weise benutzte. Tie Kohler:flöze treten übrigens im Ruhrtal zutage, so daß deren Entdeckung schon durch Zufall leicht möglich war. Die ersten Kolstenplätze bei Essen wurden aus der: Aeckern des Oberhoss Ehrenzelle aip,elegt. d. h. auf dem Geb:et, auf dem sich jetzt die Kruppsche Gußstahlfabrik auSdehnt, um die sich d:e Großstadt Esseu eittmickelt hat. Aus der folgenden Zeit erfahren wir nur nnmig über eine Ausbeutung der Kohlenlager, so :m Jahre 1575, wo die Fürst-Aebtissin von Esseu eü:e „Socttät! der Köhler" genehmigte. 1593 schreibt die Fürstäbttsirn, daß s:ei „aus Mangel des Holzes Steinkohlen einkaufei: mußte, welches :hr seit ihrer Regierung nicht wenig gekostet". Infolge de: Zmmhmie der Bevölkerung und des Dufwmmens des Schmiedegewerbes war Holzmangel cingetteten. mtd dadurch wurde der Kohleu^vergbmlj gesördert. Er kam am Ende des 16. Jahrhunderts sogar in volle Blüte, obschou damals, wo jeder auf seinem Grund ww Boden die Kothen aus der Gcde gntb, von einer eigentlichen Bergbaukunst noch keine Rede war. Erst als größere dNengen^verbraucht imnten, bildeten sich Gewerkschaften im Bergbau. Tie Stürme des Dreißigjährige:: Krieges vernichteten aber die vielversprechmden! Anfänge des Bergbaues, und »venu dann auch wieder neue riechen gegründet wurden, so :var doch erst sett der Mitte des 18. Iahr- liunderts wieder ein Aufschwung zu verzeichnen. Tiefer in d:e Erde dringen konnte man erst, als Dampfmaschinen für die Förderung erfunden irrem:, aber erst feit den dreißiger Jahren deS 19 Jahrhunderls sing man allge:nein auf ber Zeckzen <n:, Tauipf- maschinen aufzustelllm Seither konn-de man auch die von Mergel überlagerten reichen Kohlenflöze an der Enrscher und an der Lippe erschließen, und gerade vor dem jetzige:: Krieg,' t^rtte die'Kohlen- sörderung in diesem ltzebiet die geivattige Menge von 1O0 Millionen Tonnen lährluh überschritten Ter Schwerpaurkt des Kohlen-
I bergbaues hat sich inzwischen von der Ruhr nach der Emscher verzogen und wird später an der Lippe zu suchen sein. Essen hat aber ttotzdem seine Bedeuttmg als Attttelpunkt des RuhrkolstengebielS erhalten, und es ist eine eigenartige Kriegserscheimcng. daß jetzt sogar in Essen, das doch direkt auf der Kohle steht, das Städte theater. die Museen. Schulen usw. »vegen Mangels an Kohlen geschlossen werde:: mustten. Die Nachfrage nach Kohlen ist eben stärker als die Förderung, urtb es ist ganz selbstverständlich, daß in erster Linie der Bedarf der Kriegsindustrie gedeckt werten muß.
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— Das Heimat recht der Zeittrng an unseren Hochschn len. Da der Krieg die Bedeutung des Zeittm.gswes.ms in ihrer ganzen ^Mrnrnigfaltigkett ins schärfste Licht gerückt hat. ist es mrc selbstverstcttldlich, daß die Frage, inwieweit die Presse ein Recht auf Berücksichtigung im Lehrweseu unserer Hochschulen hat, gerade jetzt besonders aktuell geworden ist. Zahlreiche Erörterungen dieses (Gegenstandes fjabcn den Betveis dafür geliefert, daß man die Zweckmäßigkeit zu erkennen beginnt, der Presse auch in Deutschland eine 'Würdigung von höhere::: Standpunkte aus einzuräumen. Me verschiedeiren Probleme, die sich bei Aufwerfung dieser Frage von selbst ergeben, untersucht in sehr interessanter Weise Mar Artur Jordan in der im Verlage von K. F. Koehler in Leipzig erscheinenden Akademiscl)en Rundschau, wobei er ein enges Zulammen gellen von Presse u:id .Hochschaillvesen befürwortet. Tatsächlich habe:: neuerdtt^s vettchiedene deutsche Hochschulen bereits oie Einverleibung der Presse als Unterrichtsfach in ihre Vorlcsungs- plänc erwogen, was aus einem Uebe:blick über das bisher aus diesem Geteete beretts jGeschehene näher hervorgehen mag. So kündigten im Sommersemester 1916 die Universitäten in Leipzig, München, Gießen, Sttaßburg :md Münster Vorlesungen über das Zeitungswesen an. Es gab B'rleftmge:: über das „Urheberrecht", einen , Allgemeinen Kurs für Zeittrugskund^h Pros. Dr. Witkowski hielt Hebungen pr Einfühmmg in die Technck des J-euillewns ab Weitere Stoffkreise, die an Hochschule:: erörtert wurden, warn: . Zeitfvager: des ZeitungÄvesens", „Me Technik des Kapitalmarktes" zur Einfühnmg in den Börsent-eil der Tages presik Usw. Doch gerade an den größten Univerfttäten, in Berlm, Breslau. Franffurr a. M, Halle, .Heidelberg. Jena. Königsberg. Marburg, Wür^burg, Tübinger: u. a. :st es bisher zu Vorlesungen auf den: Gebiete des ZeittmgsWesens '.twö nicht gekommen. Besser sind die Verhältnisse in dieser Beziehung an den Handelshochsclmlen. Bo las an der Berliner Hantelsteci^ckmle im Svmmers-einester 191<, der Cheftedakten: des Verlftver Börsen-Courier M. Haas über „HandelsjErnaliftik". an der Harldelsliochschule Köln wurde eure Vorlesungsreihe über „Die Presse in der Gegenwart, ihre Bedeutung und ihre Organisation. Eim Ernführrmg in dwZerttlngskünde/ abgehalten. Weiterhin wurden hie Themei: „Was erwartet d:e Presse nach dem Kriege?", „Me Techrck des Naelnuhte::Verkehrs . Me Entwicklung des motemrea: Zeittmgsn^serrs" und zahl reiche
I andere behandelt. Mes ist gleichermaßen ein Vorspiel, das das | Heimatrecht der Presse an unseren Hochschule,: nicht umvttffam einzuletten scheint. Die.Frage, ob und inwiefern eine engere Verbindung znnschen Hochschule und Presse wünschenswert wäre, gliedert Jordan in zwei Teile. Erstens handelt es sich dar::m. ob ter Presse mit der Anerkennung einer akadenrischen Stellung in irgendeiner Richtung gedient werden kann. Der Verfasser ist der Ansicht, dast dies sehr wohl ter Fall sein mag, und erörtert die Möglichkeit, die Würde der Presse einerseits und das Berttanen des Pnblittmrs in dieselbe andererseits durch Einführung von Diplom-Redakteurew zu ermögl:ck>en, wobei es sich natürlich nicht etwa um ein Biuß, sondern nur um eine Möglichkeit handelt. Zwütens ergibt sich die Frage, ob es der Hochschule zur Pflicht gemacht werten kann, ter Presse Herrnattecht zu gervahven. Der Krieg hat gelehrt, lm'evicl Schaden eine schlechte und wieviel Nutzen ettre g:tte Presse stiften kann. Darum wäre eine Eftuvirkung des Hochschulwesens au: die Presse mit den sich daraus ergebenden Wectssel:virkung.m von all- ,gemeinstem Interesse, ,md alle beteiligten Parteie:: würden hieraus mtr Nutzen ziehen.
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Zprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
Was nicht alles „erfolgt"!
Bon unserem Reichskanzler Dr. v. Bethmann 'Hollweg erzählt man sich, dast er das Wort erfolgen stets mtt besonderer Fnnd- schaft verfolAt habe. Schon in seiner: spüheren leitenden Stellungen l>abe er dieses Wlerweltslvort imb „MäLchcm für alles' in da: ihm vor gelegten Schriftsätzen Mnachsicktlia» getilgt, sa, seinen Beamten das „erfolgen" untersagt. Mit vollem Recht. Tenn irres „erfolgt" nicht alles! Die MrswaU erfolgt (statt wird getroffen), die Erllärung erfolgt (wird abgegeben), die Totes erklär:, ng erfolgt (wird aus g esproche w, die Zustttnmung erfolgt (wird erteilt) usw. ?llles dies nur. weil nicht das einsack^ 3eit»vort genügt: nnrd ausgewählt, erllärt, mgestinrntt uff. Und der papierne Stil :md das Amts- und Iuristenteutsch stempeln dann svlä»e Jett- ivörter gen: noch in Hauptwörter um, fügen ihnen das „erfolgt" hinzu, und ter Schwulst ter Redeweise ist fertig: Die Einttagung des Vereins erfolgt (ter »Verein imrd eingetragendie Unter- zeickmmg des Vertrags erfolgt (der Vertrag wird unterzeichnet, die Bestrafung ter Sckuller mußte erfolgen, weil. . die Schüler n tu fiten bestraft lverten-, und weiter ziv,n kürzlich aufgelesene besonders bübfä>c Blüten, die mtt Hilfe von „seitens" zu ungeu-öbn- f: d>cr 'sprachlicher Fülle entwickelt sind: Setten s der Polizei ec folgten sofort die nötigen Sck/rittt (Me Polizei rat sofort. . ^ und Bevor 'seitens des Richters das Urteil erfolgte c.Bevor ter Richter das Urteil sprach cwcr fällte). — An den Prange: d^dall- mit diesem sprachverderbenten ..erfolgen" :md'als verderblich und gemeingefährlich sollte „seitens e ihm Säte gestellt werten! O. Sarmztt: (Berlin'


