Ausgabe 
20.2.1917 Zweites Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 43 Zweites

Erscheint-)lch mit Vurnahme des Ssnntag,.

veilagen:Siehener ZamilienblStte^ und Kreisblatt für den Kreis Sietzen".

-»stfche«ont»: Frankfurt am Main Nr. u686. Vanfverfehr: Sewerbebank «ietzen.

vlatt

Zahrgang

r" '

General-Anzeiger für Gberheffen

dtesstas. 29 . Kedru« t 9|7

ZwtllmgSrund druck und Verlag:

B r ü hl'sche Universltäts-Bllch-u.Steindruckerei R. Lange, Gießen.

5chr1f1leitung. Geschäftsstelle und vrnckerel:

Schulstrave?. Geschäf.sslelle u. Verlag:

Schriftlettung: 112.

Anschrist fiir Drahtnachrichten: Anzeiger Bi« tzerl.

was die Reichstagstagung bringt.

Aw Doimcrstag tritt der Reichst»« zur Fvrtsehung semer Tagung zusammen, die mm schon f-eit dem 4. 2Duguft 1914 dauert Auf der Tagesordnung der um bret Uhr beginnenden Sitzung stehen dre Beratung der Aulelhedenksckilrist für das Reich 1916 und die erste Lffung des dem Reichstage bereits zugegangenen Entwurfs eures Gesetzes über Einberufung von .Hilfsrichtern pm Reichs- mUttärgericht: doch hat sich der Präsident Tr. Kannps Vorbehalten, weitere Gegenstände auf die Tagesordnung zu setzen.

In bem diesmaligen Tagungsabschnitt hat die Volks Vertretung eine» verhältnismäßig umfangreicher Arbcitsstpft zrr bewältigen, in dessen Mittelpunkt der bereits in einem halbamtliäpen Auszüge verAff-eutlichte Haushaltsplan vyb die neuen Kriegs­steuern stehen. Wie aus der erwähnten Veröffentlichung zu ersehen ist, ist in den Voranschlag der Betrag für Verzinsung und Tilgung der Reichs schulden in Höhe von 3566 Millionen Mark erngestellt, wovon 1250 Millionen Mark ungedeckt sind und durch nsre Steirern aufgebracht werden sollen.

Diese Steuern selbst, welche in der halbamtlichen Veröffent­lichung rmtgeteät werden, haben keine sonderliche Ueberrasckmng mehr gebracht. Taß eine neue Verkehrssteuer in Form einer Be­steuerung des Personen- und Güterverkehrs auf Eisenbahnen, Kleiirvahnen und Wasserstraßen kommen sollte, wußte man schon aus der Ankündigung, die der preußische Eisenbahnminister am 8. Februar im Mgeordnetenhause gemacht hatte. So viel man weiß, soll dieser Steuerbetrag in du Weise eingebvacht werden, daß ein gewisser Prozentsatz von dem Gesamtüberschuß der einzelnen EisenbahnVerwaltungen,bezw. der andeven in Frage kommenden Verkehrsunternehmungeb an das Reich abgeflihrt wird, während es Sache der einzelnen Ver­waltungen bleibt, jene Abgabe in Form von Tariferhöhungen herausMholen. Wenn wir in Friedenszeiten grulldsatzlich Vcrkehrs- steuern als verkehrte Steuern bezeichnen konnten, so liegen die Tinge jetzt, wv wir uns ernsten Kriegsnotwendigkeitcn gegenüber­sehen, überhaupt anders, und bei der Erörterung von Steuer- fvagen ist leider noch wichtiger als der SaV wie Steuern aufzu- bcingen sind, der, daß sie aufzubtringeu "nd. Trotzdem dürften; im Reichstage mancherlei ernste Bedenre.l gegen die weiter in Aussicht genommene Kohlenabgabe geltend gemacht werden, die wie verlautet, so gedacht ist, daß jede Grube für jede Tonne, die sie fördert, noch bevor diese in den Hmldel gebracht ist, eine Abgabe an das Reich zu entrichten hat. Tas würde natürlich eure entsprechende Verteuerung des Preises für Stein- und Braunkohle, (es wird von etwa 10 Prozent gesprochen^ bedeuten, die für die ärmeren Volksschichten jedenfalls eine sehr erheMche Belastung darstellen würde. Es sei jedoch gleich bemerkt, daß eine Verschärfung der Kohlennot dadurch nicht zu befürchten lväre, denn diese beruht ja nicht auf beny xu hohen Preis der Kohle, sondern lediglich auf den mangelhaften Beförderungs- (nicht Förderungs-) Möglichkeiten.

Keinerlei Widerspruch dürfte sich dagegen gegen die dritte der von der Regierung vorgeschlagenen Steuern, gegen die Erhebung eines Zuschlags z-ur außerordentlichen Kriegs­abgabe geltend machen, der, soviel man hört, in der Höhe von 20 v. H. erhoben werden soll. Es entspricht durchaus dem sozialen E mp f i n d en, daß vor allem derjenige, der in diesem Kriege, welcher der großen Mehrheit so gewaltige Opfer auferlegt, sein Geld und Gut vermehren konnte oder gar durch den Krieg selbst gewann, in weitgehendem Maße zu den Kriögsausgaben herangezogen wird. Inwieweit diese Steuervorschläge die Zustimmung des Reichstags finden werden, laßt sich natürlich nicht Voraussagen. Auch das A rtegSstsrerbündel, welches vom Parlament im Juli 1916 bewilligt und dessen Gesamtertrag aus 2,7 Milliarden geschäht wurde, war vorher einer gründliches Umarbeitung unterzogen worden.

Bekanntlich wird dem Reichstage auch eine neue Kriegs- kreditvorlage angeblich in der Höhe von 15 Milliarden Mark zu gehen. Bisher Hat die Volksvertretung im ganzen 64 Milliarden Mark bewilligt, so daß also die Kriegskredite damit die Höhe von 79 Milliarde erreichen würden, von denen bisher durch fünf Kriegsanleihen nahezu 47 Milliarden flüssig gemacht worden sind. Tie Zeichnung «prf die sechste Kriegsanleihe soll im wachsten Monat ftcttfuiben, und es ist nicht daran zu zweifeln, daß sie einen ebenso glänzenden Erfolg haben wird, wie es selbstverständlich ist, daß die Volksvertretung den neuen Kriegskvedit mit der gleichen Einmütig­keit bewilligen wird wie die früheren.

Bon kleineren Gesetzentwürfen sind dem Reichstage bereits ongekündigt eine Vorlage betreffend Vereinfachung der Rechtspflege, eine weitere zur Bekämpflmq der Seuchen und ansteckenden Krank­heiten, ein Gesetzentwurf 'betreffend -den Wiederaufbau unserer

Handelsflotte und endlich eine Vorlage behufs Erweiterung der Freifahrt der Abgeordneten. Weiter werden vor allem m Ver­bindung mit dem Haushaltsetat naturgemäß mancherlei brennende Fragen zur Erörterung gelangen, To vor ckilem die der Volkser- wrhrung, auf welchem Gebiet es ja noch immer stark hapert, der Vevolkeruuqspolrttk, der Übergangswirtschaft und derglercheu mehr, ^vie ja Überhaupt aiß dein Hause heraus mannigfache Anregungen zu erwarten und zum Teil, wie die von Nation all iberaler Seite befürwortete Schaffung von Parlameuts-Unterstaatssekvetären und me von fortschrittlicher Seite in Aussicht gestellte Anschneidung der 5'weirommißfrage, schon angekünüigt worden sind.

Uriegsör.Lje aus dem Westen.

Von unserem Kriegsberichterstatter.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.!

An den flandrischen U-Bootftützpunkten.

Großes Hauptquartier West, den 15. Februar.

Ein großes 2lufatmen ist durch unsere blauen Jungen an der flandrischen Küste gegangen, als der langersehnte Befehl eintraf, der ihnen bk Hände endlich frei gab zur Tat. An den Stütz­punkten, wo^ die U-Boote halten, trenn sie von Fahrt kommen oder wieder in See stechen, ist es jetzt leer geworden, denn die meisten srird draußen an der Arbeit. Tie wenigen aber, die nran sieht, die von^einem Streifzug zurückgekehrt kurze Rast halten, ehe sie wieder m s>ee gehen, machen nicht viel Worte. Doch in ihren Augen ist ein Oeuchttn, sie_ wissen, daß das ganze deutsche Volk in diesen» Tagen auf sie blickt, und sind sich in heiligem Ernste der Größe ihrer Ausgabe bewußt. Was an uns liegt, da soll es nicht fehlen, so sagen sie alle, Offiziere wie Mannstl)asteiu Die in nervöser Hast vermehrten Abwehrmaßregeln der Cnglcnrder schrecken keinen, denn man lveiß, daß England schon bisher alles getan hat, was in seiner Ddacht stand, um sich der U-Boote zu erwehren. Ueber das hölzerne amerikanische Schwert lachen die deutschen Blaujacken, und manchen: hört man es an, daß es-ihm gar nicht unlieb wäre, wenn er den Amerikanern einmal zeigen könnte, daß es ein ander Trng ist,^mit der dentsck^en Marine anzubinden, als seinerzeit einen billigen Seesieg über die unglücklichen alten spanischen Kästen, zu er ringeir.

Mail rechnet mit der Möglichkeit, daß die Zahl der Ver­senkungen sich zunächst nicht so steigern wird, wie es alle wünschen, denn das Meer ist mit einem Schlag wie ausgefegt. Kein Eng­länder zeigt sich, so melden Flieger urrd Patrouillen-Boote über­einstimmend. Auf die Tauer können natürlich die Engländer nicht alle ihre Schiffe verstecken, sondern werdeA es kummervoll über sich gewinnen müssen, sie den lauernden U-Booteil aus zusetzen. Ein erster Ueberblick über den Auftakt des ernsthaften U-Boot-Krieges wird sich erst in zwei bis drei Wochen erzielen lassen, wenn die Mehrzahl der Meldungen der auf Fernfahrten befindlichen U-Bvote Vvrliegen wird. Inzwischen hat die Nachricht große Heiterkeit erregt, daß die englische Regierung die Beröffentlichmg der Schiffs Ver­luste verboten hat. Ter Chef der flandrischen U-Bootsflottille sagte mir: Uns verheimlicht man damit natürlich nichts. Wir haben diese Reuter-Veröffentlichungen immer als Belletristik betrachtet und uns nur an unsere eigenen Meldlmgen gehalten. Wir wissen auch, daß die Zahl der versenkten Schiffe größer ist, als der Feind angibt. Ter Flottillenchef betonte, daß es nicht deutsche See­mannsart ist, zukünftige Erfolge zu versprechen, aber auf den glänzenden Geist der U-Boots mann schäften, ihre Hingabe in Ge­fahr und den jetzt durch das Treibeis besonders schweren Strapazen und ans die Umsicht und den Wagemut der jugendlichen Führer dürfe das derrtsche Vaterland vertrauen. Eines Tags werde man noch von einem anderen Heldentum erfahren, dem Heldentum der Entsagung und 'Selbstbeherrschung, welch? die jungen Stürmer geleistet haben, als ihre Hände noch nicht fvei waren, und wo ein U-Boots-Kommandant oft an die vierzig Schiffe entrinlren lassen mußte, die er sicher vor seinem Zielrohr hatte.

W. Scheuer mann, Kriegsberichterstatter.

*

Ein Minenleger-U-Boot bei der Arbeit.

Telegramm n ' Krieasv , t^rsta.ters.

Großes Hauptquartier West, 14. Februar.

Weit entfernt von der deutschen und von unserer flandrischen Küste hatte ein feindliches Lotsenschiff eine verhängnisvolle Be­gegnung mit einem deutschen Minenleger-UBoote. Dieses hatte, seinem Befehle gemäß, schon die Ausfahrten von zlvei Häsen mit Minen gesperrt und fuhr nun in eine große Flußmülldung ein, um

hier den Rest seiner Minen auszulegen. Bor der Einfahrt in den Hafen begegnete dem bei Nacht ganz keck über Wasser fallenden: Boote ein seiildliches Lotsenschiff, dessen Besatzung natürlich nicht entfernt daran dachte, daß sich hierher ein deutsches Kriegsschiff wagen könne, und daher ganz harmlos seine Dienste anbot. Mit der Antwort, daß man schon einen Lotsen an Bord habe, gab es sich zufrieden. Das U-Bdot setzte seine Fahrt fort und legte ferm Minen aus, wie sich später herausstellte, mit glänzendem Erfolg. Tann kehrte es um und- traf wieder auf das Lotsen schiff, das es unmittelbar vor dem Hasenausgang versenkte. Als der erfolgreiche U-Boot-Führer in den Heimathafen zurückkehrte, wv inzwischcm schon die Kunde von den Erfolgen seinerKuckuckseier" ein getroffen war, fragte man ihn. warum er denn nicht die feindlichen Lotsen als Gefangene mitgebracht habe. Darauf gab er zur Antwort: Nee, lieber nickt. Die Kerls haben einen so hervorragend dämlicheli Eindruck gemacht, daß ich sie ihrer Regierung zu weiteren Diensten überlassen wollte."

W. Scheu er mann, Kriegsberichterstatter.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 20. Februar 1917.

** Vorsicht! Schwindler! Ein aus dem Felde desertierter Soldat erschien hier und in benachbartem Orte bei Angehörigen im Felde stehender Soldaten, gab an, mit diesen draußen znsanrmen zu sein und erbot sich, für diese Pakete mit ins Feld zu nehmen. Die betr. Angehörigen hatten jedoch Mißtrauen gegen den Mann und teilten die Sache der Polizei mit, welche den Soldaten festnahm. Hier­bei stellte sich heraus, daß man es mit einem Deserteur zu tun hatte, uird man übergab ihn der Militärbehörde. Da ähnliche Schwindeleien schon mehrfach zur Anzeige gebracht wurden, sei die Bevölkerung vorsichtig im Anvertrauen van Paketen an Unbekannte.

** Die verschiedene Behandlung des Hafers und der Gerste hinsichtlich des Preises und der Abliefe­rungspflicht hat schon im vorigen Jahre dazu geführt, daß Gerste ans mehr zu Haferbau. geeigneten Böden gesät und daß der Ertrag des Landes dadurch zum Schaden der Volks­wirtschaft herabgesetzt wurde. Um einem ähnlichen Mißstand bei der diesjährigen F r ü h j a h r s b e st e 11 u n g vvr- zubeugen, werden die Landwirte schon jetzt darauf hinge­wiesen, daß in den demnächst bekanntzugebenden Bestim­mungen die bisherige Bevorzugung der Gerste vor den: Hafer nicht beibehalten werden wird. Nach zahlreichen Nach­richten besteht auf dem Lcnrde die Neigung, an Stelle der Kart off ein in permehntem SNxrhe Futterrübeno der Kohlrüben anzubauen, weil letztere Früchte bei den dies- jährigen Preisen und der diesjährigen schlechten Kartoffel­ernte erheblich höhere Einnahmen gebracht haben. Auch vor dieser Maßregel ist eindringlich zu warnen. Die in ncückster Zeit bekanntzugebenden Preise der Kartoffeln und der als Ersatz in Frage kommenden Feldfrüchte werden so bemessen sein, daß ein Mißverhältnis zwischen den Preisen der Kartoffeln nird denen bet Ersatzfrüchte nicht wieder ein- twitt. Den Kartoffelanbau soweit wie möglich, min­destens in bisherigem Umfange, aufrechtzuerhcUten, muß jeder Landwirt als seine vaterländische Pflicht betrachten.

** Landwirtschaftlicher Verein. Wn Freitag nach­mittag fand eine gut besuchte Versammlung des land­wirtschaftlichen Vereins für den Kreis Gie^n. im Hotel Schütz statt. Auf der Tagesordnung stand als tvichttgster Punkt die Beschaffung von Saatgut, insbesondere von Setzkartoffeln und Kleesamen und die Dünger frage, sowie die Beschaffung voll Kunstdünger, wie Thonvasmehl llsw. Wegen der überaus wich­tigen Frage der Versorgung der L>tadt nahmen auch einige Ver­treter von Gießen an der Sitzung teil.

** Fahrradbereif un a en. An dieser Stelle sei noch­mals darauf auftuerksam gemacht, daß die bisher nock> lttcht ab- gelieferten Fahrradschläuche und Decken am 21. und 22. lf. Mts an der Sammelstelle in Gießen. Liebigstt. Nr. 3 abgeliesert werden müssen. Wer diese letzte Frist versäumt, hat neben Kosten, für die er aufzukommen lyat, unter Umständen noch Strafe zu ge- lvärtigen. Unter Hinweis auf die Bekauutmachung vom 14. lf. Mts.

Watan-Larapen Tyjpe ßj - 25 -100 Watt

©z novexi V\Jcx£&ji -Lampan Type nen /ich. aus du^nch ihre hoho Licbdausboute, ihre vop teihhafi e hichdiAsrheiJiioff und ihr fehoojos vwi/Sea Licht»

££ojC Ttoixfaam wijnd hJiwrfxQ tne^

cfep kleinen c^ere^öhnhchea. JJjr&htL&jnipen %^ourtoiUt&ft eiye^cxi -

Wcxhoii^Q-LsLmpen haben bei geringßein sStrorzzvxuhrauch für die /Ce/jjo die gegen&siL hg iechni/ch boebß erreichbare Lebensdauer.

Die Schnhynanke auf der (Jlasglocdot die QualihahsmÄrke.

" <zmpfohl<zn.o. Lampen ^upvdc und be t

M&n.

am ,(?'