Ausgabe 
13.2.1917 Zweites Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Rr. 57

Zweiter Blatt

Erscheint löyllch mit Ausnahme des Sonntags.

v ei lagen:Gietzener Familieudlatter" und Nreisblatt für den Kreis Gießen".

yoftscheckkonto: Sranffurt am Main Nr. Vankvcttehr: Gewerbeban! Gießen.

fb7. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhessen

vienstag. \ 3 . Zedruar W7

ZwillingSrunddruck und Verlag:

B r ü hl'fche Universiläls-Buch-u.Steindruckerei.

R. Lange, Gießerl.

§chrtstleitarrg. Geschäftsstelle and vruSerei:

Schulstrave?. Geschäf.sslelle u. Verlag: bl.

Schristleilung: 112.

Anschrist für Trahtiiachrlchtenr AnzeigerGießen.

Uriegerheimstättenbewegung.

< m öTi UT dre kürzlich hier veröffentlichte Zuschrift des Herrn Tr. MLer erhalten^ wir folgende Entgegnung:

-ra Herr Dr. rer. Polit. Hans Siegfried Weber meinen Vor- aus Grund eines z)var zutreffenden aber doch nur kurzen ^^rung^berici;tts? rrrtisrert, olme den Vortrag selbst zu kennen, mwersayrt es ihm, daß er inich in Dingennstderlegt", die ich in Lvayiheit gar Nicht anders als er selbst aus ge führt habe. Auch rcy mit lvai-rßastig nicht dafür eingetreten, alle 10 Millionen heim- kehrende Krreger plötzlich auf das Land zu verpflanzen und eine radikale Umsiedlung der deutschen Bevölkerung iiach Friedensschluß vor-nnehmen. Auch ich habe nicht die Krieg er heim statten als ein- rlagbaren Rechtsanspruch für jeden Soldaten gefordert, sondern nur als bat kr ästig zu erleichternde Möglichkeit für jeden, där erust- hasterweiso dafür in Betracht kommen kann, also im Sinne einer großzügigen inneren Kolonisation" und sozialer städtischer Woh- nungsprüitik. Herr Tr. Weber hat ja auch selbst nich!t übersehen, d atz ich seine vraktischeu Vorschläge, die ich in mernem Vortrage J^ngenci ausführlich nannte, für beachtlich erklärte. Seine irt der Gntgegnn,.,-, vorangestellte priiizipielle Auffassung, wonach ein E-bereigeiitum von Staat oder Gesellschaft an Grund und Bodni -Bau unserer Volkswirtschaft erschüttern" rm'jßte, die ange- srweltxm Kriegsteilnehmer unter ein ^Ausnahmegesetz" stselltch U7w zu ,'Versuchskaninchen" Niachtc, teile ich allerdings ganz und 2*5 ttKftt. Vielmehr war gerade dies ein Leitgedanke meines Vor- rrags, zu zeigen, wie die bedingungslose Willkürsreiheit des Ein- Ir t J t, ' !;>!!!! ^ r seinem Eigentum durch die sittlich berechtigten ^lordnnngeu^ der Gemeinschaft eingeschränkt werden dürfe und cS} ^ e '"in Sinne geschah meine Anknüpfung an Goethes sozrale Ideen. Und lvachlich, wenn uns die- Kriegsnot eins gekehrt iüo $ dies! AlsBersuchskaninchen" aber kann 7nan fchlnpl'.A jeden Menschen bezeichnen, der Objekt irgend eines -7^' dahin noch nicht erprobt«: Gesetzes wird. Sollte man Uch d esl>alb ettva schon vor jeder Neuerung fürchten? Wer ist denn gevade jetzt in solchem Sinne etwa nicht auchVersuchskaninchen"? Was meine Kritik an der Tonart des Herrn Tr. Weber betrifft, so kmrn ich sie leider nicht zurücknehmen. Vonsogenannten gemein­nützigen Unlrnehmen" spricht er S. 32 und von.Hineinreden Hochstehender Männer in volkswirtschaftliche Tinge" S. 35 seiner angeführte!: Schrift. Ich finde aber nicht, daß uns die wirtschaft­lichen Ersnlrnngen der Kriegszeit schon ein solches Uebermaß von Gemeinnützigkeit und volkswirtschaftlichem Interesse gezeigt hätten, daß wir uns den Luxus erlaube:: könnten, durch geringschätzige Ausdrucksweise davon abzusckxc ecken. Und unter Stimmungmachen verstand mein Vortrag nichts anderes, als die Betonung dieser Pflicht zu gemeimlützigen: Denken und Haiideln, die Betonung des guten Willens, ohne welchen auch die Politik mir gar zu leicht von der Höhe gesunder Praxis aus die Tiefe egoistisch beschränkter, un­zureichender oder gar der Gesamtheit verderblicher Praktiken her­untersinkt. R. Strecker.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 13. Februar 1917.

Seid schweigsam.

Alle schriftlichen und mündlichen Mitteilun­gen über den Aufenthalt höherer Komma ndo be­st örden, des Großen Hauptquartiers, der leitenden militärischen Persönlichkeiten und des Kaisers, sowie alle Nachrichten über Trup­penbewegungen, Einquartierungen usw. sind verboten und wer­den nach den övriegsgesetzen mit Zuchthaus b e st r a f t. Wer mili­tärische Maßnahmen irgendwo in Deutschland beobachtet oder er­fahrt, muß sein Wissen für sich behalten, jede Verbreitung kann dem Feinde nützen. Man sei außerordentlich v o r si ch t i g i n G e - sprächen und unterhalte sich niemals an öffentlichen Orten über nrilitärische Dinge, denn man läuft Gefahr, angezeigt zu werden. Besprochen werden dürfen dagegen alle Nachrichten, die von den Zeitungen veröffentlicht werden. Wer nach Berlin kommt und dort oder au ander«: Orten zufällig einmal den Kaiser oder Hindeubuvg und seine Mitarbeiter sieht, falle nicht lästig durch Stehenbleiben und Angaffen ans, sondern gehe ruhig seines Weges weiter. Ein Gruß ist natürlich erlaubt, aber mit Hochrufen und anderem Lärm versckwne man die Männer, die schwer zu arbeiten und eine furcht­bare Verantwortung für uns alle zu tragen haben. Ebenso sind alle Ansammluirgen verboten. In Friedenszeiten konnte rnan oft das Publikum stundenlang auf den Straßen auf die Borbeffahrt des Kaisers harre-.: sehen. Jetzt im .Kriege ist das nicht angebracht. So gern auch jeder, der jetzt nach Berlin kommt, den Kaffer seh«: möchte, so vergegenwärtige er sich doch, daß der Monarch nur karg-

^messene Ruhepausen hat. Meist weilt er bei seinen Truppen im Fluge kam: er dam: und wann auf wenige Tage oder stunden sein Heim aufsuchen. Photographieren ist unter allen Um- stanoen verboten, dazu kann auch keine Erlaubnis erteilt werden,

S genügend zahlreiche Photographen zugelassen worden.

Ter Kaper wünscht kernerle: Wsperrungen, aber das Publikum u p.. oemeutspvschend vernünftig und rücksichtsvoll betragen. Icaturlich darf über bevorstehende Reisen des Kaisers auch nichts verbreitet werden. Patriotische Pflicht aber ist es, ein scharfes und wachsames Auge aus verdächtige Personen und Vorgänge zu haben. ZEer muß Mithelfen, unser ^Vaterl<r^^^I vor Spionage zu schützen und etwaige Wahrnehmungen sofort der nächsten Polizeibehörde mit- teilen, am besten telephonisch oder persönlich Spione gibt es nicht nur m der ^Hauptstadt und am Sitz der großen Behörden, sondern an ganzen Laude, besonders auf den Eisenbahnen. Des­halb erzähle man auch niemals etwas über militärische Wahrnehmungen. Nötig ist auch, daß man j:L»evzeit einen Personalausweis bei sich hat. Jeder Deutsche weiß ja, wie ernst die Zeit ist, was für ledenxiuf dem Spiele steht, LLeirn jeder seine Pflicht tm, dann werden wir bald den endgültigen Sieg und den er­sehnten Frieden erringen! Aber jeder muß mithelfen!

Beförderung. Feldhilssarzt Fritz S a l o m o n ist zum Assistenzarzt befördert worden.

Landkreis Gießen.

, u. Heuchelheim, 12. Febr. Als jüngstes Opfer forderte lder Krieg aus unserer Gemeinde den Unteroffizier Oe streich L.er Tod dieses Kriegers trifft seine Familie um so schmerzlicher, da der Gefallene eine Witwe mit noch vier unmündigen Kindern hinterläßt. Ter vor einiger Zeit als vermißt geirreldete Land­sturmmann Will). Kröck, Maurer, teilte kürzlich sein«: Ange­hörigen mit, daß er in französisch? Gefangenschaft geraten sei. Ter einer Fliegerabteilung im Westen zugeterlte Flieger Otto Krei­ling, Ssshn des hiesigen Beigeordneten Fr. WM). Kreiling, wurde zum Vizefeldwebel befördert. Mit der Hessischen Tapfer- keitsmedaillc wilrden ausgezeichnet: Kanonier Friedr. Ren sch­ling Wiagner von Berns, Landwchrmanu Ludwig Stein- Müller, Metzger, und Musketier Herm. R e u s ch l i n q , Fi- nanzamtsgehilse. Letzterer erhielt außerdem auch noch das Eisenie Kreuz.

¥ * B e l t e r^s h a i n, 12. Febr. Ter Schütze Heinr. Sauer, der in: vorigen Sommer schwer verivundet war und seit Herbst wieder in einer Masckstiieiigeivehr-Koinpaglne im Osten kämpst, nmrde zum Gefreiten befördert und gleichzeitig mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichuet.

Göbelnrod, 12. Febr. Wiedernm ist einer uriserer tapferen Krieger wegen Tapferkeit vor dem Feinde ausgezeichnet worden. Gefreiter Wilhelm Jäger wurde zu Kaisers Geburtstag zum Unteroffizier befördert. Außerdem erhielt er die Hessische Tapserkettsmedaille. DaS Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt er bereits im vorigen Jahre.

-w. Hungen, 11. Febr. Aus dem Wege zur Bahn glitt am Freitag infolge des Glatteises ein hochbetagter Mann namens L e h r m u y d aus Langsdorf aus der Straße aus und zog sich bei dem Fall einen doppelten Schädelbruch zu. Er wurde in das hiesige Krankenhaus gebracht, wo er an den Folgen des un- glücklichen Sturzes gestern st a r b. Eine hiesige Frau kam in ihrer Wohnung so schwer zu Fall, daß sie einen Beinbruch davontrug.

# Langd, 12.'Febr. Lehrer Georg Paul, Gefreiter, wurde zum Unteroffizier befördert.

** Ober-Bessingen, 10. Febr. Landsiurmrekrut Heinr. Rühl, Sohn des Großh. Untererhebers und Gemoinderechners, der seit Mitte September 1915 bei dem Res.-Inf.-Regt. Nr. 224 nnunterbrochen mitgekämpft hat, erhielt am 19. Januar 1917 die Hessische Tapferkeitsmebaikbe

# Trais-Horloff, 12. Febr. Enüe Januar traf die Nachricht von dem Heldentode des Gefteiten Otto Schneider, eines Sohnes des Landwirtes Karl Schneider dahier ein Otto Schneider nahm an dem Siegeszuge durch Rumänien teil, bis ihn zuletzt am 31. Dezember 1916 die mörderische Kugel traf. Adolf Bocher diente bei Kriegsausbruch in Tarmftadt, rtickte als Gemeiner hinaus, warrde nacheinander zum Gefreiten und Unteroffizier befördert. Ende Januar wurde er Bizeseldwebel. Aus Kaisers Geburtstag wurde ihm, der die hessische Tapferkeitsdenk- münze und das Eiserne Kreuz 2. K. schon besitzt, auch noch das Eiserne Kreuz 1. Kl. verliehen. Ueber die Veranlassung dazu schreibt er einen Brief, in dem sich seine Bescheidenheit so recht zeigt - Es fft nicht des Auchebens wert, die ganze Geschichte. Ich stand w:t dem Leutnant und noch zwei Soldaten im Graben, als dem

einen unversehens eine Handgranate aus der Hand ffel und schon dampfend mir zwischen die Füße rollte, ohne daß ich es bemerkt hätte. JÜlcxn LQltnant rief mir plötzlich zu: ^,Um Gottes Willen^ Bocher, eine Handgranate". Da erblickte ich sie unter mir, griff rasch zu und warf sie über die Deckung hinaus. Nocb in der Luft krepierte sie. Einen Augenblick später wären wir vier allerdings verloren gewesen. ..."

" Watzenborn-Steinberg, 1.3. Febr. Der ehemalige Hornist Karl Becker :m Neserve-Jnf.-Regiinent 224, welcher als dienstuntauglich entlassen ist, erhielt zu Kaisers Geburtstag das Eiserne Kreuz 2. Klasse; sein Bruder erhielt dasselbe Ehrenzeichen in den letzten Tagen.

Kreis Büdingen.

G A u l e n - D i e b a ch, 12. Febr. Das Eiserne Kreu- erhielt Unteroffizier stack, weck. Kurt Freu.

^Effolderbach, 12. Febr. Das Hessische Sanitätskreuz erhielt am 27. Jan. der Krankenträger Otto Völker.

y. Geiß-Nidda, 12. Febr. Hier wäre ein älterer, ganz allein wohnender Diann beinahe rin Opfer der Kälte geworden. Er fühlte sich unwohl und begab sich zu Bett. Da man ihn feit einigen Tagen nicht geiehen halte, öffnete man die Wohnung und fand den Mann halb erstarrt im Bette. Speisen, die er sich aul den Tisch gestellt halte, waren gefroren. Zum Glück wurde ihm noch rechtzeitig Hilfe zu teil.

4fr Nieder-Mocksladt, 12. Febr. Die Hessische Tapfer- keitsinedallle und das Eiserne Kreuz erhielt, Otto Brack im Land- wehr-Jnf-Rgt. 85.

Kreis Schotten.

n. Schotten, 12. Febr. Von einem Gießener Grvßkmifmaun, der als Mitglied der ZweigvereineTaufftein" imfrHohervdskopf" des Vogelsberger Hiöhenklubs unserem Vogelsberg von jeher großes Interesse entgegenbringt, wurde zugunsten per Unterkunft und kostenlosen Verpflegung heimatlicher Urlauber in dem hessischen Lehrerheim der Betrag von vierhundert Mark aufgebracht. Für Ende Februar sind 19 Manul im Lehrerheim angemeldet.

O Gedern, 11. Febr. Heute morgen zwischen 4 und Vs5Uhr weckte Feuerlärm die Einwohner unseres Ortes. Die Scheune des Schmiedemeisters, und Landwirts Ehristian Die hl IV., der zurzeit als Unterofftzier im Felde steht, ftaixb in Hellen Flammen und ivurde innerhalb kurzer Zeit ihr Raub. Durch die rasch herbeb- geeilte Feuerwehr, deren Löscharbeiten freilich durch den starkes Frost etwas behindert wurden, koirnte,der Brand auf seinen Herd beschränkt und das Wohnhaus und dre anliegenden Gebäude ge­schützt werden. Dem Besitzer ist ein empfindlicher Schaden ent­standen, da die Heu- und Strvhvorräte vollständig verbra nn t en ; auch Ueinviel), wie Kaninchen und Hühner, kam in den Flammen um, tvährend das Großvieh noch rechtzeitig in Sicherheit gerächt werden konnte. Die Entstehungsursache des Brandes ist bisher noch nicht bekannt. In der vergangenen Wpche mußte der Unterricht in den hiesigen Schulen ausgesetzt werden, da die Kohlenvorräte anfgebraucht sind. Zur Feier des 50jährigen Bestehens der Diakonissen st ation im Fürstlichen Siechenhause dahier witd am kommenden Sonntag ein Festgottesdrenft gehalten werden, in dem der erste Hausgeistliche des Diakonissenhauses Elisabethen­stift in Darmstadt, Pfarrer Hickel, predigen wird.

y. Ober-Lais, 12. Febr. Bei der ersten in hiestger Forst- wartei abgehaltenen Brennholzverstetgerung wurden noch nie dagewesene hohe Preise erzielt. Es kosteten durchschnitt­lich 4 Rmtr. Buchen-Scheitholz 1. Klaffe 100 Mk. bis 106 Mk.,

4 Rmtr. Buchen-Scheitholz 2 . Klasse 70 Mk. bis 75 Mk 4 Rmtr. Buchen-Knüppel 60 Mk. bis 6b Mk. Auch Stockholz und Reisig wurden sehr teuer bezahlt. Von der Erlaubnis des unentgeltlichen HolzsammelnS in den herrschaftlichen Waldungen macht die Be- völkerung fleißig Gebrauch.

KreiS Friedderg.

n Friedberg, 12. Febr. Reallehrer Friedrich Klee, der an der hiesigen Taubstummenanstalt tätig gewesen war, starb im Alter von 34 Jahren den Heldentod fürs Vaterland. Er war Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klaffe. Sein GebirrtSort war Bad-Nauheim.

Hessen-Nassau.

Esch weg e a. d. Werra, 12. Febr. Aus dem Kaliberq- werke Kaisersroda wurden heute durch herabstürzende Kali- maffen zwei Arbeiter verschüttet und getötet. Infolge des herrschenden Kohlenmangels hat der Magistrat die Be­leuchtung der Straßen wegsallen lassen und die Ein­führung von Kohlenkarten angeordnet. Sämtliche Schulen sind seit 14 Tagen geschloffen.

Lampen. Type

JDie neuen. "Wotan-Lampen, type Jtj* zeichnen ßch. aus cfujpch. ihre hohe Licht ausheute, ihre vorteilharße Lichtventei- lung und ihr fcbjönes weißes licht

gleiclzuJezdifj' Gnzpr/bhleue r beßhe&e auf Kraan-.G,

77777