Ur. 29
ZwrtteZ Blatt
Erscheint «-Nch mit Aufnahme de« Sonnt«--.
vetlagen: „Gteße«er ZamiUendUtttrr" und „«reirblatt für den Breis Stehen".
POstfchrSronto: am Main Nr. ;;tz 8 b.
Vankvettehr: «emerbedsnk Stehen.
lbl. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberheffen
Samstag, 3. gebruar X%1
ZwillingSrundoruc! und ' evla«-,;
Br ühl'jcheUnioersitälS-Buch-u.St 'mdrucll?
N. Lange, Gießen.
Schriftleitung, GeschLstsstellr und VruÄerei:
Schulstruizc 7. OjefdjöfiSiteuc u. 'oevlctg;
Schriftlettung: 112.
AnschriftfürTruht,iachrichtcn:AnzeigerS-ie,e.!.
Kriegsbriefe aus dem Osten.
K«fp3ranim im[erc§ zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Dir Kämpfe «m Brückenkopf von Riga.
M.itau, 30. Januar 1917.
^steril war ich in den am 27., an Kaisers Geburtstag, von gnrormnenen Grabenstücken auf der lange,: Düne, ll ev erall^konntc man die Ueberzeugung hören, daß die Kämpfe zu vkwmSetten der An, die <rmi 23. njru begangnen, msit zu den. alllrlchwerstzen zu rechnen wären, die diese l^er vorvage.rden ost- vreußlsäieu Regimenter, die auf allen Kriegsschauplätzen gekämpft tttüxm, durchzutnachen hatten. Tie Känipfe, die auf russischer Seite mnt großem Einsatz von Artillerie geft'ihrt werden, spielen sich in 25—30 Kilometer ©ntfenrnng von Riga ab. Tos erklärt die russischem Arstteng ungen und die Zähigkeit, urit der ficfi. die Müssen schlagen. Um so höher sind die Erfolge und die .Hingabe der eingesetzten deutfchen Truppen auf dem schwierigen Sumpf-, Wald- und Hügelgel ände ein zu sch ätzen.
Der deutsche Gegenangriff begann bekanntlich am 23. Januar am der ganzer! Einbruck-sstelle östlich ünd n-estlicb der Aa Rach 7 18hr inorgens begann das deutsche Wirkungssclneßen siel- zu steigern, und ichlreßlich wurden die russischen Stellnrigeu betrom- Et. Die deutschen Sturmtrupps, die sich teilweise scipm während ver Artillerievorbereitung. vorwärts gearbeitet hatten, gingen mach 9 Uhr aus der ganzen Front vor. Konzentrisch wurde die gellte Mn brucksstelle an gefaßt. Eine Gruppe kam in schneidigem Angriff längs der alter: deutschen ersten Stellung voran, Blockhaus um Blockhaus wurde genommen, von Seitcnwehr zu Seitenwehr tne Stuften znrückgedrängt. Etwa 3 l / s Kilometer Stellung in Wald und krumpf wurden hier wiedergenommen. Gleichzeitig ging eine andere Gruppe vor, beinahe in rechtem Winkel hierzn durch den yochverschneiten Wald, dann durch den Sumpf, der wo HU stellenweise trug, aber an andere,: Stellen die Stürmenden bis über die Hüften in riesiges Moor versinken ließ. Aber auch hiev wurde eine Waldschneise nach der anderen überwunden es kam außerdem zu heftigen Einzelkämpfen um Blockhäuser. Alle Zähigkeit nutzte den Russen nichts, sie erhöhte nur ihre Verluste
Am schwersten wohl aber gestalteten sich die Kämpfe auf der lausen Düne einer über 3 Kilometer langen Kette von Sandhügeln die sich in etwa 2 Kilometer Entfernung östlich der Aa hinziehen 'und d^cht bewaldet such. Hier hatte der Russe im Sandboden Stellung hmter Stellung erngraben könnest. Bch her großen Zähl der iknst Mr Vcrlngung stehenden Arbeitskräfte hatte er sich auf dem be- herrfchenoen Hügelzing trotz der kurzen Zeit außerordentlich gut emgedaut. Um 1!2 Uhr tmittags war hier am 23. von den heran- gearbeiteten Sturmtrupps die Stelle zum Durchbruch erkannt Es wurde eine Sturmgasse durch ba§ Drahthindernis gebahnt, die Stoßtrupps chlgten, der Russe wich vor Bajonett und Handgranaten, «ach rechts und links wurde aufgeräumt, die Drahtscherentrupps Ueborall gingen die Ostpreußen vor. Um 1 Uhr 40 Mrnuten.war die erste Hauptstellunq genommen. So nimmt das hrer vorgehende Regiment, eines der ältesten preußischen Regimenr-- ter, am 23., 24., 25. mehrere russische Stelluügen hintereinander :md schlägt süns ruffrsche Gegenangriffe, die von immer frisch eingesetzten russischen Regimentern kräfttg ausgeführt werden, in Sand- lochem ohne festeres Hindernis zurück. Nach einem russischen Gegen- rrngrisf am 24. morgens bei Mlling werden 1000 russische Tote vor unfern Front von einem halben Kilometer Breite geschätzt. Brs zum 2**. ist bfjc größere DKl Ser Düne nieder in unserem
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Sti gleichzeitigem Vorgehen stürmen andere oftprenßische Regimenter mrd andere Verbände östlich und westlich der Aa. OesUich ^ TT 1 « 1 ? 710 * nbittettem .Kampf um die Schule von Ogle am 23 um V26 bei völliger Dunkelheit —. es ist fast Neumond — Swigul rampsend erreicht. Auch hier setzten am 24. morgens heftige russische <pegenangr:sw gegen Swigul ein. Sie werden abgeschlagen, und der Angrrp längs der Aa schreitet unter erbitterten Kämpfen sieg- sott Westlich der Aa ist am 23. abends Parup genommen, in der Nacht wird der Wald von Parup unter blutigem Nachtgefecht aufgeräumt, am 24. ist unsere alte Stellung westlich der Äa nach Durchbruch wieder in unserer Hand.
Tilge Erfolge — die Gefangenenzahlen sind ja bekannt — geben aoer kernen Maß stab, da die Kampferb itterrin g auf beiden Seiten von manchem kriegsstarken russischen Regiment nur Mann übrig blieben — werden gegen alle russischen Verstärkungen und neuen Angriffe gehalten und ausgebaut. Am 26! Fauuar ver,uchen die Russen bei Olai einen Angriff, der Dank
nfc er Bereitschaft völlig ergebnislos verläuft. Am 27. wird von ^Itpreußen an der langen Düne cm neues Stellungsstück den Russen trotz ^Pe.rrfeuer und zäher Verteidigung eiitrissen. Auch die schwe- Langgeschütze, wvhl Rigaische Küstenartillerie, können rutr? . die großartige deutsche Truppe nicht erschüttern.
Gesteril, als Artillerie aller Kaliber ans den eben genommener: sreuungen und dem ganzen Hintergelände lag und plötzlich auch nocy rustischc Flugelmincn m größerer Anzahl niedersausten, konnte man :m mich aufgeworfenen Sandgraben ohne Unterstände wieder Geist dieser Truppe nach 2% iiriegsjaljra: eyrftlrchtig bewundern. Immer aufs neue muß man der Heimat ^ ärupp? muß und wird siegen, ülrerall, wo sie steht, und es, den Lohn ihrer furchtbaren Entbehrungen in einem deutschen Frieden z:i ftnden.
Rolf Brandt, 'K riegsberichterstatter.
Voy den engttschen Papier- und Ledensmittelnö en.
Kürzlich bi-achte die Moskauer Zeitung „Rußkija Wedemesti" E>>atz ihres Londoner Berichterstatters Wladimir (äiebe- ttnsn. ch:e , Rußkija Wödemesti" ist ein sehr englandfreirndliches Blatt, aber dreier Londoner, Bericht, den das jürrgste Heft der ,,<Nrenzootew m deutscher Uebersetzung niitteilt, tcunzeickmet mit io großen: Frermut uiid so überaus treffend das Verhalten dev I ^nglüchen Geiellichaft zum Kriege, daß -er auch in Deutichland be- tannt zu werden verdient. Giebetiusri geht von dem „Ereignis" aus, daß iche,,^,imes" fortan l 1 /2 Penny kosten wird, mrd nicht mehr wie früher, nur einen. EnglaiD, so bemle'M er hierzu, hat oreier Umwälzung all die Aufmerksamkeit gewidmet, deren sie wert ftt. mr dem Laude iit alles, womit man in Berührurig kommt, kern bloßes ^ Trug, sondern eirtc „Justitutipn"; jede Straßenlaterne hat ihre Geschichte, und wenn sie ausgebessert werden soll, w eritstebt davaus eiue gm:ze „Frage". Und'die „Times" ist na- türlich eine hoch über alle sonstigen Institutionell stehende Jnsti- tiitwn. Sie brachte denn auch> der Wichtigkeit en,tsprechei:d irrt einer klMizen Wockic täglich auf ihrer ersten Seite, mitten! unter sonstige:: Kriegsnachrichten, kleine Betrachtungen, über die Gerechtigkeit und Notwendigkeit dieser „Neuorientierung". Tie übrige Presse kam dem kühnen Plane mit Ausurerksamkeit und El)r- etbrctung entgegen, einige Zeitungen widmeten ihm so<;ar 51eit- arttkel. Und so ist denn diese Reform Tatsache geworden
7 st die Lektüre der „Times" eine ganze Wissenschaft. Jede Nummer faßt gegenwärtig 16 Seiten — Beilagen nicht mitgerechnct. Man muß die Lektüre nicht mit der ersten Seite, sondern von der Mitte aus anfangeu, wo die wichtigsten Nachrichten und Aufjätze zu finden sind. Ter übrige Stofs ist rechts und links von diesen: Mittelpunkt verteilt. Natürlich handelt es sich hier nicht um eine bloße Verteilung des Stoffes. Alles fußt auf „Tra- ditionR Tie Gepflogenheit, diese oder jene Nackrichten gerade an dieser Stelle zu bringen, hat sich in dem neuen Jahre ausgebildet, und diese oder jene Rubrik ist dann und dann eingeführt worden. Mit solchen Dingen scherxt man nicht. Ms es sich aber heraus- ftellte, daß infolge der stark gestiegenen Papierpreise die Zeittmg wöchentlich gegen tausend Pftiiid — also über 20 000 Mark — Verlust hatte, da sah sich die Schristleitung vor die große Frage gestellt: soU sie sich von jetzt ab wirklich kürzer fassen?'Diese Frage wurde nun auch in jenen Abhandlungen den Lesern vorgelegt Tie allnmsasseiide Fülle der „Times" — so hieß es dort — in eine uralte Institution. Tie Hosnochrchten, die Achzäylung bex Or- densauszechuungen, und Beförderungen in allen Ressorts das alles seien geschick-ttche Eigentümlich Veiten der Zeitung. Dirrfte man su so ohne weiteres fallen lassen? Wäre es nicht richtiger, daß ieber Leser einer: halben Penny mehr opferte? Das wäre das Richtige, das war der Schluß den die Abhandlungen zogen. Aber —« d:e Sackte hat noch einen kleinen Haken. Tie „geschichtlichen Eigentümlichkeiten" der „Times" erfordern Papier. Diel, selw viel Papier. Gegend fünshundett Tonnen, wöchentlich, was 25—30 000 Tonnen jährlich nmcht. Zu ihrer Beförderung braucht man Dampfschiffe. Würde die „Times" ihren Umfang um die Hälfte verrin-
gern, so Brnitm jährlich 15 000 Tonnen Getreide oder svnsüga
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Bedarfsgegenstände nach England geschafft werdeii. Und Wetter: dre „Times" gibt den Ton an. Sie hat den Preis -erhöht, alsos erhöhen ihn auch alle anderen Zeitungen. .Hätte sie aber ihrenj Umfang verringert, so hätten auch aUe anderen großen Blätter das Gleiche getan. Sie habet: im Jahre 1914 allein für 7 Mtt- livnen Pfund Sterling Papier und für 6 Millionen Zellulose und sonstiges Rüstzeug verbraucht. Wieviel Tonnen sind das? Wie viel
Tonnen können gespart werdet:? Unabsehbar.
Freilich, freilich! dazu müßte man auf die „geschichttichen
^lgEmlichketten" verzichten. Die „Times" müßte z. B. die Hos- nachrm/teu kürzen oder ganz fallen lassen. Sie dürfte nicht mehr ^richten, daß die Markise os Ail von ihrem Schlosse Eulzecn Castle nach London abgereist sei, utid baß demnächst die Vermählung des Oberleutnants B. mit Miß M. stattfindeL, der zweiten Tochter des verstorbenen Mr. M. und seiner twch lcbetiden Gattin Mrs. M. au | ,^olmsey-Line. Tas alles müßte wegsalleuUnd was mchtt ^ Ableuguungs- und EntrüstungSztischriften an die Redaktion, die die Mitteilung der Miß Hob! ouse bervorgerufen hat, daß Löwen mit Ausnahme einzelner Stadtteile unversehrt geblieben se: — für das daratif verschwendete Papier hätte mau! genug Eier nach England einführetr können, um die Versorgung einer ganzen Grafschaft für einen Tag sicher zu stellen. Aber gegen die „historischen ^Eigentumlichkei vtn'' läßt sich nicht cm- tampsen —_ bis es schließlich irnter dem Drucke der Not doch dazu rommeu wird! Tie U-Boote arbeiten unermüdlich,, und c> tütro wohl der Augenblick kommen, wo die „Times" jich gczsuungetr sieht, ohne Mucket: ilsre geschichtlichen Eigentümlichkeiten fahren zu lassen utid im Interesse der Papierersparnis ihren Umsang! wesentlich einzuschränken. Vorläufig aber ist' man von dieser Ketint- ms nock weit entfernt. Tas Gespenst der Lebensuiittelnvt steht vor ^r Tur, aber man nimmt etwa nickt nach deutschem^ Muster die Bestände ans und führt Karten eilt, sondern man begnügt sich —, Sparsamkeit zu predigen. Aus diese Werbearbeit ist so viel Zei- tungs- unb Plakatpavier^verschwendet worden, daß es ein leichtes gewesen wäre, an dessen 2tatt einen großen Teil der besten australischen Ernte herül—-bringen. Man spielt det: Vogel Sttauß, man schließt die Atigcti gegen das Notwendige. Nicht die Ver- braucher, sondern nur die Erzeuger und die Verkäufer stellt man! unter Aufsicht. Dem Nrüller wird vorgeschrieben, nur eine ganz bestimmte Sorte Mehl herzustellen m:d jeder Bäckerei nur das festgesetzte Maß zu liefern; der Bäcker wird an jeden einzeltren Käufer nur eine bestimmte Atenge Brot avgeben dürfen. Das Ergebnis wird ein vollstätidiges Durcheinander sein: der Bäcker wird erklären, er könne sich unmöglich merken, wer heute schon sein Brot geholt habe und wer nicht, lind ganz und gar außerstande sein, fest- zustellen, ob Mrs. Jones ilwe vier Töchter nicht in verschiedene! Bäckereien geschickt habe. Endlich wird es zu richtigen Brotschlachten kommen, und die Ordnung wird erst toieder hergestellt sein wenn die Marken da sind. Tas wissen auch alle — warum führt mast sie nicht gleich' ein? Es würde gegen die Traditton setti.
, Eine große Rolle spielt auch die Frage der Speisekartest :n Klubs und Gasthäusern. Tie .Klubs haben sich den Verhältnissen angepaßt t:Nd die Mehrzahl hat eine vereinfachte Speisekarte zu) 2Vs und 3 Schilling eingeführt. Aber die Gasthäuser cüunen sich! nicht dazu, entschließen. Sie berufen sich daraus, daß ihre Gast« zum größten Teil beiirlaubte Offtziere seien, denen man nicht zumuten könne, sich einzuschränkeu. Ganz schön, aber di? Herrest Offiziere sitzen nienrals allein bei Tisch; sie sind immer in größerer Gesellschaft, natürlich will keiner dem andern nachstehet: — irndl so werden täglich tausende von Fleischporttonen verschwendet, die gespart werden können. Natürlich wird der Zeitpunkt auch einmal komnien, wem: man gegen die Gasthäuser einschreiten. muß, und dan'u wird sich zeigen, daß ein beurlaubter Offizier ebenso gemütlich für 3 Sckstlling speisen kann, wie für V 2 Pfund. Alles wird kommen, alles wird sich machen lassen, die Regenschirme roerdenz alle einmal aufgeklappt, aber — erst muß man tüchtig naß geworden sein.
Au« Stadt und Land.
Gießen, 3. Februar 1S17.
Vaterländischer Hilfsdienst der Studentenschaft.
Der Rektor unserer Landes-lluiversitctt hat folgend« Bekannttnachluny an die Studierenden der ilnüferfttät erlassen :
Kommilitonen!
Vielfachen Wünschen autz den Kreisen der Kommilitonen, die aus alsbaldigen Eintritt in den vaterländischen Hilfsdienst zielten, bin ich bisher nrit der Bitte um Geduld begegnet. Auch jetzt ist nicht mit einer raschen und weitgreifenden Einberufung der Studierenden zu den Arbeiten des Hilfsdienstes zu rechnen. Aber es ist nunnrehr an der fteit, die schon früher in Aussicht genommene Maß- nähme zu tteffen, durch welche die Einstellung Gie^trer Studierender vorbereitet wird. Von heute an liegt auf dem Univ.-Sekretariat, Bismarckstr. 23
Gieszener Stadtiheater.
Gastspiel Max H 0 s p a u e r.
Wenn königliche Hofschauspieler sich auf Gastspielreisen in die Brovmz verirren, so kann man mit ziemlicher Sickterhett anneh- men, daß sie nicht mehr ganz jung an Jahren sitrd utid ihre beste .Kwaft l^reits vevausgabt haben Der königl. bayerische Hofschau- Ipreler Dclax Hospauer, der uns gestert: abend die Ehre seines Besuches gab hat im Juli 1916 sein 70. Lebensjahr vollendet und mm dre^em Gesichtspunkte m:s will und muß seine Leistung als Rezttator und Schauspieler immer noch- mit voller Hochachtung anerkannt werden Sein Borttag ist heute noch- ttastvoll und! klangvoll und voll Wärme. Er verschmäht glücklicherweise alle ~ o ältere Schauspieler, was sie at: tiatttt-
ttcher Dawftellnngskvaft verlöret: haben, zu ersetzen pflegen. Das IciL wwo hl bei dem _ Vorttag von Kriegsgedichten. wie bei dem "d 77 .b«aperischer Löw'", einem ansprechenden Kriegsbild vorr .icax Streler, angenehm auf. Bei dem einen wie dem änderet: war noch der Ruf zu ahnen, der dem Künstler in seinen beiten Schaffenchahren mit Recht vorat: ging und den ihm eine dem Stadttheaterbuceau auch diesmal voraus- geschicktchat. In dem Einakter „Ein bayerischer Löw'" sekundierte rW aufs beste Hermine Wossidlo als französisches Bauern- mtt viel Temperameitt Llnmitt und anerketinenswettem, ^wanzonsch durchführte.
Der Abend wurde ausqeftlllt durch ein von den hiesigen; Kräften gegebenes älteres Luslipiel mit Veveinsbühnencharakter Einsiedler" von Bem:o Jakobson. Es war viel gute Kraft und auschemend sorgfältiges Studium — ntcq: möchte bei- u«ye. sagen, daran verschwendet, demi die Einzelleistungen waren vorzüglich ausgearbeitet. Am besten hatte ?ldols Falken seine Rolle als junger schüchterner El)emann aufgefaßt und zu diesem ^Rvecke auch eine ausgezeichnete Maske angelegt. Es Ware zu wün- tch^, daß der Künstler solch liebevolle Zeichnung der Einzel hellen
ic ^öhvren Aufgaben mit der ihm anscheinend gegebenen verbände, die ihm ohne dies zum Verhängnis toewen rmrn. Als neugebacketre Gattin war ihm Helene K a l l - mar zugesellt, die wiederum Gelegenbdt fand, ihre natürlichen umagen zu einem reiz endet: Getirebildchen zu verwerten. Ein 11 Ehepaar lmirbe durch Rudolf ©oll mit gewohnter
Tornhöfer mit synipathischer lln- miflttttiglichkeitdargestellt. Außerdem waren noch beschäftigt Kurt ^erch al^ Oberkellner, Hettha Havenith Öls Zimmermädchen und vermann Stichel als Hausknecht.
Die Darbietungen wurden tnit dem Beifall ausgenommen, den mqen ^ m - ev ' lnxnn belangloser AbetrdunterHaltung
— Eine Jmmermann-Uraufführung in Magdeburg. Aus Magdeburg wttd uns geschrieben: Magdeburg hat seinem großen Sohne Karl Immer mann zwar e:n Deiikmal gesetzt, das vor dem Stadtthcater Aufstellung gefunden hat, aber aus der heimischen Bühne ist Jmmermann noch nicht zu Worte gekontmet:. freilich lag die Schuld daran am Dichter selbst, dessen Dramen vorab der „Andreas Hofer", sich als unausführbar erwiesen baben. Weder eme Neubearbeitung des „Hofer" von Jnrmermann selbst, noch der Versuch Paul Lindaus, beide Fassungen zu vereinigen, hat zu einem Ergebnis gefühtt, bis es jetzt dem Magdeburger Ne«lkteur Erich Feld Haus gelungen ist, der, namentlich technischen Schwierigkeiten Herr zu werden, und ein nimmehr lebensfähiges und bühnenwirksames Schauspiel z-u verfassen, dem auch über den augenblicklichen Aktualttätswchtt, der sich ans der Parallele der heuttgen Kämpfe in Tirol mtt denen in: Jahre 1809 ergibt. hinaus Beachtung zukommt und dem sich manche Bühne öffnen wird. Es ist das Drama eines schlichten, gottgläubigen und kaisettreucn Bauernsührers, ohne große psychologische Verwicklungen und Probleme, das Jmmevtnllnn geschaffet: hat, aber, von emigen Schwächen abgesehen, voll dichterischer Gestaltungskraft, der jich auch der heutige Zuschauer nicht entziehen kann. Das bewies bereits die Uraufführung, die unter Direktor Vogelers ausgezeichneter Lellurig vor allem Albert Fried ri ch Gelegen-, heit bot, einen lebenswahren Hofer zu schatten, der noch über den Willen des Dichters hinaus zum Mittelpunkt des Schauspiels wurde. Die Aufnahme durch das Haus war überaus tvarm.
— .Die Uraufführung von Weingartners „F ü u st". Aus Chemnitz wird uns geschrieben: Im Rahmen emer Weingartner-Moche erlebte am Sonnabend abend im N e u e n Stadttheater z-u Chemnitz die Wertigartnersche Bühnenb«- arbeitung des Goetheschm „Faust", 1. Teil, mll Musik von Weingartner ihre Uraufführung. Felix von Wttngartner ist bekanntlich nicht der erste, der das Problem, zum Faust eine Diusik zu schaffen, d:e den Eindruck der gewaltgien Tichtmig vertieft, zu lösen gesucht hat. Dieser Versuch ist zweifellos der bedeittetidste seiner Art und hat die gattze Frage dem Ziele ein girtes Stück näher gebracht. Um das zuwege zu bringen, war zunächst eine Bühtrenbearbeitung nöttg, die, ohne der erhabenen Größe des dichterischen Werkes Abbruch z-u tun, tvotz der ein tvenig verlängernd wirkenden Musik die Ausführung in höchstens ffünf Stunden ermöglicht. Diese Aufgabe nat Weingartner in einer Weise gelöst, die Bewutiderung verdient. Zwar haben manche Teile dev Dichtung durch Ktlrzung und szenische VeremhettlvckZung ein etwas verändettes Aussehen gewönne,: — was übrigens Weingartner in einem ausgezeichntten Bottvott dialttttch und logisch glech wirürtigsvoll begründet —, die Schaffung größerer Geschlossenhell des Ganzen war aber unerläßlich, wenn der Komponist mehr als eine stimnmngSvolle Beglellnmsll beabsichtigte. Tie Aufgabe war also schvec und es kann nach der einen Aufführting noch nicht mll m:bedingter Sicherhell gesagt
werden, ob die gefundene Lösung eine restlose ist. Im ersten Teil, bei: wir nun kennen, beweist die maßvolle Verwenduna der Musik, das starke Bestreben Weingartners, den poettschm Gchalt dev Tickrtimg nicht zu schmalerm Das dürfte in der Hauptsache gelungen sein, und sicherlich wird mancher Zuhörer auch bei dieser größter! aller draniatischen Schöpfungen der Musik eine Vertiefung des Erlebens zugestehen .können, viele werdet: aber ttotz Meingattners rcdlichet: Bemühetrs', den Goekheschen Geist unberührt zu lassen, nicht über leise Bedenken hiniveggekommen sein, ins-, besondere beim Gesang der Erzengel, deren mächtig hallende Wort« gesungen von ihrer tiefen Eindringlichkeit verlieren, und weller. bei der etwas opernhaft gewordenen Vertonung der Wotte des! Bettlers (Osterspaziergang). Diese Bemängelungen dürfen aber, ohne gegen Goethe zu sündigen, richig zurückgestellt werden, angesichts der großen Gäxrnkcn. von denen Weingartner sich hat leiten lassen. Es wäre ja vielleicht vermessen, zu sagen, daß fecn- Musik Goethescher Geist ist, aber man kann tovhl behaupten, daß sw sich nicht gegen diesen Geist versündigt. Daß er, indem er be: der Gretck-en-Episode die Instrumente sck)weig«n ließ, dieser Mädchenttagödie von ihrem poetisckren Gebalt mrd ihrer erschütternden Wirkung nichts genommen hat, so verbockend gerade hier eine StimmungsMalerei der Musik gewesen wäre, darf man bem Meister der Tonkunst hoch anrechnen. Dem .Komponisten wurden vom Publikum, das zum Teil von well her nach Chenrnitz. gekommen war, lebhafte Ovationen dargebracht, ebenso wie den Darstellern, unter denen sich besonders Frl. Hagenbruch als Gretchen hervortat, sowie Herrn Direktor Tauber, der die Aufführung ausgezeichnet inszeniett hatte.
Die Erstaufführung des alten Urner Tell- Spiels. Aus Leipzjig wird uns geschrieben: Jni Schau- sprel h aus gab man erstmalig das alte Urner Spiel von Wilhelm Teil, das Ernst Leopold Stahl für die Bühne erneuett und ein- gerichtet hat. Die kernhaftige, treuherzige Sprache, die unmittelbar sich gibt wie nur ein Volkslied, verfchlte ihre Wirkung nicht. Er- man im übttgen, rn welchen: Maße das mittelalterliche Gedicht der Dramatisierung Schillers vorgcarbeitet hat. Fast alle wesentlichen dramattsck-en Situationen ftnden sich bereits vott Die Auftritte rckhen sich locker aneinander: m:r einige Male, tvo die Theattalifterung versagt, nmß der Herold durch Emohlnng ver- nnttelnd nngreifen. Die Ausführung war eine Regietat Fritz Bi e h - Wegs. Alles hatte herben wuchtigen Riß; elementar formten sich Gruppen; das Schlußblld des Schwurs von monumentaler Eindringlichkeit und mit malerischen Sinnen erlebt. Goethes Ge- scliwifter" und Kleists „Zerbrochener Zttug" beschlossen den Alumd Das Publikum nahm das Urner Spiel begeistett auf.
- Gustav Sckönleber ch Im Alter von 68 Jakwen ist Freitag früh der Maler Gustav Schönleber, Profesior und Lebrer an der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe, gestorben.


