Ausgabe 
17.2.1917 Erstes Blatt
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schm Geistes und PattiotisnvS llefate, während er den ruhM- reich»n Wättern ihrer Geschichte neue HeldentaLen hinzu fügte. Wir sind uns des Gewichtes der Verantwortung bewußt, die wir unter diesen schweren Umstünden übernehmen. Unser Ämd war von jeher die Beute innerer Schwierigkeiten und sieht sich jetzt gezwungen, sich Opfern zu unterziehen, wie sie unsere Geschichte niemals verzeichnete. Es mußte alle seine Kräfte zu der größten! Anstrengung in dem allgemeinen Kriege zusammen« ehmen, der kurz nach dem Tripolis- und dem Balkan kriege ausbrach, aus denen es schwer geprüft und einer langen Ruhezeit bedürftig her-» vorgegangen ist. Unsere Feinde, die uns unser Dasein mißgönnen, erklären ihren Willen, uns tief nach Anatolien zurückzutteiben und uns aus Konstantmopel und von den Meerengen zu entfernen. Diesen lächerlichen Drohungen unserer Feinde, die an den Dar­danellen geflüchtet sind, wo ihnen zu Wasser und zu Lande durch unsere tapfere Armee, die den Lebenstvillen imd die feste Stand­haftigkeit der ganzen Nation verkörpert, eine Niederlage bei ge­bracht wurde, antworten wir: Wir geben Konstantinopel nicht preis, solange es noch einen einzigen Os- manen gibt. (Lebhafter Beifall.) Wir wecken in diesem riesigen Kampfe in enger aufrichtiger Waffenbrüderschaft mit un- seren tapferen siegreichen Verbündeten verharren, ohne vor noch so großen Opfern zurückzuschrecken, und aus halten, bis wir unsere Feinde zwingen, unsere Taseinsberechtigung anzuerkennen. Das ist unser Ziel, soweit es den Krieg betrifft. (Beifall.)

Mach der Rede Talat Paschas sprach die Kammer dem treuen Kabinett einstimmig das Vertrauen aus.

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Die ErnteauSfichtcn in Frankreich.

Bern, 16. Febr. (WTB.) Wie französische Blätter melden, ist nach den Schätzungen vom 1. Februar der Stand der Aussaaten nicht zufrieden stellend. Die Aussaat bleibt beträchtlich hinter der Aussaat des Bor­jahres zurück. Nur in vier Departements von Südfraukreich kann die Lage als günstig bezeichnet werden. Amtlich wird erklärt, daß gpoße Anstrengungen gemacht werden müssen, um die Frühtahrssaat intensiver zu gestalten, da sonst ein großer Ausfall gegen die bereits unter dem Durchschnitt gebliebene Ernte des Vorjahres zu erwarten sei.

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Der wahre Anstifter des Weltkrieg».

Ucker den Krieg selbst vergißt man schon, daß die Entente die Mörder des Erzherzogs Franz Ferdinand schützt. Wie kuiH ist doch das Gedächtnis der Melk! Ucker unseren Feinden liegt doch von Anfang an der Schatten eines Verbrechens!"

Diese jüngst in Wien gesprochenen Kaiserwarte fanden ihre dokumentarische Bestätigung durch den Hochverr-tsprozeß gegen den bekannten österreichischen Politiker und Reichsratsabgeordneten Dr. Karl Kramarsch. Wie konsequent und rücksichtslos er als Haupt der neoslawischen Bewegung auf des Endziel hinarbeitete, die Befreiung der Slawen vom österreichisch-ungarischen, bezw. vom türkischen Joch zu ermöglichen, wie er bei jeder Gelegenheit auf den unmittelbar bevorstehenden furchtbaren Kampf zwischen Germanen- tmn und Slawentum hinwies, das schildert Reichsratsabgeordnetet Dr. Friedrich Wi ch t l in der neuesten Nummer 6 vom 10. Februar 1917 der ZeitschriftDas größere Deutschland". Wie eine Spinne im Netz arb eitete Krvmarsch am Zerfall der Donaumonarchie und der Einkreisung Deutschlands, zusammen mit unseren' jetzigen Fei üben. Der Balkomkrieg, der Mord von Serajewo, und damit der jetzige Krieg sind nach Wichtls Ausführungen nicht zuletzt aus Kramarschis Schuld zurüc^uführen. Ganz besonders in­teressant ist der Hinweis aus eine Erklärung Greys, der dem Freunde mrd werktätigen Mitarbeiter des Dr. Kramarsch, dem russischen Exdiplomaten Braucaninow, zusichert ,chaß England an dem großen Kriege teilnehmen werde".

Der Verfasser deS Aufsatzes würde sich durch die getreue Ver- öffeuSrchung jener Zusage ein großes Verdienst erwerben, denn sie Wäre nicht nur ein Beweis für die Schuld des Neoslawismus am Wckckriege, sondern würde zu den vielen bereits bekannten Doku­menten ein neues, wichtiges hinznfügen, das Grey als Schützer voü Mördern zeigt und Eu^arrd als Hauptschuldigen an Europas Zer- fleffchuns. >

LrMrrichrr U-Voottneg.

Ein U-Bootrekord.

Berlin, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Innerhalb 24 Stunden wurden Won einem unserer Unter­seeboote Treuerdings versenkt:

Ern Hilfskreuzer von 20000 Brutto-Hkegister-Tonnen, zwei Hilfskreuzer oder Transportdampfer von je 13 600 Brutto-Registertonnen und ein Trcrnsportdampfer von 4600 Brutto-Re^stervnrnen, insgesamt 51800 Brutto-Register- tonnen.

Bon den am 13. Februar als versenkt gemeldeten sechs Dampfern und einem Segelschiff von insgesamt 25 000 BruttlEogistertonnen führte ein Dampfer 1000 Tonnen Heu, 1500 Tonnen Weizen, 2000 Tonnen Hafer und ein Dampfer 5000 Brutto-Registerto nnen Petroleum nach England.

Als Gefangene wurden eingebracht drei Kapitäne, zwei Ingenieure, ein Funkentelegraphist. Zwei von den Damp­fern waren bewaffnet.

Lvndvn, 15. Februar. (WTB.) LloydsmrDtrng. Der DampferMargarita" (2788 Donnen) und die Scha­luppenAs Hw old" (129 Donnen) und Irland" (152 Tonnen) sind versenkt worden. Die Besatzung der Ir­land" ist gelandet, nachdem sie neunzig Sllmden auf offe­nem Meere gewesen ist.

London, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen .Bureaus. Der englische DampferKha­rr i 1 o" und das Fischerfahrzeu^B e l v e i r c a st l e" sind

' London, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel­det: Der englische DampferLonascer" (2777 Brutto­registertonnen), das FischerfahrzeugM aryBell" und der englische SeglerP e r e y R e y" sind versenkt worden.

London, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der englische DampferCreen- l a n d" wurde versenkt. Die Bemannung wurde gerettet.

Barcelona, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Aus Alexandrien eingetrofsene Schiffsmannschaften berich­ten, daß in den Tagen vom 20. zum 29. Januar zwei mit Weizen beladene englische Dampfer von 11000 und 10 000 Tonnen vor dem Hafen durch Unterseeboote ver­senkt wurden.

Hafenarbeiter von Alexandrien erklärten, daß die von dort verkehrenden englischen Lazarettschiffe ausschließ­lich zum Transport von Truppen und Kriegs­material nach Salonik benutzt würden.

Stockholm, 16. Febr. (WTB. Nichtamllich.) Es ver­lautet, daß fünf schwedische von England mit Kohlen nach schwedischen Häfen aus gelaufene Dampfer in dem Nordsee-Sperrgebiet versenkt wor­den seien.

Kristiania, 16. Febr. (WTB.) Das norwegische Konsulat in Bordeaux drahtete an das Handelsdepartement: Der Dampfer Progresso" (1620 'Tonnen) ist versenkt worden, der Kapitän und die Besatzung ist gerettet.

Rotterda nt, 16. Febr. (WTB.) Nach hier ein getroffenen Nachrichten wrck in England für Butter bereits jeder Preis gezahlt. In Schiffährtskreisen herrscht Beunruhigung über die Absicht Englands, in großbritannischen Häfen liegende Schiffe zu kaufen. Es lvick gemeldet, daß drei schwedische Schiffe in England gezwungen wurden, ihre Lcümng zu löschen.

Lugano, 16. Febr. (WTB. Nichtamllich.) Das fran­zösische Torpedoboot317" ist am 28. Dezember 1916 ver­loren gegangen.

Bern, 16. Febr. (WTB.) Lyoner Blätter melden aus Almarm: Der englische DampferMeteor" ist bei Sunta Entinae gescheitert. Die Rettungsarbeiten werden unter Aufsicht zweier englischer Kreuzer aus geführt.

Am dem Reiche.

Ein preußischer Staalskoinmissar für Volksernährung.

DieFranks. Ztg." schreibt:

Unsere vorgestrige Meldung, daß der Leiter der Reichs- getreidestelle, der bisherige Unterstaatssekretär im preußischen Finanzministerium Dr. Michaelis zum preußischen Staatskommissar für Volksernährung aus­ersehen sei, wird jetzt bestätigt. Seine Ernennung wird in den nächsten Tagen erfolgen.

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Berlin, 16. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der,.Staats- anzeiger" meldet: Dem Prinzen Philipp von Sach- sen-Coburg-Gvtha, .Herzog zu Sachsen, ist der Schwarze Adler-Orden verliehen worden.

München, 16. Febr. (WTB. Mchtamtl.) Der König empftng heute in feierlicher Audienz den außerordentlichen Botschafter des Kaisers und Königs Karl, den ungarischen Ministerpräsidenten a. D. Grafen Khuen-Hedervary, der von dem Legatiopsrat Kämmerer Grafen Bukuwky be­gleitet war.

Aus Hessen.

Aus dem Finanzausschuß der Zweiten Kammer.

rb. D a r m st a d t, 15. Febr. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer setzte in seiner Sitzung am Donnerstag vormittag die Be­sprechung mit der Regierung fort, die durch die drei Minister, die Stcvatsräte Süffert, Hölzinger und andere vertreten war. Bei Kap. Bad-Nauheim wurde die Besetzung der Stelle des ärztlichen Leiters der medizinisch-wissenschaftlichen Llb-teilung des bäderkundlichen Instituts zusammen mit der Besetzung dtft Stelle eines 4. Ministerialrates im Ministerium des Innern bespwck)en. Einige Mitglieder des Ausschusses sprachen sich grundsätzlich gegen die endgültige Besetzung neuer Stellen Während des Krieges aus, während andere nach der Schaffung verschiedener neuer Stellen in der Bauabteilung im vorigen Jahre für die Bewilligung der beiden Stellen sind, die voraussichtlich gutgeheißen werden.Bei der Oberrechnungskammer sagte die Regierung bezüglich der aushilfsweisen Besetzung des Präsidiums' der Oberrechnungs­kammer durch den Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofes zu, daß diese Stellvertretung nur während des Krieges stattftnden solle.

durch die eine Ersparung von etwa 110Ö0 Mark erzLelt werbet könne. Es wurden Bedenken darüber laut, ob nicht eine präzise« Faffmrg dahin, daß das Provisorium nur für die Dauer des Krieges zu erfolgen hätte, am Platze wäre. Ucker die Besetzung eines an­deren sreigewvrdenen Postens wird die Regierung demnächst eins besondere Vorlage machen. Bei der Landes Universität soll die endgültige Gestaltung des agrikulturchemischen Instituts erst nach dem Frickensschluß geregelt iverden. Bei Kapitel 43 (Ju­gendpflege) wird Auskunft über die Verwendung der 30000 Mark gegeben. Der Bettag ist nickt vollständig ausgegebcn wor­den und soll im wesentlichen zur militärischen Ausbildung^ der Ju­gend verwandt werden. Bei der Landeswaijsenanstalt ist eine Steigerung der Verpflegungssätze in Aussicht genommen. In besonderen Einzelfällen soll Erhöhung eintteten. Magen über geringe Sätze sind nach der Mitteilung der Regierung nicht eingelaufen. Am Freitag hält der Finanzausschuß seine Schluß-* sitzung ab.

Das Plenum der Zweiten Kammer wird zur Ab­haltung der Etatsberatung Dienstag, den 6. März, zusammen-

tteten. '

Au« Stadt und Land.

Dießen, 17. Februar 1917.

Lebensmittelmarken.

Für die Zeit vom 19. bis 27. Februar 1917 haben nach­folgende Lebensmittelmarken Gültigkeit:

Brotmarken der 8. Woche, gültig vom 19.27. Februar 1917 Buttermarken 8. , 19.-27. ,

Fleischmarken ,8. , 19.27. , ,

Kartoffelmarken 9 8. v 19.27. B

Zuckermarken Nr. 6 und 7, gültig bis 28. Februar 1917. Seifenmarken für den Monat Februar.

Ein Umtausch verfallener Marken stutzet nicht «ehr statt: ebenso wird für verloren gegangene Marken kein Ersatz gewährt.

GeschäftSstuudeu de» Stützt. LebeuS«tttela«teS von S12 Uhr vorm., 24 Uhr nachm.

Sonntags 1012 Uhr vorm. Markenausgabe für Urlauber.

*'AmtlichePerfonalnachrichten. Entlasten wurde am 12. Februar der Lehrer an der Volksschule zu WormS Karl Winkler auf fein Nachfuchen vom 1. Februar 1917 an auS dem Schuldienst. Der Gro ßher zog hat dem Postsekretär Balthasar Krell in Auerbach das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verliehen.

* Auszeichnung. Oberlehrer Prof. Karl V ö l z i n g wurde die Rote Kreuz-Medaille 3. Klaffe verliehen.

** Unterstütz nnggeschädigter Arbeiter in den Zigarrenfabriken. Vom Großh. Hauptstoucrarnt unck uns mitgeleilt, daß unsere Mitteilung ins der Nummer 38 vom 14. Fckr. 1917 der Richtigstellung bckarft Die Maßnahme der Einschränkung der Herstellung von Tabakerzeu-gnissen steht mit dem Gesetz megoi Erhöhung der Tabakabgaben vom 12. Jmri 1916 in keinem Zu­sammenhang. Sie ist vielmehr erfolgt, weil das Verbot der Einfuhr von Tcckak und Tabakerzeugnissen eine Stteckung der im Jn- lande befindlichen Tabakvorräte nollvendig macht. Werden daher Tabakarbeiter infolge dieser Regelung des Verkehrs mit Tabak arbeitslos oder im Verdienste geschädigt, so können hieraus An- sprüche auf Gewährung einer Unterstützung nach Artikel V des genannten Gesetzes nicht abgeleitet werden.

** Bersicherunrgspflicht in Detailhandels 8« - trie ben. Von der Detaflhandels-Decufsgenossenschaft nt Ber­lin W. 68, Charlottenstraße 96, wird mit geteilt, daß noch zahlreiche Inhaber von Detailhandelsunternehinen, welche die Reichsver­sicherungsordnung ab 1. Januar 1913 der gewerblichen Nnfallver^ sicherung unterstellt hat, ihre Betticke nicht bei dem zuständiger^ Versicherungsamt zur Arnueldung gebracht haben. Die Handels­kammer macht deshalb daraus aufmerksam, daß Detailhandels­betticke schon dann versicherungspflichtig sind. Wenn in ihnen stän­dig zwei kausmänmsche Angestellte (Verkäufer, Verkäufe rinnen, Kon­toristen, Lehrlinge, LckrmDchen auch ohne Gehalt) oder ein gewerblicher Arbeiter (Laufbursche, Laufmädchcn, Kutscher usw.) be­schäftigt Wecken. Familienangehörige mit alleiniger Ausnahme des Ehegatten sind, auch wenn sie kein Gehalt beziehen, als Angestellte im Sinne des Gesetzes anzusehen. Die nicht rechtzeitige Anmeldung

den. Allen Inhabern von oben bezeichneten Betrieben, die minde­stens zwei kaufmännische Angestellte oder einen gewerblichen Ar­beiter ständig beschäftigen, wick deshalb dringend ängeraterr, ihre Betricke bei dem Verficherungsamt der Stadt bezw des Kreises Gießen in Gießen ohne Verzug schriftlich anzmnelden.

** Das Schwarz-Weiß-Theater, Seltersweg 81, das ab heute Samstag wieder ständig geöffnet ist, bringt im Pro­gramm vom Samstag, 17. Febr. bis einschl. Montag, 19. Fckr., den rwrdischen Kunstftlm ,,Fremdes Blutt'. in drei Men, von ersten nockischen Künstlern dargestellt, das Militär-Lustspiel Ja, schön ist die Svldatenlicke^' in zwei Akten, mit Anna Müller-Linke in der Haarpttolle, wtbDer Glockenguß zu Breslau", eine dramatische Begebenheit und das übrige Bei­programm.

** Das Lichtspiel haus Bahnhofftt. 34 bringt auf seinem Spielplan für Samstag, Sonntag und Montag ein seltsames FilmschaufpielDas Skelett". Hauptdarsteller sind Ellen! Richter und Hans Mühlhofer, beide vom Wnigl. Schau-

A«nst, wigenschast und Leben.

Die Uraufführung einerRing"-Kom ödie. Mml schreibt uns aus Wien: Harry KahnsRing" streift oder schneidet das scharsgeprägte Wort, mit dem Moritz Hermann die unentrinnbare Tragödie Adams und Evas zu umtteisen und zu umschließen versucht:Die Frau will den Mann, der Mann will sein Werk." Ter etwas leise urck lose gefertigteRing" schneidet bloß diesen ehernen Kreis, denn Harry Kahns Spiel pendelt bedercklich aus der hohen Moritz-Heimannschen Ebene in die tiefere Henry-Bataillesche der Ehebruchskomödie einer ein bißchen unverstandenen, ein bißchen vernachlässigten Frau, die sich mit ihrem Mng an dem Ring ihres Marmes rächt. Ter oft genannte Ring hat nämlich durch nicht gerade kostbare Witzig­keit doppelte Fassung: er bedeutet, zum ersten, das Symbol der Ehe und ihres Zusammenhallens den Trauring, und ist zum andernmal ein Geschäfts-Trust, ein Metall-Konzern, ein Messing-Ring. Weil der Baron der Frau Lissie, der Gattin des Messingttust-Direktors Georg, Ring ddummer 1, ansteckt, droht dem Mann sein in Bildung begriffener Ring Nummer 2 zu zer­springen, denn bei einer ganz großen Sache, wie sie diese Ver­trustung eben ist, muß einer nicht mcr mit seinem ganzen Kopf, sondern auch mit seinem ganzen Herzen dabei sein. Herr Direktor Georg kann es am Ende auch ohne das, auch ohne heiles Herz, wenn er nur bei heiler, von keiner Tuellkugel durchschlagener Haut bleibt, und sowrll er nicht bettogen sein". Urrd so . . . Harry Kahn selbst scheint über diese steile Sterirheimsche .Kühnheit erschrocken zu sein, denn er druckt sie durch die Randbemerkung des Barons, ob Georg auch bei einer Defraudotton seines Buchhatters nicht betrogen seinwollte", sofott wieder auf sentimentalisches Niveau. Tro^em, trotz allem tastenden Hierhin und Totthin zu Neuem und Klischeehaftem, zu Bedeutenden! und Banalem, trotzdem hat der junge Autor sicherlich Talent und hat die ausgezeichnete Auf­führung an der Neuen Wiener Bühne verdient, in der die zum Schreien drastische und zuweilen zmn Weinen wahre Gulbvausson-Komik Paul Morgans den Erfolg des Abends entschieden hat.

DieUrausführungeinesneuenOratoriums. ^"^Dresden wird uns gescknicken: In der Dreikönigskirche in Dresden erlebte das Oratorium ..Jesus" für Soli, Chor, Orchester uick Orgel von Paul Gläser seine Uraufführung aus hem Manuskript. Es ist das erste große Werk, mit dem .Gläser.

der 'Kantor in Großenhain in Sachsen ist, an die Oeffentlichkeitz tritt. Die Lebensgeschichte Jesu wird in ganz lapidaren Szenen von der Verkündigung der Hirten bis zum Tode am Kreuzü episch vorwärtsdrängend aufaerollt. Tie Wahl der Bibekstellen ist mit künstlerischem Sinn geschehen, ebenso die Einfügung eines Wiegenliedes von Lope de Vega. Das Charakteristische der mu­sikalischen Gestaltung ist ckenfalls ein Vorwärtsdrängen, ein Nichtverweilen. So kommt es, wie in dem Einzug in Jerusalem, der Gethsemane-Szene, Petri Verleugnung, den Szenen Jesu vor Kaiphas, vor Pilatus zu packenden Dialogen, zu fast dramatischen Ausdrücken, die aufs Stärffte bewegen. Andererseits aber hat sich der Komponist um jene Ruhestelben gckrackst, jene Augenblicke ganz tiefen Versenkens in das Mysterium, die gerade die Höhe­punkte in den Werken unserer großen Orcrtorien-Meisver bedeuten. Tie Stärke des Gläfersckien Werkes liegt in den Chören und dem Orchester. «Auch sie gehen nirgends in die Breite, aber in ihrer schlagfertigen Kürze ist echte Musik. Frei und selbständig folgt Gläser den großen Meistern. Lilzt-Dvaeseke steht sein Orchester am näckfften. Es hat Farbe, Rythnms und das Aufleuchtende echter Inspiration. Das edle Werk gehört zur wertvollen Bereicherung! unserer modernen Oxatorienliteratur ütrib verdient es, noch oft in so schöner AuMhrung zu erklingen wie sie unter Kantor Strauß- kys und Kirchenmusikdirektor Dorr ma nns Leitung die ver­einigten Kirchenchore der Treikönigs- und der Lukasgemeinde zu Wege brachten.

Die Erstaufführung eines Lustspiels von Franz Blei. Aus Leipzig wird uns geschrieben: Franz Blei, der in seinen Essays urrd in seinem Buch über dasmoderne Theater^' eine glänzende, wenn auch am stärksten kritisch-negativ ge­richtete Geistigkeit zu entfalten vermochte, hat mit dem im Leidiger Alten Theater erstmalig gegckenen LustspielLogik des Herzen s", die ohnehin magere heitere Literatur um ein nicht sondeckich lebensfähiges Produkt vermehrt. Versäüedene LiebtzÄ- schicksale komplizieren sich in diesen drei Akten. Der Kern der Hand- limg ist eine Eifersnchtsinttigue, verursacht durch die Tücke von Zu­fällen und geschürt durch die Aufreizungen einer auf Hausehre hal­tenden väterlichen Fürsorge. Ulrich von Türheim, der die liebens­würdige Einfalt selbst ist, hat Liselott geheiratet und läßt sich seinen Mnderglauben an weibliche Treue nicht erschüttern, auch als ge- wichttge Tatsachen diesen zu bedrängen scheinen. Liselott hat näm­lich für eine andere einen Liebesbrief geschrieben, weil diese ander« der Kunst des Schreibens nicht mächtig ist. Der in der Tat nicht un-

bckenklich klirigende Brief fällt natürlich in die Hände Ulrichs und! droht den Frieden des Hauses zu verwirren. Aber dieLogik deS Herrens"' behält recht; Äselott geht sttahlend hervor. Ulrich verulkt die erhitzten Väter durch eine gespielte Othelloszene, und es gibt am Ende eine Anzahl Liebespaare. Auch die Aufführung vermochte dem kühlen Dialog des Stückes nicht das fehlende Blut zu ersetzen.

Luise Hacker-Zabel, Gattin des Darmstädter Hof- schauspielers Hacker, in den 70er und 80er Jahren g?efeierte Heroine und zugleich ein der geist- und humNrvollsten Dcrttetermnen des seinen Lustspiels, ist in Tarmstadt verschicken. Die längste Zeit ihrer künstlerischen Wirksamkeit gehörte sie der Oldenburger Hof­bühne mi, die unter Jülius Mvfen's Leitung und Adolf Dtahr's kritische« Einfluß eine der vornehmsten geworden war. R. v. Dalwigh nennt in seinerChrsmik des alten Theaters in Oldenburg" Luise Zabel als dessen kräftigste Stütze. Außer Olden­burg wirkte sie vornehmlich noch an den Theatern der rheinischen Städte Düsseldorf, Köln und Mainz! sowie in Riga und ihrer Vater­stadt Königsberg. Große Verdienste erwarb sie sich auch nach ihrem Abgänge von der Bühne durch ihr organisatorisches und dichte­risches Talent insbesondere bei den BÄHltättgkeitsfesten der Ge- nosserffchast Deutscher Bühnenangchöriger und demVerein für das Deutsckftnm im Ausland", der sie mrch M seinen! Ehrenvor- standsmitglicke ernannte.

Friert das Kattegat zu? Im skandinavischeu Nor­den herrscht zurzeit außergewöhnliche Kalle. Das Kattegat ist in großen Teilen vollständig zugefroren. Dauert die Kalle und die Windstille noch einige Tage so weiter an, so rechnet man damit, daß das Kattegat dieses Jahr, prakttsch gesprochen, ganz zu­frieren wird. An der Westküste von Schweden und bis hoch gegen Nocken hinauf stellt das Eis fest. Vorige Woche mußten verschickeile Schiffe, die von Norwegen auf der Fahrt nach Süden waren, in Gotenbnrg einlausen, weil sie nicht weiter konnten. Von einer Lotsenstation au der schwedischen Westküste wick gemeldet, daß das Eis, so weit inan überhaupt mit dem Fernrohre sehen kann, das ganze Meer bedeckt. Auch im Hafen von Christicmür vollzicht sich der Berkelw unter Schwierigkeiten. Durch die lange Kälte ist die See so abgeki'ihlt, das; sie selbst dann Eis bildet, wenn die Kälte nur mäßig ist. Das Eis aber macht das Wasser dann noch kälter. Nur nrilderes Wetter und ein kräftiger Nordwind, der die Eis­massen in Bewegung setzt, könnte die Lage bessern.