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8.2.1917 Erstes Blatt
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btfcjfcn «sx^iffe .erft nach dem 5. Februar die englischen Häfen - dürften. Außerdem sperrten die Engländer ihre Ä-ohlenlieserungen für holländische Schiffe seit dem 29. Ja- nuar, um englischen Schiffsraum zu erpressen.

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Die Pariser Presse.

Bern, 6. Febr. (WTB.) Mit Ausnahme weniger Blät­ter ist die Pariser Presse heute weniger überzeugt, daß die Neutralen das Beispiel Amerikas befolgen werden, da sie mit Ausnahme der südamerikanisckwn Staaten durch große Jnteressengemeiirschaft mit den Mittelmächten zur Erhaltung guter Beziehungen zu diesen genötigt seien.Jn- transigeant" schreibt sogar, das Beispiel Rumäniens habe auf einige Neutrale abschree^nd wirken müssen. Ueber den Ernst der durch die Unterseebootsblockade tge* schufjenen Lage geben sich viele Blätter keinen Illusio­nen hin.

DerTempZ" erklärt, Deutschland habe den Konflikt mit Amerika gesucht, da er ihm Freiheit in der Führung des Untersee- bootskriegcs mtb militärische und politische Vorteile bringe. Es habe sich, da es den Plan wagte, einen festen Plan geschaffen, den rnan kennen und vereiteln müßte. Mehr als jemals benötige die Entente eine Politik voll Besonnenheit, Sachverständnis und Ent­schlußkraft. Sich trägem Vertrauen hinzngebcn und mit der Formel zu begnügen, die ganze Welt sei gegen Deutschland, wäre gefährlich. Man stehe am V o r a b e n d n e u e r A n st r e n g u n g e n, zu deren Erfüllung Deutschland seine letzte Herausforderung erlassen habe.

Paris Midi" schreibt: Mehr als jemals müsse bei den Anstrengungen der Entente Kaltblütigkeit die Losung sein.

L'H eure" äußert, man dürfe sich durch die Aussicht auf einen baldigen Frieden nicht einlullen lassen. Welche neue Hilfe die Entente auch bekommen möge, man müsse bedenken, daß der Krieg blutiger als jemals cknsetzte, und daß die Entente aller Kräfte imd Hilfsmittel bedürfe, um ihn zu einem guten Ende zu führen.

Ga u lois" wendet sich gegen die vielfach geäußerte Anschau­ung, die U-Bootsblockäde sei ein Bluff; dies sei nicht deutsche Art. Deutschland stelle alle Hilfsmittel in dm Dienst des neuen erbar­mungslosen Krieges, es wolle nicht nur die Welt einschüchtern, son­dern einen wirklich vernichtenden Schlag führen.

Senator H u mb e r t jchreM im o urn a l", die Lehre aus den letzten Ereignissen habe rhu erschreckt. Er sähe, daß Deutsch­land noch immer hie Initiative habe, während die Alli­ierten redeten, redeten, redeten, gegen Verbrechen protestierten, die Menschheit anriefen und sich gar an die Neutralen wendeten. Die Entente hccke gehofft, daß die Mittelmächte nicht wagen würden, die Neutralen zu treffen. Jetzt, da die Haltung Wilsons keinen Zweifel mehr lasse, erwartet die Entente die Entwickelung seines Eingreifens, anstatt auf sich selbst zu zählen. Man brauche nicht geniale Einfälle und Erfindungen, sondern Willensschlußkraft, Or- ganisatton und Arbeitsfähigkeit.

Ein Leitartikel desSonnet Rong e", der ebenfalls an den praktischen Ergebnissen des Eingreifens Amerikas zu zweifeln scheint, ist bis ans den Anfang gänzlich gestrichen.

E v e n e m e u t" erklärt, selbst wenn sich alle Neutralen gegen Deutsckstand stellten, würde die Entente doch alle ihre Kräfte zu- saminenraffen müssen, um den Feind zu schlagen. Man müsse auf sich selbst zählen.

o onrnal d u P e u p l e" bemerk!, der Krieg, der gegen den preußischen Militarismus gerichtet sei, bringe inzwischen den ame­rikanischen Militarismus zur W'elt.

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Aus Belgien.

Brüssel, 7. Febr. (WTB.) Nach einer Meldung der 'flämischen Presse fand am letzten Sonntag in Brüssel eine von mehr als 200 Obmännern aller aktiven flämischen Grup­pen aus dem ganzen Lande beschickte Versammlung statt. Die BersammeÜen erklärten sich einmütig für die volle Au­tonomie des flämischen Volkes und setzten einen Mat für Flandern ein, dem die Aufgabe zufältt, weiteres Schritte zur Erreichung dieses Zieles zu unternehmen. Ein einstimmig genehmigter Aufruf an das flämische Volk setzt Ziel und Zwecke der Aufgabe auseinander.

Die englische Thronrede.

Febr. t WTW.) Reutermeldung.

Die bei der

London, 7.

Cröcknung des Parlaments gel-altene Thronrede lautet:

Es nmrden vom Feinde in der Absicht, FriedensVerhandlungen zu beginnen, gewisse Vorschläge gemacht. Ihr Inhalt gab aber keine möglichen Grimdtagen dafür, denn meine Volker im ganzen Reiche und meine tmim tapferen Verbündeten bleiben fest und einig in dem Entschlüsse, die Forrderungen nach Entschädigung Und Cemlgtuutng für die Vergangenheit und nach Garantien für die Zukunst durchsetzen, die! wir als fvesentttch st'ir den Fortschritt der Zivilisation halten. In der Antwort auf die Einladung) Wilsons haben wir, soweit das gegenwärtig geschehen kann, die allgemeinen Ziele, die die Voraussetzung zur Verwirklichung dieser Mickten sind, zitiert. Die Drohung mit weiteren Verbrechen gegen das Völkerrecht und die alüpnnernen Rechte der Menschheit werden nur dazu dienen, unsere Entschlossenheit zu stählen.

Während der Wintermonate hat meine Flotte, her aus ge­fordert, ihre ununterbrochene Wache auf den Meeren fortgesetzt und mit Strenge die Blockade gegen den Feind durchgesetzt. Meine Armeen haben nicht nur m Europa, sondern auch in Aegypten, lNesoretamien mrd Ostafrika erfolgreich gekämpft und sind voll­ständig darauf vorbereitet, den großen Kampf in engem, freund­schaftlichen! Zusammenarbeiten intt aieinen Verbündeten am allen Kriegsschauplätzen zu erneuern. Ich vertraue darauf, daß ihre vereinten Anstrengungen den beretts errungenen Erfolg zu einem siegreichen Ende Ivette c führen werden. Ich habe die Vertreter meiner Tominions mrd meines indischen Reiches, die einen glorreichen Anteil am Kanipfe genomnren haben, eingeladen, mit meinen Vttnistern über wichtige Fragen von gemeinsamem Interesse, die sich aut den Krieg beziehen, zu konferieren. Dieser Schritt ioird, mc ick bestimmt hoffe, zu engen Beziehungen zwisck-cul allen Teilen meines Reiches führen.

Meine Herren vom Unterhause! Sie werden aufgefordert, die Notwendigen Be w i l (i gu n g en zur wirksamen Fort­setzung des Krieges zu machen. Meine Lords und Herren! Die Vollendung der Ausgabe, die ich! in Angriff genommen habe, wird tfamc Anforderungen an die Energie und die Hilfsmittel aller meiner Untertanen stellen. Ich bin jedoch überzeugt, daß meine Völker jeder Forderung, di für den Erfolg unserer Sache not­wendig ist. mit derselben Standhaftigkeit und glühenden Hingabe enttvrecl>en werden, die mich seil dem Beginne des .Krieges mit Stolz und Dankbarkeit erfüllt haben. Ich enrpfehle also vo>ll Verttoueu Ihrem Patriotismus die Maßregeln, die Ihnen vor- ' gelegt nvrdcn sollen, irnd ich bete zu dem allmächttgen Gott, daß er ihre Beratungen segnen möge.

Eine Rede Lloyd Georges.

Hang, 7. Febr. ,zs.- In der Central Hall in Westminister sand gestern eine große D e r s a m m l u n g statt, die von Hendnson geleitet tvnrde, und auf der Lloyd (8-eorge und Chamberlain, dir Generaloirektor des nationalen Hilfsdienstes, das Wort führten. Auch Arbeitsminister Hodge, der Erzbischof von Anterbury und der Lordmayor von London waren anwesend. Tie Einleidungs­rede hielt Henderson, der sagte, während das Heer aus seiner vollen Stärke gehalten werden müsse, sei §s nötig, eine stets größere Anzahl von Männern und Frauen für twn nationales Hilfsdienst zu erhalten. Die ganze Nation müsse an der Lösung dieser Aufgabe Mitarbeiten. Chamberlain forderte ebenfalls auf, daß sich sofort die nötigen Freiwilligen melden. Es soll iebem einzelnen ein Tätigkeitsgebiet zugewiesen werden, für das er glaubt geeignet zu fein. Jede männliche Person zwischen t SJi. ,. Zkrhre,! kann sich für den nationalen Hilfsdienst melden, vbglttch merdurch keine Befreiung vom Militärdienst eintritt. Mit einigen Aenderungen soll dieses System auf auf Irland an­gewandt werden.

Lloyd George wurde mtt lautem Beifall begrüßt, als er iich zur Rednertribüne begab. Er drückte sein Vertrauen aus, daß das Freiwilligensystem für den nationalen Hilfsdienst genüge. Wenn dies nicht der Fall sei, so müsse zum Zwang geschritten werden. Tie Regierung habe das Recht, von jeder Masse zu ver­langen, daß sie mit allen Mitteln beittage, dem Staate zu helfen. £ie Nation kämpfe fürr ihr Leben und M die Zivilisation Lloyd George nannte die Behandlung der Kriegs gefangenen und der bürgerlichen Bevölkerung in Bttgien und Frankreich und ferner die neuesten Maßregeln über das Versenken von neutralen Kan ffahr rt c i schiffen ohne voran gegangene D»ruung' eine organi­sierte Grausamkeit und die bei weitem gefährlichste Fvrm der Barbarei, der England jemals gegeniibersMnd. Tie N«l«n müsse sofort auf diese Bedrohung durch Deutschland antworten. Es müßten Schiffe gebaut werden, um die Kauffcchrteiflotte zu be­schützen und um zu zeigen, daß der Mord auf der offenen See zwecklos sei. Dies könne geschehen, aber die Nation müsse hierfür organisiert werden. Die Zivilisation müsse sich vraamneren, um der organisierten Barbarei die Spitze zu bieten. Kein Mann und keine Frau habe das Recht, die Hände in den Schoß zu legen, während die anderen kämpfen. Am Schluß seiner Rede forderte Lloyd George das Land auf, die Inseln und die ?Neere um Eng­land zu vetteidigen. Es sei ein heiliges Land, reich an Boden - produktion unter der Erde. Auch beim Verlassen des Rednerpultes wurde Lloyd George Beifall drrrgebrnM.

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Wechsel im Oberkommando der italienischen Flotte.

Bern., 7. F^br. (WTB.) Mailänder Blättern zufolge hat der Herzog der Abrufen aus Gesundheitsrücksichten das Oberkommando über die italienische Flotte nieder­gelegt. Sein Nachfolger ist Admiral Thaon de Revel, der zugleich die Leitung des Admiralsbabes übernimmt.

Der Kohlenmangel in Frankreich.

Paris, 7. Feb-r. (WTB.) Meldung der Ägence Hvvas. Um den Kohlenverbrauch ernzuschvänken, verfügte die Regierung ab 8. Februar die Schließung der Thea­ter, .Kinotheater und aller anderen Schaustellurrr^n. An vier Tagen in der Woche hört der -Omnibus-, Straßenbahn- und Untergrundbahnverkehr um 10 Uhr abends auf, mit Ausnahme der Donnerstage, Samstage und Sonntage.

seekrleg.

Amsterdams. Febr. (WTB.)Nieuws van den Dag" schreiben: Es sind vorläufig keine Nachrichten von größeren Torpedierungen eingetroffen. Vielleicht haben die Engländer und Franzoien Abwehrmaßnah- men getroffen. Daß kein neutrales StMff einen brittfchen Hafen verlassen darf, spricht für diese Bornoitt««. 3S muß für die englische Regierung jetzt ihv» Sache ptfev, f# r»sch wie möglich zu beweisen, daß trotz der MEndigm« d-S frort* schön U^Bootkrieges ohne Gnade, die Fahrt im Sperrgebiet auch für die neutrale Schiffahrt noch invmer ziemlich sicher ist. Gelingt England das nicht, so muffen die neutralen Schiffe die von den Deutschen blockierten Ov»Wer meiden. Dann hat das stolze Wort, daß England mrd die Seinen die See beherrschen, die Berechtigung eingebüßt.

Amsterdam, 7. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Wie aus Vigo gemeldet wird, hat der holländische DampferSama- rinda" aus Rotterdam, der gestern abend in Vigo einge­troffen ist, die Ueberlebenden von fönenden untergegan­genen Dampfern gelandet: 89 Mann der Besatzung und 7 Passagiere des englischen DampfersPort Adelaide", 27 Personen des norwegischen SchiffesNorgsanga", 17 Per­sonen der norwegischen BarkMasdale" und 22 Personen des norwegischen SchiffesRegal" (8#2 Donnen). DieSa- marinda" landete diese Ueberlebenden in verschiedenen Häfen. In Bezug auf die obige Meldung stellt die eng­lische Mmiralität die in einem anderen Telegramm ge­machte Angabe in Abrede, daß diese Schiffe an der brasilia­nischen. Küste gesunken sind.

Rotterdam, 6. Febr. (WDB.) Heute früh sind die englischen DampferKirkham Abbey" nach Hüll und Starling" nach London ausgefahren. Heute nacht war der englische DampferAmsterdam" nach Leith aus­gefahren.

Stockholm, 7. Febr. (WDB. Nichtamtlich.) Nachdem das schwedische Ministerium des Aeußern erfahren hat, daß der schwedische DampferEdda", von Sechan Farbour nach Halmetai mit einer Ladung Kohlen untenvegs, am 21. Ja­nuar von einem deutschen U-Boot versenkt wurde, erhielt per schwedische Geschäftsträger in Berlin die Weisung, von der deutschen Regierung eine Untersuchung über das Vor­kommnis unter Vorbehalt aller Rechte zu verlangen.

Bern, 6. Febr. (WTB.) Die französische Presse meldet, daß die englischen DampferSalwap" undFrins'" versenkt worden sind.

London, 7. Febr. (WTB. Mchtamtlich.) Meldung des Reuterscheu Bureaus. Der schwedische Dampfer ,Bravalla" (1519 Tonnen) wurde durch ein Untersee­boot verscknkt, das auf die Mannschaft während der Mn- schiffung in die Boote schoß. (Immer dieselbe haltlose Be­schuldigung?)

London, 7. Febr. (WTB. Nichtanttlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der FischdampferResolute"' (133 Tonnen) und der russische DampferCererct' (5512 Ton­nen) sind wahrscheinlich untergegangeu Auch der englische DampferMar t e n s e ls" dürfte gesunken sein.

London, 7. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel­den, daß die englischem DampferAgul" undSaxen Briton" versenkt wurden. Ztvei Mann der Besatzung des Saxen Brtton" wurden getötet.

Mr dem NMe.

Der Zusannnentritt des Reichstags.

Berlin, 7. Febr. (WTB.) Die nächste Sitzung desReichstages ifindet am 22. Februar statt. Die Tages­ordnung wird noch bekannt gegeben.

Ein preußisches LandeSzuckeramt.

Berlin, 7. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Nach dem Staatsanzeiger" wird ab 15. Februar für Preußen als besondere Vermittelungsstelle zwischen der Reichszuckerstelle und den Kommunalverbänden ein L a n d e s z u ck e r a m t er­richtet, das die Durchführung der Zucker -und Süßstosiversor- gung in Preußen einheitlich zu leiten und die entbrechenden Maßnahmen zu treffen hat.

Bestandsaufnahme für Kartsfftln.

Von! Kriegsernährungsaml wich amtlich mitgeteilt: Ans die Getreidebestandserhebung, die für den *15. Februar 1917 ange­ordnet ist, folgt die durch die Bekamrtmachnng des Herrn Reichs­kanzlers von! 3. Februar 1917 angwrdnete Aufnahme der Vorräte an Kartoffeln für den 1. März 1917. Tie Bor­ratserhebung ist eine allgemeine und erstreckt sich fvwshl auf die auf dem Lande bei den Erzeugern./und in den Städten bei den Verbrauchern befindlia-en Kartosfelvorräte. Tie .Vorratserhebung ist als Unterlage für die in der Frage der Kttrtoffelversorgimg zu treffenben Entschließungen unerläßlich. In unmittelbarem An-

kchlutz an die Bestandsaufnahme findet eine Nachprüfung der angezeigten Mengen innerhalb der ^»mmunalverbände durch be­auftragte Sachverständige statt. Diese Nachprüfung wird in ähn­licher Weise vorgenommen werden, wie sie im Anschluß an die Bestandsaufnahme für Getteidc angeochnet ist. Zur Erreichung eines zuverlässigen Ergebnisses wird der Schwerpimkt der Kar- tofselbestandserhebung rn diese, unmittelbar an die Erhebung sich anschließende Nachprüfung zu legen sein. Tie Berttauensmänner und öttlichen Kommissionen, welche bei der Nachprüfung der Getreidebestandserhebrmg mitzuwirken haben, rverden daher auch für die Nachprüfung der vom einzelnen angezeigten Kartoffel­mengen in umfangreicher Weise herangezogen werden.

Es ist Pflicht jedes einzelnen, die von ihm geforderten An­zeigen über die Kartosfelvorräte mit größter Gewissens Hastigkeit zu erstatten. (W.B.)

O

mr. Frankfurt a. M., 7. Febr. Eine Dienstag abend vom hiesigen Sozialdemokratischen Verein ein- bcrustne Versammlung beschäftigte sich mit den Organist tionsbesttebungen der Minderheit und den Beschlüssen der Parteileitung hierzu. Für die Mehrheit verttctten n. a. der Reichstagsabgeordnete Dr. Qnarck und der Stadtverord­nete (^räf die Partei, während der Reichstagsabgeordnete Hütttnann und der Stadtverordnete Dißmann in heftiger Weise die Beschlüsse der Minderhett zu rechtferttgen suchten. Schließlich wurde folgende Entschließung mit ziemlicher Mehrheit angenommen:Die Versammlung erttärt, daß die Gründung und Erhaltung von Sonderorganisattonen in der Partei, wie sie die Beschlüsse in der Minderheitskonfe­renz am 7. Januar in Berlin vorgesehen haben, sowie die Mißachtung von ordnungsgemäß gefaßten Mehrheits­beschlüssen unvereinbar s ind mit den organisatorischen Grundsätzen der Partei, ohne die eine einheitliche Partei­aktion unmöglich ist. Sie tritt deshalb den letzten Beschlüssen des Parteiausschnsses und des Parteivorstandes bei und gelobt, für deren Durchführung inr Interesse der Einheit der Partei mit allen Kräften tätig zn sein.

Dresden, 7. Febr. Die Regierung verfügte heute, daß in ganz Sachsen zur Kohlenersparnis sämtliche Thea­ter, Kinos und Säle geschlossen werden. Alle R e st a u - rants und Kaffees dürfen nur bis 10 Uhr geöffnet bleiben. (Frkf. Ztg.)

Au- Hessen.

Finanzausschuß der Zweiten Kammer.

rb. Darm stad t, 6. Febr. Der Finanzausschuß der Zweiten Klammer trat heute unter dem Vorsitz seines Prä­sidenten Abg. Tr. Osann zn Sitzungen zusammen, welche im !vesentlichen dem neuen Voranschlag genndmet sind. Vor- neygenommen wurde die Regierungsvorlage bett. Kriegsteue- run ß sbei Hilfen an Be a nite, V ol ksschn lleyrer usw^, weil der Ausschuß aus dem Standpunkt steht, daß hier möglichst bald Hilfe eintteten soll. Tie Regierungsvorlage tvurde zunächst im Schoße des Ausschusses, sodaim mit der Regierung eingehend besprochen. Tie Großh. Regierung, die durch die Herren Staats­minister Tr. v. Ewald, Minister des Innern von Hom b e r g f, Finanzminister Tr. Becker, Staarsvat S ü s f e r t und Gäh. Legattonsrat Dr. N eid hart vertteten war, stellte sich bei verschiedenen Tisferenzpunkten auf den Standpunkt, daß ent­sprechend den übrigen Bundesstaaten die Einkommens grenze von 4200 Mf nicht erhöht werden soll, und weiter eine Teuerungs­zulage nicht gegeben »verden soll, wenn ein Gesamteinkommen von 4600 Mk. vorliegt. Weiter sprach sich die Großh. Regierung dahin aus, daß den pensionierten Beamten und Hinterbliebenett ohne Rücksicht auf Bedürsttgkeit Zulagen gewährt werden sollen. Im übrigen fanden die Vorschläge der Regierung iin Finanzaus­schuß Zustimmung, namentlich auch der Vorschlag, daß irrt beson­deren Falle der Türsttgkeit auch neben der KttegSbeuerungszulagie noch geholfen >verden soll. Es iverden noch einzelne Ziffern im' Finanzausschuß seitens der Regierung zur Verfügung gestalt !ver- den, worauf dieser dann seine Enffchl'üsfe fassen wird. Für die Beratungen des H a u p t v o r a n s ch l a g e s wrirden die früheren Referenten der einzelnen Kapitel bestellt. An Stelle der verhrn- detten Mg. Ulrich und Molthan tvurden deren Kapitel den stell- vettretenden M geordneten Adelung und Seherr übertragen. Be- sprochen wurde Kapitel 2 des Hauptvoranschlags: Kamera!- und Forstdomäuen, insbesondere die Erttägnisse aus den Hvlznutzungen.

Morgen früh wird die allgemeine Besprechung des Voranschla­ges erfolgen.

rb. Tarmstadt, 7. Febr. In der heutigen Sitzrmg des Finanzausschusses ivurde die allgemeine Lage an Hand beS Haupt­voranschlages zunächst von dem Vorsitzenden Abg. Tr. O s a n rt besprochen, der den allgemeinen Eindruck des Hauptvoranschlags als einen durchaus günstigen b^eichnete. Tie beiden Grad­messer: Eisenbalmeinnahmen und Steuern hätten eine ttotz des Krieges überraschend günstige Entwicklung erfahren, und es könne bei den Eismbahnen nach den Mitteilungen Preußens eine Mehr­einnahme von 1388 000 Mark vorgesehen werden. Diese Preußi­sche Sch>atzung beruhe nickt ellva aus Annahme, sondern auf dem Rechuungsergebms des Jahres 19t 5 und sei dosl-alb durchaus zuverlässig. Des weiteren zeige die Einnahme an Steuern, wie sie veranschlagt worden seien, eine überraschende Steigerung vost 1 512000 Mark. Während in früheren Jahren nur mit einer nor­malen Steigerung von 6 bis 700000 Miark gerechnet werden foimte, sei diesmal von der Regierung eine Höhe Von iy 2 Mil­lionen in den Voranschlag eingestellt. Das Erfreuliche hier sei, daß sich diese Erhöhung nickt etwa auf eine Steueverhöhung stütze, sorckern die Entwickttmg von 1916/17 darstelle. Auch die Reste- sonds in ihren jetzigen Beständen seien durchaus erfreulich- dabei müsse berücksichtigt iverden, daß sie noch ergänzt würden durch die Ausgaben, welche in den Iiatz:en 1914 und 1915 durch den Krieg veranlaßt worden seien. So könne der Voranschlag als durchaus befriedigend bezeichnet werden, und er werde ja durch eine Reihe von AusgabenersparnissOr, die durch den Krieg bedingt seien, noch verbessert.

Bon den Mitgliedern des Ausschusses wurde dieses günstige Bild bestättgt, aber davor gewarnt, es als ein dauerndes anzir- sehen. Weil zurzeit doch aus.dem Kapital gewirtschaftet lverde. und rveil nach dem Kriege schwiettge Verhältnisse eintreten können und müssen. Weder die Industrie noch dre Beschäftig,ung der Ar­beiterschaft könne aus der jetzigen Höhe bleiben, insbesondere dar auch Rohstoffe nicht sostwt beschafft iverden könnten, deshalb fei es sehr lvesentlich, die bestehenden Fonds für die Zett des Friedens zu schonen, daß immerhin Rückschläge in dieser Zett möglich seien. Von landwittschcrftlicher Seite wurde darauf hingewiesen, daß zurzett ein gewisser Raubbau betrieben würde, die Düngung der Grundstücke könne mangels des erforderlichen Sttckstvffes nicht in zureichender Weise erfolgen, Arbeitskräfte und Gespanne fegten, unb alles dies Müsse zn erheblichen Pveisen Nach deM Krieg wieder erworben werden. Auch bei den Eisenbahmcimmhmen solle man vorsichtig sein Tie Fonds müßten jedeusalls über schwere Zeiten hinweghelfen Bon einer wetteren Seite wurde betont, daß die Reichsschulden mit ihren Erfordernissen an Zinsen imd Til­gung erhebliche Ansprückiie an die Bevölkerung machen würden, und daß auch die Gemeinden durch die Kriegslasten, insbesondere durch die Beihilfen an die Familien sehr stark in Anspruch ge nommen würden. Dies trübe den Eindruck, den der Etat sonst mache. Bon einer weiteren Seite wurde der Gedanke eines Forst­reservefonds' vertreten. Zurzeit könnte aus Mangel an Arbeitskräften nicht einmal so viel Holz gefällt werden, als in» dem Hauptvvranschlag vorgesehen sei. Es blieben deshalb Holz­reserven übrig, die nach dem Kriege bei dem Vorhandensein höherer Preise und bei der Rückwanderung der Soldaten in ihre Arbetts- geleiwnhett verwertet rverden können. Diese Reserve sollte dann! m eine Geldreserve umgewandelt werden und nicht ettoa einfach deni Hauptvoranschlag als Einnahme zugefühtt werden. Ueber diesen Gedanken der Schaffung einer Holzreserve und damit eines Forst reservefonds wurde eine Besprechung mit der Regie^ng in Aus­sicht genommen.