Amsterdam, 31. Jan (WM.) „Mgenreen Handels- blad" berichtet, daß der vermißte niederländische Tankdampfer ,^Jrm a/' mit völlig ansgerissenem H»eck in Hoek van Holland angekommen ist Das Schiff ist zuerst aus eine Mine gelaufen und dann in den Donms mit einem anderen Schiff zusammengestoßen.
London, 31. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds mel- det, daß der dänische Dampfer „Daisy" versenkt und die Besatzung gelandet wurde.
Lloyds meldet, daß der spanische Dampfer „Punta Teno" versenkt wurde.
Bern, 31. Jan. (WTB. Mchtamtlich.) „Temps" zufolge ist der russische Dampfer „Egreu" versenkt worden.
Aus dem Reiche.
Ein Erlab des Kaisers.
Berlin, 31. Jan. (WTB. Nichtamtll Ter „Reichsan-." veröffentlicht nachstehenden ka r serlich e n Erlaß:
Dem Ernst der Zeit entsprechend, sind am meinen Wunsch ailch an meinem diesjährigen Geburtstage die landesüblichen festlichen Veranstaltungen auf kirchliche und Schulfeiern beschränkt morden. Das deutsche Volk ließ es sich aber nicht nehmen, an diesem Tage im Gvtteshause und daheim meiner mit treuer Fürbitte zu gedenken, und mir freundliche Glück- und Segenswünsche telegraphisch und schriftlich aus allen Gauen des Vaterlandes darzubringen. Aus diesen überaus zahlreichen Kun'ogebun- gen städtischer, ländlicher und kirchlicher Gemeinden, sowie Korporationen und. Vereinigungen aller Mt sind mir mit über-» wältigender Kraft und Einmütigkeit entgegengeklungen: Die Entrüstung über die schnöde Zurückweisung unseres Friedensangebotes und der enthüllten schändlichen Pläne unserer Feinde, sowie das Gelöbnis, jedes Opfer an Gut und Blut freudig iVU tragen, um das Vaterlcnw vor den ihm zugedachten Erniedri- aungen zu bewahren und den, verweigerten Fritüren mit allem Nachdruck unserer Waffen zu erzwingen. Tiefbewegt durch solche Aeußerungen achter Vaterlandsliebe möchte ich allen — Jung und Alt in Stadt und Land — die an meinem Geburtstage zu dem erneuten Treugelöbnis sich gedrungen gefühlt haben, hierdurch meinen wärmsten Tank sagen. Schwere Zeiten liegen noch vor uns. Aeußerste Kräfteanspannung fordert die Not des Vaterlandes von jedem Einzelnen. Aber fest und unerschütterlich steht das deutsche Volk bereit, von .Kraftbewußtsein und Sieges- willen erfüllt, im Felde und in der lHeimat zur Verteidigung seiner gerechten Sache bis zum letzten Mann, und mit Zuversicht sehe ich dem Ausgange des blutigen Ringens um Sein oder Nichtsein von Kaiser und Reich entgegen. Gott wird auch weiter mit uns sein Nnd unserer Waffen den Sieg verleihen. Ich ersnche Sie. diesen Erlaß zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.
Großes Hauptquartier, den 30. Januar 1917.
Wilhelm I. R.
An den Reichskanzler. ,
Au» Stadt und Land.
Gießen, 1. Februar 1917.
Februar.
Nun ist sie da, die Zeit, in der wir im Frieden den aUstzelassen- sten Festen und wllsten Narreteien huldigten, der Narrenmond, Hornung oder Februar, dem man in manchen Gegenden unseres Vaterlandes auch den Namen Daumond gegeben hat, weil die Ackerscholle, die der Januar zu festen Klumpen zusammengeschweißt hat, aufzutauen beginnt. Im Leben des Landmannes spielt der Februar kerne kleine und unbedeutende Rolle, das zeigen schstn die vielen sprichworte und Bauernregeln, die sich auf diesen Monat beziehen. Vor allem wünscht man ftch den kürzesten aller Monate kalt und trocken, denn „im Februar ist es besser, zwei Fuß tiefen Schnee auf dem Miste zu sehen, als einen Mann in Hemdsärmeln", ist es riämlich „im Februar warm, friert man an Ostern bis in den Darm" imd heißt es doch in der ganzen Schweiz: „W!enn im Februar die stürme fackeln, daß den Ochsen die Hörner wackeln, das haben die Bauern von Bern, sehr gern", oder wie der friesische Ackerer glaubt ..Nordwind im Februar, treibt das Korn ins Land". Im Siegerland, der Lohngegend nNd Kuthessen behauptet man: „wenn im Februar der Mistwagen stäubt, dann sickert der Erntewagen im August". Recht humorvoll warnt man im Mecklenburgischen den Monat, es mit seiner Kälte nicht allzu stark zu macheix, kurz aber treffend: „Februari, Schepier woar (hüte) Di." Die Feldarbeit nimmt allmählich wieder ihren Anfang, weit ,,di faßnacht uns der Hornung bringt, zum feldbaw der akkerman ringt". (Kalenderspruch aus dem Jahre 1584.) Dennoch soll Februartau Nachtfrost im Mai bringen Auch atufl die Einzelnen Tage des Monats hat sich im Volke manches treffende Wort erhalten und von Mund zu Mund vererbt. „Maria Lichtmeß (2.) im Klee, Ostern im Schnee." „St. Agath (5.), die Gottesibraut, macht, daß Eis und Schnee gern taut, aber oftibringr Dorothee (6.) hernach noch den meisten Schnee." „Wenn der Nordwind an!Rvmuald (7.) nicht will, kommt er sicher im April," behauptet der steiermärkische und oberösterreichische Volksmund. Um die Mitte des Monats pflegt es etwas wärmer zu werben, daher stamrrtt wohl auch die rheinische Bauernregel: ,j5t. Sevevrn (11.) wirst den kalten Stein in den Rhein, St Gertrud (16. November) holt ihn wieder raus." „Wenns an Petri Stuhl- seier (21.) kalt iftp soll die Whte noch 14 Tage >währen", erzählt manftchin der Fuldaer Gegend und der Frost hat wohl auch meist an St. Matthias (24.) seine größte Stärke überschritten, denn im Hildesheimer Sprengel glauben die Leute bestimmt: „Der Februar baut manche Brück, doch Mattheis bricht ihnen das Genick", oder wie man im Badischen des öfteren hört: „St. Matthias Hab ich lieb, denn er gibt dem Baum den Trieb". Dieses Sprichwort bat auch nicht gar so unrecht, denn Ende Februar ist in milden Jahren in der Natur lchon ganz,gut ein Fovtsch reiten in der Vegetation zu beme rken. Die IKüospen an den Bäumen schwellen zwar langsam, wrer doch merklich. Dev Landmann legt die letzte Hand an die Instandsetzung seiner Werkzeuge und Geräte, denn bald geht die Arbeit wieder los und jede Stunhe ist im Mürz und allen anderen folgenden Monaten wertvoll. Hoffen wir, daß sich auch dieses Jahr der Februar mtt seiner Kälte nicht allzu hart anlM und sich au das Sprichwort der Altmark Wt, das ihn ausspottet mit den Worten: „Der Feber, der faule Wicht, erreicht den Bruder Jänner Nicht." *
*
* Auszeichnungen. Landsturm -- Gefreiter Heinrich Feußer bei einer Bewachungs-Kompagnie im Westen, erhielt die Krtegsverdienst-Medaille am Kriegsbande. - Ersatz-Reservist Wilhelm Schweitzer. zurzeit verwundet in einem Feldlazarett in Rumänien, wurde mit deni Eisernen Kreuz ausgezeichnet. — Den beiden Lcmdräteu Dr. Daniels-Biedenkopf und Dr. Sartorius-Wetzlar wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse am weiß- schwarzen Bande verliehen. - Der Freiwillige Heinrich Burk aus Gießen hat, nachdem er vor zirka 6 Wochen zum Gefreiten befördert worden ist, jetzt am 27. Januar das Eiserne Kreuz erhalten.
•* Das KriegS-Ehrenzeichen wurde außer den gestern genannten Mitgliedern der Freiwilligen Sanitätskolonne Gießen Herrn Sauer verliehen.
** Die Anmeldungen neuer Fernsprechan- »chlüsfe, welche gelegentlich des planmäßigen Ausbaues der Fernsprechanlagen im kommenden Frühjahr und Sommer herge- stellt werden sollen, müssen — abgesehen von den Orten, in denen keme Unterbrechung der Fernsprechbauarbeiten einttitt — spätestens! ms zum 1. März bei den zuständigen Postanstalten vorliegen. V er-
W Sj” 9 r m - c * bete Anschlüsse, die infolgedessen außerhalb des Bauplans nur mit Mehraufwendungen (z. B. durch besondere Entsendung eines Bautrupps usw.) hergestellt werden können^ werden rn dem kommenden Bauabschnitt nur dann ausgeführt, wenn die Antragsteller als Entschädigung für die Mehrkosten einen Baukostenzuschuß von 15 MH entrichten, oder, falls die Mehrkosten den Betrag von JO Mk. übersteigen, den wirklich aufgewendeten Kostestbettag erstatten.
i ö i c Zuckermarken 9t r. 6 und 7 können vom
Februar 1917 je 250 Gramm Zucker bezogen werden. Nach Ablauf des 28. Februar 1917 verlieren ste ihre Gültigkeit, ^lehe^ Bekanntmachung.
10 ‘ ? " ? 6 a b e von Süßstoff (Saccharins In der 15. Februar dss. Js. wird gegen den Lieferunqs- Sußsioffkarten „H- (blau) und „G“ (gelb) von den ^^Abgabestellett Süßstoff abgegeben. Siehe Bekanntmachung.
K Ue * cr r beschlagnahme und Bestandserhe- ^ung von rohen Seiden und Seidenabsällen allev icrn/i Ä' Januar 1917 eine Bekanntmachung Nr. W. IV.
iw, 1 ' m Kraft getreten, durch die sämtliche vorhan-
venen^ anfallenden und noch weiter eiugeführten rohen Seiden und Lecdenabsalle aller Arten beschlagnahmt werden. Die Be- süMguahme erfaßt die Seiden, vorr denen eine größere Anzahl
bezeichnet werden, auch in gerissenem und effilockffertem Zu- itanoe, sowie gemischt mit Baumwolle, Wolle und Kunstseide oder rrgendwelch-en anderen Spinnstoffen und die aus ihnen oder ihren l'LriMlngen hergestellten Züge, sowie die beim Spinmm, Zwirnen und Weben anfallenden Abgänge. Trotz der Beschlag na lim e ist die Veraußerimg und Lieferung der beschlagnahmten Gegenstände an dre Kriegswollbedarfs-Miengesellsck/aft, Berlin SW. 48, Verlängerte Hedcmannstraße 1—6, erlaubt. Ebenso blerbt die Verarbeitung der (begeustäude gestattet, sofern es sich um die Er- •uuung 00 *1 Aufträgen bestimmter Stellen handelt, die in der Bekanntmachung näher bezeichnet such, oder die Verarbeitung mit Zusttmmung der Kliegs-Rdl-stosf-Abteilung des Kriegsamts des König!. Preuß. Kriegsministeriums erfolgt. Die von der Bekanntmachung betroffenen Gegenstände unterliegen auch, sofern die Gesamtmenge bei einer Person mindestens 20 Kilogramm bettägt, einer m o n a t l i ch e n M c l d e p fl i ch t an das Webswffmeldeamt der^ Kriegs-Rohstosf-Mteiluug. Die erste Meldung hat für den Behänd vom 1. 2. bis zum 10. 2. aus den vorgeschriebenen Meldescheinen zu erfolgen. Außerdem ist auch die Führung eines Lager- b n ch e s, aus dem jede Aeuderung in den Vorratsmcngen und ihre Verwendung ersichtlich sein muß, angeordnet worden. Gleichzeitig fft eme Betanntmachung Nr. V. IV. ,'160/1. >17. K. R. A. bttreffend Höchstpreise für rohe Seiden und Seidenabfälle aller Art in Kraft getreten, durch die Höchstpreise seftgesetzt werden, deren Höhe sich im einzelnen aus der der Bekanntmachung beigefügten Preisliste für die verschiedenen Sorten der Seiden und Seidenabfälle ergibt. Der Wortlaut beider Bekanntmachungen, die verschiedene Eiirz-elbestirumungen, insbesondere auch über Aus- u ah inen enthalteri, ist in unserer heutigen Nummer veröffentlicht und auch am Bürgermeistereigebäude einzuse'heil.
**Ueber Beschlagnahme vonNatrou- (Sulfat-) Zellstoff,Spill np apierundPapiergarn ist am 1. Februar 1917 eine Bekanntmachung Nr. W. III. 4000/12. 16. K. N. A. erschienen, durch' die aller Natron- (Sulfat-) Zellstoff, alles unter Mitverwendung von Natton- (Sulfat-) Zellstoff hergestellte Spinn- papier, sowie alle Papiergarne, welche aus dem vorbez eichstetest Spinnpapier allckn oder mrter Mitverwendnug von Faserstoffen hergestellt werden, beschlagnahmt werden. Ausgeiwmmen bleiben nur die Garne, die aus Papier und Bastfasern bestehen. Diese Öwrne unterliegen den Bestimmungen der Bekanntmachung Nr. W. III. 3000/9.16. K. R. A. vom 10. November 1916. Trotz der Beschlagnahme bleibt die Lieferung von Natton- (Sulfat-) Zellstoff, von Spinnpapier und von Papierflachgarn zur Herstellung von Papierrundgarn gestattet, während die Lieferring von Papierrundgarn nur unter besttmmten Einschränkungen und Bedingungen zulässig ist. Ebenso bleibt ttotz der Beschlagnahme die Verarbeitung von Spinn- papier zu Papierslachgarn und zu Papierrundgarii, sowie die Verarbeitung und Verwendung von Papierrundgarn allgemein und die Verarbeitung von Papicrflachgarn zu Papierrundaarn erlaubt, während die Verarbeitung von Natton- (Sulfat-) Zellstoff an bestimmte Bedingungen, insbesondere an eine bestimmte Mischung mit Sulfit- Zellstoff geknüpft ist. Der Wortlaut der Bekanntmachung, deren einzelne Bestimmungeir für die beteiligten Kreise von Wichtigkeit sind, ist in unserer heuttgen Nummer veröffentlicht und auch am Bürgermeistereigebäude einzusehen.
Landkreis Gießen.
X X Lollar, 1. Febr. Offizier-Stellvertreter «taä. theol. Daab wurde zum Leutnant im Feld-Artillerie-Regt. Nr. 205 befördert.
Wa. Oden Hausen (Rabeirau), 31. Jan. Unser Beigeordneter Karl Werner, der als Sanitätsfeldwebel seit Beginn des Krieges im Westen in einem Feldlazarett wirkt, erhielt am .Kaisers- ge'bnrtstag das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Das goldene Verdieust- kreuz erhielt er im Vorjahre. Der Unteroffizier Otto Konradj erhielt die Hessische TapferkeitsmedaiUe, er ist ebenfalls seit Beginn der Krieges im Westen und Osten tättg, gegenwärtig steht er in einer Musketenabteilung im Westen. Das Eiserne Kreuz 2. Kl. erwarb er sich in Rußland.
Kreis Alsfeld.
up. A u s d e m O h m t a l, 31. Jan. In den Ortschaften Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Unter-Seibertenrod und Groß-Eichen hielt gegenwärttg der Missionar Stahl aus Kamerun Missionsvorträge, die um so größerem Interesse begegneten, als die Anwesenheit des Missionars rn Kamerun gerade zur Zeit war, als der Weltkrieg ausbrach. Trotz der zurzeit herrschenden Kälte waren die Missions- vortvägc gut besucht urrd brachten gute Kollekten ein.
up Ruppertenrod, 31. Jan. Der älteste Einwohner unserer Gemeinde, der Landwirt Heinrich Diehl, wurde vorgestern zu Grabe getragen. Er hatte das 86. Lebensjahr überschritten und war bis in sein hohes Alter hinein rüstig geblieben.
Kreis Lauterbach.
rr. Schlitz, 31. Jan. Ter Veteranen-und Militär- Verein hielt gestern seine Generalversammlung ab. Nach einem Kafferhoch erstattete der Vorsitzende den Vereinsbericht über das adgetaufene Jahr. Es ist daraus zu bemerken, daß über 100 Mitglieder unter den Fahnen stehen, von denen etwa 40 .Krieqsaus-' zeichnungen erhalten haben. Rund 1000 Mk. wurden für die Kriegsfürsorge aufgewandt, namentlich zur Unterstützung bedürftiger Familien der im Felde stehenden oder gefallenen Kameraden. Ueber 300 Liebesgabenpaketchen wurden den Vereinsmitgliedern ins Feld geschickt. — Zum Schluß wurde der alte Vorstand wiedergewählt und Metzgermeister Karl Hoff mann zum Ersatzmann bestimmt.
rr. Uellershaufen, 1. Febr. Reservist Lldam Jörg wurde mit der Hessischen Tapferkeitsmedaitle ausgezeichnet.
Kreis Schotten.
np. Vom Vogelsberg, 31.Jan. Wenn in früheren Jahren ein so strenger Winter aufttat wtie eben, dann konnte map in allen Hofreiten auf den Miststäjtten eine große Schar mrserer Standvögel sehen. Jetzt, nachdem der Winter schon in deri i vierten Woche mit Eis und Schnee reichlich uns bedroht, siebt man in den Dorf- schaften kaum in einem ganzen Dorfe so viel Vögel als damals in einer Hvfteite. Die Abnahme unserer Standvögel führt der gegenwärtige Winter besonders vor die A<igen. Dßrrin lieigt aber auch die Mahnung: Fü t t e r t d i e V ö glel?
Starkenburg und Rheinhessen.
Zusammenstoß.
Darmsta-dt, M. Jan. In der Breiten Allee stieß heute vormittag ein Sttaßenbahnzug mit der Dampssttaßenbahn zusammen. Der Anprall war so gewalttg, daß der Straßenbahnwagen aus dem Gleise geschleudert und schwer beschädigt wurde. Von dem Sttaßenbahnzug tourden zwei Wagen erheblich beschädigt. Von den Fahrgästen erlitten mehrere durch umher fliegende Glassplitter mehr oder minder schwere Verletzungen. Tie Führerin des Sttaßenbahuwagens ^erlitt einen Nervenchock Wen die Schuld an dem Unfall trifft, konnte noch nicht ermittelt werden.
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ch. Bingen, 29. Jan. Ter Rhein treibt in seiner ganzen mächtigen Breite gewaltige Eisschollen und das ganze Mittelrheingebiet bietet nun eine wahre große Winterlandschast mit Eis und Schnee dar. Die Nahe ist mit einer dicken Eisschicht bedeckt, der Binger Winterhafen mid die vielen Seitenwässer sind sämtlich zugefroren.
— Mainz, 31. Jan. Eine von rheinhesstfchen Spargel-- züchtern gut besuchte Versammlung beschloß, sogenannte Spargelverkäuse auf Zeit nicht inehr abzuschließen, sondern den
gesamten Erirteertrag zum jeweiligen Dagespreis auf deni Mark abzusetzen. Den städtischen Behörden wurde irahegelegt, den Bedarf für die Bevölkerung sich schon jetzt durch Vorbestellung zu sichern.
Hessen-Nassau.
X. H a n a u, 31. Jan. Seill Löjähriges Jubiläum als Hauptschrfftleiter des „Hanauer Anzeigers" serert am 1. Februar d. IS. Gustav Schrecker in Hanau a. M.
X. Kassel, 30. Jan. Vonr LandesauSschnß des RegierungS' , bezttrs Kassel ist beschlossen worden, beim Konunnnallandtaae des Regierungsbezirks Kassel zu beantragen, die Aufnahme einer Anleihe von 1 Million Mark für Rechnung des Beßrksverbandes Kassel zu beschließen und den Landesansschlch ermächtigen zu. wollen, den Zeitpunkt und die Bedi>,gungeu für d.e Acifnahme dieser Anleihe, die den Zwecken der Kriegshrlfskaffe dienen festzusetzen.
— Kirchhain, 1. Febr. Im nahen Sindersfeld wurde der Bahubeamte Hühn am Dienstag vormittag beim Ablader- von Milchkannen von einer Lokomotive umgestoßen und aus der Stelle getütet._
Vermachtes.
Das Erdbeben bei Laibach.
L a i b a ch, 30. Jan. (WTB.) Das' gestrige Eiwbeben richtete in *Munkcudvrf an der Save großen Schaden an. Beinahe alle Häuser wurden beschädigt. Einzelne sind ganz emgestürzt. Die Bevölkerung verließ fluchtartig die Wohnstätten uub suchte in Holzhäusern und Stallungen Zicslucht. Zwei Bauernsöhne wurden von einstürzenden Mauern versMittet, aber durch sofort eingeleitete Bergungsarbeiterl gerettet. Bon militärischer Seite wurde Zette, Decken^ Feldküchen usw. nach Munkendorf abgesandt. Auch in Rann sind infolge des Erdbebens sämtlicki>e Häuser beschädigt, davon der Kirchturm und das Gebäude der Bezirkshauptmannschaft schwer. Die Bevölkerrmg ist znnr Teil in Zelten imd Baracken wtterge-, bracht. Dem Erd beben ist ein Menschenleben zilm Opfer gefallen.
Aivchttche Nachrichten
Israelitische Religionsgemeinde.
Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).
SamStag, den 3. Febr 1917: Vorabend: 5.15
Uhr. — Morg.: 9.00 Uhr. — AbdS: 5.35 und 6.10 Uhr.
Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast.
Sabbatfeier den 3. Febr. 1917: Freitag abd. 4.55
Uhr. — Samstag vorm. 8.30 Uhr. — Nachm. 3.30 Uhr. — Sabbatausgaug 6.10 Uhr. — Wocheiigottesdienst: morg. 7.00 Uhr, abds. 5.00 Uhr.
Letzte Nachrichle«.
Blätterstimmen zum ungehemmten U-Bootkrieg.
Berlin, 1. Februar. Zur dlufnahme des ungehemmten U- Boot-.Krieges heißt es im „L v kal - Anzeige r": Andere
Nationen hätten, wenn sie eine so furckstbare Waffe besäßen, wie unsere U-Boote es sind, sich in ihrer Mivendung nicht beschränkeir lassen, mn allerwenigsten England, das sich den Teufel Uchert. um Menschlichkeit und Völkerrecht, sobald seine Interessen auf dem Spiele stehen. Deutsche Gewissenhaftigkeit und Langmut habeic, immer wieder gezaudert. Jetzt aber heißt es: U-Boote heraus ? Und jetzt werden icnsere Feinde den U-Boot-Schrecken erst gründlich) kennen fernen. Was jetzt von unserer U-Boot-Flotte verlangt nnrd, geht iveit über den Rahmen des schorc Geleisteten hinaus. 9'Uemand aber zweisett loohl dararr in Deutschland und bei unseren Verbündeten, daß ihnen hier nicht zuviel zugemutet wird. Sie Werdau. es schaffen? In unerschütterlicher Entschlossenheit ist das derttsche Volk bereft, sich seiner Hmrt bis zum Aeußersten zu wehren. Wir alle wissen, bc() wir schicksalsschweren Tagen entgegensehen. Sie. werden kein kleines Geschlecht vorsinden.
Die „K r e u z z t i t u n o" sagt: Mit dem heutigen Tage zieht die deuffche Regierung die letzte Folgerung ans der schnöden Zurückweisung unseres Friedensangebotes, und dieser Entschluß wird in den allerweitesten Kreisen des deutschen Volkes mit einem Ge- , fühl ausatmender Erlösung und mit rückhaltloser entschlossener Zustimnnlng ausgenommen werden.
Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: Dieser Weg ist nötig, um den Krieg zu einem vollen Erfolg zu ftrhren, und darum muffen wir ihn beschreiten, komme, was da wolle. Das deutsche Volk dankt dem Deutschen Kaiser und der Obersten Heeresleitung für den Entschluß, der ein imbeugsanrer ist, und dessen! Durchführung durch nichts beirrt werden kann.
Tie „V o l k s z e i t u n g" schreibt: Es Muß sein? Ter .Krieg tritt in ein neues Stadium. Wir lioffen, daß es das entscheidende sein wird. Air wollen den Frieden! Will der Feind keinen! Frieden auf dem Boden der ehrlichen Verständigung, so müssen wir unter vollem Einsatz unserer Waffen den Frieden erz-viirgen.
Die „Tägliche Rundschau" spricht von einem folgenschweren Schritt, der beschlossen wurde. Wir ivissen nicht, wie die Neutralen, insbesondere Amerika, ihn aufnehmen. Ader falle chre Stellungnahme wie immer aus. Es gibt kein Zurück mehr. Wtt haben lange genug mit gebundenen Armen gefachten. Nuunrehr, da uns der Gegner ans Leben geht, lvollen wir unsere beiden Armie und alle uns zur Verfügung stehenden Mittel gebrauchen.
Die „Post/' meint: Wir müssen uns vor leichtferttger Urtter- schätzung der gegnerischen Kräfte so gut sichern, wie vor der Ver- kenmmg der Sttmmungselernenle, die in Amerika gegen uns wirksam sind. Aber wir wissen auch, daß dem, der lauge genu^ erwogen hat, das Wagen allein taugen kann. Deutschland steht nun, Herz und Geist erhoben, einig und entschlossen hinter den Männern, die in angestrengter, opferreicher und entsagimgsvoller Arbeit die Helden des Endkam p s e s gegen England werden. Es vertraut, daß aus diesem stillen Heldentum endlich doch noch das deutsche Ziel erreicht wird: Der Sieg über alle unsere Feinde urrd Neider.
In der „Bossischen Zeitung^ wird ausg-efühtt: Me auch immer die Folgen sein mögen, wir müssen sie ttagen, wo es sich um den Kamps von Deutschlands Existenz imd um den Fortbestand der ihm durch Waffeubrüdn:schaft verbündeten Reiche handelt. Und dieses Wagen wird getragen sein von der einmütigen Entschlossenheit des derttschen Volkes. Mes, was uns bisher irr dieser Frage ttennte, ist fottgeblasen. Ter Schlag, der letzt von uns gegen England geführt tvird, trifft, so hoffen wir, das JNsel- volk tödlich. Der Schritt, den Deutschland jetzt tut, beioeist aller Welt, daß es den Sieg will, nicht um des Sieges willen, sonderst weck es erkannt hat, daß der Weg zum Weltfrieden nur über den deutschen Sieg ftchrt.
Das „B e r l i n e r X a g e b l a 11" erklärt: Mit dem Reichskanzler, dem ram gerade seine bisherigen Gegner nicht mehr Schwäche vorwerfen können, ist die Oberste Heeresleitung einig in der Ansicht, der unbeschränkte U-Boot-.Krieg dürfe und müsse, unternommen werden. Er sei 'ein Mittel zum Siege. Wie im Sommer und im Herbst des vorigen Jahres die Meinung der Obersten Heeresleitung an sf-'- lag gebend sein mußte, so muß sie auch jetzt für alle, die bisher diesen oder jenen Standpunkt ver- ttaten, entscheidend fein. Nichts kann mehr ersehnt werden, als die Verwirklichung der Verheißung, daß England durch diese ^Lafse zum Frieden gebracht werden wird.
Amerika und die U-Boote.
Rotterdam, 31. Jan. Nach Meldungen aus englischer Quelle wird die amerikanische Regierung einen greifbaren Falt abwarten, bevor sie entscheidet, daß« .Handelsschiffe triegführender Nattonen berechtigt sind, ein deutsches U-Boot anzugreifen.
Lansing in London?
Zürich, 31. Jan. Aus einer Ententeqnelle wird lant, daß Lansing den Londoner Botschasterposten übernehnien wird.


