Kr. H Swettes Blatt
Erscheint lägNch mit Au-nahme de» SBnntagS. 9
Beilagen: „Sietzener KamillenblStter- und ..Ureisdlatt für den Ureis Sietzen".
Postscheckkonto: Zrankfvrt am Main Nr. U686. Sankverkehr: Sewerdebank Gietzen.
M. Zchrgang
euer Anzei
General-Anzeiger für Gberheffen
Mitwochs j7. ZMÜ6T W
Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'scheUnwersitäts-B»lch-u.Steiud>.ackeret.
R. Lang e, Gießen.
Lchriftleituug. Geschäftsstelle und Vluckerei: Schulstraße?. Geschäftsstelle u.Ler... ' M-5 , Schriftleitung: 112.
Anschrift für T rn htnachrrchten:AnzeigerGießen.
Der Stand der deutschen Geldwlttschaft.
Mnnhmn fand am Sonntag, von Herrir Oberregierungrat GDaes mit sttnnpungDvoll«n Worten begrübt, eine große Ver- 1™°!? von Männern des Kreises Diebicrg statt, um eine Aus- ^^rde^uder die derzeitige Lage der deutschen Geldwirtschast l>er- v^MnMxm. W hat wohl niemand die Versammlung verlassen! ohne das Gesuch stolzer Genugtuung, da ft wir allen Anlaß haben !nnt der Lage unserer Geldwirtschast sehr zufrieden zu sein. Gar rarrafcer her sich nt der Friedenszeit mit geldwirtschaftlichon Zu- samin«nhancpeit g>ar nrcht oder doch nur oberflächlich befaßte, hatte dcs Be^rrnns eMpfund«r, zu hören und zu sehen, roie es mit - m e .deutschen Wirtschaftslebens im .Kriege jetzt bestellt
sei Ms Berichterstatter lvar Herr Geheimer Finanzrat Bastian aus Tarmstadt emgeladen. Er begmrn seinen Borttag mit der BMe in der Erörterung alle etwa verbliebenen Ihtt&rrMtM *ur Sprache zu luftigen: demi nur hätten nichts zu verleugnen
nichts zu verbergen^ und könnten nur wmftckzen, daß allent-f halben, bei ims und im Ausland, das Bild unserer GÄdverfassung bekannt werden soürde, so iche es tatsächlich ist. Der Redner be-z 1 ftrach die Erfolge der Kriegsanleihen, die Art der Ansbringung der Kriegsgclder überhaupt, Misere Geldverfassung, die Banknoten, die ^rlehnskassen- und Reichskasseuscheiue, um sodmrn aus die Emlieferung von Goldsachen, den lleberweismigsverkehr und die Geltung der deutschen Reftlisnurrk in den ausländischen Wirt- schaftsgebnUen einzugehen. So lange wir viel mehr vom Auslands Waren einsichrten, als wir aussühren kmmtcn. so lange gelte die deutsche Mark im Ausland nicht eine volle Mark Das ist ettvas ganz Natürliches. Aber wir wüßten Gott sei Tank nichts von einer Unterwertigkeit des heimischen Geldes im Inland, denn 100 Mk. fti Banknoten seien eben vollwertige 100 Mk, gerade so gut wie IM Mk. in Gold. Anders in anderen Ländern
Eingehend wurde die Frage besprochen, ob man Bargeld, Gold, Silber und Banknoten daheim ansammeln dürfte oder sollte Das sei für den Einzelnen sinnlos, zwecklos, unnötig, denn ec könne sich als Einzahler doch immer Geld holen oder noch besser: Verbindlichkeiten bargeldlos durch Ueberweisustg tilgen lassen Für die Allgememhett sei dieses Zurückhalten von Geld aber schädlich, schon deshalb schädlich, Weil das mißgünstige Ausland verleumderische Schlüsse in bezug auf unsere Geldverfassung ziehe. Ungünstig werde eine Geldverfassung gemeinhin dann beurteilt, nunn der Umlauf an Banknoten andauernd und müliardenweise steige. Wer Geld daheim unnötigerweise verwahre, sei also mit schuld an dem Anwachsen eines großen, uns rn den Augen des Auslandes herabsetzenden Banknotenumlaufs. DK der Krieg auch ein Wirtschaftskrieg sei, und die Feinde mangels militärischer Erfolge ihre .Hoffnung auf ein Mürbewerden unserer Geldverhältnisse stützten, so versündige sich ein solcher Geldhamster aufs bedauerlichste am Ansehen des Vaterlandes und des deutschen Geldes im Ausland. Wenn immer neue Noten von der Reichsbank verlangt werden und von den umlaufenden nicht eine genügende Menge an sie zurückflteßt, dcnrn können wir mit Auffüllung der Goldunterlage nicht Nachkommen.
Zu helfen seji lediglich durch Aufklärung. Diese zu verbreiten sei ieder Deutsche verpflichtet. Gold herein für Bezahlung von wichtigen- Auslandswaren und als Unterlage für die Banknotenausgabe: alles müßige Geld daheim zur Kasse als Guthaben: kerne Bar- zahlimg, sondern buchmäßige Abschreibung von Kasseguthaben und möglichst buchmäßige Ueberweisung an den Empfänger. Das besorgt alles auftragsgemäß die .Kasse. Die Vertteter der Zentral-Organi- sation der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften konnten mtt Zahlen dienen, die unwiderleglich beweisen, wie stark die Kassen auch für neue Aufgaben gerüstet find. Das wurde unter Beifall auch von Vertretern öffentlicher Sparkassen erklärt: von den Banken wissen wir es gleichfalls. Sehr richtig wurde betont, daß daneben einer unserer größten Vermögenswerte die deutsche Tüchtigkeit sei.
Aur Stadt und Land.
Gießen, 17. Januar 1917.
Anbringung von «ohrrurrgS-Briefkafterr.
Der Mangel an Arbeitskräften, der sich auf vielen Gebieten geltend macht, beeinflußt auch den Postbiestelldienst ungünstig. Die Heranziehung von Hilfskräften hat ihre Grenzen und bietet auch nicht volle Gewähr für die ordnungsmäßige Ausführung der Bestellungen. Hierfür müssen Publikum und Postverwaltung verständnisvoll Zusammenwirken. In erster Linie sind die Sendungen mit deutlichen Aufschriften und vollständigen Wdhnungsängaben in leserlicher Schrift zu versehen: unter den gegenwärtigen Verhältnissen sich auf die Personenkennftiis oder gar die „Findigkeit" der Loft zu verlassen, ist nicht angebracht. Sodann soll man die Besteller nicht ohne Not an den Türen warten lassen oder mit Geldwechseln, Markenkaufen, Anftagen usw. aufhalten, da die folgenden Empfänger sonst um so später in den Besitz ihrer Sendungen gelange». j
, Besonders geeignet zur Erleichterung der Briefbestellung ist die Anbringung von Briefkasten oder Briefeinwurf e n a n den Hauseingängen oder den Woh- ^kü.Ostüren. Nicht nur das Märten des Briefträgers auf das Oefftren der Tur, das wiederholte Klingeln usw. fällt dann fort, sondern der Briefträger braucht auch in den zahlreichen Fällen, wenn niemand zu Hause angetroffen wird, keine mehrfachen Gänge zu machen und der Empfänger findet die Sendungen bei Rückkehr vor. Zn die Briefkasten können auch andere Gegenstände als gewöhnliche frergem achte Briefe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere, z. B. die nicht durch die Post be- bezygenen Zeitungen, gelegt werden. Wird der Briefkasten verschlossen, so geht der Inhalt nicht durch die Hände der Dienstboten oder anderer Personen, was sowohl den Empfang, als auch das Brief- und Geschäftsgeheimnis besser sichert.
Tie Vorteile treten für die Post am stärksten hervor, wenn für jede mt Hause wohnende Partei ein besonderer Briefkästen an der Außenseite der Häuser, am Gttter der Irrgärten oder im Dausflrrr des Erdgeschosses angebracht ist. In manchen Städten im Westen Deutschlands, z. B. in Frankfurt (Main) und Köln und im Auslande, z. B. in der Schweiz, haben sich solche Einrichtungen schon fest eingebürgert. In neuzeitlichen Häusern sind hier und da Auszugsvorrichtungen im Innern angebracht, die me vom Briefträger eingelegten Sendungen in die oberen Stockwerke befördern. Zn den meisten Fällen ist die Briefkasten an läge mit einer elektrischen Klingel versehen, mit der der Briefträger den: Briefempfänger das Einlegen von Sendungen meldet. Wie sehr dadurch, die Briefbestellung erleichtert und beschleunigt wird, liegt aus der Hand. Leider wird aber von der Anbringung von Erdgeschoß-Briefkasten im allgemeinen noch recht wenig Gebrauch gemacht. Man scheut die Unbequemlichkeit, sich die Briese unten zu holen. Selbst die Erbauer der großen Prachthäuser rn den großen Städten, bei denen sonst für alle mögliche Bequemlichkeiten, reichlich, gesorgt wird, können sich nicht entschließen, Brief- auszüge einzubauen.
Aber auch, wenn dem Briefträger das Steigen der Treppen nickt erspart wird, kann die Bestellung noch sehr beschleunigt werden, indeni.jeder Wohnungsinhaber an seiner Wohnung einen Brieffasten anbrrngt, sei es im Innern der Wohnung unter Herstellung einer Einwurssöfsnung. in der Flutür oder außerhalb des Wohmmgs- abschlusses, etwa neben der Klingelanlage. Ties ist überall und ohne große Kosten sowie ohne nennenswerte Mühewalttmg bei der Benutzung möglich,. >
Jeder Hausbesitzer und Mieter würde sich, gerade in gegenwärtiger Zeit ein Verdienst erwerben, wenn er sich im Sinne der Anregungen betätigt. Die besonderen Briefkastenanlagen oder Auszüge müßten schon in den Plänen zu Neubauten vorgesehen werden. Tie Brieffasten sollten nicht zu klein und die Einwurfsöffnungen nicht zu eng sein, damit größere Briese Drucksachen und Zeitungen eingelegt werden können.
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**. Auszeichnung. Dem Matrosen-Artilleristen Heinrich Luch im Schweren Korps-Artillerie-Regiment Nr. 2 wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.
" Jungwehr: Mittwoch, 17. Januar, 8 1 / i Uhr: Komp. 620 (1.) Realgymnasium, Komp. 621 (2.) 1. Abteilung: Oberrealschule: 2. Abteilung: Gymnasium. Neueinteilung. Anmeldungen werden angenommen in der Turnhalle des Realgymnasiums.
Waskostet der Tauchbootbrief? lieber die Gebühren der Tauchbootbriefe, die tunlichst bald aufgeltelert werden sollten, scheint nicht allenthalben Klarheit zu herrschen. Für jede im offenen äußeren Umschlag („Tauchbootbrief nach Bremen") liegende eigentliche Tauchbootsendung (offener Brief oder Postkarte) ist nach dem Gewicht dieser Einzelsendunq die besondere Tauchbootgebühr zu zahlen, und zwar für Postkarten und Briefe bis zu 20 Gr. 2 Mk., bei Briefen über 20 Gr. für je 20 Gr. des Briefgewichts 2 Mk. Zum Beismel sind zu zahlen: Für eine Postkarte und einen 24 Gr. schweren Brief 10 und 30 = 40 Pfg. Porto und 2 und 4 Mk. --- 6 Mk. Tauchbootgebühr, somit ein Gesamtbetrag von 6,40 Mk.; für drei Postkarten: 3mal 10 — 30 Pfg. Porto und 3mal 2 — 6 Mk. Tauchbootgebühr, somit ein Gesamtbetrag von 6,30 Mark.
** Die öffentlichen Sparkassen im Großherzogtum Hessen 1904 und 1914. Der alle Welt in Erstaunen setzende Erfolg unserer Kriegsanleihen war nur dadurch möglich, daß in den letzten Jahrzehnten ungeheuer viel Geld ge- part wurde. Das lehrt am besten die Entwickelung der Sparkassen Nach einer soeben vom statistischen Amt veröffentlichen Mitteilung bettug die Summe der Spargelder im Deutschen Reiche 1904 rund 12 Milliarden Mark, 1914 aber rund 20^ Milliarden Die Zahl der Sparbücher sfteg im gleichen Zeitraum von rund 17i/ 4 Millionen
auf rund 241/2 Millionen. Geht die Entwickelung so weiter, dann wird in 25 Jahren die Hälfte der Einlvohner Deutschlands im Besitz von Sparbüchern sein. Dazu kommt noch, daß sich diese und die folgenden Angaben nur auf die öffenllicheu Sparkassen beziehen. Da nun auch bei Privatbanken und bei genossensck-aftlichen Sparund Darlehnskassen große Summen gespart worden sind, so ist der Erfolg der Kriegsanleihen leicht zu erklärend Im Großherzogtum .Hessen stieg von 1904. bis 1914 die Zahl der öffentlichen Sparkassen von 41 auf 42, die der Sparbücher von 268 254 auf 331 015, die der Spargelder von rund 263 Millionen Mark auf rund 446 Millionen Mark. Letztere haben sich demnach um rund 183 Millionen Mark verniehrt. Auf den Kopf der Bevölkerung kamen 1904 220 Mark, 1914 aber 385 Mark Spargelder.
** Die hessische Lazare ttzeitnng Nr. 36 enthält folgende Beiträge: Meine Erlebnisse ivahrend des Krieges bon Matrose Gottfried Klüher, Grundzüge der sozialen Versicherung von Landwirt Beck, Kassel, eftr neuer Anspruch der Kriegsteilnehmer an ihre .Krankenkasse, Kleine Mitteilungen, Friedrich der Große, Lazarett-Beratung, Rätsel-Ecke. Tie Gießen er Beilage enthält folgende Beitrag.': Die Pflicht des Einzelnen von Reinhard Strecker, Von der Ausbildung der linken Hand von van der Meulen, Invalidenrente statt Krankenrente von H. Kirchner. Stellen für Kriegsbeschädigte, Arbeitsnachweis, Verwundeten- Unterricht.
** D e r Kriegsgarten im Januar. Der Komposthaufen ist mit Jauche zu begießen, gefrieren zu lassen und dann umzusetzen Cs lohnt sich. Die Gemüsebeete verbessert man mit Jauche und Dünger, gräbt sie um und rigolt sie. Auch tut man gut, sich beim Händler schon jetzt nach gutem Samen unizi,sehen, und vor allem ja nicht zu wenig zu kaufen, aber auch nichts verderben 511 lassen Es ist Krieg!
Landkreis Gießen.
z. Geilshausen, 15. Jan. Durch das Genfer Rote Kreuz wurde der Familie Friedrich Stein dahier Nachricht von ihrenr seit 30. September v. IS. in der Schlacht bei Hermaanstadt vermißten Sohn übermittelt. Musketier Karl Stein befindet sich in rumänischer Gefangenschaft, ist bei guter Gesundheit und verrichtet landwirtschaftliche Arbeiten.
^ [J Watzenb 0 rn - Steiuberg. 16. Januar. Georg Sommer, dem jüngsten Sohne des Weißbindermeisters und Konsumdirettors Johannes .Sommer VII. zu Watzenborn, der an, der Somme steht, lourde crm 21. Dezenrber vor. Jahves das Eiserne Kreuz 2. Kl. verliehen. Diese Ehrung und AuSzeicknmig ist um so werwoller für den jungen Mann und seine Eltern, als ihnen bisher der Krieg schwere Prüfungen auferlegte. Ter älteste Sohn Hermann, bei Ausbruche des Krieges Mattosen- Artillerist in Kiautschon, ist seit 7. Noveinber 1914 irr japanischer Gefangenschaft.^ Ter zwefte Sohn Karl, der scinerzeft Lrach, Rußland ausrückte, wurde bei einem nächtlichen Sturmangnift am 22. September 1015 bei Dünaburg durch Granatsplitter am Kopfe schwer verwundet und leidet noch heute sehr unter den Folgen der schweren Bettvnndung.
Hessen-Nassau.
** Bad Ems, 15. Jan. Eine beachtenswerte Bitte richtet Bürgermeister Tr. Schubert au die Einwohner, indem er sie ersucht, vor Beginn der Kurzeft die Anffchriften an den Häuseni und die Geschäftsschilder zu prüfen und alle ftemdländischsn Ausdrücke durch deutsche Wörter zu ersetzeu. Zur näheren ErlänttrWig semer Bitte führt er verschiedene unschöne Beispiele an: besonders vielst er darauf hin, daß sich das beliebte „Villa" richtiger, besser und vornehmer durch! „Haus" wiedergeben lasse Dr. Schubert fügt hinzu, der durch den Krieg gestärkte Sftm für Ales Vaterlcnidrsche nebst der verschärften Abneigung gegen die Fremdtamelei habe den,Boden bereftet, um die Reinigung der deutschen Sprache von fremdländischen Bestandteilen zu fördern Das Beispiel des Emser Bürgernveisters sollte in allen deutschen Badern Beachtung ftnden.
bringen st ein, 16. Jan. Ungefähr drei Stunden nordöstlich von Herborn erheben sich auf bewaldeter Höhe die Ruiner der ehemaligen Burg Tr in gen st ein. Es steht fest, daß sic vom Grafen Heinrich von Naffau^Dillenbrrrg, der 1343 aestorber 'U. als Schutzwehr seines Landes gegen Hessen zwischen 1323 und 16^5 angelegt worden ist. Zur Burg gehörte eine Kapelle mit Elnem gut^dotierten Altar, dem heil. Kreuz geweiht. Ihre Güter und Gefalle waren zu Hirzenhain, Tringenstein, Oberndorf. Eisen roth, Hartenrod und Erda. Aiich besaß sie die Mühle bei Nanzen- ^^rr?o61 wurde diese Kapelle, die bis dahin eigene Kapellane und Altaristen besessen hatte, der Pfarrei Eisemroth für immer ein- verleibt. In der letzigen Kapelle hängt noch die Glocke von der Bura mit der Umschrift: .Ludwi„ Henrich Graff zu Naffau — Hans Henschele von Mamtz goß mich 1636".
Giefzenev Stadttheatee.
Die Stützen der Gesellschaft.
Schauspiel von Henrik Ibsen.
„Die Stützen der Gesellschaft", mit Venen Ibsen im Jahre 1877 nach einer vierjährigen Pause, die seiner Epoche historischer, nationaler, phantastischer und philosophisch-mystischer Wjerke folgte, die Reihe seiner zwölf Gesellschastsdramen eröffnete, sind in Gießen im Verlauf bes letzten Jahrzehntes öfter gegeben worden. Der Grund dafür, daß gerade dieses Werk bei uns wie im allge- ^neinen sich deiner besonderen Beliebtheit erfteut, ist in dem versöhnlichen Schlüsse zu suchen, der verheißungsvolle Ausblicke in die Zukunft-gewährt und mit den Worten schließt: „Ter Geist Wahrheft und der Freiheft — das sind die Stützen der Gesellschaft." Das Stück ist gerade heute wieder besonders aktuell, wo seine sittliche Forderung, die Ibsen hier zum ersten Male erhebt, manchem Kriegswucherer, der die Allgemeinheit zu seinem eigenen Vorteile geschädigt hat, ins Gewissen reden könnte. Im übrigen dürfte die Theaterleitung aüch mit einem späteren Ibsen den Versuch einer Llufführung machen, jetzt, wo sich jeder Mensch zü tieferem Nachdenken angeregt ftihlt, werden gerade die tiefer schürfenden, seelisch gehaltvolleren Werke der letzten Schaffens- l^hre des Dichters verständnisvolle Aufnahme finden.
Die Aufführung war unter der Spielleittmg Max Meso- l 0 w s k i s mustergültig. Alle Darsteller waren mit feinem Gefühl auseinander abgesttmmt, und es! war alles getan, die Tendenz des Richters dadurch wirksamer zu machen, daß sie nicht absichtlich unterstrichen in den Vordergrund geschoben wurde. Bei späteren ?^^En hat Ibsen selbst seine Absicht verhilllter und somit cin- gemacht. Tie Spielleitung hat die spätere Erkenntnis zum eigenen Maß stab genommen und ihre Be- vechtlgung eriviesen. Vielleicht hätte sie in dieser Richtung einen Schritt weiter gehen und das illuminierte Plakat überhaupt ver- 00er nach Beruicks Rede die Illumination abstellen können. Möglich, daß das letztere bei dem Akangel an geschultem Personal vergefien svurde und damit dem Gewitter im Zwischenakt gleich- 9t. Tas wäre dos einzige, was an dieser vorttcfflichen Aufführung auszusetzeu wäre.
., Als .Konsul Bernick schuf Max We so l 0 wski eine echt Jbsen- sche Gestalt, die mit psychologischer Schärfe durchdacht und verwirk- rhm gewann die Persönlickffeit des nur von den Ver- hältniffen mitzlÄteten im Grunde nicht skrupellosen Konsuls lebens- echte Prägung und die innere Umkehr zur Selbstanklage und zum Neuaufbau stnvs Lebens ^hchologische Wahrscheinlichkeit. Jede,
Feinheit der seelischen Kämpfe, Erschütterungen und Läuterungen kam zur vollsten Geltung. EM D orn h ö f e r zeichnete mit war- mem Geffchl und warmen Tönen die selbstlose Gattin und Mutter. Helene K a l l m a r gab einen frischen und ternperamentvollen 13- Jährigen. Ueberraschend gut hatte sich Martha Gersdorff in das Gefühlsleben des um die Liebe betrogenen in Entsagung seelenstark gewordenen alten Mädchens gefunden und traf vorzüglich und ohne Sentimentalität den Tonfall ihres Herzens. Ada Mahr vertrat aufrecht, in nicht übertriebenem Mannstum die neuen Ideale der inneren Wahrhaftigkeit. Vally Scheidler führte mft viel Glück die sympathische Gestalt der sich aus der Enge lösenden Dina Dorff als tapferes und starkempftndendes Geschöpf durch Von den Damen waren außerdem noch Luise Delosea, Hermine Wo s- s«dlo, Nelly Wallicht, Anni Kretzer und Hertha Have nith beschäftigt. Die Rolle des wiederkehrenden, um!
seinen guten Namen betrogenen Bruders war bei
Ernst Theiling trefflich! aufgehoben. Tie Gestatt war geschlossen und gefestigt. Auck> die Gefühlstöne klangen diesmal völlig echt und da das Umschlagen der Sprache in eine hök^re Stimmlage vermieden wurde. Karl Steinmeyer unterstrich, ab und zu das Komödienhafte seiner FiMr etwas stark, bot aber abgesehen davon eine gute Leistung. Adolf Falken verstand es, die selbstgefällige, salbadernde Art des Hftfspredigers Röhrland charakteristisch hervorzuheben. Hans Werthmann gab den alten, ehrlichen Schliffsbauer. Auler!und Kürt Lerch, etwas zu jugendlich in der Maske, für den verantwortungsvollen Posten, den Prokuristen Krapp. Rudolf G 0 l l, Emil W a l d e n und ' Otto Cvnr adi der übrigen Stützen der Gesellschaft.
Das gutbesuchie, wenn auch nicht ansverkaufte Haus, zollte der verdienstvollen Aufführung lebhaften Beifall. 22.
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— Der „Matin" spielt in Frankreich hÄtte eine Rolle, hat eme Bedeutung und einen (Anfluß, daß man sich nach deutschen Berhättniffen kaum eine rechte Vorstellung Machen kann. Das Fünfoentimesblatt ist tatsächlich zur richtigen Beherrscherin der französischen Bevölkerung geworden. Nur soll gleich von vorn- herein gesagt sein, daß alle diese billigen Blätter, die Boulevardsblätter mit den Riesenauflagen, zwar imstande sind, starke Stimmungen zu erregen, Aiufregungswellen durch das Land und il&er die Grenzen des Larrdes hinaus gehen zu lassen, und daß es des- falb sicherlich nicht unwichtig ist, wenn man jetzt bei uns dem Treiben des „Matin", als dem wichtigsten dieser Blätter, Mf- merksanckeit Mvendet, — daß man aber nicht vergessen darf, wie die intensivere Beeinflussung der Politik und der Börse inaney
I noch durch die mcheren die teureren, iveniger verbreiteten a > r •£? ) auch ernster genommenen Zeitungen geschieht El den .^e>nPs". Ueber dies- verwickelt^unVs-be int vlmidert der Mener Jmirnalisi W?Fred der Dezembern,nnnrer von Belhassen & KlasinaS M na tieften. Im Jahr- 1882. Unt genau zu sein am 17
Ammern einer so benmrnten 'Tagäzeitt, „repnblikanych-unabbängig" zu sein bekan, ? aber lebte nur wenige Monate. Im Februar IS ?? ausgenommen, ohne Betonung einer l>es<
oder Parteirichtung. Das Bl nmchte, wie ieder in Paris wußte, ein Herr Edwards der
^A^E^nten Z^ile über dein Text kann Man s
giPÄStÄÄS'Äf
der Marnkterlosrgkcit dem Matin einen guten Tell d Ars uns Deutschen mr der P«iser Pn Weift,^datz icke Zeise ans die ober ,e ukMmr x)t. Die sozialistische Presse bat 'dem lldatin" \e Trnben oft borgeworfein Die Redaktüm in der inr,ü« ck,e von ehrenwerten Männern satzen. flat e3 ^ kommen Taficit können. Die Besitzer des Blatte' hirft'it für ünpatriotisch! Nur als ei dcutUs Blttt Xk Seiten Nachrichten", vor einigen Jahren bcn i,r
Vorwurf wiederholte, strengte der Mätin" iiiilitflrJ Beleidigungsklage an, allerdings mit loenig E^ola Z
ner Richter entschied nach Vorlage vieler Angriffe die d,n- ‘i'l? tn ferner Heimat ruhig erttagel hatte daß e?


