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30.1.1917 Erstes Blatt
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Erster Blatt

lbl. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderheffen

Dienstag. 38. Januar

jelgen

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Frankfurt a.M. U686

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Skwcrbebanl «ietzrn Land Vem^.^^»«' richtssaal: Ir. R. Zenz.

Bedeutende Erfslge uujeter U-Boote.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 29. Januar. (Amtlich.)

W e st l i Ä e r Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls K r o n p r i n z R u p p r e ch t v o n B a y e r n.

Nördlich von Armentiöres griffen die Engländer in drei Wellen die Stellungen des bayerischen Infanterie Regiments Nr. 23 an, das den Feind verlustreich zurück- wies. Westlich von Fromelles. östlich von Neuville-St. Vaast, auf dem Nordufer der Anere und nördlich von Vic für Aisne blieben Nnternehnmngen feindlicher Streifabteilnngen ohne Erfolg.

Südwestlich von Le Transloy wurde ein englischer Posten

aufgehoben.

Front des Deutschen Kronprinzen.

Auf dem Westufer der Maas herrschte tagsüber rege Kampftätigkeit. Morgens versuchteil die Franzosen ohne Feuervorbereitung überraschend gegen die am 25. l. ge­wonnenen Stellungen auf Höhe 394 vorzubrechen. In un­serem sofort einsetzenden Feuer fluteten sie zurück. Von Mit­tag an lag starke Artilleriewirkung auf unseren Gräben. Es erfolgten nach heftigen Feuerwellen noch drei fran­zösische Angriffe, die sämtlich erfolglos zusammenbrachen.

Die braven westfälischen Infanterie-Regimenter Nr. 13 und 15 und das badische Reserve-Jnfanterie-Regiment Num­mer 199 hielten in zäher Verteidigung den eroberten Boden, von dem trotz hohen Einsatzes von Munition kein Fuß breit von den Franzosen zurückgemonnen werden konnte.

In den Vogesen brachte ein Erkundungsvorstotz nenn Gefangene ein. Nach starker Feuervorbereitung drangen auf dem Hartmannsweilerkops Sturmtrupps des Württrmberger -Landwehr-Jnfanterie-Regiments Nr. 124 in die französi- ischen Gräben ein und Lehrten mit fünfunddreißig Gefange­nen und einem Maschinellgewehr zurück.

O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold vonBayern.

An der Aa schränkten unsichtiges Wetter und Schnee­treiben die Gefechtstätigkeit ein.

Die bewährten osmanischen Truppen des 15. Korps Mlugen an der Z l o t a - L i p a russische Angriffe zurück, die /nach heftigem Feuer mit starken Massen einsetzten. An einer ^Stelle säuberte schneller Gegenstoß den eigenen Graben. Im .Nachdrängen wurde dem Gegner eine Anzahl Gefangener ^ab genommen.

Deutsche Stoßtrupps holten an der N a j a r o w k a aus Der russischen Stellung neun Gefangene.

Front des Generalobersten Erzherzog Josef.

Jur Me st i ca ne sei - Abschnitt unterhielt der Feind -nachts starkes Feuer. Zwei Angriffe der Russell schlugen fehl.

Pon der

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen

und der

Mazedonischen Front äst nichts Besonderes zu berichten.

Der Erste Generalguartiermelster Ludendorff.

In der Zeit der Vorbereitung einer fürchterlichen Ab- hrechnung hat es dennoch einigen Reiz, der Frage nachzw- ! gehen, die Universitätsvrofessor Dr. Heinrich Kretschmayr in !der ,^Oesterreich. Rundschau" untersucht:Werden wir uns 'mit Frankreich je verstehen'?' In diesem Aufsatz, den das sFebrmrrheft desTürmers" wiedergibt, ist eine überaus l fesselnde historische Schau auf das Nebeneinander der beiden .Kölker zu finden, auf ihre Eigenarten und Schicksale. Wes

S " t sodann in einigen treffenden und das Problem er­den Sätzen:

Alle französische Geschichte strebt noch Leitwort und Nenner 'äfö Ziel. Was nicht klar ist. ist Vicht französisch. Schier ntate* maitisch genau soll die Staats Pyramide im Staatsoberhaupte gip- -fein: ob goldenes Königtum, Volkssouveränität, Kriegsimperium oder Parlämentarisnrus es ist immer derselbe zentralisierende Staat. Die äußere Politik wandelt sich strenge programmatisch ab; einmal heißt das^ Schlagwort Nationalismus, einmal Re­vanche, immer aber ist ein Schlagwort da. Man erkenne doch, die nivellierende Gewalt der Tradition nt Frankreichs Geistcs- qefchichte. Nur keine regelwidrigen Individualitäten! Wächst einer nus den französischen Geistern in redender oder bildender Kunst so über die Umwelt auf wie Shakespeare, Regrbrandt, Gonthe?"

Im Gegensatz dazu erscheint die Lebeirswelt der Deut­schen, die uns Höheres und Tieferes gestellt ist. Der Ver­fasser malt da folgendes zutreffende Bild:

Gleichwohl, das französische Lebensideal mit seiner Selbstver­ständlichkeit und Harmonie, seiner Freude an Form und Wort, seinen Menschenrechten und seiner Republik, wo jeder Marschall­stab mtd Ministerportefeuille in Tornister und Tasche trägt, mit seinem Streben, sich cvUls Leid und Fremd, Lust und Not des Da­seins immer wieder ein individuelles Festmahl zurechtzurichten, dieses Ideal ist schön, frequent, bat eine ,«erbende Kraft. Unsere Feindscljaft gegen Frankreich allznmeist hat uns die Seelen der Neutralen entfremdet. Wir lmfrim aber auch allzuwenig entgegen gestellt. Mag dckr Fraichvse den Zaubern des hohen Wortes oft Ms zur Lächerlichkeit untertan sein, wir haben mit unserer Ver­achtung von Wort und- Form arg gefehlt. Es genügt nicht, Gold ovs den Diesen zn hieben, man muß, es auch zum Ringe zwingen. ^Form und Worte sind nicht bloß Schein und Gaukelei, sie sind auch Wirklichkeit und Macht. Form und Wort gewinnen die Herzen. Wir hätten ganz anders ausziehen müssen, die anderen uns zu er­obern. Wir hatten es nötig. Denn das deutsche LMnsideal ist so viel weniger bequem als das französische, ist iricht auf eilten Neuner gebracht, nicht gegrünM mit die klaren Grundlagen einer jedem faßbaren Verständigkeit, es ist begriindet in den dunklen Tiefen dessen, was wir Gemüt, Wille, Einfrildungskrast nennen. Sind die Franzosen Rationalisten, mir sind problematische Menschen. ?lpplaudite amici, kann jeder Franzose sagen. Uns ist das Leben fetzte schöne Komödie, keine Bühnenstunde, .es ist uns tun stellt

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Die Kämpfe auf dem Westufer der Maas.

Unsere Kartenskizze bezieht sich auf die jüngsten Kämpfe, die am Westufer der Maas stattgefunden haben und zu einer wesentlichen Verbesserung unserer Stellung an der Höhe 304 führten. Diese Höhe ist bereits im Mai v. Js. von uns genommen worden, die Franzosen hatten jedoch noch am Süd- und Süstostabhang Schützengräben halten können, deren wir uns jetzt be­mächtigt haben. Die ganze Aktion ist etn Beweis dafür, daß wir uns keineswegs im Westen auf die Ver­teidigung beschränken, sondern ge­gebenen Falles auch die Offensive sehr energisch ztt handhaben ver­stehen.

Berlin. 29. Jan. (WTB. Amt­lich.) lieber den Verlauf der Kämpfe am 28. Januar auf dem Westufer der Maas meldet der General der Infanterie v. Francois:

Um 8 Uhr vortnittags setzten die Franzosen zum Angriff auf unsere neuen Linien ans Höhe 30 4 ohne Artillerievorbereitung an. In unserem gut zu beobachten­den Feuer kam der Gegner'nur an einzelnen Stellen aus den Gräben und wurde abgewiesen. Um 12 Uhr mittag begann starkes feindliches Feuer, das sich uni 2 Uhr. nachmittags zum Trommelfeuer steigerte. Um 3 Uhr nachmittags brach die feindliche Infanterie auf der ganzen neuen Front zum zweiten Angriff vor, wurde aber durch Infanterie, Hand­granaten und Sperrfeuer zuruckgeworfen. Ein dritter An­griff um 3 Uhr 40 Min. nachmittags kam in unserem wirksamen Vernichtnngsfeiter nur ft-ll teilweise ans den Grä

Bert. Darauf fetzte wieder starkes Artilleriefeuer auf unsere vorderen Gräben ein; um 4 Uhr nachmittags erfolgte der vierte Angriff, der von dem Infanterie-Regiment Nr. 13 und dem Reserve-Infanterie-Regimeut Nr. 109 im Handgemenge abgeschlagen wurde. Das Infanterie-Regiment ?dr. 15 stürmte dein Gegner aus den eigenen Gräben entgegen und trieb ihn zurück. Alle Stellungen sind restlos gehalten.

Der Gegner erlitt sehr schwere blutige Verluste, wäh­rend die eigenen gering sinb. Die Stimmung der Truppen ist siegesfroh und ausgezeichnet.

von Pflichten erst und barm von Rechten und von der wirklichkeits- fooheit Tercklichkeit lateinischer SonnMkinder soweit entfernt wie die Sonne Homers von den Gewittern der Edda. Wir sind nun einmal trotz Goethe von der Art, der die Ruhe der gvldmen Mitte nicht Genüge tut, und sind im Hintergrund unseres Herzens, immer wieder von den Fragen an das Schicksal quälend umlauert, mag auch uach außen die Fassade unseres'Wesens kraftvoller und aufrechter scheinen, schon darum, iveil wir au den Ausgleich der Mißklänge in unserm Herzen immer erneute Willenskräfte »venden müssen. Der Franzose will die Freiheit seines äußeren Menschen und läßt sich innerlich durch Räson und Tradition gerne binden, uns verlangt es noch äußerlich begrenzter, innerlich uarbegrenzttr Freiheit. Wir wollen den buntgegliederten Staat, wie er uns erwuchs, wie ihn die großen Staatsmänner dcnt revolutionären Lehren ent­gegen gebildet haben uiw ivolleu strenges Gesetz und festen Befehl darüber. Wir freuen uns der farbenreichen Vieldeutigkeit und des unerschöpften Werdetriebes unserer Sprache und wolleit sie nicht zu einem französischem Garten zurechtsttltzen lassen, utag sie dabei auch zu mancher blühenden Kunst ihrer feinen Nachbarin un­tauglich bleiben.

ist die anfangs gestellte Frage sicherlich noch recht schwer zit beantworten. Wie der Krieg anch ansfallen inag, Frankreich wird nicht an einer ersten Stelle mehr stehen, lind, so schreibt Kretschmayr weiter:Drei verhängnisvolle Zeichen stehen auf seinein wolkenreichen Himmel: die in Wahrheit blutsaugeirde Vorntundschaft Mbions, das dro­hende Versiegen der Volkskraft, der Widerspruch, den die französische Staatsform in sich trägt. Wird Frankreich davon genesen'? Als Englands Magd und Helferin ganz gewiß nicht." Politisch tonnen wir da während des Krieges jedoch ans keineVersöhnung" mit nnserent westlichen ^Nachbar hinsteuern. Der erwähnte Aufsatz schließt init einer Perspek­tive, die der^ Eitelkeit der Franzosen sicher iticht wohl- schmecken wird:Vielleicht wird gerade unser Deutschöfter­reich, lateinischem Wesen verwandter als der Norden, ein­mal wieder Mittlerin werden, unser Wien hier einParis von Deutschland" auch in diesem Sinne werden können, nicht nur als Vorstadt fiir Mode und Geschmack?"

* * *

Der öftcrrcichisch-lrngarffche Tagesbericht.

Wien. 29. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 29. Januar 1917.

O e st l i ch c r Kriegsschauplatz.

Im Mestecanesci-Abschnitt verhielt sich der Feind gestern ruhig. Heute früh setzte er erneut zum Angriff ein, wurde aller unter schweren Verlusten abgeschlagen. An der Zlota Lipa griffen gestern vormittag die Russen das osmanische 15. Korps mit starken Kräften an. Die tapferen türkischen Truppen warfen den Feind in erbittertem Kampfe zurück und stießen in der Verfolgung Pis zu den zweiten Linien der russischen Stellung nach. Sie brachten zahlreiche Gefangene ein. Sonst nichts von Belang.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Abschnitt östlich des Doberdo-Sees brachte eine Abteilung des Infanterie-Regiments Nr. 91 von einer ge­lungenen nächtlichen Unternehmung 31 gefangene Italiener zurück. Die Artillkrietattgkeit ist im allgemeinen mäßig. Nur zwischen Garda-See und Etschtal richtete der Feind zeitweise ein lebhaftes Feuer gegen unsere Ortschaften.

S ü d ö st l i ch e r K4 i e g s s ch a u p l a tz.

Nichts Neues.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs u. H ö s e v. Feldmarschalleulnant.

Die Tätigkeit auf der Westfront.

Berlin, 29. Jan. (WTB.) Bei klarem Frostwetter herrschte am 27. Januar aus der ganzen Westfront rege deutsche F l i e g e r t ä t Ü g t e i t. Die feindlichen Flieger hielten sich aus­fallend zurück und beschränkten sich in der Hauptsache aus Flü-ge hinter ihreit Linien. Die F e r tt a u f k l älr u n g wurde bis ans Meer durchgeführt. Von ihren Flügen brachteit die Beobachter wich­tige Meldungen über den Verkehv hinter der feindlichen Front zurück. Die ivertvollen Erkundungsergebnisse wurden in zahlreichen Lichtbildern sestgelegt. Calais, Bvulogne, Etaples, Amiens, Tottl Luxeuil und Montbelliard find dabei erneut von uns photographiert worden. Der Bahnhof von Frouard wurde unter Fliegerbeoback?tungj mit schwerstem Geschütz beschossen. Feindliche Batterien und Unter- kunstsväume westlich Peronne, der Bahnhof von Rasieres und feind­liche Lager bei Capph Bray wurden in den zwei auseinanderfolgen­den nächsten Nächten ausgiebig mit Bomben belvorfen.^ Das eine unserer Kampfgeschwader belegte mit bevba.chtetem Erfolg Neuve Maison südlich Nancy mit 1900 Kilogramm und Dombasle mit 550 Kilogramm Bomben. Das sranzö sis che T r u p p er­lag er im Foret de Haye bei Toul wurde aus geringer Höhe mit Maschinengewehrseuer angegriffen. Eine besonders kühne Tat voll­brachte ein Flugzeug, indem es die Eisenbahnbriicke über die Authie, 20 Kilometer südlich Etaples ans 30 Meter Höhe mit 40 Pack Sprengladungen bewarf. Der Erfolg war der bdabsichttgte. Die Explosionen zerstörten den ganzeit! Bahnkörper. DaS gleiche Flug­zeug griff sofort nach der Sprengung einen fahrenden Eisenbahn- zug nördlich der Brücke mit Maschinengewehrseuer an, brachte ihn zum Stehen und schoßt einen Wagen in der Mitte des Zuges in! Brand. /

Im Lustkantpf und durch Abwehrfeuer holten wir fünf feindliche Flugzeuge herunter. Im Osten swurde ein russisches Flugzeuo brennend zum Absturz gebracht.

* ' * *

Ans der Tagung der franzöfifche^n Kammer.

Bern, 28. Jan. (WTB.) Laut Lyoner Blättern ist der der Geheimsitzunq folgenden öffentlichen, sehr bemerkens­werten K a m mersitzung nachzntragen: Der Sozialist B o n, der ständig unterbrochen wurde, forderte, daß die Verhandlungen der Geheimsitzung schnellstens bekannt­gegeben würden, damit die Oeffentlichkeit die Unent­schlossenheit und Schwäche der Regierung kennen lerne. (Minutenlanger Tumult.) Bon schrie, Briand habe nichts sgetan, nicht einmal die Einheit urrter den Alliier­ten verwirklicht. (Neuer Tumult und Zwischenrufe, besonders 'von den Sozialisten, die erklären, Bon spreche nur int eignen Namen.) Benoist rief, Briand habe auf die wichtigsten Fragen nicht geantwortet. Seine Politik der Autorität dürfe ntan nicht gutheißen. Bon wollte weiter sprechen^ mußte aber unterbautem Lärm die Tribüne verlassen. Der Sozialist Bedouce verlangte größere Beständigkeit der Entente­diplomatie. Zur Lage in Griechenland' äußerte Bedouce, man solle diesen Kleinstaat nicht zur Aufgabe der Neittrali'- tät zwingen, lvolle auch nicht, daß das Blut des lleinen Volkes für die Entente vergossen werde. Dieser Aeußeruug folgte der Zuruf von der äußersten Linken: Wir verlangen Sanktion gegenüber Fournet. Der Konservative Monzic ging noch weiter und verlangte Sanktion gegenüber den französischen Gesandten in Athen. Bedouce fuhr fort: Wir stimmen nicht der Regierung zn, sondern nur ihrer ße* mäßigten Politik. Briands Politik sank niemals auf jenen Grad der Erniedrigung, wie die Delcassss. (Große Be- wegung: Delcasse, der anwesend ist, bleibt unbeweglich sitzen.) Bedouce führt weiter aus: Ich zürne nicht meinem Kollegen Dclcasse, sondern dem Minister des Aeußern Dell casss, der unser Land unter Bedingungen verpflichtete, die