Ausgabe 
26.1.1917 Erstes Blatt
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Dvrschlay, We ZaU der Serien zu ver m e h re n und «uE Damen mit hmzuzuzrehen.

8« diesem Av-ecke schlug Stndtv. Dr.' Urstadt vor. daß Teder der Gewählten sich ftir seinen Bezirk zwei HilsÄräste aussuche.

ObeMjrgermeister Keller stimmte dem bei und setzte aus wohlerwogenen Gründen deü Bckginn der Sammlung auf l. Fe­bruar fest. Die ErntcKlung der Straßen soll in einer besonderen! Atzung vvrgenommen werden.

Zur Sammlung in den Schulen sind in Mainz in den Höheren und Bolkssckmleu Listen aufgelegt worden, damit die Schü­ler mit Namen zeichnen können. Es soll, wie der Oberbürger­meister besonders betonte, keinerlei Zwang oder Druck auf die Schül­ler ausgeübt werden. Die Sammellisten werden überhaupt sämt­lich dem Großberzoge vorgelegt werden.

Tie anwesenden Direktoren der höheren Schulen sprechen sich dafür aus, kerne Listen aufzulegen, sondern wie bisher Klcrssen- sammlungen vorzrmebmen.

Was die Veröffentlichung der Zeichnungen an- goht, so hat der Landesausschuß davon abgesehen, von sich aus darüber zu beschließen. Das Ergebnis werde in Mainz wöchentlich zusarnmenfassend veröffentlicht werden. Für eine Ver­öffentlichung spricht, nach Ansicht des Oberbürgermeisters, daß ein gutes Beispiel anspornetkd wärke. Merdings gebe es auch viele Zeichner, die ihren Namen nicht genannt wissen wollten.

An der Aussprache hierüber beteiligten sich Landgerichtsrat Wiener, der Rektor der Landesuniversität Prof. Tr. S ch i a n . Frl. Nau mann und Beigeordneter Grünewald.

Im Anschluß daran bat der Oberbürgermeister, ihm Feldadressen von Bekannten und Benvandten zu nennen, von denen der eine oder andere bereit sei, das seinige Kn der Sammt- lung beizusteuern.

Beigeordneter Emme lins schlug vor, die Namen und Adressen an den Oberbürgermeister zu schicken, »vomit sich Ober­bürgermeister Keller einverstanden erklärte.

Zum Schluß bat der Oberbürgermeister, Wunsche und Au- . regungen entgegenzubringen.

Beigeordneter Grünewald ineinte, es stände wohl nichts im Wege, darüber zu sprechen, lvas mit dem Velde der Stiftung geschehen solle. Soviel er wisse, habe Geh. Rat v. Hehl dew Antrag .Mellt, das Erholungsheim nach Salzhausen zu verlegen. Gerade so gut könne das Erholungsheim auch nach Gießen verlegt werden, wo die Luft entschieden günstiger sei wie in Salzhausen, und den Bewohnern des Heimes der Besuch der klinischen Einrich­tungen ermöglicht werde und ihnen auch Zerstreuung geboten werden könne. Käme Gießen für die Errichtung des Heimes mit in Frage, so werde dies einen lebhaften Einfluß auf den Gang dev Zeichnungen ausüben.

Zu diesen Ausführungen ergriffen das Wort Oberbürgermeister Keller, Beigeortmeter E m m e l i u s, Prof. Tr. S ch i a n , Landgerichtsrat Mi euer und Beigeordneter Grünewald.

Oberbicrgermeister Keller faßte die Ausführungen dahin zusammen, an die Stiftung der Stadt Gießen keine Bedingungen anzuknüpfen.

Hierauf schloß er die Versammlung mit iwchmaligem Tanke au die Erschienenen und mit dein Wunsche, daß die Sammlung in (ließen ein schönes Ergebnis zeitigen möge.

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** Kaisers Geburtstag steht nun zum dritten Male unter dem Flammenzeichen des Weltkrieges. Beinahe ein Menschenalter waltet unser Kaiser seines hohen Amtes, immer in dem Bestreben, nicht nur seinem Volke, sondern den Völkern Europas den Frieden zu sichern. Das Schicksal hat es anders gewollt. Von allen Seiten, von Neidern der friedlichen Entwicklung Deutschlands angegriffen, mußte un­ser Kaiser vor nunmehr drei Jahren das Volk zu den Waffen rufen und vn gewaltigen Kämpfen die Angriffe in West und Ost und im Süden abwehren, deren Ziel die Vernichtung unseres deutschen Vaterlandes ist. Und als er endlich, nach­dem die Angriffe abgeschlagen, in ritterlicher Weise den Feinden die Hand zum Frieden bot, mußte er es erleben, daß sein ehrlich gemeintes. Friedensangebot schnöde zurück­gewiesen wurde. Und nun steht das deutsche Volk, womöglich noch enger geschart um seinen Kaiser, vor neuen, schweren Kämpfen, mit ihm gewillt, den anfgedrnngenen Kampf zum siegreichen Ende zu führen. Und wenn morgen unser Kaiser sein 5i8. Lebensjahr vollendet, so können mir diesen Tag nicht in frohem Festesjubel begehen, aber der aus innerster Seele kommenden Begeisterung können wir Ausdruck geben durch das Gelöbnis, standhaft mit ihm auszuhalten in jeder Not und Gefahr, durch den Ansdruck des Willens, der ihn und unser Heer beseelt, Deutschland für immer die ihm in der Welt gebührende Stellung zu sichern. Als äußeres Zeichen dessen mögen mor ge nsichdie Gotteshaus er­füllen und die Fahnen an allen Häusern wehen. Kein Hans soll ohne Flaggen schmuck bleiben. So dürfen und können wir Kaisers Geburtstag in einer Weise feiern, die des deutscheil Volkes würdig ist.

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* Auszeichnung. Unteroffizier S. Rothschild, zurzeit schwer verwundet in einem Feldlazarett, erhielt das Eiserne Kreuz 8. Klasse.

** Jung wehr Freitag, 26. Januar: Antreten 81/4 Uhr. Komp. 620 und 621 Realgymnasium.

^ ** Preisbes'chränkung Bei Ausbesserung von

Schuhwaren. Durch eine Verordnung des Bundesrats vom 25. Januar 1017 inird die Ausbesserung von Schu h- w a r e n einer ähnlichen Preisbeschränkung unterworfen, wie stc schon bisher ft'lr den Verkauf solä>er Waren galt. Bon der Festsetzung vE Höchstpreisen ist mit Rücksicht auf die Verschieden­heit des Vdaterials und die örtlichen Schwankungen der Löhne ab- gesehen worden. Für die Preisberechnung, die lediglich die Ge­stehungskosten, angemessener Teil der allgemeinen Unkosten und einen angemessenen Gewinn ein schließen darf, sind die von der Gutachterkommission für Schuhwarenpreise ausgestellten Richtsätze maßgebend. Angaben über die Reparatur-Preise und ihre Berechnung lind im Laden auszuhängen. Außerdem ist der crusgebesserten Ware ein mit der Bezeichnung der Firma oder des Namens des Ueber- nehmers der Reparatur versehener Begleitschein beizufügen, aus dem die Art der Ausbesserung und der bereckmete Preis, sowie die Zeit der Ausbesserung (Jahr und Monat) zu ersel-en sind. Bei vermuteter übermäßiger Preisfestsetzung kann schiedsgerichtliche Festsetzung des Preises beantragt werden. Das Schiedsgericht ist das gleiche, das auch Streitigkeiteu über die Verkaufspreise von Schuh- waren rutschewet (§ 6 der Bekanntmachung über die Preisbschrän- kuug bei Verkauf von Schuhwaren vom 28. September 1916). Auch Anrufung und Verfahren sind in derselben Weise geregelt, tvie in der genannten Verordnung.

** Dieb ft a h l. In hiesiger Stadt wurde aus einem am Wißmarer Weg gelegenen Gebäude ein 16 Meter langes und 8 Meter breites Stück tveißer Leinwand, das an der Längsseite mit Haken zum Aufhängen und an den Enden mit Riemen zum Zusammenschuallen vergehen rvar, im Werte von 175 Mk., und ein 4 Meter langes und 8 Meter breites Stück blaues Tuch, an dem sich auf drei Seiten Riemen zum Zusammenschualleu befinden, im Werte von 75 Mk., entwendet. Wer über den Derbleib der wertvollen Gegenstände Auskunft zu qebeit vermag, wird gebeten, dies der Kriminalpolizei zu melden.

Pr 0 menaden - K 0 nzert. Die Ersatz-Kapelle des Jnf.-RegimentS Nr. 116 spielt morgen, an Kaisers Geburtstag, bei günstiger Witterung von 11.30 bis 12.30 Uhr auf der Süd- Anlage.

** Stadttheater. Nochmals sei auf die morgige Wohl- tätigkeitsvorstellung anS Altlaß von KaijerS Geburtstag hin- - gewiesen, die in dem neuen SchauspielKönige- von Hans Müller ein Bild deutscher Treue aus der Vergangenheit entrollt,

^ unfer-n sturmdewegten Lagen doppelter Teilnahme pmer ist. Tie Spielleitung fuhrt Direktor Steingoetter; in Haupt- fffnc**?!**** 0 ,* sind die Herren Hellmuth, Feigel, Wesolowski, ^ '.Aolken und Theiling und bic Damen Mahr und Scheidler ® 0 n »er t B e r et ti. Tas nächste Konzert, Lunmtag, den 28. Januar, ist ein S 0 n a t e n a B c it b des bekann- ten Wmxcv Geigers Adolf Busch und beffen Bruders, Musik- Fritz Busch, Aachen. Die beiden Herren sind Schüler des Kölner Konservatoriums und standen unter der besonderen OAut und Freundschaft Fri tz S t e i n ba chs. Der jetzt in Wien lebende Geiger Adolf Busch ist huir w schon bekannt. Er wird als cntjter, allem Aeußerlichen abholder Musiker hpärgeschätzt und im­mer wieder von allen großen Kvnzerttnstituten. als Solist hercur- gezogen. Die schlackenlose Reinheit des Tones und die Innigkeit und Vornehmheit des Vortrags werden immer von neuem gerühmt In wesem Winter ist Adolf Busch auch als .Komponist hervorgetretm, dilvch die Ausführung einer Sinfonie, die starken Beifall sand Sein Bruder Fritz Busch ist jetzt städtischer Musikdirektor in Aachen Er ist der gefeierte Lckter der dortigen Sinfonies-Konzerte und des mrannten ausgezeichneten Aachner gemischten Chores. Er ist als ^kumermusikcr sehr begehrt iind mit seinem Bruder aufs treff trefflichste cmgcspielt. Die beiden Künstler werden die So­nate A-Moll von Beethoven, die Sonate D-Moll von Brahms, die Louite im alten Stil von R e g e r und Präludium uiid Fuge auv der Monate G-Moll von B a ch zum Vortrag bringen. Tie seltener gespielte A - M 0 l l - S 0 n a t e Op 23 zeigt sehr viel mehr Beethoven 'sche Eigenart als die, besonders in Dilettanten- kversen so beliebte F-Tur-Sonate. die in der Ausdrucksweise noch mel Mozart scheu und Haydn'schcn Geist verrät. Die Sl-Mvll Lonate hat drei Sätze. Der 1. Satz, ein Megrv-Presto, ist sehr temperamentvoll und die vielen Stznlopiermigen verstärken deii erregten Ansdruck. Das folgende Megretto scherzvso atmet heitere, wohltuende Ruhe, während der Schlußakt ein unruhvolles Megw molto in A-Moll uns ivieder die von Melancholie umfangene leidenschaftliche Erregung aller Beethoven'scher Werke, in denen als Grundtonart A-Moll zur Berwenbuitg kommt, zeigt. Siehe Quartett Op. 132. Die B r a h m s 's che B i 0 l i n s 0 n a t e D- Moll Op. 108 ist feine letzte Sonate, 1889 erschienen. Sie ist aus der Zeit, die Brahms am Tchuner See zubrachte imd aus welche auch eine Reihe herrlichster Lieder, Op. 105 und 107, stanrmeu. Die enge Herzensfteundschaft zwischen Bülow und Brahms erhielt durch die Widmung der Sonate an Bülow seitens des Kvmpmiisten eine äußere Beglaubigung. Bülvio nannte die ihm erwiesene Auszeichnung eineStandeserhöhung". Die Sonate steht in wirksamem Gegensatz zu ihren sanfteren Schwestern: sie hat 4 Sätze, die beiden Ecksätze tragen leidenschaft­lichen Charakter. Der bedeutendste ist unstreitig der 1. Satz. Er ist von wunderbarer Klarheit und Langatmigkeit der Motive, die sich auf einem 46 Takte anhaltenden Orgelpunkte in C aufbauen, dessen Widerpart in dem Tonika-Drgelpunkt der Coda zu finden ist. Tie elegischen Terzenabstiege des 2ldagios zeigen uns beu echten, still leidenschaftlichen Brahms; die 24 Takte lairge Kantilene gehört zu den schönsten, die Brahms gesungen hat. Ter letzte Satz, ein flottes Finale schließt das Werk bedeutend und kräftige ab. Die erste Aufführung war in Wien am 13. Februar 1889; das Werk wurde von Brahms und Joachim aus dem Mianuskript gespielt. Tie Bach 'sche B i 0 l i n k u n st ist noch beute sozusagen erne Kunst gattung für sich. Sie stellt die höchsten Anforderungen an den Spie ler. Besonders frappiert das mehrstimmige Spiel. Bach rvar selbst Violinspieler, bekanntlich Konzertmeister in Weiinar und bat zwei­fellos die ganze Technik der Saiteninstrumente bis in die letzten Möglichkeiten überblickt. Seine Solosonaten waren und sind restlos nur den großen Meistern der Violine zugänglich.

** T i c Vereinigten H a s siä-M ili r-V e rein e begehen den Geburtstag des Kaisers an: Samstag, den 27. Januar durch gemeftrsamen Kirchmgang (Stadckivcheh Siehe Anzeige.

" W e i h n a ch t s v e r l 0 s n n g. Wie rms das Rote Kreuz mitteilt, ist die Frist für die Abholung der Gewinne aus der Weihnachtsverlosung bis zum 5.'Februar verlängert wordew Alle bis dahin nicht abgeholten Gegenstände werden zugunsten unserer Verwundeten anderweitig verwertet.

Die Ausgabe der Vollmilchkarten an die Be­zugsberechtigten für die Zeit von, 2v. Januar bis 29. April findet Samstag, 27. Januar, vormittags von 812 Uhr in den Lebens- mittelkartenausqabestellen statt. Die Ausgabe der Vollmilchkarten für Kranke erfolgt auf Zimmer Nr. 9 des städtischen Lebensmittel- amtes, Ost-Aulage Nr. 13. Der im Besitz der Vollmilchbczugs- berechtiqten befinbltcf)^der Ausweiskarte ist vorzulegen.

** Die Ro llgebühren für den bahnamtl. Rollfuhr­unternehmer Adolf Lhncker werden vom 15. Jmruar 1917 ab mit rückwirkender Kraft wälMnd der Dauer des Krieges für ft 50 Kflogramm und des Mindestsatzes um 5 Pfg. erhöht.

Landkreis Gießen.

* Stangenrod, 25. Jan. Dem Wehrmann Gg. Will, Res.-Jns.-Rgt. Nr. 80, wurde das Eiserne Kreuz verliehen

- ** Rödgen, 26. Jan. Dem Unteroffizier Hrch. Bellas wurde die Hess. Tapferkeitsniedaille verliehen. Weichzeitig rvurde er wegen besonderer Tapferkeit vor dem Feinde zum Bizef-eldwcbel befördert. Das Eiserne Kreuz erwarb er sich in den vergangenen Frühjahrsofftnsiv kämpfen bei Verdun. Bellos rückte bei Beginn! des Krieges als Reservist aus und steht seitdem ununterbrochen im Felde.

Kreis Friedberg.

== Harheim, 26. Jan. Einem hiesigen Einwohner wurden netüich neun fette Gänse und die Hühner g e st 0 h l e n. Als Dieb ermittelte man jetzt einen Frankfurter Handwerker.

Hessen-Nassau.

Die Lebensmittel-Versorgung Frankfurts.

--- Frankfurt a. M., 25. Januar. Die Lebensmittel- komnnssion beschloß die Einrichtung einer vierten Fabrik für die Herstellung städtischer Wu r st. Wöchentlich werden in den Betrieben fortan 6 00 Zentner Wurst berettet. Für die rascheste Verteilung der Milch nach allen Stadtteiles werden in Zukimft Kraftivageu tätig sein, die in ihrerfteicm" Zeit auch noch zum Transport von Lebensmitteln benutzt werden sollen.

Kassel, 25. Jan. Das König!. Konsistorium ordnete ge­legentlich der kirchlichen Feiern von Kaisers Geburtstag eine Kollekte zllm Besten der Kriegsbeschädigten an.

Universitäts.Nachrichten.

** Für Kriegsteilnehmer akademischer Berufe entstehen, je länger der Krieg dauert, größere Nachteile, sotvohl, was ihr Dienstalter anlangt, tvie den Studien- und Ausbildungs-- gang. Durch Beschluß des preußischen Mitäfteriums ist für Preußen bestinrmt tvorden, daß den in den Staatsdienst tretenden Akademi­kern der Kriegsdienst auf ihr Dien st alter ungerechnet werden soll. Sie sollen darin möglichst so gestellt werden, wie wenn es nicht zum .Kriege gekommen wäre. Das Dienstalter wird also vor- datiert, imb Bei der Bedeutung des Dienstalteps für die Beförde- rmigs-, Besoldungs- mrd Pensionsverhältniffe eines Beamten hat diese Rtaßnahme emen wesentlichen Ausgleich zur Folge. Für den Studien- und Ausbildnngsgang handelt es sich um Abkürzung der AuSbildun^s-zeit und Studieirzeit. Für A e r z t e ist der Kriegs­dienst auf das vorgeschriebene praktische Jahr anzurechnen, R e ch t s a n w ä l t e, die in den höheren Justiz- oder B e r m a I ^ tuirgsdrenst eintreten, soll der Vorbereitungsdienst um die Zeit des Kriegsdienstes bis zu einem Jahr abgekürzt tveroen. Ebenso ist hinsichtlich der künftigen Oberlehrer eine Anrechnung auf die vorgeschriebeue praktische Ausbilduugszeit bis zu einem Jahr in 2lussicht genomnien. Gleiche Anordnungen sind für den Vorbe­reitungsdienst der höheren B a u b e a nt 1 1 n in Vorbereitung. Als Berücksichtigung des Kriegsdienstes für die Studien- ze i t nnrd erwogen, beit Kriegsdienst bis zu einent Jahr auf das Studium der Juristen aiiKurechtleu. Für die studiererlden Mdiziner schweben Crwägungen, die auzurechueude Kriegsdieust- zeit auf ein Jahr zii erhöhen. Ebeuso ist für die Studierenden! der Z a h n h e i l ku n d e. die Anrechnung des KriegsdieristeS auf das Studium in Vorbereitung. Für die Studierenden der Phar­mazie ist die Anrechnung des Kriegsdienstes auf die Gehilfenzeit und für die Studierenden tper Na hrnngs mittel chemi^j die Anrechnung aus die vorgeschriebene praktische Tätigkeit in

wagnng gezogen. Der veii^^uvierenveil txx pyilofophrfcyen Fakultät und bei den Theologen kann eine Verkürzung der Studienzeit nicht Wohl in Frage kommen. Hier wird dal-er dafür zu sorgen sein, daß die Kriegsteilnehmer möglichst mit der ge­setzlichen Mindestzeit von sechs Semestern auskommeii. Was schliess­lich die Studierenden der technischen Hochschulen betrifft, so ist Anrechnung des Kriegsdienstes bis zur Tauer eines Semesters zu gelassen. Im übrigen werdeii sämtliche Fa- kultäteti sich bemühen, Kriegsteilriehmern ihr Studiunt zu et» leichtern. Die größere Reift, der gesieigerte sittliche Ernst, das erhöhte Vevaittwvrtlichkeitsgefühl tziid der verstärkte Eifer &c£ Lernens, den matt von den jungen Leu Um erwarten katrn, die aus- dem Felde hernckehren, wird dabei helfen. Was für den Kriegs- dienst bestimmt ist, kann zwar nicht ohne weiteres arrch für den! vaterländischen Hilfsdienlst gelten. Für bicfem tver- beit besondere Bestimmungen getroffen iverdeu müssen, auch hier aber ivird das Bestreben dahnt gehen, irach Möglichkeit die Nach^ teile auszngleichen, die junge Leute erleiden, die dem Batcrlande dienen.

Letzte Nachrichten.

Kaiser Karl im deutschen Hautztauartier.

Wien, 25. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Aus Anlaß des bevorstehenden Geburtsftstes des Deutschen Kaisers begibt sich Kaiser Karl heute abend in das deutsche Hauptquartier- In seiner Begleitung befindet sich der Minister des Aeußern Graf Czernin.

Die Erfolge bei Riga.

Berlin, 25. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Neue erfolgreiche, Kämpfe im Rigaer Brückenkopf. Die russischen Angriffe anfangs Januar südwestlich von Riga wurden rasch nnt einem machtvollen deutscheii Gegenstoß beantwortet. Nachdem Tauwetter einem neu einsetzenden Frost gewiäien war, gingen am 23. Januar vormittags beiderseits der Aa die bcrutfd>en Truppen nach kurzer wirksamer Artillerievorbereitung auf einer Front von ungefähr 10 Kilometern Breite zum Angriff. Obwohl der russischen Führung dieser Angriff nicht unerwartet kam, waren bereits initta,gs auf dem linken und rechten Flügel der östlich der Aa gelegenen Angriffsfront kleinere Erfolge erzielt.^ Nachmittags gelang es nach erneuter Artillerie­vorbereitung, in der Mtte entscheidend vorzustoßen, obwohl die Sturintruppen stellenweise knietief in dem trotz deS Frostes nachgebenden Tirulsnmpf einsanken. Beretts am 23. Januar abends waren beiderseits des Ap-Flusses etwa 3 Kilometer Ge­lände gewmrnen. Im der Nacht zum 24. Januar gelang es dem rechten Flügel, östlich der Aja weiter Boden zu geunnnen Ein Ru flennest, das sich in einer Mulde nahe dem östlickmt Ende der deutschen Angriffslinie befand und schon am 23. Jjanumj abends umstellt war, wurde ailfgehoben und 400 Gefangene ge­macht. Nach Gefangeuenaussaben hatte der Führer dieser russischen Abteilung Bataillonsbefehl, sich zurückznziehen, dem er mdessen keine Folge leistete. Er erklärte lehren Leuten, daß er sich halten wolle. Ms die Rufleir sich von den Deutschen umstellt sahen, schossen sie ihren Führer nieder. Gegen Mittag des 24. Januar wcweii schon 1100 W sauge ne und 10 Offiziere ein gebracht, sowie 14 Maschinengewehre erbeutet. Auch westlich der Aa ivareu am Bormittag des 24. Januar die Truppen erlieblich vor­wärts gekommen. Der größive Teil des den Russen anfan-gs Januar überlasseneir Geländes ist bereits ivieder iit deut­scher Hand. Tie Größe der russisÄMi Verluste gelst aus befangenen- ausfagen hervor. Von manchen Regimentern, die 3000 zählten, kamen nur 500 zurück. Tie übrigen waren getötet, verwlindet oder gefangen. Dabei leisteten die früheren deutschen Unterstände, in welchen sich die Russen eingenistet hatten, beit Verteidigern vorzüg­liche Dienste. Wie russische 6>cfangene erklären, würden tiyrr eigenen Unterstände Bern Artilleriefeuer nicht im entferntesten so gut stand- gebalteti haben. In den Kämpfen beiderseits der Aa wurdeir bisher bekannt lick) 20 Offiziere, 1700 Mann gefangen und 10 Maschinen­gewehre erbeutet

Frankreichs politische Zensur.

Bern, 25. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In der gestrigsv Sitzung der ftanzösischen Kammer, wurde die Interpellation! Alexander Blanc auf Abschaffung der politischen Zensur erörtert Blanc erklärte, die Blätter, die die Regierung kritisiertrin, würden beschlagnahmt und verboten. Ter Liberalismus, d«i Briand gegen die Regierungspresft ausübe, solle auch ans die übrigen Blätter angewandt werden. Die Interpellation wurde schließlich vertagt

Griechenlands Demütigung.

Athen , 25. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agen« Havas. Die grrochische Regierung richtete gestern an die Gesandten der alliierten Mächte ein .amtUä-es Sck)riftstück, in welchem es Heist: Gemäß der Aartwort aus das Ultimatum der alliiertes Regierungeti vom 28. Dezember 1916 und 8. Januar 1917 über- mittclt die königliche Regierung den Gesandten von Frankreich. Oöroßbritannien, Italien und Rußland ihre formellen Ent- schiildiguugen wegen der bedauerlichen Ereignisse am 18. November beziehungsweise 1. Dezember 1916.

Nach eurer loettrren Havas-Ateldung wird die feierliche Zeremonie des Grußes vor den Fahiten der Mi irrten am tiächsten Samstag vor dem Zappeimr stattsinden. Tic Gesandten der alliierten Mächte werden ihr in Uniform beiwohnen, ebenso auch der Admiral, der als Oberbefehlshaber die alliierten Seestreitkräfte befehligt, und Vertreter der alliierten Marinen.

Politisckft Krisis in Japan.

New Dork, 23. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Funk­spruch des Vertreters des WTB. Associated Preß meldet aus Tokio über eine neue politische Krise, daß die Konstitutioneb len unter K a t 0 und die Nationalisten einen heftigen Feld« zug gegen das Kabinett Ter auch: eröffneten, da es ent­gegen dem Geiste der Konstitution gebildet worden sei. Man erwartet die Auflösung des Abgeordnetenhauses.

Tokio, 25. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Kaiser hat das Repräsentanten­haus aufgelöst.

Maisbrot in Ungarn.

Budapest, 25. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Wie das Landesernährungsamt mitteilt, wird demnächst eine Mischung des Brotgetreides mit Maismehl angeordnet, das aus entkeimtem Muts hergestellt wird und somit an Halt« barkeit und Geschmack das gewöhnliche Maismehl übertrifft.

An die vürgersW!

Morgen begeht Se. Majestät der Kaiser seinen Geburtstag. Laute Feste an diesem Tage entsprechen weder dem Wunsch des Kaisers noch dem Ernst der Zeit. Jedoch soll das Bild unserer Stadt zeigen, daß die Bürgerschaft sich eins fühlt mit dem Kaiser und am Geburtstage seiner gedenkt.

Ich fordere daher die Bürgerschaft auf:

am Geburtstage Sr. Majestät des Koijers, durch allgemeines Beflaggen der Häuser

der Stimmung der Bevölkerung Ausdruck zu geben. Bietzen, den 26. Januar 1917. 789 b

Der Oberbürgermeister Keller.