gegner übemonrmeit und findet mm augenscheinlich (Gefallen daran, denn immer unverhohlener treten Aeußernngen maßgebender Persönlichkeiten hervor, in denen ein englischer Militarismus gepredigt wird. So sagte jüngst die „Morning Pose" in einem Leitartikel, den Charakter des britischen Weltreiches sehr bezeichnend: „Das britische Reich, das sich aus Krieg aufbaute, muß durch Krieg aufrechterhalten werden." Noch klarer drückt diese Idee der bekannte Militärkritiker der Londoner Times, Oberst Repington, im dtovemberhest des „London Magazin"" aus, wenn er sagt:
„Ter Krieg wird eines Tages enden, und wie werden wir dann dastehen? Wenn wir Armee, Flotte und alle unsere Hilss- Mellrn zusammennehmen, werden tvir die erste militärisck-e Macht derWelt sein. Wir werden als die Säule der Wliairz Mrerttotnfc werden . . .. . Die militärische Schwäche Englands war das Schreckgespenst seiner Soldaten eine Generation hindurch. Sie war eine beitändige^ Bedrohung des Friedens. Sie wurde schließlich eine der ersten Ursachen des Krieges. Diese Tinge gehören min der Ber- gangenl-eit an ... . Wir haben die Führung in dem Bündnis übernonrmen und die Führung Europas gehört uns mit Recht (the levdership of Enrope belongs tv usof right). Weil wir die Schlffe, das Geld und die Leute haben, werden wir niemals die militärische Vorherrschaft begehren, noch danach streben, einen Militarismus durch den anderen zu ersetzen. Wir werden in der Haupt lache eine Ozean- und eine Seemacht vor allen anderen bleiben, aber die Landesgrvnzen des Reiches werden weiterlstv dem Erdumfang gleichen und wir werden uns nicht wieder dem irrtümlichen Glauben hingi'ben, daß Seeniacht alles ist ... Unser Volk hatte und hat den Willen zu erobern (the will fco con- üuer). Darin liegt alles. Niemals, selbst in den dunkelsten Tagen, wenn unsere Armeen inr Westen halb zertrümmert vor dem Feinde sich zurückzogeit, dachten oder sprachen oder trän inten unsere Sol- daten von ^ einem anderen möglichen Ende als vom Siege. In diesem großen Geist ist der Krieg gefocksteu worden, und das Andenken an unseren unerschütterlichen Entschlüßen erobern, wird daS vornehmste Erbe sein, das Nur unseren Nachkommen hinterlallen können, den Söhnen und Töchtern von England und seiner glorreichen Kolonien.""
Das Kabinett Romanones bleibt im Amte.
Madrid. 9. Jan. (WTB.) Meldung der Agence Havas. Nach dem heutigen Ministerrat begab sich Graf Romano- n e Z zum König, um ihn zu bitten, die ehemaligen Ministe-rchräsidenten und die Cortes urn Rat zu fragen, um der M i ni st er kris e die bestmögliche Lösung zu geben. Die Note der Regierung besagt, die Krise sei zugleich mit der Vertagung der Cortes infolge parlamentarisck>er Schwierigkeiten entstanden, aber wegen internationaler Ereignisse, namentlich der Note Wilsons, nicht amtlich bekanntgegeben worden. Romanones erklärte, die Lage werde noch heute geklärt werden. Die Präsidenten des Senates und der Kammer gaben bekannt, sie hätten dem König geraten, das Kabinett Romanones beizubehalten. Auch M a u r a gab dem König den gleichen Rat.
Basel, 10. Jan. (Zf.) Aus Madrid meldet die Agence Havas: Gras Romanones erklärte beim Verlassen des Palastes, der König habe ihn seines vollständigen Vertrauens versichert und ihn eingeladen, im Amte zu verbleiben. Somit wird das Kabinett in seiner Gesamtheit i m Amte verbleiben.
Der Seekrieg.
Die bewaffneten Handelsschiffe der Feinde.
Berlin, 10. Fan. (WTB. Amtlich.) Eine durch Poldhu verbreitete Mitteilung der englischen Admiralität besagt, es würden von Deutschland Anstrengungen gemacht, Zweifel aus den streng defensiven Charakter der Bewaffnung zu werfen, die die britischen Handelsschiffe tragen. Die Admiralität sagt, der britische Grundsatz sei ganz klar, sie könnte keinen Unterschied zugeben in den Rechten unbewaffneter Schisse und der allein zur Verteidigung bewaffneten Schiffe.
Jeder hat das Recht, sich gegen Angriffe, einen Besuch oder eine Durchsuchung durch den Feind mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen, darf aber den Feind nicht zum 'Angriff nuffuchen, was Pflicht der Kriegsschiffe ist.'
Mit einer solchen durchsichtigen Dialektik wird kein sachliches Urteil getrübt werden, es sei denn, daß man die Hülle des Wortschwalls absichtlich nicht zjn lüften wünscht. Wir stehen in einem harten Kampfe und halten uns an die Taffachen, nicht an Rasonnements. Die feindlichen Harrdels- schiffe tragen ihre Bewaffnung, wobei die englische Marine nach dem Grundsatz handelt, daß aer Angriff die b-ffte Verteidigung ist. Das ist erwiesen nach erlassenen Befehlen und deren taffächliche Durchführung, die unsere Handlungsweise bestimmen.
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Berlin, 10. Jan. (WTB.) Am 10. Januar haben unsere flandrischen Seestreitkräfte den holländischen Dampfer ,^J m p o r t" (847 Br.-N.-T.), der von Rotterdam nach Lon- don bestimmt war, nach Zeebrügge eingebracht. Die Ljadung enthält u. a. Baumwollwaren, Oele und Getränke.
Berlin, 11. Jan. In Amsterdamer Versicherungs- kreisen soll man den Verlust der feindlichen und Bannware befördernden neutralen Handelsschiffe in der ersten Woche des Januar auf über 100000 Tonnen berechnen.
Bern, 10. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Nouvelliste de Lyon"" erstrhrt aus Madrid, daß der Hafen von Bilbao infolge erhöhter U-Boottätigkeit vollständig still gelegt sei; der ganze Hafenverkehr stocke. Man befürchte infolge Ausbleibens der Zufuhr schwere Störungen des Handels und der Volksernährung.
In Corunna sind an Bord eines norwegischen Dampfers 24 Seeleute des versenkten französischen Dampfers „Alpha n s o Conseil"" und 20 Mann des versenkten norwegischen Dampfers „BorgHolm"" eingetroffen.
Der „Tenrps"" erfährt, daß der spanische Dampfer „P e- tay"" auf der Fahrt von Barcelona nach England versenkt worden sei. Dem „Temps"" zufolge sind in Toulon die ersten überlebenden zwanzig Seeleute des versenkten Linienschiffes „Gaulois"" angekommen. Sie sind in ein Militärspital gebracht worden.
Stockholm, 10. Jan. 'WTB.) Nach Statistiken über die schwedische Handelsflotte in den Blättern verringerte sich deren Bestandteil an Schiffen im Jahre 1916 um 102 Fahrzeuge mit 66 958-Tonnen.
Der Reichsausschuh zur Prüfung der Verträge über ttrieislieferungen.
Berlin, 9. Jan. (Amtlich.) In der Reichstagskom- mtssion zur Prüfung von Verträgen über ÄwiegSlreferungen, die am 9. Januar 1917 unter dem Vorsitz des Stellvertreters des Reichskanzlers ihre zweite Sitzung hielt, berichtete ein Vertreter des KriegsmimsteriumS über die Entwicklung der "Grundsätze und Methoden für Lieferungen und Leistungen im Bereiche de - Waffen- und Munitionsbeschaffungswesens i,i einem längeren Vor trage, in dem besonders eingehend dargelegt wurde, daß infolge der ungeahnt großen Anforde- rungen des gegenwärtigen Krieges oie im Frühen für den
Kriegsfall getroffenen Vorbereitungen sich als unzrrreichend > erwiesen haben, wie infolgedessen in kürzester Frist alle Be-I stinnnungen geändert, zahlreiche neue Verträge abgeschlossen! und neue Fabrikbetriebe eingerichtet werden mutzten, und j daß dies alles eine große Preissteigerung zur Folge gehabt I hat, die aber jetzt durch die Bemühungen des Kriegsministt-j riums in den Grenzen des Möglichen behoben worden sei.
Während der anschließenden Aussprache'übte ein sozialdemokratischer Abgeordneter an dem Besckstfffungswesen eingehende Kritik. Er bemängelte besonders, daß infolge mangelnder Voraussicht am Anfang des Krieges große Unsicher-- heit, ungeheure Preissteigerungen, zum Teil durch das Da- zwischentreten unnötiger und unberufener Zwischenp-ersvnen, und Arbeitslosigkeit eingetrefcen seien. Er forderte eingehende Vergleiche mit den Friedenspreisen und berührte zahlreiche Einzel fragen, deren Prüftrng zugesagt nmrde.
Ein national! cheraler Abgeordneter äußerte Zweifel, ob die Organisation ausreichend vorbereitet gewesen sei. Demgegenüber wies der Vorsitzende daraufhin, daß die Schwierigkeiten-am Anfang des Krieges z. T. auch durch die Unsicherheit veranlaßt worden seien, die damals im Erwerbsleben über die Kriegsdauer bestanden und zur Zurückhaltung von Kapital und Kredit geführt hat; jetzt seien diese Schwierigkeiten längst behoben. '
Ein Departeinentsdireküir des Kriegsministeriums wachte Mitteilungen über die MobilmachungSvorarbeiten und den Verlaus der Mobilmachung aus dem Gebiete des Beschaffungswesens. Ein konservativer Abgeordneter knüpfte hieran die Bemerkung, daß sich aus den Erfahrungen des Krieges die Mtwendigkeit einer intensiveren Vorbereitung der wirtschaftlichen Mobilmachung ergebe. Die Aussprache wird fortgesetzt werden, sobald ein Abdruck des einleitenden Vortrages den Mitgliedern der Kommission zugegangen sein wird.
Sodann berichtete ein Vertreter des Kriegsministeriums über die Beschaffung des Pionierbedarfs.
Am 10. Januar wird die Kommission die staatlichen Werkstätten in Spandau besichtig en.
Krlecjs?agu:ig öe$ tzarr'abunder.
Berlin, 10. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die Kriegstagung des Hansa-Bundes, die heute in Berlin in den Räumen des Lehrervercinshauses unter ganz allgemein starker Teilnahme ans allen Teilen Deutschlands stattfand, wurde von dem Präsidenten des Hansa-Bundes, Geh. Justizrat Prof. Tr. Ries s er mit einer Ansprache eröffnet, in der er der gewaltigen Arbeit aller wirtschaftlichen Stände während des Krieges rühnrend gedachte und dann aus die großen Ausgaben, die den wirtschaftlichen Ständen nach dem Frieden entstehen. Jetzt gelte es, hart aus hart zu setzen. Trotz mancher Bedenken stimme er jetzt, so führte der Redner unter jubelnder Zustimmung der Versammlung mrs, für die Anwendung aller, auch der schärfsten K r i e gs mi t te l. Der Redner schloß unter begeisterter Teilnahme der Versammelten mit einem Hock/ auf Kaiser und Reich.
Die Reihe der Berichte über die deutschen Verriss stände unb bert Krieg, die Kriegsaufgaben und Friedensaussichten eröffnete Reichstagsabgeordneten Dr. Böhm c, der die schweren morgen und die Last der Kriegsarbeit in der Landwirtschaft anschaulich schilderte, die besonderes den kleimm Landnwrun und die Landsrau drückt, und der dairn die Aufgaben der deutschen Landwirtschaft in der Zukunft in großen Umrissen zeichnete. Starke Stimmung begleitete die Ausführung des Redners.
Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte die Bersanvmllrng den Darlegungen des Generaldirektors der Ludwig Löwe 6- Co., A.-G., Justizrat Tr. Waldschmidt, der die Kriegsckusgaben der Industrie, ihre Umstellung durch und für den Krieg, ihre Arbeit mit Ersatzstoffen, die neuen Methoden lind die Rationierung der Rvh- toffe, unter dem Mangel altg-eübter Arbeitskräfte, schilderte und mit einem zukunftssrohen Ausblick auf die unverwüstliche Lebenskraft der deutschen Industrie unter jubelndem Beifall die Versammlung schloß.
Ter Präsident der Handwerkstatnt er Berlin, Obermeister Ra ha r dt, berichtete über die Lage des deutschen Handwerks, der Vizepräsident des Hansa-Bundes, W i t t h ö f f t - Hamburg, gab aus eigenen Erfahrungen als Leiter eines großen Exporthauses eure Tafftellung der Schikanen und Vergewaltigungen, die der deuts dyc Außenl)andel durch unsere Gegner erleidet.
Am Nachmittag fanden vor einer fast noch größeren Versammlung Vorträge der Reichstagsabgeordneten Naumann und Frhr. von Richthofen über Mitteleuropa und die deutsche Weltpolitik statt.
Aur dem Reiche.
GeneralSbetriebsleitunge»» West und Oft.
Berlin, 10. Jan. (WTB. NickMm.tlich.i Tie „Norddeutsche Allgenteine Zeitung meldet : Wie wir erfahren, hat der preußische Eisenbahmninister in Aussickit genommen, die Aufgaben der von ihm in Saarbrücken und Berlin eingesetzten Oberbetriebs- teitungen dadurch zu eriveitcrn, daß ihnen die Ueberwachung der gesamten Berkehrsbewegung in ihren Bezirken übertragen ivird. Sie sollen dahin wirken, daß unnötige Transporte unterbleiben und unzweckmäßige besser geregelt werden. Die Ausgabe soll in ständiger Fühlung mit den Berkehrsinteressenten, den .)bri«Asver- soryungs- und den in Betracht ko amtenden militärischen Stellen gelöst werden. Wo im Wege der Verständigung mit den Verkehrs - interessenten das Ziel nicht erreichbar ist, wird gegebenenfalls zu ZwaugsmaßiNahmen (Verkehrssperren usw.) geschritten werden müssen. Im Hinblick ans ihre erioefterten Beftlgnisse führen die Oberbetriebsleitungen fortan die Bezeichnung „Generalbettiebs-i leitung des Westens"", telegraphisch abgekürzt G. B. L. W. und „Generalbetriebsleitung des Ostens"", telegraphisch abgekürzt G. B. L. O.
Beschleunigung der Getreideablieferungen.
Berlin, 10. Jan. (WTB. Amtlich.) Die Re ichsge treibe - stelle teilt mit: Die Höchstpreise für Roggeri und Weizen ernmßigen sich nach dem 31. März um 15 Mcrrk für die Tonne. Maßgebend für die Berechnung der Höchstpreise ist der Tag der Mlieferuitg des Getreides. Nach dem 31. März darf auch in solchen Fällen der bisherige Höchstpreis nicht mehr bezahlt wenden, in denen eine ftühere Äblieserung insolge von Unfftändeir immöglich war, die die Getreidebesitzer nicht vermeiden und nicht vora.ussehen konnten. Die zurzeit schvn bestehenden großen Schwierigkeiten der Eisenbahnwagengestellung, durch die an munchen Stellen auch Kohlenmangel hervorgernfeii ivird, dürfterr voraussichtlich in den nächsten Monaten besteheir bleiben. Sie werden si^k> naturgemäß noch verschärfen, werrn in den letzten Wochen vor dem 31. Dezember von allen Seiten Eisenbahrl- wagen für Getreidcverllrdungen angefordert werden. Deshalb wird den Getreidelieserern dringend empfohlen, so schnell als möglich ihr Getreide auszudreschen und zarr Ablieferung zu bringen. Es rnnß davor gewarnt werden, bis in die letzten Wochen des März mit den Getreidelieferungen zu warten.
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Berlin, 10. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Bei allen Grenzübergangsstellen findet eine genaue Prüfung des P a p i er g e l d e s der ein- nrcd ansreffenden ^Reisenden statt. Es wird daher empfohlen, zugunsten einer raschen Grenzabfertigung eine möglichst gerrnge Zahl von Sckieinen, gegebenenfalls solche von höherern Wert, mit sich zu führen. Bei dieser Gelegenheit wird auch auf die bestehenden Ausfuhrverbote von Gold- und Silbergeld hingewiesen.
Nriegsbriefe aus dem westen.
Von unserem Kriegsberiäftefftatter.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Die ersten Rumänen im Westen.
Großes Hauptquartier, den 7. Jarruar. Als ich- heute abend bei einrr längeren Fußwanderung durch lmrpverlgebiet an einen enllegenen KleiubalMhof kam, wunderte '.ch muh über das lärmende Stimucengewirr, das mir von weitem enLgeycnjcklug. Tie ganze Dorfbevölkerung war aus den Beinen und rimstcurd den Zaun der Station, um sehr angeregt an einem Schaulptele teilzunehmen, von. dem ich einstrvcllen nichts wahr- nehmen konnte. Es handelte sich aber offenbar um mre ganz oesonoere, ungewöhickiche Sache, Vas sah ich dem Benehmen der an. Als ich, fragte, was es gäbe, erhielt ich die für das drrttt KrregSiahr bezeichne-nde Antwort: ,,Boilä, c'est Pourtaut la verrte la moumanie e)t caputte."" Dannt rvies man aus eünm. Transpott rumänischer Gefangener. Bezeichnend nenne ich diesen Ausspruch, nrcht nur wegen des im Laufe dieses langen Krieges neb,t manchem anderen in die Umgangssprache des Ostfranzosen eingedrungenen Freindwortes „kapritt"", sondern vor allem wegen oes -2tveiftick.lt es. u^elches diese Wotte aut die TenklMgsweijiö der mesigen Landbevölkerung toersen. Wir könmen oon unserem Steges sturm durch, Mrmänien berichten, tvas toir wollten. Ter lnedere Champagneban er sagt sich: jawohl, das Papier ist
geduldrg. Wre soll denn das möglich fern, daß Deutschland, mit <yranlveirf- l( , England, dem riesigen Rußland vollauf beschäftigt, min -auck, noch Rumänien in wenigerr Monaten' zu Boden schlagt, ,ohne daß Frankreich;,, England und das riesige Rußland dem neuen Verbündeteir Helsen? Das glaube ich einfach nicht. Die „Boches" mögen verküuderr, so oft sie tvollcn, daß sie in Bukarest erugezvgeu sind. .Jch^ glaube es einfach nicht."" Aber wenn er dann ern paar Hnudett rumänische Gefangene plötzlich in seinen Cham- paguedörsern anftauchen sieht, darrn bettachtet er die Weltgeschichte mrt den dlugen des Marmes, der nur seinen eigenen Beobachttmgen vertraut, aus ^einmal ganz anders. Tann glaubt er den Beweis öp Haben, daß Rumänieri vernichtet sei. Tann hat er haud<rreifliche Tatsachen, die er sich nicht ausveden läßt. Sie bleiben ein wunderliches Bölkchien, die Franzosen, im Oßrnzen und im Einzelnen. Wenn^ an der Somme ein deutscher Schleier graben geräumt wird, so äußert sich! das in vcrstärltenr Andrange zu den CmrgraUtenz ik\en in Sedan und Maubeuge, weil die dortigen 'Ein- wo Huer fürchten, angesichts dieser „Fortschritte"" der Verbündeten demuachist von den Geschützen ihrer eigenen Larrdsleute bombardiert. Lu werden, llnd wenn in der Champagne 500 gefangene Rumänen erscheinen, sagen die Bauersfrauen: „Der Krieg geht z:i Ende. Deutschland zerschinettert die ganze W?lt. Die Champagne lvttd ein Departement von Wilhelms Rheinprovinz. Nun, desto bener ftrr uns, loenn wir nur endlich, unsere Männer und Söhne aus dem Felde wiederkriegen.""
^ hatte hinlänglich Zeit, mir die Rumänen zu besehen. Ich batte sie ohne die weiße Arindinlde, die sie als Kriegsgefangene reunzerchnete, nicht erkannt.^ sondern für Oesterreicher halten nrüs- san,! aus die große Aehnlichkeit der blaugrauen Fekduniformenj im>eres jüngsten Feindes mit der seiner ehenialigen Verbündeten aus den Tonaumvnavchien ist ja in den rflchnänischen Kriegsberichten^ oft hiugewiesen worden. Es hxiven überloiegeud stcrttlick>e Märmer von uns srenidattiger C-csichtsbildung. mit ziemlich aufgedunsenen Backen und Stirnen, breit und formlos verläuferrdim dunklen Brauen imd Augen, die ver au ollen oder verkuiffen schienen, jedenfalls nicht offen und frei blicken konnten. Das war der Eindruck, der sich mir ergab, nachdem ich versucht hatte, einige Dutzend detv vorüderziel-cnden Rmnänen auf das Genreiusanie und Topische ihrer Effcheiirung zu prüfen. Solch ein Eindruck ist ein vvrillwr- gehendes Erlebnis, das zu vecaltgenieiuern man sich nach dem! weisen sranzösisckten Sprichwort „ganerallser c'est sausser" lßcken soll. Meine Beobachtungen wurden auch dadurch beeinftüßt, daß ich gerado an diesenr Tage in einem Gebiete gewandert war, wo der fränkische Einschlag in der Bevölkerung besonders liervortritt und mir der selbftbeivußte Anstand der Mädchen, der Helle Blick der Buffchen und die kluge Leben satt der Allen in jedem Dorfe ausgefallen war. Danach kamen die Rumänen bei nnr vor einen voran,genommenen Beurtttler. Schneller aber, als ich gewagt hätte, ineine Meinung zu äußern, waren die svanzösischen Dorffchönen nrrt ibrer Abschätzung fettig. Tenn neben mir ries eine kräftige Landes- Tockäer ganz laut und unbeküinmett: ,pn divatt, qu'cks ont fcous des veux de euckpn, oes homines lß,"" — „man möchte sagen, daß sie alle Schweinsangen haben, diese Männer da."" Ihre Freundinnen! belachten und bekräftigten die liebenswürdige Bemettimg. Arm« Verbündete, dachte ich Es wäre nötig, euer Land in so viel LVriegs- unglück zu stürzen, mrt im ritterliä-en Frankreich diesen Empfang zu ftnden!
Ich loendete mich an die deutsche Begleittuamtschaft, sächsische Landstürnter, noelche die Gefangenen auf der unendlichen Bahnfahrt quer durch «wnz Europa bis hierher gebracht halten und sie nun an ihrem nahen Bestimmungsort abliefecn sollten. Von i hnen, erfuhr ich. daß der Trans Pott aus lauter Bauernsöhnen und geleritten Landarbeitern ziusantniengestellt war, die in einigen von ihrer Bevölkerung völlig verlassenen französischen Dörfern im! Etappengebiet die Wecker bestellen sollten. .Ich fragte, ivie sie sich! denn mit ihren Gefangenen verständigten? „Nn, wir reden teuffch mit der Gesellschaft. Wer's nicht veffteht, sollls lernen. Ter Jagdhund lernt sein Kommando doch auch, und mehr Intelligenz als in einem Jagdlstind ist in den Kerlen auef) nicht."" Ganz treicherzig fulft er fort: „Sie müssen nämlich nicht l>enken^ daß wir die Leute unterschätzen, tveil wir ihre Sprache nicht verstehen. Ick) habe beim ^Bornmrsch in Frankreich gekämpft tmdi kann das' notwendige Französisch. Ich tvar in Flandern, na, das war ja für mich als Sachse nicht viel anders, als wenn ich niit Hamburgern hätte sprechen müssen. Ich Hab' Engländer nc der Mache gehabt, die konnten, wenn sie woltten, und ich Hab' ihnen dafür gesorgt, daß sie den guteil Willen hatten. Ich Hab' dann im Osten mit den Panjes auf Russisch verkehrt, und das ist ganz gut gegangen. Aber wie nrir nun nach Rumänien gemacht haben, da Hab' ich mir gesagt: Nanu ist Schluß. Diese Zigeunersprache zu lernen hast du als geboreirer Oschatzer nicht nöttg. Die sollen Deutsch lenren. Warum lvaven sie Narren und haben den iMeg angesangen?"" Mich die übrige Begleitmannschaft hatte eine schlecht Meinmrg von den Rumänen. Die Kerle seien stumpfsinnig, wie eine Herde. Große Knochen hätten sie, aber bei der ersten Arbeit lvürden alle schlapp. Arbeiten hätteir sie nicht gelernt. Als der Transpott- zing ülrer den Rhein gefahren sei, hätte man versucht, auf deutsch^ russisch und ftanzosisch den Gefangenen llar zu nmchen, tvas der deutsche Rhein sei, aber keiner hätte es begriffen, denn unter« den Fünfhundert sei keiner, der außer seinem heimatlichen Banern!- dialett ein ftemdsprachiges Wott verstehe. „Illtd einen Univeffitäts- professor aus Leipzig, der vielleicht rumänische Zigeuncrfprach« kamt, haben sie uns zu dem Transport iricht zugegeben.""
Man denke sich das Bild, wie der effte rumänische 9^esan- genenzug über die Rheinbrücke rollt und die sächsisck>en Landstürmer den walachischcn Bauernkneästen llarmachen wollen, was uns,' s>er deutsche Rliein ist. Ich glaube, das ist einer jener Augenblicke aus dem Weltkriege, den erst unsere Enkel in seiner vollen Bedeutung begreifen rverden.
Die Verladung ging langsam vor sich. Jnznstschen sah sich einer der Sachsen genötigt, die sich zu laut gebärdende ftcmzösischc Lattdbevölkettmg, die sich das Schauspiel mit llärnrender Neugier wie der, Transport einer Meimgerie nie gesehener Tiere betrachtete, höstichst zurechtzutveisen. Ich dachte wieder: Attne Verbündete des ritterlichen Frankreich? Denn der Sächsle sagte Franzosen in verständlichem Frmtzösisch, sie sollten bedenken, daß dies (befangene und außerdem Verbündete Jckankreichs seien. ?lher die hochaufgeschossene Bauerntochter erwiderte ihm, daß sie diese „Bstes"" nicht gerufen habe und daß es vielleicht besser gewesen win^e, wenrt Runränien den Krieg nicht begonnen hätte, da MLN dann vielleicht sckwn den Frieden hätte, llnd sie fügte, von ihreit übermüttg lachenden Freundinnen untersttltzt, keck lstnzu: „Avs sind sie häßlich, diese rumänisck)«n Dnmmköpfe, die Sie un-^ hier herbringen. Bringen Ssie ims lieber unsere Dorfjimgnr.'düi drüben in den Schützengräben liegen, die sind viel hübscher? Mer," so schloß sie kokett, „Ihr Deittsä>en seid gleick>crmaßen span'ille- ment) hübsche Jungen."" Worauf der lvettgewandle Sackste die


