Ausgabe 
2.1.1917 Erstes Blatt
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

Der Wortlaut der Note.

Presseftimmen zur Antwortnote der Entente.

Varis' 30. Dez. 'Meldung der Agence Havas.) Die Ant- I, ^rNn, 2 F<m, Zur Mlehnung des Friedensängebotes Uvrt der Alliierten aui die Mtc der feindlichen Machte betreffend S5* ' CTtölä *** ® Tte3ttie es imBerliner,

oen Borlchlag auf Eröffnung von Friedensv erhgndlungen ist beute ^ ö an' JiL' irTwmft jvmr _ c~L _-_j, CTn::n_ I Wer batten

^»end dem Botschafter der Bereinigten Staaten durch Minister prai ident Briand im Namen der alliierten Negierungen von Belgien,

Wir hc^cn gern dasFriede sei mstt dir"' über die Pfortck des neuen Jahres geschrieben, aber die Ententemächte haben es

Frankreick), Großbritannien, Italien, Japan. Montenegro, P-or-1 gewollt. Sie hefteten eine Antwortnote an das Tor, die

tugal, Numänien, Rußliud und Serbien übergeben worden, ver-1 narc schroffe, nicht umzudeutende Ablehnung des emigt zur Verteidigung der Freiheit der- Völker und lmt der ein- Friedensangebotes ist. Wer in der Welt, bei uns und draußen,

kann daran Zweifeln, daß die Pläne der Entente, die aus die

gegangenen Verpflichtung, nicht vereinzelt die Waffen nieder-,^ - . - , --- n- -, ~~.

zu l egen. ^ie 'aben beschlossen, gemeinsam auf die angeblichen I okrltilcielung Deutschlands, Oesterreicb-Ungarns und der Türkei friede ns Vorschläge zu anrwvrren, die ihnen seitens der feindlichen I sichtet sind, von dem starken, sturmfesten, vollberechtigten Selbst- Regierungen durch Vermittlung der Vereinigten Staaten, Spa-1 vertrauen und tiefer (Vaterlandsliebe beseelten deutschen Volke mens, der Schweiz und der Niederlande ülergeben worden und. entschlossen abgewehrt iverden! Ohne mit der Wimper zu zucken, Vor jebrr Antwort halten sich die alliierten Mächte für ver-1 ^rd es die eigene Existenz verteidigen. In der Note der Entente v'lichtet, gegen die beitrrl iwsentlicl-en Behauptungen der Note der I noch einer Wendung, die kein absolutes nein spräche, -u spähen, feindlichen Staaten Einspruch zu erheben, welche auf die Alliier- war ekindlich.

^n die B e r a n t w o r t u n g für denKrieg abwälzen wollen und die den Sieg der Zentralmächte verkünden. Die Miierten

Ter Berliner Lokal an feiger" sagt:

Es gibt wohl leinen Menschen in Deutschland, der nicht in

können dieie doppelt unrichtige Behauptung nicht zulassen, die ge- I letzter Zeit mit der Ablehnung des deutsck-en Friedensangeirotes eignet ijt, ieden Verhandlungsoersuch zur Unfruchtbarkeit zu ver-! gerechnet hätte. Es wird deshalb niemaichen erschüttern, daß urteilen. wie alliierten Nationen ertragen seit 30 Monaten einen! sie erfolgt ist. Aber das größte Erstaunen muß überall die Be- Nrieg, zu dessen Vermeidung sie alles getan haben. Sie haben durch! gründimg erregen, denn ihre Unwürdigkeit, Leichtfertigkeit, Lügen- utaten ilwe Anhänglichkeit an den Frieden nachgewiesen. Diese I Hastigkeit und Einfalt stehen in einem so schroffen Gegensätze zu un Hang I ich teil ist Kfct ebenso fest wie i:n Jahre 1914. Nachdem I oeit furchtbaren Ereignissen, die sie zr Fuolge haben muß, daß es

Verpflichtungen verletzt Hai, kann der von ihm ! schwer* erklärlich ist, wie zehn ernste Männer ihre Namen unter gebrochene friede nicht aut sein Wort gegründet werden. Eine An-> dieses Schriftstück lsaben setzen können, ohne zu erröten. Die

Antwort kann nur aus den Schlachtfeldern er­teilt werden. Die letzte Hand, die sich rühtren kann, muß

reg lungen

✓Lin-iix. o*- ltl- jiiuji uui icui ä'üu gcgriiiim r weroeii. Eine A.N-

ung ohne Bedingungen für Eröfftumg der Vorhand­en ist kein Friedensangebot. Tiefer angebliche Vor-

l**«? ^uauigkeit eni I den Feind mitschlagcn, muß unseren Feldgrauen und unseren Blau-

behrcnd durch die kaiserliche Regierung in Umlauf gesetzt wurde, erscheint weniger als ein Friedensangebot, denn als ein Kriegs- manöver. Er beruht auf der systematischen Verkennung des Charakters des Streites in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft.

Mr, die Vergangenheit übersieht die deutsche Note die Tab fachen, öie Taten und die Zahlen, die feststellen, daß der Krieg ge­wollt, bervorgeruftn und verwirklicht worden ist durch Deutsch­land und Oesterreich-Ungarn. Im .'Haag war es ein deutscher

jacken zum Siege helfen.

TieBo s s i sche Zeitung" äußert:

Ailf diese höhnisch,che, mit der Auswärmung. und mit der Auf­tischungen neuer Verleumdungen arbeitende Ablehnung unseres Vorschlages ist für Misere Regierung und für unsere Verbündeten die Möglichkeit des weiteren Ver Handelns ge­schwunden.- Auf diese brutale Zurückweisung jeder Verkürzung des Krieges im Sinne der Menschlichkeit darf cs nur die.eine Antwort geben: Energischer Kampf, bis das kühle Eisen unserer

m^rnr rrpfrf?V? 3uli I Ävfftn die Fiebert emperatur unserer.Feinde wieder dem normalen

i*!' n ^ em ö <m Serbten ein I Ausdande wtbe Men nmb.

beilpiclloses Ultimatmn g«enchtet l?atte, diesem den Krieg erklärte, trotz der sofort erlangten Genugtuung. Tie Mittelmächte haben, darauf alle Versuche zurückgewiesen, die von der Entente gemacht wurden, um dem örtlichen Streite eine friedliche Lösung zu ver­schaffen. DaS Konferenzangebot ^Englands, der französische Vorschlag ernes mternationalen Ausschusses, die Bitte des Kaisers von Ruß­land an den deutschen Kaiser um ein Schiedsgericht, das zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn am Borabeirde de zustandegekornnvene Einvernehmen lententel

Ein Neujahrserlaß des Kaisers.

Berlin, 30. Dez. <WDB. Amtlich.)

Amtlich.

An N^ein Heer und Meine Marine?

Wiederunr liegt ein Kriegsjahr hinter uns, hart an Kämpfen Konfliktes I und Opfern, reich an Erfolgen und Siegen.

Die HossTtungen unserer Feinde auf das Fahr 1916 sind zu

alle diese An

strengungen sind von Teuftchland ohne Antwort und ohne Folge schänden geworden. Alle ihre Anstürme in Oft und West sind passen worden. Belgien ivurde durch, ein Reich überfallen, das an Eurer Tapferkei ' '

seine Neutralität gewährlei,bet hatte, und das sich nicht scheute, Ter jüngste S

erklären, daß VerträgeFetzen Papier"" wären und daß! Fügung wiederum mwerwelktiche

Not kein Gebot" kennt. Für" die "Gegenwart stützt "sich' das An' erbieten Deutschlands auf eine ausschließlich europäische

Tapferkeit und Hingabe zerschellt!

Der jüngste Siegeszug -durch Rumänien hat durch Gottes

Lorbeeren an Eure Fahnen

geheftet.

ie größte Seeschlacht des Krieges, der Sieg am Skagerrak,

Q, * p 2p , ./ / y* _ . M w ' ' . ' V ys V* U 1 VA/ -V-L- IV. t U wvu|kl,|iua,l vvv OtLL^^wX?/ Uvl U-Ill l C L Lvi l,

t£C k ? ir vorübergehenden, und die kühnen Unternehmungen der U-Boote haben Meiner Ma-

Lchern der Lape und nich,^ die wirkliche -stärke der Gegner ausdrückt Frrede, der unter solchen Voraussetzungen geschlossen wird würde emzigi bai Angreifern zum Vorteil gereichen, die geglaubt hatten, ihr Ziel in zrvei Monaten erreich-en zu können und nun nach, zwei Fahren bemerkten, daß sie es niemals erreichen werden Für die Zukunft verlangen die durch, die .Kriegserklärung,

Deutichlands verursachten -Verwüstungen, die zahlreichen Atten- Ate. die Deutschland mW seine Verbmrdeten gegen die Kriege führenden und gegen die Neutral-eii verübt haben, Sühne Wiedergutmachungen und Bürgschaften (sanction.' repanativns, garanties).

Deutschland weicht listig dem Einen wie deni Anderen aus Fn Wirklichkeit ist die durch die Zentmlmächte gemachte Eröff­nung weiter nichts, als ein woUberechneter Versuch, auf die Ent- wickebung des Krieges einzuwirken imd zum Schlüsse einen deut 'chen. Frieden cmfzunötigen. Sie beabsichtigt, die öffentliche Mein un g in den alliierten ndern zu verwirren. Diese Meinung hat aber trotz aller Opfer schon mit bewundernswerten Festigkeit geantwortet imd die Hohlheit der feindlichen Erklärung ms Licht gestellt. Sie will die öffentliche Meinung,

D e u t j ch l a^n d s und seiner Verbündeten stärken, die schwer ge

rine Ruhm und Bewunderung für alle Zeiten gesichert.

Ihr seid siegreich auf allen Kriegsschauplätzen zu Lande wie zu Wasser!

Mit unerschütterlichem Vertrauen und stol-er Zuversicht blickt das dankbare Vaterland auf Euch. Der unvergleichliche kriege­rische Geist, der in Euren Reihen lebt. Euer zäher, nimmer ermat­tender Siegeswille, Eure Liebe zum Vaterlande bürgen Mir dafür, dcsß »der Sieg auch inr neuen Jahre bei unseren Fahnen bleib-eii wird! Gott wird auch tveiter mit uns sein!

Großes Hauptguartter, den 31. Dez. 1916.

Wilhelm.

Ein Telegrammwechsel zwischen dem Kaiser und der Kaiserin.

Berlin, 1. Jan. (WTB. Amtlich.)

Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, Potsdam

Neues Palais.

Unsere braven Truppen von allen^ deutschen Stämmen und unsere wackeren Verbündeten haben unter bewährter und tatkräftiger Führung Rumänien bis am den unteren

Da durch ihre Verluste, zermürbt durch die Wirtschaft- Sereth vom Feinde gesäubert. Die starke russische Hilfe liche Not und zmammengebrochen unter der äußersten Anstrengung, reichte nicht aus, sie kam zu spat, die Entscheidung zu wen

die von ihren Völkern verlangt wird. Sie sucht die öffentliche Meimmg der neutralen Länder zu täuschen und einzuschüchtern

die sich schon seit langem über die ursprüngliche Verantwortlich^ rüdHcaettbe Kriegs feit cm Urteil gebildet hat, die nch über die gegenwärtige Verant-1, e rui ie0 ^ n ? e .

den. Verheißungsvoll schließt damit das alt-e Jahr! Dankbar gegen Gott und swlz auf Deutschlands Kraft blicke Ich auf eit, sowie voll Vertrauen in das

wortung klar ist uno die zu hell fteht, um die m begünstigen, indem sie die Verteidigung der menschliÄn Frei heüeu preisgibt. Sie versucht endlich, vor den Augen der Welt mr voraus die -reuen Verbrechen ,des Unterseebootkrieges, die Verschleppung von Arbeitern und die gewaltsame Aushebung von

i^^^DLtsch'la^ | kommende Jahr, auch weiteren Kämpfen und mit Gottes

Hilfe neuen Siegen entgegen. Wir halten durch!

Wilh elm

Seiner Majestät, Großes Hauptqua-rtier.

Wie dankbar und stolz bin Ich mit Dir auf unsere

Staatsangehörigen gegen ihr eigenes Land, sowie die Beftetzlmg der I braven Truppen, denen Gott beiftaud, bis an den Sereth

Neutralität zu rechtfertigen.

^ t _ 1 siegreich vorzudringen. Auch im Rückblick auf das ver-

^ ^ ^ ^".twendig- fl offene Jahr 1916 kannst Du dankbar und stolz sein. Schwer, rt bet stunde lehnen es dre all,.orten Regrerun.^1^ '^hr schwer war es, Icher Gott hat bisher dnrchaeholfen:

er helfe auch weiter und gebe uns schließlich den Sieg, der

__ Mein Neujabrswunsch für Dich ist. Der Herr erhalte Dich

und ohne'Bed'eu tu ng'z"u befassen? Sie'versichern'noch! und die Kinder und unser teures Vaterland, einmal, -daß ein iFricde nicht möglich ist, solange sie nicht die Gewähr haben für Wiederberstellung (Reparation) der verletztm Rechte und Freiheiten, für die Anerkennung des Grundgesetzes der Nationalitäten und der -fteien Existenz der kleinen Staaten, solange sie nicht sicher sind einer Regelung, die geeignet ist, endgültig

«fÄtfeltdyK'SW'SW«» B

feiten __

gen, die unter sich eng verbunden und in voller Uebereinstimmun g mit ihren Völkern sind, ab, sich mit einem Vorschläge ohne Aufrichtigkeit

iktoria.

*

Die Wiederverleihung der Heeresfähigkeit.

Berlin, 30. TeAember. (WTB.) Am 25. Dezember wurde eine allgemeine V e r s ü g u.n g des JUftizministers, des

haben, !und die einzig wirklichen Bürgschaften für die Sicherung der Welt zu geben.

Die alliierten Mächte halten darauf, zum Schluß die folgenden Betrachtungen anzuftellen, die die eigentümliche Lage! hervorheben sollen, in der sich Belgien nach 2^jährigem K'riege beftndet: Krsft der durch die fünf Großmächte Europas, unter denen sich auch Deutschland befand, Unterzeichneten Verträge er­freute sich Belgien vor dem Kriege einer besonderen Satzung, die sein Gebiet unverletzlich machte und es selbst unteü den Schutz

Wiederverleibung der Heeresfähigkeit erlassen, di in der Hauptsache folgendes bestimmt:

Es soll geprüft werden, welchien Personen, die infolge Ber- urteilimg zu Zuck)thausstrafe oder Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte oder Entsermmg aus dein Heere die Fähigkeit zum Dienste im Deutschen Heere nicht besitzen, durch Erwirkung von GnadeneNveisen und, soweit sie Freiheitsstrafen noch- verbüßen durch, Beurlaubung aus der Strafhaft die Möglichkeit geboten werden kaim, ins Heer einzutreten. Die Prüfung erstreckt sich aus

Konflikten stellte Gleichwohl Personen^ deren mangelnde Heevesfähigkeit auf Urteilen von preu- Verträge denerften Angnff fischen Zivil gerichten oder Militärgerichken der preußischen Kontin- Deutschlands über sich "Sehen lasse n m üssen. Deshalb halt es die I c\^ 2 bericht. In Betracht komnven mit kriegsverivendungsfähige-

Notwendig, genau den Zweck aus^ I Personen im ivehrpslichtigeir Alter, die abgesel-en von der den Kamm' an 12 £ m ' Mangel der Hceressälftgkeit begründender BerurteUimg keine oder

^ de« Gmchttgkeit Älgies7h°t'imm^ Pölich ^ »»Mtmsmiißig zetingc Straftm erLtte,, haben und in ihrem

Pflichten beobachtet, die rhm seine Neutralität auferlegte Es hat! zu den Waffen gegriffen, um seine Unabhängigkeit und seine Neutra-

Verhalten während der Strafhaft oder nach der StrafentlassunN das ernste Bestreben zeigten, ihre Schuld durch gute Führung und ehrenhaften Lebenswandel zu sühnen. Grundsätzlich, ausgeschlossen sind insbesondere Personen, die zu eine: zweiten oder ferneren Zuchthaus- oder Ehrenstrafe verurteilt sind, oder die nach der Art

Utät zu verteidigen, die durch Deutschland verletzt worden sind, und um seinen intcrnaüonalen Verpflichtungen treu zu bleiben..'

^eser An^iis ^ baß I oder den Umständen der von ihnen begangenen Straftat als <y^

im ^olkarrecht sei und höt uch werbö- oder gewohnheitsmäßige Uebeltäter erscheinen.

rÄÄÄÄ WJ" r Wtjug^veife «er.

durch die .Kriegsmaßnahmen und v. ^ I

mittel

seine Städte und Dörfer zerstört und die NiedermVtzelungen"'die

mtl welche die sM I rÄfaä* JtaSriS

I «chlep Verwirrung rni*rid;nen. Ties ,mrd in der Regel mr dann ^

^ ^bdermktzelungen, die zunehmen sein, wenn auf eine im Verhältnis ÄMi irestmlichen

hcftfeit spricht, führt es belgische Bürger zn Tausenden weg und vrmgl sie in Lklaverm. Belgien hat vor dem K'riege nur danach aestrebt, m gutem Einoecnehmen mit allen seinen Nachbarn zu ^ben. &anJlimig und ,nne Regierung haben nur ein Ziel- Tie Wiederherstellung des Friedens und des Rechtes'. Aber sie wollen nur einen Frieden haben, der ihrem Lande berechtigte Wieder­gutmachungen Eeparations) Garantten und Sicherheiten für die Zukunft verbürgen würde.

aber ohne Rücksicht auf ihre Höhe besonders dann, wenn daneben die bürgerlichen Ehrenrechte nicht aberkam.t worden sind. Bedarf es neben der Widerverleihung der HeeresMgkeit oder der bürger­lichen Ehrcmvechde auch einer Beurlaubung aus der Strafhaft so kann die Erwirkung des Gnadenerweises erst dann in Aussicht genommen averden, wenn der Verurteilte bereits einen erheblichen Teil seiner Straft verbüßt hat. Handelt es sich um Personen welche die Heeresfähigkeit dauernd verloren haben ($ 31 B Skr- E /B , 8^ 31 32, 42 Abs. 1 M -Str.-G.-4.) und zugleich unter Wirkung des Verlustesl der bürgerlichen Ehrenrocht« stehen, so kommt die Wiederverlethung der Heeresfähigkeit nur in Verbindung mit

j>er Wiederv-erlechung auch der bürgerlichen Ehrenrechte in Frage, imd nur wlche Personen vvrzuschlagen, die sich freiwillig um Heeresdienst bewerben. Für die geeignet gchaltenrn Personen ist Gelegenheit zu geben, ihren Wunsch vorzubringem " * *

Die KrönuttgSfeierlichkeiten in Budapest.

Bud a p e st, 30. Dez. Ueber die Krönungsfeierlich- ergänzend gemeldet: Das Innere, der ^cattyia^nrche, in der die Krönungsfeier stattfand, bot ein Bud unverglenchlicher Pracht und Herrlichkeit. Der Glanz oer von reichem Goldbrokat schimmernden Nationalkostüme, oie goldstrotzenden Uniformen der Würdenträger und der auswärtigen Vertreter, die herrlichen Toiletten der Damen waren ein Anblick, wie er in solcher Farbenpracht selten den Festgästen war auch Zar Ferdinand i Bulgarien erschienen, der auf einer Galerie Platz nahm. TOi* II A 1 v u ^ au ^ Ö ^ e Anwesenden machte die Zeremonie b J'l Ritterschlages. Als Erster erschien Graf Ludwig Tisza, ^^uder des Ministerpräsidenten, der insolge schwerer Verwundung in der Begleiiung eines Leibhusm:en in die bekommen war. Trotz seiner Verwundung ging er in ^ ^J tun 0 zum Thron, kniete nieder und empfing

hP^V f 6 ^ 0 ' Erschütternd war es auch,.als ein Sohn Ministers Baron Roszner, der durch schwere Verwun- vung ein Bein verloren hat uiid nur auf Krücken sich fort^ bewegen konnte, niederkniete, um den Ritterschlag zu emp- Als die Aussetzung der Krone vollzogen war, trat Graf Tisza als Palatinstellvertreter rief mit weithinschallender Stimme Mjen a Kiralv. ^u^a.v alle Anwesenden hütefchwenkend einstimmten. Die Hyfe tel1 sich auf der Straße fort. Donnernde Salutschüsse bildeten das Echo dieser begeisterten Huldigung, r ^^^Mendes Moment bildete die Eidesleistung auf s^ m a ^rtsplatz. Der König ging auf die Estrade vor der Krrche, der Primas verlas die Eidesformel, die der) K°mg unter freiem Himmel mit erhobenen Schwurftngern Wort für Wort tviederholte. Als er geendet hatte, donnerten ^T^I^^uen Kanonenschlünde Salutschüsse, es läuteten dir Olockemnne vieltausendköpfige Menschenmenge auf dem ^-^en Platze stimmte spoiitan die ungarische Nationalhymne mit .solcher Gewalt vn.o mit so tiefes Empfindung an, daß der König sich der großen Mhrung nicht erwehren konnte für die imposante Huldigung tiefbewegt dankte.

Der Ministerwechsel in Oesterreich.

Aus Wien wird ims geschrieben:

des Kabinetts Koerber und Spitzmüller kam so sich alliogleich gewisse politische Legendenbildungen »EkTo? bet: eigenen Seimat und vielleicht noch mehr im

dcr schwarz-gelben Grenzschranken Verhältnisse und über den Lsenskern ^ Mgemeinen l)erzlich schlecht

das ums in Wirklichkeit ^ Geburtswehen emes neuen besterreich waren, für ^rietzuM; man kemlt nicht das österreichische Problem, ^ ein Zukunftsproblem ist und sich

- übrigen Staaten geboteiven Sckmblone lösen

kerne ^otorfr^c ift, wndern nur durch die opferreichen Ersabrnngen ganzer politischer Generationen zu enrer gedeihlichen Losunggeüm^n kamr Die Unkenntnis diesar Tatsache bat die ä &i ?erCr ,^ I1ll)E ermuntert und so wesentlich zum Aus- Krieges beigetvagen. Ter feste Zusammenhalt und die unbedmgte Hingabe der -Oesterreicher an ihren Staat während des Kriege legte wohl emm per grüßten Rcchmingsfehler der Entente vloß und durfte auch das neutrale Ausland beioogeu ftrben, in! ^"kunftbei der Wertung mnerpolitischer Vorgänge in Oesterreiä mehr Vorsicht walten zu lassen, l'kber eine terra incognita bleiben wir dock) auch imseren Freunden und unbefangenen Nachbarn, und die eigeiitumlichen Verkehrsverhältnisse des .Krieges sind iiicht darmuh angetan, das Ausland rasch und grüirdlich eines besseren über den Ernftund dw ungeheure Schwierigkeit unserer politischen Anfgäben zu nnterrichteii.

... dieser bedauerliche Umstand >vird sich ja auck? jetzt bei den MiNilterwechseln wieder fühlbar macken. Und dock) solche ^richeinunyen für den gründlichen Flenner österreichischer V^haltniffe ganz frei von jeder Bedenklichkeit, imd sie uzären es leibst dann, wenn lw ,ich in nachltjer Jetit auch noch wieder^ holen rourden Man vergesse nicht, daß Oesterreich, nachdem walpriid der ersten beiden Kriegchahre politisch geruht hatte, nun- ur/m stadunn getreten ist, in dein es so zil sagen die politi- vieles Krieges zu liguidieven und alles, lvas diese Erfahrmigen zur Beantrwrtuna des staatsrechtlick^en Fragenkom­plexes beigetragen, in lebeiidige Praxis umznsetzeii hat. Man über- lehe vor allem anch nicht die Bedeutung des Throntvechsels dev cmen jungen Herrscher Vvll Tatkraft und Datfteude in deil Bordev. grund gestellt hat. In Oesterreich regt und rührt sich das Leben einer neuen Zeit, da drängt sich jetzt rn Tfige zusammen, was einst der Inhalt von Fahren ausmachft, und es ist wohl begreiflich daß eine mit solcher Beschleunigung fahrende Maschine über manche Persönlichkeit hiuweggeht, unv gelegentlich auch einmal ihren eige- nOi Führer abwirft.

Ein österreichischer Ministerpräsident hat, man verzeihe uns diese sck)cinbar überheblickxn Morte, lvirklich noch .muz andere Sorgen als irgend eiii aiiderer Minister in Europa. Die Sorgen, die der .Krie^ mit sich führt, die schwere.! Fiuanzlasten, das unge­wohnte Gewicht der ErnährungsPolitik, das drückt ia alle Staäts- mämier gleichmäßig: aber was harrt unserer Minister noch außer­dem? Ta haben wir vor allem die Frage des ungarischen Aus­gleiches, dcr nicht bloß in seiner vorgesehenen' Periodicität zu erneuern, sondern diesmal auch so einKuricksten ist, daß er dex künftigen ihrem Grundwesen nach noch ganz unbekannten Han­delspolitik der Monarchie augepaßt sein soll. Dann haben wir das polnische Problem . Galiziens Stelllmg zum Staate ist durch die Zweikaiserprvklamation vom 4. November selbstvcr- standlich eine gründlich geänderte geworden. Das hat ein kaiser- lichejs Handschreiben vom gleichen Tage berücksichtigt, in dem es die Sonderstellung Galiziens gewährte, das heißt eine über dm Nahmen der in Oesterreich gegebenen Länderautonomie hinaus­gehende Selbständigkeit des Landes Galizien, die bis zuni vollen Maße dessen reichen soll,was mit seiner Zugehörigkeit zur staat­lichen Gesamtheit und mit deren Gedeihen im Einklänge steht."

Die Feststellung dieser gemeinsamen Angelegenheiten und d^r praktische Ausgleich der galizischen Landes- und der österreichischen Staatsinteressen ist aber keine Frage, die man so ans dem Hand­gelenke in wenigen Tagen lösm könnte. Es handelt.sich da um nicht mehr und nicht weniger als um einen Ausgleich ähnlich dem vom Jahre 1868 zwischen Ungarn und Kroatten, dessen Schwierig­keiten noch Jahrzehnte nachzitterten. Endlich haben 'wir einen dritten Ausgleichskomplex, der auf der Tagesordnung steht den deutsch-tschechischen Ausgleich, die Regelung und Fest- 'tellung des Verhältnisses der Deutschen im Staate und in den Sudetenländern. Und alle diese schwierigen Fragen sind nun oben­drein, ob mit oder ohne Not bleibe dahingestellt, in engen Zu­sammenhang miteinander und mit der Einberufung des ReichA- rates gebracht worden, vor dem dev junge Kaiser das Gelöbnis' auf die Verfassung ablegen wird, der also demnächst ernberufets lverden soll.

Das ist eine verwirrende Fülle von Aufgaben und Schwieiig- keiten, denen auch das größte politische Talent kaum gewachseii wäre denn, inan muß nicht vergessen, es handelt sich da nicht um cinä Alexanderlösung, nicht um das gewalttätige Durchhauen eines .Kno­tens, sondern um seine Auflösung, die möglichst wenig Schmerzen zurückläßt. Oesterreich will als ein neuer gefestigter Staat in die Zeit des Friedens eintreten. Auf dem Altar dieses hohen Zieles wird vielleicht noch manches Mimsterporteseuille in Flaminen auf­gehen; was liegt daran? Man wird uns nach dem Krieg nicht nach unseren Ministäm, sondern nach dem zu beilrteilen haben.