Ausgabe 
29.11.1916 Zweites Blatt
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Nr. 281 Zweites Blatt M. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Htetzener Familien blätter" und Üreisblatl für den Kreis Gietzen".

psftsche<ttsnto: Frankfurt am Main vr. HöSb. Vankverkehr: Sewerbebank Gießen.

General-Anzeiger für Sberhesjen

Mittwoch, 29. November 1915

ZwillingSrurrdoruck und Verlag: Brühl'scheUniversüälS-Bttch-u.Strindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriftleiinng. Geschäftsstelle und VrnSerei:

Schulstrai>e7. Geschäftsstelleu.Berlag:

Schristleilung: 112.

Anschrift für Trohtnachrichten'.AnzeigerGteßeu.

Krfegsbrlefe aus dem Men.

Don unserem zum Osthoer entsandten Kriegsberichterstatter.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Bei einer ssmanischrn Division in Galizien.

Rezczan. y, 19. Noveinber.

Den Kommandierenden, EheiM Pascha, sah ich mtt ein paar Minuten. Erne kleme feste Gestalt, ruhige Angen. Sehr höflich. Dassehr hoslich" würde dabei kaum als besonderes Merkzeichen gelten dürfen, cs ist die Umgangssvrm.

Dom Standort des General komnvandvs Autofahrt bis zu einer Wegkreuzrrug, dort standen Pferde. Es schneit in regelmäßigen, ft einen Mocken bei mäßiger Kälte. Die Strol)dächer sind überwerßt, in den Taimen auf den leichtgeschwirngenen Höhen glitzert der Winter. Aus einem Bauernhaus kommt ein junger türkischer Offizier, stellt sich, vor, Leutnant R., hat zimüchst einige Zurück l-altmrq im Gebrauch der deutschen Sprach. Tie Pferde werden! vorgesührt.Ein anatolisches Pferd," sagt Leutnant R. und z-eigt auf den kleinen Rappen, der für mich bestimmt ist. Er ist nicht gerade bestechend im Aeußeren: klein, struppig, mit schlechter Kopf­haltung, aber ich habe das kleine Pferdchen sckpitzen gelernt; es ging über die glatten, verschneiten Hügel ebenso sicher, wie über die hartgefrorenen Straßen, deren Oberfläche kleinen Gebirgen glich, weil der Matsch der vergangenen Tage plötzlich in der Kälte erstarrt war. Ter Trab, den die kleinen Anatolier an sich haben, ist zwar zunächsterschütternd", weil sie im Paßgang gehen, aber bei schnellerer Gangart, einer Art kurzem Hundegalopp, gibt sich auch das. Mein Begleiter war ein Konftauttnopler Kavallerist, sein kleines Pferd mit auffallend drinnen Beinen ging auch den merk­würdigen Trab, zeigte aber viel Haltung. Nach einiger Zeit konnten! wir uns ganz gut verständigen, dabei hatte N. Bey erst Deutsch gelernt, seitdem er nach Galizien gekommen war.Wir lernen alte Deutsch. Nach dem Krieg, Berlin, Studieren." Beim Divisions­stab zeigte es sich dann, daß namentlich die jüngeren Herren mit großem Eifer alle Deutsch trieben und zum Teil schon ganz erstaun­liche Fortschritte gemacht hatten. Ter deutsche Berbindungsoffi- zier wird um Belehrung und Verbesserung fast bestürmt, und ich se»t 'nachher beim weiteren Ritt, toie der türkische Begleiter jede Gelegenheit benutzte, eine neue Vokabel zu lernen oder zu be­festigenTies ist ein kleiner 'Fluß, ein Bach?" und. die braunen Augen strahlten kindlich-fröhlich auf, daß das richtige WortBach" gefunden war.

Ich wurde dem Divisionär vorgestellt. Ein Araber. Wieder sehr ruhig, sehr höflich, sehr viel Haltung.Und Neigung zur Fröhlich­keit, wie sich nachher bei Tisch zeigte. Man würde, wenn inan in die Spei sehalle käme, den Divisionsstab beim Frühstück kaum als türkisch erkennen, wenn nicht die Kalpakas auf den Köpfen den Anhalt gäbe::. Der türkische Offizier setzt den Kalpak. die hohe, kleidsame Kopfbedeckung, die etwa die Form von einem pelz- bekleideten F^ hat, niemals ab. Er vertauscht ihn vielleicht mit dem leichteren SomMer-Kawalak, der wie eine Art Tropenhelm mit herumgeschla^enem Tuck anssieht. Der Tucheinsatz, im Deckel des Kawalak bezeichnet die Waffengattung, der sein Träger ange- hört. Die Infanterie hat grünes Tuch, die Artillerie schwarzes, die Kavallerie weißes, der Generalstab karmvisinrotes; gleich­mäßig bei allen Kalpaks sind die beiden gekreuzten breiten Gold- streifen auf dem Tuchgrund. Tie Achselklappen sind vergoldet, die A^eichen im allgemeinen genau wie in der deutschen Armee. Aus der Geschichte der türkischen Armee und des Reiches in den letzten Jahren erklärt sich die verhältnismäßige Jugendlir^eit der Korps- und Divisionsführer.

Neben dem -Oberleutnant sitzt ein Regimentskontmandenr, Major. Er hat tatarischen Gesichtsschnitt. Sein Regiment hat vor 14 Tagen denBlinddarm" gestürmt, die Bergnase, die nur durch einen Sattel getrennt vor den türkischen Stellungen lag. Draufgänger, Energisch," sagt der deutsche Oberleutnant an meiner Seite.

Tie Oesterveicher haben die Menage, so daß die Speisen von den Gerichten bei einem k. u. k. Tivisionsstab nicht zu unter­scheiden sind. An zwei Tagen der Woche wird türkisch gegessen. Getrunken wird hier an der Tafel fast nur Wasser, allerdings verschi^enen Arten. Die ttirkischen Herren sollen ein ganz besonders ausgeprägtes Uuterscheidungsvermögen für die versckfteden-en Sprudelarten haben. An der Front wird wohl gelegentlich mehr getrunken, was beim Stellungskrieg in Galizien weiter fnn Wunder ist. Nach einiger Zeit beginnt der Oberstleutnant ein fließendes deutsches Gespräch. Er kann sehr fesselnd erzählen. Er war Chef

Der frankfurter Musenhof der zamilie Bethmann.

(Zum 60. Geburtstag des Reichskanzlers, 29. November.)

Trotzdenl die Familiengeschichte des Reichskanzlers von Beth- maun Hollweg, der am 29. November seiner: 60. Geburtstag feiett, bereits verschiedentlich behandelt wurde, hat man in den ^.meisten Fälen merkwürdiergweise gerade einer der wichtigsten -Quellen zur Geschichte des Geschlechtes der Bethmann kaum nähere Beachttmg geschenkt. In denErinnerungen" der Gräfin d'Agoult, der als Schriftstellerin Daniel Stern genannter! Freundin Liszts finden fick eine Anzahl Aufzeichnungen, die ein interessantes Doku­ment darstellen, in betreff der sozialen und kulturellen Stellung desköniglichen Kaufmannsgeschlechtes'' der Bethmanns zur Zeit Goethes. Die Gräfin d'Agoult war eine Tochter des zur Revolu­tionszeit nach Frankfurt a. M. ausgewandetten Emigranten Biconte de Flavignh, der eine Tochter aus dem Hause Bethmann heiratete. In den Schilderungen der Gräfin lernt man die damalige Residenz der Bethmanns, den alten Baselerhof kennen. Ter Chef des Hauses, Moritz von Bethmann, gehörte zur Gesellschaft der damals nicht mit Unrecht königlich genannten Frankfurter Finanz­leute. Tie eigentliche Herrscherin im Baselerhof aber war die Groß­mutter, eine majestätische, erblindete Greisin, in ganz Frankfurt unter dem Namendie alte Fvau von Bethmann" bekannt. Ta Moritz von Bethmann durch den Kaiser von Oesterreich geadelt worben war und der russische Zar ihn zum Generalkonsul in Frank­furt gewählt hatte, U>ar der Zuschnitt des Hauses, wie die Gräfin d'Agoult erzählt,nicht der eines Privatmannes, sondern der eines Fürsten, jedoch ohne äußeren Prunk, großarttg in seiner Einfach­heit." Der vornehme Reichtum des Hauses wird dadurch charak­terisiert, daß die alte Frau Bethmann mit einem ganzen Hofstaat, Kammersräulein, einem Vorleser, Arzt und Kaplan umgeben war. Die kultivierten künstlerischen Neigungen die die Persönlichkeit un­seres Reichskanzlers auszeichnen, sind insofern ein Erbgut, als auch die Kausleute Bethmann in ganz hervorragender Weise den schönen Künsten und Wissenslliaften huldigten. Nicht nur die beste poli­tische, sondern auch die beste künstlerische Gesellschaft ganz Europas erblickte im Baselerhof einen beliebten Treffpunkt. Moritz von Bethmann selbst zeigte alle Neigungen eines Medicäers, so ließ er in einen der städtischen Gärten einen Tempel bauen, in welchen! U"i. Studium junger Künstler eine Sammlung der besten antiken Abgüsse untergebracht war.^ Auch die neuesten Tichterwerke und Musikstücke wurden im Baselerhof vorgettagen, wo die berühmte Catalani sich häufig hören ließ.Im Baselerhof," so ist den Er­innerungen zu entnehmen,fand auch die berühmte Begegnung zwischen der Frau Rat und Frau von Stael statt, bei der die Frau Rat die berühmte Französin mit dem stolzen Wort empfing: 8ich bin dre Mutter Goethes..Auch die ältere Schwester Morrtz

bei einem osmauischen Korps auf Gatlipoli, spricht von den schweren Minen der Eirgländer und Franzosen, den Schiffsgeschützen. Schwere Zeiten. Er war an der ägyPtisclM: Front, und man bekommt von den Schwierigkeiten, die es frort zu überivinden galt, eine Vorstellung. Er gab fesselnde Einzelheiten und Ansichten über Möglichkeiten für den Krieg dott am Suezkanal, aber ich fürchte, daß diese Ansichten auch für Leser außerhalb Deutschlands allzu interessant scheinen würden, als daß sie auszrrzerchnen wären.

Noch einmal fällt dann daS Frentde auf, als der Oberstleutnant einen Zusatz zu einem Befehl, der ihm gebracht wird, persönlich schreibt, und natürlich von rechts nach links die feinen arabischen Buchstaben füljrt.

Wir reiten ab zur Front. Tie kleinen Anatolier haben es nicht leicht, sich neben der ostpreußischen Stute des deutsche!: Ver­bindungsoffiziers zu behaupten, aber sie schaffen es. Hinter unsi reitet ein Kameruner in der Uniform der Leibgardehusaren. Sambo, der berühmte schwarze Kesselpaukenschläger des LeiLgardehusaren- regimentes, ist zu den Türkei: versetzt worderr. Er scheint mit rührender Emsigkeit für den deutschen Oberleutnant zu sorgen. Seine Haltung ist ebenfalls durchaus preußisch, stramm.

Wir Überholen Kolonnen und wieder Kolonnen von Tragtieren. Die Türken haben nach ihren heimatlichen Erfahrungen den ganzen Nachschubdienst auf die Verwendung von Tragtierkolo irnen aufge­baut. Ter Wagen ist eine wenig geschätzte Einrichtung. Auf den galizischeu Wegen bewähtt sich diese Einrichtung natürlich. Fünf Tragtiere schleppen soviel tzach vori^ wie ein ordentlicher zwei- späuniger Wagen laden könnte. Tie Tragtiere kommen aber über­all durch, so daß man sich mit der Anlegung und Unterhaltung von Straßen nicht die große ständige Arbeit zu machen braucht, wie beim Wagenverkehr. Dabei sind die Pferde erstaunlich genügsam und ausdauernd. Ich habe diese kleinen Pferde Lasten von sechs Brettern nach vorn schleppe:: sehen; das Holz war so befestigt, daß es am unteren Ende leicht schleifte, so daß eine ArtTragtier­schlitten" entstand. Gs gibt nichts, was die Türken nicht an dem Lastsattel befestigen können.

Meldereiter, alle irr dem gleichm kurzen, steten Trab, einzelne Infanteristen mit braunen Gesichtern, starke, schöne Gestalten komme:: vorüber. Das Schneetreibe:': wird stärker. Wir kommen zu einer Reservestellung. Auffalleild gegen andere Unterkünfte scheint die Gewohnheit, das Feuer nicht aus gehen zu lassen. Sie sitzen den ganzen Tag wenn nicht Dienst ist um die Glut und sehen mit blanken Augen in den Flammen.

Es find hauptsächlich Anatolier in diesem Abschnitt, weiter südliche steht ein arabisches Regiment, auch Lasen sind im Korps, das aus gemischten Verbänden besteht. Mle guten Eigenschaften des türkischen Soldaten 'haben sich in diesen galizischeu Kämpfen gezeigt. Ich hatte mit deutschen Truppen gesprochen, die neben osmanischen Regimentern gelogen hatten und nur ein Urteil hatten: ,chzm Kampf ganz famose Kerls." Ta wird die Geschichte von einem türkischen Unteroffizier erzählt, dem ein Revolver fehlte. Er ging n achts hinüber zu den Russen, nahm einen Offizier gefangen, ent­riß ihm den Revolver, und als sich der Offizier, der sich erst ergeben hatte, wieder wehren wollte und Mannschaften herbei- rief, stieß er ihn nieder imfr brachte Revolver und ßlchselklappen als Siegesbeute mit zurück. Der deutsckie Offizier, der mir die Ge­schichte erzählte, verbürgte sich für ihre Wahrheit. Ein wenig von der .Art des Kolonialkrieges war unzweifelhaft, namentlich! im Anfang, von den Türken auch nach Galizien übettragen worden. Sie durchschnitten ihr eigenes Drahtverhau an vielen Stellen und gingen Hede Nacht hinüber tziu! den: Russen, sich die eisernen Portionen zu holen und Gefangene zu nrachen. Tie Anzahl mitgebrachter Achselklappen bewies außerdem den Mut des osmanischen Kriegers. Als sie im Handgranatenwersen ausgebildet wurde:: eine Hebung, die sie sehr schinell und gut lernten hatten sie die sich ja nicht einmal unrichtige Ansicht, das richtigste Uebungs- feld wäre der russische Graben, und suchten jede Nacht Proben ihrer gesteigerten Geschicklichkeit zu geben. Natürlich war das Lehr­geld dabei zuweilen erheblich zu euer.

Tie Stelle des letzten türkischen Sturmangriffes lag jetzt vor unS: die Vergnase südöstlich von MieszhSzcvw, die am 30. Ok­tober gestürmt wurde. In der Soldatensprache heißt der Berg ,Bl:ndarm", vermutlich weil er ohne sonstigen ersichtlichen Zweck nur dazu da ist, die Linie der Stellung zn stören. Vor der damaligen türkisch,en Linie lag ein Sattel, und dahinter erhob sich aufs neue der Bergrücken. Auf dieser Spitze säße:: die Russen und konnten die türkischen Stellungen, die noch nicht bis zum Sattel vorgeschoben waren, flankieren. Man letzte nach sorgfältiger Artillerievorbe­reitung den Angriff an, ohne als Ziel die Gewinnung des ganzen langgestreckten Blinddarms zu setzen. Tie Türken durchrasten drei russische Linien hintereinander und warfen die Russen in blutigem

Bethmanns. die Witwe Johann Jakob Hollweg, allgemein alsdie Hollwegin" bekannt, zeichnete sich durch ihren hohen künstlerischen Geschmack aus. Sie war eine der eifrigsten Verehrerinnen des be­rühmten dänischen Bildhauers Thvrwaldsen, dessen Reliefs auch das Erbbegräbnis der Familie Bethmann schmücken. Auch Goethe ergmg sich in dem Frankfurter Garten der Bethmanns, die sich aus den Anfängen einer großzügigen Kaufmannsfamilie in Rang und politischer Stellung immer höher entwickelten, bis der zeitge­nössische Nachkomme des Geschlechtes mit der höchsten Stellung im Deutschen Reiche ausgezeichnet wurde.

*

Curtea d'Arges. Aus dem schönsten Idyll ist, gleich­sam über Nacht, ein bluttges Drama geworden, in den erhabenen Frieden von Eurtea d'Arges ist der wilde Krieg n:it all fernem Schrecken eingedrungen. Eine bittere Ironie der Geschichte liegt darin, daß die Deutschen und ihre Verbündeten um diesen Ort zu ringen haben, der, man kann sagen, altes, was er ist und hat, einem Fürsten deutscher Abkunft verdankt und der in seinen Mauern die sterblichen Ueberveste eines edlen deutschen Furstenpaares birgt. Denn die große Zierde und Berühmtheit von Eurtea d'Arges ist seine Kirche, die älteste Und wohl auch die interessanteste, die Rumänien überhaupt besitzt. Sie hat auch die Teilnahme des Königs Karol erregt und dieser, immer gewohnt, seinen Anteil werktätig zu bekunden, hat eine umfassende und streng stilreine Wiederherstel­lung des Gotteshauses durchführen lassen. Dadurch ist sie in einer wundersamen orientalischen Pracht neu erstanden. Die feinste:: asia­tischen und griechischen Marmorarten, die reichste Bildhauerarbeit und prachtvolle Mosaiken dienen zu ihrer Ausstattung: für den König und die Königin, sowie auch für den Metropoliten sind goldene, mit bunten Steinen verzierte Stühle ausgestellt, und die Königin Elisabeth hat der Kirche ein von ihr selbst entworfenes und gemaltes Evangeliar gespendet. Die Kirche ist in hellgrauem: Stein aufgeführt, grün inti> blau bemalt und leicht vergoldet, und jedes Fenster ist anders gemeißelt. Sie sind nur 10 Zentimeter breit; da aber das ganze Jstnsre der Kirche auf Goldgrrmd gemalt ist, so scheint sie, wie die Königin Elisabeth eiumül bemerkt hat. in goldenem Lichte zu schwimmen. Die Kunsthistoriker sind sich über die Stilzu ge Hörigkeit dieses Bauwerkes iricht einig. Es klingt an armenische Motive an, bleibt aber doch in fernem' ©rrtmfrtone, wie Rumäniens Kirchen überhaupt, byzantinisch. Außer dem Wie­derherstellungsbau dieses Gotteshauses lies König Karol in Eurtea d'Arges noch ein Haus errichten, welches, wie er ausgab, zum bischöflichen Palaste dienen sollte. IN Wirklichkeit hatte der fein­fühlende Mann dies Haus für seine Gemahlin bestimmt, die Eurtea d'Arges ganz besonders ins Hetz geschloffen hatte.. Und wahrlich,

Nabkampf in die Ebene hinunter. Am Nachmittag hatten sie die Höhe schon fest in der Hand. Die russischen Gegenstöße tmrrden abge­wiesen. Auch das russische Trommelfeuer machte wenig Eindruck. Wem es Allah besttmmt hat, zu fallen, der fällt. Es ist besohlen, die Stellung zn halten. Wir Tjofteit sie. Gott gibt es.

Man brauchte bei dem Schneetreiben nicht durch die An­näherungsgräben M gehen, konnte sich auf der Höhe ausstellen und das ganze Kampfgelmche hinter den leichten Schleiern studieren. Zuweilen tauchten aus dem Geflock die türkischen Infanteristen auf, die auch über die Höhe gingen. Wie Schattenbilder verschwanden sie, wie ein fremdes, davongleitendes .Bild aus den galizischeu Schlachtfeldern. . . .

Eine Geschichte, in die dieser Krieg Gutes brachte, fand ich noch! bei dem türkischen Stabe. Ta war der Leutnant T., der stammte aus einer nw hcrintmedanischeu Familie in Bulgarien. Ein lebhafter, frischer Offizier, der in den.drei Monaten Deutsch ganz ausgezeichnet gelernt hat. Er war schon während des letzten Balkan­krieges türkischer Offizier, und sein Vater und sein Bruder kämpften als Landwehrleute in der bulgarischen Armee.Das war sehr traurig."Und jetzt?" Mein Bruder kämpft in der Dvbrudscha gegen die Russen und ich 'hier. Kameraden wieder. Ist das schön?"

So hat sich- für ihn ein tragischer Konflikt gehört, und ich glaube, daß es nicht der einzige Balkcmkonftikt ist, der jetzt seine glückliche Lösung endlich findet.

Rolf'Brandt, Kriegsberichterstatter.

UniversUäts-riachrichten.

Frankfurt a. M., 27. Nov. Der Minister des Innern hat in Frankfurt eine Bor- und eine HauptPrüfungs­kommission für N a h r u n g s m 1 11 e I cfr e m t f e r eingesetzt. Vorsitzender der Prüfungskommission ist Oberlaudesgerichtsrat Kadgien. Zu Prüfern sind sechs Professoren und Dozenten der hiesigen Universität ernannt.

Handsl.

--- Butzbach, 27. Nov. Die Butzbach Licher Eisen­bahn, die Eigentum der Firma Lenz u. Co. Berlin ist, und be­kanntlich vom hessischen Staat und einer Anzahl an der Linie be- legenen Gemeinden gebaut wurde, schließt auch im letzten Geschäfts- jahr 19151916 mit einem Verlust von 88 772 Mk. ab. Davon werden 29114 Mk. aus dem Erneuerungssonds gedeckt: der Rest wird dem Verlustsaldo vorgetragen, der damit aus 145 946 Mk. steigt. Bei 1 760 000 Mk Aktienkapital, 1 550 000 Mk. Obligationen- schnlden und 1 310 000 Mk. Staatszuschußkonto ist die Eisenbahn' anlage nun mit 4 910 000 Mk. bewertet. Bekanntlich ist im A!ai fr. I. mit den beteiligten Gemeinden ein Abkommen über Hinaus' schiebung der Schuldentilgung und Herabsetzung des Zinsfußes der Obligationen zustande gekonunen. _

33ricfeaftett der Redaktion.

lAuoutzme Anfragen bleiben unberücksichtLst.z

G. 5. Für Heeresangehörige, die auf Urlaub erkranken und nicht transportfähig sind, hat die Gemeinde zu sorgen. Die hierdurch entstehenden Kosten für ärztliche Behandlung, Arznei usw. werden den Gemeinden von der stellv. Intendantur des Armeekorps, in deren Bereich der Urlaubsort liegt, gegen Einsendung der Unterlagen sowie einer Bescheinigung des Arztes, daß der Kranke nicht transportfähig war, zurückerstattet. Von der Erkrankung ist dem Truppenteil unverzüglich Mitteilung zu machen, ebenso ist der Kranke, sobald er transportfähig ist, dem nächstgelegenen Lazarett zu überweisen.

MeteHgische Beobachtungen der Station Gießen!

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Höchste Temperatur am 27. bis 28. Nov. 1916: -s- 3,8« C . Niedrigste . 27. . 28. . 1916: - 0.4 "0.

Niederschlag 0,0 mm.

in ihrem ganzen Körrigreiche konnte sie keine Stätte rinden, die ihr gvoßarttgerc Reize der Natur bot, als diese. Am rauschenden Arges- Flüsse liegt Curtea am Fuße der Karpathen. Tritt nmn ans den weiten, in Rosen schimmernde:: Platz vor der Kirche, so Umfaßt das Auge mit einem Blicke das ganze gewaltige GebirgSvcmvramä in all seiner großartigen Schönheit. Berg nach Berg, Kette nach Kette, alle waldbekrönt, imfr durch sie bricht der brausende Bergfluß sich Bahn. Zunächst Curtea d'Arges liegen noch schöne, weite Die­sen, auf denen in glücklicheren Zetten Schweine und Kühe friedlich lveideten. Aber folgt man der kleinen, für die Besörderurw des Holzes erbauten Bahn, so befindet man sich bald in einer völlig ver- änlderten Szenerie: das Tal lvird enger, das Gepräge der Landschaft wilder. Hoch droben, von der Höhe des Gebirgs, trägt das wilde Wasser die dort gefällten Stämme der weite:: Wälder herab, bis sie von Gümpana aus mit der erwähnten Bahn nach dem großen Sägewerke von Eurtea d'Arges befördert werden. Dies ist gleichsam der letzte Vorposten nwderne:: Lebens gegen das wilde Waldgebttg hin. in dessen dunklen Forsten noch heut Meister Petz sein Wesen treibt. -War es ein Wunder, daß die Tich-terseele Carmen Sylvos diesen stillen Platz liebte. Drückt doch Curtea d'Arges und seiner ganzen Umgebung eine herrliche Unberührtheit das Gepräge auf! In der Kirche von Curtea d'Arges hat König Karol vor zrvei Jah­ren seine letzte Ruhestatt gefunden. Seitdem nahm Königin Elisa­beth hier ihren Wohnsitz, und da die Landbevölkerung des Bezirkes auch hier unter schwerer Not leidet was man den malerischen! Gestalten der Bauern freilich nicht ansah, wenn sie in ihren schmucken Trachten des Sonntags nach Curtea d'Arges kamen, so fand sie reichliche Gelegenheit, Werke der Liebe auszuüben. Und dann legte sie sich selbst an der Seiteihres Königs" schtaftn^ Einen ewig ungestörten Frieden glaubten diese deurschen Fürsten­kinder zu Curtea d'Avges in der Hut der Maidberge z:: finden nun umtobt Wafsenlärm das rcichgeschmücke GotttesyauS, und die stille Stätte des Friedens ist zur Walstatt geworden.

Aschaffen bürg, 29. Nov. (Al tertu ms sunde.) Bei Grabungen auf der Haltestelle Goldbach- wurden vier Gräber aus der ,Hattstattzeit freigelegt. Unter den Nrndstücken befinden sich U. a. eine 55 Ztm. bofre Urne mit Aschenrosten, eurer Dom- schale, einem Bronzemesser, Lanzenspitzen!mtb Fibeln. Die Fmwe konnten Unversehrt geborgen werde::, da ihre Freüegung unter sachverständiger Leitung erfolgte.

Stockholm, 28. Nvv. (Prio.-'Tel^ Bei der Aufführung des TrauerspielesE l e f t v a" im königlichen dramatischen Theater wurde dem hier weilerwen Verfasser Hugo von Hofsmanns­thal von dem begeisterten Hause stark gehuldigt. Er mußte mehrmals >mit der Trägern: der Hauptrolle Harriet Besse vor den Vorhang treten.