llr. 2:6 Zweiter Natt M. Jahrgang Donnerstag. 2Z. November 1916
Erscheint tägttch mit Ausnahme des Sonntags.
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3um Code des Kaisers Franz Josef.
5 . 22. Xm. (mm. Nicht-Müich.) Die „Nord
deAtschc Allgemcrne Zeitunq" schreLt'
Mitten m tobcndM ©fern des WMriegeS hat Kaiser Tran» ^zo>ef das mride Haupt zur Ruhr gelegt. Ungebrochenen. Geistes yat er seine Regentenpflichten getreu erfüllt, bis mit dem lebten, Atemzuge dws Lebet: ausgelöscht wurde, Mz allesl Leid und alle Große mmschlrmen Schicksals umschloß. In liebevoller Ehrfurcht verrvnlt unser En m dieser Stunde bei der ritterlich milden Ge- * Karsers, von der in ülten ivie in jtrngen Jahre i: ein unvew glerchlich hoher Zauber ausging. Ich tiefer Trauer teilen wir den Sck:merz der heute die österreichisch-ungarische Monarchie bis in die letzte Dutte bewegt: Zwischen dem Monarchen und seinen Völkern destmrd ein Verhältnis von einer persönlichen Jüuigkeit, wie es sich' nrcht oft rn der Weltgeschichte wiederholt hat. Gewiß hat viel dazu.' dre lange Dauer dieser Regierung getan, welche die Entwickelung L)sstewnch-Ungcrrns seit einer , Zeit Umfaßt, die keiner der heule pottttchi wirkenden Männer in ihren Anfänge!: handelnd miterlebte. verkörpert sich in dem Kaiser und König den Völkern der, Mo- cme . , Gn Eueren .Und äußeren Ereignissen überreiche Geschtchtspertvde. Zu ihnen sprach in der würdigen Person
«es Herrschers die lebendige Tradition der Anhänglichkeit aff das Herrscherhaus. Jener alte überlieferte Schatz der habs- oiirglichen .ürone hatte sich zu einem unverbrüchlichen Treue- vcrhaltnas vertieft, das im Staatsleben der Monarchie eine alle.'Z Ptmmngen standhalten.de Tragkraft bewährte. Kaiser Franz Josef Mt Treue um -treue gegeben. Seines hohen Amtes waltete er mit einer vor aller Welt, bekundeten Hingabe. Tätig vom frühestein' ..'corgen an, unverdrossen arbeitend, gewissenhaft im Kleinsten und Größten, war er Vorbild und Muster des der Pflicht geweihten Nionarchen. Aus tiefstem Herzen steigt heute die Totenklage dank- chFor Volker empor. Dein Bündnis mit dem Deutschen Reiche war Kaiser, < 5 rcmz Josef ein Hüter von unwandelbarer Festigkeit. Es waw die Grundlage der friedlichen Politik, die er in engem Einvernehmen , mrt den Lenkern des Deutschen Reiches zum Segeni teuropas hindurch aufrecht erhielt. Trotz aller Wetterzeichen und wachsender Gefahren schien es, daß seine Regierung im Frieden zu Erwe gegen werde. Da gäben die Schlisse 'von Sarajevo das weithin hallende Signal zu der furchtbaren Krise, die über Europa hereinbrackj. Die zum Kriege treibenden Mächte hatten die Ober- |5®-. ^hr erster Schlag richtete sich gegen das Habsburger Haus. <§§ ging um das Dasein der österreichischmngarischen Monarchie. Ol)ne Wanken Mt Kaiser Fvaarz Josef auch in dieser schwersten Prüfung gestanden. Wenn es ihm auch nicht mehr beschieden war, ,eme Völker zum letzten Sieg und zum Frieden zu führen, so dirrite er jedoch das Werk getrosten Mutes in die jugendkrästigen Hände seines Nachfolgers legen. Siegreich steht Oesterreich-Ungarn dem 2lnprall seiner Feinde. Klar leuckftet Habsburgs Stern durch Wetterwolken und Sturmesdrang.
Wien, 22. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Die außerordentliche Widcrstcrlidskva'ft, welche der Kaiser schon als hochbctagter Greis bei den wiederhotten ziemlich schweren Erkrankungen der Atmungs- organe im letzten Jahrzehnt bewies, und die Hingebung, Sorge 'und Miunft der behandelnden Aerzte hatten in der Umgebung des Kaisers sowie in der ganzen Bevölkerung der Monarchie die Hoffnung genährt, daß auch die letzte Erkrankung des Monarchen, die in der ersten Novemberdekade bekannt wurde, vorübergehen werde. Wie aus den Bulletins, welche ungeschmintt den wahren Zustand des Kaisers darstellten» bekannt ist, hielt der Kaiser die gewohnte Lebensweise und Beschäftigung bis gestern ein. Er mutete sich allerdings am letzten Tayie zu viel zu, indem er trotz erhöhter Ten -peratur und Hustenreizes neben den gewöhnlichen Vorträgen auch längere Audienzen erteilte,' bei denen der Kaiser viel sprach. Seit dem 16. November nahm der Appetit ab. An diesem Tage stran? der Kaiser zur Belebung seiner Kräfte ein Glas Chan- - bagner. Er rauchte immer noch die gewohnte Zigarre. Tie letzten Nächte waren zumeist durch Hustenreiz etwas gestört, indessen' beruhigte Die gute Herztätigkeit und Pie gleichmäßig gute Atmung die Aerzte auch twch am 19. Noveiuber. Auch gestern arbeitete der Kaiser tagsüber, wenn auch müde und mehr abgespannt als sonst, und empfing bekanntlich den Armeeoberkomman- danten Erzherzog Friedrich, in dreiviertelstündiger Mrmenz. In der engsten Umgebung flößte jedoch der Zustand deS Monarchen ernste Besorgtrisse ein. Die Erzherzogin Marie Valerie
Rurlarrd ħ NunsDnd.
So lange Kurland unter russischer Herrschaft stand, blieb die Wahl der Deutschen, denen dies schöne Stück deutscher Erde bekannt war, verschwindend gering. Jetzt ändert sich das mit einem Schlage, und mit freudiger Ueberraschung erfahren wir, daß das „Gottes- ländchen" auch als Kunstland Bedeutung beanspruchen kann. Es ist das Verdienst der demnächst im Verlage von R. Piper L Co. in München erscheinenden Schrift von Carl Meißner „Das schöne K u r l a n d", daß sie durch einen reichen mck> wvhlge- wähkten Abbildungsstoff die Kunstschätze wird den Kunstcharakter Kurlands überzeugend und glücklich, zur Anschauung bringt. Freilich besitzt Kurland keine von jenen großen gotischen Volkskirchrn, die die Gemeinden in den reichsdeMschen Städten des Mittelaltersi allmählich haben aufwachsen lassen — Kirchen wie sie auch im derttschien Riga und Reval stehen. Das vermochte, wie cs im Landtaasrezes; von 1567 heißt, hier „die Vielheit der undeutschen- Armut" nicht. Hier bauten im wesentlichen Fürst und Adel die Machen, und die Hattptkirche Kurlands, die Trinitatislir che zu Mftau, konnte auch, erst ^entstehen, als der Herzog das alte Heer- mcisjcrschloß an der Aa zü seiner Residenz machte. Sie ist stattlich gemtg geraten, zeigt einen (freilich in neuerer Zeit schlecht zum Abschlüsse gebrachten) wirkungsvollen Turm und einen Jpnenraum von edlen Mmessungen. Wie dieser Hauptkirchenbau Kurlands, so stehen auch, viele der „landscheu" KircMn noch heute auf Grundmauern, die in der Zeit fester Begründung der protestantischen .MrHe in Kurland unter Herzog .Gotthard aufwuchsen. Diese LanLiivchen bieten oft in all ihrer Schlichtheit künstlerische Bilder v»n seiner und starker Wirkung. Sie zeigen kräftige Formen und zÄchnen sich oft durch recht originelle Gestaltung der Türme aus Send gehen in ihrer erdwüchsigen Kraft und Ruhe vortrefflich mit der Landschaft, darin sie stehen, zusammen.
Gs begann aber die Zeit eigentlichen künstlerischen Aufschwunges in Kurland erst int 18. Jahrhundert, als der kurländische Edelmann Ernst Johann von Bühren als Herzog Biron den Dhron des Landes bestieg. Biron hatte sich« als Günstling Per ßevki zu bereichern verstanden und begWtn nun seine Mittel in großem Stile für sein neues Herzogtum zu verwenden. Da erct- standert Kurlands große Herrenschlösser; da fiel die alte Burg in Mitau samt Wall und Gräben und an ihrer Stelle erhob sich.'das neue weiträumige Aiitauer Schloß, das 300 Zimmer Mt. 2kuch baute ihm der Italiener ^ Rastrelli^ das Sch,laß Rnhenthal westlich von Wausro. Stil uird Reiz dieser Schloßbauten gehören dem Barock m tatfen Formen sowohl das Mitauer, wie das Ruhenthaler! Schiloß stattlieh vertreten. Herrscht aber an den Schauseiten jene ge«^f;e majestätische Ruhe mit antillschem Unklange, so entfaltet sich tm Innern ein heiter-nmßooller Schmuckgeist, der die modischen RiB<G^»rmen mit gr,ßer Armut zu Mndhaberi versteht. Prachtstücke bnfcS sstattun«Sstfles findet man sowohl im Mitauer Schlosse, wie in dem Hmrptsaale von Richenrhal, und ein lleines Juwel von Rol^ttgrazie ist der ovale Saal im Lustschloß Swethos bei Miau,' das gloichsalts dem 18. Jahrhundert entstammt. Das l'ielrtzere dieses/würdevollen Baues Mt freilich ebenso wie die andsven ^herzoglichen Schlösser unter der brutalen Berkasernierung
lvar in den letzten Tagen stets um den Kaiser. Jetzt trafen auch die ältere Tochter, Prinzessin Gisela von Bayern und ihre Schwägerin Herzogin Karl Theodor in Wien ein. Der Thronfolger blieb sständig in Wien. Am Montag abend begab sich der Kwiser zum ersten Male zeitiger zur Ruhe als sonst. Der erste Dell der Nacht verlies bis 1 Uhr ohne Störung. Erst sväter stellten sich Husten- anfälle ein und Fieber, ivelch.es nicht znn'rckging; es zeigte am 21. November tagsüber ein bedrohliches Ansteigen. In den Nach- mittagsstnuden trat dann eine Bcwschlchnmernug ein, welches den Tod -herbeiführte. Tie Erzherzogin ^ Marie Valerie, welche un- unterbroch.en am Sterbebette des kaiserlichen Vaters weilte, fuhr vor 8 Uhr abends auf den WestMhnhof, um die aus Wallsee ein- tr eff ende To chter zu erwarten. Sic wurde jedoch v,on dem Hv f- beamten des Sch-önbruner Schlosses zurückberufen, da inzwischen die Hoffnung auf Erhaltung des Lebens des Monarch,ert geschwunden war. Kurze Zeit nach! der Rückkehr der Erzherzogin hauchte der Kaiser seine Seele aus. In den erster Abendstunden war die Bevölkerung durchs die Besorgnis erregende Meldung über d»s Ansteigen des Fiebers wegen des' Zustandes des Vdonarchen ernstlich beunruhigt. Das M-endbulletm ließ leider keinen /weifel mehr an der Schwere der Erkrankung. Trotzdem erhiel. der feste Glaube an die WicderstaNdSsähigkeit des Kaisers, s. vsscu. Genesung in allcir Kirchen während des Abends von er , ungewöhnlich, großen ^Nen scheu menge heißeste Gebete verrichtet wurdcir. Die Nachricht von dem Hinscheiden des Monarchen verbreitete sich erst gegen 11 Uhr in den öffentlichen Lokalen und wirkte geradezu lähmend auf das Publikum, welches das Unfaßbare kaum zu glauben vermochte. Augenblicklich verstummten überall Spiel und Gesang. Die Todesnackwicht weckte tiefste Ergriffenheit. Das Ereignis war inzwischen gegen Mitternacht auch durch Extraausgaben der Blätter öffentlich bekanntgegeben worden.
Wien, 22. Noo. (WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser entschlief in seinem kleinen Arbeitszimmer im Lehnstuhl sitzend. Unmittelbar nach dem Eintritt der Katastrophe zelebrierte Pf-arrer Seidel in der Schloßkapelle die Totenmesse. Wie im sanften Schlummer lag der Monarch! da, die Hände wie^ im Gebet gefaltet. Nachdem die Mitglieder des Kaiserhauses das SLervezimmer verlassen hatten, traten zwei Flügeladjutanten vom Dienst die Ehrenwache bei dem toten Monarchen an. Im Nebenranme beteten zwei Geistliche. Die Mitteilung von dein Tode des Kaisers Franz Josef wurde unverzüglich Kaiser Wilhelm ins Große Hauptugartier gemeldet. Das Zeremoniell und der Zeitpunkt der Leichenfeier stehen noch nicht genau fest, doch dürfte die Leiche heute nacht zur Aufbahrung in! die Hofburg überführt werden. Die Beisetzung in der Kapuziner- gruft wird wahrscheinlich Freitag, oder Samstag stattsinden. In der Gruft wird der Sarg des Kaisers Franz Josef neben dem der Kaiserin Elisabeth Aufstellung finden.
Ein Telegrammwechfel zwischen Herrn v. Bethmann Hollweg und Baron Burian.
Berlin, 22. Nov. (WTB. Nichtamllich.) Der Reichskanzler Mt an den Minister des Ajenßerm, B u r i a rt, nächst eherches Telegramm gerichtet:
Mit tiefem Schmerz erfüllt mich die Tranerkunde, daß e£ Gott dem Allmächtigen gefallen Mt, Euerer Exzellenz kaiserlichen und kömglichen Herrn durch einen sanften Tod m sich zu rufen. In einer Regierung, deren Dauer in Mr Geschichte der Zeiten und Molker einzig dasteht, ist es Seiner Majestät vergönnt gewesen, in einem seltenen Maße die Früchte der Segnungen reifen zu sehen, die seine weise Hand in rastloser Fürsorge der Doppelmonarchie geschenkt hat. In schwerer Ze.it hat sich dies kaiserliche Leben vollendet. Aber die letzten Blicke des Sicheidettden ftelen auf ein Reich, dessen Völker in einiger Be-geiftenung den schwersten Kanrpf, der ihnen je anferlegt war, standhaft und siegreich zu bestehen entschlossen sind. Ich darf mich ans die Gefühle des gesamten deutschen Volkes berufen, wenn ich Euere ^Exzellenz bitte, der warmen Teilnahme versichert Izju sein., die der Heimgang des lange und treu bewährten Vcr- bündeten unseres kaiserlichen Hernr in allen deutsche'n GaMn, in Palast tind Hütte erweckt. Meine persönliche Anteilnahme vertieft das dankerfüllte Gedenkert an Ms so gnädige Wdhl'vollM, das dev verewigte Kaiser und König mir seit Antritt meines Amtes allezeit hüldvollst geschenkt Mt. Bethmann HollwM.
Baron Burian hat mit folgender Depesche geantwortet:
Die so warm cinpfunveneu Worte, mit welchen Euere Exzellenz mir ünd' des ganzer deutschen Volkes Anteilnahme an dem
durch die russische Kronverwaltung „in den letzten Jahrzehnten, schwer gelitten, allein betrttt man Ms Innere, so wird man um so freudiger durch die geschmackvolle Lebensfreude überrascht, die die Räume beherrscht.
Tann aber zog in Kurland ein neuer Stil ein, jener auch, bei uns erst in jüngster Zeit so .recht zur Würdigung gelangte deutsche Bürger st il. Wer ihn sucht und liebt, der ftndct auf Kurlands Herrensitzen rerckffte Befriedigrmg. In den verschiedensten Formen und Mmrssnngen ist dieser Stil hier abge- wandelt: vonr schlichten Herrenhose, wie in Alt-Gulden, bis zum sstloßartigen Baue, wie in Grnnhof, und zur großartigen Anlage, ivie Katzdangen, das jetzt von Schulze-Naumburg pfleglich wieder- hergestellt worden ist und als eine Perle des deutschen Bürgerbau- stlles gerühmt werden darf. Dieselben Grundeigentümlichkeiten kehren in all diesen Bauten wieder: Treffsicherheit der Ab-
inessungen und der gesamterr Fügung und Führung des Bcnres; Sparsamkeit im Schmücke, der aber, wo er Ver'vandt wird, kräftig ünd glücklich zur Wirkung gebracht wird: ein paar Pitaster oder Säulen, ein stattlicher Portalbau, ein Giebel — das sind immer wieder beliebte Formen; aber über allem waltet ein beMg- lick) vornehmer Geist gesunder Lebensfteude, der dm eigentliche Charakter dieser über das ganze Land verstreuten Schlösser ausmacht. Frostig erscheint gegen sie der Monunwntalbau des „Gt)rn- nasium Jllustve" zu Mitau mit seinein! wuchltigen Turmbau, der in iciuzelnen Formen gelegentlich' am St. Sulpice in Paris erinnert. Aber mit den Herrensitzen wetteifern, wenn auch in kleinerem Mas stabe. Kurlands Pastorate, in denen der deutsche Bürgerstil, a:ll 'schlichtere Verhältnisse zurückgeführt, nicht ininder glücklich zur Verwendung gelangt ist mtd ihnen gesellen sich Förstereien, Mühlen, Kleinstadthäuser und Kleinstadtbilder mannigfaltigsten Schlages zu. Es ist kein Land, in denr man Kunstwerke von erschütternder Macht suchen Mrs und infolge der wechselnden und harten Geschichte Kurlands ist erst spät hier künstlerisches Sck>afferl anfgeblüht: aber in anderthalb Jahrlmnderten Mt ein lebens- srMes, kerniges Deutschtum anspruchslos, aber gesund mrd unverbildet eine Reihe von Architektur — und Stadtbildern geschaffen, die sich im großen Reiche deutscher Kunst mit allen Ehren behaupten.
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— Ein deutscher SMg über die englische See- gewallim 13. Jahrhundert. Tie Uebergrflfe der englischen Seegewalt im gegenwärtigen Kriege legm die Erinnerung an ähnliche, allein Recht ins Gesicht schlagende britische Taten der Mllkür nahe, und es ist imnterhin erfraulich, festzustellen, Mß bereits vor Jahrhunderten die englische Anmaßung, zur See von Deutschen bestraft wurde. Einen solchen Fall, in welchem die englische Seegewalt die Deutschen zur Nvttvehc zwang, bis die Engländer schließlich um Frieden bitten mußte-n. erzählt nach den Llufzeichnungen der Chronik der Stadt Hanibnrg Fanni) Ktinck in der Zeitschrift „Niedersachsen". Schon im 13. Jahrhtmdert hatte die Handelsschifffahrt der MederdeNtschün eine hohe B>edeuttntg erlarrgt, wodurch allmählich der Neid der Engländer geweckt wurde. Die Niederdeutschen übten im dLorden mächtigen Einfluß, und ein noch aus-
schweren Schlage, Der Oesterreich-Ungarn getroffen hat, übermittelten, haben mich tief gerührt. Sie werden in der ganzen Monarch« beit sympathischsten und dankbarsten WiderMll finden. Ter H«rr- scher, der über zwei Menschenalter die Geschicke der Monarchie ae- lenkt hat, ist nicht mehr. Tranerno stehet: seine Völker an der Bahre ihres geliebten Kaisers !und Königs. Wie ein Vater sorgte er dafür. Mß die Früchte seiner unermüdlichen Tättgkeit ihnen auch nach seinem Tose znkommen mögen. Ein unschätzMres Erbe Mt er ihnen b int erlassen: Die ^unverbrüchliche und treue Freundschaft des Mutsbinn Volkes. Diese Freundschaft stets imtiger M gestatte^ war sein Lebenstverk. Es war ihm vergönnt, dieses Lebenswer? rn lange., treuer WafsenbrüDerschaft gekrönt zu sehen. Zu tief wurze^ in dem Bewußtsein der Völker der Mvnarchie, die sich in Frenoj imd Leid eins wissen mit dem deutschen Volke, die Ueberzeugimg, daß der Verlust, den sie erlitten haben, im ganzen verbündeten Reiche als eigener empfunden: wird. Möge die göttliche Vorsehung diesem wertvollen Pfände gemeinschaftlrchen Fuhlens und Han- delns Muernd ihren -Schutz gewähren. Burian.
Die unsoziÄe Regelung der englischen Znckerfrage.
Bekanntlich: gehört der Zucker zu den wenigen Nahrungsmitteln, für welche die englischze Regierung schon seit den ersten Monaten des Weltkrieges die Versorgung übernommen Mt. Das Resultat der englijschen ReMerungstnaßnahmen läßt sich nach zweijähriger Wirksamteit daKn zusanrmenfassett^ daß der Zuck^ Mangel in England immer stärker geworden ist und die Prerse immer höher gestiegen sind. Vergleicht man die deutschen und die englischen Zuckerpreise vor dem Aus-bruch des Krieges und jetzt, so ergibt sich folgendes Bild: es kostete
Würfelzucker Kri st allzucker Anfang Anfang
Iult November Juli November 1514 1916 1914 1916
in Magdeburg (50 Kilo in Mk.) 31,62 28.25 20, - 26,—
in London (50,8 Kilo in Sh.) 18/— 47/l_ 17/3 42/7
Es ergibt sich aus diesen Ziffern Mß die GroßMndelspreis« für Zucker in England seit Kriegsbeginn um annähernd 30 resp. 25 Mk. pro Zentner gesttegen stnd, während die Steigerung bei uns >zirka 6 Mk. bettägt. Während in F-riedenszeiten die deutschen Zuckerpreise höher waren als die englischen, sind heute die eng * * lischen Preise mehr als doppelt so Mch wie die deutschen Preffe m Friedenszeiten.
In der Auckerversorgung der englischen Konsumenten sind, von einem zeitweiligen völligen Versagen der lokalen Versorgung ganz^ abgeseMn, Verhältnisse eingerissen, coelche man in Deutschland al^ grobe Miß stände bezeichnen würde. So ist es in England allgemeine Gewohnheit des Kleinhändlers geworden, Zucker an die Kunden nnr dann abzugeben, wenn gleichzeittig andere Wären gekauft weiden. Dieser Zustand Mt in her Unter Mussitzung vom 31. Oktober zu einer Anfrage geführt, aus welche der Minister Mc. Kemia erwiderte, Mß die Regierung gegenüber jenen Käufen vorläufig nichts getan Mbe, solange der Künde bei dem betreffenden .Kauf der anderen Nahrungsmittel freie Wahl gehabt habe. Die englische Regierung habe gegen diesen Zustand nichts unternehmen wollen, well die MeinMndler hierdurch die Zuckerbestände vor allzurascher Verminderung schützen wolltet. Tie Regierung werde aber in Zukunft diesen Kaufzwang nur gutheißen, wenn für jedes Pfund Zucker nicht mehr als für 2 sh. andere Waren mit in Kauf genommen werden müßten. Eine derartige Stellungnahme in staatlicher Ernahrungs- fürsorge mutet uns Deutsche fürwahr eigentümlich an! Das Argument, daß der Käufer von Zucker, der denselben nur erMlten kann, wenn er andere Waren hinMkauft, die .Freihett der Wahl bezüglich dieser andevenWaren MsiM, ist überaus fadenscheinig, wenn anch durch^- aus der eigentümlichen manchesterlichen Auffassung des englischen FreiMitsbegriffes entsprechend. Tenn allein in der Tatsache, Mß eilt Kunde, wem: er eine Ware kaufen will, gleichzeitig nochi andere Waren kaufen,muß, liegt eben in dem Augenblick ein Zwang, wo jrrre erste Ware, wie es jetzt beim englischen Zucker der Fall ist, eine besoudere Knavpheit aufweist. In Deutschland wird eine derartige Zumutung gls preistteiberische Zurückhaltung' und als verkappte HöckistpreisüberschEung verfolgt.
Wenn die englische Regierung bei ^l-ren neuesten Plänen der Verstaatlichung der WeizeneinfuHr die gleichen Prinzipien verwirktlicht. dann werden hie englischen Brotkonsumcnten noch manches blaue Wunder erleben.
gedehnterer Handelsverkehr war zwischen ihnen und den Niederlanden sowie England rege. Diese Bedeutung zeigte sich z. B. darin, Mß in der Mmaligen Hauptniederlage aller europäischen Handelsvölker, in Brügge, die von Deutschen errichtete Faktorei sich besonderer Vorrechte, wie verminderter Zölle, erfrettte. England nahm an den kaufmännischen Unternehmungen der Niederdeutschen teil, und die englischen Könige waren über die aus dem Verkehr mit den deutschen Handelsgesellschafteir entspringenden reichen Zolleinkünfte sehr befriedigt. Allmählich nahm der Handel mit Hamburg einen solchen Umfang an, daß dort neben der deutschen Schonenfahrer- auch eine lEnglandfahrepgesellschaft sich im eigenen Hause niederließ. Doch allmählich regte sich der Neid in den englischen Kaufleuten, und tvenn auch Muard III. noch bei seinem! Regierungsantritt den deutschen Handelsgesellschaften ihre Privilegien bestätigte, gelarrg es doch! Mld, der urittlerweile von Engländern gegründeten Siapelgesellschaft, sich die gleichen Rechte zusprechen zu lassen. Damit began:: die Gefährdung der friedlichen deutschen Han- delsUnternehtnungen. Tie Deutschen ließen sich die SchÄigung durch England gefallen, solange ihre offiziellen Rechte nicht verletzt wurden. Dann aber ereignete sich folgender in der Hamburger Chronik ausgezeichnete Vorfall. Im Jahve 1457.hatten die Engländer einen Raubzug nach Island untentominen, wobei sie den dorttgen dänischen Vogt ermordeten und mit räuberischen Banden über die Insel zogen. Um diese Untat zu bestrafen, ließ König Christian die englischen Kauffahrer im Sund kapern. Die englische Regierung aber schob den Deutschen verlenmderischevweise den Antrieb zu dem Raubzua in die Schuhe und beschuldigte sie auch, bei der Wegnahme der Schiffe mitgeholsen zn Mben. Sie beschlagnahmten den der deutschen Innung, cefwrkren ^Stablbok" in London. Listen Mft- aliebex der Innung gefanarN und ließen einige sggar erdrosseln. Hieraus faßte der Hansetag in Lübeck den Beschluß, in keiner Hanse- städt mehr den Ankattf errglischer Tücher zu gestatten, den Engländern nichts mehr zü verkaufen und in Bremen und.Hamburg ÄRfft zü einer Stratexpedition zu rüstM, die eine Laitdung in Lnaland unternehmen sollten. Tatsächlich vernwchten die Engländer, durch ihre Bürgerkriege geschwächt, nicht, die Landung der Hanseaten zu verhindern, und die letzteren eroberten 49 Meilen enchischen BVMBS. Außerdenr erobertet: 'die Hamburger int Jahre 1472 sechs mit reichen Gütern beladene große englische Schiffe. Im Mrauffolgenden Jahre ncchnien noch die Schliffe der Stadt Danzig Mn Engländern eines ihrer schönsten Fahrzeuge wey., MS unter falscher Flagge, nämlich unter burgundischeu Fahnen, segelte. Im selben Jahre lieferten die Hanseaten Mn Cmgländern eine Seeschlacht, die für die letzteren so unrichmlich ausging, Mß Mr englische Gesandte am burgundischen Hofe ^um FriedensunterMNdltmgen Mt. Diese UnterMnMungen fatiden in Utrecht statt, und cmt 20. Juli 1474 kam Mr Berttag zustande, Mn König Eduard IV. und der Hansebund genehmigten. Die deutschen HanMlsgesellscMften erhielten die Bestättgung aller ihrer Füher ft: Englatch erlangten Vorrechte, Mr Stahlhof in London sowie alles geraubte Gut wurden ihnen zurückerstattet, und außerdem mußte England einen ScMMnersatz von 10000 Pfund zahlen. So hatte die englische Seegewatt sich in ieMnr %mft dem ehrlichen denftchen KampseSmut unterwerfen müssen.


