Der Reichskanzler.
Berlin, 21. Nov. (WTB. Mchtamtl.) Der RsrchskanF- 1er Ist aus dem Großen Hauptquartier wieder nachBe vÜi n tzurü ck g e k ehr t.
Der Kaiser an Generaloberst von Woyrsch.
Großes Hauptguartier, 21. Nov. (WTB. Amtlich.) Sevve V^jestpä der K a i s c r hat den Generalobersten von Woyrsch durch folgende A.O. K. MN Chef des 4. SckLeftschen Jnfanterre-Regiments Nr. 51 ernannt:
Mein lieber Generaloberst von Woyrsch?
Ms ich Sie zu Beginn des Krieges an die Spitze des schle- srschen Landwehrwrps gestellt lxcke, wußte ich, daß ich dicves Kommando in leine besseren Hände, als die des verdienstvollen mib in der Heimat allgemein verehrten ftüthieven Komm«lmdäerenden Ge- lneoals meines schlesijckren 6. Arineckkorps lesen konnte. Bon dem Vertrauen Ihrer braveil Landwehr getrogen, haben Sie mit derselben in schweren rurd aufreibenden Kämpfen einem an Zahl loert überlegenen (Gegner gegenüber die preußische Waffaieh« in glänzender Weise hochgehalten. Ihrer bewährten mrd unerschrockenen Führrmg rmd 1»er ausdauernden Tapferkeit der unter Ihnen.zu ge- rneinsamenr Handeln verbundenen deutschen und österreichisch-un- Mrischen Arnieekorps sind alsdann weitere ylimzendc Erfolge beschchden Morden. Durch Ihren kühnen Werchselübergang ^ bei Jwongarod im Juli 1915 haben Sie zu der endgültigen Niederwerfung der russischen Heere in Polen in hervorragendem Maße beigetragen. Nim bietet Ihre Heeresgruppe in unerschütterlicher Front dem Feinde die sieggewohnte Stirn! Voll Stolz und Dankbarkeit verehrt Ihre schöne schlesische Heimat in Ihnen den Schirmer der Grenze! Ich selbst will heute cncdi meiner hohen und dankbaren Anerkennung 'darnach erneu besonderen Ausdruck geben, daß ich Sie zum Chef des 4. nieder sch lest scheu Infanterie-Regiments Nr. 5 1 ernenne, ^zn diesem tapferen Regiment, das Ihnen bereits im Frieden in seiner dervorrageirden Tüchtigkeit gut bekannt war, ilnrben Schlesiens Söhne ihren kriegerischen Ruhm bestens bewahrt. In der Wnterschlacht in der Champagne, bei Souchez, bei Frise und artf den blutgedränkteir Feldern an der Sonrme hat sich das .Regiment imtvm'gangM^n Ruhm erworben. Es gereicht inir daher Kirr besonderen Freude, Sie an die Spitze dieses kampferprobten Regiments zu stellen, das stolz darauf sein wird, mit seiner ruhmreichen Geschichte nun auch Ihnen Namen >zu sehen.
Großes Hauptquartier, den 21. November 1916.
geh.: W i l >h e l in I. U.
An den Generalobersten von Woyrsch
^ la suite meines 1. Garderegiments zu F^^- Oberbefehlshaber der Hoeresgruppe Woyrsch^.
Der Einbruch in die Waiachei.
Berlin, 21. Nov. (WTB. Nichtamtlich.^ Das stetige Dor- drrngen der österrcicküsch -u ngnrischeu und deirtsckfen ^ Truvven verbände in den Transsylvanischeu Alpen und ihr energischer Einbruch in der Walachei müssen uni so höher bewertet werden, als die Truppen ganz außengenwimliche Schtvierigkeiten zu überwinden hatten. Inden Bergen herrscht harter Winter. Tie Gebirgs- übergänge, die sich zwischen Gipfeln bis zu 2500 Meter Höhe hin- duvclgvinden, sind vereist. Von gariz wenigen Punkten abgesehen, »oie bei Predeal (imb beim Roten-Turm-Paß, wo Eisenbahnen zur Berft'rgung stehen, sind Wagen und in ganz beschränktem Maße M.'Iomobile das einzige Befö rderungsmrttel. Der Vulkanpaß überschreitet das Gckbirge in 1621 Meter Höhe. Die Kämpfe vo-nc 6. bis 12. November üm das Plateau rvestlich von Baftent denn Predeal-Paß spielten sich in verschneiten Höhen von über 2000 Meter Höhe ab, die Eroberung des Monte Fruntu am 12. November in 1500 Meter Höhe. Der Törzburger Paß liegt «ff 1322 und der Toemoeser-Paß mif 1206 Meter Höhe. Für t*f Truppen, den Train, die Verpslegungs- und Munitions-, Polonnru. rme He Artillerie, steht fast ausnahmslos nur eine schmale vereiste Paßstraße zur Verfügung, als einzige Berbim- datngsader diese; gewaltigen, in dauerndem Kämpfe stehenden Trup-- penmassen. Jod-? Höhe muß einzeln gestürmt, jeder Berg einzeln ^MWcrngen, eEettert um» erobert werden . Unter rmgelieuren Schwie- rigSiten iwnß wieder rrnd nneder die Artillerie vorgezogen und List dem unwegsam nt Gebirgsterrvin in Stellimg gebracht werden. Ml das vo .Augen gehalten, erhält man eine einigermaßen Tiare Vorstellung voN oen ungeheuren Amördewllngen, die an die' Trttppeu gestellt wurden, von Zähigkeit, Disziplin -rnd Msvpferung der deursch-öfterreichi, ch-imgarischen Verbände. Die Rumänen dagegen verfügen allenthalben über Bahnen, die bis tief in die Berge hiw- -einftttrcn Sie batten den Vorteil der Ortskenntnis, so daß der Kleinkrieg in dem wild zerklüfteten, nmibersichtlichen weg- und, steglosen Gelände das Lleußerste an Umsicht und Ausdauer für die An greifenden erforderte. Ueberdies wurde dieser Kleinkrieg noch von der Zivilbevölkerung unterstützt, die vielerorts mit der Waffe xti der Hand am Kampfe teilnahm.. Trotz aU dieser großen SchSni-rcgkeften Dna-chte der Vormarsch der verbündeten Armeen ftän-- dig! Fortschritte, bis der Einbruch iw die Walachei alle Anstren- jgunyw; könnte.
Ti e Bahnlinie Orsova — Craiova ist in einer Breitevvn 3 0 Kil o mete rn in den Händen der Verbündeten. Die Breite des Angriffs ergibt in dem Zusammenhang mit einer Tiefe ein Gesamtbild der ganz ungeheuren Kraft- beistung aller Verbände. Die Armee F a l k e n h a v n hat ihren .Angriff trotz des erbitterten Widerstandes der Rumärren und 'des Fvanfftreurkrieges der Bevölkerung im Laust von nur acht Tagen chmr rückst u-emger als 80 Kilometer vorgetragen. Sie steht heute bereits tief in der Kornkammer Rumäniens, in der Walachei.
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Französischer Heeresbericht
vom 20. November, nachmittags.
An der gesamten Front verhältnismäßig ruhige Nacht.
Orieutarmec: Tie Schlacht, die seit dem 10. November -an der Front der Orientarmee von der Cerua bis zum Prespa-See Mt Gange ist, endete mit eurem voller Sieg der Mlickrten. Der \ß!&. November bezeichnet? das Gelingen des ausgedehnten Manö- jvers, duw?) das die deutsch-bulgarischen Truppen, die die Gegend lvon Monastir verteidigten, umfaßt wurden. Am Abeird des> !1.8. Nvvembei nallmen jdie Serben, die ihre fiegreickr? Offensive fort- lietzden, Grunista, östlich der Cerna. In derselben Nackch fiel Jaratek rm Bogen des Flusses in die Hände der französisch-setdischen Trup- pcrt. In energischer Fortführung ihres Erfolges nahmmr die Serben Kvach planvollen .Kämpfen in der Nacht auf den l9. November die Wöhe 1376 und verjagten in der Frühe des Morgens des 19. Novembers den Feind aus Makowe. Am gleichen Tage wurden mehrere Lmieir bulgarischer Schützengräben m Richtung auf Dobromir «benfalls von den Serben erobert. Diese kül-ne Borwärtsbewegungs ^wang die Deutschen und Bulgaren, ihre letzten Stellüngen vor Monastir zu räumierr. Frwrzösische Kavallerie folgte den feindlichen .Nachhuterr auf dem Fuße ürrd rückte um 8.30 Uhr nrorgens in die Stadt ein. Ihr folgten Kolonnen sranzösisclstrussischer Infanterie. ?Jnr Verlaust des Tages bemöchtigteu sich rufsisch-frastzösrschc Truppen, die sogleich nördlich von Monastir verstießen, nacheinander der Höhe 821 und des Dorfes Kerklma inrd gelegten bis zur Karaman und Orizani, die sie sogleich angriffen. 622 Gefangene Und zahlreiches Material blieben in unserer Hand.
Der neue Gew«ltstreich in Griechenland.
Athen, 21. November. (WTB.) Meldung des Reuterschen Wureaus: Ter deutsche, österreichisch-ungarische, bulgarische und türkische Gesandte müssen sich oinf rrnem (Dampfer emschifstn, der zur ihrer Verfügung gestellt ist; andernfalls ttrihrtxm sie mit Gewalt entfernt Werden. AdmiiÄ
r -ourne ! hat ihnen das direkt mitgeteilt. Der K'önig hat ede Verantwortungabgelehnt. Die fpmvffche Ges«ü)t- üpEnimmt den Schutz der deutschen Untertanen, bst ameri- •X c tMrr öslerveich^unyarrschcn, sowie türkischen und bul- Harlschen Xto&xtimtxL
Athen, 21. November. MTV.) Der Athener Korre,ponScnr der Londoner „Times" meldet, daß Wmchsal Fournet am Sonntag aband um 7 Uhr eine Note an die Gesandte n^d e r Mittelmächte gerichtet hat, tu der er sie ersucht, die L-taot vor Mittwoch zu verlasst». Sie weroen vermutlich an Bord eines Kriegsschiffes natf) Tedeagatsch gebracht werden.
Das WTB. bemerkt zu dieser Vdckdung: Da Deutschland feit geraumer Zeit von jeder telegraphischen und brieflichen Verbindung Mit Griechenlsnd ab ge schnitt « 2 r ist, kann die Rrchtig- keit dieser Meldungen hier nicht werden. An sich
wäre cs der Entente durchaus zuzactrauen, daß sie der langen Kette fortgesetzter Vergewaltigungen des Völkerrechts u-nd der Freiheit der kleinen Staaten in der angegebenen Weist die Krone aufsttzt.
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Neue Eisenbahnen in Rußland.
Petersburg, 21. Nov. (WTB.) Im Verkehrsministerium wurde zur letzten Beratung über die neuen Eisenbahnbau-« plane, ehe sie der Dinna vorgelegt werden, eine Konferenz eröffnet. Bon der Regierung wurde hervorgehoben, daß jährlich niindestens 6000 Kilometer neue Eisenbahnen gebaut werden müßten, trenn den steigenden Anforderungen des Landes entsprochen tverdetr solle. Es wurde beschlossen, zunächst eine neue Eisenbahnlinie von Kungrod noch Tschardschuj östlich des Kaspischen Meeres zu bauen, die den. Weg zu neuen Perrobmmgebieten eröffnen, und auch einen Teil der mächtigen .Hmrptbalm bilden wlirde, die in Zukunft Rußland mit Indien verbstiden solle. Ferner lvurde der Bau einer neuen Bahnlinie zum Weißen Meere vorgesehen.
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Hollands Wehrmacht.
Haag, 21. November (WTB. Nichbarntlich.) Di? Zweite Kammer lhat gegen den wiederholt ausgesprochenen Wunsch des Kriegsministers mit 59 gegen 4 Stimmen den Antrag des Abgeordneten Navchant airgenommen, daß die L a n d st u r m k l a s s e 19 0 9, die 26M7rigen, erst aufgerufen werdim sollerr, nachdem die Klasse 1917, die 18 jährigen, der Miliz und des Lmidsturms aus- gerusetl worden ist.
Haag, 21. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der Kriegs- minister teilte in der Zweiten Kammer mit, daß^ falls keine außergewöhnlickMr Sch,Gierigkeiten entstehen, mxf) vor August 1917 sämtlichie Jahrgänge, die am 1. April 1914 unter hie Waffenj gerufen ^vurben, abgelöst sein werderr Der Minister hofft, von den Landstirrmjahrgängen 1907 wrd 1906 keinen Gebrauch machen zu müssen.
Die spanische Flotte.
Berlin, 21. Novernber. Der ^.Berliner Lokal-Anzeiger" meldet aus Budapest: Der Madrider Berick^terstatter des „Az Est" Meldet durchs Funkspruch: Sieben. Unterseeboote, die die spanische Regierung in den Vereinigten Staaten in Cartha- gena und Italien vor einigen Monaten bestellte, sind fertig gestellt und werden demnächst in Caditz eint reffen. Man rechnet damit, daß die spanische Flotte anfangs 1918 über 30 Unterseeboote verfügen wird.
Wirtschaftliche Maßnahmen Schwedens.
Stockholm, 21. Nov. (WTB.) Ta amtlich festgestellt worden ist, daß die Vorräte an Weiten und Roggen für das Jahresbedürsnis des Landes nicht hinlänglich sind, sondern Brotmangel befürchtet werden muß, wenn nicht sofort Maßnahmen getroffen werden, so beschloß die Regierung gewisse vorläufige Maßnahmen, bis umfassendere, zu Anfang des Jahres 1917 getroffen werden, irämlich Höchstpreise für Weizen, Roggen, Gerste, .Hafer, Weizen- und Roggenmehl. Ter Volkswirtsckiastsausschuß soll Maß- nal)w.en für die Organisation von staatlichem Einkauf und Verkauf von Getreide und Mehl treffen. Der Ausschuß ivird Wüter ermächtigt, im Lande Getreide cinznkaufen und erhielt für diese Zwecke aus Staatsmitteln vorläuffg 5 MiUionen Kronen.
Die sackrverststtdigL „Times".
London, 21. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der militärische Mitarbeiter der „Times" 'schreibt in einem Artikel, das; die Siege der Briten und Franzosen an oer Somme, an der Ancre imd bei Verdien taktische Siege seien, keine strategisck^n. Das erste Ziel der Alliierte müsse sein, möglichst viele Deutsche z u löten, und dies sei auch erreicht worden. Die Zeit für die Strategie komme später.
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Der Friede.
A in st erdam , 21. Nov. (WlTB. Nichtamtlich 0 Der Londoner „Dimes" mtri> von einem Korrespondenten aus New Port gemeldet, die „New Pork Times" vertrete offen die Ansicht, daß die Zeit, um Friekden zu schließen, gekommen sei. Die „New Bork Tinres" druckt eine Reihe Artikel ab, die, wie das Blatt sich ausdrückt, aus einer Feder von London stammen, die aus beiden Seiten der Erdkugel als zustäst^g anerkannt werden.
Die Londoner „Times" benreM dazju, daß für die Engländer nach wie vor die Wdrte gelten, die Wguith in der Guildhall gesprochen hat.
Ans
Stesdt unü
Gießen,
Lcrno.
22. November 1916.
Der §ee?rieg.
Die Verluste der feindlichen Handelsflotten.
Berlin, 21. Nov. (WTB. Amtlich.) Im Monat Oktober sind 146 feindliche HandelsfahrKeuge von insgesamt 306 500 Brutto-RegisLer-Tonnen von Unterseebooten und Torpedobooten der Mittelmächte aufgebracht, versenkt oder durch M inen verloren gegangen. Ferner si;rd 72neutraleHandclsfahrzeuge mit insgesamt 87 000 Brutto-Megister-Donnen wegen Beförderung von Bannware zum Feinde versenkt worden.
eit K'riegsbeginu sind durch kriegerische Maßnahmen der Ntrttelmächte 3 322000 Tonnen feindlichen Handelsschiffsraumes verloren gegangen; davon sind 2 550000 Tonnen englisch. Der Chef des Admiralstabes der Marine.
Die „Deuffchland" abgefahren.
New London, 22. Nov. (WTB. Nirktamtlich.) Meldung des Neuterschen Bureaus: Die „Deutschland" ist abgefahren.
A m st e r d a m , 21. Nov. (WTB.) Die Zeitungen melden aus New Aork, daß die Eigentümer der „Deutschland" für die Freigabe des Schisses 87 000 Dollars hinterlegt haben, nachdem auf Grund des schwebenden Prozesses ein Zun'ickhaltungsbefehl gegen das Schiff ergangen war. Tie „Deutschland" darf demnach jetzt jederzeit deir Hafen von New London verlassen.
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Berlin, 21. Nov. (WTB. Amtlich.» Lünes unterer U-Boote hat am 14. November im englischen Kanal ein französisches Bewachungsfahrz eng, anscheinend einen Zerstörer der „Llrc"- oder- „Sape"-Klasse, versenkt. Außer sechs feindlichen Handelsschiffen wurde voir demselben U-Boot der norwe^ffche Dcunpser „Ullvang", der Eriegsmaterial für die srauzösffche Regierung an Bord hatte, versenkt.
A t h e ik, 21. Nov. (WTB. Nichtamtl.) Meldung des Reir- terscheu BureauS: Der griechische Küstenfahrer „Spets- cis" wurde versenkt. Soweit bisher bekannt, ist dabei eine Person tödlich verunglückt.
London, 21. Nov. (WTB. Nichtamtl.) Lloyds msldet, daß der Kapitän und ein Teil der Besatzung des n o r w e gisch e n D a m p s e r s F i n n, gelandet wurden. Sie erzähltsn, daß der Dampfer von eiusm deutschen Unterseeboot versenkt wurde.
Bucheckernernte.
Die „Darmst. Ztg." schreibt:
Aus verschiedenen Gegenden des Landes wrrd berichtet, daß die Bevölkerung über die Abli-eferungsvorjchriften für die Bucheckern verstirmnt und verärgert sei. Der notwerrdrg gewordene Hinweis auf die Vorschriften der BundesralS-« Verordnung, die vielfach ganz außer acht gelassen wurden^ habe die Folge gehabt, daß das Sammeln der Bucheln ganz eingestellt worden sei. Es wurde sogar versucht, den Glauben zu erwecken, das Sammeln erfolge nur für die Reichen, die sich dann das Oel kaufen könnten. Lieber sollen die Bucheln verfaulen, so konnte man hören, als daß sie den Sammelstetlen abgeliefert werden. Solchen ganz ungerechtfertigten Ausstreuungen gegenüber muß wiederholt darauf hingewieseu werden, daß nur die gebieterische Notwendigkeit, die Oelversorgung Deutschlands sicherzustellen, zum Erlaß dieser Vorschriften geführt hat. Der Bevölkerung der Gegenden, in denen es Bucheckern gibt, wurde die Vergünstigung eingeräumt, daß die Sammler V* der gesammelten Menge bis zum Höchstbetrag von 25 5kilogramm zur Oelgewinnunq für den eigenen 5)ausstand zurückbehalten dürfen. Diese 25 Kilogrcmrm Bucheckern liefern etwa 5 Liter Oel. Ms sich heraus stellte, daß die Ernte vielerorts geringer aussällt, wurde zugestanden, daß der Anteil des Sammlers in (wogenden mit geringerem Mastertrag auf die Hälfte, unter Einhaltung der Höchstgrenze von 25 Kilogramm erhöht werde. Weiter zu gehen ist, in Anbetracht des geringen Ergebnisses im ganzen, nicht möglich. Denn, es sei dies hier hervorgehoben, das aus den ab gelieferten Bucheckern gewonnene Oel muß in erster Linie zur Versorgung des Feldheeres und der Munitionsarbeiter verwendet werden. Ist bei dieser Sachlage das Verlangen gerechtfertigt, zuerst 25 Mlogramm für sich sammeln zu dürfen ürrd nur den etwaigen Ueb-erschutz abgeben zu wollen? Ist es berechtigt, zuerst an sich zu denken, wenn es sich darum handelt, den Soldaten, die oem ständigen Ansturm der Feinde standzuhalten haben, den Arbeitern, die ihnen die Waffen und Geschosse hierfür Herstellen, kräste- spendende Nahrungsmittel zu liefern? Gerade der Gedanke, zu diesem vaterländischen Zweck selbst beitragen zu können, sollte den Sammeleifer aufs äußerste anspornen, damit das in dieser schweren Zeit doppelt kostbare^Gut geborgen und zum Besten des .Heeres und der Arbeiter verwendet werden kann. — Hoffentlich trägt dieser Hinweis dazu bei, daß die Sanrmeltätigkeit wieder ausgenommen und neu belebt wird. Man wende nicht ein, die Jahreszeit sei zu weit vorgeschritten, die Witterung zu rauh und die Tage zu kurz. Solange nicht Schnee den Boden deckt, kann immer noch weiter gesammelt werden, bei Barfrost sogar am besten. Wenn die Fingerspitzen die sckprrfkarrtigen Früchte nicht mehr fassen können, so kann das Zusammenkehren der Bucheln angewendet werden, das bei einigswmaßen reichlicher Mast am besten fördert und auf das die Forst- vcrwaltung von vornherein hingewieseu hat. Nach oberflächlichem Durchsieben raffe man Buck)eckern mit dem Kehricht in Sacke. Die Abende sind lang genug, um die Bucheln sauber auslesen zu können. Deshchb frisch ans Werk! Wer Bucheln sammelt, sorgt für das Heer und dev Heeresbedarf, er sorgt zugleich für den eigenen Hausstand. Denn nur für diesen ist dem Saminler gestattet, sich aus seinem Anteil Oel schlagen zu lassen. Zu kaufen ist das Buchelöl nicht.
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** Inngwehr. Mittwoch, 22. November - Antretrn: 81/4 Uhr. Komp. 621 (2.): Realgymnasium. K-onrp. 620 (1.): 1. Abteilung: Ober-Realschule; 2. Abteilung: Gymnasium.
** Eine Fe st Vorstellung findet am Samstag, ben 25. November 1916, abends halb 8 Uhr im Stadttheater zur Feier des Geburtstages des Groß Herzogs statt. Nach dem Vorspiel zur Oper „Iphigenie in Aulis" von Gluck, ausgeführt von der Kapelle des Ersatz-Bataillons des Jnsantcrie-Reginrents Kaiser Wilhelm Nr. 116, unter Leitung des Musikleiters Bruno Herrmann gelangt „Iphigenie ans Tauris", Schauspiel in 5 Auhügen von Wolfgcmg von Goethe nrit Fräulein Pils vom Hoftheater in Tarinstadt als Gast zur Aufführung. Der Reinertrag wird der Kriegsfürsorge überwiesen. Die Bürgersckmft wird in einem Aufruf des Oberbürgernreisters im l-eutigen Anzeigenteile ersucht, durch zahlreicher! Besuch den wohltättgen Zweck in vollem Maße sicher zustellen. '
** Huhn ermarder. Am 21. November wurden aus einem Garten an der Lahn, in der Nähe des Bootshauses, zwei Hühner (gelbe Italiener) entwendet. Als Diebe winden zwei junge Leute in der Nähe des Tatortes im Alber von 14 bis 16 Jahren gesehen, die Rucksäcke trugen, in denen sie anscheinend die gestohlenen Hühner hatten.
** K r ankenreute nur für in valide Kriegsteilnehmer. Nach delt gesetzlichen Bestimmungen haben verwundete und erkrankte Kriegsteilnehmer nur dann Anspruch aus die Krankenrente aus der I n v a l i d e n v e r s i ch e r u n g, wenn sie nach lAblauf von 26 'Wochen'vom Dage der Erkrankung oder Verwundung an noch invalide im Sinne der ReichsvefficherungS- vvdnung sind, außerdem aber auch genügend Marken geklebt und bic Anwartschaft, auf Rente aufrechterhalten haben. Demgegenüber hat das Oberversicherungsamt Darmstadt vor längerer Zeit entschieden, daß allen versicherten Kriegsbeschädigten, die ununterbrochen längerals 26 Wochenim Lazarett bleiben müssen, die Rente zn gewähren ist. Begründet wurde diese Auffasftmg damit, daß allgemein Kriegsteilnehmer stets für die Zeit ihres Lazarettaufenthalts als invalide im Sinne des § 1255 der ReichSversichevungsordnung zu betrachten sind und daher !An- spruch auf Kranken- und Invalidenrente haben, soweit im übrigen die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Der Gesetzgeber geht von fret Frage aus, ob der Versicherte sich mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand etwas erwerben, verdicmen kann. Das ist aber unmöglich, (jlo lange er sich im Lazarett befindet, da er keine Möglichkeit hat. sich gewerblich zu betätigen. Es ist daher, sofern nicht befondere Umstände vorliegen, nach Ansicht des Oberversicherungs- amtS während der LaizarettbeHandlung Erwerbstzm- sähigkeit im Sinne des 8 1255 der Rcichsversicherungsordnung anzunehnren. Gegen dieses Urteil des Obcrversicherungsamts hat chas Lcmdesversicherungsantt Darmstadl Revision beim Reichs- versicherungsamt Berlin eingelegt. Dieses hat, uüe wir erfahren, vor einigen Tagen dahin entsctiieden, daß die Rente nur solchen versicherten Kriegsteilnehmern zu ae- währen ist, die nach Ablauf von 26 Wochen noch invalide (d. h. mehr als 66% Prozent) erwerbsbeschränkt sind. Diese endgültige Entscheidung, die für versicherte Kriegsteilnehmer von außerordentlicher Bedeutung ist, entspricht wohl den gesetzlichen Bestimmnngcnt, immerhin wäre aber eine weitherzige Auslegung der Besttmmung, entsprschend der Entfcheidmig des Oberversi- cherungsamls im Jrtteresst der Kriegsbeschädigten sehr z-u nmnschwi gewesen.
** Der «Erfolg her Bo'lks- und Bern fszählung am 1. Dezember ds. Js. hängt in erj'ter Linie davon ab. daß es den (Vemeftldebehörden gelingt, Pie nöttge Anzahl v»n tüchtigen Zählern zu gewinnen. Diese haben nicht nur die Haushaltunyslisten ft; den einzelnsr Haushaltungen abzugeben ulD dami Meder einzusammeln, vielmehr ist es ihre Hchiptaußgabe, naäMrprüfen, ob die von den HMrsbalttrngsoorsdLnden gemachten Einträge vollständig und richtig sind. Unterbleibt dies, so sind späterhin zeitraubende und unliebsame 9ftkffr<%n wwermeijdlich. EH ist zu erwarten, daß ftch recht viele schreibgewandte und geeignete Pennen den Gemeinde


