Hr. 256 Zweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
M. Jahrgang
Beilagen: „Sichener 5crm!lienbl8tter" und „Kreisblatt für den Kreis Gietzen".
Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: ®et»erfee&an! Gießen.
Gietzener MMger
General-Anzeiger für Gberheffen
Zamstag, Z. Gltober 1916
ZwillingSrundsru«k und Verlag: Brühl'jche Uirwernläls-Ditch-u.Sttindruekerei.
R. Lange, Lieben.
§chrislleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulsttcrke?. E eschäßs stelle u. Verlag: 61*
Schriftleilung: 112.
Anschrift für TrahtnachrlchtenrAnzeigerGießen.
Kriegshriefe von der rumänischen Front.
Bmr iixirferciit zum südöstlichen Kriegs sckpuplatz entsandten Sonderberichterstatter.
(Urrberechti-gter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Zum Noten-Turm-Patz nach der Nurnünen-Schlacht.
Kriegspresseguartter Südost, den 1. Oktober.
I.
Niedliche kleine Hauser mit sauberen Fensterläden und kleinen Gärten. Man hält auf sich in diesen vorwüegerü) deutschen Ort« schäften des Schlachtfeldes. Auf dem Giebel steht: Dieses Haus lxrben Johann und Caroline Maier erbaut. A. I). MDCCCLA II. Mes iganz Wie in der Heimat. Das Gasthaus heißt „Zum Auge Gottes", „Zum weißen Roß" oder „Zum goldenen Löwen" Und eine Tafel ans der Straße trägt den Himvris „Zum Ortsvorstand . Die Kirche ist architektonisch etwas ganz Besonderes. Wir sind :m Land der Kircberrburgen. Rings um das Gotteshaus breitet sich eine hohe, alte Mauer mit Schießscharten, Wallgängen, Ecktürmen, und allem, was.dazu gehört. .Hier hat wohl oft genug in alten Zetten die Gemeind-e Unterschlupf gefunden in Zeiten der Not vor den Räuber:: der Steppe und ihnen Widervart gehalten, insbefondere
lichkeit hernmstreifender Zigeuner und anderen faule.:, blutfremden Gesindels reizen könnten. Unter sich selbst sind die Bauern :hraS Eigentums sicher. So bringen sie ihre Speckseiten sehr gern in den Schutz des Kirchenwalls. - Walachei: und Zigeuner haben in der sächsischen Kirckre nichts zu suchen. ,
Gfott sei Dank lrabem die Dörfer und ihre Bewohner in den Tagen der neuesten Kriegslist — das SchlachtgetümM e l der letzten Septemberwoche einbegrifser: — nicht allzu schwer gelitten. Gewiß ist der Kampf Mich an ihnen nicht spurlos vorübergegangen, insbesondere dort, wo die nahenden Befreier zum Sturm schreiten nrnßten, oder wo mgn gar in den freundlichen Gassen handgemein giworden ist. Genuß ist auch hier und da eine Granate durch die Bäauer gefahren, ist anderwärts ein Dach abgedeckt. In den Sckfin- delu auf den Wachttürmen der Kircheuburg von Grossan, das heitte amtlich den uns weniger leicht zu Ohren gehenden Namen KereflSny- Sziget trägt, haben Schrapnells übel getvirtschaftet, und man sieht auch noch immer mehr als genug ganz niedergebrannte oder durch Geschützfeuer zerstörte An weisen. Aber es ist doch nicht annähernd das Bild des Grauens, das ich von den Ortschaften der Kämpfes- zonen in Polen, Galizier: oder Rußland, an denen die Helden des weißen Zaren im Abziehen ihr Zerstörungswerk verrichtet hatten, in düsterer Erinnerung bewahre.
Tic Fensterläden sind noch immer fast durchweg ängstlich geschlossen, so daß es aussieht, als ob die Bauer:: bis auf den letzten bRcnm geflohen wären, und Mich die Straßen sind öde und einsam, soweft nicht feldgraue Kolonnen, die Nachzügler der Kärwpfe vorn, in dem Ort in Qfuartter liegen und so für etwas Leben sorgen. Man hat sie auf den Höfen untergebracht, die Wohnräume der befreundet«: Bevölkerung dagegen, wie es scheint, nach Möglichkeit geschont. Denn sonst würden die Läden eben geöffnet sein.
Auf der Straße sieht inan nreist nur die in den Orts«basiert ansässigen Walachen. Leine Lenke, die fast durchweg zurückgeblieben sind. Daß trotz der Flucht vieler Bauern immerhin Hände genug zur EruHrcngnng der Ernte vorha-rden gewesen sein müssen, verraten die prallen Getreideschober und die Stoppelfelder, die sich weithin breiten. Nur die Standen der Kukurrutz sind noch nicht überall angeschnitten, und wo sie noch stehen, sieht Man zwischen ihreiN gelben, welken Kraut beim Borliberfahren am Boden oft genug! etwas Dunkles, das, wenn man nahe genug daran vorbei komntt, aussieht, wie ein graues, eingestaubtes Kleiderbündel. Es sind Tote aus den Kämpfe;: der letzten Tage, meist gefallene Rumänen. Die Bestattungskommandos sind noch an der Arbeit. Soweit das fteie Feld in Betracht konrmt, sind die Stätten der einzelnen Gefechte bereits aufgeräumt. An den Waffensammclplätzen werden die gefundener! Gewehre entladen, damit nicht unversehens nachträglich eins losgeht: und an den Sammelplätzen der arideren sieht man 10, 12 starre Körper am Wegerande, die des Bodens harren, der sie mm Mrfnehmen soll. Der Spaten tut mittlerweile irgendwo in der Nahe seine Arbeit. Bald wird man auch ans Ansuchen der Ku- kurrutzfelder gehen.
Die Straße ist in ausgezeichneter Verfassung, wenn auch nicht das Ideal des Autlers. Dem: die wellige Beschaffenheit der Vor- gebirgsckene bedingt oft reckst plötzliche, schnelle Senkungen, und auch tückische, steile und scharfe Kurven sind keirieswegs ausge- Moffen. Wo Granattrichter auf dem Wege liegen, sind sie wenig tief: wohl ein Beweis für die kunstgerechte Ausführung des Unterbaues. Im polnischen Lehm wühlt schon ein Feldgeschütz ganz anders. Siebenbürgeir aber ist ein Land von hoher Kultur. Das soeben befreite Hermannstadt liegt hinter uns. Den Horizont ringsum begrenzen in leisem Dunst schöngeformte, dickst bewaldete Berge, hinter denen höhere und immer höhere auftauchen, bis dann schließlich das gewaltige Massiv des Surüt, eines Riesen von rund 2300 Meter, sich vor uns am Blau des Firmaments abzeichnet.
Schade, daß die Fahrt nicht dem Boden an sich gilt, von dem ich hier schreibe. Die Versuckmug, die Schönheit dieses Sicbenbürger Sacksenlandes zu schildern, ist wahrhaftig groß. Wir kommen'in die Berge: höher und höher geht es. An der Kurve eines Schlau gel- weges nach aufwärts blicke ich rmch links und damit in die Richtung, aus der Wir kommen. Vom Kriege sicht mm: hier nichts; rein gar- wcksts. Mes atmet Frieden. Näorgeufrifch und sonnig, ein Meer von Bodenwellen, voll grüner Haine iinb reicher Dörfer, leicht verhüllt noch vom Mörgennebel mrd doch schon von strahlender Herbstsonne verklärt, liegt die -Herrnmmstadter Ebene vor nrir. Mitten aus dem Meer der Bodenwellen heraus l>ebt sich, uns scheinbar ganz nahe, als ragender Fels ein vereinsamter Vorberg. Ein düster bewaü>eter Riese, von unserem Aussichtspunkt zwischen ihm und dem Hochgebirge aus gesehen, und doch ein Zwerg gegenüber der Gebirgskette, in die wirr sstnein sollen. So war er vorher, nrit den großen Berglen als Hintergrund, von der Ebene selbst aus kaum wahrnehmbar. Doch ich bin nicht unterwegs, um solche Bilder zu zeichnen. „Dort drüben liegt der Paß!" ruft unser Führer und weist auf eine Senke in der ^Gebirgskette. Der Paß! Ja., der ist allerdürgs in diesen Augenblick wichtiger als dts schönste Land- schaftsbild. Wir haben viel von ihm gehört bei unseren Erkundigungen auf der Durchfahrt durch Hermannstadt. Es soll sehr böse dort droben aussehen. Tie Rumänen haben überall geworfen, und ve, verstellbaren Wegen nach Osten hin, sich verzweifelt bemüht, über den Paß nach ihrer Heimat hinüber zu entkommen. Bayerische ^äger haben ihnen das Mahl versalzen. Durch einen verstohlenen Eilmarsch durchs Hochgebirge, der unter den berühmten Märschen k^utschcc Kriegsgeschichte seinen Platz finden wird, waren sie dein ?rernd m den Rücken gekommen, wo sie daun am Paß in Hinterhalt lagen. Tort pfefferten sie in die abxvehenden .Kolonnen, unter denen Vn C Panik ausbrach, hinein. Neue Truppenteile mit dem Marschziel Caneni, dem ersten rumänischer: Ort am Paß, drängten von hinten nach. In: Handumdrehen tvar die Straße rettungslos vollgefahren. Tie Wäger: schlugen um, ftelen zum Teil in die Alt hmem, deren Bett der Paß folgt; Schulse krachten von den Bergen nP'ruL • un o 1/ lT, ? l ^ x ^orn ebercso wie im Rücken der Abrückenden. Geschrei, Fluchen, Kvmmandorufe, die Schmerzenslaute Verwundeter ollenthallien! Dazu kam das Grauen der Finsternis. Denn es war Nacht. Scheuende Pferde keilten aus und verbreiteten Ver
wirrung: kurz, es müssen fürchterliche Schreckensszenen gewesen fern, die sich da überall auf dem engen GebirgsÜbergang abspielten. Fahrer schirrte:! die Pferde aus, oder hieb«: auch einfach die Stränge durch, um auf dem Micken der Tiere zu entkommen. Jeder verlassene Wagen aber bedeutete eine neue Unmöglichkeit, in das Chaos Ordnung zu bringen und die Straße frei zu bekommen. So hat die Sperrung.des Passes der geschlagenen Truppe volle Auflösung gebracht. Ihr gefarrtter Troß ist an uns verloren gegangen: ihre Infanterie aber warf von sich, was sie am Klettern hindern konnte, und mackste, fauve gui pent, den Versuch, sich durch die Felsen und Wälder des Hochgebirgs hindurch zu schlagen, empor zun: Grat und dann hinab in die rumänische Ebene. W!ie vielen es gelungen sein wird, den ihnen droben auslauernden Bayern zu entgehen, ließ sich einstweilen noch nicht erkennen und steht auch jetzt noch nicht völlig fest.
Adolf Zimmermann, Kriegsberichterstatter.
Kriegsbrieft aus dem Osten.
8 5sm unserem zuin Ostheere entsandten Kriegsberichterststt« (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Gefecht auf dem Koman.
Macarlcrn, den 27. September.
Wir ritten zur Stellung. Auf den! Wege vom Rotundul zum Komanrücken wurde am Mittag die Stille zerrissen. Der .Kanonenlärm dröhnte auf, als sei eine große Schlacht im Gange. Jeder Schuß rief sein vielfaches Echo wach, das rollte wie Gewitter über die Berge. Das gleichmäßige Hämmern der Maschinengewehre setzte ein, brach ab, setzte wieder ein. Jnfanteriesieuer. Man hörte Hurra rufen. Oder war es das Hurra angreifender Russen?
Der Oberstleutnant lies; die Werde an einer Wiesen Halde stehen. Schräg vor uns lag der .Koman. In den stahlblauen Himmel vor uns hineiir spritzlen zwei kleine Wolken, deren unterer Rand braunrot gefärbt war. Das Echo schrie hnndertanal auf. Russische Schrapnells. Neue Wolken folgten. Wie zum Greifen nahe lag der Kanrm vor uns. Ganz fern links, aus dem Pirie, scksten es noch rulstg zu sein. Vom Ludowa-Gebiet, wo die russisck>en Divisionen nrit vollem
Wege alles leichter erträglich, aber einmal wird plötzlich und unwiderruflich der Winter über die Berge kommen . . . -
Mit den: Bereitstelleu und dem Einsatz der Reserven ist der Tag für heute mtschieden. Aber die Russen haben sich doch in den Latschen eingenistet: es werden neue Kämpfe beginnen. Auch auf dem Koman lvird der Kampf nicht verlöichen,^ bis der dichte weiße Schne-emantel alles gleichmäßig bedeckt bei Freund und Feind. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Arrs Staöt und
Gießen, 7. Oktober 1916.
** T er Ober hessische Verein für Innere Mission beabsichtigt, seine diesmalige Jahresversammlung, die dritte im Kriege, in ganz dnfadjcn Formen zu halten. Sie soll lediglich aus einer Arbeitsversanunlung und einem Abendgottesdienst bestehen. Am Mittwoch, 8. November, nachmittags, wird der Direktor des Predigerseminars in Friedberg, Professor Ick. Schvel^, einen Vortrag halten über das Thema: „W-ais fordert die gegenwärtige Lage von der Inneren Mission": eine Anssprache wiw sich anschließen. Am Abend desselben Tages ftndet ein Gottesdienst für Innere Mission in der Stadtkirche statt; die Predigt hat Pfarrer Menneri irr Tarmstadt übernommen.
**Stadttheater. Die Eröffnungsvorstellung am kommenden Dienstag — die bekanntlich Lessings Nathan der Weise bringt — findet als erste Dicrrstag-Abonnemerrts'vorstellung statt. Die Ausgabe des Abonnements begirrnt am Montag, den 9-Oktober, 10 Uhr vormittags, und zwar in de.c Kassenstunden: des Montag und Dienstag (je von 10—1 und 3hck bis 5 Uhr) zunächst für die D i e n s t a g - A b v n nentc n. Die Ausgabe der ^rartag-Abonneinents erfolgt von Mttttvoch ab. Diese Einrichtung mußte wegen des zurzeit beschränkten Bureaupersonals getroffen werden. Tageskarten für die Eröffnungsvorstellung am 10. Oktober werden schon von Sonntag ab ausgegeben.
** H eim befördereng von Leichen gefallener Kriegsteilnehmer. Mit der Heiinbesörderurrg von Leichen gefallener oder inr Felde gestorbener Kriegsteilnehmer sind sowohl für dre militärischen Stellen als auch für die Eisenbahnen — namentlich in den besetzten Gebieten — erhebliche Sckpvierigseiterü
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Einsatz angrrsfen, hörte man derr Schall, den man geftern verbunden. Diese würden eingeschränkt werden, wenn die Leichen-
verworren gefangen I>atte, überhaupt kaum. Auf dem kahlen Gipfel des Purulm, auf dem ich gestern gestarrden l-atte, war Ruhe. Auf Steviorca, die sich den grünen Zwerg kiese rn-Kragen hoch bis zu dem Kops zieht, schien Bervcgung zu sein, zum Koman zu sah man dann schwarz und wie mit Goldlinieu umsäurklt Schützen vorwärts gehen. Der Oberstlenttrant schien den Berg hinauf fliegen zu können. Je stärker sich ober: Einschlag auf Einschlag folgte, desto schneller gingen wir zum Bataillonsstab. Unterwegs weideten noch Tragtiere. Der Kommandeur befahl, fertig zu nrachen. An einer Senke stand schon ein Maschinengewehr zugbereit zum Marsch. Das Gewehrknattern setzte oben wieder ein. Wir waren am Bataillonsstab. Meldung: Die Russen sind im Latschenfeld am Komanrücken eingedrungerr. Ein Maschinengewehr hat versagt . . . .< Stellung wird abgeriegrlt ....
Die Jäger oben am Kamm, die ein Ausbreiten der Russen nach links, verhindern sollterr, begannen sich zu entwickeln. Da schlugen! russische Granaten dicht vor dem Kamm ein. Es sah aus, als ob der Koman ansinge, Vulkan zu werden, wie sich die braunen! Staubwolken aus seirrem Gipfel hochhoben. Die Jäger sprangen zur Seite, sprangen vor. Im Latschenfeld lagen sie sich jetzt ans 100 Meter gegenüber. Die Kiefernlatschen find etwa 2 Meter hoch, Zweig filzt sich in Zineig, die festen Aeste bilden ein fast undurchdringliches Gewirr von Holz und kleinen grüner: Kieserbüschein. Der Bergsteiger würde manches Latschenfeld auf den Karpathen- ^höher: kaum bewältigen können, meinte man früher, als rnian von der durchschnittlicher: Größe menschlicher Leistungsfähigkeit noch keinen Begriff hatte. In diesen Latsch«: beginnt jetzt der Handgranatenkampf. Die Ussuri-Kosaken, die hier angreifen, wollen mit aller Gewalt zwischen Koman und Steviorca duM. Es smd tapfere, verwegene Kerle, die im Einzelkampf gut ausgebildet sind rmd gewohnt, sich mit den Hindernissen einer harten Gegeud herumzuschlagen. Bei den Jägern sind viele Gebirgler, Bayern — man hört es an manchem Jodelruf in den Seitentälern, rverrn die Freude, daß man doch wieder im Gebttge ist, hochsteigt —> aber auch viele Flachlandbewohrwr, die das Herz nach den starken Steigungen schon in: Halse fühlten rmd die es erst gelernt haben, zu steigen, zu gehen — zu kämpfen in diesen Bergen.
Man scheint sich jetzt etwas netter gegem'cker zu liegen, derrn eine deutsche Gebirgsbatterie legt ihr Feuer auf das Latschenfeld. Die Wälder in der Ferne, in der Tiefe scheinen anfzuschreien, von überall bricht das dumpfe, dvnnertiese Grollen los.
Das Telephon lärmt in dem Bataillonszelt. Ununterbrochen. Reserven sollen eingesetzt rverden. Erst rcach längerer Zeit werden sie aus den: Tal oben erschien«: sein. Bis dahin müssen die Batterien die Angriffslust der Ussuri-Reiter und der ansetzenden russischen Infanterie niederlxrlter:.
Der Oberstleutnant geht zur Nachbarbatterie, da die Telephonverbindung nicht mehr^ arbeitet. Vielleicht hat ein umgestürztev Baum den Draht znrrissen, vielleicht ein Granaten ein schlag. Vorher. Befehl: Der Koman soll gehalten werden.
Die ^Batterie muß völlig umgeschweukt rverden. Es scheint zweifelhaft, ob es möglich ist, die Kuppe nach rechts zu überschieß«:. Messungen. Beobachtung. Es geht. Nach 10 Minuten schreit auch hier vom Kamm der harte Ruf der Gebirgskanoncu. Von links her wird ein neuer Jäger-Zug herbefohlen. Noch ist dort ja Ruhe.
.Aber in der Mittagshöhe fängt auch dort die Infanterie an, Patrouille:: vorzutteiber:.
Die Russen scheinen das H>eranbringen von Verstärkungen ver- hftrderr: zu rvollen. Denn das Tal unten, bekommt einer: neuen! Wolkenhimmel von zerplatzenden Schrapnells. Es ist merkwürdig genug, die Schrapnelle tief zu unseren Füßen-zerflattern zu sehen. Da geht im Tannenwald brauner Staub hoch, mxm hört das Krachen der fallender: Riesmbäume bis herauf. Die Russen beschießen der: Wald mit Granaten.
Die Kanoniere erzählen in der Feuerpause — während der Verlegung einer Beobachtungsstelle — daß bei der Nachbarbatte- rie die Arttllerister: sich mit ihren Karabineri: den vorgeheuden Jägern angeschlossen haben. Jedes Gewehr hat hier oben im Ge- birgskrieg seinen besonderen Wert. ,',Wlas fti.1L die Führung viel! tun?" sagt der Oberstleutnant, „cklüan kann sorgen, daß Munition da ist, daß Reserven kommen. Machen rnuß es der einzelnel Mann hier. Es geht ja immer rmr um ein paar hurckert Meter, geht darum, daß die Besatzur:g so Lange hält, bis die Reserven» heran sind. Das dauert häufig geraume Zeit bei der: weiten Wegen, den steilen Höhen. Die Russen wissen, wo sie angreifen wollen, die können die' Reserve:: an dem Punkt vorher bereitstell«: . .."
r 'Die Artillerie haut jetzt in das Latschenfeld hinein. Meldung; Die Spitze des Feldes ist vom Ferrrde gesäubert.
Da kommt auch der Zug Jäger den Kamm entlang. Wir gehen mit der Reserve zur Feuerftellur:g. Die „blauen Bierren" summcif im Wald. Verwundete komnrm vor: vorn.
Sie haben den weiter:, schrveren Talweg vor sich. Die bitterste Seite des Gebirgskrieges zeigt sich. Es sind rratürlich Verbandplätze in der Nähe der Givfel eirrgerichtet, aber der Abttansport bleibt lang, beschwerlich. Die Versuche, die Tragen zwischerr Maultiere zu hängen, haben auch kein voll befriedigendes Ergebnis gehabt. So müssen die ^Krankenträger die letzten Kräfte hergeben. Noch nracht das milde Wetter, die von Tag zu Tag sich bessernden
Überführungen.nach Möglichkeit bis nach Beendignng des Krieges zurückgestellt würden. Tie Bundesregierurrgen mit Staatsbahnbesitz haben auf militärische Anregung beschlossen, auf diejenigen, Leichensendungen, die erst nach dem Kriege zur Aufg-abe und Beförderung gelangen, während eines angemessenen, später festzusetzenden Zeitraums «ne Frachtermäßigimg von 50 Prozent zu gewähren.
** Keine Salz not in Deutschland. Trotzdem schon öfters daraus hin gewiesen wurde, daß eine Salznot in Deutschland ausgeschlossen sei, tauchen immer wieder Gerüchte ans, die von einer Verteuerung des Salzes wissen rvollen. Demgegenüber kanß festgestellt werden, daß Deutschlands Bedarf an Speise-, Vieh- und Gewerbesalz vollauf gedeckt rverden kann. Der durchschnittliche^ vom Statistischen Amt ermittelte Jahresverbrauch an Kochsalz für Speisezwecke beträgt etrva 7,5 Kilogramm auf den Kops der Bevölkerung. Das macht für 65 Millionen Einwohner 48,5 Millionen Kilogramm, was nur einem Drittel der wirkliches erzeugten Gesamtsalzmenge entspricht. Tie Grenze der Leistungsfähigkeit wird hiermit noch lange nicht erreicht. Hieraus erhÄlt, daß die Gerüchte von einem SkützmangÄ rmr auf unlauteres Machenschaften beruhen.
** Die Stimmung im Felde. Ein Gietzener schickt Ims aus dem .Felde folgenden Beittag, Um, wie er schreibt, die! Stimmung im Lande zu heben. Es^httßt da: Aus unserer Gastspielreise nach .. ..' jTag- und Machtprogramm eines ... ers.! 5—8 llhr vorm. Wecken durch Piefke 7,5 Zentimeter. In die Wirklichkeit versetzt durch 15—38 Zentimeter-Kaliber. 8—12 Uhr M:- nenzauber, als Einlage Trommelfeuer. Solist: Piefke, Bah: Berta. 12—1 Uhr Spanisches Reiten auf Drahthindernissen rmd Luft- gymnastik. Dazwischen als Schauspiel: Steil-, Gleit-, mit nach- folgerrdem Sturzflug. 1—4 Uhr: böigem eine Kunstpause. Während dieser Zeit ftndet internationales Lausen und Rottenftitterungj sowie Vorführung besonders gut in Freiheit dressierter Exemplare statt. 4—5 3 / 4 Uhr: Sperr-, Trommel- und Gruppenfeuer^ 53/4—6 Uhr Wettlaufen und Hindernisrennen mit Handgranaten Sturm Helm und Gasmaske. 6—8 Uhr Sperr-, Trommel- und Gruppenfeuer Und bei Eintritt der Dunkelheit Beginn der itcv- ielnischen Nacht. 8—10 sUhr .Schleichpättouille rmd Füttetttngh sämtlicher Teilnehmer. 1. Gang: Karro (Brot) mit Marmelade; 2. Gang: Karro mit Fettlappen (wer noch welche hat). Getränke 7? Liter Wasser an Kaffee vorbeigeflossen. 10—12 Uhr nachtS Dauerskat, Michel reizt leicht an rnit 7,5 Zentimeter, Franz erwidert prompt bis 15 Zentimeter. Ms Gruppen- rmd Kvmprgni»' spiele werden Schanz- und Minierarbeiten arrangiert. 12—5 Uhr Zusamlnenrollen irr Jgelform bei starkem Fremdenverkehr. Ms sWiegenlied: Grad aus dem Wirtshaus komm ich heraus. Schluß!
** Kein Macher mit der Walnußernte. Aus Walnüssen läßt sich bekanntlich ein ausgezeichnetes Speiseöl Herstellen. Wir haben auch im D^atsckien Reich eine lpureichende: Anzahl MalnußbäUmie, um bei einheitlicher Bewirtschaftung eine ins Gewicht fallende Verbesserung unserer Versorgung mit Speiseöl ermvglickrerr zu können. Deshalb ist beim Kriegsernährungsamt verschiedentlich angeregt rvorden, hie MaVnußernte zu beschlagnahmen. Das Kriegsernährungsamt hat jedoch von einer allge- ineinen Beschlagnahme vorläufig noch abgesehen und cs den Brm- desstaaten überlassen, über ihre Nußernte nach eigenen: Ermessen zu beschließen. In einigen Bundesstaaten ist denn auch eine Orga- nisation ^zur Erfassung der Nußerrrte geschaffen roorden, in anderer: nicht. Die Möglichkeit seiner Betätigung hat der freie Handel leider zu Preissteigerungen benutzt, die als durchaus ungesund zu bezeichnen sind. Unter diesen Umständen sieht sich das Krregs- ernäl-rrmgsamt erneut vor die Frage gestellt, ob nicht doch noch eine Beschlagirahme der gesamten Nußerrrte zu angemessenen Preisen notwendig werden wird. Lwsfentlich genügt dieser .Hinweis den betreffenden Kreisen^ als Marnung. Sind die Preissteigenmgenj nicht anders zu beseitigen, so kann die Entscheidung nicht zweifel- l>aft sein. 30 bis 35 Mark für den Zentner dürfte der äußerste Preis sein, der in diesem^ Jahre ber der reichen Ernte als cmge^ messen zu bezeichr:en ist.
** Die Jagd nach der Jagd. Man schreibt uns: Gegenwärtig werden die Landgemen:du:, die sich noch im Besitz eigener Jagden befinden, mit Angeboten auf Ueberlassurrg der Jagd geradezu bestürmt. Die Jagdliebhaber, in allererster Linie reiche Großstädter, aber auch viele Spekulanten, bieten durchrveg so hohe Preise,^ daß z. B. der Hase auf etrva 10 Mark kommen dürfte. Jagdpächter, die schor: jahrelang im Besitz ihrer Gründe sind, finden jetzt die beste Gclegenheft, sich ihrer Jagdckn zu entäußerr:, rmd zwar zu jedem beliebigen Preise, da die „moderner:" Jagdlieb- Haber nach der Höhe der Pochtpreise nicht mehr zu frage:: scheinen.
---Vorschüsse zur Kartoffel- und Brennmaterialbesch astfung. Die Eifenbahndirektiorwn wurden angewiesen, den Beamten und ständig beschäftigten Arbeitern der Eisenbahnverwaltungen zur Beschaffung eir:es Wintervorvats an Kartoffeln und Heizmaterial Gelralts- und Lohnzuschüsse zu gewähren. Der Vorschuß darf die Höhe eines Monatsgehalts nicht überschreiten. Ferner müssen die auf diese Vorschüsse Anspruch machenden Beamten die Gewähr dafür bieten, daß die Kartoffeln


