Ausgabe 
20.10.1916 Erstes Blatt
Seite
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die SüMoffkarten von Samstag, den 21. v. Düts. ab. ber -Bvot- smarken bezirken entgegen nehmen. In ber ^t vom 21. vis 31^Ok- t-ober ö Js. wird gegen den L:eferungsabschn:tt3 der SMtofk- karten rbtau> unk»G" (g«lv) von den Suwtoffabgabestcllen

Cusistost abgegeben. Ausnahmsweise gelangen wiederum zwei Brieschen bezw- zwei Schachteln aut den Abschnitt zur Ausgabe. Mit brm 31 . Oktober verliert der Abschnitt 3 seine Gültigkeit. Siehe

Bekanntmachung. . m

** Gefl ü g e l- und Vogelzuchtvere:n. Eine Bestands- vusnabme unter den über 200 Mitglieder zählenden Geflügel- und Vogelzucht verein Gießen und Umgegend 1897 E. V. hat das Er­gebnis gedabt daß 149 Mitglieder ihre Geflügelbestände nne folgt angegeben^ 257 Hähne, 2874 Hühner, 19 Erpel, 96 Enten

und 38 Gänse Von den Tieren beenden sich in Gießen :m Besitz von 109 Mitgliedern: 160 Hähne, 2171 Hühner, 12 Erpel, 64 Enten und 29 Gänse. Von den Tierbesitzern, die Mitglieder des sind, wohnen auf dem Lande 40. welche über einen Bestand von 97 Hahnen, 703 Hühnern, 7 Erpeln, 62 Enten und 9 Gänien verfügen. Diese Bestandsaufnahme ist zum Zwecke der Futter- verteilung an die Mitglieder ausgenommen, die Landmit- alieder welche selber Körnerbau treibenh also durch den Bewein kein Futter beziehen, haben Angaben über die Zahl ihres Geflügels

nichtige ^ o ^ r a m m Fleisch. Die Höchstmenge an Fleisch und Fleischwaren, die wöchentlich aus die Fleischkarte entnommen werden dort, wird bis ans weiteres aus 8ö0 Gramm Schlachtviehfleisch mit eincnwachsenen Knochen festgesetzt. Siehe Bekanntmachung. Wie uns vom Lebensmittelamt mitgeteilt wird, ist Fleisch in genügender Menge vorhanden, so daß ein Andrang vor den Metzgerläden völlig unnötig ist. Die Mehgerläden sind von 812 und von 38 Uhr

^ Die Besitzer von Ob st bäumen der Gemarkung Gießen werden ausgesordert, zur Bekämpfung der Obstbaumschäd- linge sämtliche Obstbäume bis Mitte November gehörig abkrahen und mit Kalkmilch (gelöschtem Kalk, der mit viel Wasser verrührt ist), bestreichen lassen.

** T i c Beschlagnahme von Zinn, von B:erglas- deckeln und Bierkrugdeckeln aus Zinn und freiwillige Ablieferung anderer Zinn gegenstände regelt eme Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteile. _

** Das heutige Krersblatt enthält Bekanntmachungen über die Malz- und Gerstenkontingente der Bierbrauereien, sowie den Malzhandel, zuckerhaltige Futtermittel. Preisbeschränkung bei Schuhwaren, H öchstpreis t für Aepfel, Bezug von Torf­streu, Lieferung von Hau für das Heer, Geltendmachung von An­sprüchen von Personen, die im Ausland ihren Wohnsitz haben, Mrtoffellieferungen, Kartoffelernte, Verkehr mit Hülsen-

srürÄen. Lchrerkonferenz. ^ _

Kreis Büdingen.

' BorSvorf, 20. Okt. Noch nie sind so viele Dickwurz verladen worden wie in diesem Fahr. ES mag sein, daß der hohe Preis von 2 Mk. per Zentner verführt. Einzelne Landwirte setzen bis zu 200 Zentner ab. Hoffentlich leidet die Ernährung deS Viehbestandes durch den großen Runkelnabsah nicht.

* N i d d a . 20. Okt. Nach kurzem Krankenlager verschied plötzlich und unerwartet die hiesige Lehrerin Fräulein E m e r i ch.

KreiS Alsfeld.

k. Nieder-Ohmen, 19. Okt. Dem Landsturmmann Georg Müller wurde daS Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Dieselbe Auszeichnung erhielt der Musketier Heinr. Reinhardt in einem Insanterie-Regiment im Westen. Reinhardts Bruder kämpfte auf verschiedenen Kriegsschauplätzen im Osten und starb im Lause des SommerS den Too fürs Vaterland.

Kreis Lauterbach.

rr. Lauterbach, 20. Okt. Nunmehr ist die Nachricht ein­getroffen, daß Pfarrer Happel- Herbstein und Pfarrverwalter F u ch S - Hartershausen, Leutnants in einem Ink.-Regt., di« seit dem S. September vermißt wurden, in französische Gefangenschaft geraten sind. Sie befinden sich im Gefangenenlager zu Montoire sur Loire Leutnant Happel liegt noch mit einer Kopfwunde im dortigen Lazarett.

Aus dem Oberwald de« VogelsbergeS, 19. Okt. Sehr früh hat in diesem Jahre schon der Winter seinen Einzug gehalten und die Erde hat ihr weiße» Kleid anziehen muffen. Die letzten Tage waren sehr kalt, so daß man in der Folgezeit nur Schnee erwarten konnte. Vorgestern mittag fing eS kräftig an zu schneien, so daß der Schnee noch bis gestern liegen blieb. Stellenweise lag er 810 Zentimeter hoch.

Kreis Sriedberz.

nt. F r t e d b e r g, 80. Okt. Nach mehrjährigem schweren Leiden ist eine stadtbekannte Persönlichkeit, der Kirchendiener an der Burgktrche, JohS. D i e h l, gestorben.

Friedberg, 20. Okt. Zur raschen Einbringung der Kartoffelernte vor Eintritt deS Frostes ordnete das Kreis­amt auf Verfügung des Generalkommandos an, alle nur irgendwie erreichbare!: Arbeitskräfte in die landwirtschaftlichen Betriebe zu schicken. BiS zu einer bestimmten Frist haben die Bürgermeistereien dem KreiSamt mitzuteilen, ob die Erntearbeiten beendigt sind.

* Aus der Wetterau, 20. Okt. Der schnelle Witte- rungsumschlag ist sehr zu begrüßen. Heute ist der Bauer wie­der tüchtig an der Arbeit. Wenn er auch infolge der nieder gegan­genen Regenmenge nicht an das Säen zu denken braucht, so kann er doch Tickwurz ausmachen. Aus den nicht chauffierten Feldwegen sinken die schwerbeladenen Wagen dis an die Achsen in den. Schlamm. Die Schneckenplage ist sehr groß. Die Nachtfröste werden im Oktober im allgemeinen nicht gelrebt, weil die 'Gefahr besteht, daß die Hackfrüchte erfrieren. In diesem Jahr würden die Fröste einen gewissen Vorzug haben, weil die Schnecken größten-, teils eingingen und die mit Wilntergetreide bebauten Aecker nicht unter dem Schneckenfraß zu leiden hätten.

Starkenburg und Rheinhessen.

ch. Aus Rhein Hessen, 20. Okt. Die allgemeine Lese der Trauben hat in einer ganzen Anzahl Gemarkungen schon vor Tagen begonnen und im weiteren in der letzten Zeit einge­setzt. Der Ertrag ist stellenweise ganz zufriedenstellend, in viel mehr Lagen aber ungünstig. Auch die Lese der Frühtrauben hat ivenig günstig abgeschlossen, wobei es aber wieder Besitzer gab, die einen befriedigenden Ertrag ernteten und deshalb auch hei den hohen Trauben- und Mostpreisen gut abschnitten. Doch das sind verein­zelte Erscheinungei:, das Gesamtbild ist viel weniger erfreulich. Bei der Lese von weißen Trauben wurden Mostaewichte von 60 bis 90 Grad fest gestellt. Die Preise für die 56-Liter-Traubenmaische stellten sich in Mettenheim, Msheim. Bechtheich, Guntersbluch auf 50 bis 65 Mk., für die 64-Liter-Maische aus Bergtrauben in Oppenheim und Dienheim auf 60 bis 75 Mk. In Alsheim wurde das Stück 1916er Traubenmost mit 1950 Mk. bezahlt. Das Stück 1915er kostete bei einigen Abschlüssen 2000 Mk. und darüber.

Hessen-Nassau.

][ Marburg, 19. Okt. Tie seit Kriegsbeginn in einem städtischen Hause am Marktplätze eingerichtete Volksküche ist aufgehoben und statt dieser ist in den Stadtsälen in erweiterter Form eine Kriegsküche eingerichtet worden. Außer dieser befindet sich für die Nordstadt auf der Ketzerbach eine Speiscausgabe- stelle. Ter Höchstpreis für Eßkarten beträgt im Einzelverkaus 40 Psg., für Inhaber von Vorzugskarten 25 Pfg. und für Kinder 15 Psg. Im Abonnement erntäßigt sich dieser Preis um 5 Pfg. Tie Unkosten, die durch die Einnahmen nicht gedeckt werden, übernimmt die Stadt.

Frankfurt a. M., 20. Oktober. Das Lebensmittelamt bewilligte zur weiteren Steigerung der städtischen Schweine­mästungen eine Erhöhung des Kredits auf 300 000 Mark und beschloß zum Studium städt. Regieschlachtungen Fachleute nach Köln und Düsseldorf zu entsenden. Zum Versuch läßt der Magistrat 400 Kälber durch die Stadt schlachten. Ein Erhöhung der Hunbe­st euer ist vom 1. Januar 1917 ab in Aussicht genommen. Der erste Hund eines Besitzers soll statt 30 fortan 60 Mark, jeder wertere Hund 90 Mark kosten. Ziehhunde werden zum alten Satz von 20 Mark versteuert. In den Vororten bleiben die durch die Eingemerndungsverträge gewährleisteten Sätze bestehen.

ra. Königsberg 20. Okt. Den Ehrentod starb Georg Judt im Res.-Jager-Bataillon Nr. 11, 4. Komagnte.

Im stille

erwarten unsere Angehörigen den regelmäßigen Eingang des Heimat' mattes. Um eine Unterbrechung in der Zustellung ,n vermeiden, wolle man

den feldpoft'Bezug

des 6 ießener Anzeigers für November

schon letzt erneuern

Alle Poftämter nehmen die Bestellung entgegen. Der monatlithe Bc,ug be­trägt nife. 1.22 einfdtließlid) der Um- lailag'Bebübr. Außerdem vermittelt die Besteiiungm wie bisher auch die

öclchäfisstciic des öicßcncr Anzeigers

rft. Aus Nassau, 20. Okt. Der Höchstpreis für den Zentner abzulieiernder Walnüsse, d. h. der Walnüsse in der harten Schale ist seitens des Regierungspräsidenten aus den Betrag von 35 Mark festgesetzt worden._

«Sericktskaal.

Überschreitung der Höchstpreise.

fl Marburg, 19. Oft. DaS Schöffengericht verurteilte heute zwei Landwirte, die beim Kartoffelverkans die Höchstpreise über­schritten und in einem Falle auch Mindergewicht lieferten, zu 25 und 45 Mk. Geldstrafe. Gegen die Käufer wird ebenfalls Straff antrag gestellt.

wSchestl. Lebrrficht der Todesfälle i. -.Stadt Sieben.

40. Woche. Voln 1. bis 7. Oktober ISIS. Einwohnerzahl: angenommen zil 33100 (inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 20,39/«,.

Nach Abzug von 7 Ortsfremden: 9,43 */ w .

Zus.

Er-

Kinder

ES starben an

wachsene

im 1. LebenS* jahr

vom 2. bis

15. Jahr

Altersschwäche

1

1

Wundkrankheiten

2(0

2(1)

Lungentuberkulose

KD

MD

-

Gehirntuberkuloje

1

1

Lungenentzündung

1

1

Gehirnschlag anderen Krankheiten deS

1

1

""

Nervensystems

2(2)

2 (2)

Krebs -

3(2)

3(2)

Verunglückung

KD

KD

Summa:

13(7)

12 (7)

1

Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Veröffentlichung des Großh. KreisgesundheilsamtS Gießen.

Dr. W a l g e r, Med.-Rat.

kehle Nachrichten.

Kämpfe an der Donau.

Genf, 20. Okt. Much Meldungen Lyoner Blätter griffen) österreichische Monitore Batterien am rumänischen Äonauufer an. Die Besatzung bemächtigte sich vier rumänischer Geschütze, die sie trotz heftigen Feuers der rumänischen Batterien an die Front führen konnten.

Rumänischer Stoßseufzer.

Stockholm, 20. Okt. Das Presseamt des rumänischen Kriegsministeriums versendet folgenden Kommentar: Die deutsche Offensive nahm an der Siebenbürger Front auf einer Länge von Mehreren Hundert Kilometern eine Hefttgkeit an, die an Kraft und Umfang die deutsch-polnische Offensive im Jahre 1915 erreicht. Die Kriegslage ist in rumänisckien Kreisen augenblicklich nicht über­sehbar. Erst in einigen Tagen werden sie beurteilen können, ob die Deutschen die großangelegten Ziele erreichen, oder ob sie früher zum Stehen kommen. Die Bevölkerung wird jederzeit wahrheits­getreu die Lage ohne jeden Versuch zur Schönfärberei dargelegt erhalten, aber wir verlassen uns auf die Größe der rum änis chen Seele. Der Brennpunkt des Kampfes ist augenblicklich die D r e i - ländereckc, wo Ungarn, die Bukowina und Rumänien Zusam­menstößen. besonders das Gebiet bei Kirlibaba und Dorna Watra in den Waldkarpachen. Die Deutschen wollen hier die Verbindung zwischen der rumänischen und russischen Armee trennen, was den Feldzug entscheiden würde. Bon diesem Punkt breitet sich der Kamps nordwätts und südwärts aus. Tie russische Heeresleitung bestimmte, Widerstand längs der Bahnlinie Bukarest-Czernowitz zu leisten. Da die Gebirge an der rumänischer: Seite einen Nach­schub unmöglich machen, der für die Verteidigung unumgänglich notwendig ist, muß im Norden ein Stück rumänischer Erde ge­opfert werden. Tie russische Heeresleitung sagte uns eine Ent­lastung s offensive in Wolhynien und in der .Bukowina auf der ganzer: Front von Luck bis Karpathen zu. General Brussilow will die denkbarsten Anstrengungen machen, um gegen Kowel vor- zurücken uno General Schtscherbataff gegen Halicz, um hierdurch den Feind zu nötigen, einen Teil der in Siebenbürgen stehenden Truppen abzuziehen, die auf 16 Divisionen berechnet werden. Einschneidende wirtschaftliche Maßnahmen in Italien.

Lugano, 20. Oktober. Wie derEorriere della Sera" be­richtet, hat der italicnitd)' Minister des Innern ein Dekret vor­bereitet, -das, Um den Verbrauch von Kohlen zu Beleuchtungs-i und Heizzwecken einzuschränken, die Schließung aller öffentlichen Lokale (Cafös, Theater und Wirts­häuser aller Art) um 10 V 2 Uhr abends in ganz Italien anorb.net. Nur die Gastwirtschaften und Herbergen sind ausgenommen, sie müssen jedoch ihre Speisezimmer schließen. Ein anderes Dekret wird anordnen, daß die S't r a ß e n b e l e u d>* tung in allen Gemeinden Italiens bis 1072 Uhr abends aus die Hälfte ümb für den Rest der Diacht auf J /i der bisherigen Ausdeh­nung herabgesetzt werden must Ein drittes Dekret ermäch­tigt den Derkehrsminister, die Schiffahrt im Mittel- meer für italienische Handelsschiffe gänzlich oder zonen­weise zu verbieten und durchs ein weiteres Dekret wird bei dem Verkehrsministerium ein Fonds errichtet, aus dessen Beständen denjenigen Schiffsbesatzungen Belohnungen ausgezahlt tverden sollen, die sich durch Disziplin und Mut bei der Verteidigung ihres Schiffes gegen die Airgriffe feindlicher Unter­seeboote ausgezeichnet haben. Die ebenfalls schon angekün- diglen Maßregeln zur Einschränkung des Konsums wer-

dcnn wie immer, wenn es sich um etwas Unangenehmes Handel:, dem italienischen Publillim pillenweise bekanntgegeben. Zunächst ist gestern e:n Dekret über tue Einschränkung des Zucker ver­brauch es erschienen. Da bei dem disziplinlosen Charakter des italienischen Volkes an die Einführung des Kartensystems nicht zu denken war, hat man den Weg gewählt, die Menge des von den Fabriker: zum Verkauf zu bringenden Zuckers unter Regierungskon­trolle zu stellen und die Fabrikationsfteuer bedeutend zu erhöhen. Gleichzeitig wird der Höchstpreis iin Kleinhairdel auf 225 Lire bei: Meterzentner erhöht. Zur Kontrolle des Zucker Verkaufs iverden in jeder Zuckerfabrik Regierungsbcamte angestellt, von deren Zu- 'timmung jede Zuckevabgabe abhängt. Likörsabriken, Kucheirbacke- veiei: und alle Gewerbetreibeichen, die Zucker zu Erzeugnissen sür den Wiederverkauf benutzen, werden unter eine besondere Kontrolle für ihren Verbrauch au Zucker gestellt, um ihre,: Ver­brauch ein zu schränken, und müssen eine besondere Znschlagsstmer von 10 bis 20 Lire auf den Meterzentner Zucker bezahlen. Tie italienische Presse bemüht sich, das Publikum zu beruhigen. Gi 0 rnale b ' I 1alia" schreibt: Wir glauben nicht, daß Ursachen zum Marm Vorhände 1 : sind. Tie Bevölkerung wird sich ohne Schwierigkeiten den Beschränkungen miterwerfen, die durch die Lage des Verkehrs, insbesondere aus maritimen Rücksicktten geboten sind.Tribuna" tröstet ihr Publikum mit den Worten: .Das Problem des Konsums :st für uns nicht ein Problem des Hungers wie in Deutschland. Bei uns handelt es sich um > ein Problem, dessen Lösung fast gänzlich der freien Ent- chließung des Publikums anheimgestellt ist.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung

über Kartoffeln. Vom 14. Oktober 1916.

Auf Grund der Bekanntmachung über Kriegs Maßnahmen zur Sicherstellung der Volksernährung vom 22. Mai 1916 (Reichs- Gesell. S. 401) wird verordnet:

tz 1. .Die Regelung der Versorgung der Bevölkerung init Speisekartoffeln (8 2 der Bekanntn:achung über die Kartoffeloer- sorgung vom 26. Juni 1916, Reichs-Gesetzöl. S. 590) hat nach den: Grurchjatz zu erfolgen, daß bis zum 15. August 1917 nicht melw als l 1 / 2 Pfund Kartoffeln für den Tag und Kopf der Bevölkerung durchschnittlich verwendet werden dürfen. Dabei ist vorzuschrei­ben, daß der Kartoffelerzeuger auf bei: Dag!und Kopf bis IV 2 Pfund Kartoffeln seiner Ernte für sich und si'ir jeden Angehörigen seiner Wirtschaft verwenden darf, während im übrigen der Tageskopssatz auf höchstens 1 Pfund Kartoffeln mit der Maßgabe, festzusetzen ist, daß der Schwerarbeiter eine tägliche Zulage bis 1 Pfund Kartoffeln erhält.

8 2. Kartoffeln, Kartoffelstärke, Kartoffelstärkemehl, sowie Er­zeugnisse der Kartoffeltrocknerei dürfen, vorbehalllich der Vorschrift im Ms. 2, nicht verfüttert werden.

Kartoffeln, die als Speisekartoffeln oder als Fabrikkartoffeln nicht verwendbar sind, dürfen an Schweine und an Federvieh und, soweit die Verfütterung an Schweine und an Federvieh nicht mög­lich ist, auch an andere Tiere verfüttert werdch.

8 3. Es ist verboten, Kartoffeln einzusäuern und die an die Tr 0 ckenkartossel-Verwertungs-Gesellschaft tu. b. H. in Berlin ab­zuliefernden Mengen zu vergällen oder mit andere:: Gegenständen zu vermengen.

§ 4. Der Handel und der Verkehr mit Saatkartoffeln ist bis auf weiteres verboten.

Verträge über Lieferung von Saatkartvffeln gelten, soweit die Lieferung nicht bis zum 20. Oktober 1916 erfolgt ist, als auf­gehoben.

§ 5. Als Kommunatverband im Sinne dieser Anordnung gilt die von der Landeszentralbehörde gemäß § 11 der Bekanntmachung über die Kartoffelversorgung vom 26. Juni 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. .590) bestimmte Behörde.

8 6. Wer der: Vorschriften im 5 2 Abs. 1, § 3, § 4 Ms. 1 zuwider handelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft. Neben der Strafe können die Vorräte, auf die sich die^ strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied, ob sie dem Täter ge^ hören oder nicht, eingezogen werden.

8 7. Die Bekanntmachung über die Verfütterung von Kar- toffein vom 23. September 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 1075) wird aufgehoben.

8 8. .Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.

Berlin, den 14. Oktober 1916.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers.

Dr. Helfferich.

An den Oberbürgermeister zu Gießen und die Grvßh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Durch vorstehende Bekanntmachung des Reichskanzlers ist die Verfütterung von Kartoffeln und Kartosfelpro- dukten, das Ernsäuern der Kartoffeln und das Vergällen und Vermischen von Kartofselprodukten, der Handel und der V e r kehr mit Saalkartoffeln unter Mshebung abgeschlossener nicht bis zum 20. OkÜober erfüllter Verträge verboten. Ferner ist die Tageskopfmenge auf 172 Pfund für Kartoffel- erzeuger und auf 1 Pfund für die übrigen Ver­braucher unter Zubilligung erhöhter Sätze für Schweraribeiter festgesetzt worden.

Die noch nicht ausgegebenen und nicht erngelösten Bezugs­scheine sirch demnach auf die entsprechende Menge abzuändern^ also auf 3 Zentner statt 5 Zenttier. Die Ausfuhr von Saatkartof­feln aus dem Großherzogtum ist nach Verfügung Grvßh. Ministe­riums des Innern vom 17. Oktober 1916 nicht mehr gestattet.

Vorstehende Bekanntmachung und Anordrrung ist ortsüblich zu veröffentlichen.

Gießen, den 19. Oktober 1916.

Gwßherzogliches Kreiscunt Gießen.

I. V. 1 Langermann.

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