Nr. 2\l
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richten. Anzeiger Gießen.
Erster Blatt
166. Jahrgang
Freitag, 20. Oktober Mt
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General-Anzeiger für Oderhesien
Zwillmgrrund-ruck u. Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch. u. Ztemdruckerei R. Lange.
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Ersslgreicher GroßkampfiKg an der §omme.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 19.Oklober. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Gcneralfcldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern.
Nördlich der Somme gestern wieder ein erfolgreicher Großkampftag! In schwerem Ringen ist ein neuer Durchbruchsversuch der Engländer zwischen L e S a r s und M o r - v a l vereitelt worden. Ihre Angriffe, die dort vom Morgengrauen bis zum Mittag gegen unsere zäh verteidigten, im Nahkamvf gehaltenen oder durch Gegenstoß wieder genommenen Stellungen gefülirt wurden, sind zum Teil schon in unserem starken, gut geleiteten Artilleriefeuer gescheitert.
Unbedeutender Geländegewinn der Engländer nördlich von Eaucourt l'Abbaye und Gueudeeourt. der Franzosen in Sailly und auf dem Südufer der Somme zwischen Biaches und La Maisonette bei einem Angriff in den Abendstunden gleichen die schweren blutigen Verluste der Gegner nicht aus.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Nördlich von Siniawka wurden feindliche Gräben auf dem Westufer des Stochod genommen, bei Bubnow Angriffe russischer Gardctruppcn verlustreich für den Gegner abgewiesen.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
An den Pässen über die rumänische Grenze sind erfolgreiche Kampfe im Gange.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Bei der
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen keine besonderen Ereignisse.
Mazedonische Front.
An der Cerna haben sich neue Kämpfe entwickelt.
Der erste Generalguartiermeister Ludendorff.
* * *
Wir leben jetzt ziemlich unabhängig vom Auslande. Wir können ohne das Ausland leben, zwar nicht in Genüssen und Ueberflüssen schwelgen, aber doch die notdürftigste Ernährung durchführen. Das muß uns stolz und freudig machen und die vor dem Kriege bei uns beliebte Anbetung des Auslandes fortan ausschließen. Dabei müssen auch der Verstand, der Wille, das Ansehen des Deutschtums auch nach außen hiss in Aort und Tat hochzuhalten, mit ani Werke sein. Es ist zu bedauern, daß z. B. vor unvorsichtigen Gesprächen immer noch gewarnt werden muß. In Eisenbahnen, Gasthäusern und auf der Straße werden noch immer törichte, leichtfertige Worte hingeworsen, von fremden Elementen aufgelesen und weiterverbreitet. Besonders die deutschen Reisenden im Auslande spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle .Es wird von zuverlässiger Seite erzählt, daß in einem Gasthause in Kopenhagen ein Berliner und ein Hamburger über Ernährungsfragen sich unterhielten, wobei der Berliner äußerte, er werde noch einige Tage in Kopenhagen bleiben, um wieder einmal ordentlich essen zu können. Dieser Unterhaltung folgten zwei englisch sprechende Herren. Der eine übersetzte dem anderen dre Unterhaltung, und zwar in vollkommen entstellter Form. In Brüssel wurde, wie einwandfrei festgestellt werden konnte, durch mißverstandene Aeußerungen deutscher Reisender die Meinung verbreitet, Deutschland stände vor einem baldiben Zusammenbruch. In einem Züricher Hotel, wo vrele Reisende verschiedener Nationalität Verkehren, plauderte ein deutsches Ehepaar mit einer Dame, die zwar deutsch sprach, aber offenkundig Französin war. Als das Ehepaar gegangen war, teilte die Französin den Inhalt des Gespräches einem französischen Reporter mit, der vor dem Krieg seinen Wohnsitz in Berlin gehabt hatte.
Die Nagen über harte und schwere Zeit sind ja etwas Natürliches, aber sie tragen oft Uebertveibungen in sich, die von schlechter Laune, trüben Seelenstimmungen gefärbt sind. Mau will sich Luft machen, ähnlich wie beim Schimpfen. Aber die Klagen und die unbewußten Lügen, die sie enthalten, haben in der Kriegszeit lange, nicht kurze Beine.
. Sie wandern weit hinaus in Feindesland, oft absichtlich von ' unseren Gegnern verdreht und anfgeb wuscht, denn der Feind hat ja nicht nur ein Interesse daran, in seinen amtuchen .Heeresberichten seine Erfolge zu übertreiben, unsere Siege .zu verschweigen und herabzusetzen, sondern er hat auch, be- ' sonders England, das die Aushungerungswaffe gegen uns schwingt, das Bestreben, die Wirkung seiner Abschließungs- ,'fünfte in falschem Bilde vor der Welt erscheinen zu lassen.
; Viel nützt ihm das freilich nicht. Denn wir leben und ernähren uns, das erfährt das Ausland doch auch; und Unsere parlamentarischen Verhandlungen bezeugen, daß von Hungersnöten bei uns keine Rede sei. England hat ja ebenfalls wachsende Ernährungsschwierigkeiten, wie aus der letzten Sitzung des Unterhauses hervorging. Runciman, der Handelsminister, sagte warnend, England müsse auf jeden Fall vermeiden, sich in die Lage einer blockierten Nation zu ver- . setzen, und er widerstrebt deshalb den Rationierungen. Aber auch der Beschluß des Unterhauses, in dieser „ernsten Zeit"
^Unpolitischen Meinungsverschiedenheiten zurückzu- stellerr, führt eine beredte Sprache. Wir erkennen, daß unsere Gegner dieselben Leiden durchmacheu wie wir. Sie wollen es nicht wahr haben und die Welt darüber täuschen.
denn es gilt noch immer, die neutralen Staaten für sich zu gewinnen. Wir haben in der Heimat jetzt wichtige Pflichten zu erfüllen und stehen, wie unsere Feldgrauen, ebenfalls mitten in „Großkampftagen". Wir müssen Kenntnis nehmen von den Vorgängen im Auslande — das kann auf unsere Stimmung und unsere Entschlüsse nur günstig einwirken und muß Lauheit von uns fernhalten — und wir müssen die heißen Dämpfe unserer Klagen vorsichtig und umsichtig kondensieren. Der Deutsche von heute hat Grund, stolz, zuversichtlich zu sein, stolzer als in den Zeiten, da er noch nicht wußte, wieviel Schätze und Fähigkeiten auf seinem Heimatboden schlummerten.
Zu diesen lleberlegungen und Vorsätzen dürfen wir auch eine heitere Wahrnehmung machen, die unser Emporkommen als Kulturrnacht betrifft. England will uns einschnüren und erdrosseln, Rußland will dies auch, aber noch mehr: es will nichts mehr von uns wissen, nichts mehr von unserer Sprache und Kultur, da sein Natronalgefühl mit einiger Scham empfindet, wie mächtig deutscher Geist und deutsche Arbeit in Rußland Boden gefaßt haben! Prof. Dr. Schiemann, der bekannte Berliner Historiker, teilt in der „Post" mit, daß in Petersburg neuerdings ein Ukas des Zaren erlassen worden ist, der für das gesamte Gebiet des russischen Reiches die deutsche Sprache als Gegenstand und Mittel des Unterrichts verbietet und zugleich ausdrücklich theologische Collegia an der Universität Dorpat in deutscher Sprache untersagt. Der Kasus macht Uns wirklich lachen! Die Russen haben, so fügt Schiemann seiner Mitteilung hinzu, seit Beginn des 18. Jahrhunderts fast ihr lgesamtes Wissen deutschen Quellen entnommen, so daß ihre Fachliteratur zum größten Teil aus Uebersetzungen deutscher Originalarbeiten besteht. Auch ist gerade jetzt die Petersburger Akademie der Wissenschaften beschäftigt, die Werke von Hegel zu übersetzen. Man darf wohl annehmen, daß diese gefährliche Tätigkeit ihr untersagt werden wird, da das deutsche Gift auf diesem Wege leicht die Gesundheit der russischen Seele gefährden könnte. Will die russische Regierung folgerichtig sein, meint Schiemann, so verbiete sie auch Uebersetzungen und säubere die Bibliotheken nicht nur von den in deutscher Sprache gei- druckten Büchern, sondern auch von allen Uebersetzungen aus dem Deutschen. Dummheit und Stolz wachsen hier auf einem Holz. Wir Deutsche denken nicht daran, uns ab- schließen zu wollen, unser Stolz ist es, daß wir als freies Volk lernen und arbeiten und daß wir als die Tüchtigsten den Platz uns „erobern" wollen, der uns gebührt.
* * *
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 19. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 19. Oktober 1916.
Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Die' Kämpfe an der siebrnbürgischen Süd- und Ostgrenze dauern an.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Südlich von Zborom erfolgreiche Unternehmungen, unserer Vorposten. Bei der Armee des Generalobersten von Tersztyansky wurden Vorstöße russischer Gardeabteilungen
abgeschlagen und am oberen Stochod einige ftindliche Gräben in Besitz genommen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Kämpfe imPasubiogebiet erneuerten sich mit gesteigerter Erbitterung. Die durch Alpini verstärkte Brigade Liguria griff unsere Stellungen nördlich des Gipfels an. Stellenweise gelang es dem Feinde, in unsere vorderste Linie einzudringen. Die braven Tiroler Kaiserjäger-Rcgi- menter Nr. 1 und 3 gewannen jedoch alle Stellungen wieder zurück, nahmen einen Bataillonskommandanten, zehn sonstige Offiziere und 153 Mann gefangen und erbeuteten zwei Maschinengewehre. Ein neuerlicher Angriff der Italiener wurde abgewiesen. Starke feindliche Wteilungen, die sich vor dem Roiterücken sammelten, wurden durch unser Artilleriefeuer niedergehalten. An der übrigen Front stellenweise Geschützkämpfe. Unsere Flieger belegten Salcan und Eastagnavizza mit Bomben.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Aus Albanien nichts zu berichten.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfcr, Feldmarschalleutnant.
Generaloberst v. Kluck verabschiedet.
Das „Militärwochenblatt" meldet: v. Kluck, Generaloberst von der Armee, zuletzt Oberbefehlshaber der ersten Armee, ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches unter Ernennung zum Chef des 0. pommerschen Infanterie-Regiments Nr. 49 mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt. Er wird auch ferner in der Dicnstliste der Generale geführt.
Deutsche Verwahrung gegen Norwegen.
Berlin, 20. Oktober. (WTB. Amtlich.) Tie „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Tie norwegische Regierung hat, um den Eindruck ihrer Verordnung vom 13. Oktober abzuschwächen, ihre Antwort auf die Denkschrift der Ententemächte über die Behandlung der U-Boote veröffentlicht, worin sie sich einerseits das Recht znspricht, Kriegsunterseebooten jeden Verkehr und Aufenthalt auf norwegischen! Seegebiet m untersagen, andererseits aber ihre Pflicht verneint, irgendeiner der kriegführenden Mächte gegenüber ein solches Verbot zu erlassen.
Zu dieser Erklärung ist zu bemerken, daß sich die Erklärung offenbar im wesentlichen nur gegen Tentschlond richtet und daher dem Geiste wahrer Neutralität nicht entspricht. Der dercksche Gesandte in Kristiania ist daher beauftragt worden, wegen des Vor- gehens der norwegischen Regierung nachdrücklich Verwahrung ein. zulegen.
Aus dem englischen Unterhaus.
Rotterdam, 19. Oktober. (WTB.) Der „Nieuwe Rvtter- damsche Courant" meldet aus London vom 18. Oktober: Im Unter Hause fragte der Liberale Chaphle, ob mit den Entente-Regierungen über gemeinsam ne Kundgebungen beraten worden sei, daß über Friedensbedingungen, die Deutschlands Bundesgenossen anbahnen, nicht mit Deutschland verhandelt, sondern mit jebem von ihnen ein Sonderfrieden abgeschlossen werde. Lord Robert C e c i l antwortete schriftlich folgendermaßen: Ich bin nicht bereit, irgend eine Mitteilung über vertrauliche Verhandlungen zu machen, die zwischen den Alliierten stattgefunden oder nicht stattgefnnden haben. Ter Liberale Trevelyan fragte, ob die Regierung mit ihren Alliierten ein Abkommen abgeßhilossen habe, Rußland als Resultat dieses Krieges Konftantinopel zu garantieren. (Rufe: Oh, oh!) Lord Mbert Ce eil antwortete: Ich kann keine einzige Mitteilung (Hött! Hött!-Rufe) Äer d^e möglichen Friedensbedingungen machen, außer nach vorherigen Beratungen mit den Alliierten und mit deren Zustimimung. Ich zweiHe


